Die Christen im Orient

 

Die Christen in der arabischen Welt

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Anfang des 20. Jahrhundert stellten die Christen in der arabischen Welt etwa rund 20 Prozent der Bevölkerung. Heute sind nur noch rund fünf Prozent der arabischen Welt christlich. Durch das Chaos im Nahen Osten drohen die Christen aus dieser Region, in der ihre historischen Wurzeln liegen, zu verschwinden. 

 

m Irak werden christliche Minderheiten derzeit von den Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) vertrieben, während sie aus der Türkei bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts fast völlig verschwunden sind. Ägypten hat zwar die größte christliche Gemeinschaft der arabischen Welt, die Kopten erfahren jedoch nach wie vor keine echte Anerkennung. Der Libanon ist das einzige Land, in dem Christen lange in der Mehrheit waren, und auch noch heute noch müssen sowohl das Staatsoberhaupt als auch der Oberbefehlshaber der Armee Christen sein. Aus Syrien fliehen Christen in großer Zahl, da sie zwischen den Fronten zerrieben werden in einem Krieg, der nicht zuletzt den Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran widerspiegelt. Ironischerweise gehören gerade die Christen des  Orients zu den ausgewiresensten Kennern des Islam.

 

Ein Großteil der emigrierten arabischen Christen leben heute auf dem ganzen amerikanischen Kontinent von Kanada/USA im Norden bis Argentinien und Brasilien im Süden.  Nur weniger arabische Christen sind nach Europa ausgewandert.

 

Insgesamt wird die Anzahl an arabischen Christen noch auf 40 Millionen geschätzt.In den Ländern des Vorderen Orient verteilen sie sich nach folgenden Zahlenverhältnissen:

 

 

Ägypten: 5–11 Mio.

Libanon: 1,6 Mio.

Syrien: 2,4 Mio.

 

Jordanien: 400.000

 

Israel: 154.000

Palästina: zwischen 38.000 und 50.000

Irak: 636.000

 

Türkei: 18.000

 

 

Die orthodoxen Christen

 

in Syrien und Libanon

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Christentum im Nahen Osten bildet einen besonderen Teil der Christenheit. Hier stand die Wiege des Christentums, hier gründeten die Apostel die ersten Gemeinden. So lebte in der hellenistischen Metropole Antiocheia bereits zur Zeit der Apostel Petrus und Paulus eine christliche Gemeinde, deren Mitglieder zum allerersten Mal als „Christianoi“ (Christen) bezeichnet wurden.

 

Mit den jüngsten Entwicklungen während des syrischen Bürgerkrieges finden sich die tief in der Region verwurzelten Christen heutzutage jedoch als bedrohte Minderheit wieder. Seitdem die islamistische Rebellenmiliz IS (Islamischer Staat = al-Dawlah al-Islamiyah) Ende Juni 2014 ein „Kalifat“ in der Region zwischen dem Nordostens Syriens und dem Nordwestens des Irak ausgerufen hat, häufen sich die Drohungen, Übergriffe und Mordanschläge auf die dort ansässigen Christen. Es wird ein erheblicher Druck auf die Gemeinden, Familien und Einzelpersonen ausgeübt entweder zum Islam zu konvertieren, zu fliehen oder bei Verweigerung der Kopfsteuer getötet zu werden.

 

Während die Christen etwa 8-10% der syrischen Bevölkerung ausmachen, hat der benachbarte Libanon mit einem Anteil von ca. 35% an der Gesamtbevölkerung den höchsten Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung im prozentual gesehen gesamten arabischen Raum.

 

Die orthodoxen Christen im Libanon gehören ebenso wie diejenigen in Syrien zum rum-orthodoxen Patriarchat von Antiocheia und dem gesamten Orient. Dieses altkirchliche Patriarchat zählt heute etwa 4 Millionen Gläubige, wobei sich mittlerweile nur noch ein kleinerer Teil aufgrund von Auswanderungswellen im 19. Und 20. Jahrhundert in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens beheimatet ist.

 

Orthodoxer Gottesdienst in Tripoli (Libanon)
Orthodoxer Gottesdienst in Tripoli (Libanon)

 

Im Libanon leben bis zu 200.000 rum-orthodoxe Gläubige, deren Schwerpunkt in den Vorstädten Ostbeiruts und Juniyas sowie in der ländlichen Gegend Kura im Norden des Landes liegt.

 

Eine Besonderheit der rum-orthodoxen Gemeinschaft ist, dass sie die griechische (byzantische) Orthodoxie mit einer sprachlichen und kulturellen Verwurzelung in der arabischen Kultur des nahen Ostens verbinden.

 

Im multireligiösen Mosaik Syrien existierten bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs ein friedliches Miteinander einer Vielzahl an christlichen Konfessionen mit einer meist sunnitisch-islamischen Mehrheitsbevölkerung. Im Norden des Landes leben rum-orthodoxe Christen und eine starke islamisch-alewitische Minderheit in friedlicher Nachbarschaft. Unter den zwei Millionen syrischen Christen gehört etwa die Hälfte zum rum-orthodoxen Patriachat von Antiochia. Damit sind die Orthodoxen die größte Kirche in Syrien. Ihr Oberhaupt ist seit Dezember 2012 Seine Seligkeit Patriarch Johannes X. (Yazigi, * 1955). Patriarch Johannes war in der Vergangenheit rum-orthodoxer Metropolit von Mitteleuropa gewesen und damit damals auch für die arabischsprachigen Orthodoxen in Deutschland zuständig. Die größten und bedeutenden Gemeinden der Rum-Orthodoxen liegen in Damaskus und in der nordwestlich gelegenen Stadt Lattakiya sowie in der benachbarten Küstenregion. Ein fast ausschließlich orthodox geprägtes Gebiet ist im Küstengebirge das Wadi al Nasara („Tal der Christen“; hier leben rund 150.000 meist rum-orthodoxe Christen) nahe der Stadt Homs.

 

 

Feier der Göttlichen Liturgie in der rum-orthodoxen Kathedrale in Damaskus.
Feier der Göttlichen Liturgie in der rum-orthodoxen Kathedrale in Damaskus.

 

Die Rum-Orthodoxe Kirche von Antiochien

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

„In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt“ (Apostelgeschichte 11: 26).

 

Die Rum-Orthodoxe Kirche von Antiochia (Griechisch Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und dem gesamten Orient (arabisch: بطريركية أنطاكية وسائر المشرق للروم الأرثوذكس‎‎,)  blickt auf 2000 Jahre christlich geprägter Geschichte zurück, denn die ersten Gemeinden des späteren Patriarchates wurden bereits durch die Apostel Petrus und Paulus gegründet. Das Patriarchat von Antiochien organisierte sich um Antiocheia am Orontes, dem heutigen Antakya in der Südosttürkei herum. Die antike Weltstadt war der Hauptort und Verwaltungssitz der römischen Provinz „Oriens“. Es war neben Rom, Konstantinopel, Alexandria, und Jerusalem eines der fünf alten Patriarchate in der römischen Reichskirche. 

 

Im 5. Jahrhundert blieb der Teil der antiochenischen Christen, die später als „rum-orthodox“ („rum“ steht für Rhomaios = Oströmer bzw. Byzantiner) bezeichnet wurden, dem orthodoxen Glauben in der Formulierung treu, wie er durch das Ökumenischen Konzil von Chalzedon im Jahre 451 ausgedrückt wurde: dass unser Herr Und Erlöser Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Menschen in zwei Naturen ist. Ein anderer Teil der zum Patriarchat von Antiochien gehörenden Christen verwarf jedoch die Formulierungen des Konzils von Chalzedon. Sie bekannten sich zu Jesus Christus als wahrem Gott und wahrem Menschen in einer, nach der Inkarnation vereinigten einzigen gottmenschlichen Natur. Diese Lehre bezeichnet man als Miaphysitismus. Diese Christen verselbstständigten sich in der Folgezeit und bilden heute das “Syrisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien”. Sie stehen seit dieser Zeit nicht mehr mit den Orthodoxen, sondern den übrigen alt-orientalischen Kirchen (Kopten, Armeniern, Äthopiern, Ereträern und Indern) in Kommunion. Jedoch ist heutzutage das Verhältnis der rum- orthodoxen Christen zu den alt-orientalischen syrisch-orthodoxen Christen von einem guten ökumenischen Miteinander geprägt. Gleiches gilt im übrigen auch für das Verhältnis zwischen den orthodoxen und griechisch-katholischen Christen.

 

Heute tragen 5 Kirchenoberhäupter den Titel des Patriarchen von Antichien (von links nach rechts): griechisch-katholisch, syrisch-orthodox, rum-orthodox, maronitisch und syrisch-katholisch.
Heute tragen 5 Kirchenoberhäupter den Titel des Patriarchen von Antichien (von links nach rechts): griechisch-katholisch, syrisch-orthodox, rum-orthodox, maronitisch und syrisch-katholisch.

 

Als die muslimischen Araber im 7. Jahrhundert die östlichen Provizen des römischen Reiches besetzten, verloren die Rum-Orthodoxen ihren Status als Reichskirche und galten unter der Herrschaft der Muslime als Schutzbefohlene. Als Schutzbefohlene der Muslime wurde der Rechtsstatus der Christen eingeschränkt und sie galten nicht mehr als rechtlich vollwertige Landesbewohner. Sie durften unter anderem ihre Kirchen nicht mehr erneuern, keine Glocken mehr läuten und keine Pferde als Reittiere benutzen. Auch gab es besondere Kleidervorschriften für sie und sie mussten auch Sondersteuern zahlen. Insbesondere aber war Ihnen verboten, Muslime zum Christlichen Glauben zu bekehren und zu versuchen, zur Apostasie bereite Christen vom Übertritt zum Islam abzuhalten. Durch diese Maßnahmen ging die Zahl der Christen immer weiter zurück, so dass sie vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges nur noch 10 % der syrischen Bevölkerung ausmachten.

 

Unter der Herrschaft der lateinisch-fränkischen  Kreuzfahrern  im 11. – 13. Jahrhundert bildeten sich erstmals lateinische Christengemeinden im Gebiet des antiochenischen Patriarchates. Auch wurde der rum-orthodoxe Patriarch und viele Bischöfe von ihren Bischofsstühlen vertrieben und durch Lateiner ersetzt. So wurde damals auch ein lateinisches Patriarchat von Antiochien gegründet. Der rum-orthodoxe Patriarch musste im Exil in Konstantinopel seine Zuflucht suchen. Nach der Zerstörung der Stadt Antiocheia im Jahre 1268 durch die Mameluken residierte er zunächst an verschiedenen Orten, bis er sich dann im 16. Jahrhundert endgültig seine Kathedra nach Damaskus verlegte. Unter der Herrschaft der türkischen Osmanen ab 1517 wurden die Rum-Orthodoxen zur Rum-Millet gerechnet. Der Patriarch residierte damals meist in Konstantinopel und standen unter dem Einfluss des Ökumenischen Patriarchen. Auch wurden der Patriarchenthron und die Bischofsstühle meist mit griechischstämmigen Klerikern besetzt. Dies führte im Laufe der Jahrhunderte zu einer gewissen Entfremdung zwischen der bischöflichen, griechisch-orientierten Hierarchie auf der einen Seite, die die Orthodoxie mit dem byzantinischen Griechentum gleich zu setzten suchten (Idee des Rhomaiosyne) und den inzwischen fast durchgängig arabisch-sprachigen Priestern und Gemeinden des Patriarchates. Diese Entfremdungstendenzen machten sich dann im 18.Jahrhundert westlich-lateinische Missionare zu nutze, die für eine Unterstellung der orthodoxen und alt-orientalischen Christen unter die Jurisdiktion des Papstes warben. Im Jahre 1724 spalteten sich Kleriker und Gemeinden vom rum-orthodoxen Patriarchat ab und bildeten ein eigenes mit Rom uniertes griechisch-katholisches Patriarchat. Zur Unterscheidung von den Rum-Orthodoxen bürgerte sich im Laufe der Zeit für diese byzantinischen Katholiken die Bezeichnung "Melkiten" ein. Gleichzeitig bewirkte die Gründung eines mit Rom unierten Patriarchates, dass sich der Einfluss des Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel auf die rum-orthodoxe Kirche noch einmal verstärkte. Die rum-orthodoxe Kirche erhielt jetzt durchwegs griechisch-stämmige Patriarchen und Bischöfe. Erst im Jahre 1899 konnte mit Hilfe der Russischen Kirche wieder ein arabischer Patriarch gewählt und in sein Amt eingesetzt werden. Seit dieser Zeit hat sowohl der Episkopat des Patriarchates wie auch die meisten seiner Gläubigen in Syrien und dem Libanon Arabisch als Muttersprache.

 

Ein Sinnbild wie es eigentlich sein sollte: Im Vordergrund die Rum-Orthodoxe St.-Georg Kirche, im Hintergrund die sunnitische Mohammed-al-Amin-Moschee am Platz der Märtyrer in Beirut (Libanon).
Ein Sinnbild wie es eigentlich sein sollte: Im Vordergrund die Rum-Orthodoxe St.-Georg Kirche, im Hintergrund die sunnitische Mohammed-al-Amin-Moschee am Platz der Märtyrer in Beirut (Libanon).
Ikonostas vor dem Hauptaltare in der Rum-Orthodoxen St.-Georg Kirche in Beirut.
Ikonostas vor dem Hauptaltare in der Rum-Orthodoxen St.-Georg Kirche in Beirut.
Ikonostas vor einem der Seitenaltäre in der Rum-Orthodoxen St.-Georg Kirche in Beirut.
Ikonostas vor einem der Seitenaltäre in der Rum-Orthodoxen St.-Georg Kirche in Beirut.

 

Im 19. und 20. Jahrhundert trugen viele Faktoren zur Schwächung der rum-orthodoxen Kirche bei: Erneut kam es zu Verlust von Gläubigen, als zum lateinischen Prosyletismus zu Gunsten der Uniaten auch noch eine verstärkte Tätigkeit protestantischer Missionare einsetzte. Die protestantischen Missionare waren ursprünglich zum Heidenmission unter den Muslimen in den Nahen Osten gekommen. Als ihnen dort der Erfolg versagt blieb, wandten sie ihre Bemühungen den orthodoxen und orientalischen Christen zu. So kam es im 19 und zu Beginn des 20.Jahrhunderts zu einer Vielzahl von katholischen und protestantischen Schul- und Unversitätsgründungen im ganzen Nahen Osten. Schon allein von den notwendigen finanziellen Mitteln hatten das rum-orthodoxe Patriarchat dem kaum etwas entgegenzusetzen. Jedoch bedeutete das christliche Schulwesen das hier nun entstand, eine solide Basis für die heute meist überdurchschnittlich gute Ausbildung der christlichen Minderheiten. Jedoch gelang es auch dem rum-orthodoxe Patriarchat - wenn auch in weitaus bescheidenerem Maßstab - orthodoxe Schulen und sogar eine eigene Universität zu gründen. Heute ist die Balamand-Universität im Libanon die einzige orthodoxe kirchliche Universität im gesamten Vorderen Orient. Sie steht Studenten aus allen Kirchen und Religionen offen.

 

Ein weiteren Grund für den Rückgang der Gläubigenzahlen in den nähöstlichen Gebieten des rum-orthodoxen Patriarchat bilden die Auswanderungswellen, die seit der Mitte des 19.Jahrhunderts die Gebiete der Levante erfasste. Gerade die gut ausgebildeten und wirtschaftlich aktiven Christen wanderten in die USA und Kanada, aber auch in die mittel- und südamerikanischen Staaten aus. So leben heute mindestens die Hälfte der antiochenischen orthodoxen Gläubigen in den Ländern Nord- und Südamerikas. In den USA ist das dortige rum-orthodoxe Erzbistum auch zur kirchlichen Wahlheimat für zahlreiche angelsächsische und hispanische Konvertiten geworden. Die hat einen gewichtigen Grund sicherlich auch darin, dass die rum-orthodoxe Kirche von Antiochien seit Mitte des 20. Jahrhunderts  einen spirituellen und kulturellen Aufbruch, vor allem dank der “Orthodoxen Jugendbewegung” (MJO/Syndesmos), erlebte. Viele heutige Bischöfe und Kleriker der Kirche sind davon in ihrer spirituellen und kirchlichen Prägung geformt worden.

 

 

Die rum-orthodoxen Christen in Deutschland

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die ersten rum-orthodoxen Gläubigen kamen in den 1960/70-er Jahren als Gastarbeiter aus dem Südosten der Türkei nach Deutschland. Denn im Jahre 1939 hatte die französische Mandatsmacht in Syrien das Gebiet von Hatay, auch Sandschak von Alexandrette genannt, an die junge türkische Republik abgetreten. Im Süden des Gebietes leben neben mehrheitlich arabischen Alawiten auch ca. 10.000 rum-orthodoxe Christen. Auch in den Städten İskenderun und Antakya gibt es orthodoxe Gemeinden. Mit der Gastarbeiteranwerbung kamen deshalb neben den türkischen sunnitischen und alewitischen Muslimen auch arabisch-sprachige orthodoxe Christen nach Deutschland. Sie bildeten hier die ersten rum-orthodoxen Gemeinden. Später kamen in den Jahren 1975 bis 1990 während des libanesischen Bürgerkrieg  weitere arabisch-sprachige orthodoxe Christen zu uns. Zur gleichen Zeit kamen auch weitere Gläubige aus Syrien, Libanon, Palästina  und Jordanien. Vor allem der Iraq-Krieg (auch Zweiter und Dritter Golfkrieg genannt) eröffnete eine neue Fluchtbewegung orientalischer Christen in unser Land, unter denen sich auch viele rum-orthodoxe Christen befanden. Vor allem der syrische Bürgerkrieg, der bis heute andauert, hat die rum-orthodoxe Gemeinde in Deutschland stark wachsen lassen. Dieser Entwicklung hat auch das rum-orthodoxe Patriarchat in Damaskus seelsorgerlich Rechnung getragen. Mitte der 1970-er Jahre waren die ersten rum-orthodoxen Kirchengemeinden  die Rum-Orthodoxen in Deutschland gegründet worden. Das Patriarchat förderte diese Initiativen und Bemühungen der Gläubigen durch die Entsendung von Priestern nach Deutschland. Als bischöfliche Struktur wurde eine eigene Metropolie für Mittel- und Westeuropa mit Sitz in Paris geschaffen. Erster Metropolit wurde der heutige Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient, Seine Seligkeit Youhanna X. Als bischöfliche Vikare (Weihbischöfe) in Deutschland standen ihm Bischof Hanna Haikal in Berlin und Bischof Ephraim Maalouli in Köln zur Seite. Vor Ausbruch des syrischen Bürgerkrieg lebten ca. 20.000 arabisch-sprachige Orthodoxe in Deutschland. Heute dürfte ihre Zahl bei rund 100.000 liegen. Seit Oktober 2013 wurde dann eine eigene Metropolie für Deutschland und Mitteleuropa geschaffen. Der amtierende Metropolit ist Monsigneur  Isaak (Barakat). Trotz schwieriger Erfahrungen gerade in der jüngeren und jüngsten Geschichte ist die rum-orthodoxe Kirche  nicht nur in ihrer nahöstlichen Heimat ökumenisch sehr engagiert. Auch dem Dialog mit Juden und Muslimen gegenüber ist diese arabisch-orthodoxe Kirche besonders aufgeschlossen, lebten doch ihre Vorfahren jahrhundertelang mit ihnen im gemeinsamen orientalischen Kultur- und Lebensraum des Nahen Osten friedlich zusammen.

 

Metropolit Isaak (Barakat) seit Oktober 2013 Metropolit von Deutschland und Mitteleuropa
Metropolit Isaak (Barakat) seit Oktober 2013 Metropolit von Deutschland und Mitteleuropa

 

Monsigneur Isaak (Barakat)

rum-orthodoxer Metropolit von Deutschland und Mitteleuropa

 

– Geboren in Damaskus/Syrien  im Jahr 1966
– 1999 Diakonweihe
– 2000 Priesterweihe
– 2011 Bischofsweihe, Weihbischof in Damaskus
– Ab 15.10.2013, Metropolit von Deutschland und Mitteleuropa der Orthodoxen Kirche von Antiochien.

– Schulische Ausbildung an den Schulen von Damaskus bis 1983
– Jurastudium und Militärdienst in Syrien bis 1990
– Von 1990 bis 1997 Aufenthalt in Griechenland:
– Abgeschlossenes Theologie-Studium an der Universität von Thessaloniki/Griechenland im Jahr 1996
– Master in Theologie von der Universität von Thessaloniki im Jahr 2000 (Masterarbeit: Die Kindheit Jesu im ersten Evangelium nach Jakobus)
– 1998-1999 Studium der Deutschen Sprache und Kurse im neuen Testament an der Universität von Erlangen
– Im Jahr 2011 Abschluss der Promotion und Erhalt des Doktortitels von der Universität von Thessaloniki (Doktorarbeit mit dem Titel „Patriarch Ignatius IV, Lehrer der Kirche“)
– Sprachen: Arabisch, Griechisch, Deutsch, Englisch und Französisch

Erfahrung im Kirchlichen Dienst:

– 2000-2005: Pfarrer (Gemeinde Hl. Kreuz) und Vorsitzender der Orthodoxen Jugendbewegung in Damaskus.
– 2005-2010: Abt des Balamand-Klosters im Libanon.

Erfahrung im administrativen Dienst:

– 2000-2001: Assistent des Dekans des Theologieinstituts an der Balamand-Universität im Libanon.
– 2001-2005: Leiter des Büro des Patriarchen in Damaskus.
– 2005-2010: Vizedekan des Theologieinstituts an der Balamand-Universität im Libanon.
– 2008-2009: Dozent der Liturgie an der Fakultät der Liturgie an der Universität des Heiligen Geistes  (Kasslik im Libanon).
– 2005-2010: Dozent der Liturgie am Theologieinstitut an der Balamand-Universität im Libanon.

 

 

Information zu den Christen in Syrien:

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Christentum in Syrien hat eine sehr lange Tradition und ist bereits seit der Entstehungszeit des Christentums im vorderasiatischen Land präsent. Heute bilden Christen in Syrien eine kleine Minderheit gegenüber den Muslimen. Bis zur Islamisierung des Landes im 7. Jahrhundert war Syrien mehrheitlich christlich. Es ist heute nach Religion und Kultur ein mehrheitlich sunnitisch-muslimisches Land, wird aber von der alawitischen Minderheit regiert. Die syrischen Christen gehören einer Vielzahl unterschiedlicher Kirchen an. Vor Beginn des Bürgerkreiges waren circa 10 % der Syrer sind Christen. Diese leben im Raum Damaskus, Homs, Aleppo und traditionell in ihren Dörfern. Die Rum (Griechisch)-orthodoxe Kirche bildet mit 60 % den größten Teil der in Syrien lebenden Christen, gefolgt von der altorientalischen syrisch-orthodoxen Kirche und der melkitisch (griechisch)-katholischen Kirche. Der Rest verteilt sich auf die assyrisch apostolische Kirche des Ostens (Nestorianer), die armenisch-apostolische Kirche und die mit Rom unierte syrisch-katholische Kirche. Daneben gibt es noch sehr kleine verschiedene chaldäische, katholische und protestantische Minderheitengemeinden.

 

 

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Jahre 2011 haben schätzungsweise 500.000 syrische Christen das Land verlassen müssen. Die Bleibende sind Terror und Mord ausgesetzt. Als Minderheit sind sie im Bürgerkrieg zwischen die Fronten der Konfliktparteien geraten. 

 

• Aleppo – größte christliche Gemeinde in Syrien. Meist Armenier und Aramäer. Darneben Rum- Orthodoxe und Melkiten.

• Damaskus – Grosse  christliche Gemeinde. Alle Kirchen Syriens vertreten.

• Homs – zweitgrößte christliche Gemeinde. Meist Rum-Orthodoxe

• Wadi Al-Nasarah – Grosse christliche Gemeinde. Rum-Orthodoxe in 40 mehrheitlich christlichen Dörfern.

• Rund 150.000 Christen 

•    Ist die historische Hochburg der syrischen Christen

• Ma'loula – Grosse christliche Gemeinde. Meist Rum-Orthodoxe und Melkiten. Sprechen noch Aramäisch, die Sprache Jesu.

• Saidnaya – Große christliche Gemeinde. Meist Rum- Orthodoxe.

• Al-Suqaylabiyah – mehrheitlich christliche Bevölkerung. Meist Rum-Orthodoxe.

• Mhardeh – mehrheitlich christliche Bevölkerung.

• Tartous – Großer christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Latakia – Großer christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Suwayda – Grosser christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Al-Hasakah – Mehrheitlich christliche Bevölkerung. Aramäer. Syrisch- Orthodoxe und Apostolische Kirche des Ostens.

• Qamishli – Grosser Christlicher Bevölkerungsanteil. Aramäer. Syrisch- Orthodoxe und Apostolische Kirche des Ostens. 

• Khabur- Fluss -  Grosser Christlicher Bevölkerungsanteil. Aramäer in 35 christlichen Dörfern. Meist Apostolische Kirche des Ostens. 

 

 

 

Die Lage in Aleppo ist symbolisch für die Lage der Christen in Syrien. Zwei Drittel von ihnen sollen Schätzungen christlicher Hilfsorganisationen zufolge die Stadt bereits verlassen haben. Zurückgeblieben sind vor allem Alte, Kranke, Mittellose und einige Familien mit Kindern. Die Stadt ist in zwei Teile geteilt: Der Teil, in dem die Christen leben, wird von der Armee kontrolliert. Von ihr bleiben die Christen unbehelligt. Der andere Teil Aleppos steht unter der Kontrolle von verschiedenen, zumeist islamistischen Rebellengruppen. Immer wieder werden die christlichen Wohnviertel vom anderen Teil der Stadt aus bombardiert, Die Menschen lebten in ständiger Angst, dass die nächste Rakete ihr Haus oder ihre Kirche treffen könnte.

 

Zudem fehle es am Allernötigsten. Die Versorgung mit  Strom und Wasser ist nicht mehr gewährleistet.Die Preise haben sich vervielfacht: Fleisch, Milch, Butter oder auch Medikamente sind für die Meisten Menschen, Christen wie Muslime, unerschwinglich geworden. Denn die Islamisten versuchen permanent die von der Regierung kontrollierten Stadtteile von jeglicher Versorgung abschneiden.

Doch Aleppo ist nicht die einzige Stadt, in denen Christen in Syrien bedroht sind. Beinahe wöchentlich gibt es Meldungen von Vertriebenen, Entführten oder Getöteten. Die Stadt Sadad im Westen Syriens beispielsweise war im Jahr 2013 Schauplatz eines der schlimmsten Massaker, das bislang an Christen in der Region verübt wurde. 45 Menschen wurden damals von radikalen Milizen der Al-Nusra-Front ermordet.

 

Auch eines der letzten geschlossenen Siedlungsgebiete von Christen im Nahen Osten, entlang des Flusses Khabur, im Norden Syriens, droht zu verschwinden. Hier lebten zahlreiche assyrische und syrisch-katholische Christen. Doch nachdem im Februar dieses Jahres der IS viele dieser Dörfer attackierte, wurden zahlreiche Christen verschleppt und getötet, Tausende sind nach Angaben christlicher Hilsorganisationen von geflüchtet.

 

Die katholische Hilfsorganisation "Kirche in Not" befürchtet über kurz oder lang die Auslöschung der Christen in der Region. Die Zahlen sprechen für sich: Lebten vor Ausbruch des Krieges nach Angaben von "Kirche in Not" noch 2,5 Millionen Christen in Syrien, sind inzwischen mehr als die Hälfte von ihnen vertrieben oder getötet worden oder geflüchtet. Andere Hilfsorganisationen sprechen von 700.000 Christen, die das Land verlassen haben.

 

Ein ähnliches Schicksal traf die Christen im Irak. Vor der Invasion der USA gab es im Irak ungefähr 1,5 Millionen Christen, heute sind es nicht mehr als 300.000.

 

Als besonders schmerzhaft empfinden die Christen der Region, dass sie heute behandelt werden, als seien sie keine Bürger dieser Länder mehr. Die Tradition der Christen in Syrien und im Irak reicht 2000 Jahre zurück und heute sagt die Muslime ihnen: "Ihr gehört nicht mehr hierher".

 

 

Zum Thema von der Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingsunterkünften.

 

Konflikte in Flüchtlingsunterkünften sind häufig. Sie treten wegen der Enge in den Wohnheimen, der Traumatisierung der Flüchtlinge, aus den Herkunftsländern mitgebrachter Vorurteile und Agressionen und weil unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen zu Tage. In letzter Zeit häufen sich Übergriffe und Bedrohungen von Christen in den Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge in Deutschland. Doch werden diese von den in Deutschland Verantwortlichen aus tages- und gesellschaftspolitischen Gründen tabuisiert.

 

Weil es in den Erstaufnahmeeinrichtungen immer wieder zu Diskriminierungen und offener Gewalt gegen christliche Flüchtlinge kommt, haben sich verschiedene Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen mit einem offenen Appell an die Bundeskanzlerin gewandt. Die Kanzlerin solle sich „dieser unerträglichen Situation von schweren Menschenrechtsverletzungen in Deutschland“ endlich widmen und „dies zur Chefsache machen“. Dafür haben sich das „Aktionskomitee für verfolgte Christen“ (AVC), die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM), „Kirche in Not“, „Open Doors“ und der „Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland“ (ZOCD) zusammengetan.

 

Ihnen genügt es nicht, wenn die Kanzlerin Menschenrechte und Religionsfreiheit nur im Ausland anspricht. „Wenn christliche Flüchtlinge und andere religiöse Minderheiten in Deutschland Schutz vor religiöser Verfolgung suchen und in den Erstaufnahmeeinrichtungen genauso wie in ihren islamischen Herkunftsländern diskriminiert und verfolgt werden ohne Schutz zu erhalten, dann ist dies eine eklatante Missachtung des Rechtes auf Religionsfreiheit in Deutschland“, teilten die Organisationen auf einer Pressekonferenz in Berlin mit.

 

„Die Fälle werden immer mehr, täglich steigen die Zahlen. Je mehr Kontakt man mit christlichen Flüchtlingen hat, desto mehr erfährt man, wie die Lage in Asylantenheimen tatsächlich ist."

 

Paulus Kurt, Zentralrat der orientalischen Christen.

 

„Und wenn sie flüchten und vertrieben werden und zum Beispiel nach Deutschland kommen, dann werden sie - so bitter das auch klingen mag - auch in deutschen Asylbewerberheimen bedroht und sind sich teilweise ihres Lebens nicht sicher."

 

Simon Jakob, Zentralrat der orientalischen Christen

 

Laut Volker Baumann vom AVC ist die Dunkelziffer der Übergriffe gegen Christen in Flüchtlingsheimen weit größer als die offiziellen Zahlen zugeben. Baumann rechnet mit einer Größenordung von 10.000 Übergriffen gegen Christen und andere religiöse Minderheiten. Paulus Kurt vom „Zentralrat der orientalischen Christen“ beklagte die Verunsicherung vieler christlicher Flüchtlinge, die teilweise traumatisiert hier ankämen. Er bezeichnete die Verfolgung von Christen in Syrien und dem Nahen und Mittleren Osten klar als „Genozid“. Auch er forderte die getrennte Unterbringung muslimischer Mehrheit von religiösen Minderheiten in den deutschen Flüchtlingsunterkünften.

 

Nach Ansicht der Hilfsorganisationen würden Informationen von Behörden ein falsches Bild über die zahlreichen Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingsunterkünften vermitteln. Neben den Christen sind nach Angaben der Hilfsorganisationen auch andere religiöse Minderheiten wie Jesiden und Bahai Drangsalierungen und Repressalien ausgesetzt und benötigten daher staatlichen Schutz. Die politischen Entscheidungsträger haben zumeist keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz der religiösen Minderheit ergriffen. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass diese dramatische Entwicklung verdrängt, verharmlost oder nicht beachtet wird. Wichtige Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft sprechen pauschal von Einzelfällen, die nicht religiös motiviert seien, ohne dass sie dafür belastbare Zahlen vorlegen.

 

Um verharmlosenden Fehleinschätzungen entgegenzuwirken und den Betroffenen eine Stimme zu geben, haben mehrere Organisationen mit der Dokumentation religiös motivierter Diskriminierung und Übergriffe auf christliche Flüchtlinge begonnen. Das internationale Hilfswerk Open Doors hat nach eigenen Angaben binnen zwei Monaten im Rahmen einer systematischen Erhebung  231 Vorfälle aus ganz Deutschland dokumentiert, die von Diskriminierung über Körperverletzungen bis hin zu sexuellen Übergriffen und Morddrohungen die weitgehende Schutzlosigkeit christlicher und jesidischer Flüchtlinge in den Unterkünften aufzeigen. Weitere Vorfälle, auch die Übergriffen auf andere Minderheiten wie die Jesiden, sind bei der IGFM und dem AVC dokumentiert worden. Jesidische Frauen und Mädchen hatten sich an die IGFM gewandt, weil muslimische Übersetzer sie bedroht oder ihre Aussagen in Anhörungsverfahren falsch oder verkürzt übersetzt haben. Die bislang gemeldeten Vorfälle stellen aus Sicht der Organisationen nur einen kleinen Ausschnitt der wirklichen Problematik dar.

 

Die Organisationen fordern von Politikern und Behörden, dass bei der Erstaufnahme die Religionszugehörigkeit erfasst und die Daten bei der Verlegung in andere Unterkünfte weitergeleitet werden. Zudem wollen die Hilfsorganisationen erreichen, dass die religiösen Minderheiten so in den Einzelunterkünften zusammengelegt werden, dass der Anteil der religiösen Minderheiten im Verhältnis zur muslimischen Mehrheit in etwa gleich ausfällt. 

 

Neben der Erhöhung der nicht-Muslime unter dem Wachpersonal fordern die Organisationen auch regelmäßige Schulungen und eine Sensibilisierung der Mitarbeiter und des Sicherheitspersonals in Flüchtlingsunterkünften hinsichtlich der Ursachen religiös motivierter Konflikte und des Schutzes der religiöser Minderheitenunter unter den Flüchtlingen. Zudem sollen christliche Vertrauensleute bereitgestellt werden, an die sich drangsalierte Christen vertrauensvoll wenden können.

 

 

Vom „Willkommen“ zur Integration  

Wort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD)  zur Ankunft der Flüchtlinge in unserem Land

 

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

 

Als Orthodoxe Bischöfe in Deutschland danken wir allen unseren Gläubigen und allen Menschen guten Willens, die in den vergangenen Wochen und Monaten tatkräftig bei der Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland geholfen haben. Diese tätige Nächstenliebe ist eine Selbstverständlichkeit, da sie dem Gebot unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, entspricht.

 

Die Aufnahme so vieler Asyl- und Hilfesuchenden stellt sicherlich eine große Herausforderung für unser Land und ganz Europa, aber auch für jeden Einzelnen von uns dar. Als Orthodoxe Kirche in Deutschland, deren Gläubige mehrheitlich einen Migrationshintergrund besitzen, wissen wir auch um die Bedeutung der Begrüßung, aber auch der Integration in der hiesigen Gesellschaft, welche der nächste Schritt und das Ziel jeder Aufnahme neu hinzukommender Menschen hierzulande sein muss. Anders gesagt: aus der so genannten „Willkommenskultur“ muss eine „Integrationskultur“ werden. Sprachkenntnisse, Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt und allgemein in die Wertegesellschaft unseres Landes sind hier nur einige Stichworte, die wir hier nennen.

 

Unter den Flüchtlingen, die sich nach Deutschland aufgemacht haben, sind auch zahlreiche orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Christen, deren Vorfahren seit rund 2000 Jahren in Treue zu ihrem Glauben und ihrer Tradition in der Heimat gelebt haben. Angesichts von Krieg, Verfolgung und Terror haben sie diese verlassen und stehen nun hier vor einem Neuanfang. In besonderer Weise heißen wir sie willkommen und ermutigen sie, diesen Weg der Integration mutig zu gehen. Begleitet werden sie dabei insbesondere von den Kirchengemeinden der Antiochenisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, wie auch von den übrigen orthodoxen Gemeinden und Verbänden unseres Landes.

 

Die Orthodoxe Bischofskonferenz verurteilt deshalb in aller Schärfe jede Form von Rassenhass und Ausländerfeindlichkeit, ebenso wie jede Einschüchterung und Übergriffe  gegenüber Christinnen und Christen durch andere radikalisierte Flüchtlinge, über die uns Berichte erreichen.

 

Möge unser Herr Jesus Christus, der selbst Flüchtling vor den Machthabern dieser Welt war, alle segnen: die ankommenden Flüchtlinge und alle, die ihnen haupt- und ehrenamtlich helfen.

 

Metropolit Augoustinos von Deutschland, Vorsitzender,

 

und die übrigen Mitglieder der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland

 

 

 

Weihnachten in Sicherheit

 

Die orthodoxe Gemeinde zu Ehren des heiligen Großmärtyrers Dimitrios in Köln wächst durch den Zuzug arabischer Flüchtlinge. Die meisten orthodoxen Christen feiert Weihnachten nach dem Zyklus des Julianischen Kalenders. Nach diesem Kalender fällt der 25. Dezember des kirchlichen auf den 07. Januar des bürgerlichen Kalenders. Nach dem Julianischen Kalender richten sich die orthodoxen Kirchen von Jerusalem, Russland, Serbien, Polen, Tschechien und der Slowakei, Georgien und der Ukraine sowie die Athos-Klöster. Dieses Weihnachtsdatum gilt zudem in der koptisch-orthodoxen, armenischapostolischen, äthiopisch-orthodoxen und syrisch-orthodoxen Kirche. Andere orthodoxe Kirchen feiern Weihnachten am gleichen Termin wie die westlichen Kirchen, so die Kirchen von Konstantinopel (Ökumenisches Patriarchat), Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien und Finnland. Hintergrund der unterschiedlichen Daten ist die Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 durch Papst Gregor XIII., den nicht alle Länder Mittel- und Osteuropas übernommen haben.

 

09.12.2015

 

Wenn man das äußerlich wenig schmuckvolle Gebäude betritt, nimmt man als Erstes den süßlichen Duft von Weihrauch und Bienenwachskerzen wahr. Wer schon einmal eine orthodoxe Kirche betreten hat, kennt diesen ersten Eindruck, der einen in St. Dimitrios in Köln-Chorweiler empfängt. Die Pfarrkirche der antiochenisch-orthodoxen Gemeinde ist ein ganz normales byzantinisches Gotteshaus. Nur die Gemeinde ist es nicht: Jedes zehnte Mitglied ist nach Deutschland geflohen. 

 

Während in Deutschland seit Monaten Tausende den Untergang des christlichen Abendlandes proklamieren, ist das urchristliche Morgenland tief in einem erbärmlichen Krieg versunken. "In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen", heißt es in der Apostelgeschichte. Die Metropole der Antike heißt heute Antakya und liegt in der Türkei. Nur ein paar Kilometer trennen die Stadt von Syrien, vom Krieg. 

 

Aus Antakya stammt auch Janine, 22 Jahre alt, Studentin in Köln. An einem Dezemberabend ist sie in den Gemeindesaal von St. Dimitrios gekommen, gleich neben der Kirche. Der Raum wirkt etwas kühl, aber herzlich. Auf den Tischen liegen grüne Wachstischtücher und Adventsgestecke, im Nebenraum binden zwei Frauen weitere Gestecke. Janine ist da, um über das zu sprechen, was derzeit einen Großteil ihrer Freizeit einnimmt: die Flüchtlingshilfe. 

 

Mit anderen jungen Gemeindemitgliedern versucht Janine, den Geflohenen in ein neues Leben in Deutschland zu helfen: Hilfe bei Behördenangelegenheiten, Übersetzungen, Deutschunterricht. Viel Verantwortung für eine Gruppe von Studenten und Azubis. "Ja, ist es", sagt Janine. "Aber wenn man das gerne macht, dann nimmt man sich auch die Zeit dafür. Und alles Gute kommt irgendwann zurück, das Schlechte genauso. Ich behandle die Menschen so, wie ich behandelt werden möchte. Man soll ein Vorbild sein." 

 

Feier der Göttliche Liturgie in Köln-Chorweiler: Die beider Priester der Gemeinde Vater Elias Esber und Vater Hanania Hakimeh beim Großen Einzug.
Feier der Göttliche Liturgie in Köln-Chorweiler: Die beider Priester der Gemeinde Vater Elias Esber und Vater Hanania Hakimeh beim Großen Einzug.

 

Kleider, Wohnungen, Darlehen:

 

Vorbildlich darf man das Engagement der Gemeinde wohl nennen. Die Orthodoxen bestreiten ihre Aufwendungen komplett aus Spenden, auf die Erhebung von Kirchensteuern verzichten sie. Trotzdem versuchen sie, ihren geflüchteten Mitchristen zu bieten, was sie brauchen: Eine Kleiderkammer im Keller des Gemeindehauses deckt Grundbedürfnisse, die Mitglieder der Gemeinde vermitteln Wohnungen oder öffnen ihre eigenen Türen für Geflüchtete. Die Pfarrei hilft auch finanziell aus: Viele haben nach der Flucht nichts mehr, weil sie alles den Schleusern gegeben haben. 

 

Janine und ihre ehrenamtlichen Kollegen von St. Dimitrios haben viel zu tun. Zur Gemeinde, die ihre Kirche 1994 vom katholischen Erzbistum Köln übernommen hat, gehören etwa 3.000 antiochenisch-orthodoxe Christen. In Deutschland zählt das Patriarchat von Antiochien gut 15.000 Mitglieder. Und es werden ständig mehr, denn die Gläubigen stammen zum größten Teil aus Ländern, in denen man - besonders als Christ - derzeit oft kaum noch eine Lebensperspektive hat: Türkei, Libanon, Palästina und vor allem Syrien. Zur Dimitrios-Gemeinde in Köln gehören mittlerweile über 300 Flüchtlinge. "Jeden Sonntag haben wir neue Leute", sagt Hanania Hakimeh, einer der Gemeindepriester. Kürzlich hätten sie im Gottesdienst 43 neue begrüßt. 

 

Seit vergangenem Jahr ist der Syrer Hakimeh als Erzpriester in der Kölner Gemeinde. Seine Schäfchen nennen den Mann mit dem gütigen Lächeln Vater Hanania, oder einfach nur Abouna, Vater. 

 

Hanania sitzt neben Janine am Tisch im Gemeindesaal. "Ich bin gestern aus Syrien gekommen, aus Damaskus", übersetzt die Studentin den Bericht ihres Priesters, der Deutsch versteht, aber Arabisch spricht. "Meine Eltern und meine Geschwister leben noch dort. Ihr Leben dort ist sehr schwer. Es gibt keinen Strom und keine Heizung." Ob er Angst um seine Familie hat? "Ja, natürlich." Aber ein Visum für eine legale Einreise bekämen sie nicht und der Gedanke an seine Eltern als Passagiere auf einem Flüchtlingsboot mache ihm noch mehr Angst. 

 

Patronatsfest: Festtag des Kirchenpatrons Agios Dimitrios. Gemeiondefest am Sonntag, den 30.10.2016
Patronatsfest: Festtag des Kirchenpatrons Agios Dimitrios. Gemeiondefest am Sonntag, den 30.10.2016

 

Tausende, die mehr oder weniger zufällig nicht im Blutbad des syrischen Bürgerkriegs untergegangen sind, hat später das Mittelmeer verschluckt. Laut UN-Flüchtlingskommissar über 3.500 seit Beginn des Jahres. Einer, dem dieses Schicksal erspart blieb, ist an diesem Abend auch dabei in der Kölner Adventsatmosphäre: Khalid ist 22 Jahre alt und Syrer, wie Vater Hanania. Khalid ist sicher und zivilisiert im Flugzeug von Beirut nach Deutschland gekommen. 

 

Im März 2013 wurde sein Vater eines der ungezählten Kriegsopfer von Syrien. "Traurige Zeit", sagt er knapp. Mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern durfte der Damaszener daraufhin nach Deutschland kommen, wo seine Tante bereits seit zehn Jahren lebte. Sie hatte die Familie eingeladen und eine legale Einreise ermöglicht. In Syrien blieben Khalids Vater und seine Ausbildung: "Ich habe in Syrien BWL studiert. Aber nicht bis zum Ende. Wegen dem Krieg." 

 

Khalid versucht, sich in Deutschland so gut es geht, zu integrieren. Er hat Deutsch gelernt, dann in einem Supermarkt und in einem Restaurant gejobbt, singt bei den Gottesdiensten im Chor. "Er ist meistens einer der Ersten hier", sagt Janine mit einem Lächeln. Deutsche Priester wären froh, so engagierte Jugendliche in ihrer Gemeinde zu haben. "Natürlich freue ich mich", sagt auch Vater Hanania. "Aber ich würde mich mehr freuen, wenn das alles nicht passiert wäre." 

 

Das alles" sieht man Khalid nicht an. In seinem Rautenkaro-Pulli sieht er so aus, wie man es von einem BWL-Studenten in Deutschland erwartet. Sein unterbrochenes Studium würde er gerne fortsetzen, doch für den Syrer ist die Studienplatzsuche noch schwerer als für viele Deutsche. "Ich habe mich an der Uni beworben und warte noch auf die Antwort von der Bezirksregierung." Ob seine bisherigen Studienleistungen aus Damaskus hier überhaupt anerkannt würden, weiß Khalid auch noch nicht. "Es gibt viel Bürokratie."

 

Während des Gesprächs über die Gemeinde und ihre Flüchtlingsarbeit geht es oft um die Behörden und ihre Regeln. Eine davon sei, dass man von den Verantwortlichen in den Flüchtlingsheimen nichts über die Religionszugehörigkeit der Bewohner erfahre, berichtet Janine. Sie und ihre Kollegen versuchten regelmäßig, in die Heime zu gehen und ihre Gemeinde vorzustellen. Um den Flüchtlingen zu sagen, wo sie ihre Landsleute treffen können. Menschen, die ihre Sprache sprechen, ihr Schicksal kennen - und ihren Glauben teilen.

 

Gewalt gegen christliche Flüchtlinge gehört zum Alltag:

 

Die christlichen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sind eine winzige Minderheit. "Deswegen ist der erste Punkt auf unserer Liste, die Flüchtlinge aus den Heimen zu holen", sagt Vater Hanania. In der Gemeinde kenne jeder die Berichte über Probleme mit muslimischen Mitbewohnern. "Man lebt in Angst, weiß nicht, ob in der Nacht jemand kommt. Man wird bedroht. Und man hat Angst, es auszusprechen, weil man dann Angst um sein Leben haben muss." 

 

Die Angst wird bei manchem christlichen Flüchtling zur Gewohnheit. Janine kennt die Geschichten aus den Erzählungen der Heimbewohner, und die Situation macht sie sichtlich wütend. "Wenn man die Verantwortlichen darauf anspricht, wird das Problem oft verdrängt." Wie viele andere befürwortet Janine eine getrennte Unterbringung von Christen und Muslimen. "Die Menschen wurden in Syrien, im Libanon unterdrückt, weil sie Christen sind. Und in Deutschland ist es jetzt nicht anders." 

 

Palmsonntag 2016
Palmsonntag 2016

 

 

„Wir möchten nicht, dass Deutschland Soldaten in Syrien einmarschieren lässt. Die Soldaten haben auch Familie. Dort passiert schon genug, man muss nicht noch den Familien in Deutschland Leid zufügen.“ 

 

Khalid schweigt an dieser Stelle des Gesprächs. Hat er so etwas auch erlebt? "Natürlich", antwortet er mit dünner Stimme. Auch in Syrien habe es Probleme geben, allerdings auf dem Land stärker als in der Hauptstadt Damaskus. Vater Hanania hat dazu eine klare Meinung: "Die Regierung war früher stärker. Da gab es keine Schwierigkeiten mit den Muslimen. Damals wurden Grenzen gesetzt, es gab Regeln." Der Führer der syrischen Regierung, Baschar al-Assad, hat im Westen keine Freunde mehr. Sein engster Verbündeter ist Wladimir Putin. "Assad ist kein Demokrat. Er ist ein Diktator. Aber er ist trotzdem mit den Christen immer gut umgegangen." 

 

Vater Hanania über den Einsatz der Bundeswehr in Syrien

 

Deutschland geht derzeit aktiv gegen Assad vor: Der Bundestag hat die Entsendung deutscher Soldaten in den Syrien-Krieg beschlossen. Für Vater Hanania ist das keine Lösung: "Wir möchten nicht, dass Deutschland Soldaten in Syrien einmarschieren lässt." Das sagt einer, der das unermessliche Leid von Syrien mit eigenen Augen gesehen hat. "Auch unsere Leute, junge Christen, kämpfen in Syrien gegen den IS. Es stirbt sehr viel in ihnen. Unsere Jugendlichen sterben. Und wir wollen nicht, dass das auch mit den deutschen Kindern passiert. Wir trauern genauso um die Kinder Deutschlands wie um unsere eigenen Kinder. Deswegen wollen wir, dass die deutschen Soldaten in Deutschland bleiben." Und was wird dann aus Syrien? "Es ist schwierig", sagt Khalid. 

 

Und jetzt steht das Weihnachtsfest bevor. Theologisch gesprochen ist es das Fest der menschgewordenen Liebe Gottes, der sich selbst zum hilflosen Menschen macht, um die Menschheit zu erlösen. In Traditionen gesprochen ist es das Fest der Liebe und der Besinnlichkeit. Wie feiert man in einer Gemeinde, in der unermessliches Leid immer präsent ist, gemeinsam die Liebe, die Besinnlichkeit, die Erlösung? "Wir feiern den Gottesdienst wie jedes Jahr", sagt der Priester Hanania. Janine stimmt ihm zu: "Es soll sich ja auch nichts ändern! Selbst wenn da draußen etwas Schlechtes passiert, sollen die Feiertage nicht vernachlässigt werden." 

 

Unbezahlbare Wünsche zu Weihnachten:

 

Die Weihnachtswünsche in diesem Jahr fallen dennoch spürbar anders aus. Janine und ihre Familie haben beschlossen, sich weniger gegenseitig zu schenken und mehr Geld zu spenden. Noch mehr. Ihren größten Wunsch kann ihr sowieso niemand kaufen: "Ich wünsche mir, dass nicht noch mehr Menschen ihre Heimat verlieren, dass sie in Frieden leben können, so wie früher. Ohne Hass. Muslime und Christen. Mein Wunsch ist, dass alle Menschen wieder friedlich miteinander leben."

 

Während des gesamten Gesprächs musste Janine die Worte von Vater Hanania übersetzen. Er ist noch nicht lange in Deutschland und spricht bisher wenige Worte. Für die Frage nach seinem persönlichen Weihnachtswunsch reichen sie: "Stop Krieg!" 

 

Quelle: Kilian Martin in: http://www.katholisch.de

 

 

Die Situation der Christen im Nahen Osten wird immer bedrängender. Immer wieder, wie während des vergangenen Großen Konzil auf Kreta, haben die orthodoxen Patriarchen und Bischofskonferenzen, so auch in Deutschland, auf die Situation der Christengemeinden des Orients, deren weitere Existenz von Krieg und Terror bedroht ist, hingewiesen. Denn religiöse Minderheiten, und unter ihnen insbesondere die Christen, werden unaufhörlich Opfer von Verfolgung und Gewalt. Der sogenannte „Islamische Staat“, eine Terrororganisation ohne Beispiel, ist für unfassbare Gräueltaten in den von ihm besetzten Gebieten verantwortlich. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb dafür, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren. Damit verschwinden christliche Gemeinden, die sein der Zeit der heiligen Apostel in Syrien und dem Irak beheimatet sind. Mittlerweile hat der Terror des IS auch Europa erreicht, doch die Iraker und auch die christlichen Minderheiten leiden unter diesem Terror schon seit Jahren. Sie fühlen sich von der Internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen und einer marodierenden Mörderbande ausgeliefert.

 

Grund genug für den chaldäisch-katholischen Patriarchen Louis Raphael Sako I., der in Bagdad lebt und wirkt, einen flammenden Appell an die Weltöffentlichkeit zu richten, der aufhorchen lässt: „Marschiert endlich ein!“ ist das Buch betitelt, in dem er seiner Sorge um die Situation der Christen (und nicht nur) im Nahen Osten Ausdruck verleiht und ein beklemmendes Bild der Lage vor Ort zeichnet. Dabei geht er weiter zurück in die Geschichte seiner Heimat, eine beginnende Islamisierung bereits unter Saddam Hussein, die gravierenden Fehler der USA nach ihrem Einmarsch 2003, sowie eine packende Schilderung der Flucht der Christen aus Städten wie Mossul nach der Eroberung des IS sowie dessen brutaler Übergriffe während der Gottesdienste.

 

Er spricht offen von Völkermord im Irak und erinnert die Internationale Gemeinschaft an die Verantwortung, die sie für die Menschen in den vom Islamischen Staat besetzten Gebieten hat. Für ihn gibt es zu einem militärischen Einsatz keine Alternative, denn: „Wenn man diesen Terrorschwadronen keinen Einhalt gebietet, können sie innerhalb von einigen Monaten die kulturelle und religiöse Vielfalt in meinem Land auslöschen, weil keiner mehr ein Weiterleben in Todesangst ertragen kann. Mit den Barbaren des IS gibt es kein Verhandeln und keinen Dialog. Absolute Kompromiss- und Erbarmungslosigkeit kennzeichnen sie,“ so schreibt er selbst im Vorwort zu seinem Buch.

 

Eine über 2000 Jahre alte Geschichte des fruchtbaren Zusammenlebens zwischen Christen und anderen Glaubensgemeinschaften in den Gebieten, in denen die Frohe Botschaft zuerst erklungen ist, könnte in den heutigen Tagen zu einem Ende kommen. Dieser Gefahr für den Nahen Osten und die gesamte Menschheit entgegen zu wirken – das ist der Wunsch des Patriarchen, für den er um tätige Hilfe der gesamten Weltgemeinschaft bittet.

 

„Marschiert endlich ein! Stoppt die Ermordung der Christen im Nahen Osten. Ein Aufschrei aus Bagdad“ von Raphael Louis Sako ist im Herder-Verlag erschienen und kostet etwa 15 Euro. Zu beziehen über Ihre Buchhandlung vor Ort. (ISBN 9783451349409)

 

 

Mit Feuer und Schwert

Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden

STYRIA PREMIUM, STYRIA ZEITGESCHICHTE, 2016
Gebunden ,256 Seiten.
ISBN: 9783222135347

 

Tod im Namen der Religion, Hassparolen an Klostermauern, Brandanschläge auf Kirchen, Menschenhatz auf offener Straße: Die Christen im Nahen Osten erleben eine blutige Zeit. Fanatische Islamisten, aber auch extremistische Juden haben ihnen den Kampf angesagt. Ausgerechnet in der Region ihres Ursprungs ist eine zweitausendjährige Kultur vom Untergang bedroht.Drei Monate lang recherchierte Hans-Joachim Löwer an den Fronten des derzeit größten Konfliktherds der Welt, von der Türkei über Syrien bis nach Ägypten. Er traf einen gefolterten Priester, traumatisierte Flüchtlinge und Mönche, aber auch Christen, die mit Waffen um ihr Überleben kämpfen. Doch es gibt nicht nur Hass: Der Autor entdeckte auch erstaunliche Projekte interreligiöser Zusammenarbeit, die aller Gewalt trotzen und Hoffnung für eine friedlichere Zukunft geben.