Die Christen im Orient

 

Die Christen in der arabischen Welt

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Anfang des 20. Jahrhundert stellten die Christen in der arabischen Welt etwa rund 20 Prozent der Bevölkerung. Heute sind nur noch rund fünf Prozent der arabischen Welt christlich. Durch das Chaos im Nahen Osten drohen die Christen aus dieser Region, in der ihre historischen Wurzeln liegen, zu verschwinden. 

 

m Irak werden christliche Minderheiten derzeit von den Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) vertrieben, während sie aus der Türkei bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts fast völlig verschwunden sind. Ägypten hat zwar die größte christliche Gemeinschaft der arabischen Welt, die Kopten erfahren jedoch nach wie vor keine echte Anerkennung. Der Libanon ist das einzige Land, in dem Christen lange in der Mehrheit waren, und auch noch heute noch müssen sowohl das Staatsoberhaupt als auch der Oberbefehlshaber der Armee Christen sein. Aus Syrien fliehen Christen in großer Zahl, da sie zwischen den Fronten zerrieben werden in einem Krieg, der nicht zuletzt den Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran widerspiegelt. Ironischerweise gehören gerade die Christen des  Orients zu den ausgewiresensten Kennern des Islam.

 

Ein Großteil der emigrierten arabischen Christen leben heute auf dem ganzen amerikanischen Kontinent von Kanada/USA im Norden bis Argentinien und Brasilien im Süden.  Nur weniger arabische Christen sind nach Europa ausgewandert.

 

Insgesamt wird die Anzahl an arabischen Christen noch auf 40 Millionen geschätzt.In den Ländern des Vorderen Orient verteilen sie sich nach folgenden Zahlenverhältnissen:

 

 

Ägypten: 5–11 Mio.

Libanon: 1,6 Mio.

Syrien: 2,4 Mio.

 

Jordanien: 400.000

 

Israel: 154.000

Palästina: zwischen 38.000 und 50.000

Irak: 636.000

 

Türkei: 18.000

 

 

 

 

 

Information zu den Christen in Syrien:

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Christentum in Syrien hat eine sehr lange Tradition und ist bereits seit der Entstehungszeit des Christentums im vorderasiatischen Land präsent. Heute bilden Christen in Syrien eine kleine Minderheit gegenüber den Muslimen. Bis zur Islamisierung des Landes im 7. Jahrhundert war Syrien mehrheitlich christlich. Es ist heute nach Religion und Kultur ein mehrheitlich sunnitisch-muslimisches Land, wird aber von der alawitischen Minderheit regiert. Die syrischen Christen gehören einer Vielzahl unterschiedlicher Kirchen an. Vor Beginn des Bürgerkreiges waren circa 10 % der Syrer sind Christen. Diese leben im Raum Damaskus, Homs, Aleppo und traditionell in ihren Dörfern. Die Rum (Griechisch)-orthodoxe Kirche bildet mit 60 % den größten Teil der in Syrien lebenden Christen, gefolgt von der altorientalischen syrisch-orthodoxen Kirche und der melkitisch (griechisch)-katholischen Kirche. Der Rest verteilt sich auf die assyrisch apostolische Kirche des Ostens (Nestorianer), die armenisch-apostolische Kirche und die mit Rom unierte syrisch-katholische Kirche. Daneben gibt es noch sehr kleine verschiedene chaldäische, katholische und protestantische Minderheitengemeinden.

 

 

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Jahre 2011 haben schätzungsweise 500.000 syrische Christen das Land verlassen müssen. Die Bleibende sind Terror und Mord ausgesetzt. Als Minderheit sind sie im Bürgerkrieg zwischen die Fronten der Konfliktparteien geraten. 

 

• Aleppo – größte christliche Gemeinde in Syrien. Meist Armenier und Aramäer. Darneben Rum- Orthodoxe und Melkiten.

• Damaskus – Grosse  christliche Gemeinde. Alle Kirchen Syriens vertreten.

• Homs – zweitgrößte christliche Gemeinde. Meist Rum-Orthodoxe

• Wadi Al-Nasarah – Grosse christliche Gemeinde. Rum-Orthodoxe in 40 mehrheitlich christlichen Dörfern.

• Rund 150.000 Christen 

•    Ist die historische Hochburg der syrischen Christen

• Ma'loula – Grosse christliche Gemeinde. Meist Rum-Orthodoxe und Melkiten. Sprechen noch Aramäisch, die Sprache Jesu.

• Saidnaya – Große christliche Gemeinde. Meist Rum- Orthodoxe.

• Al-Suqaylabiyah – mehrheitlich christliche Bevölkerung. Meist Rum-Orthodoxe.

• Mhardeh – mehrheitlich christliche Bevölkerung.

• Tartous – Großer christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Latakia – Großer christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Suwayda – Grosser christlicher Bevölkerungsanteil. Meist Rum- Orthodoxe.

• Al-Hasakah – Mehrheitlich christliche Bevölkerung. Aramäer. Syrisch- Orthodoxe und Apostolische Kirche des Ostens.

• Qamishli – Grosser Christlicher Bevölkerungsanteil. Aramäer. Syrisch- Orthodoxe und Apostolische Kirche des Ostens. 

• Khabur- Fluss -  Grosser Christlicher Bevölkerungsanteil. Aramäer in 35 christlichen Dörfern. Meist Apostolische Kirche des Ostens. 

 

 

 

Die Lage in Aleppo ist symbolisch für die Lage der Christen in Syrien. Zwei Drittel von ihnen sollen Schätzungen christlicher Hilfsorganisationen zufolge die Stadt bereits verlassen haben. Zurückgeblieben sind vor allem Alte, Kranke, Mittellose und einige Familien mit Kindern. Die Stadt ist in zwei Teile geteilt: Der Teil, in dem die Christen leben, wird von der Armee kontrolliert. Von ihr bleiben die Christen unbehelligt. Der andere Teil Aleppos steht unter der Kontrolle von verschiedenen, zumeist islamistischen Rebellengruppen. Immer wieder werden die christlichen Wohnviertel vom anderen Teil der Stadt aus bombardiert, Die Menschen lebten in ständiger Angst, dass die nächste Rakete ihr Haus oder ihre Kirche treffen könnte.

 

Zudem fehle es am Allernötigsten. Die Versorgung mit  Strom und Wasser ist nicht mehr gewährleistet.Die Preise haben sich vervielfacht: Fleisch, Milch, Butter oder auch Medikamente sind für die Meisten Menschen, Christen wie Muslime, unerschwinglich geworden. Denn die Islamisten versuchen permanent die von der Regierung kontrollierten Stadtteile von jeglicher Versorgung abschneiden.

Doch Aleppo ist nicht die einzige Stadt, in denen Christen in Syrien bedroht sind. Beinahe wöchentlich gibt es Meldungen von Vertriebenen, Entführten oder Getöteten. Die Stadt Sadad im Westen Syriens beispielsweise war im Jahr 2013 Schauplatz eines der schlimmsten Massaker, das bislang an Christen in der Region verübt wurde. 45 Menschen wurden damals von radikalen Milizen der Al-Nusra-Front ermordet.

 

Auch eines der letzten geschlossenen Siedlungsgebiete von Christen im Nahen Osten, entlang des Flusses Khabur, im Norden Syriens, droht zu verschwinden. Hier lebten zahlreiche assyrische und syrisch-katholische Christen. Doch nachdem im Februar dieses Jahres der IS viele dieser Dörfer attackierte, wurden zahlreiche Christen verschleppt und getötet, Tausende sind nach Angaben christlicher Hilsorganisationen von geflüchtet.

 

Die katholische Hilfsorganisation "Kirche in Not" befürchtet über kurz oder lang die Auslöschung der Christen in der Region. Die Zahlen sprechen für sich: Lebten vor Ausbruch des Krieges nach Angaben von "Kirche in Not" noch 2,5 Millionen Christen in Syrien, sind inzwischen mehr als die Hälfte von ihnen vertrieben oder getötet worden oder geflüchtet. Andere Hilfsorganisationen sprechen von 700.000 Christen, die das Land verlassen haben.

 

Ein ähnliches Schicksal traf die Christen im Irak. Vor der Invasion der USA gab es im Irak ungefähr 1,5 Millionen Christen, heute sind es nicht mehr als 300.000.

 

Als besonders schmerzhaft empfinden die Christen der Region, dass sie heute behandelt werden, als seien sie keine Bürger dieser Länder mehr. Die Tradition der Christen in Syrien und im Irak reicht 2000 Jahre zurück und heute sagt die Muslime ihnen: "Ihr gehört nicht mehr hierher".

 

 

Zum Thema von der Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingsunterkünften.

 

Konflikte in Flüchtlingsunterkünften sind häufig. Sie treten wegen der Enge in den Wohnheimen, der Traumatisierung der Flüchtlinge, aus den Herkunftsländern mitgebrachter Vorurteile und Agressionen und weil unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen zu Tage. In letzter Zeit häufen sich Übergriffe und Bedrohungen von Christen in den Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge in Deutschland. Doch werden diese von den in Deutschland Verantwortlichen aus tages- und gesellschaftspolitischen Gründen tabuisiert.

 

Weil es in den Erstaufnahmeeinrichtungen immer wieder zu Diskriminierungen und offener Gewalt gegen christliche Flüchtlinge kommt, haben sich verschiedene Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen mit einem offenen Appell an die Bundeskanzlerin gewandt. Die Kanzlerin solle sich „dieser unerträglichen Situation von schweren Menschenrechtsverletzungen in Deutschland“ endlich widmen und „dies zur Chefsache machen“. Dafür haben sich das „Aktionskomitee für verfolgte Christen“ (AVC), die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM), „Kirche in Not“, „Open Doors“ und der „Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland“ (ZOCD) zusammengetan.

 

Ihnen genügt es nicht, wenn die Kanzlerin Menschenrechte und Religionsfreiheit nur im Ausland anspricht. „Wenn christliche Flüchtlinge und andere religiöse Minderheiten in Deutschland Schutz vor religiöser Verfolgung suchen und in den Erstaufnahmeeinrichtungen genauso wie in ihren islamischen Herkunftsländern diskriminiert und verfolgt werden ohne Schutz zu erhalten, dann ist dies eine eklatante Missachtung des Rechtes auf Religionsfreiheit in Deutschland“, teilten die Organisationen auf einer Pressekonferenz in Berlin mit.

 

„Die Fälle werden immer mehr, täglich steigen die Zahlen. Je mehr Kontakt man mit christlichen Flüchtlingen hat, desto mehr erfährt man, wie die Lage in Asylantenheimen tatsächlich ist."

 

Paulus Kurt, Zentralrat der orientalischen Christen.

 

„Und wenn sie flüchten und vertrieben werden und zum Beispiel nach Deutschland kommen, dann werden sie - so bitter das auch klingen mag - auch in deutschen Asylbewerberheimen bedroht und sind sich teilweise ihres Lebens nicht sicher."

 

Simon Jakob, Zentralrat der orientalischen Christen

 

Laut Volker Baumann vom AVC ist die Dunkelziffer der Übergriffe gegen Christen in Flüchtlingsheimen weit größer als die offiziellen Zahlen zugeben. Baumann rechnet mit einer Größenordung von 10.000 Übergriffen gegen Christen und andere religiöse Minderheiten. Paulus Kurt vom „Zentralrat der orientalischen Christen“ beklagte die Verunsicherung vieler christlicher Flüchtlinge, die teilweise traumatisiert hier ankämen. Er bezeichnete die Verfolgung von Christen in Syrien und dem Nahen und Mittleren Osten klar als „Genozid“. Auch er forderte die getrennte Unterbringung muslimischer Mehrheit von religiösen Minderheiten in den deutschen Flüchtlingsunterkünften.

 

Nach Ansicht der Hilfsorganisationen würden Informationen von Behörden ein falsches Bild über die zahlreichen Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingsunterkünften vermitteln. Neben den Christen sind nach Angaben der Hilfsorganisationen auch andere religiöse Minderheiten wie Jesiden und Bahai Drangsalierungen und Repressalien ausgesetzt und benötigten daher staatlichen Schutz. Die politischen Entscheidungsträger haben zumeist keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz der religiösen Minderheit ergriffen. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass diese dramatische Entwicklung verdrängt, verharmlost oder nicht beachtet wird. Wichtige Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft sprechen pauschal von Einzelfällen, die nicht religiös motiviert seien, ohne dass sie dafür belastbare Zahlen vorlegen.

 

Um verharmlosenden Fehleinschätzungen entgegenzuwirken und den Betroffenen eine Stimme zu geben, haben mehrere Organisationen mit der Dokumentation religiös motivierter Diskriminierung und Übergriffe auf christliche Flüchtlinge begonnen. Das internationale Hilfswerk Open Doors hat nach eigenen Angaben binnen zwei Monaten im Rahmen einer systematischen Erhebung  231 Vorfälle aus ganz Deutschland dokumentiert, die von Diskriminierung über Körperverletzungen bis hin zu sexuellen Übergriffen und Morddrohungen die weitgehende Schutzlosigkeit christlicher und jesidischer Flüchtlinge in den Unterkünften aufzeigen. Weitere Vorfälle, auch die Übergriffen auf andere Minderheiten wie die Jesiden, sind bei der IGFM und dem AVC dokumentiert worden. Jesidische Frauen und Mädchen hatten sich an die IGFM gewandt, weil muslimische Übersetzer sie bedroht oder ihre Aussagen in Anhörungsverfahren falsch oder verkürzt übersetzt haben. Die bislang gemeldeten Vorfälle stellen aus Sicht der Organisationen nur einen kleinen Ausschnitt der wirklichen Problematik dar.

 

Die Organisationen fordern von Politikern und Behörden, dass bei der Erstaufnahme die Religionszugehörigkeit erfasst und die Daten bei der Verlegung in andere Unterkünfte weitergeleitet werden. Zudem wollen die Hilfsorganisationen erreichen, dass die religiösen Minderheiten so in den Einzelunterkünften zusammengelegt werden, dass der Anteil der religiösen Minderheiten im Verhältnis zur muslimischen Mehrheit in etwa gleich ausfällt. 

 

Neben der Erhöhung der nicht-Muslime unter dem Wachpersonal fordern die Organisationen auch regelmäßige Schulungen und eine Sensibilisierung der Mitarbeiter und des Sicherheitspersonals in Flüchtlingsunterkünften hinsichtlich der Ursachen religiös motivierter Konflikte und des Schutzes der religiöser Minderheitenunter unter den Flüchtlingen. Zudem sollen christliche Vertrauensleute bereitgestellt werden, an die sich drangsalierte Christen vertrauensvoll wenden können.

 

 

Vom „Willkommen“ zur Integration  

Wort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD)  zur Ankunft der Flüchtlinge in unserem Land

 

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

 

Als Orthodoxe Bischöfe in Deutschland danken wir allen unseren Gläubigen und allen Menschen guten Willens, die in den vergangenen Wochen und Monaten tatkräftig bei der Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland geholfen haben. Diese tätige Nächstenliebe ist eine Selbstverständlichkeit, da sie dem Gebot unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, entspricht.

 

Die Aufnahme so vieler Asyl- und Hilfesuchenden stellt sicherlich eine große Herausforderung für unser Land und ganz Europa, aber auch für jeden Einzelnen von uns dar. Als Orthodoxe Kirche in Deutschland, deren Gläubige mehrheitlich einen Migrationshintergrund besitzen, wissen wir auch um die Bedeutung der Begrüßung, aber auch der Integration in der hiesigen Gesellschaft, welche der nächste Schritt und das Ziel jeder Aufnahme neu hinzukommender Menschen hierzulande sein muss. Anders gesagt: aus der so genannten „Willkommenskultur“ muss eine „Integrationskultur“ werden. Sprachkenntnisse, Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt und allgemein in die Wertegesellschaft unseres Landes sind hier nur einige Stichworte, die wir hier nennen.

 

Unter den Flüchtlingen, die sich nach Deutschland aufgemacht haben, sind auch zahlreiche orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Christen, deren Vorfahren seit rund 2000 Jahren in Treue zu ihrem Glauben und ihrer Tradition in der Heimat gelebt haben. Angesichts von Krieg, Verfolgung und Terror haben sie diese verlassen und stehen nun hier vor einem Neuanfang. In besonderer Weise heißen wir sie willkommen und ermutigen sie, diesen Weg der Integration mutig zu gehen. Begleitet werden sie dabei insbesondere von den Kirchengemeinden der Antiochenisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, wie auch von den übrigen orthodoxen Gemeinden und Verbänden unseres Landes.

 

Die Orthodoxe Bischofskonferenz verurteilt deshalb in aller Schärfe jede Form von Rassenhass und Ausländerfeindlichkeit, ebenso wie jede Einschüchterung und Übergriffe  gegenüber Christinnen und Christen durch andere radikalisierte Flüchtlinge, über die uns Berichte erreichen.

 

Möge unser Herr Jesus Christus, der selbst Flüchtling vor den Machthabern dieser Welt war, alle segnen: die ankommenden Flüchtlinge und alle, die ihnen haupt- und ehrenamtlich helfen.

 

Metropolit Augoustinos von Deutschland, Vorsitzender,

 

und die übrigen Mitglieder der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland

 

 

 

Die Situation der Christen im Nahen Osten wird immer bedrängender. Immer wieder, wie während des vergangenen Großen Konzil auf Kreta, haben die orthodoxen Patriarchen und Bischofskonferenzen, so auch in Deutschland, auf die Situation der Christengemeinden des Orients, deren weitere Existenz von Krieg und Terror bedroht ist, hingewiesen. Denn religiöse Minderheiten, und unter ihnen insbesondere die Christen, werden unaufhörlich Opfer von Verfolgung und Gewalt. Der sogenannte „Islamische Staat“, eine Terrororganisation ohne Beispiel, ist für unfassbare Gräueltaten in den von ihm besetzten Gebieten verantwortlich. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb dafür, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren. Damit verschwinden christliche Gemeinden, die sein der Zeit der heiligen Apostel in Syrien und dem Irak beheimatet sind. Mittlerweile hat der Terror des IS auch Europa erreicht, doch die Iraker und auch die christlichen Minderheiten leiden unter diesem Terror schon seit Jahren. Sie fühlen sich von der Internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen und einer marodierenden Mörderbande ausgeliefert.

 

Grund genug für den chaldäisch-katholischen Patriarchen Louis Raphael Sako I., der in Bagdad lebt und wirkt, einen flammenden Appell an die Weltöffentlichkeit zu richten, der aufhorchen lässt: „Marschiert endlich ein!“ ist das Buch betitelt, in dem er seiner Sorge um die Situation der Christen (und nicht nur) im Nahen Osten Ausdruck verleiht und ein beklemmendes Bild der Lage vor Ort zeichnet. Dabei geht er weiter zurück in die Geschichte seiner Heimat, eine beginnende Islamisierung bereits unter Saddam Hussein, die gravierenden Fehler der USA nach ihrem Einmarsch 2003, sowie eine packende Schilderung der Flucht der Christen aus Städten wie Mossul nach der Eroberung des IS sowie dessen brutaler Übergriffe während der Gottesdienste.

 

Er spricht offen von Völkermord im Irak und erinnert die Internationale Gemeinschaft an die Verantwortung, die sie für die Menschen in den vom Islamischen Staat besetzten Gebieten hat. Für ihn gibt es zu einem militärischen Einsatz keine Alternative, denn: „Wenn man diesen Terrorschwadronen keinen Einhalt gebietet, können sie innerhalb von einigen Monaten die kulturelle und religiöse Vielfalt in meinem Land auslöschen, weil keiner mehr ein Weiterleben in Todesangst ertragen kann. Mit den Barbaren des IS gibt es kein Verhandeln und keinen Dialog. Absolute Kompromiss- und Erbarmungslosigkeit kennzeichnen sie,“ so schreibt er selbst im Vorwort zu seinem Buch.

 

Eine über 2000 Jahre alte Geschichte des fruchtbaren Zusammenlebens zwischen Christen und anderen Glaubensgemeinschaften in den Gebieten, in denen die Frohe Botschaft zuerst erklungen ist, könnte in den heutigen Tagen zu einem Ende kommen. Dieser Gefahr für den Nahen Osten und die gesamte Menschheit entgegen zu wirken – das ist der Wunsch des Patriarchen, für den er um tätige Hilfe der gesamten Weltgemeinschaft bittet.

 

„Marschiert endlich ein! Stoppt die Ermordung der Christen im Nahen Osten. Ein Aufschrei aus Bagdad“ von Raphael Louis Sako ist im Herder-Verlag erschienen und kostet etwa 15 Euro. Zu beziehen über Ihre Buchhandlung vor Ort. (ISBN 9783451349409)

 

 

Mit Feuer und Schwert

Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden

STYRIA PREMIUM, STYRIA ZEITGESCHICHTE, 2016
Gebunden ,256 Seiten.
ISBN: 9783222135347

 

Tod im Namen der Religion, Hassparolen an Klostermauern, Brandanschläge auf Kirchen, Menschenhatz auf offener Straße: Die Christen im Nahen Osten erleben eine blutige Zeit. Fanatische Islamisten, aber auch extremistische Juden haben ihnen den Kampf angesagt. Ausgerechnet in der Region ihres Ursprungs ist eine zweitausendjährige Kultur vom Untergang bedroht.Drei Monate lang recherchierte Hans-Joachim Löwer an den Fronten des derzeit größten Konfliktherds der Welt, von der Türkei über Syrien bis nach Ägypten. Er traf einen gefolterten Priester, traumatisierte Flüchtlinge und Mönche, aber auch Christen, die mit Waffen um ihr Überleben kämpfen. Doch es gibt nicht nur Hass: Der Autor entdeckte auch erstaunliche Projekte interreligiöser Zusammenarbeit, die aller Gewalt trotzen und Hoffnung für eine friedlichere Zukunft geben.