Die Heiligen Mysterien (Sakramente) Gottes

 

Die Allheiligen Mysterien (Sakramente) in der Orthodoxen Kirche

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Alle Mysterien (Sakramente) bilden in der Orthodoxen Kirche eine Einheit um das von und in Christus gestiftete Heil. Durch den Empfang der Allheiligen Mysterien erhalten die Gläubigen gnadenhaft Anteil an diesem, von Christus Selbst, gestifteten Heil. Die heiligen Mysterien werden in und durch die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche gespendet. Deshalb kann es auch außerhalb der Heiligen Kirche kein Heil geben, weil es außerhalb der Kirche auch keine Sakramente gibt. Ob und wieweit die außerhalb der orthodoxen Kirche stehenden Christen durch Gottes Gnade ebenfalls Anteil an der durch Christus Selbst gestifteten Heiligen Kirche Christi haben können, unterliegt jedoch nicht unserer menschlichen Beurteilung, sondern ist allein abhängig von der Barmherzigkeit und Liebe Gottes, der will, dass alle Menschen gerettet und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (vgl.: 1. Timotheus 2:4). 

 

Die orthodoxe Kirche gebraucht im Unterschied zu den westlichen Glaubensgemeinschaften nicht den Begriff „Sakrament“, sondern bevorzugt die Ausdrucksweise „Mysterion“. Alle Mysterien vermitteln mit Hilfe der geschaffenen Materie die unerschaffene Gnade Gottes. So werden zum Beispiel in der Feier der Heiligen Kommunion sowohl die zur Verwandlung vorgelegten Gaben von Brot und Wein, als auch die Herzen und Seelen der sich durch die Feier der Göttlichen Liturgie vorbereitenden Gläubigen vermittels des Wirkens des Heiligen Geistes verwandelt und erhalten dadurch Anteil an den Gnadenwirkungen der ungeschaffenen Energien Gottes. Der Mensch als seelisch-leibliches Geschöpf braucht die geschaffenen Gaben der Schöpfung, um sich der unerschaffenen Gnade Gottes nähern und sie zu seinem Heile zu empfangen zu können. Das Wesentliche in den Allheiligen Mystrien ist nicht der geschaffene Träger, sondern die durch sie an uns wirkende unerschaffenen Gnade Gottes. Deshalb werden die Heiligen Väter nicht müde uns daran zu erinnern, dass derjenige, der an den Heiligen Mysterien teilnimmt, sich nicht auf die Betrachtung ihres geschaffenen Trägers beschränken darf, sondern sich um die geistige Erkenntnis der darin verborgenen ungeschaffenen Gnadengabe Gottes  bemühen muss.

 

Eine konkrete Begrenzung  auf eine Siebenzahl der Sakramente wurde in der westlichen Kirche erst in der mittelalterlichen Scholastik vollzogen. Die Orthodoxe Kirche stimmt mit der Kirche des Abendlandes in der Anerkennung des Mysteriencharakters der sieben, von der abendländischen Kirche als Sakramente anerkannten, kirchlichen Gnadenhandlungen überein. Darüber hinaus werden in der orthodoxen Kirche aber auch die Große Wasserweihe, die Mönchsweihe und die Weihe einer Kirche zu den Mysterien gezählt.  

 

 

Zum Geheimnis der Wandlung der eucharistischen Gaben durch den Heiligen Geist nach dem Heiligen Johannes von Damaskus

 

Priester Johannes Nothhaas

 

Nach orthodoxem Verständnis geschieht die Gegenwart Jesu Christi in den materiellen Gaben von Brot und Wein nicht ohne die Mitwirkung des Heiligen Geistes. So wie die Menschwerdung des Gottessohnes sich nicht ohne die Überschattung der Gottesgebärerin durch den Heiligen Geist vollzog, in gleicher Weise bewirkt Er auch die Wandlung der eucharistischen Gaben. In der Liturgie kommt dies Geschehen in der Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben, über die bereits die Einsetzungsworte gesprochen worden sind, zum Ausdruck: „Sende herab Deinen Heiligen Geist auf uns und diese Gaben hier“. Die westliche Christenheit hat mit dieser Tradition der Epiklese (wie man dieses Gebet auch bezeichnet) in der Anordnung nach den Einsetzungsworten gebrochen. Johannes Damaszenus bezeugt die alte Tradition des ersten Jahrtausends:

 

„Als Christus den freiwilligen Tod auf sich nehmen wollte, in der Nacht, in der Er sich überlieferte, schloss Er mit seinen heiligen Jüngern und Aposteln und allen, die durch sie an Ihn glauben, einen Neuen Bund. Im Obergemach des heiligen und herrlichen Zion aß Er mit Seinen Jüngern das alte Pascha-Mahl und erfüllte den Alten Bund. Er wusch den Jüngern die Füße und gab damit ein Sinnbild der heiligen Taufe. Dann brach Er das Brot und gab es ihnen mit den Worten: Nehmet und esset, das ist Mein Leib, der für euch gebrochen wird zur Vergebung der Sünden. Desgleichen nahm er auch den Kelch mit Wein und Wasser und reichte ihn ihnen mit den Worten: Trinket alle daraus, das ist Mein Blut, das Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt ( 1. Korinther 11:26 ). Wenn der Gott-Logos aus freiem Willen selbst Mensch wurde und das reine und unbefleckte Blut der heiligen Immerjungfrau ohne Zeugung sich zum Fleisch bildete, sollte Er da nicht das Brot zu Seinem Leib und den Wein und das Wasser zu seinem Blut machen können? Wie Gott alles, was Er geschaffen hat, durch die Wirkkraft des Heiligen Geistes geschaffen hat, so bewirkt auch jetzt die Kraft des Geistes, was über die Natur hinausgeht, was man nicht erfassen kann, es sie denn im Glauben. Wie soll das geschehen, sagte die heilige Jungfrau, da ich keinen Mann erkenne? Der Erzengel Gabriel antwortete: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten (Lukas 1:34 f.). Und du fragst noch, wie das Brot Leit Christi und der Wein und das Wasser Blut Christ wird? Auch ich sage Dir: Der Geist kommt herab und wirkt das, was Begreifen und Denken übersteigt.

 

Das Brot und der Wein sind nicht ein Bild für den Leib und das Blut Christi - das sei fern -, sondern der göttliche Leib des Herrn selbst, denn der Herr selbst sprach: Das ist mein Leib, aber nicht ein Bild meines Leibes, und: Das ist Mein Blut, nicht jedoch: Ein Bild Meines Blutes. Zuvor hatte Er zu den Juden gesagt: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Denn Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und Mein Blut ist wirklich ein Trank. Und weiter: So wird jeder, der Mich isst, durch Mich leben ( Johannes 6:53, 57).

 

Treten wir mit glühendem Verlangen hinzu und empfangen mit den flachen, ein Kreuz bildenden Händen den Leib des Gekreuzigten. Nehmen wir die göttliche feurige Kohle entgegen , damit das Feuer der Liebe in uns die Glut der feurigen Kohle annehme, unsre Sünden verbrenne und unsre Herzen erleuchte, und wir durch die Teilhabe am göttlichen Feuer licht und göttlich werden.

 

 

Eine glühende Kohle schaute Jesaja (vgl. Jesaja 6:6 f). Glühende Kohle ist nicht einfach Holz, sondern mit Feuer vereintes Holz. So ist auch das Brot nicht einfaches Brot der Gemeinschaft, sondern mit der Gottheit vereintes Brot. Teilnahme heißt dies Brot, denn dadurch nehmen wir an der Gottheit teil. Gemeinschaft heißt das Brot und ist es auch wirklich; denn dadurch haben wir Gemeinschaft mit Christus und erhalten Anteil an Seinem Fleisch und an Seiner Gottheit. Dadurch haben wir aber auch Gemeinschaft und Einheit untereinander. Da wir ein Brot empfangen, werden wir alle ein Leib und ein Blut Christi und Glieder untereinander, wenn wir handeln sind wir zu einem Leib Christi vereint."

 

               

Die Heilige Eucharistie

 

 

Frage: Was ist die Heilige Eucharistie?

 

Das griechische Wort "Eucharistie" bedeutet: "Dankopfer" (von griechisch εὐχαριστέω (eucharistéo) = ich sage Dank). Im Sakrament der Heiligen Eucharistie (griechisch: Η Θεία Ευχαριστία, russisch: Таинство причащения, или евхаристия) genießt der Gläubige unter der Gestalt von Brot und Wein den Wahren Leib und das Wahre Blut Jesu Christi und vereinigt sich dadurch mit Ihm.

 

Frage: Wer hat die Heilige Eucharistie, also das Heilige Abendmahl oder Heilige Kommunion, eingesetzt?

 

Unser Herr Jesus Christus beim letzten Abendmahl mit Seinen Jüngern. Er nahm zuerst das Brot und sprach: "Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird zur Vergebung der Sünden", dann nahm Er den Kelch und sprach: "Trinket alle daraus, das ist mein Blut, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden". Er sagte ebenfalls: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (vgl.: 1.Korinther 11:24; Matthäus 26: 26-28; Markus 14: 22-26; Lukas 22,19-20. Anmerkung: Bei genauer Betrachtung der biblischen Textstellen fällt jedoch sofort auf, dass die Einsetzungsworte nur die biblische Begründung für die Wandlung bilden, das heißt, die Konsekration an dieser Stelle noch nicht erfolgt. Deshalb hält die orthodoxe Kirche, der apostolischen Tradition folgend, bis heute daran fest, dass die Wandlung während der Epiklese, jenem Gebet in der Göttlichen Liturgie, bei dem der Bischof oder der Priester den Heiligen Geist auf die vorgelegten Gaben herabruft, damit er durch Seine Kraft den Brot und den Wein in den Wahren Leib und das Kostbare Blut Christi wandelt).

 

 

 

Frage: Wer vollzieht das Sakrament der Eucharistie?

 

Die Heilige Eucharistie wird im Rahmen der Göttlichen Liturgie gefeiert. Sie kann nur entweder von einem Bischof oder von einem geweihten und von seinem Bischof mit der Feier der Göttlichen Liturgie in dieser Kirche beauftragten Priester vollzogen werden.

 

Frage: Was benötigt man zur Feier der Eucharistie?

 

Brot, Wein (und Wasser). Das Brot soll aus reinem Weizen und ohne Salz gebacken werden, der Wein soll Rotwein aus reinen Trauben, also kein Obstwein, sein. In den Wein gießt der zelebrierende Priester auch ein wenig Wasser, um an das Wasser zu erinnern, das aus der Seite Christi floss, als ein römischer Soldat ihm eine Lanze ins Herz stieß (vgl.: Johannes 19:16-30)

 

Frage: Was geschieht während der Feier der Eucharistie,

die wir Orthodoxen die Feier der Göttlichen Liturgie nennt?

 

Das auf dem Altar liegende Brot und der Wein im Kelch werden zum Wahren Leib und zum Kostbaren Blut Christi gewandelt. Wir nennen das Brot, das zum Leib Christi geworden ist, und den Wein, der zum Blut Christi geworden ist, die Heiligen Gaben, weil sie die Heiligste Gaben Gottes sind, Christus Selbst.

 

 

Frage: Wie soll sich der Christ auf den Empfang der Heiligen Eucharistie,

also auf den Empfang der Heiligen Kommunion

(griechisch: ή Αγία Κοινωνία, russisch: Таинство Причащения) vorbereiten?

 

Man bereitet sich auf dem Empfang der Heiligen Eucharistie vor:

 

1. Durch Beten - im Gebetbuch stehen dafür eigens bestimmte Gebete.

 

Es sind dies der der Kanon zum Empfang der Heiligen Gaben, der in der Regel am Abend vor der Kommunion gelesen wird. Am Morgen vor der Heiligen Kommunion sprechen wir die Vorbereitungsgebete zum Empfang der Heiligen Kommunion. Nach der kirchlichen Tradition - hier werden die Regeln der russischen Tradition angeführt - werden im Laufe der vorangehenden Woche ebenfalls der Kanon zum Erlöser, der Kleine Trostkanon zur allheiligen Gottesgebärerin uns der Kanon zum Heiligen Schutzengel gebetet. Ebenfalls empfiehlt die kirchliche Tradition ein dreitägiges Fasten vor dem Empfang der Heiligen Kommunion. Diese Gebetsregel und auch das Fasten sind aber nicht selbstgefälliges knechtendes Ritual, sondern sollen uns in erster Linie dabei helfen, unsere Seele und unseren Leib würdig auf die leibhaftige Begegnung mit unserem Herrn Jesus Christus vorzubereiten. Nicht Gott braucht diese Vorbereitung, um uns in Liebe begegnen zu können, sondern wir brauch diese Vorbereitung, um uns der Liebe Gottes Öffnen und seine Gnade so empfangen zu können, dass sie Wohnung in unserem Herzen nehmen kann. Deshalb gilt, wie im gesamten geistlichen Leben: Wer Schwierigkeiten hat, die gesamte Regel zu erfüllen, spreche darüber mit seinem Beichtvater, um das für ihn realisierbare Maß zu finden.

 

2. Durch Fasten - man darf von Mitternacht an nichts zu sich nehmen.

 

Diese Regel betrifft nicht notwendige Medikamente. Auch gilt sie nicht für Säuglinge. Ab wann das eucharistische Fasten von den Kindern eingehalten werden soll, besprechen wir mit dem Beichtvater unserer Familie.

 

3. Durch Aussöhnung mit allen, denen man Unrecht getan hat.

Durch Verzeihen- wir dürfen keinen Hass und keine Rachegefühle in unserem Herzen tragen.

 

 

4. Außerdem muss man aufrichtig gebeichtet und die Lossprechung des Priesters empfangen haben.

 

Die heutige kirchliche Praxis russischer Prägung sieht zwingend ein dreitägiges Fasten und die Verlesung einer Gebetsordnung aus drei Kanones (meist im Laufe der vorangehenden Woche), des eigentlichen Kanons  vor dem Empfang der heiligen Kommunion und der morgendlichen Kommuniongebete, sowie eine obligatorischen Beichte am Abend vor oder am Tag der Kommunion selbst vor. Diese Vorbereitungspraxis, die heute nicht nur in der russischen Kirche zu einer quasikirchlichen Regel wurde, ist aktuelle Norm in den meisten orthodoxen Gemeinden in Russland, der Ukraine, Weißrussland, den baltischen Staaten, den mittelasiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn, aber auch in weiten Teilen der serbischen, sowie in der gesamten rumänischen Kirche. Dabei müssen wir aber beachten, dass diese Praxis weder besonders alt ist noch den Status einer Konzilsentscheidung hat. Insofern ist sie nur Ausdruck einer bestimmten, heute herrschenden Frömmmigkeit und nicht Bestandteil des orthodoxen Glaubens an sich.

Vom kanonischen Standpunkt aus ist die Praxis der Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Kommunion durch folgende Kanones geregelt:

- Den 47. und 58. Kanon vom Konzil von Karthago.

- Den 29. Kanon der Trullanischen Synode.

- Den 9. Kanon des Heiligen Nikephoros des Bekenners, des Patriarchen von Konstantinopel.

- Den 5. Kanon des Timotheus I. des Patriarchen von Alexandria.

- Den 13. Kanon des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa.

Laut der Entscheidungen des Konzils von Karthago und der Trullanischen Synode kann die Heilige Kommunion nur auf nüchternen Magen empfangen werden. Der 9. Kanon des Heiligen Hierarchen Nikephoros spricht aber deutlich über die Möglichkeit der Spendung der Heiligen Kommunion an einen Sterbenden auch nach dem Essen. Die Regel des Timotheus I. von Alexandrien schreibt die sexuelle Enthaltsamkeit vor dem Empfang der Heiligen Kommunion vor.

Als Fazit aus der Befragung des kanonischen Rechtes deshalb festgehalten werden:

Die heutige russische Praxis der Kommunionvorbereitung (auch die obligatorischen Beichte) ist nur aktueller kirchlicher Brauch. Kanonisch festgelegt ist, dass der orthodoxe Christ die Heilige Kommunion nur auf nüchternen Magen (nachdem er mindestens seit Mittenacht nichts gegessen hat) empfangen darf. Für orthodoxe Christen, die verheiratet sind, ist vor der Kommunion sexuelle Enthaltung obligatorisch. Der Umfang der Gebete, die Notwendigkeit der Einhaltung zusätzlicher Fastentage und die obligatorische Beichte vor der Kommunion sind dagegen nicht durch das orthodoxe kanonische Recht festgelegt.

Die bedeutet jedoch nicht, dass die Gebetsregel, die Fastentage und regelmäßige Beichte im Leben des orthodoxer Christen fehlen dürfen. Die heutige Praxis der Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Kommunion der russischen und rumänischen Kirche ist auch vollkommenen verständlich vor dem Hintergrund, dass die Heilige Kommunion in den vergangenen Jahrhunderten nur einmal oder höchstens vielmal im Jahr empfangen worden ist. Auch heute hat die Praxis ihren Sinn, wenn es um die Kommunionvorbereitung von Menschen geht, welche die meiste Zeit des Jahres kein kirchlich geprägtes Leben führt, die die von der Kirche festgelegten Fastenzeiten nicht einhält und keine kontinuierliche Erfahrung im Gebet haben. Hier kann der Betroffene geistlich nur davon profitieren, wenn er oder sie vor dem Empfang der Heiligen Kommunion sich erneut in ein intensiviertes geistliches Leben und vermehrtes Gebet einübt.

Einen anderen Weg als die meisten russischen Gemeinden, die die Einhaltung dieser Ordnung der Kommunionvorbereitung auch von den Laien, die ein vollwertiges kirchliches Leben führen, regelmäßig die Gottesdienste besuchen und alle von der Kirche festgelegten Fastenzeiten einhalten, hat sich in den meisten Gemeinden der griechischen Tradition herausgebildet. Die Praxis der Kommunionsvorbereitung prägen die die Gemeinden der Kirchen von Konstantinopel (hier auch das Exarchat für die Gemeinden der russischen Tradition), Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Griechenland und Zypern. In den Gemeinden dieser Kirchen ist es inzwischen üblich geworden, dass auch die Laien die Heilige Kommunion ohne vorherige obligatorische Beichte empfangen können. Die Gemeindemitglieder bemühen sich, die Heilige Kommunion jeden Sonntag zu empfangen. Dabei ist die Beichte nicht unwichtig oder gar abgeschafft worden. Vielmehr wird die heilige Beichte nur nicht (mehr) mit der Kommunionvorbereitung obligatorisch verbunden. So wird die Beichte von den Gläubigen dann auch nicht in erster Linie als Eingangstor zur Kommunion, sondern als seelsorgerliche, geistlich-therapeutische Begleitung in der Weiterentwicklung des persönlichen geistlichen Lebens verstanden. Bis auf die Priester des zur Kirche von Konstantinopel gehörenden Exarchates für die Gemeinden der russischen Tradition darf in diesen Kirchen nicht jeder Priester die Beichte abnehmen, sondern nur der Priester, der von seinem Bischof damit beauftragt wurde. Normalerweise wird diese Erlaubnis nur Geistlichen gegeben, die bereits über ausreichend pastorale Erfahrung verfügen. Die Priesterweihe bedeutet in der griechischen Tradition noch nicht, dass der neu geweihte Priester automatisch die Befugnis erhält, die heilige Beichte zu vollziehen.

Nach den Worten des Heiligen Nikolaos Kabasilas ist die Vorbereitung auf die Heilige Kommunion die Feier der Göttlichen Liturgie selbst: „Die Psalmen und die Lektüren der Schrift bereiten uns auf die Heiligung durch die Heiligen Sakramente vor.“ So folgen die beiden aus der russischen Tradition stammenden Kirchen der westlichen Diaspora, sowohl das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden in Westeuropa (Exarchat des Ökumenischen Patriarchates) als auch die Orthodoxe Kirche in Amerika (OCA) einer eigenen, aber der Regelung in den griechisch geprägten Kirchen ähnlichen Richtung. Soweit als möglich empfängt jeder Gläubige die Heilige Kommunion bei jeder Feier der Göttlichen Liturgie. Der Kanon zur Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion und die morgendlichen Gebete vor dem Empfang der Kommunion sind Teil der Regeln für das häusliche Gebet. Zusätzliches Fasten ist nicht erforderlich. Die Einhaltung der Fasten am Mittwoch und Freitag, sowie in den großen Fastenzeiten, reicht aus. Das heißt, an die gläubigen Laien werden grundsätzlich dieselben Forderungen gestellt, wie sie die Priester selbst erfüllen müssen. Darüber hinaus wird der regelmäßige Empfang der heiligen Beichte verlangt (in der Regel nach Empfehlung des jeweiligen Beichtvaters alle ein bis zwei Monate). Jedoch gibt es jederzeit die Beichtmöglichkeit auf persönlichen Wunsch des Gläubigen: Da die Gemeinden in der russischen Tradition beheimatet sind, kann in den meisten Kirchen vor der Göttlichen Liturgie, beziehungsweise im Anschluss an den Vespergottesdienst oder die Nachtwache gebeichtet werden. Während der Großen Fastenzeit ist der Empfang der Heiligen Beichte für alle Gläubigen obligatorisch.

 

In der russischen und rumänischen Kirche ist heutzutage eine Beichte vor jedem Empfang der Heiligen Kommunion obligatorisch. In anderen orthodoxen Kirchen wiederum ist eine Beichte in regelmäßigem Abstand Voraussetzung für dem Empfang der Heiligen Kommunion. Hier gibt es heutzutage unterschiedliche Frömmigkeitstraditionen. Generell sollten wir weder allzu leichtfertig zur Kommunion herantreten, noch denken, dass wir erst, wenn wir "absolut sicher" zu sein meinen, auch "wirklich würdig" zu sein, hinzutreten dürfen. Denn wann sind wir am Ende überhaupt je wirklich würdig? Und es ist der Kelch des Heiles, an dem wir teilnehmen und das Medikament der Unsterblichkeit, das wir in der Heiligen Kommunion empfangen. Deshalb sollten wir mit Demut und im Vertrauen auf Gottes Liebe herantreten und von Herzen sprechen:  "Gott, sei mir Sünder gnädig und erbarme Dich meiner." Durch echte Demut und das innige Vertrauen auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit, die sich in einer ernsthaften Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Kommunion ausdrückt aber letztlich nicht erschöpft, ist der Mensch dann geläutert und kann ruhig zum Tisch des Herrn gehen.

 

 

Frage: Wie oft soll der orthodoxe Christ die Heilige Eucharistie empfangen?

Der Heilige Johannes Chrystomos empfiehlt uns, soweit wir vorbereitet sind, jeden Sonntag die Heilige Kommunion zu empfangen. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte, war jedoch aus Furcht vor der eigenen Unwürdigkeit aus der Übung gekommen, so dass die Erwachsenen viermal im Jahr (zu jeder Fastenzeit) zur Kommunion gingen. Wer es aus triftigen Gründen nicht konnte, tat dies zumindest  einmal im Jahr während der Großen Fastenzeit. Jedoch ist es übereinstimmender Rar der Heiligen Väter, so oft wie es uns möglich ist und wenn wir vorbereitet sind den Kelch des Heiles zu empfangen.

"Alle Gläubigen, die in die Kirche eintreten und die Schrift hören, aber nicht zum Gebet und zur Heiligen Kommunion bleiben, sollten, da sie in der Kirche Unwesen treiben, von der kirchlichen Gemeinschaft exkommuniziert werden" (9. Apostolische Regel). Nach der Erklärung des größten Auslegers der Kanones, Patriarch Theodor Balsamon, „ist die Bestimmung dieser Regel ziemlich streng. Denn sie exkommuniziert diejenigen, die in die Kirche kommen, doch nicht bis zum Ende bleiben und nicht kommunizieren". Auch die anderen Regeln (der 80. Canon des 6. Ökumenischen Konzils und der 11. Canon des Konzils von Serdica) bestimmen auf gleiche Weise, dass alle zur Kommunion bereit und würdig sein sollen, und diejenigen, die drei Sonntage nacheinander keine Kommunion empfangen, exkommuniziert werden.“

An dieser kurzen kirchenrechtlichen Zusammenschau wird deutlich, dass für jeden orthodoxen Christen, dessen Gewissen nicht von schweren Sünden belastet ist, der Empfang der Heiligen Kommunion bei jeder Heiligen Liturgie eine kanonische Norm der Kirche ist. Sich der Teilnahme an der Heiligen Kommunion zu verweigern, bedeutet zugleich, sich selbst aus der Gemeinschaft der Kirche (im griechischen wird für die Gemeinschaft der Kirche bezeichnender Weise das gleiche Wort "Κοινωνία" (Koinonia) wie für die Heilige Kommunion verwendet. auszuschließen. Sich der Teilnahme an der Heiligen Kommunion ohne schwerwiegenden Grund zu verweigern, ist damit nicht einfach nur Ausdruck einer nicht genuin orthodoxen Frömmigkeit, sondern zugleich Abfall von der Kirche.

 

Frage: Warum ist es ratsam, so oft wie möglich die Heilige Kommunion zu empfangen?

Weil die Heilige Eucharistie für die Seele das ist, was Speise und Trank für den Körper sind. Sie stärkt die Seele, kräftigt sie, hält sie gesund oder heilt sie, wenn sie schwach oder krank ist. Die ersten Christen empfingen die Heilige Kommunion bei jeder Feier der Göttlichen Liturgie. Leider ist dieser Brauch heute bei vielen Orthodoxen verloren gegangen, weil sich die meisten Menschen nicht jede Woche würdig zum Empfang der Heiligen Eucharistie vorbereiten wollen oder können.

Die Heilige Kommunion ist aber nicht eine Belohnung für unsere vermeintliche Tugend, sondern eine sakramentale und geistliche Hilfe, um besser der Sünde widerstehen und unsere Leidenschaften mehr und mehr überwinden zu können.Der häufige Empfang der Heiligen Kommunion erleuchtet unseren Geist und auch unseren Verstand. Auch der Körper als Haus unserer Seele wird durch den Empfang der heiligen Kommunion gestärkt und geheiligt. Deshalb sollten wir so oft wie es uns möglich ist die Heilige Eucharistie empfangen, damit unser Leben von der Gegenwart Christi mehr und mehr erfüllt werde und wir die Kraft gewinnen können, die wir für den Kampf gegen unsere Leidenschaften und gegen die Versuchung des Bösen brauchen.

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Vorbereitung auf die Heilige Kommunion

 

von Vater Vassilios Papavassiliou 

 

Archimandrit Vassilios Papavassiliou ist Priester der Griechischen Orthodoxen Erzdiözese von Thyateira in Groß Britannien

 

In seinem Buch "Die Große Fastenzeit" schreibt Vater Alexander Schmemann: ...in vielen orthodoxen Kirchen wird die heutzutage allgemein angenommene Auffassung vertreten, daß die Laien unmöglich ohne sakramentale Beichte und Absolution zur Kommunion gehen können. Selbst wenn jemand häufig die Kommunion empfangen möchte, müßte er jedesmal zur Beichte gehen oder wenigstens die sakramentale Absolution empfangen. Was auch immer die verschiedenen und teilweise ernstzunehmenden Gründe für diese Auffassung auch sein mögen, muß hier offen festgestellt werden, daß diese nicht nur keine Grundlage in der Tradition haben, sondern im Gegenteil zu alarmierenden Entstellungen in der orthodoxen Lehre von der Kirche, der Eucharistie und dem Bußsakrament selbst führen.“

 

Obwohl Vater Alexander hier von der russischen Tradition spricht, ist klar, dass eine der größten Verzerrungen, auf die er sich bezieht, in unserem Verständnis der Eucharistie liegt. Nicht nur aus der Gewohnheit der Laien, sondern sogar aus dem Denken des Klerus und gelernter Theologen wird klar, dass wir die Eucharistie von der Liturgie getrennt haben. Ich meine damit, dass wir dazu neigen die ‚Teilnahme’ an der Liturgie als eine Sache zu sehen, und die Kommunion als etwas anderes, etwas ‚zusätzliches’. Dieses Prinzip wurde soweit getrieben, dass wir in den Weg eines Laien zur Kommunion endlose Grenzlinien und Hürden gelegt haben. Priester, die heftig bedauern, dass nicht häufiger kommuniziert wird, sind oft die Gleichen, die auf Regeln bestehen, die es dem Laien fast unmöglich machen an den Heiligen Mysterien, den Sakramenten, teilzuhaben.

 

Welches sind diese Hürden? Die erste Hürde ist die Beichte, oder auch die bloße ‚Absolution’.  Die zweite Hürde sind die ‚Gebete zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion’. Die dritte ist Fasten (denn uns wurde gesagt, dass man nicht kommunizieren darf, ohne sich zuvor seit dem vergangenen Abend, einen ganzen Tag oder sogar drei Tage von gewissen Speisen enthalten zu haben). Die vierte Hürde (wenn auch weniger häufig) ist die notwendige Anwesenheit beim Orthros und manchmal sogar bei der Vesper für eine ‚würdige’ Teilhabe an den heiligen Mysterien.

 

Bevor wir uns diese ‚Hürden’ näher betrachten, lesen wir einen Kommentar des Heiligen Johannes Cassianus (4./5. Jahrhundert) zur Heiligen Kommunion: 

 

"Es gibt Fälle, in denen sich der Priester nicht von einem Laien unterscheidet, namentlich wenn man die Heiligen Mysterien betrachtet. Sie werden uns alle gleichermaßen gereicht, nicht so wie im Alten Testament, wo ein Teil der Speisen für die Priester und ein anderer Teil für das Volk bestimmt war, denn dem Volk war es nicht erlaubt, an dem teilzuhaben, was den Priestern zugedacht war. Jetzt ist es nicht mehr so. Allen wird derselbe Leib und derselbe Kelch gereicht.“

 

Der Heilige Johannes Cassianus macht völlig klar, dass es bei der Heiligen Kommunion keinen Unterschied zwischen dem Klerus und den Laien gibt. Die Vorbereitung, die von dem einen verlangt wird, gilt auch für den anderen. Deshalb ist es bemerkenswert, dass einige Priester darauf bestehen, dass die Laien jedes Mal, wenn sie zur Kommunion gehen wollen zuvor zur Beichte gehen müssen. Ich würde gerne wissen, wieviele Priester vor jeder Liturgie, die sie feiern, zur Beichte gehen. Ist das nicht ein Fall wie bei Lukas beschrieben: „Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür“ (vgl. Lukas 11:46). Der Rückgang der Beichte vielerorts ist sicher bedauernswert und zum Sakrament der Buße und Versöhnung muss gewiss erklärt und dazu ermuntert werden (erklärt nicht nur denen, die nie oder selten zur Beichte gehen, sondern auch denen, die es als etwas mechanisches ansehen – als ob regelmäßige Beichte – mit oder ohne echte Reue – uns für die Heilige Kommunion ‚würdig’ machen würde). 

 

Diese ‚Regel’, dass vor der Kommunion immer gebeichtet werden muss, was aber nicht für den Klerus gilt, scheint der Vermutung gleich zu kommen, dass die Kommunion eine ‚Verpflichtung’ des Klerus sei, aber nicht der Laien. Zudem scheint das Bestehen auf dem Sakrament der Beichte eine völlige Unkenntnis der auffallendsten und bestens bekannten Worte der Heilige Anaphora darzustellen: „Dies ist mein Leib ... dies ist mein Blut ... zur Vergebung der Sünden.“ Wenn wir wirklich glauben dass der Leib und das Blut Christi zur Vergebung unserer Sünden sind, warum verlangen wir dann die Vergebung der Sünden im Sakrament der Buße oder im Gebet der ‚Absolution’ bevor wir sie empfangen? Das Hl. Abendmahl scheint ein ‚Privileg’ des Klerus zu sein, und das Volk Gottes kann am Hl. Abendmahl nur teilhaben, wenn es einige Hürden überwunden hat. 

 

Die zweite Hürde sind die Gebete zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion. Der Gedanke, dass die Liturgie selbst – deren Ziel und Zweck die Teilhabe an den göttlichen Mysterien ist – selbst die Vorbereitung vor der Hl. Kommunion und die Danksagung danach ist, scheint uns nicht zu kommen. Während wir, der Klerus, gerne viele Gebete der Göttlichen Liturgie auslassen, sind wir viel weniger bereit ‚private Gebeten’ für erläßlich zu halten, als ob die Liturgie ein gemeinsamer Akt des Lobpreises wäre, aber die Heilige Kommunion eine rein private Angelegenheit. Die erste Erwähnung der Kommunion in der Göttlichen Liturgie ist im ‚Zweiten Gebet der Gläubigen’, das vor dem Cherubim-Hymnus gelesen werden sollte (obwohl es oft nicht einmal mehr leise vom Priester gebetet wird)

 

„Wieder und oftmals fallen wir vor Dir nieder und bitten Dich, ... daß Du, auf unser Gebet niederblickend, unsere Seelen und Leiber von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes reinigen mögest und uns verleihen mögest, ohne Schuld und Verdammung vor Deinem heiligen Altar zu stehen. Schenke, Gott, auch denen, die mit uns beten, Vervollkommnung der Lebensführung .... Gewähre ihnen, ... ohne Schuld und Verdammung an Deinen heiligen Mysterien teilzunehmen und Deines himmlischen Reiches teilhaftig zu werden.“

 

 

Obwohl es offensichtlich ein Gebet des Priesters für das Volk ist: „Schenke auch denen, die mit uns beten“ und nicht notwendigerweise je dazu bestimmt war, vom Volk gehört zu werden, ist es ein Gebet, das für das Volk gebetet wird, damit es ‚würdig’ gemacht werde, an den Heiligen Mysterien teilzuhaben. Dieser Gedanke, dass der Priester für das Volk betet, dass es fähig gemacht werde zur Kommunion zu gehen, wird in anderen Gebeten (die leider auch oft ausgelassen werden) klar gemacht:

 

„Nimm auch die Bitte von uns Sündern an und führe uns an deinen heiligen Altar heran und mach uns fähig, dir Gaben und geistige Opfer für unsere Sünden und die Vergehen des Volkes darzubringen.“ 

 

„Damit wir deinen makellosen Leib und dein kostbares Blut empfangen und durch uns das ganze Volk.“ 

 

Fast alle Bitten und Gebete ab dem Cherubim-Hymnus (die Liturgie der Gläubigen) dienen dem Zweck der Vorbereitung auf die Kommunion. Ebenso dienen alle Gebete der Göttlichen Liturgie nach der Teilhabe an den heiligen Gaben der Danksagung für die Kommunion, obwohl das ‚Dansagungsgebet’ vielerorts ausgelassen wird oder vom Priester leise gebetet wird, obwohl nichts in diesem Gebet darauf hindeutet, dass es nur vom Priester allein gehört werden solle: 

 

„Wir danken dir, menschenliebender Herr, du Wohltäter unserer Seelen, daß du uns auch am heutigen Tag deiner himmlischen und unsterblichen Mysterien gewürdigt hast. Mach unseren Weg gerade, befestige uns alle in deiner Ehrfurcht, beschütze unser Leben, sichere unsere Schritte durch die Bitten und Gebete der ruhmreichen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und aller deiner Heiligen.“

 

 

Bei der dritten Hürde – dem Fasten – scheint einige Verwirrung zu bestehen zwischen ‚völliger Abstinenz’ und ‚asketischem Fasten’ (Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen) vor der Kommunion. ‚Asketisches Fasten’ vor der Kommunion scheint in unserer Tradition keine Grundlage zu haben. Richtig ist, dass diejenigen, die gesund genug sind um zu fasten, sich aller Speisen und Getränke am Morgen der Kommunion enthalten sollten – außer vielleicht unter besonderen Umständen –, genauso wie diejenigen, die an der Heiligen Kommunion in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben teilnehmen, sich aller Nahrung mehrere Stunden davor enthalten sollten. Aber die orthodoxe Tradition besteht nicht auf einem ‚asketischen Fasten’ ein oder zwei Tage vor der Kommunion.

 

Die vierte Hürde – dass wer kommunizieren will den Orthros oder sogar die Vesper besuchen sollte – hat ebenfalls keine Tradition. Vesper und Orthros sind zwei von der Göttlichen Liturgie ganz unterschiedliche Andachten. Wenn, wie ich gesagt habe, die Vorbereitung und die Danksagung für die Kommunion wesentliche Bestandteile der Göttlichen Liturgie sind, dann ist die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie vom Anfang an oder wenigstens ab dem Beginn der Liturgie der Gläubigen (nach der Evangeliumslesung) notwendig. Sogar das kann für manche, die weit entfernt wohnen oder Säuglinge und kleine Kinder haben schwierig sein. Leuten, die mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sollten wir Feingefühl und großes Verständnis entgegenbringen.

 

 

Verwundert es, wenn man sich die Hindernisse ansieht, die wir zwischen die heiligen Gaben und die Laien gesetzt haben, dass die häufige Kommunion mancherorts noch eine Seltenheit ist? Unser Klerus sollte vorsichtig sein, dass er nicht an die Laien größere Anforderungen zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion stellt, als an sich selbst. Die Eucharistie ist nicht eine Belohnung für gutes Benehmen, sie wird uns gewährt zur Vergebung der Sünden und für das ewige Leben. Wie es der Heilige Johannes Cassianus formuliert: 

 

„Wir dürfen nicht auf die Kommunion verzichten, weil wir uns für sündhaft halten. Wir müssen sie zur Heilung unserer Seelen und zur Reinigung unseres Geistes häufiger empfangen, jedoch in solcher Demut und in solchem Glauben, daß wir uns unwürdig fühlen ... wir würden ja auch mehr Medizin für unsere Wunden wünschen. Sonst ist es unmöglich, die Kommunion einmal im Jahr zu empfangen, wie es gewisse Leute tun ... in der Meinung, die Heiligung durch die himmlischen Mysterien sei nur Heiligen zugänglich. Der Gedanke ist besser, daß das Sakrament uns rein und heilig durch die uns geschenkte Gnade macht. Solche Leute bezeugen mehr Stolz als Demut ... denn, wenn sie die Kommunion empfangen, halten sie sich selbst für würdig. Es ist besser, daß wir demütig von Herzen im Bewußtsein, nie zum Empfang der Heiligen Mysterien würdig zu sein, sie dennoch jeden Sonntag zur Heilung unserer Schwächen empfangen, als durch Stolz verblendet zu meinen, daß man nach einem Jahr würdig wäre, sie zu empfangen ...“

 

 

Das Mysterium der heiligen Beichte

 

Priester Anastasios Bozikis

 

Gott ist die Quelle allen Lebens und aller Freude. Die Trennung von Seinem Leben, von Seinem Reich des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes führt uns unweigerlich ins Verderben, zur Verzweiflung und zum Tod. Er kam in diese Welt und wurde einer von uns; Er überwand den Tod durch Seinen eigenen Tod und Seine Auferstehung und bietet so allen, die an Ihn glauben und mit Ihm gehen wollen die Möglichkeit des ewigen Lebens.

 

Im Sakrament der Taufe sind wir mystisch, aber ganz real, mit Christus und Seinem lebendigen Leib – der Kirche – verbunden durch die wiederbelebende Kraft des Heiligen Geistes, so wie sie im Taufwasser wirkt. In Christi eigenen Worten „... wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3,5). Leider weisen wir im täglichen Leben, sogar nach der Taufe, immer wieder auf vielerlei Weisen Gottes Gabe des Lebens und Seine Werte zurück. Wenn wir uns dieser Tatsache stellen und sehen, wie oft wir das Ziel nicht erreichen, verstehen wir, dass uns die Sünde noch im Griff hat und ein Hindernis zwischen uns und Gott aufbaut. „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben“, schreibt der Hl. Johannes, „führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1.Johannes 1:8)

 

Das Sakrament der Beichte wird dann für uns das Mittel, durch das wir in unserem Leben die rettende Wirkung der Taufe zu erneuern, und heilt durch die Kraft Gottes die durch unsere Sünde zerrissene Beziehung zwischen uns und Ihm. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Er treu und gerecht; Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht“ (1. Johannes 1:9)

 

 

Warum ist sie wichtig?

 

Jede Sünde korrumpiert unsere Beziehung zu Gott und zu unserem Nächsten. Es gibt keine „private“ Sünde. Sogar unsere geheimsten Gedanken haben letztendlich Einfluss darauf, wie wir uns benehmen und damit auf die Beziehung zu unserem Nächsten und zu Gott. Die Kirche war schon von frühester Zeit an der Ansicht, dass der einzige Weg uns mit Gott und mit denen, die wir – unmittelbar oder mittelbar –, verletzt haben zu versöhnen, die öffentliche Beichte unserer Sünden ist. So schrieb der Hl. Jakobus in seinem Brief: „Darum bekennt einander eure Sünden“(Jakobus 5:16). Dadurch kommt die Sünde ans Licht und wird ausgerissen, um zu verhindern, dass sie im Leben des Einzelnen oder der Kirche das was gut und gesund ist wie ein geistiges Krebsgeschwür befällt. 

 

In der frühen Kirche wurde vor der ganzen Gemeinde gebeichtet, aber über die Jahrhunderte verblieb nur noch der Priester als der einzige Zeuge der Kirche, vor dem wir unsere Beichte vor Christus ablegen. Damit blieb die „öffentliche“ Natur des Sakraments erhalten, aber gleichzeitig wurde es vor Leuten geschützt, die ihm nicht den nötigen Respekt zollten. Der Priester übt durch die Gnade des Heiligen Geistes die Vollmacht aus, die Christus Seinen Aposteln verliehen hat, Gottes Vergebung dem kund zu tun, der wirklich bereut und offen beichtet. „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“(Johannes 20:23).

 

 

Wie bereiten wir uns auf die Beichte vor?

 

Das Sakrament selbst ist die letzte Phase eines Prozesses der Selbstprüfung und Reue vor Gott. Das geht nicht mechanisch und ohne geistige Vorbereitung, denn wir können nur Vergebung erlangen für etwas, was wir wirklich bereit sind hinter uns zu lassen. Vor der Beichte sollten wir einige Zeit beten und nachdenken, damit wir uns nicht nur unseren Taten stellen können, sondern auch dem, was wir sind und was wir werden. Still müssen wir Gott bitten, uns das in unserem Leben zu offenbaren, was zum Hindernis für unsere Beziehung zu Ihm geworden ist. Wenn es die erste Beichte ist, sollte man vielleicht das ganze bisherige Leben Revue passieren lassen und die wichtigeren Ereignisse notieren, für die wir uns schuldig fühlen oder die uns immer noch bedrücken. Dann sollten wir unser Leben der letzten Monate, Wochen und Tage näher anschauen. Als Leitlinie ist es gut die Zehn Gebote und die Bergpredigt (Matthäus 5-7) zu lesen. Diese Abschnitte eignen sich als geistlicher Spiegel, in dem wir ein Abbild unser Selbst sehen können. Da Gott uns alles wieder ins Gedächtnis zurückruft, können wir es notieren und den Zettel mit zur Beichte nehmen. So können wir sicher sein, dass wir alles sagen, was wir sagen wollen und vermeiden die Sünden zu vergessen, die uns am meisten verlegen oder beschämt machen.

 

Bevor wir unsere Sünden bekennen spricht der Priester Gebete, die uns auf das Sakrament der Beichte vorbereiten.
Bevor wir unsere Sünden bekennen spricht der Priester Gebete, die uns auf das Sakrament der Beichte vorbereiten.
Wir bekennen in der Anwesenheit des Priesters vor Gott unsere Sünden.
Wir bekennen in der Anwesenheit des Priesters vor Gott unsere Sünden.
Am Ende erteilt uns der Priester im Abolutionsgebet die Vergebung der Sünden.
Am Ende erteilt uns der Priester im Abolutionsgebet die Vergebung der Sünden.

 

Was geschieht in der Beichte?

 

Jeder Priester kann die Beichthandlung leicht variieren, aber generell wird der Priester mit Epitrachilion oder Stola am Anfang ein Gebet sprechen und uns dann vor eine Ikone Christi sitzen lassen um die Beichte zu hören. Manchmal wird der Priester Fragen stellen um uns weiter zu helfen oder etwas zu klären, aber im Großen und Ganzen sollten wir uns so verhalten, als wären wir beim Arzt. Wir schildern dem Priester unsere Sünden, die Symptome sind für unsere geistliche Krankheit, so ehrlich und offen wie wir können, damit er Gott bitten kann uns zu vergeben, und uns beraten kann, wie wir im täglichen Leben diese Sünden meistern und überwinden können. Unsere Beichte muss also klar sein, ohne Ausflüchte und ohne auf die Sünden anderer einzugehen. Wir müssen auf Gott vertrauen, dass Er alles über uns weiß und Er uns vergeben wird, wenn es nötig ist. Wir müssen uns Ihm anvertrauen und Ihn um Vergebung bitten für den unentschuldbaren Teil von uns, der die Sünde ist. Am Schluss der Beichte kann uns der Priester noch einen Rat geben und manchmal eine Buße, die keine Strafe ist, eher Medizin, um uns zu helfen die Sünde in unserem Leben auszurotten. Dann wird er uns bitten hinzuknien, er legt das Epitrachilion auf unseren Kopf und liest das Gebet der Vergebung, das uns ermutigt der Gnade Gottes und Seiner Liebe zu uns zu vertrauen. Für jeden orthodoxen Christen ist eine Beichte, die mit ganzem Herzen abgelegt wird, die Chance sein Innenleben zu reinigen und einen Neuanfang in seiner Beziehung zu Gott zu machen – eine Gelegenheit, wieder in das Leben und die Freude des Reiches Gottes einzutreten.

 

Quelle: www.greekorthodox.org.au

 

 

 

Was ist die Heilige Beichte?

 

Die Große Fastenzeit ist eine Zeit der Vorbereitung. Sie ist eine Reise hin zum Sieges Christi über den Tod, die Sünde und den Teufel. Diese Reise bedarf bestimmter "geistlicher Fahrzeuge":

 

-Bekehrung

- Buße

-Umkehr

-Vergebung

-asketischen Bemühungen

 

Die geistliche Vorbereitung auf das Heilige Osterfest besteht darin, dass wir:

 

-dem Gebet zu Hause mehr Zeit widmet

-vermehrt zu den Gottesdiensten in die Kirche gehen

-die guten Werke der Nächstenliebe und der Frömmigkeit vollzieht

-sich von dem, was uns zur Sünde verführen kann fernhält

-sich verstärkt darum bemüht, die Gebote Gottes zu befolgen

 -sich von den eigenen sündhaften Gewohnheiten abwendet 

-geistliche Literatur lesen

 

Körperlich unterstützen wir unsere geistlichen Bemühungen, indem wir dem geistlichen Rat unserer Kirche folgen und in dieser Zeit soweit es uns möglich ist und unsere Gesundheit und Lebensumstände es zulassen ausschließlich Fastenessen zu uns nehmen.

 

Während der Großen Fastenzeit sollten wir das Sakrament der Heiligen Beichte und auch die Heilige Kommunion empfangen. 

 

Die Beichte (исповедь oder auch покаяние) bestand in der Kirche schon seit Anbeginn. Schon zu den Heiligen Aposteln kamen die Menschen “und bekannten offen, was sie (früher) getan hatten” (Apostelgeschichte 19:6). In der Frühzeit der Kirche waren die Beziehungen der Menschen zur Kirche offen und das Bemühen um Erlösung von den Sünden stark ausgeprägt. Aber heute verstehen viele Menschen nicht (mehr), was die Sünde wirklich ist, oder sie wissen nicht mehr, was die Heilige Beichte eigentlich ist. Wie beichte wir als orthodoxe Christen und wie bereiten wir uns darauf vor?

 

Was ist die Beichte?

 

Sie ist vor allem das menschenfreundliche Mysterium der Liebe Gottes. Sie ist das Mysterium der Katharsis (Reinigung) und der Heilung der Seele.

 

Wie sie wirkt

 

Die Beichte bricht mit der Reue auf, die das Bewusstsein unserer Erfolglosigkeit ist. Sie ist die Richtungsänderung des Geistes und die beständige Entscheidung für Änderung. Die Reue wird mit unserer Ankunft im Sakrament der Beichte vollendet, wo der Mensch vor dem Träger der göttlichen Gnade, dem Priester, seine Fehler an Gott selbst bekennt. Das Sakrament findet nicht vor der Ikone, bei Freunden oder Psychologen statt. Diese können uns vielleicht zuhören, aber sie können uns nicht von der schweren Sünder befreien. Sie können uns nicht heilen. Nur die Apostel und ihre Nachfolger, die Priester, erhielten die Macht, die Sünden zu lösen, und zwar nur mit der Beichte an den Priester – was Erniedrigung voraussetzt – wird jemand zur Entwurzelung seiner Leidenschaften, zur Befreiung von der Last, von den Schulden, von der Aufregung und der Betrübnis, die die Früchte der Sünde sind, und zur wahren Heilung geführt....

 

 

Gespräch über die Beichte

 

von Metropolit Antony (Bloom) von Souroš

 

„Wir werden dann auf Ihn schauen und werden begreifen, dass Er gekreuzigt ist, weil wir gesündigt haben. Er ist gestorben, weil wir den Tod verdient haben, weil wir so leben, dass wir eigentlich von Gott auf Ewigkeit verdammt werden müssten. ... Das Gericht wird dann nicht darin bestehen, dass Er uns richten wird, sondern darin, dass wir Den sehen werden, Den wir mit unseren Sünden getötet haben und trotzdem in all Seiner Liebe vor uns steht... Um eine solche furchtbare Begegnung zu vermeiden, sollten wir jedes Mal so beichten, als wenn unsere Todesstunde herangerückt sei.“

 

Nicht selten werde ich gefragt, wie man beichten soll. Eine Antwort auf eine solche direkte und entschlossene Frage könnte so lauten: Beichte so, als wenn Deine Todesstunde nahe ist, als wenn es dein letztes Mal sei und du hier auf der Erde ein letztes Mal, bevor du in die Ewigkeit eintrittst, für all das, was du hier auf Erden getan hast, deine Reue zeigen kannst. Denn mit ihr wirst du dort in der Ewigkeit vor dem Gericht Gottes stehen. Beichte so, als wenn diese Beichte deine letzte Möglichkeit sei, um die Last eines langen Lebens in Lügen und Sünden von deinen Schultern zu werfen, um so frei in das Reich Gottes eintreten zu können.

 

Wenn wir so unsere Beichte begreifen würden, wenn wir so zu ihr stehen würden, weil wir wissen – und uns nicht nur vage vorstellen, sondern mit aller Sicherheit wissen - dass wir zu jeder beliebigen Stunde, in jeden Augenblick sterben können, würden wir nicht so viele nutzlose Fragen stellen. Unsere Beichte wäre dann schonungslos, aufrichtig und wahrhaftig, sie käme dann gerade heraus und wir würden nicht versuchen, schwerwiegende und uns erniedrigende oder belastende Worte zu umgehen. Wir würden dann mit aller Schärfe die ganze Wahrheit aussprechen. Wir würden dann nicht darüber nachdenken, was wir sagen sollen und was lieber nicht. Wir würden dann alles sagen, was sich uns in unserem Gewissen als Falsch und als Sünde darstellt, alles, was uns unserer Berufung gegenüber, Mensch und Christ zu sein, unwürdig macht. Wir hätten dann in unserem Herzen nicht das Gefühl, dass man das eine oder andere scharfe und schonungslose Worten lieber umgehen sollte, um uns selbst nicht weh zu tun. Wir würden uns dann nicht die Frage stellen, ob man dieses oder jenes sagen sollte, weil wir dann genau wüssten, womit man in die Ewigkeit gehen kann und womit nicht.

 

So sollten wir beichten. Das ist ganz einfach, es ist sogar furchtbar einfach. Aber wir tun dies nicht, weil wir diese schonungslose und einfache Direktheit zwischen uns und Gott und uns und den Menschen fürchten.

 

Wir bereiten uns nun durch die Große Fastenzeit auf das Fest der lichten  Auferstehung christi vor. Vor fast zweitausend Jahren ist Er auf die Erde gekommen. Er hat unter uns gelebt, Er war einer von uns. Er war der Heiland, der gekommen ist, um uns zu suchen, um uns Hoffnung zu machen, damit wir an die Göttliche Liebe glauben und daran, dass alles möglich ist, wenn wir nur auf Ihn und auf uns selbst vertrauen.

 

Jetzt kommt aber auch eine Zeit, in der Er vor uns stehen wird, sei es in unserer Todesstunde, sei es zum Jüngsten Gericht. Dann wird Er als gekreuzigter Christus vor uns stehen: mit von Nägeln durchbohrten Händen und Füßen, mit einer Stirn voller Wunden von der Dornenkrone. Wir werden dann auf Ihn schauen und werden begreifen, dass Er gekreuzigt ist, weil wir gesündigt haben. Er ist gestorben, weil wir den Tod verdient haben, weil wir so leben, dass wir eigentlich von Gott auf Ewigkeit verdammt werden müssten. Er ist zu uns gekommen, ist einer von uns geworden, hat unter uns gelebt und ist für uns gestorben. Was werden wir Ihm dann antworten? Das Gericht wird dann nicht darin bestehen, dass Er uns richten wird, sondern darin, dass wir Den sehen werden, Den wir mit unseren Sünden getötet haben und Der in all Seiner Liebe vor uns steht... Um eine solche furchtbare Begegnung zu vermeiden, sollten wir jedes Mal so beichten, als wenn unsere Todesstunde herangerückt sei, als sei sie unsere letzte Hoffnung vor der furchtbaren Begegnung mit Christus. Amen.

 

 

Die Beichte

 

Priester Johannes Nothhaas (Mainz)

 

Wer kann Sünden vergeben?

 

„Nur Gott kann Sünden vergeben“, dieser Satz ist für Christen eine selbstverständliche Wahrheit. Es ist jedoch ein Irrtum, wenn dazu gesagt wird: „Aber nicht der Priester…“ Diese Ergänzung erhebt Gott in eine so hohe Geistigkeit, dass er von den Menschen und der Welt isoliert wird. Wer so denkt und glaubt widerspricht dem, was Christus zu seinen Jüngern und Aposteln gesagt hat: „Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten!” (Johannes 20:22-23 und Matthäus 16:19; 18:18).

 

Christus hat so viel Vertrauen zu seinen berufenen Dienern, dass er sie an der göttlichen Macht, Sünden zu vergeben, teilhaben lässt, wie er sie auch teilhaben ließ an der Vollmacht, Kranke zu heilen (Matthäus 10:1,8; Markus 6:7,12; Lukas 9:1,6). Wozu hat er die Jünger gesandt und mit dieser Vollmacht versehen, wenn wir meinen, wir können uns selbst bekehren und durch Gebet Vergebung der Sünden beschaffen?

 

Woher kommt das Bekennen von Sünden?

 

Das Bekennen von Sünden begegnet uns im Neuen Testament bei den Menschen, die den Propheten und Vorläufer Johannes den Täufer aufsuchen. Es sind Menschen in einer Zeit großer innerer Not und nationaler Zerrissenheit, die zu Johannes kommen, um ihr Leben auf Gott hin auszurichten. Dass sie diesen Entschluss sehr ernst nehmen, lässt sich daran erkennen, dass sie hinausgehen in die Wüste, wo Johannes lebt. Sie kamen zu ihm, um ihre Sünden zu bekennen (Markus 13:5).

 

Johannes predigt eine Reinigungstaufe zur Vergebung der Sünden. In Israel waren es rituelle Waschungen, die man bei besonderen Verfehlungen zu vollziehen hatte. Das Neue an der Johannestaufe war, dass er zwischen den Sünden keinen Unterschied mehr machte. Alle Menschen sind vor Gott unrein, auch die Frömmsten. In seiner Predigt weist er jedoch die Pilger auf den hin, der nach ihm kommt, der wird sie „mit dem heiligen Geist taufen” (Markus 1:8).

 

Beim Evangelisten Johannes ist diese Buße angedeutet in den Worten Jesu im Gespräch mit dem Schriftgelehrten Nikodemus, der ihn bei Nacht besuchte (Johannes 3:3): „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.” Das „Von-neuem-geboren-werden” meint eine neue Haltung, eine neue Gesinnung: Abkehr von der alten Lebensweise und geistlicher Neuanfang. Anschließend wird die Taufe erwähnt (Johannes 3:5): „Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.”

 

Hier geschieht etwas. Während im Vers 3 gesagt wird, dass der Mensch „das Reich Gottes sehen kann“, spricht der Vers 5 davon, dass der Mensch „in das Reich Gottes kommen kann.“ Der ganze Mensch mit Seele, Geist und Leib „kommt ins Reich Gottes“. In diesem Nachtgespräch des Herrn mit Nikodemus ist die Situation des Ungläubigen angesprochen, der sich Christus anschließen will. Das Bekennen der Sünden mit der anschließenden Sündenvergebung durch den berufenen Diener Gottes führt hin zum Mysterium der Taufe. Aber auch der Christ ist auf Sündenvergebung angewiesen, da er im Leben nach der Taufe nicht frei ist von Sünden. Der Lossprechung von den Sünden durch den geistlichen Vater geht voraus das Bekennen der Sünden und der Vorsatz, Gottes Gebote zu halten. Beides geschieht in der Beichte.

 

Was ist die Beichte?

 

Die Beichte besteht aus drei Teilen:

 

1. Teil: Das Sündenbekenntnis

 

Da sind die Sünden beim Namen zu nennen, ohne andere zu beschuldigen.

 

2. Teil: Die Reue und der Vorsatz, sich von den begangenen Sünden abzuwenden

 

3. Teil: Der Lossprechung von den Sünden

 

 

Zur Lossprechung durch den Geistlichen gehören von Seiten des Gläubigen der Glaube, dass die Sünden vor Gott wirklich vergeben sind, so, als hätte Gott selbst gesprochen.

 

Wie bekenne ich meine Sünden?

 

Als Orientierung für das Beichten der eigenen Sünden kann eine Einteilung in drei Arten dienen. In ihnen spiegeln sich die 10 Gebote, die Gott Moses in zwei Tafeln auf dem Sinai mitteilte:

 

1. Tafel: Sünden gegen Gott

 

1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

 

Gibt es etwas, was mir wichtiger ist als Gott (Menschen, Dinge, Ideen)?

 

2.Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.

 

Habe ich den Namen Gottes missbraucht, geflucht, geschworen, ihn ausgesprochen, ohne zu Gott zu beten?

 

Seinen Namen sollen wir nur in den Mund nehmen um ihm zu danken, ihn um seine Hilfe anzurufen, um Fürbitte für andere Menschen zu tun, oder ihn zu bekennen, von ihm zu erzählen.

 

3. Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.

 

Habe ich vergessen, den Feiertag zu heiligen durch Teilnahme an der Göttlichen Liturgie? Halte ich regelmäßig meine Gebete (morgens, abends vor dem Schlafen, vor und nach dem Essen)?

 

2. Tafel: Sünden gegen den Nächsten

 

Ehren von Eltern, Lehrern, Vorgesetzten unterlassen (4. Gebot);

 

Töten von Menschen, Tieren, Pflanzen (5.Gebot);

 

Ehebruch, Unkeuschheit begangen (6. Gebot);

 

Jemanden belogen, falsche Urkunden verwendet (7. Gebot);

 

Jemandem etwas entwendet, was ihm gehört (8. Gebot);

 

Alle Unwahrhaftigkeit, alle Gier nach fremdem Besitz, HassNeid und Intrigen (9. und 10. Gebot).

 

Sünden gegen sich selbst

 

Alle Schäden, die man seinem eigenen Körper zufügt.

 

Anhängen an schlechte Gedankenzu wenig RuheÜberlastung durch Arbeit oder Sport, Drogen, wie Alkohol und Rauchen, zu viel EssenNichteinhalten der Fasten.

 

Diese Aufzählung als Anhalt und Hilfsmittel dienen, nicht als Vorschrift.

 

 

Im Sakrament der Ehe segnet die Kirche das Brautpaar für ein gemeinsames Leben und für die Geburt und Erziehung der Kinder. Dabei ist der Gottesdienst, in dem das Mysterion (Sakrament) der Krönung (Trauung) gespendet wird, geprägt von tiefer Symbolik, welche in diesem Video erklärt wird.

 

Vater Ilija Limberger ist russischer orthodoxer Erzpriester und Kathedral-Priester an der Kirche des Heiligen Nikolaus in Stuttgart.