Erzbistum der Orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

Kurzgefasste Geschichte des Erzbistums der Orthodoxen Gemeinden russischer Tradition

in Westeuropa

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Unser Erzbistum ist aus den Gemeindegründungen jener russischen orthodoxen Emigranten hervorgegangen, die nach der Oktoberrevolution nach Westeuropa, vor allem nach Frankreich, geflohen waren. Jedoch beginnt die russische orthodoxe Präsenz in Westeuropa nicht erst mit dem bolschewistischen Oktoberputsch von 1917. Bereits im 19. Jahrhundert kam es zu zahlreichen repräsentativen Kirchenbauten in Westeuropa. In dieser Zeit entstanden auch die Alexander-Newsky- Kathedrale in Paris (rue Darue, erbaut 1859 bis 1861) und die Sankt-Nikolaus-Kathedrale in Nizza (Avenue Nicolas II, erbaut 1902 bis 1912). Insbesondere eheliche Verbindungen zwischen dem Zarenhaus und deutschen Fürstenhäusern führten dazu, dass es in vielen deutschen Residenzstädten orthodoxe Kirchen und Kapellen gab. Auch in den Kurorten Westeuropas wurden orthodoxe Gotteshäuser in Stil des russischen Historismus errichtet, um während der Kursaison als Gottesdienststätten für die russischen Gäste zu dienen.

 

Als sofort nach der Machtergreifung durch die Bolschewiki begann ein massiver Vernichtungsfeldzug gegen die Kirche einsetzte und unzählige Bischöfe, Priester, Mönche und Nonnen sowie unzählige einfache Gläubige Gefangenschaft, Folter und Tod um ihres Orthodoxen Glaubens willen erlitten, flohen mehrere Millionen Russen, unter denen sich auch über zwanzig Bischöfe befanden und mehrere Hundert Priester in das westeuropäische Ausland. Diese Verfolgungswellen dauerten in unterschiedlicher Heftigkeit am Ende bis zur Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 an. Das Ziel dieser Politik bestand in der Vernichtung der Kirche als Institution und der Ausrottung des religiösen Bewusstseins im russischen Volk. Damit verbunden gab es mehrere Emigrationswellen orthodoxer Russen. Die erste erfolgte zwischen dem Petrograder Oktoberputsch und dem Ende des russischen Bürgerkrieges (November 1917- 1920), eine zweite Emigrationswelle fand während und nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs statt ( 1939- 1945) und ein dritter kleiner Emigrationsschub vor allem orthodoxer intellektueller Dissidenten kam in der Spätzeit der sowjetischen Zwangsherrschaft (1961-1985).

 

Den revolutionären Wirren in Russland folgte vom Frühjahr 1918 bis zum Jahr 1920 der russische Bürgerkrieg. Die Auseinandersetzungen wurden besonders erbittert und brutal, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung, geführt. Insgesamt verloren über acht Millionen Menschen ihr Leben. Damals flohen zwischen 1 und 2,5 Millionen Menschen außer Landes. Der Völkerbund gibt für diesen Zeitraum etwa 919.000 Russische Flüchtlinge in den Ländern Westeuropas an. Davon fielen allein auf Frankreich 400.000 und auf Deutschland 150.000 Flüchtlinge. Jedoch zog es ein erheblicher Teil der Emigranten vor, sich jeglicher statistischer Erfassung zu entziehen.

 

In der Zeit der synodalen Epoche der russischen orthodoxen Kirche (1721-1917) oblag die Betreuuung der russischen orthodoxen Diasporagemeinden dem Metropoliten von Sankt Petersburg. Durch die bolschewistischen Zwangsmaßnahmen gegen die orthodoxe Kirche konnte der Metropolit von Petrograd (Venjamin (Kazansky) ermordet 1922) die Betreuuung der Auslandsgemeinden nicht weiter wahrnehmen.

 

Als in dieser Zeit des Bürgerkriegs weite Gebiete Russlands, vor allem im Süden des ehemaligen Zarenreiches, der kommunistischen Kontrolle entglitten, wurde damit gleichzeitig der Kontakt der südlichen Diözesen zur patriarchalen Kirchenleitung in Moskau unterbrochen. Um in dieser Zeit eine geordnete Struktur eparchialen Miteinanders zu gewährleisten gestattete Seine Heiligkeit Patriarch Tichon in einem Dekret aus dem November 1920 jenen Teilen der russischen orthodoxen Kirche, die wegen der aktuellen Bürgerkriegssituation ohne Verbindung zur Kirchenleitung in Moskau waren, miteinander "eigene oberste kirchliche Verwaltungseinheiten" zu bilden. Dies war jedoch nicht auf Dauer sondern nur für die besondere Ausnahmesituation des Bürgerkriegs gedacht. 

 

Als die antikommunistischen Kräfte im Bürgerkrieg letztendlich unterlagen, wurde im November 1920 auch die "Südrussische Provisorische Oberste Kirchenverwaltung" zusammen mit den Resten der geschlagenen weißen Armee nach Konstantinopel evakuiert. Hier gestattete der Ökumenische Patriarch den emigrierten russischen Bischöfen zunächst, für die russischen Emigranten auch außerhalb des kanonischen Territoriums der russischen Kirche tätig zu werden. So begannen die russischen Emigranten unter Leitung dieser Bischöfe, Priester, Mönche und Nonnen in fast allen Länder Westeuropas ein kirchliches Leben in der Diaspora zu organisieren. Diese konzentrierte sich naturgegebener maßen an den dort bereits bestehenden russischen orthodoxen Gotteshäusern. Jedoch wurden auch Räumlichkeiten angemietet und Behelfskirchen eingerichtet.  

 

Im Oktober 1920 bestimmte die Südrussische Provisorische Oberste Kirchenleitung den Erzbischof (seit 1922 Metropoliten) Evlogy (Gregorievsky 1869-1946) von Chelm und Lublin zum verwaltenden Bischof für die russischen Gemeinden im westeuropäischen Ausland. Dieser nahm zunächst seinen Sitz in Berlin. Als kurz darauf klar wurde, dass sich die Mehrheit der Emigranten in Frankreich niedergelassen hatte, verlegte er seinen Bischofssitz nach Paris. Im April 1921 bestätigte Seine Heiligkeit Patriarch Tichon und Metropolit Wenjamin von Petrograd dem traditionell alle Auslandsgemeinden der russischen orthodoxen Kirche unterstanden, diese Entscheidung der russischen Auslandsbischöfe und ernannte Erzbischof Evlogy zum Administrator für die "Provisorische Verwaltung der russischen Gemeinden in Westeuropa". 

 

Seine Heiligkeit Patriarch Tichon
Seine Heiligkeit Patriarch Tichon

 

Aus der ehemaligen "Südrussischen Obersten Kirchenverwaltung" entstand in den 1920-er Jahren eine gemeinsame Synode aller Auslandsbischöfe, die auf Einladung der Serbischen Orthodoxen Kirche ihren Verwaltungssitz in Sremski Karlovac nahm.

 

Seit dem Jahre 1921 war S. E. Metropolit Evlogy mit der Verwaltung aller russischen Kirchengemeinden in Westeuropa beauftragt. Metropolit Evlogy nahm seinen Sitz in Paris. Seine Bischofskirche wurde die Alexander-Newsky-Kathedrale in der Rue Daru, denn viele russische Emigranten, ließen sich in Frankreich, vor allem im Großraum von Paris, nieder. Sie begründeten dort einen eigenen russischen Mikrokosmos. Viele von ihnen waren Intellektuelle oder entstammten den Adel und dem Großbürgertum des vorrevolutionären Russlands. Zwar mussten sie oft ein Leben in bitterer Armut führen, begründeten aber in Frankreich ein reiches intellektuelles und kulturelles Leben. Da die meisten Emigranten schon in Russland über gute französische Sprachkenntnisse verfügt hatten, fiel ihnen auch die Vernetzung mit der französischen Mehrheitsgesellschaft nicht besonders schwer.

 

Als sich in der Heimat der anti-religiöse Terror der kommunistischen Regierung immer mehr steigerte und eine Vielzahl von Geistlichen, aber auch ganz einfache Gläubige, dadurch in äußerste Bedrängnis für Freiheit, Leib oder Leben gerieten, suchte Seine Heiligkeit Patriarch Tichon verzweifelt nach Wegen, um das Überleben seiner Kirche im Machtbereich der Bolschewiki sichern zu können. Gerade in jener Zeit begann sich die Synode der Auslandsbischöfe unter S. E. Metropolit Antony (Chrapowitzky) politisch eindeutig auf eine restaurativ-monarchistische Linie festzulegen. Auf einer Synode im Jahre 1922 votierten die Versammelten mehrheitlich für die Wiederherstellung des Zarenherrschaft in Russsland. Im gleichen Jahr war Seine Heiligkeit Patriarch Tichon inhaftiert worden. Die Verwaltung der russischen Kirche konnte in dieser Zeit nur über den Patriarchalverweser, beziehungsweise nachdem dieser ebenfalls  inhaftiert worden war, über diverse Stellvertreter aufrecht erhalten werden. Jedoch war unter diesen Umständen eine geregelte Kirchenverwaltung fast unmöglich geworden. In dieser Situation bedeutete die politische Richtungsentscheidung der Auslandsbischöfe zugunsten der Monarchie gleichzeitig eine weitere ernste Gefährdung für den verfassten Fortbestand des kirchlichen Lebens in Russland selbst.

 

In dieser Situation löste Seine Heiligkeit Patriarch Tichon den Synod der russischen Auslandsbischöfe in Karlovac auf. Die Auslandsbischöfe aber beurteilten die damalige Situation in Russland dahingehend, dass eine reguläre kirchliche Gewalt nicht mehr fortexistiere, die so frei handeln könne, dass man ihr zu Gehorsam verpflichtet sei. Deshalb betrachteten sie die Auflösungsverfügung durch den inzwischen inhaftierten Patriarchen als kirchenrechtlich ungültig. Von da an begann die "Russische Orthodoxe Kirche im Ausland" sich als einzig verbliebenen freien Teil der russischen Kirche zu betrachten und deshalb ihre Angelegenheiten autonom von den Entscheidungen der Mutterkirche in Russland zu regeln.

 

S. E. Metropolit Evlogi
S. E. Metropolit Evlogi

 

 

Metropolit Eylogy (Vasily Semyonovič Georgievsky (1869-1946)) erhielt seine theologische Ausbildung an der geistlichen Akademie in Moskau. Im Jahre 1903 wurde er dann zum Bischof geweiht. Von 1912 bis 1914 war er Erzbischof von Chelm und von 1914 bis 1919 Erzbischof von Wolhynien. Nach dem bolschewistischen Oktoberputsch floh er im Jahre 1917 aus Russland. Seit 1920 nahm er zunächst mit an den Sitzungen der russischen Auslandsbischöfe in Karlovac teil. Im Oktober 1920 bestimmte der Synod der russischen Auslandsbischöfe (= Südrussische Provisorische Oberste Kirchenleitung) Erzbischof (seit 1922 Metropoliten) Evlogy zum verwaltenden Bischof für die russischen Gemeinden im westeuropäischen Ausland. Dieser nahm zunächst seinen Sitz in Berlin. Als kurz darauf klar wurde, dass sich die Mehrheit der russischen Emigranten in Frankreich niedergelassen hatte, verlegte er seinen Bischofssitz nach Paris. Im April 1921 bestätigte Seine Heiligkeit Patriarch Tichon und Metropolit Wenjamin von Petrograd, dem traditionell alle Auslandsgemeinden der russischen orthodoxen Kirche unterstanden, diese Entscheidung der russischen Auslandsbischöfe und ernannte Erzbischof Evlogy zum Administrator für die "Provisorische Verwaltung der russischen Gemeinden in Westeuropa". Obwohl Metropolit Evlogy zunächst anstandslos an den Sitzungen der russischen Auslandsbischöfe teilnahm, hielt er eindeutig an der alleinigen Regelungskompetenz der Moskauer Patriarchatsverwaltung für die kirchlichen Angelegenheiten in der russischen Diaspora fest. Als die russischen Auslandsbischöfe im Jahre 1927 eine neue Diözese mit Sitz in Berlin errichten wollten, wiedersetzte sich Metropolit Evlogy entschieden dieser Neuordnung, die nicht von der Moskauer Kirchenleitung legitimiert worden war.

Im Jahre 1928 gab Metropolit Sergej (Stragorodsky), damals Locum Tenens des patriarchalen Throns in Moskau, seine bis heute umstrittene Loyalitätserklärung gegenüber dem Sowjetregime ab. Damit hatte sich die Moskauer Kirchenleitung in den Augen der meisten Emigranten in die Hände der atheistischen Bolschewiki begeben. Zunächst versuchte Metropolit Evlogy durch diplomatische Formulierungen einen offenen Bruch mit dem Metropoliten Sergej in Moskau zu vermeiden.

Jedoch nachdem Metropolit Evlogy im Jahre 1930 an einem Gebetsgottesdienst in London für die verfolgten Christen in Russland teilgenommen hatte, wurde er von Metropolit Sergej für abgesetzt erklärt. In dieser Situation hielt jedoch die Mehrheit derjenigen russischen orthodoxen Emigrantengemeinden, die nicht der Auslandskirche unterstanden, Metropolit Evlogy die Treue. Daraufhin wandte sich Metropolit Evlogy mit der Bitte an Seine Allheiligkeit Patriarch Photios II von Konstantinopel, das Bistum unter den Schutz seines Omophorions zu nehmen. Im Jahre 1931 wurde die Diözese als „Patriarchales Exarchat für die Orthodoxen Russischen Gemeinden in Westeuropa“ gemäß der kanonischen Regelungen der Kanones des Heiligen Ökumenischen Konzils von Chalcedon unter den Schutz des Ökumenischen Patriarchats genommen.

Als Metropolit Evlogy am Ende des Zweiten Weltkriegs unter den Eindruck der jüngsten politischen Ereignisse versuchte, das Exarchat wieder der Kirchenleitung des Moskauer Patriarchates zu unterstellen, versagte sich die Mehrheit der Gemeinden im Exarchat diesem Versuch. Ob Metropolit Evlogy kurz vor seinem Tode am 08. April 1946 seinen Schritt aus den Vorjahr (1945) nochmals überdacht und dann widerrufen hat, wird kirchenhistorisch unter den drei in der russischen Emigration vertreten kirchlichen Jurisdiktionen (Exarchat, Auslandskirche & Moskauer Patriarchat) unterschiedlich bewertet. Als das Moskauer Patriarchat mit Metropolit Seraphim (Lukjanov) einen neuen bischöflichen Leiter für das Exarchat entsandte, wurde dieser von den Gemeinden nicht angenommen. Die Gemeinden des Exarchates blieben bis zum heutigen Tag unter der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchates. Zwar hatte das Ökumenische Patriarchat auf Druck aus Moskau hin im Jahre 1965 das Exarchat aus seiner Jurisdiktion entlassen, doch als die „Pariser Russen“ es über Jahre hin ablehnten, sich der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchates unter zu ordnen, nahm sie der Ökumenische Patriarch Athenagoras I. erneut unter seinen kanonischen Schutz. Dabei wurde der Status des Erzbistums zu einem nun nicht mehr provisorischen Exarchat aufgewertet.

 

Zunächst distanzierte sich Metropolit Evlogy nicht öffentlich von den übrigen russischen Bischöfen im Ausland, hielt aber eindeutig an der Rechtmäßigkeit der Kirchenleitung durch den Patriarchen, beziehungsweise seinen Patriarchalverweser und später dessen aufeinanderfolgenden Stellvertretern in Moskau fest. Insbesondere aber bestritt er nach der erfolgten Auflösungsverfügung durch den Patriarchen Tichon dem Auslandssynod in Karlovac das Recht, die kirchlichen Strukturen in der Emigration ohne eine Zustimmung der russischen Mutterkirche eigenmächtig zu verändern.

 

Hieran zerbrach schließlich die Einheit der kirchlichen Emigration. Schon im Jahre 1926 hatte der Auslandssynod versucht, gegen den erklärten Widerstand aus der gemeinsamen westeuropäischen Diözese eine eigene Diözese für Deutschland heraus zu lösen. Etwa 75 Gemeinden, die vor allem in Frankreich, aber im übrigen Westeuropa lagen (so auch die Gemeinden in Bad Ems und Dresden), hielten Metropolit Evlogy die kanonische Treue. Erst als der Nationalsozialismus in Deutschland zur herrschenden politischen Kraft geworden war, waren ab dem Jahre 1938 alle russischen Kirchengemeinden in Deutschland gezwungen, sich dem Synod der Russischen Auslandskirche zu unterstellen. Die bislang Metropolit Evlogy unterstehenden Geistlichen mussten sich entweder der Auslandskirche unterstellen oder aber die Betreuung ihrer Pfarreien aufgeben.

 

Schon im Jahre 1925 war in Paris das theologische Instituts des heiligen Sergius von Radoneš gegründet worden, an dem eine Reihe bedeutender, orthodoxer Theologen, Religionsphilosophen und Kirchenhistoriker lehrte. Hier fand eine erste, fruchtbare Begegnung zwischen orthodoxer und abendländischer Theologie statt. Ebenso wurden und werden hier neue Generationen von Kandidaten für das priesterliche Amt ausgebildet und zu einer besonderen Sensibilität für die neuartigen Lebensbedingungen ihrer orthodoxer Gemeinden in einer abendländisch- westkirchlichen Umgebung hingeführt. Auch den Anteil, den das Institut an der Wiederbelebung einer auf das patristisch Erbe zentrierten orthodoxen Theologie genommen hat, wird ein bleibendes Vermächtnis von „Saint-Serge“ an die Weltorthodoxie sein. Gerade die heutige amerikanische Orthodoxie und ihr Saint-Vladimirs-Seminary in Crestwood verdanken vieles diesen ersten Anfängen einer, zwar im Westen beheimateten, doch genuin orthodoxen Theologie.

 

In Nordamerika bestand die Mehrheit der Gemeinden nicht aus Emigranten, sondern aus Einwanderern, die vor Ausbruch des ersten Weltkrieges in die USA eingewandert waren. Diese begriffen sich nicht als zeitweilig außerhalb Russlands lebende Emigranten, sondern setzten ihre Hoffnung verstärkt auf eine gelungene Integration in die sie umgebende amerikanische Gesellschaft. Insofern identifizierten sich nur wenige Gläubige der nordamerikanischen Metropolie mit dem national orientierten, exilrussisch und stark monarchistisch gefärbten Kurs der russischen Auslandskirche, zumal viele ihrer Gläubigen zur Orthodoxie zurückgekehrte Unierte westukrainischer oder karpatho-russinischer Herkunft waren. Im Jahre 1926 bekannte sich die Mehrheit der russischen Kirchengemeinden in Nordamerika unter Metropolit Platon (Roschdestvensky) zum langfristigen Ziel der Errichtung einer nationalen orthodoxen Kirche in Nordamerika . Für die russische Auslandskirche war dies im Gegenzug nicht akzeptabel und es kam wie in Europa zum Zerbrechen der jurisdiktionellen Einheit der Russischen Kirche in Nordamerika.

 

Während der letzten Lebensjahre Seiner Heiligkeit des Patriarchen Tichon und der darauf folgenden Zeit durchlitt die russische Kirche einen wahren Golgatha. In kürzester Zeit folgte eine sich immer noch steigernde Verfolgungswelle der Kirche der anderen. Nahezu der gesamte Episkopat, unzählige Priester, Mönche und Nonnen, sowie unzählige Gläubige waren erschossen worden oder fanden sich, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, im sowjetischen Gulag wieder. In dieser Situation versuchte Metropolit Sergej, der als Stellvertreter des „Locum Tenens“ die Patriarchalkanzlei leitete, im Jahr 1928 mit einer Loyalitätserklärung gegenüber dem Sowjetstaat und seiner Führung, wenn nicht die Verfolgungen zu beenden, so doch zumindest deren Heftigkeit abzumildern. Auch von den russischen Hierarchen im Exil verlangte Metropolit Sergej die Abgabe solche Loyalitätserklärungen. Was aber dem Binnenkontext der besonders prekären Situation einer Kirche, die im sowjetrussischen Herrschaftsbereich zu überleben suchte, noch geschuldet sein mag, war aber im freiheitlichen Umfeld des Westens völlig undenkbar und inakzeptabel. Zugleich erwies es sich als besonders problembeladen, dass mit der Abgabe einer solchen Loyalitätserklärung nach sowjetstaatlicher Auffassung zugleich die öffentliche Leugnung der Kirchenverfolgungen und die Postulierung völliger Religionsfreiheit in der Sowjetunion vor der damals noch meist unzureichend informierten westlichen Öffentlichkeit verbunden war.

 

Um die kirchliche Einheit bewahren zu können, war Metropolit Evlogy zwar bereit, trotz der eindeutig antisowjetischen Haltung seiner Gemeinden, die eingeforderte Loyalitätserklärung abzugeben. Zu einer Beschönigung oder offenen Leugnung der sowjetischen Christenverfolgungen fand er sich jedoch nicht mehr bereit. Als Metropolit Evlogy im Jahre 1930 an einem Gebetsgottesdienst für die verfolgten Christen in der Sowjetunion in London teilnahm, wurde er umgehend durch den Metropoliten Sergej in den Ruhestand versetzt. Seine Kirchengemeinden standen jedoch weiterhin hinter ihm. Schließlich bat Metropolit Evlogy den Ökumenischen Patriarchen Photios II. im Konstantinopel, das russische Bistum in Westeuropa unter den Schutz seines Omophorions zu nehmen. Im Jahre 1931 wurde das Bistum dann als eigenes Exarchat für die Russischen Orthodoxen Gemeinden in Westeuropa unter die Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen aufgenommen.

 

S. E. Metropolit Evlogius mit Erzbischof Vladimir von Nizza (rechts) und Bischof Sergej von Prag (links)
S. E. Metropolit Evlogius mit Erzbischof Vladimir von Nizza (rechts) und Bischof Sergej von Prag (links)

 

Seit dieser Zeit ist das Exarchat auf über 120 Pfarrgemeinden angewachsen, von denen heute mehr als 70 in Frankreich gelegen sind. In den Pfarrgemeinden versehen heute 112 Priester ihren Dienst. Sie betreuen zwischen mindestens 25.000 bis 30.000 und maximal 75.000 bis 80.000 Gläubige mit einem sehr unterschiedlichen nationalen Hintergrund. Insofern verbindet heute zwar alle Gemeinden des Exarchates die Liebe zur russischen Tradition, in der sich ihr gemeinsamer orthodoxer Glaube ausdrückt. Aber der Zusammenhang zur russischen Nationalität verliert in dem Maße zunehmend an Bedeutung, wie sich Nachkommen der einstigen Emigranten in ihren neuen Heimatländern verwurzeln. So findet bis heute bei der Feier der Göttlichen Liturgie auch das gewohnte Altkirchenslavisch seine Verwendung, aber in einem stetig wachsenden Maße wird dieses in den Gemeinden durch die Verwendung der modernen westeuropäischen und skandinavischen Sprachen abgelöst. Neben den Nachkommen der russischen Emigranten finden in den Gemeinden des Exarchates in einem zunehmenden Maß auch jene Menschen ihre neue Heimat, die im orthodoxen Glauben den ihnen gemäßen Zugang zu Gott gefunden haben. So war es nur folgerichtig, dass das Exarchat den pastoralen Kurs für seine zukünftige Arbeit durch die Umbenennung aus „Erzbistum der Russischen Orthodoxen Gemeinden“ in „Erzbistum der Gemeinden russischer Tradition“ auch in nach aussenwirksamer Weise vollzogen hat. Zum Exarchat gehört vor allem in Frankreich eine Reihe von Klöstern und Skiten. Auch wenn das Exarchat heute seinen Diözesanschwerpunkt in Frankreich besitzt, befinden sich seine Gemeinden in ganz Westeuropa. In Deutschland ist es mit Pfarrgemeinden in Düsseldorf, Stuttgart, Balingen und Albstadt vertreten.

 

Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris

Das Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris ist weltweit die einzige französischsprachige Institution, die ein Studium der orthodoxen Theologie auf Universitätsniveau anbietet.

 

Die Gebäude des Instituts gruppieren sich um das Kirchengebäude, das im Jahre 1850 als Kirche einer deutschsprachigen lutherischen Kirche in Paris erbaut worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese, praktisch nicht mehr genutzte, Kirche von der französischen protestantischen Kirche zum Verkauf angeboten. Damals hatte sich in Paris zahlreiche orthodoxe Gläubige angesiedelt, die wegen der russischen Revolution ihre Heimat hatten verlassen müssen. Ihr geistliches Oberhaupt Metropolit Evlogy (Georgievsky 1868–1946), suchte  zu der Zeit gerade eine Kirche, die gleichzeitig als Gottesdienstraum und theologisches Seminar für die Ausbildung des Priesternachwuchses seiner Diözese dienen konnte. Durch Spenden der russischen Emigranten,  aber auch durch einen maßgeblichen Beitrag der sich gerade formierenden ökumenischen Gemeinschaft, wurde der Kauf am Ende möglich. Am 18. Juli 1924, nach julianischen Kalender der 05. Juli, dem Namenstag von Sergius von Radonesch, wurden Kirche und das neugegründete Institut unter dessen Patronat gestellt.

 

S. E. Metropolit Evlogy sorgte von Anfang an für eine Zusammenarbeit mit hervorragenden Professoren, Theologen und religiösen Denkern der russischen orthodoxen Emigration, deren Arbeiten stark dazu beitrugen, die orthodoxe Theologie in der westlichen Welt bekannt zu machen:

 

 der Dekan des Instituts Sergei Nikolajevič Bulgakov

der Patristiker Georges Florowsky

der Patristiker und Liturgiker Cyprian Kern

der Historiker Anton Wladimirovič Kartaschev

der Historiker Georgi Petrovič Fedotov

der Philosoph Wasilij Wasiljevič Zenkovsky 

Lev Aleksandrowič Zander

der Neutestamentler Cassian Bezobrazov

der Kirchenrechtler Nicolas Afanasiev

 

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg bekam das Institut Saint-Serge das Recht, Master-Abschlüsse und Doktorentitel zu verleihen. Während der ersten Jahrzehnte war die Unterrichtssprache Russisch, heute ist sie französisch.

 

Jurisdiktionell untersteht das Institut dem Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa und damit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel.

 

Metropolit Vladimir ((Tichonicky)
Metropolit Vladimir ((Tichonicky)

 

Le métropolite Vladimir (Tikhonicky) a laissé la mémoire d’un très saint hiérarque, plein de simplicité et de douceur (à l’image de son nom de famille, en russe « тихо » signifie doux, calme), un homme de prière, fidèle en toutes choses à la Parole de Dieu. Il dirigea pendant treize ans l’Exarchat du Patriarcat œcuménique pour les paroisses russes en Europe occidentale avec beaucoup d’abnégation, continuant l’œuvre entamée par son prédécesseur, le métropolite Euloge, dans la fidélité à la tradition orthodoxe russe, qu’il incarnait lui-même pleinement, mais en même temps avec la conscience sûre et ferme de la nécessité d’organiser une véritable Église locale et de célébrer, là où le besoin s’en faisait sentir, dans les langues occidentales.

 

Le métropolite Vladimir est né le 22 mars 1873, dans la petite ville d’Orlov, dans la province de Viatka, en Russie. À son baptême, il avait reçu le prénom de Viatcheslav. Il appartenait à une vieille famille du clergé : son père, l’archiprêtre Michel Tikhonicky fut assassiné en 1918 par les bolcheviques (il a été canonisé par l’Église orthodoxe russe en 2002) ; l’un de ses frères deviendra plus tard lui aussi évêque en Russie et mourut archevêque de Kirov (Viatka), en 1957.

 

Après ses études au séminaire diocésain de Viatka, Viatcheslav entre à l’Académie de théologie de Kazan (1893-1998), qui était spécialisée dans le travail missionnaire. Durant ces années d’études, sous l’influence de la forte personnalité du recteur de l’Académie à l’époque, l’évêque Antoine (Khrapovitskiï), il prononce ses vœux monastiques et reçoit le nom de Vladimir (1897). L’année suivante, il est ordonné hiéromoine (prêtre-moine) et est envoyé en tant que missionnaire en Kirghizie. En 1901, il est nommé par le saint-synode de l’Église russe directeur de la Mission orthodoxe de Kirghizie et élevé au rang d’archimandrite.

 

Déplacé ensuite auprès de l’évêque du diocèse d’Omsk (Sibérie), puis au monastère de Souprasl, à la frontière entre la Biélorussie et la Pologne, qui faisaient à l’époque parties de l’Empire russe, il est élu en par le Saint-synode évêque de Bialystok, auxiliaire du diocèse de Grodno. Son ordination épiscopale a lieu, le 3 juin 1907, à la laure Saint-Alexandre-Nevsky, à Saint-Pétersbourg, sous la présidence du métropolite Antoine (Vadkovskiï). Durant les années 1910-1913, il lui arrive fréquemment de remplacer dans son diocèse l’archevêque Euloge de Chelm, qui est retenu à Saint-Pétersbourg où il siège comme député de la Douma. Après l’évacuation du diocèse de Grodno lors de l’offensive militaire allemande de 1914, l’évêque Vladimir se trouve logé à Moscou, au monastère du Miracle-de-Saint-Michel, en plein cœur du Kremlin. Au début du mois de mars 1917, au lendemain de l’abdication du tsar Nicolas II, il accompagne l’archevêque (futur patriarche) Tikhon (Biéllavine) à Kolomenskoïé, l’ancienne résidence des tsars près de Moscou, où vient d’apparaître, de manière significative, l’icône miraculeuse Notre-Dame Souveraine et il participe au premier office liturgique célébré devant cette précieuse relique.

 

Membre du Concile de l’Église russe de 1917-1918 à Moscou, en tant que représentant du diocèse de Grodno, il participe aux travaux des trois sessions du concile, avant de retourner, à l’automne 1918, à Bialystok, qui fait désormais parti de la République de Pologne, proclamée après la fin de la première guerre mondiale. Là, il est chargé par le patriarche Tikhon de Moscou de diriger, avec les prérogatives d’évêque diocésain, les paroisses de la région de Bialystok, qui sont désormais séparées par la frontière du reste du diocèse de Grodno. En 1923, il est élevé au rang d’archevêque par le patriarche. La même année, ayant exprimé son désaccord avec les actions du métropolite Denis de Varsovie visant à obtenir la proclamation de l’autocéphalie de l’Église orthodoxe en Pologne, l’archevêque Vladimir est arrêté par les autorités civiles polonaises et est mis en résidence surveillée dans un monastère pendant un an, avant d’être expulsé vers la Tchécoslovaquie. À Prague, il retrouve Mgr Euloge, qui dirige depuis déjà trois ans les églises orthodoxes russes en Europe occidentale, et qui lui propose d’être son auxiliaire en France, pour les paroisses de la Côte d’Azur (Nice, Menton, Cannes, Toulon).

 

L’archevêque Vladimir s’installe en février 1925 à Nice où il devient recteur de la cathédrale Saint-Nicolas et des églises qui lui sont rattachées. Pendant vingt ans, il y mène la vie de recueillement et de prière à laquelle il avait toujours aspiré. En 1930, l’archevêque Vladimir soutient la position du métropolite Euloge face au Patriarcat de Moscou qui souhaitait démettre Mgr Euloge de ses fonctions, au motif qu’il aurait pris position politique, en participant à des rencontres de prière œcuménique pour les chrétiens persécutés en Russie, alors que le métropolite Serge de Nijni Novgorod qui faisait fonction de remplaçant du locum tenens du trône patriarcal de Moscou niait publiquement l’existence de telles persécutions. Mgr Vladimir refuse d’appliquer le décret du métropolite Serge lui confiant l’administration du diocèse à la place de Mgr Euloge. Il renouvelle encore son soutien à ce dernier l’année suivante, quand le métropolite Euloge se rend à Constantinople pour faire appel de la décision du patriarcat de Moscou auprès du Patriarche œcuménique, lequel le reçoit avec son diocèse et ses paroisses sous sa juridiction. Durant la deuxième guerre mondiale, les communications avec Mgr Euloge et l’Administration diocésaine étant coupées par la ligne de démarcation, Mgr Vladimir reçoit le droit d’administrer, avec les prérogatives d’évêque diocésain, les paroisses de l’Exarchat dans le Sud de la France, en l’Italie et en Afrique du Nord.

 

Vers la fin de la guerre, la France libérée, le métropolite Euloge, dont les forces physiques déclinent, l’appelle d’urgence à Paris, au début de l’année 1945, et lui confie l’administration du diocèse durant sa maladie. Le 2 septembre 1945, l’archevêque Vladimir concélèbre aux côtés du vieux métropolite Euloge avec la délégation envoyée à Paris par le Patriarche de Moscou Alexis I pour sceller la réunification avec le Patriarcat de Moscou. A la mort du métropolite Euloge (8 août 1946), l’archevêque Vladimir assume les fonctions de locum tenens à la tête de l’Exarchat.

 

Antoine Kartachov écrira plus tard de ces instants dramatiques « Avant sa mort, le métropolite Euloge plaça de lui-même son exarchat sur la lame du glaive et d’un schisme inéluctable, qui quoi qu’il en soit aurait eu lieu. Le métropolite Euloge, de manière non-conciliaire (безсоборно), sans écouter la voix de la conscience de la majorité écrasante des clercs et des laïcs, décida de soumettre l’Église de la diaspora au gouvernement ecclésial officiel de Moscou. Tout fut fait de manière la plus secrète possible : tous furent placés devant le fait accompli, en dépit des contacts nécessaires pour la forme avec l’instance canonique légale du patriarcat de Constantinople. L’affaire fut engagée si loin qu’il semblait impossible de reculer. En mourrant, le métropolite Euloge posa sur les épaules et sur la conscience de ses confrères-évêques et en particulier de celui en qui il voyait son successeur, l’archevêque Vladimir, un poids presque inhumain : engager en sens inverse toute cette bruyante agitation de manifestations démonstratives et, on peut le dire, démagogiques, et la soumettre à un réexamen à l’aune de la conciliarité » (Жизненный путь митрополита-экзарха Владимира. П., 1957).

 

En effet, Mgr Vladimir montre alors une grande force de caractère, de fermeté de conviction et de justesse de vue, en refusant le diktat que veut imposer à l’Exarchat le Patriarcat de Moscou, qui a déjà décidé, par un décret daté du lendemain même de la mort de Mgr Euloge, que « la juridiction provisoire du patriarcat œcuménique sur les paroisses russes en Europe occidentale, instaurée en 1931, a formellement et de facto cessé d’exister, et que ces paroisses sont à nouveau placées dans la juridiction indivisible du patriarcat de Moscou, ce dont sera informé le patriarche œcuménique Maximos » (Журнал Московской Патриархи, M., 1946, n° 9, p. 7). Le même décret a aussi nommé comme successeur au métropolite Euloge l’ancien évêque de l’Église russe hors-frontières à Paris, le métropolite Séraphin (Loukianov), qui après s’être compromis avec les Allemands durant la guerre est rentré dans le giron de l’Eglise de Moscou et a pris la nationalité soviétique. « J’en prends acte pour information, mais pas pour exécution », répond Mgr Vladimir au métropolite Grégoire de Leningrad qui l’avait convoqué à l’ambassade soviétique à Paris, le 14 août, pour lui remettre le décret du synode de Moscou.

 

« Le métropolite Séraphin était nommé à la tête du diocèse du métropolite Euloge décédé [...] C’était impossible à croire : l’ennemi juré du métropolite Euloge, l’homme qui s’était conduit en véritable hitlérien pendant la guerre, devenait le successeur du fondateur de notre diocèse [...] Autre détail, lui aussi étonnant : cette nomination eut lieu le lendemain même du décès du métropolite, alors qu’un usage très pieux, très respecté dans l’Eglise russe, exigeait que la nomination à une chaire devenue vacante par décès, n’intervient qu’au 40e jour après la mort de son titulaire. Détail plus étonnant encore : cette nomination était intervenue alors que les lettres dimissoriales du patriarcat œcuménique de Constantinople n’avaient pas encore été reçues par le métropolite Euloge. [...] Cette nomination faisait apparaître la façon de faire habituelle aux soviets, et qui consistait à mettre au poste de responsabilité des hommes ’mouillés’, ce qui leur permettait de les tenir en mains et, ainsi, d’être les maîtres de la situation », écrira à ce sujet, dans ses mémoires, le protopresbytre Alexis Kniazev.

 

Une Assemblée générale extraordinaire de l’Exarchat, réunie le 16 octobre 1946, à l’Institut Saint-Serge à Paris, confirme la décision courageuse du métropolite Vladimir et l’élit comme successeur du métropolite Euloge à la tête de l’Exarchat. Le saint-synode du Patriarcat œcuménique entérine peu après cette élection, le 6 mars 1947, et Mgr Vladimir est élevé, le 8 juillet de la même année, au rang de métropolite. L’année suivante le métropolite Vladimir accueille en personne le patriarche œcuménique Athénagoras qui lors d’une brève escale à Paris visite la cathédrale Saint-Alexandre-Nevsky et l’Institut Saint-Serge. Mgr Vladimir témoigne une nouvelle fois de sa fidélité au Patriarcat œcuménique, lorsqu’en 1950 il fait un geste en direction de l’Eglise russe hors-frontières, proposant à son primat, le métropolite Anastase (Gribanovskiï), un projet de réunification des paroisses des deux juridictions sous l’autorité de Mgr Anastase, mais dans l’obédience du Patriarcat de Constantinople.

 

Lors de l’Assemblée diocésaine de 1949, Mgr Vladimir lance un appel prophétique à l’unité de tous les orthodoxes installés en Europe occidentale, sans distinction d’origines ethniques ou nationales, dans le cadre d’une Église locale : « Unissons-nous tous dans une seule Eglise dans les pays où Dieu nous a conduit, nous et nos frères orthodoxes. Faisons tous nos efforts pour édifier une Eglise orthodoxe unifiée en Europe occidentale ». Dans le prolongement direct de cet appel, au cours des années suivantes, le métropolite Vladimir, qui témoigne d’un grand souci de l’avenir des enfants de l’émigration russe en voie d’assimilation dans leurs pays d’accueil ainsi que du devenir des occidentaux qui entrent dans la communion de l’Eglise orthodoxe, donne sa bénédiction aux différentes initiatives qui apparaissent çà et là dans certaines paroisses de l’Exarchat, à Paris, à Nice, en Belgique, en Allemagne et au Danemark, pour célébrer la liturgie dans les langues locales.

 

En 1957, le métropolite Vladimir fête avec modestie un jubilée assez rare : son cinquantenaire d’ordination épiscopale. Des messages de salutation lui sont envoyés de la part de toutes les organisations de l’émigration russe. Après une longue maladie, le métropolite Vladimir s’éteint paisiblement à l’âge de 86 ans, le 18 décembre 1959, la veille de la fête de la Saint-Nicolas (suivant le calendrier julien), dans son petit appartement, auprès de la cathédrale Saint-Alexandre-Nevsky, rue Daru, à Paris, avec ses dernières paroles : « Gloire à Toi, qui nous a fait voir la lumière ». Il est enterré dans la crypte de l’église de la Dormition, auprès du cimetière de Sainte-Geneviève-des-Bois (Essonne).

 

Dénué de toute ambition, le métropolite Vladimir n’a jamais cherché le pouvoir. Il y a été porté par les circonstances. Il ne cachait pas que le pouvoir lui pesait, qu’il ne se sentait pas fait pour lui. Son extrême simplicité, sa bienveillance envers tous, sa vie ascétique dans la prière continuelle, mais aussi sa fidélité totale aux canons de l’Eglise, lui ont valu l’estime générale dans le monde orthodoxe. « Il était un des doux auxquels appartient le Royaume. Sa douceur était son arme, c’est par elle qu’il dominait », écrira de lui l’archimandrite Lev Gillet (Messager Orthodoxe, 1959, n° 8).

 

 

 

Die Gemeinden des Exarchat der Orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

 

Dekanat für Deutschland

 

 

Unser Patriarch

 

Seine Allheiligkeit Bartholomäus I. Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, und Ökumenischer Patriarch

 

 

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel ist das höchste kirchliche Zentrum der Orthodoxen Kirche weltweit. Seine Gründung geht auf das Pfingstereignis und die ersten christlichen Gemeinden zurück, die von den Jüngern und Aposteln Jesu Christi gegründet wurden. Der Überlieferung nach predigte der Erstberufene unter ihnen, der heilige Apostel Andreas, das Evangelium Christi in weiten Teilen Kleinasiens, am Schwarzen Meer, in Thrakien und Achaia, wo er auch den Märtyrertod fand. Im Jahre 36 gründete der heilige Apostel Andreas die Kirche am Bosporus, in der Stadt die damals Byzanz, später Konstantinopel hieß und heute Istanbul genannt wird. Der heilige Andreas ist der Schutzpatron des Ökumenischen Patriarchats und der Tag seines heiligen Gedenkens wird am 30. November gefeiert. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Sankt Georgskathedrale im Istanbuler Stadtteil Fener (Phanar) der Sitz des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel.

 

Der Titel "Ökumenischer Patriarch" geht auf das sechste nachchristliche Jahrhundert zurück. Geschichtlich betrachtet, ist er ausschließlich dem Erzbischof von Konstantinopel vorbehalten. Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus hat als Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, den Vorsitz in der weltweiten Orthodoxen Christlichen Kirche und steht im Rahmen seines historischen Ehrenvorrangs und im Geiste der Brüderlichkeit allen orthodoxen Kirchenführern, den Patriarchen der alten Patriarchate von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem ebenso wie den Patriarchen der jüngeren Patriarchate von Moskau,  Serbien,  Rumänien,  Bulgarien und Georgien vor. Darüber hinaus trägt der Ökumenische Patriarch die geschichtliche und theologische Verantwortung dafür, Aktivitäten zwischen den Orthodoxen Kirchen von Zypern, Griechenland, Polen, Albanien, Tschechien, der Slowakei, Finnland, Estland sowie auch mit den zahlreichen Erzbistümern und Metropolien weltweit, denen in Europa, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Australien, zu veranlassen und zu koordinieren. Zudem ist er verantwortlich für die  gesamt-orthodoxen Synoden und Begegnungen, für die Förderung des zwischenkirchlichen und des interreligiösen Dialogs. Dabei dient er der Orthodoxen Kirche in ihrer Gesamtheit als Wahrzeichen der Verbundenheit und als führende Stimme. Der Ökumenische Patriarch ist der geistliche Führer von mehr als 300 Millionen orthodoxen Christen auf der ganzen Welt und überschreitet nationale und ethnische Grenzen.

 

Patriarch Bartholomäus wurde im Jahre 1940 auf der ägäischen Insel Imbros geboren; sein weltlicher Name ist Dimítrios Archontónis. Seine Allheiligkeit wurde im Oktober des Jahres 1991 zum Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, und zum Ökumenischen Patriarchen gewählt. Er ist der 270. Erzbischof in der 2000-jährigen Geschichte der Kirche, die von dem Apostel Andreas selbst gegründet wurde.

 

In der Türkei leben heute nur noch zwischen 2.000 und 5.000 orthodoxe Christen. Die Situation der Christen in der Türkei, ist wegen der offiziell laizistischen, aber de facto islamisch-sunnitischen Präferenz des Staates, oft sehr schwierig. Eines der größten Probleme für das Ökumenische Patriarchat ist die Tatsache, dass die einzige Ausbildungsstätte für orthodoxe Geistlichen, das Priesterseminar auf der Insel Heybeliada (Chalki) bei Istanbul, seit einem Urteil aus dem Jahre 1971 geschlossen ist. Als Folge fehlt den orthodoxen Christen in der Türkei die Möglichkeit zu einer angemessenen Ausbildung des Priesternachwuches, was wiederum den Fortbestand des gottesdienstlichen Lebens in den christlich orthodoxen Gemeinden gefährdet. Die Regierung Erdogan signalisiert seit einiger Zeit die grundsätzliche Bereitschaft zur Wiedereröffnung der theologischen Schule. Auch fordern die Europäische Union und die USA seit vielen Jahren Gesetzesänderungen in der Türkei, um die noch bestehenden Diskriminierungen der christlichen Minderheit zu beenden. 

 

Von den ca. 100.000 Christen, die heute noch in der Türkei leben und die nicht mehr als 0,15 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, gehören nur noch ca. 2000 bis 5000 Orthodoxe zum Ökumenischen Patriarchat oder - in der Provinz Hatay - zum Patriarchat von Antiochien. Dies ist nicht immer so gewesen. Vor dem Ersten Weltkrieg betrug der Anteil der Christen innerhalb der Grenzen der heutigen Türkei noch rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Davon gehörten rund dreiviertel zu den Gemeinden des Ökumenischen Patriarchates. In Istanbul zählte im Jahre 1914 noch fast jeder zweite Einwohner zu einer christlichen Kirche. Heute liegt der Anteil der Christen in der 15-Millionen-Metropole bei weniger als einem Prozent. Diese Zahl macht auch deutlich, dass die große Mehrheit jener 100.000, in der Türkei verbliebenen Christen heute in Istanbul lebt, darunter auch die meisten der orthodoxen Christen, die seelsorgerlich vom Ökumenischen Patriarchat  betreut werden. Diese sprechen – auch in ihren Gottesdiensten – griechisch. Ebenso wie die mit ca. 65.000 Personen heute größte christliche Gruppe in Istanbul zur armenisch-apostolischen Kirche gehört und deshalb armenisch spricht, die syrischen Altorientalen sprechen syro-aramäisch und die arabischen Orthodoxen, die vor allem in Antakia (Antiocheia) und der Provinz Hatay leben, sprechen ihrerseits arabisch. Die Angehörigen dieser Kirchen sind aber keine Ausländer in der Türkei, können also nicht mit deutschen evangelischen oder katholischen Auslandsgemeinden dort verglichen werden. Denn seit den Tagen des heiligen Apostel Paulus, also lange bevor die Araber ab dem 7. Jahrhundert in die Gebiete des oströmischen Reiches eindrangen und lange bevor ab dem 11. Jahrhundert türkisch-sprachige Stämme die kleinasiatischen Gebiete eroberten, gab es hier ein christliches Gemeinwesen, das die gesamte damalige Bevölkerung umfasste. Die orthodoxen Kirche - aber auch die armenisch apostolische Kirche - sind die legitimen Erben dieser zweitausendjährigen Geschichte des Christentums in Kleinasien. Sie sind die einheimischen christliche Kirchen der Türkei. 

 

Das Ökumenische Patriarchat ist die größte und historisch bedeutendste dieser Kirchen. In der wechselvollen Geschichte des oströmischen Reiches bis zu seiner definitiven Eroberung durch die osmanischen Türken im Jahre 1453 stellte das Ökumenische Patriarchat die orthodoxe Ortskirche dar. In der Zeit des oströmischen Reiches gehörten zum Patriarchat über 400 Bistümer. Die Provinzen Kleinasiens bis zum Taurusgebirge, aber auch die Gebiete des Balkans waren das Seelsorgegebiet des Patriarchen von Konstantinopel. Aber auch Gebiete außerhalb der Reichsgrenzen im Kaukasus und am Nordrand des Schwarzen Meeres gehörten zu seiner Kirchenprovinz. Bedeutende orthodoxe Kirchen sind aus der Missionsarbeit dieses Patriarchates hervorgegangen, so vor allem die slawischen orthodoxen Kirchen und die orthodoxe Kirche in Rumänien.

 

Nach der osmanischen Eroberung im Jahre 1453 wurden der jeweilige Ökumenischen Patriarch zum verantwortlichen Ansprechpartner der Regierung des Sultans (Diwan). Im Rahmen dieses so genannten "Millet-Systems" wurde den vom Koran als Schriftbesitzer anerkannten nicht muslimischen Religionsgemeinschaften in kultureller, zivilrechtlicher und religiöser Hinsicht die Eigenverwaltung zugebilligt. Als "Millet“ wurde in islamisch-osmanischer Perspektive ein "Religionsvolk“ bezeichnet, für dessen Zugehörigkeit allein die Religions- oder Konfessionszugehörigkeit ausschlaggebend war. So gab es neben dem jüdischen "Abraham Millet“ und dem "Armenischen Millet“ als größte Gruppe das so genannten "Rum Millet“. Dieses umfasste die gesamte rhomäische (oströmische) orthodoxe Bevölkerung, als deren gleichermaßen religiös wie auch politisch verstandenes Oberhaupt wiederum der Ökumenische Patriarch für deren politische Loyalität dem Sultan und der osmanischen Regierung direkt gegenüber verantwortlich war. So umfasste der religiöse und politische Verantwortungsbereich gegenüber der osmanischen Obrigkeit alle orthodoxen Griechen, Araber, Syrer, Bulgaren, Serben und Rumänen auf osmanischem Reichsterritorium.

 

Für die politische Verselbständigung der orthodoxen Balkanvölker im Rahmen der Freiheitskämpfe des 19. Jahrhunderts wurde deshalb das Ökumenische Patriarchat von den Osmanen auch politisch verantwortlich und haftbar gemacht. Gleichzeitig mit der nationalen Unabhängigkeit der orthodoxen Balkanvölker erfolgte die jurisdiktionelle Loslösung ihrer Bistümer aus der Konstantinopolitaner Kirchenprovinz. So verkleinerte sich das Kirchengebiet des Ökumenischen Patriarchates bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als nur noch die griechischen Gemeinden Kleinasiens, Thrakiens, Nordgriechenlands und die meisten der Ägäisinseln dazu gehörten. Der griechisch-türkische Krieg von 1920/22 und der abschließende Friedensvertrag von Lausanne im Jahre 1923 hatte einschneidende Folgen für das Ökumenische Patriarchat. Denn die Vertreibung der orthodoxen Bevölkerung aus Kleinasien und Thrakien aufgrund des in Lausanne vereinbarte Bevölkerungsaustausches dezimierte die Zahl der orthodoxen Gläubigen, die zum Ökumenischen Patriarchat gehörten, erneut. Etwa 1,4 Millionen orthodoxe Christen mussten Kleinasien verlassen und etwa 350.000 Muslime mussten im Gegenzug aus Griechenland in die Türkei übersiedeln. Dabei spielte nicht die jeweilige Sprachzugehörigkeit, sondern die Religion die ausschlaggebende Rolle. Denn aus Zentralanatolien und Kappadokien mussten die orthodoxen "Karamanlı" (türkisch Karamaniyanlar, griechisch Καραμανλήδες), die ein osmanisch geprägtes Türkisch mit griechischen Lehnwörtern sprachen, nach Griechenland übersiedeln, während griechisch-sprachige Muslime Kreta verlassen mussten. Diese ethnischen - oder besser gesagt religiöse Säuberungen - brachte mit dem Genozid vor allem an den Armeniern, aber auch an den Syro-Aramäern und den Pontosgriechen im Ersten Weltkrieg so gut wie alle christlichen Gemeinden in der Türkei zum Erlöschen. Allein für Istanbul und die beiden, den Dardanellen vorgelagerten Inseln Imbros und Tenedos wurde im Lausanner Vertrag eine, international garantierte Bestandsgarantie gegeben. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg misstrauten sich jedoch beide Seiten und die Istanbuler Griechen, die vom Bevölkerungsaustausch ausgenommen waren, begannen Istanbul zu verlassen.

 

In der Zeit um den ersten Weltkrieg wanderten größere Gruppen von Griechen nach Nord- und Südamerika und auf den australischen Kontinent aus. Für sie gründete das Ökumenische Patriarchat, das entsprechend den Entscheidungen des Konzils von Chalkedon (Kanon 28) für die geistliche Betreuung der orthodoxen Diaspora zuständig ist, neue Bistümer. Auch ukrainische und karpatho-rusynische Gläubige in Kanada und den USA unterstellten sich und ihre Bistümer in dieser Zeit der seelsorgerlichen Fürsorge des Ökumenischen Patriarchen. Auch ein Teil der russischen Emigranten, die aufgrund der Oktoberrevolution nach Westeuropa geflüchtet waren, unterstellten sich seiner geistlichen Leitung. So gehört auch das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa seit dem Jahre 1931 als Exarchat zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel.

 

Die Aufgrund der Garantien des Lausanner Vertrages in Istanbul verbliebene ca. 100.000 Griechen, der eine gleichgroße Bevölkerungsgruppe von Türken im griechischen West-Thrakien bis heute gegenüber steht, lebten unter oft schwierigen und diskriminierenden Bedingungen bis zu den Pogromen (griechisch Σεπτεμβριανά) in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955. Diese Progrome in Istanbul, Izmir und Ankara richteten sich, angeheizt einerseits durch den türkischen Nationalismus, der die christlichen Minderheiten immer als feindliche Ausländer in der Türkei betrachtet hatte, anderseits durch den ausbrechenden Zypernkonflikt gegen die christliche, vor allem griechische Minderheit. Den Verbrechen fielen aber auch türkische Juden und Armenier zum Opfer.

 

Der Pogrom selber war offenbar von langer Hand geplant, denn die nationalistisch und religiös aufgewiegelten Schläger kamen am 6. September mit verschiedenen Verkehrsmitteln von weit her angereist. Der schnelle Transport der Schläger innerhalb der Stadt wurde mit PKW, Taxis, LKW und Bussen, aber auch mit Dampfern und militärischen Transportmitteln gewährleistet. Die Menschenrechtorganisation Human Rights Watch vermutet deshalb staatliches organisatorisches Handeln hinter den Massenausschreitungen, andere Menschenrechtsorganisationen setzen dies inzwischen sogar als gesichert voraus.

 

Mord, Vergewaltigung und schwerste Misshandlung, unter anderem Zwangsbeschneidungen, gingen mit der Zerstörung des christlichen Eigentums einher. Von den insgesamt 80 orthodoxen Kirchen in und um Istanbul wurden zwischen 60 und 72 mehr oder weniger schwer beschädigt. Ikonen und jahrhundertealte Sakralkunst wurden zerstört und geschändet, mehrer Kirchen bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Neben den Kirchen wurden mehr als 30 christliche Schulen in Brand gesetzt. Weiterhin schändete der Mob christliche Friedhöfe, exhumierte die Gebeine der Verstorbenen, verwüstete rund 3.500 Wohnhäuser, 110 Hotels, 27 Apotheken und 21 Fabriken und mehr als 5.000 Läden und Geschäfte. Bei den Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit sah Polizei und Behörden untätig zu. Der Ökumenische Patriarch Athinagoras I. harrte im Phanar aus, der zwar belagert, aber nicht gestürmt wurde.

 

Wie immer, wenn der Teufel die Menschen zu Gewalt und Bosheit verleitet, wenn sich sein Zerstörungstrieb austobt und er mit Hass und Gewalt nach den Seelen der Menschen greift und ihr Denken vergiftet, werden die meisten normalen Menschen von Angst und Schrecken gleichsam paralysiert. Sie stehen der Gewalt zwar ablehnend und fassungslos gegenüber, finden jedoch nicht den Mut, dem tobenden Bösen aktiv entgegen zu treten. Einige wenige jedoch bleiben auch angesichts von Hass und blanker Gewalt ihrem religiösen, philosophischen, politischen oder humanen Ethos verpflichtet. In Israel nennt man solche Menschen die "Gerechten der Völker". Auch unter den muslimischen Türken Istanbuls gab es in diesen Tagen der Gewalt im September 1955 solche gerechten Menschen, die ihrem verfolgtem Nächsten Mitmenschlichkeit erwiesen und ihren nicht-muslimischen Nachbarn und Freunden beistanden, sie versteckten und ihnen anderweitig halfen.

 

Infolge des Progroms, das die materielle Existenz und weithin auch jedes Vertrauen der nichtmuslimischen Minderheiten in die türkischen Behörden zerstörte, wanderten fast alle Istanbuler Griechen, Armenier und Juden zwischen 1955-er und 1970-er Jahren aus der Türkei aus, da viele von ihnen das Pogrom dahingehend deuteten, dass sie als gleichwertige türkische Staatsbürger niemals anerkannt würden und dass sie auch in Zukunft weiteren Übergriffen ausgesetzt sein würden. Die statistischen Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: Während im Jahre 1945 fast 125.000 orthodoxe Griechen als Minderheit in Istanbul gelebt hatten, sank ihre Zahl ab 1955 dramatisch. Um die Wende zum dritten christlichen Jahrtausend lebten noch 2.500 Griechen in der Türkei. Davon wohnten noch 1.650 in Istanbul. Die Zahlen die das Ökumenische Patriarchat selbst heraus gibt, liegen höher und belaufen sich auf knapp 5000 Gläubige für das gesamte Staatsgebiet der türkischen Republik.

 

 

ÖKUMENISCHES PATRIARCHAT VON KONSTANTINOPEL

 

  • GLÄUBIGEca. 4 Millionen in der Türkei und Griechenland (Berg Athos, Inseln der Dodekanes und Kreta) und vor allem in der weltweiten Diaspora
  • DIÖZESEN47, davon 9 in Westeuropa, 12 in Amerika (davon 9 in den USA) und je zwei in Ozeanien und Asien
  • LITURGIESPRACHEByzantinisches Griechisch, aber auch die jeweiligen Landessprachen der Diaspora

 

 

 

 

 

Der Erzbischof unserer Diözese

 

S. E. Erzbischof Jean von Chariopolis, Exarch des Ökumenischen Patriarchen für die orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa 

 

Erzbischof  Jean (Renneteau)  wurde im Jahr 1942 in Bordeaux geboren. Sein theologisches Studium hat er am Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris absolviert. Seit seiner Studentenzeit war er ein geistlicher Schüler von Vater Sophrony (Sacharov) gewesen. Im Jahr 1974 wurde er durch Erzbischof Georgi (Tarassov) zum Priester geweiht. Danach betreute er viele Jahre lang die französisch- sprachige orthodoxe Gemeinde der heiligen Großmärtyrerin Katherina und der Allheiligen Dreieinheit in Chambésy bei Genf. Am 15. März 2015 fand dann während der Göttlichen Liturgie in der stauropegialen Kirche des heiligen Apostels  Paulus am orthodoxen Zentrum des ökumenischen Patriarchates in Chambésy (Schweiz) die Bischofsweihe Seiner Exzellenz Bischof Jean von Chariopolis statt. Ihm legten Seine Eminenz, der Schweizer Metropolit Jeremias in Konzelebration mit Seiner Eminenz Erzbischof Hiob von Telmessos und Seiner Exzellenz Bischof Makarios von Lampsakos in Gegenwart zahlreicher Priester, Diakone und und einer Vielzahl von Gläubigen die Hände auf. Archimandrit Jean war am 13. Februar 2015 durch den Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchates zum Auxiliarbischof des Patriarchen gewählt worden. Dieser hat ihn dann für den Dienst in unserer Diözese freigestellt. Am 26. Mai 2016 fand die Inthronisation von Erzbischof Jean von Chariopolis, des Patriarchal-Exarchen der orthodoxen Kirchen russischer Tradition in Westeuropa, in der Kathedrale des Heiligen Alexander Newsky in Paris statt. Am 25. April 2016 hatte  auf Vorschlag von Seiner Allheiligkeit Patriarch Bartholomäus der Heilige Synod des Ökumenischen Thrones Bischof Jean von Chariopolis den Ehrentitel eines Erzbischofs verliehen und ihn zum Patriarchal-Exarchen der orthodoxen Kirchen russischer Tradition in Westeuropa ernannt. Diese Erhebung geschah in Übereinstimmung mit der Entscheidung der Außerordentlichen Generalversammlung des Exarchats, die am vorhergegangen 28. März 2016 zusammengetreten war.

 

 

 

Dekan für Deutschland 

 

Erzpriester Michael Buk (Albstadt & Balingen)

 

 

 

Erzpriester Peter Sonntag (links) mit S. E. Erzbischof Gabriel von Komana († 2013)

 

 

Priester Johannes Kassberger (Stuttgart)

 

Eine der drei Gemeinden des Erzbistums in Deutschland ist die "orthodoxe Pfarrgemeinde zu den heiligen Erzengeln" (jetzt in der Kirche des hl. Nikolaus von Myra) in Düsseldorf. Der Gottesdienst wird in dieser Gemeinde, die dem Erzbistum seit 1976 untersteht, überwiegend in deutscher Sprache mit wenigen griechisch-sprachigen Anteilen gefeiert. Der Pfarrer der Gemeinde ist Erzpriester Peter Sonntag.  

 

 Orthodoxes Kirchenzentrum mit der Kirche des heiligen Nikolaus von Myra in Düsseldorf-Wersten.

 

 In Düsseldorf: Die Orthodoxe Kirchengemeinde zu den Heiligen ErzengelnAdresse der Kirche - Werstener Feld 65

 

Die orthodoxe Gemeinde zu Ehren des Sergius von Radoneš in Albstadt ist eine kleine Gemeinde orthodoxer Christen aus verschiedenen Ländern. An den Wochenenden und an Festtagen treffen sie sich um gemeinsam Gottesdienste und Liturgie zu feiern.Sie feiert ihre Gottesdienste vorwiegend in deutscher Sprache mit wenigen slavisch-sprachigen Anteilen . Der Pfarrer der Gemeinde ist Erzpriester Michael Buk.  

 

 

In Albstadt: Die Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren des heiligen Sergius von Radoneš. Adresse der Kirche: Schlossstr. 42.

 

Die orthodoxe Gemeinde Heiligen Martin von Tours gibt es seit April 2012. Die ehemalige Siechenkapelle in Balingen wurde der Gemeinde in Albstadt als neue Kirche zur Verfügung gestellt, und wurde am 12. Mai 2012 von Erzbischof Gabriel eingeweiht. Der Gottesdienst wird in dieser Gemeinde überwiegend in deutscher Sprache mit wenigen slavisch-sprachigen Anteilen gefeiert. Sie wird ebenfalls von Vater Michael Buk betreut.  

 

 

 

In Balingen: Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren des heiligen Martin von ToursGottesdienste in der Siechenkapelle. Adresse: Tübingerstr. 48.

 

 

Die dritte orthodoxe Gemeinde des Exarchats in Deutschland ist die orthodoxe Gemeinde russischer Tradition des Heiligen Alexander Newsky in Stuttgart. Der Gottesdienst wird in dieser Gemeinde zwar überwiegend in slavischer Sprache, jedoch mit vielen deutsch-sprachigen Anteilen gefeiert.  Pfarrer der Gemeinde ist Vater Johannes Kaßberger  

 

 

 Stuttgart: Die Orthodoxe Kirchengemeinde des heiligen Alexander Newsky in der ehemaligen Friedhofskirche auf dem Pragfriedhof. Adresse der Kirche: Friedhofsstrasse 44.

 

zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan