Gemeinde-Katechesen in Albstadt und Balingen

 

Gemeinde-Katechese am 14.02.2016

 

Die vier Vorfastensonntage: Eine innere Vorbereitung auf die Große Fastenzeit.

 

Die Kirche kennt unsere Unbeständigkeit, unsere geistige und seelische Schwäche, daher führt sie uns Schrittweise an den Verzicht in der Großen Fastenzeit heran.

 

I. - Die Woche über Zachäus (Lk. 19: 1-10). Im Laufe dieser Woche überzeugt uns die heilige Kirche davon, dass wenn der Mensch, wenn er aus tiefster Seele bereut, Christus in das Haus seiner Seele einkehrt.

 

Thema: Wille zur Umkehr

 

II. - Die Woche über den Zöllner und den Pharisäer (Lk. 18: 10-14). Im Laufe dieser Woche stellt uns die heilige Kirche vor Augen, dass es die tiefe Demut und das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit ist, das die Seele des Menschen heilt und sie mit Gott verbindet, und nicht ein rein äußerliches, formales Einhalten des Gesetzes. Demut ist der Beginn einer echten Reue.

 

Thema: Demut und das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit.

 

III. - Die Woche über den verlorenen Sohn (Lk. 15: 11-32). Im Evangelium dieser Woche und den Gebeten dieser Woche ist die Rede von einem Menschen, der moralisch auf Abwege geraten ist, jedoch aus dieser seiner Selbstverbannung zurückkehrt, indem er Buße tut. Weiter sehen wir, wie uns die wahre Buße als ein Neubeginn mit Gott unserem Vater, der uns liebt und sehnlichst auf unsere Heimkehr zu Ihm wartet, versöhnt.

 

Thema Sünde = Selbstverbannung / Buße = Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott.

 

IV. - Die Woche vor den Großen Fasten oder über das Jüngste Gericht (Matth. 25: 31-46). In der auf diesen Sonntag folgenden Woche schreibt die Kirche ein teilweises Fasten vor - es darf kein Fleisch mehr gegessen werden. Damit beendet die Kirche allmählich die Vorbereitungen auf die Große Fastenzeit.

 

Am vierten Vorfastensonntag ist die Evangeliumslesung der Lehre unseres Herrn vom Jüngsten Gericht (Matth. 25, 31 - 46) gewidmet. 

 

– Nach welchem Maßstab wird uns Christus richten? 

 

Das Gleichnis des Erlösers antwortet: nach dem Maßstab der Liebe. 

 

So wie wir uns zu unseren Mitmenschen verhalten haben, so wird sich der Herr auch zu uns verhalten: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr Mir getan..." (Matth. 25, 40).

 

Thema: Lebensmaßstab der Liebe

 

Am Vorabend dieses Tages, am vierten Vorfastensamstag, gedenkt die Kirche aller, die „in der Hoffnung auf eine Auferstehung und auf ein ewiges Heil" entschlafen sind. Der Gedenkgottesdienst (slawisch: Pannichida, griechisch Parastasis) am vierten Vorfastensamstag dient als Vorbild für alle anderen Gedenkgottesdienste und wird so auch am zweiten, am dritten und am vierten Sonnabend der Großen Fasten gehalten. Es ist gute orthodoxe Tradition, dass wir in dieser Zeit in besonderer Weise für unsere Verstorbenen beten und an der Pannichida, die in der Regel am zweiten, am dritten und am vierten Samstag der großen Fastenzeit (Roditelja Sobotta/ Радоница/ Ψυχοσάββατο ) in der Kirche gehalten wird, teilnehmen.

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Gemeinde-Katechese am 28.08.2016

 

Schema zum Aufbau der Göttlichen Liturgie

 

A. Die Liturgie der Katechumenen

 

1. Eingangssegen

2. Friedensektenija (Großes Friedensgebet in Form von Fürbitten)

3a. Drei Antiphonen und zwei kleine Ektenija

3b. nach der 2. Antiphon Hymnus "O eingeborener Sohn ..."

4. Kleiner Einzug (mit dem Evangelienbuch)

5. Troparien und Kondakien des Tages.

6. Trishagion-Hymnus

7. Prokimen und Apostelllesung

8. Alleluija und Evangeliumslesung

9.  Predigt

10. Eindringliches Fürbittengebet

11. Bittgebete

12. Ektenija für die Katechumenen

13. Hauptbeugungsgebet zur Entlassung der Katechumenen

14. Entlassung der Katechumenen

 

B. Die Liturgie der Gläubigen

 

1. Fürbittengebet für die Gläubigen

2a. Großer Einzug (Übertragung der vorbereiteten Gaben vom Prothesis-Tisch auf den Altar)

2b. Cherubimshymnus

3. Großes Bittgebet

4. Friedenskuss und Glaubensbekenntnis

 

5. Die heilige Anaphora (das eucharistische Hochgebet)

 

5a. Anamnese ( = Gedächtnis der Heilstaten Gottes),

5b. Darbringung der heiligen Gaben

5c. Epiklese (Herabrufen des Heiligen Geistes zur Wandlung der heiligen Gaben)

 

5d. Gedächtnis der allheiligen Gottesgebärerin und der Heiligen

5e. Gedächtnis des Patriarchen und des Ortsbischofs und der Dyptichen

 

6. Vorbereitung auf die heilige Kommunion

7. Herrengebet (Vater unser)

8. Brotbrechung und Vermischung der heiligen Gaben.

9. Kommunion (zuerst der Priester und Diakone, dann der Gläubigen)

10. Zurücktragen des Kelches auf die Prothesis

 

11. Danksagungsgebete

10.Entlassung und Segen

11.Empfang des Antidoron

 

 

Gemeinde-Katechese am 28.08.2016

 

Kurzgefasster Überblick zum Ablauf der Göttlichen Liturgie

 

Die heute am häufigsten gefeierte Liturgieform ist die Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus-Liturgie. Sie geht der Überlieferung nach, die durch neueste Untersuchungen bestätigt wurde, auf die Redaktion des heiligen Johannes Chrysostomus zurück. Neben der Chrysostomus-Liturgie wird die in den priesterlichen Eigengebeten längere Liturgie des heiligen Basilius des Großen gefeiert. Die Basilius-Liturgie wird heute noch zehnmal im Laufe des Kirchenjahres gefeiert und zwar am Fest dieses Heiligen (01. Januar), am Vorabend des Festes der Geburt Christi (25. Dezember) und am Vorabend des Festes der Taufe Christi (06. Januar), an fünf Sonntagen der Großen Fastenzeit, am Gründonnerstag und am Karsamstag.

 

Die  Göttliche Liturgie besteht aus drei Hauptteilen:

 

A) Die Proskomidie

B) Die Liturgie der Katechumenen

C) Die Liturgie der Gläubigen

 

Struktur der Göttlichen Liturgie:

 

Die Proskomidie – die Vorbereitung auf die Liturgie

 

A. Vorbereitung der Liturgen

 

Gebet vor den Heiligen Türen

Begrüßung der Ikonen

Eintritt in den Altarraum

Ankleiden der Liturgen

Handwaschung

 

B. Bereitung der Gaben (Proskomedie)

 

Den Lesungen geht eine längere Eröffnungsfeier voraus. Und vor dieser Eröffnungsfeier vollzieht der Priester in der Prothesis die Vorbereitung der Gaben von Brot und Wein für die Liturgie. In diesem Teil der Liturgie, Proskomedie genannt, wird das in der Orthodoxen Kirche benutzte gesäuerte Abendmahlsbrot (πρόσφορον = Opferbrot = Prosphore) in vorgeschriebener Weise aufgeschnitten und in genau festgelegter Form auf die mit einem Fuß versehene Brotschale (Δίσκος = Diskos) gelegt und der Kelch mit Wein und Wasser gefüllt. Schließlich werden beide Gefäße mit eigens dafür vorgesehenen Decken (Aer und großes Velum) verhüllt. All dies wird von Gebeten begleitet.

 

1. Schlachtung des Lammes

2. Gedächtnis der Heiligen, der Lebenden und Verstorbenen

3. Beräucherung und Verhüllung der Gaben

4. Bereitungsgebet

 

Liturgie der Katechumenen

 

 Eröffnung (Himmlischer König)

 

Die Eröffnungsteil der Liturgie des Wortes, in deren Mittelpunkt die Psalmen (Psalmen 102 & 145) und die Hymnen (O eingeborener Sohn und die Seligpreisungen (Makarismen)) stehen.

 

1. Eingangssegen

2. Große Ektenija (Fürbittgebet)

3. Erste Antiphon (Psalm 102)

4. Kleine Ektenija

5. Zweite Antiphon (Psalm 145)

6. Hymnus "O eingeborener Sohn"

7. Kleine Ektenija

8. Dritte Antiphon (Seligpreisungen)

 

Auf den Eröffungsteil der Liturgie des Wortes  mit Hymnen, Psalmen und Gesängen folgt die eigentliche Liturgie des Wortes, in deren Mittelpunkt die Lesungen der Epistel und des Evangeliums stehen. Sie wird durch den Kleinen Einzug eingeleitet. Beim Kleinen Einzug wird das Evangelienbuch feierlich vom Diakon, in Begleitung des Priesters, vom Altarraum durch die nördliche Tür des Ikonostas in die Mitte des Kirchenschiffes und von dort durch die Mitteltür zum Altar getragen.

 

9. Kleiner Einzug (=Einzug mit dem Evangelienbuch)

10. Troparien und Kondakien des Tages

11. Trisagion 

12. Lesungen (Apostel und Evangelium)

13. Inständige Ektenija

14. (Ektenija für die Entschlafenen)

15. (Bittgebete für besondere Anlässe) 

16. (Ektenija,  Hauptbeugungsgebet und Entlassung der Katechumenen)

 

Liturgie der Gläubigen

 

Auf die Liturgie des Wortes folgt die Liturgie der Gläubigen. Auch sie beginnt wiederum mit einem Einzug, dem »Großen Einzug«.

 

1. Ektenija und erstes Gebet für die Gläubigen

2. Ektenija uns zweites Gebet für die Gläubigen

3. Großer Einzug ("Die wir die Cherubim..."; Prozession und Übertragung der Gaben auf den Altar

4. Gebet "Der edle Joseph nahm herab vom Holze..."

 

Beim Großen Einzug werden die vor der Liturgie vorbereiteten Gaben auf dem verhüllten Diskos vom Diakon und der gefüllte, aber ebenfalls verhüllte Kelch vom Priester von der Prothesis durch die nördliche Türe des Ikonostas in die Mitte des Kirchenschiffes und von dort durch die Mitteltür auf den Altar getragen. Der Große Einzug wird umrahmt vom Gesang des Cherubimshymnus (Cherubikon). Während des Großen Einzugs wird von den Liturgen ein Gebet vorgetragen, in dem des Patriarchen, des Ortsbischofs, gegebenenfalls des Abtes, aller Priester, Diakone, Mönche, des Staatsoberhauptes, des Volkes, der Stifter und Wohltäter der Kirche bzw. des Klosters und aller lebenden und verstorbenen Gläubigen gedacht wird und verschiedene Anliegen vorgebracht werden.

 

5. Ektenija "Lasset uns vollenden unser Gebet zum Herrn..."

6. Friedensgruß und Glaubensbekenntnis

 

7. Die heilige Anaphora

 

Den Höhepunkt der Liturgie bildet der Vollzug der Anaphora, des großen eucharistischen Gebetes über die vorbereiteten Gaben. Es beginnt mit einer Segensformel und einem Dialog zwischen Priester und Gemeinde, der eine feierliche Aufforderung, die Herzen zu erheben und dem Herrn dankzusagen, einschließt.

 

a. Einleitungsdialog ( "Lasset uns schön stehen, lasset uns stehen mit Ehrfurcht, lasset uns aufmerken, das heilige Opfer in Frieden darzubringen... Erbarmen des Friedens, Opfer des Lobes..").

 

b. Eucharistisches Dankgebet

 

Der erste Teil des Dankgebet preist das Heilswirken Gottes an den Menschen und leitet am Ende des ersten Teils zum Siegeslied der Engel im Himmel, dem "Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen" über.

 

Der zweite Teil des Dankgebetes verkündet die Heiligkeit Gottes und seine Liebe, die ihn seinen Sohn dahingeben lässt, »damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe«. Er schließt die Herrenworte über Brot und Wein ein, die laut gesprochen und jeweils von der Gemeinde mit »Amen« beantwortet werden. Der dritte Teil des Dankgebetes enthält die Anamnese, d. h. das Gedenken an das Gebot: »Das tut zu meinem Gedächtnis«.’ Dabei werden auch die mit diesem Gedächtnis verknüpften Heilstaten der HERRN erwähnt: das Kreuz, das Grab, die Auferstehung am dritten Tage, die Himmelfahrt, das Sitzen zur Rechten des Vaters und die kommende Wiederkunft in Herrlichkeit. Diese Heilstaten sind durch die Anwesenheit des

Herrn in Brot und Wein, die in Seinen kostbaren Leib und Sein allheiliges Blut verwandelt werden, gegenwärtig. Mit diesem Gedächtnis verbunden ist die Darbringung der Gaben: "... bringen wir dar das Deine vom Deinigen in allem und für alles". Die Gemeinde antwortet darauf mit dem Lobpreis: "Dich loben wir, Dich preisen wir, Dir danken wir, o Herr, und beten zu Dir, unserm G

 

f. Epiklese ("...Und mache dieses Brot zum kostbaren Leib Deines Christus...Amen...Und was in diesem Kelch ist, zum kostbaren Blut Deines Christus... Amen...Sie verwandelnd durch Deinen Heiligen Geist....Amen. Amen. Amen.")

 

An die Anamnese schließt unmittelbar die Epiklese, d. h. das Gebet zu Gott dem Vater, dass er den Heiligen Geist auf die Gemeinde und die vorliegenden Gaben herabsende und die Gaben durch IHN in den kostbaren Leib und allheilige Blut Christi verwandle, an. So ist der Heilige Geist derjenige, durch dessen Kraft im Mysterium (Sakrament) der heiligen Eucharistie die die wirkliche Gegenwart Christi im Leben der Kirche bewirkt wird.

 

g. Diptychen

 

8. Vorbereitung auf die heilige Kommunion

 

Der zweite Teil der Liturgie der Gläubigen ist auf die Kommunion der verwandelten Gaben ausgerichtet. Gebete, in denen die Bitte um einen würdigen Empfang der »himmlischen, furchtbaren Mysterien dieses heiligen und geistlichen Tisches« ausgesprochen wird, leiten zum Herrengebet, dem »Vaterunser« über.

 

a. Ektenija ("Aller Heiligen eingedenk, wieder und wieder...")

b. Gebet "Vater unser..."

c. Hauptbeugungsgebet

 

Nach der Aufforderung des Diakons an die Gläubigen aufzumerken, ruft der Priester: "Das Heilige den Heiligen", worauf die Gemeinde antwortet: "Einer ist heilig, Einer Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen". Anschließend singt der Chor die Kommunion-Antiphon (Koinonikon) vom Tage.

 

d. Brotbrechung 

e. Einigung im Kelch

f. Zeon - Beigabe des heißen Wassers als Symbol des Heiligen Geistes.

 

Mit der Aufforderung des Diakons: »Brich, Gebieter, das heilige Brot!« beginnt nun die Brotbrechung und Vermischung der heiligen Gestalten. Nach der Versenkung des geheiligten Brotes in den Kelch wird kochendes Wasser (Zeon), das in diesem Moment herbeigebracht wird, vom Priester gesegnet und vom Diakon mit den Worten "Glut des Glaubens, Fülle des Heiligen Geistes. Amen" in den Kelch gegossen. Dadurch wird nochmals in einem eindrucksvollen Symbol an den glühenden Glauben, der ein Geschenk des lebendigen Heiligen Geistes ist, erinnert.

 

9. Die heilige Kommunion

 

1. Kommunion der Liturgen

 

Die Kommunion wird zuerst vom Priester und vom Diakon empfangen. Beide kommunizieren erst das heilige Brot und dann den heiligen Kelch mit entsprechenden Gebeten.

 

2. Kommunion der Gläubigen

 

Mit dem Ruf: "Nahet euch mit Gottesfurcht, Glauben und Liebe!" eröffnet der Priester die Kommunion der Gläubigen. Die Gläubigen kommunizieren vor der Mitteltür des Ikonostas die im Kelch des Heiles vermischten allheiligen Gestalten: Teile des in den heiligen Kelch getauchten konsekrierten heiligen Brotes, die ihnen vom Priester mit einem kleinen Löffel in den Mund gelegt werden. Währenddessen singt die Gemeinde den Kommunionvers: "Christi Leib empfanget, trinket den Quell der Unsterblichkeit. Alleluija."

 

10. Danksagung

 

Anschließend segnet der Priester die Gemeinde, die jetzt durch die Kommunion ein Volk und Erbteil Gottes geworden ist, mit den Worten: "Rette, o Gott, Dein Volk und segne Dein Erbe". Die Gemeinde antwortet: "Wir haben das wahre Licht gesehen, den himmlischen Geist empfangen, rechten Glauben haben wir gefunden, die  unteilbare Dreieinheit beten wir an, denn sie hat uns erlöst."

 

a. Gebet hinter dem Ambo

b. Segen

c. Entlassung

d. Austeilung des gesegneten Brotes (Antidoron)

 

Am Schluss empfangen die Gläubigen vom Priester das Antidoron, das Brot, das von den nicht zur Verwandlung benutzten Teilen der Prosphoren genommen und während der Liturgie gesegnet wurde.  Dies erinnert an den frühchristlichen Brauch des Agape, einer gemeinsamen Mahles der Gläubigen nach der Heilihen Liturgie als Zeichen für die brüderliche Gemeinschaft der Gläubigen. Während zum Empfang der heiligen Kommunion nur orthodoxe Christen eingeladen sind, sind zum Empfang des Antidorons alle Getauften eingeladen.

 

11. Schluss

 

Gebete nach dem Empfang der heiligen Kommunion

Ablegen der liturgischen Gewänder

 

Gemeinde-Katechese am 28.08.2016

 

Die Liturgie der Katechumenen:

 

Dieser Teil der Feier der Göttlichen Liturgie ist in zwei Abschnitte gegliedert. 

 

Diese Zweiteilung geht auf die Unterscheidung zwischen den Katechumenen, den Taufbewerbern, die sich auf den Empfang des Mysteriums  der Erleuchtung und der heiligen Myronsalbung vorbereiten und den Gläubigen, die bereits getauft sind und sich auf dem Weg der immer innigeren Vereinigung mit dem HERRN Jesus Christus Selbst (Theosis) befinden. 

 

Während an diesem ersten Abschnitt der Liturgiefeier alle Menschen teilnehmen können, ist der zweite Teil der Göttlichen Liturgie, die wir deshalb „Liturgie der Gläubigen“ nennen, den Mitgliedern der Kirche, also den getauften Christen, vorbehalten. 

 

So erklärt Vater Alexander Schmemann, dass in den ersten Tagen der Kirche, als die Gläubigen „sich geschaffen haben und nicht geboren wurden“ (Tertullian), die Katechumenen vor ihrem Eintritt in die Kirche durch eine ziemlich lange Periode der Unterweisung und Belehrung  hindurch zu gehen hatten, bevor er zu den Heiligen Sakramenten (Taufe, Myronsalbung und Kommunion) zugelassen wurden.

 

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das erste Drittel der Heiligen Liturgie auf die Bedürfnisse der Katechumenen zugeschnitten ist.

 

Die Liturgie der Katechumenen wird auch auch als „Liturgie des heiligen Evangeliums“ oder „Liturgie des Hörens auf das Wort Gottes“ genannt. Dies begründet sich damit, dass sich diese Teil der Heiligen Liturgie im Wesentlichen aus Lesungen aus der Heiligen Schrift (=Apostel und Evangelium), und deren Erläuterung (= Predigt) zusammensetzt. Nach den Schriften der Heiligen Väter geht die Kommunion am Wort Gottes, also das gläubige Hören des offenbarten Gotteswortes und das Bewahren des Gehörten im Herzen des einzelnen Gläubigen notwendig der Kommunion als der Teilnahme am kostbaren Leib und allheiligen Blut des Herrn voraus.

 

Beide Formen der Kommunion sind gleich wichtig und bedingen einander. Sie stellen die beiden Arten unserer Teilnahme an Christi Heilwirken dar.

 

Die Liturgie der Katechumenen beginnt, wie jeder orthodoxe Gottesdienst, mit dem Eingangssegen, der den üblichen Lobpreis der Allheiligen Dreieinheit enthält. Diesem ist das Gebet des „Himmlischer König“ vorangestellt, weil es nach dem Zeugnis des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes heißt: „Gott ist Geist, und die IHN anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten" (Johannes 4:24) und weil der heilige Apostel Paulus uns sagt: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist Seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater.“ Alles christliche Gebet entspringt dem Wirken des Heiligen Geistes. Deshalb beginnen wir die Feier der Göttlichen Liturgie mit der Anrufung des heiligen Geistes und dem Lobpreis des dreieinigen Gottes.

 

Hierauf folgt das große Fürbittengebet. Nun beten wir für die Anliegen der Kirche und halten Fürbitte für die wichtigen Anliegen der Welt und ihrer ganzen Gemeinschaft. Danach werden drei Antiphonen (ἀντίφωνος = entgegentönend, antwortend) gesungen. Die Antiphon ist ein Psalm oder aber ein Psalmvers, der im Wechsel mit einem Zwischenruf, der eigentlichen Antiphon, gesungen wird. Ob der ganze Psalm zu singen ist (Typika) oder bestimmte ausgewählte Psalmverse mit einem Zwischenruf, ist abhängig davon, ob es sich um einen Sonntag oder um einen besonderen Feiertag handelt. Dabei unterscheiden sich die slawische und die griechische Ordnung etwas voneinander. In vielen Gemeinden singt der Chor heute den gesamten Psalm der Typika oder die entsprechende Antiphon. Ursprünglich wurde jedoch der Psalm versweise abwechselnd von zwei Chören und von zwei Sängerpulten aus gesungen. Waren Antiphonen für diesen Tag vom Typikon angezeigt, so sang der rechte Chor die Verse, während der linke Chor den Kehrvers, die eigentliche Antiphon, vortrug. Nach dieser Ordnung wird heute noch in vielen orthodoxen Klöstern gesungen.

 

Während dieses Gesangs liest der Priester drei besondere Gebete, die eigentlich zu den drei Ektenien (Fürbitt-Gebeten) gehören, die wiederum den Vortrag der Antiphonen gliedern. 

 

 

 

Gebet zur ersten Antiphon:

 

Herr, unser Gott, Deine Macht ist unvergleichbar, Deine Herrlichkeit unbegreiflich, Deine Barmherzigkeit unermeßlich und Deine Huld unaussprechlich. Blicke selbst nach Deiner Barmherzigkeit auf uns und auf dieses Haus und handle mit uns und mit denjenigen, die mit uns beten, nach dem Reichtum Deiner Erbarmung und Deines Mitleides.

 

Gebet zur zweiten Antiphon: 

 

Herr, unser Gott, rette Dein Volk und segne Dein Erbe; bewahre Deine ganze Kirche, heilige diejenigen, welche die Zierde Deines Hauses lieben; verherrliche sie dafür durch Deine göttliche Macht und verlasse uns nicht, die wir auf Dich vertrauen.

 

Gebet zur dritten Antiphon: 

 

Du hast uns diese gemeinsamen und einmütigen Gebete geschenkt und auch zweien und dreien, die in Deinem Namen versammelt sind, Gewährung ihrer Bitten verheißen; erfülle auch jetzt die Bitten Deiner Diener zu ihrem Nutzen, gib uns in dieser Welt die Erkenntnis Deiner Wahrheit und schenke uns in der künftigen das ewige Leben.

 

 

 

 

Die erste Antiphon ist der Psalm 102. Er preist das Heilshandeln Gottes. Auch die zweite Antiphon (Psalm 145)  ist ein Lobpreis auf Gotttes Errettungstat. Nach der zweiten Antiphon wird der Hymnus „O eingeborner Sohn“ der einst vom Kaisers Justinian geschrieben wurde, vorgetragen. Er fasst das orthodoxe christologische Glaubensbekenntnis in einem kurzen Hymnus in prägnante Worte:

 

 

O eingeborener Sohn und Wort Gottes,  der Du unsterblich bist und der Du es auf Dich genommen hast, wegen unseres Heiles  Fleisch zu werden aus der heiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria.  Ohne Veränderung Mensch geworden;  Gekreuzigter, Christus Gott, der Du durch den Tod den Tod vernichtet hast. Du  Einer aus der allheiligen Dreieinheit, gleich verherrlicht mit dem Vater und dem Heiligen Geiste. Retter, rette uns!

 

Als dritte Antiphon werden die Seligpreisungen (Matthäus 5:1-10) gesungen. Ab dem 12. Vers an Hochfesten, beziehungsweise ab dem 8. Vers an den Sonntagen werden zwischen die einzelnen Makarismen (Makarismus = Heilszusage) Stichiren eingefügt. Sie sind der 3. und  der 6. Ode im Kanon aus dem Morgengottesdienst entnommen. Diese Zwischenverse entfallen in den meisten Gemeindekirchen und werden nur im klösterlichen Gottesdienst vorgetragen.

 

Mit dem „Kleinen Einzug“ wird der Höhepunkt der „Liturgie der Katechumenen“ eingeleitet. Unser HERR Jesus Christus tritt in der Ikone Seines Wortes, den heiligen Evangelium, in die Mitte der versammelten Gemeinde. Bei diesem Einzug trägt der Diakon vom Priester begleitet das Evangelienbuch (Evangeliar). Das Evangelienbuch symbolisiert Christus Selbst, der durch Sein lebendigmachendes Wort uns den Weg zum Heil und zur Errettung weist. Deshalb ist das Evanglienbuch in einen kostbaren Einband eingeschlagen. Vor dem kleinen Einzug spricht der Priester das folgende Gebet:

 

Gebieter, Herr unser Gott. Du hast im Himmel die Ordnungen und Heere der Engel und Erzengel zum Dienste Deiner Herrlichkeit aufgestellt: bewirke, daß mit unserm Eingange der Einzug heiliger Engel erfolge, die mit uns opfern und Deine Güte verherrlichen. Denn Dir gebührt aller Ruhm, Ehre und Anbetung, dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit.

  

Beim Kleinen Einzug singen wir den Gesang: „Kommt uns lasset uns anbeten und niederfallen…“.

 

Kommt, lasset uns anbeten und niederfallen vor Christus, errette uns, Sohn Gottes, der du von den Toten auferstanden bist, die wir dir singen: Alleluja.

  

Zur Zeit des heiligen Johannes Chrysostomus und des heiligen Basilius des Großen begann damit die eigentliche Liturgiefeier. Das Volk hatte sich schon früh am Morgen in der Hagia Sophia, der Bischofskirche von Konstantinopel versammelt. Während es auf die Prozession der Kleriker, die den Patriarchen auf den Weg zum Gottesdienst begleitete, warten, sang das Volk im Wechsel mit dem Sängerchor Psalmen, die von den Antiphonen gegliedert wurden. Bei Eintreffen des Patriarchen wurde ihm das Evangelienbuch entgegen getragen. Dabei sangen die Sänger das „Kommt uns lasset uns anbeten und niederfallen…“. Nachdem der Patriarch das heilige Evangelium verehrt hat, zog er unter Begleitung des Klerus feierlich in die Kirche zu seinem Platz auf der Bema. Dort begann mit dem Gesang des „Heiliger Gott, Heiliger Starker…“ die Feier der Göttlichen Liturgie.

 

Vor dem „Heiliger Gott“ spricht der Priester das folgende Gebet:

 

 

Heiliger Gott, der Du im Heiligtume ruhest, von den Seraphim mit dem dreimal heiligen Gesänge gepriesen und von den Cherubim verherrlicht und von jeder himmlischen Macht angebetet wirst! Du hast alles vom Nichtseienden ins Dasein gerufen, Du hast den Menschen nach Deinem Gleichnisse und Ebenbilde erschaffen und ihn mit Deiner Gnade geschmückt. Du gibst den Bittenden Weisheit und Verstand und verwirfst den Sünder nicht, sondern legst ihm zum Heile Buße auf. Du hast uns, Deine niedrigen und unwürdigen Diener, gewürdigt, zu dieser Stunde vor der Herrlichkeit Deines Altares zu stehen und Dir die schuldige Verehrung und Anbetung darzubringen. Nimm, o Herr, aus unserm sündigen Munde den dreimal heiligen Hymnus an und blicke in Deiner Güte auf uns hernieder. Vergib uns jede freiwillige und unfreiwillige Sünde, heilige unsere Seelen und Leiber und verleihe uns durch die Fürbitten der heiligen Gottesgebärerin und aller Heiligen, die Dir von Anfang gefallen haben, alle Tage unseres Lebens in Heiligkeit Dir zu dienen. Denn Du unser Gott bist heilig und zu Dir senden wir Preis empor, zum Vater, zum Sohne und zum Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit.

 

Die Liturgie der Katechumenen wird auch Liturgie des Wortes genannt, weil in diesem Teil der Liturgie die Lesungen aus dem Apostelbuch und dem heiligen Evangelium im Mittelpunkt stehen.  Die Heiligen Schriften bilden nach orthodoxen Verständnis, Christus das inkarnierte, das heißt wahrhaft Mensch gewordene Wort Gottes ab ( = Der altgriechische Ausdruck logos λόγος, lateinisch verbum, hebräisch דבר davar) verfügt über einen außerordentlich breiten Bedeutungsraum. Im Neuen Testament bezeichnet er Christus den Sohn und das Wort Gottes (vgl.:„...Und das Wort ist Fleisch geworden…“ (Johannes 1:14). Die Heiligen Schriften wurden von heiligen Aposteln unter dem Beistand des heiligen Geistes verfasst. Deshalb bilden sie auch den Kern dessen, was wir durch unseren HERRN Jesus Christus Selbst verkündet, durch die heiligen Apostel überliefert, gepredigt und ausgelegt und von der Heiligen Orthodoxen Kirche durch alle Zeiten treu bewahrt  und weitergereicht wurde. Durch die heiligen Schriften und durch die Heilige Apostolische Tradition  wissen wir um den wahren unverfälschten christlichen Glauben und können diesen von den im Laufe der Kirchengeschichte aufgetretenen Sondermeinungen (Häresien von griechisch αἵρεσις = willkürliche Auswahl, Anschauung, Schulmeinung) unterscheiden. Neben der Heiligen Schrift ist die Heilige Apostolische Tradition Quelle des rechten Glaubens. Denn alles, was uns durch die mündliche Lehre der Apostel von den weiteren Anordnungen unseres HERRN Jesus Christus und von den Handlungsweisen der Urkirche überliefert wurde, jedoch nicht in den Heiligen Schriften aufgezeichnet wurde, nennen wir die Heilige Apostolische Tradition

 

Die heiligen Schriften und die Heilige Tradition zusammen bilden das Glaubensgut, das einen Christen, wenn er in Glauben und Liebe daran festhält, zu ein Rechtgläubigen, zu einem Orthodoxen macht. Von der Heiligen Apostolischen Tradition sind aber deren Interpretationen, also die verschiedenen orthodoxen Lokaltraditionen, zu unterscheiden. Sie verändern sich im Laufe der Jahrhunderte und sind auch von Ort zu Ort verschieden. Sie sind der legitime Ausdruck der katholischen und apostolischen Fülle, den ein im Orthodoxen Glauben lebendes, christusliebendes Volk den Lehren des Heiligen Evangeliums, der Heiligen Apostolischen Tradition und dem gottesdienstlichen Leben der Kirche im Laufe der Zeiten zu geben vermag. Sie sind Schmuck und Ausdrucksform, nicht jedoch Inhalt der Orthodoxie; sie sind ihr orts- und zeitgebundenes Kleid, ihr lokales Spiegelbild und für den einzelnen orthodoxen Gläubigen die persönliche Heimat, die er von Kindesbeinen an kennt und lieb gewonnen hat. Jedoch hat jede Lokaltradition für die örtlichen Gläubigen diesen Wert. Russische Traditionen sind deshalb nicht besser oder schlechter als griechische, serbische oder rumänische etc. Gemeinsam und zusammen sind sie Ausdruck der orthodoxen Fülle der kirchlichen Katholizität.

 

Die Heilige Schrift wiederum ist das Wort Gottes im Munde des Apostels oder Evangelisten. Gott bedient sich dabei der Auffassungsgabe, dem Denkhorizont und Erinnerungsvermögen des heiligen Schreibers. Deshalb ist der Heilige auch nicht das menschliche Diktiergerät, sondern der Mitarbeiter Gottes bei der Überlieferung der Heilbotschaft. Darum bleibt die Heilige Schrift die „heilige Ikone des Logos“, der Christus Selbst ist. Sie zeigt uns Christus, so wie der heilige Schreiber IHN als Person und Sein Wirken erlebt und erfahren hat. Deshalb gibt es auch vier heilige Evangelien und neunzehn  Apostelbriefe. Die Apostelbriefe sind Lehr- und Ermahnungsschreiben, die zur frühchristlichen Briefliteratur gehören und sich an die frühen Ortskirchen der Christenheit wenden. Die vier Evangelien wiederum „malen“ uns immer wieder eine weitere Facette der Person und des Wirkens Christi vor Augen. Als Orthodoxe hören wir die Heiligen Schriften mit den Ohren des Glaubens und betrachten sie mit den Augen unserer Heiligen Orthodoxen Kirche, nicht jedoch mit der Kritiksucht eines wechselhaften Zeitgeistes. Denn wir wissen durch unsere Heiligen Väter, dass der Sündenfall einst auch den menschlichen Verstand zu Fall gebracht hat. „Ein Stückwerk ist unser Erkennen“ (1. Kor 13:9), so sagt uns der heilige Apostel Paulus.

 

Auf den „Kleinen Einzug“ folgen die Troparien das Dreimalheilig (Trisagion = griechisch τρίς „dreimal“ und ἅγιον „heilig“), welchen die heiligen Engel ewig vor dem Thron Gottes in den Himmeln singen.

 

Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser.

  

Dann folgen die Lesungen aus der Heiligen Schrift, die jeweils mit Psalmversen eingeleitet werden. Der Lektor liest zunächst im Wechsel mit dem Sängerchor den Prokimen und dann trägt der die Apostellesung vor. Danach singt er wiederum im Wechsel mit dem Chor die Verse des Alleluija. Nun trägt der Diakon oder der Priester die Lesung aus dem heiligen Evangelium des Tages vor. Diese wird durch das priesterliche Gebet vor der Lesung des heiligen Evangeliums eingeleitet:

 

 

Lass leuchten in unseren Herzen, menschenliebender Gebieter, das unvergängliche Licht deiner Gotteserkenntnis und öffne die Augen unseres Verstandes zum Verständnis der Botschaft deines Evangeliums. Gib uns auch die Furcht vor deinen seligmachenden Geboten ein, damit wir alle fleischlichen Begierden niedertreten, einem geistlichen Lebenswandel nachgehen und alles zu deinem Wohlgefallen sinnen und tun. Denn du bist die Erleuchtung unserer Seelen und Leiber, Christus Gott, und dir senden wir die Verherrlichung empor, samt deinem anfanglosen Vater und deinem allheiligen und guten und lebenschaffenden Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

 

Danach deutet der Priester das verlesene Kapitel aus dem Evangelium und stellt uns seine wichtigsten Aussagen vor Augen. In der russischen, serbischen und rumänischen orthodoxen Kirche hat sich zunehmend die Praxis durchgesetzt, dass die Predigt vor der Kommunion oder im Anschluss an die Heilige Liturgie stattfindet. Nachdem wir alle die Lesungen und die Predigt aufmerksam gehört haben, das heißt, sie als das Wort Gottes und seine Weisung für unser persönliches Leben wahrgenommen haben, folgt jetzt der Teil der Göttlichen Liturgie, der in besonderer Weise der Fürbitten gewidmet ist. Jede orthodoxe Landeskirche gestaltet diesen Teil der Liturgiefeier nach ihren besonderen Bedürfnissen. Zunächst folgt die "inständie Ektenija", in vielen Kirchen wird daran die Ektenija für die Entschlafenen angefügt, obwohl das Totengedenken nach der kirchlichen Ordnung am Samstag und nicht am Sonntag (Gedächtnis der Auferstehung Christi) gehalten werden soll. In unserer Gemeinde schließen sich Gebete für die Christen und alle leidenden Menschen in Syrien und im Irak an und wir beten für die unter dem Bürgerkrieg im Osten der Ukraine Leidenden. Die Fürbitten schließen mit der Ektenija für die KatechumenenIn ihnen betet die versammelte Gemeinde einerseits für die anwesenden Katechumenen der Gemeinde, anderseits in übertragener Weise auch dafür, dass das Wort Gottes die Herzen aller Menschen in Nah und Fern erreichen möge. Gerade in unseren westlichen Gesellschaften, die so stark vom Agnostizismus, also einer Lebensweise, als ob es Gott nicht gäbe oder zumindest für das Leben der Menschen keine praktische Bedeutung habe geprägt sind, ist unser aller Gebet um die Ausbreitung des Gotteswortes in den Herzen der Menschen besonders wichtig und sollte nicht weggelassen werden, nur weil es in der konkreten Einzelgemeinde gerade keine Katechumenen gibt. An die Fürbitten für die Katechumenen schließt sich ein Gebet an, bei dem die Katechumenen aufgefordert sind, das Haupt vor dem HERRN zu neigen. Da auch wir Getauften, die wir immer wieder von neuem die Einwurzelung des heiligen Evangeliums in unseren Herzen brauchen, neigen mit den Katechumenen zusammen das Haupt vor dem Herrn. Nun folgt die Entlassung der Katechumenen. In bestimmten orthodoxen Gemeinden folgt nun die mehrmalige traditionelle Aufforderung an die Katechumenen, die Kirche jetzt vor Beginn der Feier der Heiligen Eucharistie zu verlassen. In anderen Gemeinden wird auf diese Aufforderung mit einer meist missionarisch orientierten Begründung verzichtet. Nun geht die Feier der Göttlichen Liturgie vom „Gottesdienst des Gotteswortes“ zur „Feier der heiligen Eucharistie“, von der Liturgie der Katechumenen zur Liturgie der Gläubigen über.

 

 

Gemeinde-Katechese am 11.09.2016

 

Die göttliche Liturgie in ihrer Gesamtheit 

 

• eine Darstellung des Lebens Jesu

 

   Dabei ist die Liturgie der Katechumenen 

 

• eine Darstellung des erste öffentliche Erscheinen Christi auf Erden 

• und der Verkündigung Seines Evangeliums

 

Die Liturgie beginnt mit den Worten: 

 

»Gesegnet das Königtum des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.« 

 

• Bei diesen Worten hält der Priester das Evangelienbuch empor und macht damit das Kreuzzeichen über dem Altar.

 

 Betrachtung über die einzelnen Fürbitten der Friedens-Ektenie

 

In Frieden lasset zum Herrn uns beten“

„Kyrie eleison. . ."

 

• Die Kirche lehrt mit diesen Worten die Art des christlichen Betens: 

• In Frieden laßt uns bitten. 

 

• Die Voraussetzung für die Feier der Heiligen Liturgie ist der Frieden in den Seelen der Gläubigen. 

 

»Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.« 

 

Matthäus 5:23-24 

 

Wenn die Gläubigen in der liturgischen Gemeinschaft mit ihrem Priester in der Heiligen Liturgie das unblutige Opfer darbringen, sollen sie eine Familie sein, die sich in Frieden und Liebe um den Altar Gottes versammelt. 

 

»Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse sei fern von euch. Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.« 

 

Epheser 4:31

 

Auf jede Bitte des Priesters antworten die Gläubigen mit »Herr, erbarme Dich.« 

 

• Dies ist das kürzeste Gebet der orthodoxen Kirche 

vereinigt alle anderen Gebete in sich 

• drückt gleichzeitig die Demut aus, die auch der Zöllner bei seinem Gebet im Tempel (Lukas 18:13) empfand.

  

»Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Nachdem die erste Bitte die Art des Gebetes betraf, lehrt die Kirche mit der zweiten Bitte, worum der Mensch Gott zuerst bitten soll: den Frieden Gottes und die Rettung der Seele.

 

Christus selbst lehrte: 

 

»Euch aber muß es zuerst um sein (=Gottes) Königtum und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.« 

 

Matthäus 6, 33 

 

• Die liturgische Versammlung (das bedeutet das griechische Wort „Ekklesia“ = Kirche) erbittet den Frieden von Gott, weil nur er ihn schenken kann. 

 

• Es ist der Frieden, den Jesus Christus seinen Jüngern gegeben hat: 

 

»Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.« 

 

Johannes 14:27

 

• Zu Beginn der Heiligen Liturgie bitten die Gläubigen um den Frieden der Seele und suchen damit in Wirklichkeit Christus, wie der Heilige Basilius sagt: »Derjenige, der Frieden sucht, sucht Christus, denn ER ist der Friede.«

 

• Die zweite Bitte gilt dem Frieden Gottes.

 

• Derjenige, der das Geschenk des Friedens erhalten hat, erbittet diese Gabe von Gott auch für alle anderen Menschen. 

 

• Der von Gott geschenkte Friede in der Welt bringt auch die Standfestigkeit der heiligen Kirchen und die Einheit (=Sobornost) aller Rechtgläubigen mit sich. 

 

• Die Kraft des Friedens betont auch der heilige Apostel Paulus: 

 

»...und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.«    

             

Epheser 4:3

 

»Diese Einheit des Geistes kann es nicht geben bei Zwietracht und Feindschaft«, erklärt der heilige Johannes Chrysostomus. 

 

• Einheit bedeutet nicht nur Frieden und Liebe, sondern die Vereinigung der Gläubigen zu einem einzigen pneumatischen Leib:

 

 »Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist.« 

 

Epheser 4:4

 

• Der Friede vereint die Gläubigen untereinander, aber auch mit Gott. 

»Der Frieden ist die Kirche Christi«, heißt es in den Anordnungen der heiligen Apostel (Traditio Apostolica).

 

»Für dieses heilige Haus und alle, die mit Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht darin eintreten lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Christus Selbst forderte zum Gebet der Versammlung in der Kirche auf: 

 

»Alles was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.«  

          

Matthäus 18: 19-20 

 

• Der heilige Johannes Chrysostomus nennt die Kirche »Paradies der Gegenwart des Herrn«. 

 

•   Es ist wichtig das folgende Mysterium geistlich zu erfassen:

 

Im Kirchengebäude ist die Kirche (= Versammlung der Gläubigen)

in der Kirche (Versammlung der himmlischen und irdischen Kirche) ist die Heilige Liturgie

in der Heiligen Liturgie ist Gott

 

• Der heilige Ignatius der Gottesträger schreibt in seinem Brief an die Epheser, daß die Gläubigen »Steine des väterlichen Tempels sind, bereitet für das Gebäude, das Gott der Vater baut.« 

 

• In der Kirche erhalten die Gläubigen die Gaben des Heiligen Geistes und werden zu lebendigen vom heiligen Geist erfüllten Steinen, gleichsam dem  „Material“, aus dem die Kirche entsteht. 

 

• Der heilige Johannes Chrysostomus sagt: »Die Kirche ist nichts anderes als ein aus unseren Seelen gebautes Haus.«

 

• Durch dem Empfang der Göttlichen Kommunion wird der Mensch ganz zum »christustragenden Tempel«: 

 

»Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?« 

 

1. Korinther 3:16

 

»Für die frommen und rechtgläubigen Christen lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Dies ist ein Gebet für die orthodoxen Christen, die sich mit Glauben, Ehrerbietung und Gottesfurcht in ihrer Kirche versammeln. 

 

In der Orthodoxie gibt es keine Frömmigkeit außerhalb der Kirche und des liturgischen Lebens. 

 

• Die Dogmen der Kirche (= der Orthoxe Glaube) sind für die Gläubigen keine theologische Theorie, sondern werden in der kirchlichen Gemeinschaft und in den heiligen Mysterien (Sakramenten) erfahren und erlebt. 

 

Die Beteiligung des gläubigen Volkes am Gottesdienst ist eine Voraussetzung für das liturgische Leben überhaupt. Die Frömmigkeit des orthodoxen Gläubigen ist lebendig und praktisch und wird in der kirchlichen Versammlung durch die Darbringung von Opfergaben, durch Psalmen- und Hymnengesang und durch die Verehrung der Heiligen und der Ikonen offenbar.

 

»Für unseren hochgeweihten Bischof, die ehrwürdige Priesterschaft, das Diakonat in Christus, den ganzen geistlichen Stand und das gläubige Volk lasset zum Herrn uns beten.« 

 

Bei der Feier des ersten Göttlichen Liturgie war Christus selbst der Zelebrant. Nach Seiner Himmelfahrt hatten die heiligen Apostel Seinen Sitz in der eucharistischen Versammlung und in deren Nachfolge die Bischöfe, die von ihnen geweiht wurden. Dann gab es mit der Zeit immer mehr örtliche Kirchen, deshalb gaben die Bischöfe den Priestern die Aufgabe, die Heilige Liturgie zu feiern. 

 

• Der Bischof ist ein Abgesandter Christi, eine Ikone Christi, der Nachfolger der Apostel

• Die Priester wiederum sind Abgesandte des Bischofs

• Der Bischof überträgt die priesterliche Würde auf die Priester und Diakone und gibt ihnen die Vollmacht:

 

Die priesterliche Vollmacht

 

• das Wort Gottes zu predigen

• die Göttliche Liturgie zu feiern 

• die anderen Sakramente (Mysterien) der Kirche zu vollziehen.

 

• Jeder Priester zelebriert die Göttliche Liturgie und die anderen Mysterien »im Namen« des Bischofs und gedenkt deshalb seines Namens. 

 

• Die Apostel und ihre Nachfolger, Bischöfe, Priester und Diakone, schöpfen die Kraft ihres Priestertums aus einzigen Quelle in der Kirche, Jesus Christus. 

 

• Der Herr Selbst sagte zu den heiligen Aposteln: 

 

»Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab.« 

 

Lukas 10:16

 

• In den Anordnungen der heiligen Apostel (Traditio Apostolica) wird gesagt: 

 

        Der Bischof ist

 

Diener des Gottesvolkes

Wächter der Kenntnis

Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen

Lehrer der Frömmigkeit. 

 

• Der Bischof steht zwischen den Gläubigen und Gott

bringt den himmlischen Segen zu ihnen herab 

• und ihre Bitten zu Gott hinauf

 

• Er ist Diener nicht nur für das heiligen Mysteriums der Eucharistie, sondern auch für alle anderen Sakramente (Mysterien). 

 

 

• Den Dienst des Priestertums lehrte Christus nicht nur mit Worten, sondern sogar mit seinem Beispiel. 

 

• Am Abend des Abendmahls wusch ER Seinen Jüngern die Füße und sagte zu ihnen: 

 

»Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.«

 

Johannes 13:15-17

 

»Für diese Stadt, jede Stadt, alles Land und die Gläubigen, die darin leben, lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Die Liebe Gottes ist allumfassend. Sie umfaßt alle Menschen an allen Orten zu allen Zeiten. 

• Diese Liebe ahmt die Kirche nach und fordert die Gläubigen auf, sie auch zu erreichen. 

• Der Mensch ist nicht allein und unabhängig. Er ist eingebunden in die Gemeinschaft und hat das Bedürfnis, mit anderen zusammenzuleben. 

• Deswegen baut er Dörfer und Städte.

• Die Gläubigen beten für das Dorf oder die Stadt, in der sie leben, aber auch alle anderen Menschen und die ganze Welt sollen in das Gebet eingeschlossen werden.

 

»Um günstige Witterung, reichen Ertrag der Früchte der Erde und um friedliche Zeiten lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Die sichtbare Welt wurde von Gott als Königreich des Menschen geschaffen.

• In der Orthodoxie unterscheiden wir nicht zwischen natürlich und übernatürlich wie in der abendländischen Denktradition sondern zwischen geschaffen (geistige und materielle Schöpfung) und ungeschaffen (Gottes Wesen und seine Ungeschaffenen Energien).

 

• Innerhalb der geschaffenen Wirklichkeit

• Hat der Mensch Anteil sowohl an der geistigen Welt der Engel als auch an der materiellen Schöpfung (belebte und unbelebte Natur).

• Damit steht der Mensch zwischen Gott und der Welt, als »König der Dinge auf der Erde, regiert von oben«, wie der Heilige Gregorius, der Theologe, schreibt. 

 

• Er bekommt die Erde als Segen von Gott und bringt sie ihm wieder dar als Danksagung und Opfergabe.

• Der Mensch ist König und Priester der Welt Gottes. Aber die Symphonia, die Einheit des Menschen mit Gott und Seiner Schöpfung wurde im Sündenfall der Menschen zerstört: Der Mensch hörte auf, König der Welt und Priester Gottes zu sein und unterwirft sich 

• der Vergänglichkeit und dem Tod.

 

• Mit der Menschwerdung Christi wird der Mensch wieder König der Welt und Priester Gottes. 

• Das ist aber nicht nur die Rückkehr zum vorherigen Zustand, sondern viel mehr: der Aufstieg zu dem Ort, »wo Christus zur Rechten Gottes sitzt«  Kolosser 3:1

 

• Christus vereint »alles, was im Himmel und auf Erden ist«.  Epheser 1:10 

• Mit der Ankunft Christi kommt der Frieden Gottes zurück zur Erde.

 

»Für die Reisenden zu Wasser, zu Lande und in der Luft, für die Kranken, Notleidenden und Gefangenen und um ihre Errettung lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Dieses Gebet wird für diejenigen gebetet, die aus berechtigtem Gründen in der Heiligen Liturgie fehlen. Die Gläubigen beten für alle, die mit ihnen zusammensein wollen, es aber in diesem Augenblick nicht können. 

 

• Sie bitten, daß Gott diese Menschen beschützt

 

• Der Zusatz »und um ihre Errettung« bedeutet hierbei nicht nur, daß sie, wenn sie unterwegs sind, gesund zurückkehren

 

• und daß die Kranken geheilt werden

• sondern daß sie die Vergebung der Sünden und das ewige Leben erhalten.

 

• Die Gläubigen handeln nach dem Gebot Christi:

 

»Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.«

Matthäus 25, 40

 

• Wenn sie ihre Liebe den Notleidenden geben, fühlen sie dabei, daß sie sie Christus geben. 

 

• Denn die Einladung Christi:

 

»Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen«      

 

Matthäus 11:28

 

• ist eine Einladung 

• zu Seinem Allheiligen eucharistischen Abendmahl.

• Und alle Leidenden und Ermüdeten, die Seiner Einladung folgen, erleben die Ruhe Seiner Gegenwart. 

 

»Daß wir erlöst werden von aller Bedrängnis, Zorn, Gefahr und Not, lasset zum Herrn uns beten.« 

 

• Deshalb haben die Heiligen den Kummer in ihrem Leben als göttliches Heilmittel ertragen. Der Heilige Isaak nennt Schmerz und Kummer die »Basis der Tugend«.

• So schreibt auch der heilige Apostel Paulus:

 

»... wir rühmen uns auch der Bedrängnis; denn wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt.« 

 

Römer 5:3 

• Die Heiligen wissen, daß es keinen Menschen gibt, der den Weg der Tugend gehen kann ohne Bedrängung, Schmerz und Versuchung: 

 

»Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz, später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.« 

 

Hebräer 12: 11

 

Deshalb nahmen die Heiligen den Kummer mit Freude an: 

 

»Glücklich ist der Mann, der in den Versuchungen standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben.« 

 

Jakobus 1:12

 

»Durch viele Drangsale müssen wir in das Königtum Gottes gelangen.« 

 

Apostelgeschichte 14:22

 

Die Heiligen wissen, daß es keinen Menschen gibt, der den Weg der Tugend gehen kann ohne Bedrängung, Schmerz und Versuchung: 

 

»Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz, später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.« 

 

Hebräer 12:11

 

Deshalb nahmen die Heiligen den Kummer mit Freude an: 

 

»Glücklich ist der Mann, der in den Versuchungen standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben.« 

 

Jakobus 1:12

 

»Durch viele Drangsale müssen wir in das Königtum Gottes gelangen.« 

 

Apostelgeschichte 14:22

 

• Mit diesem Gebet bitten die Gläubigen Gott um Kraft, um Kummer und Not in ihrem Leben aushalten zu können. 

 

• Christus sagte zu seinen Jüngern nach dem Abendmahl: 

 

»In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber ... ich habe die Welt besiegt.« 

 

Johannes 16:33

 

» Stehe uns bei, errette, erbarme Dich und bewahre uns, o Gott, durch Deine Gnade. «

 

• Alles bisher Erbetene kommt nicht aus uns selbst, sondern es ist Gnade und rettendes und bewahrendes Handeln Gottes an uns. 

 

• Und der Mensch kann das ihm von Gott geschenkte Leben nicht »wie einen Raub« für sich behalten

 

• sondern wird sich und sein Leben, wie es in der Göttlichen Liturgie heißt, immer wieder neu seinem Herrn und Schöpfer »überliefern«

 

• um Ihm in allem zu dienen.

 

• Dies kommt in einem  Abschluß des Fürbittengebetes zum Ausdruck:

 

• » Unserer allheiligen, allreinen, hochgelobten und ruhmreichen Herrin, der Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria, mit allen Heiligen gedenkend, wollen wir

uns selbst 

und einander 

• und unser ganzes Leben 

Christus, unserem Gott, überliefern. « 

 

Quelle: Zusammengestellt für die Gemeindekatechese am 11.09.2016 von Thomas Zmija v. Gojan unter Verwendung eines Aufsatzes von Michael Schneider über Chrysostomus-Liturgie. 

 

 

Gemeinde-Katechese am 17.10.2016

 

Die Liturgie der Gläubigen

 

-  ➤ Einführend liest der Diakon die beiden Ektenija für die Gläubigen, die der Priester mit zwei               Gebeten abschließt, in denen er Gott bittet, die Gemeinde als würdig zu erweisen, Ihm die

      eucharistischen Gaben von Brot und Wein darzubringen. 

 

1. Großer Einzug

 

-  ➤  Es folgt nun der Große Einzug, bei dem die Liturgen in einer Prozession die vorbereiteten Gaben von der                               Prothesis zum Opferaltar (Altartisch) tragen. „Der Große Einzug symbolisiert das Kommen des Herrn zu Seiner                 Gemeinde im Mysterion (Sakrament). Wenn die heiligen Gaben auf dem Opferaltar niedergelegt sind, beginnt                   der Diakon mit der Großen Ektenija (Großes Bittgebet) und der Priester liest das Darbringungsgebet (Anaphora),               in dem er Gott bittet, das unblutige Opfer wohlwollend anzunehmen. 

 

-   Übertragung der Opfergaben 

-   Cherubim-Hymnus  

-  ➤ Priester: Vorbereitungsgebet

-  ➤ Priester, Diakon & Altardiener: Prozession mit den Opfergaben vom Rüsttisch zum Altar. 

 

2. Bittektenija für die vorgelegten Gaben:

 

-  ➤ „Laßt uns vollenden unser Gebet vor dem Herrn..."

 

3. Friedenskuss und Glaubensbekenntnis:

 

-  ➤ Nach dem Friedensgruß:  Priester: „Lasst uns einander lieben, auf dass wir in Eintracht bekennen!“

 

-  ➤ und dem Friedenskuß der Liturgen liest die ganze Gemeinde das Glaubensbekenntnis. 

 

 Priester, Diakon & Gemeinde: Glaubensbekenntnis 

 

4. Anaphora

 

Es folgt die Heilige Anaphora. Es ist die Darbringung des Opfers als Abbild auf das Urbild, das einzige Opfer Christi, das in der Eucharistie vergegenwärtigt wird. Die heilige Anaphora wird durch einen Dialog zwischen dem Priester und der Gemeinde eingeleitet, woraufhin das Danksagungsgebet gesprochen wird, in welchem der Liturg der gesamten Schöpfungs- und Heilsgeschichte gedenkt. Während das Danksagungsgebet nur an den Vater gerichtet ist, so ist der Sanctus die Doxologie zum Vater und zum Sohn. Die Liturgie nähert sich ihrem Höhepunkt. Der Liturg liest die Einsetzungsworte und rezitiert den Abendmahlbericht als Anamnese, die Erinnerung. Im folgenden Gebet erinnert der Liturg an die Heilstaten Christi (Kreuzigung, Grab, Auferstehung am dritten Tage, Auffahrt zum Himmel, Sitzen zur Rechten des Thrones Gottes, zweite Wiederankunft). An die Anamnese schließt unmittelbar die Epiklese, die Herabrufung des Heiligen Geistes an. Es ist die Bitte an den Vater, den Heiligen Geist auf die Gemeinde und die Gaben herabzusenden, um die Opfer in Form von Brot und Wein in den wahrhaftigen Leib und das wahrhaftige Blut Christi zu verwandeln. Der Heilige Geist vollendet die Heilsökonomie und besiegelt den Aufstieg zum Himmel, indem Er die eucharistische Versammlung in den Leib Christi verwandelt und die Vereinigung mit Ihm Selbst manifestiert. Das ist die Konsekration, die allerdings als ein Geschehen nicht punktuell im Augenblick der Epiklese, sondern der ganzen Liturgie zu verstehen ist.“ Nach der Wandlung folgen noch Fürbitten für die Heiligen, Maria, Verstorbene und Lebende.

 

 

Eucharistisches Danksagungsgebet für das gesamte Heilshandeln Gottes.

 

Priester: „Stehen wir würdig, stehen wir voll Ehrfurcht, haben wir acht, die heilige Darbringung in Frieden zu vollziehen!“

 

Gemeinde: „Erbarmen des Friedens, Opfer des Lobes“

 

Priester: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

 

Gemeinde: „Und mit deinem Geiste“

 

Priester: „Erheben wir die Herzen!“

 

Gemeinde: „Wir haben sie beim Herrn“

 

Priester: „Lasset uns Dank sagen dem Herrn“

 

Gemeinde: „Es ist würdig und recht...“

 

Priester: Gebet der Darbringung zum "Heilig, Heilig, Heilig."

 

Gemeinde: „Heilig, heilig, heilig...“

 

Priester: Gedächnis (Anamnese = Abendmahlsbericht mit den Einsetzungsworten - Hier ist die Wandlung der Gaben noch nicht abgeschlossen)

 

Anamnese (von altgriechisch ἀνάμνησις = „Erinnerung“) das feierliche Gedächtnis des Todes und der Auferstehung sowie des gesamten Heilshandelns Christi bei der Feier der Göttlichen Liturgie.

Das Gedenken an Christi Heilswirken ist verbunden mit der Darbringung der eucharistischen Gaben von Brot und Wein durch den Priester. Im Lukasevangelium (Lukas 22:19) und im ersten Brief an die Korinther (1 Korinter 11,24-25) lesen wir den Aufruf Christi: "Das ist MEIN LEIB für euch... Tut dies zu meinem Gedächtnis." Die Anamnese folgt auf die Einsetzungsworte. Das Anamnesegebet läßt sich in drei Phasen einteilen:

-  ➤ Überleitung vom Einsetzungsbericht

-  ➤ Aufzählung der Heilsmysterien Christi

-  ➤ Gebet der Opferdarbringung

 

Priester: Epiklese = Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Opfergaben = Abschluss der Wandlung.

 

 

Epiklese (von griechisch ἐπικαλέω, epikaleo ‚ich rufe an, rufe herbei‘) 

Bei der Feier der Heiligen Eucharistiefeier es ein Kerngebet, das in sich wieder erst anamnetisch und dann epikletisch aufgebaut ist, sich also preisend und bittend an Gott als den gestern, heute und morgen Handelnden wendet. Die eigentliche Epiklese bezeichnet die Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben Brot und Wein (Wandlungs- oder Konsekrationsepiklese) und auf die Empfänger der Heiligen Kommunion (Kommunionepiklese).

Die Epiklese ist sowohl in der abendländischen wie der orthodoxen Liturgietradition zu finden. Jedoch wird die liturgische Frage, wann im Gebet der Anaphora die Epiklese zu sprechen ist, vor oder nach dem Einsetzungsbericht unterschiedlich beantwortet. Während die abendländische Liturgietradition die Epiklese im Hochgebet nach dem Muster der alexandrinischen Liturgie den Einsetzungsbericht umrahmen lässt (als Wandlungs- und als Kommunion-Epiklese), stellt sie die antiochenische Liturgietradition, der wir Orthodoxen folgen, die Epiklese hinter den anamnetischen Einsetzungsbericht und rückt sie damit in den Mittelpunkt der Heiligen Liturgie Kommunionfeier. In der Chrysostomus-Liturgie heißt es nach den Einsetzungsworten im Gebet der Epiklese: „… und rufen und bitten und flehen zu Dir: sende herab Deinen Heiligen Geist auf uns und die vorliegenden Gaben … und mache dieses Brot zum kostbaren Leib Deines Christus! Das aber in diesem Kelch zum kostbaren Blut Deines Christus! Verwandelnd durch Deinen Heiligen Geist! Amen, Amen, Amen!“

 

 

 

Gemeinde: „Dir singen wir, Dich preisen wir...“

 

Priester und Gemeinde knien nieder zur Verehrung des in den Heiligen Gaben mit Seinem Heiligen Leib und Seinem Kostbaren Blut  WAHRHAFT anwesenden HERRN.

 

Priester: Gedächtnis der Gottesmutter, der Heiligen und aller Menschen.

 

Gemeinde: Hymnus "Wahrhaft Würdig"

 

6. Vorbereitung auf die Kommunion

 

 

Es folgt die Vorbereitung auf die Kommunion, in der die Fürbitten, das Vater Unser, und noch einige Gebete gelesen werden.

In größter Ehrfurcht und dem Bewusstsein der Unwürdigkeit verneigt sich der Priester dreimal vor dem Altar und erhebt das Lamm über den Diskos und ruft die Akklamation: „Das Heilige den Heiligen“, wonach der Priester mit der Brotbrechung beginnt. Das Lamm wird in vier Teile gebrochen und zerkleinert - je nach Bedarf - wie viele die Heilige Kommunion empfangen.

Das Teil des Lammes mit den Buchstaben IC wird in den Kelch gelegt, danach folgt die Beigabe des heißen Wassers.

Dieser Ritus, der seit dem 6. Jahrhundert bezeugt ist, setzt die Geistsymbolik fort und weist auf den pfingstlichen Charakter der Heiligen Liturgie hin: die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Kirche und die Gaben, die mit Seinen lebenschaffenden Wirksamkeiten erfüllt sind.

Die Heilige Kommunion wird zuerst von dem Klerus in getrennter Gestalt zu sich genommen.

Daraufhin kommunizieren die Gläubigen unter beiderlei Gestalt.

Mit den Buchstaben XC kommunizieren die Kleriker und mit den Buchstaben NI KA die Gläubigen, das Volk Gottes.

Es folgt die Danksagung, der Segen und die Entlassung und schließlich die Verteilung des Antidoron.

Das Antidoron ist gesegnetes Brot, das am Ende jeder Heiligen Liturgie an alle Gläubigen verteilt wird.

 

 

Priester oder Diakon: Bittektenie „Nachdem wir aller Heiligen gedacht haben...“.

 

Priester, Diakon und Gemeinde: “Vater unser“ 

 

Priester: Hauptbeugungsbebet und „Das Heilige den Heiligen!“ 

 

7. Kommunion

 

 

Im tiefen Glauben an die Worte Christi: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6:48) und „Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und Ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“ (Johannes 6:54) besucht der orthodoxe Christ die Kirche.

Erzpriester Alexej Malcev erklärt: „Die innige Liebe und Verehrung der heiligen orthodoxen Kirche zum kostbaren Leib und Blut des Erlösers zeigt sich in der Fülle der erhabenen und rührenden Gebräuche, die die Feier der göttlichen Liturgie umgeben.“

 

 

Kommuniongebet „Ich glaube, Herr, und ich bekenne...“

 

7a. Priesterkommunion

 

7b. Kommunion der Gläubigen

 

8. Gebete nach der Kommunion

 

Priester und Diakon: Übertragung der heiligen Gaben zurück zum Rüsttisch

 

Priester und Gemeinde: Gesänge nach der Kommunion "Gesehen haben wir das wahre Licht...“

 

Priester: Gebet am Ambo vor der Ikonostase „Herr, der Du segnest, die Dich segnen...“ 

 

Priester: Schlusssegen und Entlassung.

 

 

Als Zusammenfassung dieses vierteiligen Katechese-Reihe, die einen ersten Überblickes über die Feier und den geistlichen Sinn der Göttlichen Liturgie geben sollte, gibt es keine besseren Worte als die des heiligen Basilius des Großen in dem Gebet, das der Diakon oder der Priester spricht, wenn er die im Kelch des Heiles verbliebenen Heiligen Gaben verzehrt: „Erfüllt und vollbracht ist, soweit es in unserer Macht steht, Christus, unser Gott, das Mysterium deiner Heilsordnung. Denn wir haben das Gedächtnis deines Todes begangen und das Bild deiner Auferstehung geschaut; wir wurden erfüllt mit deinem nie endenden Leben; wir haben deine unerschöpfliche Wonne genossen, deren du uns alle auch in der künftigen Welt würdigen mögest, durch die Gnade deines anfanglosen Vaters und deines heiligen, guten und lebensschaffenden Geistes, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.“

"Wenn wir alle Geheimnisse des christlichen Glaubens, alle Geheimnisse des Neuen Testamentes, des Gottesmenschen Jesus Christus, alle Geheimnisse der Kirche des Gottesmenschen auf ein Geheimnis zusammenführen könnte, dann ist dieses Geheimnis das Heilige Mysterium der Eucharistie – die Heilige Liturgie der orthodoxen Kirche. Denn sie verkündet und gibt uns den ganzen Herrn Christus in Seinem wundersamen Reichtum und Pracht Seiner Gottmenschlichen Person und seines Gottmenschlichen Werkes und Körpers, welcher die Kirche ist. Denn die Heilige Liturgie ist: Die Kirche Gottes mit Christus und in Christus und Christus unter uns und in uns." ( Der Heilige Justin Popovic: Über die Liturgie - О Литургији)

"Und wenn wir aus der Kirche hinausgehen und uns mit unserem Leben konfrontieren bleibt die Eucharistie mit uns als unsere geheimnisvolle Freude und Sicherheit, die Quelle unserer Inspiration und unserer Bildung, unser Sieg, welcher das Übel überwältigt, die Anwesenheit, die unser ganzes Leben zu einem Leben in Christus macht." (Erzpriester Alexander Schmaemann: Leben und Liturgie - Литургија и живот)

 

 

 

Gemeinde-Katechese am 27. 11. 2016

 

Die Heiligen Engel

 

 Was ist die geistige Welt?

 

Gott erschuf nicht nur die materielle und sichtbare Welt. Da es Sein ewiger Plan war ein Reich zu schaffen, in dem die Bürger an allen den guten Dingen Seines gesegneten Lebens teilhaben, ist es offensichtlich, dass die Krone Seiner Schöpfung vernunftbegabte Wesen sein würden. Diese Wesen, begabt mit freiem Willen und in freier Entscheidung ihrem Schöpfer untertan, würden Ihn als ihren König anerkennen und so am gesegneten Leben und „an der göttlichen Natur Anteil“ erhalten (vgl.: 2. Petrus 1:4 )

 

Was ist die Welt der Engel?

 

Die Engel erhielten ihren Namen von ihrer Aufgabe. Sie bringen die Botschaft von Gottes Willen und erfüllen ihn. Sie existieren in der geistigen Welt, die durch die Heilige Schrift und die Heilige Tradition der Orthodoxen Kirche bezeugt wird. Die Existenz von Engeln wurde durch die Saduzzäer, Deisten, Pantheisten und Rationalisten geleugnet, aber dass dies völlig ohne Grundlage ist wird durch die Tatsache bewiesen, dass die ältesten Bücher der Heiligen Schrift, die vor der babylonischen Gefangenschaft geschrieben wurden, die Existenz von Engeln erwähnen. Die Wirklichkeit solcher vernunftbegabter und geistlicher Wesen kann nicht durch Logik bewiesen werden, da die Göttliche Offenbarung jenseits jeder rationalen Erkenntnis ist.

 

Wir wissen nicht mehr über den Beginn oder die Menge der Himmlischen Heerscharen, als dass sie aus verschiedenen Gruppen bestehen und von Gott vor der Schaffung der sichtbaren Welt einschließlich der Sterne erschaffen wurden. Ihr Wohnort ist weder erkennbar noch materiell, sondern vernünftig und geistig, denn sie sind Geist. Und obwohl viele der Heiligen Väter schreiben, dass sie eine Art luftigen Körper hätten, werden sie als körperlose, vernunftbegabte, freie Wesen erachtet, die unveränderlich sind, keinen Bedarf an materieller Nahrung oder Vermehrung haben, die unsterblich und deshalb ewige Wesen sind. 

 

Begabt mit freiem Willen hatten die Engel die Wahl im Guten fortzuschreiten oder sich einer bösen Auflehnung zuzuwenden und dadurch aus ihrer Heiligkeit abzustürzen, die sie am Anfang ihrer Erschaffung aus dem Nichts empfangen hatten. Jedoch waren die Engel nicht als vollkommen erschaffen worden, sondern mit der Möglichkeit entweder im Stand der Heiligkeit zu verbleiben oder ihre Natur dem Bösen zuzuwenden. Die Heilige Schrift beschreibt die weiteren Eigenschaften der Engel als mächtig und vernünftig, dass ihnen größeres Wissen als dem Menschen zugänglich ist, sie jedoch in Begrenzung gehalten werden, weil sie die Göttliche Fügung des Mysteriums der Fleischwerdung des Wortes und Sohnes Gottes nicht erkannten. Sie erkennen erst jetzt die unendliche Weisheit Gottes durch die Kirche. Engel kennen nicht die nahe Zukunft und auch nicht die Geheimnisse des Menschenherzens, die nur Gott kennt. Ihre Zahl ist jenseits jeder menschlichen Vorstellung, obwohl sie anscheinend in verschiedene Kategorien von Heerscharen eingeteilt sind. Der Heilige Dionysius vom Areopag teilte sie in drei Gruppen zu je drei englischen Scharen ein.

 

Ihre wichtigstes Werk ist über die Schönheit von Gottes Herrlichkeit zu wachen und ihn unaufhörlich zu preisen. Der Lobpreis besteht im Fortschritt zu einem Gesegneten Leben, das immer weiterwächst, wie auch zur Freude der Göttlichen Majestät. Außerdem bringen sie die Botschaften Gottes zu den Menschen und rufen sie auf zu Reue und Buße. Jeder Mensch hat seinen eigenen Schutzengel und jedes Volk und jede Kirche hat ebenso einen ihm oder ihr zugeteilten Schutzengel. 

 

Was bedeutet der Name „Engel“?

 

Die Bedeutung des Wortes „Engel“ drückt einen allgemeinen Inhalt aus und in einigen Fällen bezeichnet es den Träger einer Botschaft (einen Boten) oder einen der ausgesandt wird. Später bezeichnet das Wort eine besondere Ordnung der Himmlischen Mächte und schließlich wurde es gebraucht um die ganze geistige Welt zu bezeichnen. Der Name wird benutzt um die geistigen Wesen von den Menschen zu unterscheiden, zu denen sie von Gott gesandt werden um Seinem Willen in Bezug auf die Rettung des Menschen zu dienen. Das Wort drückt also nicht ihre Natur oder ihr Wesen aus, sondern ist ein Name, der sich auf ihre Funktion und ihr Werk bezüglich der Rettung des Menschen bezieht 7. Aus diesem Grund ist es nicht abwegig diesen Namen auch den von Gott Gesandten, den Propheten (vgl.: Haggai 1: 13), Priestern (vgl.: Malachias 2: 7) und Bischöfen (vgl.: Offbarung 1: 20; 2: 1. 8. 12. 18; 3: 1. 7. 14) zu geben, die dem Volk den Willen Gottes verkünden. Der Name „Engel“ wird speziell zur Beschreibung des Messias benutzt, auf den man sich als „Bundesengel“ (vgl.:  Malachias 3: 1-3) und „Engel des Großen Rates“ (vgl.: Jesaja 9: 5) bezieht. Außerdem wird er benutzt um den Heiligen Johannes den Vorläufer und Täufer zu beschreiben, der „dem Herrn den Weg“ bereitet (vgl.: Malachias 3: 1; Matthäus 3: 3. 11: 10; Markus 1: 2; Lukas 3: 4; Jesaja 40: 3-5).

 

Im Buch Genesis wird der Name „Engel“ hauptsächlich den geistigen Wesen zugeschrieben, die unsichtbar und körperlos sind. So wurden „die Cherubim ... und das lodernde Flammenschwert“ von Gott aufgestellt, um „den Weg zum Baum des Lebens“ zu bewachen (vgl.:  Genesis 3: 25). Ein Engel des Herrn sprach zu Hagar (vgl: Genesis 16: 7-12). Engel besuchten und retteten Lot (vgl.: Genesis 19: 1-22). Engel des Herrn erschienen Abraham im Hain zu Mamre, stiegen die Leiter hinauf und herunter, die Jakob in seinem Traum in Haran erblickte (vgl.: Genesis 28: 12). Engel erschienen den Propheten Elias, Zacharias, Jesaias, Ezechiel und Daniel (vgl.: 1. Samuel 1: 3-15; Sachaja 1: 9; 6: 4-8; Jesaja 6: 2-3; 11: 2; Ezechiel 1: 4-18; Daniel 7: 10). Ein Engel des Herrn erschien im Feuerofen in Babylon, um die drei Jünglinge Sedrach, Misach und Abdenago zu beschützen (vgl.: Daniel 3: 25). Manchmal sind ihre Namen erwähnt als Engelfürst oder Erzengel „Michael“ (vgl.: Dan 10:13.21.12,1; Judas 9; Offbenbarung 12: 7), „Gabriel“ (vgl.: Daniel 8:16.9,21; Lukas 1: 19) und „Raphael“ (vgl.:  Tobit 12: 15) Im Neuen Testament gibt es viele Verse in denen Engel des Herrn erwähnt werden (vgl.: Matthäus 1: 20; Lukas 1:26.2: 9.13, Apostelgeschichte 12: 7-11.10: 3-7.22.30.27: 23).

 

Unter den zahlreichen Bezügen auf die Existenz und das Werk der Engel bemerken wir besonders die Worte unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, Der uns warnte „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters“ (vgl.: Matthäus 18: 10) Bei der zweiten Ankunft des Sohnes Gottes wird Christus kommen „in seiner Herrlichkeit ... und alle Engel mit ihm“ (vgl.: Matthäus 25: 31; Markus 13: 27). Die Engel freuen sich immer, wenn ein Sünder bereut (vgl.: Lukas 15: 7.10). Außerdem haben sie nicht die Notwendigkeit der Fortpflanzung, denn „nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel“ (vgl.: Matthäus 22: 30).

 

Quelle:  S. E. Panteleimon Lampadarios, Erzbischof von Pelusium, Der katechismus der Orthodoxen Kirche, Port Said, 2006, Seite 88-90.