Gemeinde- Katechese in Berlin

 

An dieser Stelle werden katechetisches Material und Vortragsskripte aus der deutschsprachigen orthodoxen Kirchengemeinde zu Ehren des heiligen Isidor von Rostow und Brandenburg veröffentlicht.

 

 

Das orthodoxe Weihnachtsfasten

und die Adventszeit

 

Dezember 2017

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Für uns orthodoxe Christen beginnt die Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi (am 25. Dezember) mit einer Vorbereitungszeit, dem Philippus- oder Weihnachtsfasten. Bereits vierzig Tage vor dem Weihnachtsfest treten wir geistlich in die Zeit des Weihnachtsfastens ein. Als Menschen, die aus einer Einheit aus Geist, Seele und Leib bestehen, brauchen wir jeweils – damit wir in der rechten geistlichen Haltung an den Gedächtnisfeiern der großen Heilstaten Gottes teilnehmen - eine besondere Zeit der seelischen, geistlichen und körperlichen Hinführung. Die vier Fastenzeiten sind solche Zeiträume der geistlichen Hinführung im kirchlichen Jahreslauf, während derer wir uns auf das jeweils kommende Festgeheimnis einstimmen können. Wir bereiten uns in dieser Zeit geistlich und leiblich angemessen darauf vor, uns der spirituellen Wirklichkeit des jeweiligen Festes annähern zu können. So bereiten wir uns durch die Weihnachtsfasten darauf vor, dass wir mit den geistlich gereinigtem Augen unserer Herzen und Seelen das große Glaubensgeheimnis des Kommens unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesus Christus dem Fleische in die Geburtshöhle in Bethlehem zu erblicken vermögen und an der hieraus kommenden echten Weihnachtsfreude teilhaben können.

 

Die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest beginnt am 15. November. Dies ist der Tag nach dem Gedenktag des heiligen Apostels Philippus. Deshalb wird die Fastenzeit auch „Philippus-Fasten“ genannt. Die Weihnachtsfastenzeit in der orthodoxen Kirche dauert vom 15. November bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember).

 

 

Die orthodoxe Kirche bereitet sich auf die Feier des Weihnachtsfestes bis heute mit den althergebrachten Regeln der östlichen Christenheit vor.

 

Dabei ist aber jeweils zu beachten, dass sich der kalendarische Zeitpunkt des Weihnachtstages nach dem gebräuchlichen Kirchenkalender in den verschiedenen orthodoxen Lokalkirchen richtet. So dauert nach den Daten des modernen, bürgerlichen Kalenders die Weihnachtsfastenzeit bei den „Neukalendariern“ vom 15. November bis 24. Dezember, bei den „Altkalendariern“ jedoch vom 28. November bis 6. Januar. Aber auch die „Altkalendarier“ (wie die russische Kirche) feiern Weihnachten nicht am 07. Januar, sondern am 25. Dezember des kirchlichen Kalenders, der dem 07. Januar des bürgerlichen Kalenders entspricht.

 

In der Zeit der noch ungeteilten Kirche war auch die Adventszeit bei unseren abendländischen Mitchristen eine vorweihnachtliche Fastenzeit. Das Adventsfasten im römischen Patriarchat folgte jedoch nicht ganz so strengen Regeln wie in den übrigen Patriarchaten im Osten der orthodoxen Christenheit. So war damals den Christen im Abendland der Verzehr von Fisch, Eiern und Milchprodukten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit erlaubt. Mit diesen unterschiedlichen Fastenregeln im Osten und im Westen der damals noch geeinten Kirche erklären sich die heutigen unterschiedlichen Traditionen der Vorweihnachtszeit. Hierher rührt sowohl das besondere Adventsgebäck, als auch die westliche Tradition, am Vorabend des Weihnachtsfestes (24. Dezember) Karpfen zu essen. Im Abendland endete der Fleischgenuss damals mit dem Fest des Heiligen Martin Bischofs von Tours am 11. November. Mit dem 12. November begann dann das sechs Wochen dauernde Adventsfasten. Bereits im Mittelalter wurde die Adventszeit dann verkürzt, so dass die Vorweihnachts- oder Adventszeit bei den abendländischen Christen heute nur noch vier Wochen dauert. Das Wort „Advent“ kommt von „Adventus Domini“ und bezeichnet die „Ankunft des Herrn“, also die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus an Weihnachten.

 

Die orthodoxe Weihnachtsfastenzeit endet erst mit dem ganznächtlichen Gottesdienst am Heiligen Abend, der liturgisch bereits zum ersten Weihnachtsfeiertag gehört. Der Vorabend des Weihnachtsfestes ist ein strenger Fasttag. Dieses strenge Fasten ist eigentlich ein eucharistisches Fasten, denn die erste Festliturgie des Weihnachtsfestes wird jeweils mit der Vecernja (Vesper) verbunden gefeiert. Deshalb sagt der russische Volksmund: „Das Weihnachtsfasten endet, wenn am Heiligen Abend der erste Stern am Himmel zu sehen ist“. Das Weihnachtsfasten wird in den kirchlichen Büchern seit dem vierten Jahrhundert erwähnt. In seiner heutigen Ausprägung existiert es seit dem 12. Jahrhundert.

 

Folgende Gedenktage fallen in diese Fastenzeit: Heiliger Evangelist und Apostel Matthäus (16. November), Einzug der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November), Heiliger Apostel Andreas (30. November), Heilige Großmärtyrerin Barbara (04. Dezember), Heiliger Erzbischof Nikolaus von Myra (06. Dezember), Heiliger Bischof Spyridon von Trimythunt und Heiliger German von Alaska (12. Dezember) und die Heiligen Märtyrer Eustratius, Auxentius, Eugen, Mardarius und Orest (13. Dezember).

 

 

In den Verlauf der vorweihnachtlichen Fastenzeit fallen mehrere Gedenktage, an denen wir uns an die heiligen Propheten des Alten Bundes erinnert, die die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus vorherverkündet haben: Obadja (19. November), Nahum (01. Dezember), Habakuk (02. Dezember), Zefanja (03. Dezember), Haggai (16. Dezember), Daniel und die drei heiligen Jünglinge Ananias, Azarias und Misael im Feuerofen (17.Dezember).

 

Die letzten beiden Sonntage vor Weihnachten haben jeweils einen ganz besonderen Charakter: der zweite Sonntag vor Weihnachten ist der Sonntag, an dem wir der heiligen Vorväter (der Vorfahren unseres Erlösers Jesus Christus bis zu Adam) gedenken. Am Sonntag vor Weihnachten gedenken wir der Heiligen Väter, also jener 318 Heiligen Väter, die auf dem Ersten Ökumenischen Konzil im Jahre 325 nach Christus in Nizäa versammelt waren.

 

 

Diese Fastenzeit, die uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet, ist nicht so intensiv liturgisch durchgestaltet, wie es für die Große Fastenzeit vor Ostern so typisch ist. Das Weihnachtsfasten ist also eher „asketischer“ als „liturgischer“ Natur. Trotzdem spiegelt sich auch die weihnachtliche Fastenzeit im Leben der Kirche in einer Reihe besonderer, liturgischer Zeichen, die das kommende Fest für uns ankündigen.

 

So leuchtet während der 40 Tage der adventlichen Vorbereitung bereits das große geistliche Thema der kommenden Geburt unseres Heilandes allmählich in unseren Gottesdiensten auf. Wenn auch noch nicht ganz zu Beginn der Fastenzeit am 15. November, so hören wir doch bereits fünf Tage später, am Vorabend des Festes des Einzugs der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel, die an uns danach wieder und wieder ergehende Aufforderung des Weihnachtskanons: „Christus ist geboren, verherrlicht IHN!“ Christus steigt von den Himmeln herab, heißt IHN willkommen! Christus ist jetzt auf der Erde, freut euch! Singt dem Herrn alle Welt und preist ihn, alle Menschen, denn Er wurde erhöht!“ Bei diesen Worten verändert sich etwas in den Herzen der Menschen. Nicht nur bei uns gläubigen Christen, sondern oft auch bei vielen unserer heute so entkirchlichten und säkularisierten Mitmenschen wird in dieser vorweihnachtlichen Zeit das Herz mit einer großen seelische Hoffnung erfüllt. Wir können daran erkennen, welch große, oft uneingestandene Erwartung nach dem Kommen des Christus-Emanuel, des Heilandes und Erretters die Herzen aller Menschen erfüllt.

 

Unsere heilige orthodoxe Kirche lädt uns mit der Weihnachtsfastenzeit und ihren Gottesdiensten ein, uns dieser Ankunft Gottes zu öffnen. Mit dem erklingen des Weihnachtskanons können wir - noch  ganz weit weg -das erste Licht der größtmöglichen Freude wahrnehmen. Gleich den Weisen aus dem Morgenland folgen wir dem Stern von Bethlehem. Auch wir ziehen durch die Weihnachtsfastenzeit geistlich dem Sterne nach, der uns zur Ankunft Christi in dieser Seiner Welt hinführen will. Mit den Worten des Hymnus: Christus ist geboren, verherrlicht IHN!“ Christus steigt von den Himmeln herab, heißt IHN willkommen! Christus ist jetzt auf der Erde, freut euch!“ verändert sich etwas in unserem Leben, in der Atmosphäre unserer Empfindungen, in der ganzen Stimmung des Lebens.

 

Die Gottesdienste der Kirche, aber auch die uns umgebenden Lieder unserer abendländischen Mitchristen, die diese vorweihnachtliche Zeit erfüllen, rufen uns das Kommen Christi zu.  Sie „verkünden uns große Freude“, denn uns wird „Christus der Herr geboren werden, in der Stadt Davids“. Jetzt kommt die Zeit der großen Freude über die Menschwerdung Christi, unseres Gottes, Sein Eintritt in die Welt zu unser aller Erlösung, heran.

 

Mit der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung preisen und verehren wir als orthodoxe Christen den Hervorgang des Sohnes und Wortes Gottes aus der allheiligen Immerjungfrau und Gottesgebärerin Maria. Denn in Christus-Emanuel, dem Kind, das in Bethlehem zu unserem Heil geboren wird, begegnen wir dem menschgewordenen Sohn Gottes, unserem Licht und Heil, dem Beschützer unseres Lebens. So beugen wir mit den heiligen drei weisen Magiern die Knie unserer Herzen und jubeln zusammen mit den heiligen Propheten David, dem Sänger der Psalmen: „Vor wem sollten wir uns fürchten?“ (vgl. Psalm 26:1 LXX). Als gläubige Christen bekennen wir am Weihnachtstag: “Heute ist uns der Heiland geboren” (Lukas 2:11), “der Herr der Mächte und König der Herrlichkeit” (Psalm 23:10 LXX). Deshalb grüßen wir uns in der russischen Tradition am Weihnachtsfest mit den Worten: „Christus ist geboren! Verherrlicht IHN!“

 

Bei dieser lichten Feier gehen uns die heiligen Engel voran mit dem Lobpreis, indem auch wir in der Christnacht mit einstimmen werden: “Ehre sei Gott in den Höhen und Friede auf Erden, bei den Menschen Wohlgefallen!”

 

 

Geheiligt werden die Wasser des Jordan:

Theophanie und Taufe Christi in der orthodoxen Kirche

 

Gemeindekatechese-Vortrag (Berlin Januar 2018)

 

Thomas Zmija von Gojan

 

Nach dem Fest der Geburt des Herrn werden wir Gläubigen gemäß dem Zeugnis der gottesdienstlichen Texte mit den Engeln von Bethlehem an den Jordan zum Fest der Taufe des Herrn geführt, bei der der Geist in Gestalt eine Taube auf IHN herabkam und eine Stimme aus den Himmeln sprach: Dies ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Gefallen gefunden habe“ (Matthäus 3:17).

 

Ihr Mächte der Engel, gehet voraus von Bethlehem zu den Fluten des Jordan; und du, Johannes, verlass die Wüste und komm her; du Fluss aber, freue dich und bereite dich, und die ganze Erde frohlocke, denn Christus kommt, um die Sünde Adams abzuwaschen, Er der Barmherzige.

Stichirion aus dem Morgengottesdienst des zweiten Weihnachtsfeiertages

 

Die slawischen orthodoxen Kirchen, der heilige Berg Athos, sowie die Kirchen von Jerusalem und Georgien nutzen für ihre kirchlichen Feste den julianischen Kalender, der vom bürgerlichen (gregorianischen) Kalender um augenblicklich 13 Tage abweicht. Die griechisch geprägten orthodoxen Kirchen, sowie viele orthodoxe Gemeinden der Diaspora verwenden den "Neo-julianischer Kalender" (auch meletianischer Kalender oder Milanković-Kalender genannt.) Dieser Kalender stimmt mit dem im westlichen Kulturkreis inzwischen herrschenden, bürgerlichen  (gregorianischen) Kalender weitgehend überein. Nur das Osterfest (Пасха/Pas´cha) und die davon abhängigen Termine (Himmelfahrt und Pfingsten) feiern alle orthodoxen Christen gemeinsam nach dem alten, julianischen Kalender. Nur die orthodoxe Kirche in Finnland feiert auch das Osterfest mit ihren evangelischen Landsleuten zusammen.

 

So feiern alle orthodoxen Christen das Weihnachtsfest nicht am 07. Januar, sondern am 25. Dezember. Nur verwendet die Mehrheit der Orthodoxen, vor allem die russische Kirche, im kirchlichen Bereich weiterhin den alt-julianischen Kalender. So fällt das „russische“ Weihnachtsfest terminlich mit dem auch den westlichen Christen bekannten Epiphaniasfest am 07. Januar zusammen. Dabei gedenken die westlichen Kirchen der Offenbarung (das griechische Wort Theophanie bedeutet Offenbarwerden Gottes) des neugeborenen Gottessohnes bei Seiner Verehrung durch die heiligen drei „Könige“. Seit dem Mittelalter werden die drei weisen Astronomen (griechisch: Μάγοι = "Magoi" das sind iranisch-zoroastrische Gelehrte) in Westeuropa als Könige gedeutet. Heute befinden sich ihre heiligen Reliquien im Kölner Dom. Wir Orthodoxen feiern die Verehrung des Christusknaben mit den Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe durch die heiligen drei Weisen aus dem Morgenland am ersten Weihnachtsfeiertag (25. Dezember).

 

Das scheinbare Zusammenfallen der beiden Termine führt häufig zu dem Missverständnis, als sei das westliche Epiphaniasfest identisch mit dem „russischen Weihnachtsfest“. Dem ist aber nicht so.  Die oben genannten orthodoxen Kirchen, also auch die russischen orthodoxen Christen, feiern - ebenso wie ihre evangelischen und katholischen Mitchristen - das Weihnachtsfest am 25. Dezember (= 07. Januar des bürgerlichen Kalenders) und das Epiphaniasfest am 06. Januar (= 19. Januar des bürgerlichen Kalenders). Nur die armenisch apostolische Kirche kennt bis heute keine gesonderte Feier des Weihnachtsfestes (siehe hierzu auch weiter unten im Abschnitt "Wissenswertes zum Fest"). Unsere armenischen Mitchristen feiern Geburt und Taufe Christi als ein gemeinsames Fest der Gottesoffenbarung.

 

Wie bereits festgestellt, besitzt das Fest der Theophanie (slawisch: Богоявле́ние; griechisch: Θεοφάνια) einen etwas anderen, inhaltlichen Charakter als das westliche Epiphaniasfest. So heißt das Fest nicht einfach „Epiphanie” (griechisch Erscheinung), sondern „Theophanie” (griechisch: Gotteserscheinung aus θεός „Gott“; φαίνεσθαι „sich zeigen, erscheinen“). Die vollständige Bezeichnung des Festes lautet „Die heilige Gotteserscheinung unseres Herren und Gottes, des Heilandes Jesu Christi”. Es wird aber auch als „Tag der Erleuchtung” oder „Fest der Lichter” gebezeichnet.

 

Besonders deutlich wird dieser Charakter des Festes im Kondakion:

 

Du erschienst heute der Welt, * und Dein Licht, o Herr, ward auf uns gezeichnet, * die wir in der Erkenntnis Dir lobsingen: * Du kamst, Du erschienst, * das unnahbare Licht.

 

 

Unter dem  „Tag der Erleuchtung” ist hier die heilige Taufe zu verstehen. In der Tat berichtet uns das heilige Evangelium, das uns während der Göttlichen Liturgie vorgelesen wird und so im Mittelpunkt dieses Festes steht, nicht vom Besuch der Weisen aus dem Morgenlande und dem Stern von Bethlehem, sondern von der Taufe Christi. Die westlichen Christen gedenken auch der Taufe Christi. Nur wird dieses Evangelium bei Ihnen erst am Sonntag nach Epiphanias vorgelesen.

 

Das Fest der Theophanie, der Gotteserscheinung (russisch: Богоявление = "Bogojavienie") hat in der Orthodoxen Kirche einen reichen, heilsgeschichtlichen Inhalt. Dieser wird - wie an allen Festen - vor allem in den Texten und Gebeten der Nachtwache, der Göttlichen Liturgie und – das ist das besondere an Theophanie – im Gottesdienst der Großen Wasserweihe offenbar.

 

Die Weihe des Jordan, die Große Wasserweihe (Великая Агиасма), gehört zu den Heilshandlungen in der Kirche, die wir Mysterien oder Sakramente nennen. Denn in der orthodoxen Kirche unterscheiden wir das Heilshandeln Christi in und durch Seine Kirche nicht in Sakramente und Sakramentalien. Auch begrenzen wir das Heilshandeln Gottes in und durch Seine Kirche nicht auf die sieben, auch den westlichen Christen bekannten Sakramente. So gehört die Große Wasserweihe, genauso wie z. B. die Mönchsweihe, die Weihe des heiligen Myron, oder die Weihe einer Kirche zu den Sakramenten, also zum Heilshandeln Christi am Menschen.

 

In der liturgischen Feier des Festes wird zunächst des im heiligen Evangelium berichteten, historischen Ereignisses der Taufe Jesu Christi durch den heiligen Johannes den Täufer im Jordanfluss gedacht. Zugleich geht der betende Blick der Kirche aber von dieser Taufe Christi, die ER durch Johannes empfangen hat, auf das Mysterion der heiligen Taufe, das ER zu unserer Erlösung und zu unserem Heil eingesetzt hat.

 

Darum ist dieses Fest, neben der heiligen Osternacht, auch der beliebteste Zeitpunkt innerhalb des Kirchenjahres für die Spendung der heiligen Taufe. Gerade in Russland, wo die Taufe erwachsener Katechumenen wieder eine reale Bedeutung für das kirchliche Leben gewonnen hat, finden an diesem Fest viele Taufen statt. Von dieser Bedeutung als Tauftag erhielt das Fest auch die Bezeichnung „Tag der Erleuchtung”. Denn unter Erleuchtung ist eben der Empfang der heiligen Taufe zu verstehen, von der der heilige Evangelist Johannes in seinem Evangelium sagt: Allen aber, die IHN aufnahmen, gab er die Vollmacht Kinder Gottes zu werden, als denen, die an SEINEN NAMEN glauben, die nicht aus dem Blute und nicht aus dem Wollen des Fleisches, sondern AUS GOTT GEBOREN sind (vgl.: Johannes 1:12 - 13).

 

 In der Göttlichen Liturgie singen wir dann auch anstelle des dreimaligen „Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser“ das Alle, die ihr auf Christus seid getauft, ihr habt Christus angezogen – Halleluja.

 

 

Das heilige Evangelium berichtet uns im Verlauf der Lesung dann auch, wie eng die Taufe Christi mit der Theophanie, dem Offenbarwerden der göttlichen Herrlichkeit in Jesus Christus, also dem Erscheinen Seiner Gottessohnschaft, verbunden ist. Denn Gott, der Vater bekennt sich bei der Taufe Jesu von den Himmeln her durch Sein Wort zu Jesus als SEINEM EINGEBORENEN SOHN und „der Heilige Geist, in Gestalt einer Taube, bekräftigte die Gewissheit des Wortes“, wie wir im Troparion des Festes singen. Auch der heilige Johannes der Täufer legt öffentlich Zeugnis für IHN ab, indem er bekennt, dass derjenige, der hier nackt als Mensch im Jordan vor ihm steht und in Demut die Taufe empfängt, das FLEISCHGEWORDENE WORT SELBST ist. ER ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, wie Johannes von IHM bekennt.

 

Die Theophanie dieses heiligen Tages macht nach den Worten des heiligen Evangeliums nicht nur Christus als den Sohn Gottes, sondern sie macht den ganzen DREIEINIGEN GOTT, Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist offenbar.

 

So besingen wir die Feier dieses lichten Tages mit den Worten des Troparions:

 

Als Du, Herr, im Jordan wurdest getauft, * wurde offenbart die Anbetung der Dreieinheit. * Denn die Stimme des Erzeugers legte Zeugnis für Dich ab, * indem sie Dich nannte ihren geliebten Sohn; * Und der Geist in Gestalt einer Taube, * bekräftigte, dieses Wort gewisslich wahr, * der Du erschien bist, Christus, unser Gott, * und erleuchtest die Welt, Ehre sei Dir.

 

 

An anderer Stelle im Gottesdienst heißt es: Unser Gott, die Dreieinheit, ist uns heute erschienen als untrennbare Einheit.

 

Ein vierter, höchst wichtiger Inhalt dieses Festes ist die Große Weihe des Wassers (Великая Агиасма). Weil Christus, Gott, in das Wasser des Jordan getreten ist, wurde das Element des Wassers in der ganzen Welt geheiligt. Überall in der orthodoxen Kirche wird an diesem Tag jene große Weihe des Wassers durch Jesus Christus sakramental in der liturgischen Feier der Großen Wasserweihe gegenwärtig.

 

Die heilige Kirche betet während der Großen Wasserweihe: 

 

 …dass dieses Wasser allen, die daraus schöpfen und davon genießen, zur Quelle der Unvergänglichkeit werde, zum Geschenk der Heiligung, zum Lösemittel für Sünden, zur Abwehr von Krankheiten, zum Verderben der Dämonen; dass sie unangreifbar werden für die feindlichen Mächte, erfüllt von der Kraft der Engel...

 

 

Die Festtagsikone stellt das im heiligen Evangelium berichtete Geschehen dem gläubigen Betrachter anschaulich - das heißt anschaubar - vor Augen. Sie zeigt uns die folgenden Elemente:

 

Christus, steht nackt in den Fluten des Jordan.

 

Zu Seiner Rechten (vom Betrachter aus links zu sehen, denn die heiligen Ikonen stellen das Gesehen mich vom Blickwinkel des Betrachters, sondern aus sich, aus der Perspektive der Ewigkeit heraus dar) am Flussufer ist der heilige Johannes der Täufer abgebildet, der seine rechte Hand während der Taufe auf das Haupt Christi legt.

 

Zu seiner Linken sind Engel mit verhüllten Händen abgebildet, Sie repräsentieren die Chöre der Engel, die Fülle der himmlischen Heerschaaren, die anbetend vor dem Dreieinigen Gott stehen.

 

 

Hier wird der Bericht des Evangeliums in die kosmische Dimension des Heilshandelns Gottes hinein geöffnet. Durch Adam wurde nicht nur das Verhältnis zwischen Gott und dem Mensch gestört, sondern durch Adam kam einst die Sünde - und damit der Tod - in die Schöpfung Gottes hinein. Durch Christus, den neuen Adam, kommt nun die Erlösung und damit nicht nur die Widerherstellung des Verhältnisses zwischen Gott und dem Menschen, sondern auch der Beginn der Wiederherstellung der ganzen Schöpfung, wie sie von Gott einst gedacht war. Diese Wiederherstellung der Schöpfung wird am jüngsten Tag ihren Abschluss finden. Sie nahm jedoch Anfang in der Taufe Christi, als der menschgewordene Sohn Gottes durch Sein Hineinsteigen die Wasser des Jordan geheiligt hat.

 

 

Diese zeitgenössische Ikone zeigt uns den Heilsplan Gottes in Christus: Durch die Sünde ward Adam einst aus dem Paradies vertrieben. Durch das Kommen Christi wird er gerettet. Die Liebe Gottes umfängt ihn. Zu beachten bei dieser Ikone ist, dass Christus Adam mit Seiner Vergebung so umfängt wie der Vater seinen Verlorenen Sohn (vgl.: Lukas 15:11–32.)

 

Am oberen Bildrand in der Mitte befindet sich eine Mandorla (italienisch für Mandel) ist ein Fachbegriff aus der Kunstgeschichte und bezeichnet eine Gloriole oder einen Heiligenschein rund um eine ganze Figur), ein Kreisabschnitt (manchmal auch ein ganzer, geschlossener Kreis), aus dem sich eine Hand in Richtung des Hauptes Christi streckt. Von der Hand geht ein Strahl aus und in dem Strahl schwebt in einem kleinen Kreis die Gestalt einer Taube.

 

Der Heilige Geist, in Gestalt einer Taube, bekräftigte die Gewissheit des Wortes des Vaters. Er geht, wie wir Rechtgläubigen im Orthodoxen Glaubensbekenntnis bekennen, zwar dem Wesen nach allein aus dem Vater hervor. Er ruht jedoch im Sohne, das heißt, ER bekräftigt und bestätigt dessen erlösendes Handeln und wird auf Seine Bitte hin vom Vater zu uns gesandt.

 

 

So ist es auch die Verwandlung der Heiligen Gaben in der Göttlichen Eucharistie stets ein trinitarisches Geschehen. Christus ist der Dargebrachte und der (das Opfer der Eucharistie)  Darbringende. Der Priester repräsentiert Ihn nur. Dargebracht wird die gesamte Liturgie als Lob- und Dankopfer Gott, dem Vater. Die Wandlung der Gaben in den uns heilbringenden Leib und das kostbare Blut Christi vollzieht sich in der Epiklese,  wenn der Priester, vereint mit den Gläubigen als dem versammelten Leib Christi auf Erden um das verwandelnde Herabkommen des Heiligen Geistes bitten.

 

Die theologische Bezeichnung für dieses Gebet um das Herabkommen des Heiligen Geistes ist "Epiklese". Es kommt von griechisch πικαλέω = "epikaleo" „ich rufe an, ich rufe herbei“. Bei der Eucharistiefeier in der Göttlichen Liturgie gibt es ein Kerngebet (ναφορά = "Anaphora" = Darbingung des Opfers), das sich preisend und bittend an Gott als den in der Göttlichen Liturgie Handelnden wendet. Die Epiklese bezeichnet in diesem großen Gebet die Bitte und Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben Brot und Wein, der diese dann in den Wahren Leib und das kostbare Blut Christi verwandelt.

 

 

Auf vielen griechischen Ikonen der Taufe Christi kommen noch weitere Elemente in der Darstellung hinzu: Neben Christus wird in den Fluten des Jordan häufig eine oder zwei weitere kleine Gestalten, häufig auf einem Fisch oder Delphin reitend dargestellt. Sie sind Symbole des Jordan und des Meeres.

 

Unter Christi Füßen wird manchmal auch ein drachenartiges Wesen dargestellt. Es symbolisiert den Teufel, die alte Schlange (vgl.: Offenbarung 20:2), deren Herrschaft durch das Kommen Christi sich dem Ende zuneigt. Deshalb wird manchmal im Wasser neben Christus auch noch eine Säule dargestellt, auf der ein Kreuz steht.

 

Rechts und links am felsigen Ufer blühen Pflanzen. Durch Seinen Tod am Kreuz hat Christus die Macht des Teufels, des Drachens, der alten Schlange über uns gebrochen und uns das ewige Leben geschenkt (vgl.: Offenbarung 12:11). Auf dieses neue Leben in Christus, das uns durch die Heilige Taufe geschenkt ist, weisen die blühenden Blumen hin. In der Wüste der Sünden schenkt uns Christus das neue Leben, das aus dem Brunnen der heiligen Taufe hervorquillt.

 

 

Betrachten wir nun die verschiedenen Motive im Einzelnen und fragen dabei nach ihrer Glaubensaussage und ihrer Beziehung zum Fest der Theophanie:

 

Eine große Hilfe zum richtigen Verstehen des Festes und damit der Ikone vermitteln uns - außer den Sätzen des heiligen Evangeliums, die uns über die Taufe Christi berichten - die liturgischen Texte der Vorfeier und des Festes selbst.

 

Ein hilfreiches Büchlein, das leider noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt, ist das griechische „Synekdemos orthodoxu christianou” (Pilgerbegleiter eines orthodoxen Christen). Hierin heißt es, dass die beherrschende Mitte des Bildes ist die Gestalt Christi Selbst ist. Er ist erkennbar an dem traditionellen Gesichtsausdruck und an dem Kreuznimbus. Das ist der Christusdarstellungen vorbehaltene Heiligenschein mit dem eingezeichnetem Kreuzzeichen und drei griechischen Buchstaben, die als „ho on” = „der Seiende” (nach Exodus 3:14: „Ich bin der Seiende“, griechisch: ego eimi ho on") zu lesen sind. Nach der Septuaginta, dem für uns Orthodoxe kanonischen Text des Alten Testamentes, bedeuten sie: ICH BIN DER (EWIG) SEINENDE. Dies waren die Worte, die GOTT zu Mose aus dem brennenden Dornbusch heraus gesprochen hat. Die Verbindung des göttlichen Würdenamens mit dem Kreuz bedeutet, dass die Göttlichkeit Jesu Christi sich gerade im Kreuz geoffenbart hat.

 

In die gleiche Richtung deutet die Tatsache, dass Christus nackt dargestellt ist.  Manchmal haben die Ikonenmaler aus Schamhaftigkeit und Pietät die Gestalt Jesu Christi auch mit einem Lendentuch dargestellt Jedoch betonen die liturgischen Texte eindeutig Christi Nacktheit. Sie bezeichnet den äußersten Grad der Selbsterniedrigung (griechisch: Kenosis / κένωσις, griechisch: „Leerwerden“, „Entäußerung“. Es ist das Substantiv zu dem von Paulus im Brief an die Philipper gebrauchten Verb κένωσεν (ekenosen), „ER entäußerte sich“ (Philipper 2:7). dessen, DER bei der Verklärung in das Gewand der Herrlichkeit gekleidet sein wird.

 

So heißt es in einem Gesang aus der Nachtwache:

 

Nackt steigst Du, Herr, in den Fluss, der Du die Himmel mit Wolken umhüllst und der Du entblößt hast alle Bosheit des Feindes und die Erdgeborenen gekleidet hast in Unverweslichkeit.

 

Die Nacktheit Christi, des neuen Adam, wird in Beziehung gesetzt zur Nacktheit des ersten Adam, der seine Unschuld durch den Sündenfall verloren hatte:

 

Freue dich, Adam, zusammen mit der Urmutter. Verberget euch nicht, wie im Paradies zuvor. Denn da ER euch nackt sah, ist ER erschienen, damit ER euch wieder kleide mit euem ersten Gewand. Christus ist erschienen, um die ganze Schöpfung zu erneuern.

 

Meist hält Christus auf der Theophanie-Ikone Sein Haupt gebeugt. Dies ist ein weiteres Zeichen der Selbsterniedrigung des Gottessohnes in der Menschwerdung und Seiner Taufe:

 

Es neigt Sein Haupt, der die Himmel sich neigen lässt”, so singen wir im Morgengottesdienst des Festes.

 

In besonderer Weise heben die Texte unserer Gottesdienste, wie auch schon der Bericht im heiligen Evangelium nach Matthäus (Matthäus 3:14 ff.), hervor, dass Christus, der verheißene Messias, sich vor Seinem Vorläufer neigt:

 

…das Licht vor dem Leuchter, die Sonne vor dem Glanz, das WORT vor dem Vorläufer, der Bräutigam vor dem Freund....

 

Auf manchen Ikonen der Taufe ist Christus jedoch auch so dargestellt, dass ER mit erhobenem Haupt zu Johannes schaut. Hier soll der Augenblick des Zweiergespräches dargestellt werden, von dem Matthäus  uns im Vers 3:14 ff. berichtet.

 

An dieser Tatsache sehen wir, dass es in der Darstellungsweise unserer heiligen Ikonen durchaus Varianten gibt. Wichtig ist allein, dass die Darstellung der Ikone den rechten Glauben der heiligen Kirche abbildet, ihn anschaubar macht.

 

Auf den meisten Ikonen steht Christus im Wasser des Jordan wie in einer Höhle, die sich über IHM schließt. Genau wie die dunkle Höhle auf den Geburtsikonen verweist auch hier die höhlenartige Darstellung des Jordan auf die Höhle des Grabes, denn Taufe und Tod stehen nach dem Zeugnis des heiligen Apostels Paulus zueinander in einem engen Verhältnis ( vgl.: Römer 6:3 ff. & Kolosser 2:12). Hier wird uns ein wichtiges Prinzip für das orthodoxe Verständnis der heiligen Schriften, vor allem der des Alten Testamentes, vor Augen geführt. Immer dreht es sich beim rechten Verständnis, also der Erkenntnis der Heilsbedeutung dieser Texte, um ein Verhältnis der Vorankündigung durch die Propheten des Alten Bundes, der dann die Erfüllung in JESUS CHRISTUS folgt.

 

Bezeichnender Weise wird Christus auf den Theophanie-Ikonen nicht stehend, sondern schreitend dargestellt. Die gottesdienstlichen Texte betonen immer wieder, dass Christus aus EIGENEM, FREIEN WILLEN zur Taufe kommt. Sie sprechen sogar davon, dass ER zur Taufe eilt, um das Heilswerk zu vollenden:

 

Als Mensch kamst Du zum Fluss, Christus, König, und Du eilst, o Gütiger, die Taufe des Knechts zu empfangen von den Händen des Vorläufers um unserer Sünden willen, Du Menschenliebender.

 

Immer wieder und wieder betonen die heiligen Väter die Bedeutung unseres freien Willens beim Prozess der Aneignung des Heils. Nichts im Leben der Kirche geschieht automatisch oder gar magisch. Stets müssen wir aktiv dem HEILSHANDELN GOTTES AN UNS durch Seine heiligen Sakramente zustimmen, uns auf ihren Empfang vorbereiten und nach ihrem Empfang das bei uns Liegende tun, damit sich die Gnade Gottes in uns ausbreiten kann, ums verwandelt und unser ganzes Leben zu erfüllen beginnt. Gott vergewaltigt den Menschen nicht zum Heil. ER möchte mit uns in eine LIEBENDE BEZIEHUNG treten, in unserem Herzen Wohnung nehmen und uns durch ein LEBEN DER GEMEINSCHAFT MIT IHM mehr und mehr gnadenhaft vergöttlichen.

 

Auf manchen Ikonen tritt Christus, in den Fluten des Jordan stehend, auf den Drachen. Damit wird der Sieg abgebildet, den Jesus Christus über den bösen Feind, der sich gerade auch in den menschenfeindlichen, das heißt alles menschliche Leben und alles menschliche Werk bedrohen könnenden Wasserfluten verbirgt, errungen hat. Indem Christus in seinen Herrschaftsbereich, die Fluten des Wassers, hinabgestiegen ist, hat ER das Wasser dem Einfluss und der Wirkmacht des Teufels entrissen. Hierdurch wird die Taufe Christi eng mit Seinem Hinabstieg in das Reich des Todes, Seine Hadesfahrt, verbunden:

 

... Ich eile herbei, zu verderben den in den Wassern verborgenen Feind, den Fürsten der Finsternis, zu erlösen die Welt aus ihren Plagen und ihr zu schenken, als Menschenliebender, das Ewige Leben.

 

Gerade deshalb ist der Gebrauch des Weihwassers und vor allem des großen Weihwassers, des Agiasma eine wirksame Waffe gegen alle Einflüsse des Teufel und seiner Dämonen. Jedoch funktioniert das nicht mechanisch oder gar magisch, sondern nur, wo das Weihwasser im Glauben und unter Gebet anwendet; es in der Wohnung aussprengt, es am morgen mit einem Stückchen des Antidorons zu sich genommen wird, wird auch seine heilbringende Wirkung erfahren. Nicht das heilige Wasser wirkt an sich, sondern es wirkt in Verbindung mit einem auf die Erlangung des Heils ausgerichteten Lebens. Auch die Kommunion wirkt ja nicht an sich. Auch sie bedarf der Aktualisierung in einem durch den christlichen Glauben geprägten Lebens. Deshalb bereiten wir uns als orthodoxe Christen durch Gebet und Fasten auf den Empfang der heiligen Gaben vor. Nur die bloße Teilnahme an sich bewirkt in der Regel noch nichts. Sie kann jedoch aber im Einzelfall auch zum Samenkorn werden, zu jenem Senfkorn, aus der der große Baum des christlichen Lebens erwächst.

 

Von besonderer Bedeutung ist auch die Handhaltung Christi, mit denen er auf den Theophanie-Ikonen abgebildet wird. Christus segnet mit Seiner Rechten die Wasser, die von nun an nicht mehr Wohnstätte des Teufels, sondern lebenspendendes Element der heiligen Taufe sind. Christus selbst vollzieht jene erste Wasserweihe, die der Priester in jedem Jahr an diesem Festtag sakramental vergegenwärtigt:

 

Heute wird die Natur der Gewässer geheiligt, denn Christus ist erschienen im Jordan, die Gewässer zu heiligen...

 

 

Mit der Wasserweihe im Zusammenhang steht auch das Kreuz, das auf vielem Ikonen der Taufe Christi neben den Beinen Christi in den Fluten des Jordan dargestellt wird. Dieses Kreuz auf einer Säule ist einerseits ein entfernter ikonographischer Nachklang eines Denkmals an die Taufe Christi, das im 6. Jahrhundert an der Stelle errichtet worden war, an der heilige Johannes der Täufer einstmals getauft hatte. Dieses Siegeskreuz, das aus einer Marmorsäule gestanden hat, war ein eisernes Segenskreuz gewesen. (Wer sich dazu weiter informieren möchte: Clemens Kopp; die heiligen Stätten der Evangelien, Regensburg, 1964 & Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu, Leipzig, 1973). Andererseits weist es aber auch auf das Kreuzesleiden Christi hin, das den Abschluss des Weges bildet, den Christus nun mit Seiner Taufe im  Jordan beginnt.

 

Gleichzeitig weist es uns auf den Vollzug des Gottesdienst der Großen und Keinen Weihe hin.  Ähnlich wie der schon erwähnte Segensgestus, mit dem Christus die Wasser heiligt, die Urform eines Teils der jährlich sich wiederholenden Wasserweihe darstellt, so wird bei jeder Wasserweihe dreimal ein Segenskreuz in das zu  heiligende Wasser getaucht. Bei der Großen Wasserweihe singen wir dabei das Tropar der Taufe Christi:

 

Als Du, Herr, im Jordan wurdest getauft, * wurde offenbart die Anbetung der Dreieinigkeit. * Denn die Stimme des Erzeugers legte Zeugnis für Dich ab, * indem sie Dich nannte ihren geliebten Sohn; * Und der Geist in Gestalt einer Taube, * bekräftigte, dieses Wort gewisslich wahr, * der Du erschien bist, Christus, unser Gott, * und erleuchtest die Welt, Ehre sei Dir.

 

Bei der Kleinen Wasserweihe, die  mehrmals im Jahr bei Bedarf und oft an den Festen der Heiligen vollzogen wird, singen wir jedoch das Troparion des Heiligen Kreuzes:

 

Errette, Herr, * Dein Volk und segne dein Erbe * Siege schenke Deinen Frommen über Ihre Widersacher  * und behüte durch Dein Kreuz  * die Dir eigene Gemeinde.

 

Zur Rechten Christi, über ihm auf einem Uferfelsen des Jordan stehend, befindet sich der heilige Johannes der Täufer. Auf den meisten Ikonen ist er leicht zu erkennen an seinem asketischen Haar- und Bartwuchs und an seinem Kleid aus Kamelhaaren (Matthäus 3:4). Auch er wird meist in demütiger Haltung dargestellt, da er sich gemäß dem Bericht von Matthäus 3:14 dessen bewusst war, dass er unwürdig ist, Christus zu taufen. Diesen Gedanken seiner Demut entfalten die liturgischen Texte in besonders eindringlicher Weise. Auf den Ikonen ruht seine rechte Hand auf dem Haupt Christi, wie es der Taufritus vorsieht. Dabei sagt Christus zum Täufer:

 

Täufer Johannes, der du schon im Mutterleib mich erkannt hast, das Lamm Gottes, diene mir nun im Fluss, tu mit Engeln zusammen mir den heiligen Dienst, strecke deine Hand aus und berühre mit ihr mein unbeflecktes Haupt. Und wenn du die Berge beben siehst und den Jordan seinen Lauf zurückwenden, so rufe mit ihnen: „Herr, fleischgeworden aus der Jungfrau zu unserem Heil, Ehre sei Dir.

 

Die linke Hand des heiligen Johannes öffnet sich in einer Gebärde der Fürbitte, ist doch der heilige Johannes der Täufer neben der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Mara der große Fürbitter für das Menschengeschlecht. Darum werden auch die allheilige Gottesgebärerin und der heilige Vorläufer im Zentrum vieler Ikonostasen, wo sich die Ikone der Deesis befindet dargestellt. Vor Christus dem Herrscher und Richter der Welt treten sie fürbittend für uns ein.

 

Während der Göttlichen Liturgie des Festes bitten ihn die Gläubigen:

 

Deine Hand, die das reine Haupt des Herrn berühren durfte, mit deren Fingern du uns auf IHN gewiesen hast, erhebe dich für uns zu ihm, o Täufer, da du viel Freimütigkeit bei ihm besitzest, der ja selbst von dir gezeugt hat, daß du größer bist als die Propheten alle. Deine Augen aber, die den allheiligen Geist gesehen haben, wie er herabkam in der Gestalt einer Taube, richte wieder auf ihn. o Täufer, ihn gnädig zu stimmen.

 

Wie Christus Selbst, so wird auch der heilige Johannes der Täufer meist schreitend dargestellt: Er hat gleichsam seinen Zweifel überwunden und geht nun mit Entschlossenheit an die Erfüllung seiner Aufgabe, gegen die er sich zunächst im Gefühl seiner Unwürdigkeit gesträubt hatte. Auf manchen Ikonen trägt der Täufer in seiner linken Hand auch eine Schriftrolle mit der Inschrift: Siehe, das ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt (Johannes 1:29).

 

 

Am anderen Ufer des Jordan, dem Täufer gegenüber, stehen Engel, von denen wir bereits gesprochen haben. Auch von ihnen sprechen die Texte der Gottesdienste am Fest der Theophanie. Da werden die Engelsmächte aufgefordert: „Gehet voraus von Bethlehem zum Strom des Jordan.”  Sie sollen dort, wie wir schon gehört haben, mit dem heiligen Johannes zusammen den „heiligen Dienst” (im griechisch Text wörtlich „Leiturgia”) tun. Als sie dann Zeugen des Geschehens werden, „erschrecken sie in Furcht und Freude” (vgl. auch Matthäus 28:8). Dass ihre Hände von Tüchern bedeckt sind, entspricht orthodoxem Brauch, in Gegenwart oder bei Berührung des Heiligen die Hände zu verhüllen. Wir kennen das von den Ruschniki (sind die traditionellen, bunt bestickten Handtücher, die in Russland und der Ukraine bei viele Zeremonien gebraucht wurden z.B. Taufe, Trauung, Totenmesse. In den Kirchen und Häusern werden sie rund um die heiligen Ikonen gelegt), die wir während der Prozessionen über unsere Hände legen, ehe wir die heiligen Ikonen darauf tragen. Oft sind mehr als zwei Engel abgebildet. Häufig schaut einer von ihnen, meist der hinten stehende, nicht hinab zu Christus, sondern hinauf, dorthin, woher die Stimme des Vaters aus den Himmeln ertönt.

 

Gott Vater, von dem die Stimme aus den Himmeln ausgeht, darf nach der orthodoxen Tradition eigentlich nicht dargestellt werden. Trotzdem gibt es seit Jahrhunderten unzählige Ikonen, die Gott Vaters als Gott Sabaoth darstellen. Auf der Theophanie-Ikone deutet ein Kreis oder der Teil eines Kreises die himmlische Sphäre an, da der Kreis - die immer in sich selbst zurückkehrende Linie - ein Symbol für die Ewigkeit ist. Eine Hand, die sich aus dem Kreis herausstreckt, symbolisiert die Stimme, die aus der Ewigkeit hernieder die Göttlichkeit des Göttlichen Sohnes verkündet, der in die Erniedrigung des Menschseins eingegangen ist. Von der Hand des Vaters geht ein Strahl zum Haupt Christi aus. Dieser Strahl, der vom dem Urquell des Lichtes in unsere gefallene Welt fällt, ist jenes geistliche Licht, das uns schon im Namen des Festes aufleuchtet. Dieser Strahl gleicht demjenigen, der sich auf den Weihnachtsikonen aus den Himmeln zum Christuskind in der Krippe erstreckt. Aber während dort der Stern von Bethlehem die Mitte dieses Strahles bildet, schwebt hier die Gestalt einer Taube. Der Heilige Geist darf auf dieser Ikone in Gestalt einer Taube dargestellt werden, weil es im heiligen Evangelium heißt, dass der Geist „gleich wie eine Taube gesehen” worden sei. Die Hundert-Kapitel-Synode in Moskau hat im Jahre 1667 darauf hingewiesen, dass der Heilige Geist nur auf dieser Ikone der Taufe Christi - also nicht zu Pfingsten - in der Gestalt einer Taube gemalt werden dürfe, denn nur damals sei ER, der SEINER NATUR NACH GOTT ist, in der Gestalt einer Taube erschienen. Wir sagten es schon zu Anfang: Dadurch, daß bei der Taufe Christi Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist gemeinsam in Erscheinung treten, ist die Theophanie des Sohnes gleichzeitig eine Theophanie der göttlichen Dreieinheit. Darum endet auf manchen Ikonen der Strahl über dem Haupt Christi in drei Zacken - wiederum ein Hinweis auf das dreisonnige Licht der trinitarischen Gottheit.

 

Wie bereits besprochen, finden sich auf vielen griechischen Ikonen das Symbol des Flusses Jordan in Gestalt eines halbnackten Mannes, der eine Urne in der Hand hält, neben einer halbnackten Frau (das Wort für Meer ist im Griechischen weiblichen Geschlechtes). Der Mann sitzt und wendet sich auf diesen Ikonen zu Christus um, die Frau reitet auf einem Fisch, der sie davonträgt. Hier werden die Worte des 114. Psalms, der von den Wundern beim Auszug der Kinder Israel aus Ägypten berichtet, und die als Vorherverkündigung auf Christus hin zu verstehen sind,  auf die Taufe Christi im Jordan hin gedeutet:

 

Heute eilt die Prophezeiung des Psalms, in Erfüllung zu gehen; denn, so heißt es, „Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurückvor dem Antlitz des Gottes Jakobs’, als der Herr kam, von dem Knecht die Taufe zu empfangen, auf daß wir, gewaschen von der Unreinheit des Götzendienstes, durch IHN erleuchtet werden an unseren Seelen.

 

So werden die Worte des Alten Testamentes bezogen und erfüllt in den Ereignissen des Lebens Jesu Christi. Die Heilstaten Gottes im Alten Bund stehen in Beziehung zu denen des Neuen Bundes. Dort finden sie ihre Erfüllung. Deshalb liest die heilige Kirche in den alttestamentlichen Lesungen des Vespergottesdienstes zum 06. Januar fast alle Berichte des Alten Testamentes, die uns über Wasserwunder berichten.

 

Wie schon berichtet, erblühen auf manchen Ikonen der Taufe Christi inmitten der Felsenwüste rechts und links vom Jordan Blumen. Sie sind Zeichen des Paradieses, das sich dem Menschen wieder öffnet, da die Schuld Adams abgewaschen wird in dem Wasser der heiligen Taufe.

 

Wissenswertes zur Geschichte des Festes

 

Das Fest der Theophanie ist eines der ältesten christlichen Feste. Entstanden ist es im Patriarchat von Alexandrien um die Mitte des 3. Jahrhunderts. Dabei spielte, ähnlich wie bei der Festlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember, die Übernahme eines, bisher mit heidnischen Vorstellungen besetzten Festtermins durch die Kirche eine Rolle. Mit dem 06. Januar war in Ägypten der Feiertag des Nilwasserschöpfens verbunden. Diesem Nilwasser wurde heilende und segnende Wirkungen zugeschrieben. So lag es nahe, das  Gedenken der Taufe des Herrn im Jordan mit diesem Termin zu verbinden. Von Alexandrien aus verbreitete sich das Fest rasch in allen Kirchen des Orients, aber auch in den von der liturgischen Tradition Alexandriens  beeinflussten Gebieten im Westen, also das abendländische Patriarchat von Rom. In Jerusalem, wo die Feste aufgrund der räumlichen Nähe zu den heiligen Stätten in einer besonderen, liturgischen Eindringlichkeit gefeiert werden konnten, zog Ende des 4. Jahrhunderts die Gemeinde am Vorabend des 06. Januar nach Bethlehem, um dort in der Nacht die Christgeburt zu feiern, den Blick gleichsam schon zum Jordan gewandt, wo am Tage selbst dann das Gedächtnis an die Taufe des Herrn und die Wasserweihe feierlich begangen wurden.

 

Einer lokalen Überlieferung zufolge, fiel die Taufe Christi im Jordan genau auf den 30. Geburtstag des Herrn. Nach der Übernahme des römischen Weihnachtsfestes am 25. Dezember im Osten (in Konstantinopel im Jahre 380, in Antiochien und Syrien kurz vor 386, in Alexandrien und Ägypten um 432) wurde das Gedächtnis an die Taufe des Herrn im Jordan zum dominierenden Gedanken des Festes am 06. Januar.

 

Die Gottesdienste am Fest der Theophanie

 

Am Vortag von Theophanie feiert man die Königlichen Stunden, die so außerdem nur an Weihnachten und am Karfreitag vorgesehen sind. Dabei werden die sogenannten Kleinen Horen Prim, Terz, Sext und Non mit je einer Evangelienlesung, sowie zwei Lesungen aus dem Propheten Jesaja, der Apostelgeschichte oder aus den Paulusbriefen erweitert und zusammen mit den Typika zu einem längeren Gottesdienst am Morgen vereint.

 

Wie an allen großen Festen des Kirchenjahres werden auch an Theophanie die Feiernden durch die Gebete und Gesänge der Gottesdienste langsam mit hineingenommen in das kommende Geschehen und auf das Verstehen des gefeierten Festgeheimnisses. Orthodoxer Gottesdienst will eine vertiefte Beziehung stiften zu Dem, den wir feiern (GOTT), zu dem, was wir feiern (unser Heil) und zu denen, mit denen wir feiern - der Gemeinschaft der Himmlischen; also der heiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria, der Engel und aller Heiligen) und Irdischen, also der zur Feier der Gottesdienste, vor allem der Göttlichen Liturgie, versammelten Gläubigen. Durch die liturgischen Texte, die wir betend hören, werden wir im wahrsten Sinne des Wortes zum Festmysterium hingeführt.

 

Am Nachmittag werden die Vesper mit der Basilius-Liturgie und die Große Wasserweihe gefeiert. Am Abend folgen die Große Komplet und die Utrenja, die zu einer Vigil, einer Nachtwache, verschmolzen sind. Ursprünglich wurden diese heute in zwei große Blöcke geteilten Gottesdienste an einem Stück gefeiert, was die ganze Nacht hindurch andauerte. Diese Nachtwache zum Fest der Taufe des Herrn war, als Fest der Einsetzung des Taufsakraments, in der Alten Kirche neben der Osternacht der zweite große Tauftermin. Nach dem ersten Teil der Vigil zog die Gemeinde gegen Mitternacht zum Baptisterium, wo die Weihe des Taufwassers, wie noch heute im Taufgottesdienst üblich, vollzogen wurde. Da man dieses Wasser als besonders heilbringen erfuhr und seine besondere Kraft wahrnahm, schöpften die Gläubigen davon, um es mit nach Hause zu nehmen. Man besprengte die Häuser damit und trank es das Jahr hindurch, denn es schützt vor den Dämonen, schenkt Heilung in Krankheit, gewährt der Seele Reinigung von bösen Leidenschaften und wirkt, durch das Gebet der Kirche, selbst Sündenvergebend. So beten die Zelebranten auch heute in den Gebeten zur Wasserweihe, „dass dieses Wasser allen, die daraus schöpfen und davon genießen, zur Quelle der Unvergänglichkeit werde, zum Geschenk der Heiligung, zum Lösemittel für Sünden, zur Abwehr von Krankheiten, zum Verderben der Dämonen; dass sie unangreifbar werden für die feindlichen Mächte, erfüllt von der Kraft der Engel“.

 

Im Anschluss an die Wasserweihe wurden die Katechumenen getauft. Die Neugetauften zogen nach ihrer Erleuchtung (griechisch: Photismos), wie die heilige Taufe auch genannt wird, mit brennenden Kerzen in den Händen dem HERRN entgegen in die Kirche, um Während der folgenden Göttlichen Liturgie  zum ersten Mal die Heilige Kommunion zu empfangen. Daher wird das Fest auch als Tag der Erleuchtung oder Fest der Lichter bezeichnet.

 

Während der Taufhandlungen las ein Lektor in der Kirche Lesungen, bis der Bischof und die Neugetauften vom Baptisterium zurückkamen. Diese Lesungen, heute dreizehn an der Zahl, lassen wichtige Begebenheiten der Heilsgeschichte des Gottesvolkes im Alten Testament präsent werden, bei denen Wasser eine Rolle spielt:

 

1. Bei der Schöpfung schwebt Gottes Geist über den Wassern (Genesis 1:1-13)

2. Der Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer (Exodus 14:15-29)

3. Das Danklied Moses für die Rettung Israels (Exodus 15:22-16,1)

4. Der Zug des Volkes Israel mit der Bundeslade durch den Jordan (Josua 3:7 f. 15-17)

5. Elija durchquert mit Elischa trockenen Fußes den Jordan (2. Könige 2:6-14)

6. Die Heilung des aussätzigen Syrers Naaman im Jordan (2. Könige 5:9-14)

7. Jesajas Aufforderung: Wascht euch, reinigt euch! (Jesaja 1:16-20)

8. Die Vorbereitungen Jakobs zur Durchquerung des Jordan (Genesis 32:1-11)

9. Die Rettung Moses aus dem Nil (Exodus 2:5-10)

10. Das Tauwunder an Gideons Vlies (Richter 6:36-40)

11. Auf Elijas Bitte verzehrt Feuer vom Himmel das Opfer (1. Könige 18:30-39)

12. Auf Elischas Bitte wird das todbringende Wasser rein (2. Könige 2:19-22)

13. Die in der Finsternis sind: Kommt ans Licht! Ihr Erbarmer wird sie zu Wasserquellen führen (Jesaja 49:8-15).

 

Der Inhalt der Lesungen ist meist allegorisch oder typologisch zu verstehenden. So verbindet schon der heilige Apostel Paulus den Durchzug Israels durch das Rote Meer als ein Bild mit dem heiligen Mysterion der Taufe verbindet (vgl. 1 Korinther 10,1f.). Die dritte und die sechste Lesung münden in Lobgesänge. Auf die dreizehnte Lesung folgt das Trishagion mit dem die Feier der Göttlichen Liturgie beginnt.

 

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Wasserweihe zu einem eigenen Ritus, losgelöst von der Taufspendung. Heute wird die Große Wasserweihe nach Ende der Basilius- Liturgie vollzogen. Sie wird in dieser Form nur an Theophanie begangen. Das Agisma, das große Weihwasser, zählt zu den Sakramenten der Orthodoxen Kirche. Seine Weihe ist ein Charakteristikum, die eigentliche Besonderheit dieses Festes. Das Weihegebet des heiligen Patriarchen Sophronius von Jerusalem (560-638) ist ein einziger Lobpreis auf das unbegreifliche Heilshandeln Gottes, der in Knechtsgestalt gekommen ist, um die Menschen zu erlösen.

 

In seinem Aufbau ähnelt es der Anaphora der Göttlichen Liturgie. Mit diesem umfangreichen Weihegebet, das auch eine Epiklese, also die Herabrufung des Heiligen Geistes auf dieses Wasser umfasst, erbittet der Zelebrant über das Wasser den Segen des Jordan. Sodann vollendet er die Weihe, indem er ein Kreuz dreimal ins Wasser taucht, darin das Kreuzzeichen macht und es wieder emporhebt. Dies geschieht in Anlehnung an die orthodoxe Taufpraxis des dreimaligen Untertauchens und kann sowohl als Versinnbildlichung des immer tieferen Abstiegs Christi aufgefasst werden, als auch als Reinigung und Heiligung des Wassers mit der Göttlichen Kraft Christi, der sich unter der Erde begraben ließ, um nach drei Tagen glorreich wieder aufzuerstehen. Die hinzutretenden Gläubigen kommunizieren drei Schluck vom geheiligten Wasser „im Namen des Vaters (Amen) und des Sohnes (Amen) und des Heiligen Geistes (Amen)“.

 

Nach der Göttliche Liturgie am Vormittag des Festtages ziehen die Zelebranten und alle Gläubigen in einer feierlichen Prozession gewissermaßen leibhaftig zum Jordan – zum nächstgelegenen Fluss,  um dort, nach dem Vorbild unseres Herrn, die Gewässer zu heiligen. In den einzelnen Orthodoxen Ländern haben sich bei dieser Segnung der Flüsse, Bäche, Seen und Meeere verschiedene Bräuche herausgebildet.

 

Auf dem Weg von der Kirche zum Fluss singen alle:

 

Die Stimme des Herrn ruft über den Wassern und spricht: *  Kommt, empfanget alle * den Geist der Weisheit, den Geist der Einsicht * den Geist der Gottesfurcht Christi, des Erschienenen. * Heut wird die Natur der Wasser geheiligt, * der Jordan aber spaltet sich und staut seine Wasserflut, * da er sieht, wie der HERR getauft wird.

 

Am Fluss angekommen vollzieht der Priester nochmals die Wasserweihe wie am Tag zuvor, jedoch meist in gekürzter Form.