Der christlich-orthodoxe Glaube

 

 

Das Orthodoxe Glaubensbekenntnis

 

 

 

Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.

 

Und an den einen Herrn, Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, den aus dem Vater Geborenen vor aller Zeit. Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.

 

Für uns Menschen und um unseres Heiles Willen ist er vom Himmel herabgestiegen, er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden.

 

Gekreuzigt wurde er für uns unter Pontius Pilatus und hat den Tod erlitten und ist begraben worden und ist auferstanden am dritten Tage gemäß der Schrift.

 

Er ist aufgefahren in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters.

 

Er wird wiederkommen in Herrlichkeit, Gericht zu halten über Lebende und Tote, und seines Reiches wird kein Ende sein.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater ausgeht. Er wird mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht. Er hat gesprochen durch die Propheten.

 

Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

 

Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

 

Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der

zukünftigen Welt. Amen.

 

 

 

 

Einige Erklärungen zum Glaubensbekenntnis

 

 

 

Gott, der Vater, ist der Schöpfer der Welt

 

1. Gott ist unser Vater: Als orthodoxer Christ glaube ich an einen Gott, der als Vater alles beherrscht, erhält und regiert, denn er hat freiwillig Himmel und Erde erschaffen, das heißt sowohl die sichtbare und materielle Welt, als auch die unsichtbare und geistige Welt.

 

Gott, der Sohn, ist der Retter der Welt

 

2. Der Gottmensch Jesus Christus: Ich glaube auch an einen Herrn, den Gottmenschen Jesus Christus, der der eingeborene Sohn des Gottvaters und der von ihm vor aller Zeit gezeugt worden ist; er ist wie sein Vater Licht. Er ist wahrer Gott, denn vom wahren Gott wurde er gezeugt. Er ist kein Geschöpf, wie einige Häretiker behaupten, sondern er ist aus der gleichen göttlichen Substanz wie der Vater und durch ihn, den Sohn Gottes, sind alle Dinge erschaffen worden. Er ist der Weg zu Gott, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6).

 

3. Das Wort Gottes wurde Fleisch: Wegen seiner großen Menschenliebe und um uns Menschen vor Hölle, Sünde und verderblichen Leidenschaften zu erretten, stieg er, der er das Wort und der Sohn Gottes ist, bildlich gesprochen von seiner himmlischen Herrlichkeit herab und nahm Fleisch an durch die heilige Jungfrau Maria und den Heiligen Geist Gottes, nachdem die Zurüstungs- und Vorbereitungszeit für die Menschheit erfüllt war, wie der Apostel Paulus sagt. Gottes Wort, Gottes Sohn, wurde Gottmensch zur bestimmten Zeit und uns Menschen in allem ähnlich, jedoch ohne die Sünde.

 

4. Das Kreuz: Um unsertwillen wurde er gekreuzigt, litt und wurde als Mensch begraben, als Pontius Pilatus der römische Statthalter von Judäa war (26-36 n. Chr.). Er stieg hinab ins Totenreich, um einerseits das Reich des Todes, der Hölle und des Teufels aufzulösen, und um andererseits den Entschlafenen im Totenreich das Evangelium der Errettung zu predigen, damit er alle unter ihnen erlöse, die seine frohe Botschaft annehmen würden (1 Petr 3, 19).

 

5. Die Auferstehung: Er stand drei Tage nach seiner Beerdigung von den Toten auf, und erfüllte so die Heilige Schrift. Auf diese Art und Weise bewies er vollkommen seine Göttlichkeit und vollendete unsere Errettung, nachdem er die Macht der Sünde und des Todes für alle Menschen vernichtet hatte, die wahrhaftig an sein heiliges Evangelium glauben.

 

6. Die Himmelfahrt: Nach seiner Auferstehung erhob er sich wieder, mit seiner Seele und seinem verherrlichtem Leib, durch seine Kraft in den Himmel, und setzte sich zur Rechten Gottes, des Vaters. Von dieser Stellung aus beruft er und zieht alle Menschen zur Errettung, durch seine heilige Kirche.

 

7. Die zweite Wiederkunft Christi: Er wird zum zweiten Mal in die Welt kommen, zu dem Zeitpunkt den nur Gott kennt, in Herrlichkeit, um Lebende und Tote zu richten. Auf diese Weise wird er das Königreich Gottes vollenden, welches mit seiner ersten, demütigen Ankunft seinen Anfang nahm. Dieses Königreich wird kein Ende haben.

 

Gott, der Heilige Geist

 

8. Der Heilige Geist: Ich glaube auch an den Heiligen Geist, die dritte Person der Heiligen Dreieinheit, welcher Herrschaft und Macht hat. Er belebt die ganze Schöpfung und geht nur vom Vater aus. Weil er aber gleichsubstanziell mit dem Vater und dem Sohn ist, wird er mit ihnen im gleichen Range mitangebetet und mitverehrt. Durch den Heiligen Geist angeleitet vorhersagten die Propheten des Alten Testaments die Ankunft des Messias und bereiteten den Weg der Errettung vor.

 

Die Heilige Kirche

 

9. Die orthodoxe Kirche: Ich glaube auch an die eine Kirche, denn einer ist ihr Haupt, Christus, einer der Heilige Geist, der sie belebt und einer der Glaube ihrer Glieder. Sie ist heilig, denn ihr Begründer ist heilig. Sie ist allumfassend (katholisch), denn sie hat die Fülle der Wahrheit in rechtgläubiger Art und Weise, sie dehnt sich in die ganze Welt aus und wünscht alle Nationen und Völker in ihrem Schoße zu vereinen. Sie ist apostolisch, denn sie bewahrt die Lehre der Apostel

vollständig und unverfälscht, angeleitet durch den Heiligen Geist und wird von Bischöfen gehütet, welche durch gültige Handauflegung kanonisch geweiht wurden, und somit Nachfolger der Heiligen Aposteln sind.

 

10. Die Taufe: Ich bekenne, dass ich getauft werden muss, im Namen der Heiligen Dreieinheit (Vater, Sohn und Heiliger Geist), um ein Glied am Leibe Christi, der Heiligen Kirche zu werden. Mit nur einer und nicht wiederholbaren Taufe, wird dem Täufling die Vergebung der Erbsünde und der persönlichen Sünden gewährt.

 

Das ewige Leben

 

11. Die Auferstehung: Ich glaube und erwarte die allgemeine Auferstehung aller Toten. Dann wird jeder auferstandener Körper mit seiner unsterblichen Seele vereint sein. Die Auferstehung wird zusammen mit der zweiten Wiederkunft Christi geschehen.

 

12. Das ewige Leben: Nach der Auferstehung und dem endgültigen, allgemeinen Gericht über die Welt, erwarte ich von Gott gewürdigt zu werden, mich am zukünftigen ewigen Leben zu erfreuen, zusammen mit den heiligen Engeln und den gerechten Menschen. Amen.

 

 

Quelle: Russische Orthodoxe Kirchengemeinde des heiligen Prophet Elias in Stuttgart

 

 

Das Mysterion der Allheiligen Dreieinheit Gottes

 

Gott ist Einer im Wesen und Dreifach in den Personen (griechisch: Hypostasen). Das Dogma der Dreieinheit (griechisch: Αγία Τριάδα, russisch: Святая Троица, lateinisch: Santa Trinitate oder deutsch auch Dreifaltigkeit) ist das zweite grundlegende Dogma des Christentums. Eine ganze Reihe der großen Dogmen der Kirche sind unmittelbar darauf begründet, beginnend vor allen anderen mit dem Dogma unserer Erlösung. Aufgrund seiner besonderen Wichtigkeit begründet die Lehre von der Allheiligen Dreieinheit den Inhalt aller Glaubensbekenntnisse, welche Verwendung fanden oder noch in der Orthodoxen Kirche finden, genauso wie den der persönlichen Bekenntnisse des Glaubens, die zu verschiedenen Gelegenheiten von den Hirten der Kirche niedergeschrieben worden sind. Weil das Dogma der Dreieinheit das wichtigste aller christlichen Dogmen ist, ist es zugleich das für den begrenzten menschlichen Verstand am schwersten fassbare. So wird auch verständlich, warum in der Geschichte der frühen Kirche kein Kampf derart intensiv ausgefochten wurde wie jener um die damit verbundenen oder zusammenhängenden Wahrheiten. Das Dogma der Heiligen Dreieinheit umfasst zwei fundamentale Wahrheiten:

 

A. Gott ist Einer im Wesen, aber Dreifach in den Personen. Anders gesagt: Gott ist Drei-Einig, Drei-Hypostatisch, Er ist der Dreifaltige Eine im Wesen.

 

B. Die Hypostasen haben personale oder hypostatische Eigenschaften: Gott ist ungezeugt; der Sohn aber ist vom Vater gezeugt und der Heilige Geist geht vom Vater aus.

 

Wir beten die All-Heilige Dreieinheit in einer einzigen und untrennbaren Verherrlichung an. Bei den Kirchenvätern und in den Gottesdiensten wird die Dreieinheit oft als die Einheit in der Dreiheit, als eine Dreihypostatische Einheit bezeichnet. In den meisten Fällen, in denen Gebete an die eine Person der Heiligen Dreieinheit gerichtet sind, enden diese mit einer Doxologie an alle drei Personen (z.B. in einem Gebet an den Herrn Jesus Christus: „Denn Dir sei alle Ehre, zusammen mit Deinem unerschaffenen Vater und dem Allheiligen Geist, in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.“).

 

In den Anrufungen der Allheiligen Dreieinheit wird diese von der Kirche im Singular, nicht in der Pluralform, angesprochen. Zum Beispiel: „Denn Dich (und nicht „Euch“) preisen alle himmlischen Mächte, und Dir (nicht „Euch“) senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.“ 

 

Im Wissen um die mystische Natur dieses Dogmas sieht die Kirche Christi darin eine große Offenbarung, welche den christlichen Glauben unvergleichlich über jedes Bekenntnis eines einfachen Monotheismus stellt, wie man solchen in den nichtchristlichen Religionen findet. Das Dogma der drei Personen weist auf die Fülle des mystischen inneren Lebens in Gott hin, denn Gott ist Liebe und die Liebe Gottes kann sich nicht nur auf die von Ihm erschaffene Welt erstrecken, sondern diese Liebe ist auch auf das innergöttliche Leben selbst gerichtet.

 

Das Dogma der drei Personen weist umso klarer auf die Nähe Gottes zur Welt: Gott über uns, Gott mit uns, Gott in uns und in aller Schöpfung. Über uns ist der Vater, die ewig-fließende Quelle, wie dies in den Gebeten der Kirche zum Ausdruck kommt, die Grundlage alles Seins, der Vater der Barmherzigkeit, Der uns liebt und für uns, Seine Schöpfung, sorgt – denn wir sind der Gnade nach Seine Kinder.

 

Mit uns ist der Sohn, von Ihm gezeugt, Der um der göttlichen Liebe willen Selbst als Mensch für die Menschen erschienen ist, so dass wir mit unseren eigenen Augen erkennen und wissen, dass Gott in innigster Nähe zu uns ist – zusammen mit uns Teilhaber von Fleisch und Blut (Hebr 2,14) – auf allervollkommenste Weise.

 

In uns und in aller Schöpfung ist – durch Seine Kraft und Gnade – der Heilige Geist, Der alle Dinge erfüllt. Er ist der Spender des Lebens, der Lebens-Schöpfer, der Tröster, der Hort und die Quelle aller Güter.

 

Die Drei Göttlichen Personen, deren Dasein ewig und vor-ewig ist, erschienen der Welt in der Ankunft und der Inkarnation des Sohnes Gottes; sie Selbst sind „eine Macht, ein Wesen, eine Gottheit“ (Stichera zu Pfingsten, Doxologie zu „Herr, ich rufe zu Dir“). Da Gott in Seinem eigentlichen Wesen höchst bewusst in Seinen Gedanken und Seiner Selbst-Erkenntnis ist, so haben auch jede dieser drei ewigen Manifestationen Seiner Selbst als des Einen Gottes ein eigenes Selbst-Bewusstsein, und daher ist jede von Ihnen eine Person. Und diese Personen sind nicht einfach nur Formen oder isolierte Erscheinungen oder Eigenschaften oder Aktivitäten; eher ist es so, dass sie in der eigentlichen Einheit des Wesens Gottes enthalten sind.

 

Wenn wir daher in der christlichen Lehre von der Dreieinheit Gottes sprechen, so reden wir vom mystischen, inneren, in der Tiefe der Gottheit verborgen Leben, das sich der Welt in der Zeit offenbart: im Neuen Testament, dadurch, dass der Sohn vom Vater in die Welt herabgesandt wurde, und durch die Handlungen des wunderwirkenden, lebensspendenden und mit rettender Kraft versehenen Trösters, des Heiligen Geistes.

 

Quelle: Michail Pomazanskij, Orthodoxe dogmatische Theologie, München 2000, S. 68ff. 

 

 

Die Allheilige Dreieinheit besucht in der Erscheinung von drei Engeln den Heiligen Sergei von Radoneš
Die Allheilige Dreieinheit besucht in der Erscheinung von drei Engeln den Heiligen Sergei von Radoneš

 

Der Orthodoxe Glaube

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Orthodoxe Kirche nennt sich selbst einfach die Kirche, genau so, wie in den Sprachen vieler orthodoxer Völker das Wort „Christen“ in dem Sinne gebraucht wird, dass es die Orthodoxen bezeichnet. 

 

Die Orthodoxe Kirche ist die organische Fortsetzung der Gemeinde (griechisch: εκκλησία (Ecclesia) = Versammlung, Kirche), die durch die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten in Jerusalem von Christus selbst verheißen und gegründet worden war. Durch die Lehre und das Wirken der Apostel und ihrer Nachfolger der Bischöfe verbreitete sie sich schon in der Antike über den ganzen damals bekannten Erdkreis (das römische Reich), aber auch schon über dessen Grenzen hinaus ins sassanidische (persische) Reich (Mesopotamien im heutigen Irak), Armenien, Georgien und bis an die Westküste Indiens (Kerala). An vielen Orten, die schon im Neuen Testament erwähnt werden, ist die Orthodoxe Kirche bis heute präsent und dort auch stets dieselbe geblieben. So ist die Orthodoxe Kirche bis heute im Grunde auch nicht eine Konfession unter vielen anderen, sondern die direkte, ununterbrochene Fortsetzung der Kirche Christi seit den Zeiten der Apostel.

 

Die Lehre Christi, die zuerst nur durch die Predigt der Apostel in den Gemeinden verkündet und durch diese tradiert wurde, wurde erst später zu einem Teil in den Evangelien und Apostelbriefen schriftlich fixiert. Zu einem anderen Teil jedoch, wurde sie in der mündlichen Überlieferung der Kirche aufbewahrt. Hierbei handelt es sich vor allem um Anweisungen der Apostel, wie der christliche Glaube authentisch ausgedrückt und gelebt wird und wie der christliche Gottesdienst, vor allem die Göttliche Liturgie, zu feiern ist. Diese in den Gemeinden weiterzugeben und die heiligen Schriften auszulegen ist bis heute eine wichtige Aufgabe der Bischöfe als den Nachfolgern der Apostel (vgl.: Brief des heiligen Apostel Paulus an Titus & die Briefe des heiligen Ignatius von Antiochien und des heiligen Clemens von Rom). Beide Überlieferungswege, die Evangelien und Apostelbriefe und die mündlichen Überlieferungen der Apostel bilden eine untrennbare Einheit, die heilige Tradition. Sie wird seit der Zeit der Apostel im kirchlichen Bewusstsein treu bewahrt. 

 

Seit der Zeit der Apostel, als das Evangelium zu den verschiedenen Völkern mit ihrer unterschiedlichen Mentalität kam, wurde die heilige Tradition von allen Orthodoxen treu bewahrt, jedoch gab es seit den allerersten Anfängen der Kirche unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, wie uns die Apostelbriefe und die Apostelgeschichte deutlich zeigen. Diese Akzentsetzungen im kirchlichen Leben haben sich bei den einzelnen orthodoxen Völkern über eine lange Periode hinweg entwickelt. So gewann das kirchliche Leben, bei der Übereinstimmung in allem, was für den Glauben und das Heil notwendig ist, immer reichere Ausdruckformen. So gibt es zwar diese unterschiedlichen Ausdrucksformen und Akzentsetzungen in der Frömmigkeit der einzelnen orthodoxen Völker, die aber den gemeinsamen kirchlichen Geist der Orthodoxie nicht verletzen.

 

So wie in Christus beides vereint ist, die göttliche und die menschliche Natur, so vereint auch die Kirche beides. Ihre menschliche Seite ist deshalb auch anfällig für Irrtümer, Schwächen und Fehler. Jedoch findet sie Zuversicht und Trost in der Verheißung Christi: „Ich will meine Kirche bauen, und die Pforten des Totenreiches werden sie nicht überwinden“ (Matthäus 16,18). Das bedeutet, dass die Stürme der Zeiten, auch wenn sie die menschliche Substanz der Kirche verwüsten mögen, doch nicht die Kirche selbst zerstören können. Die Kirche wird bestehen, bis die nächste Periode der Herrschaft Gottes über die Welt anbrechen wird durch die Wiederkunft Christi (griechisch παρουσία (parousia). Bis dahin wird die Kirche, die zu Pfingsten gegründet wurde, Bestand haben als Beschützerin der Wahrheit, indem sie die für sie charakteristischen Formen des apostolischen Priestertums, die heiligen Eucharistie und die anderen Sakramente sowie die gemeinsame Erfahrung der Kirche, ihre Überlieferung, treu bewahren wird.

 

Alle Orthodoxen Kirchen in den verschiedenen Teilen der Welt, die Orthodoxen Landeskirchen zusammen, bilden die Eine Heilige Orthodoxe Kirche. Deshalb sprechen wir in Bekenntnis des Orthodoxen Glaubens von der „Einen, Heiligen, Katholischen (das griechische Wort καθολικός (katholikós) bezeichnet die Kirche als allumfassend, über den gesamten Erdkreis ausgebreitet aber auch als allgemeine, das heißt rechtgläubige) und apostolische Kirche.

 

 

Die Orthodoxe Kirche ist also die Eine Kirche Christi. Diese Überzeugung der Orthodoxen gründet auf der treuen Bewahrung des urchristlichen Erbes in Glauben und Leben über alle Jahrhunderte hinweg. Dies kennzeichnet die Heilige Tradition, die allerdings nicht einfach als historisches, statistisches Element verstanden werden darf, sondern als ein dynamischer Faktor im geistlichen Leben der Kirche, also als die bewegende Gegenwart des Heiligen Geistes in ihr. Orthodoxie meint daher nicht einfach eine richtige theoretische oder philosophische Lehre, sondern den rechten Lobpreis Gottes, der sich im wahren Glauben, also im rechtgläubigen Gottesdienst und im sich durch die Teilnahme an ihm immer mehr vertiefenden geistlichen Leben des einzelnen Orthodoxen Christen ausdrückt. Orthodox zu sein bedeutet also eine besondere (die recht verstandene) Art christlich zu leben und eben nicht eine besondere Lebensphilosophie oder eine Möglichkeit, nationale Befindlichkeiten religiös auszudrücken oder zu überhöhen (diese Häresie nennt man Phyletismus oder Ethnophyletismus (von griechisch ἔθνος (éthnos) = Volk und φυλή (phylē) = Stamm). Er bezeichnet eine Irrlehre, die sich seit der Zeit des Nationalismus im 19. Jahrhundert unter den Orthodoxen verbreitete. Dabei werden die Prinzipien des Nationalismus auf die Kirche übertragen und der Orthodoxe Glaube wird dann vor allem als Ausdrucksmittel oder Träger nationaler Identität verstanden. Obwohl eine Synode in Konstantinopel 1872 den Phyletismus als Häresie verurteilt hat, setzten sich phyletistische Tendenzen bis heute fort. Sie führten dazu, dass der katholische (allumfassende) Charakter der Kirche verdunkelt oder geleugnet wird und die Orthodoxie zum religiösen Teil der Volkskultur oder zum Bestandteil der Folklore herabgewürdigt wird. 

 

Die orthodoxe Kirche versteht sich primär nicht als belehrende, sondern als betende, Gott verehrende Gemeinschaft. Sie will nicht soziologische Gruppe sein, kein Verein von Gläubigen, keine Institution, sondern eine um Christus versammelte und an Ihm teilhabende, sakramentale Gemeinschaft, in welcher der dreieinige Gott mit seiner erlösenden Menschenliebe gegenwärtig ist. Deshalb ist nach dem Orthodoxen Kirchenverständnis jede, sich um ihren Bischof als dem Repräsentanten Christi versammelnde Ortskirche in diesem Sinne die Orthodoxe Kirche Selbst. Ihre Mitte ist die heilige Eucharistie, die in der Feier der Göttlichen Liturgie gegenwärtig wird und an der wir durch die Teilnahme an der Kommunion teilhaben.

 

So ist der Bischof der Pfeiler der Kirche. Er ist Hirte seiner Diözese, ihr Lehrer, der die Lehre des Evangeliums Christi in Übereinstimmung mit der Gesamtheit der anderen Orthodoxen Ortskirchen verkündet und mit allen anderen, ihm an apostolischer Würde gleichrangigen Bischöfen in eucharistischer Gemeinschaft steht. Diese eucharistische Gemeinschaft der Bischöfe untereinander ist das Fundament der Einheit der Orthodoxen Kirche.

 

Die Struktur, Aufgliederung, und Verwaltung der Einen Orthodoxen Kirche kann man mit einem dezentralisierten System vergleichen. Die Eine Heilige Orthodoxe Kirche besteht aus einer Reihe selbständiger (sogenannter autokephaler) Ortskirchen (und nach dem Verständnis der orthodoxen Kirchenlehre eben nicht Nationalkirchen), die untereinander alle durch das gemeinsame Glaubensbekenntnis und die (weitestgehend) gleichen Gottesdienstformen in vielen unterschiedlichen liturgischen Sprachen verbunden sind. Prägend ist ihnen das Bewusstsein, zusammen die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche zu bilden, von der im Bekenntnis des Glaubens die Rede ist. Auch das Synodikon des Siebten Ökumenischen Konzils beschreibt dieses Glaubensbewusstsein mit den Worten: „Wie die Propheten sahen, wie die Apostel lehrten, wie die Kirche übernahm, wie die Lehrer bestimmten, wie die ganze Christenheit übereinstimmend glaubt, wie die Gnade leuchtet, wie die Wahrheit bewiesen wird, wie die Lüge abgestoßen wird, wie die Weisheit bekundete, wie Christus bestätigte, so glauben wir, so reden wir, so bekennen wir Christus unseren wahren Gott, und Seine Heiligen lobpreisen wir in Schriften, Gedanken, Opfern, Kirchen und Ikonen. Christus unseren Gott und Gebieter beten wir mit Ehrfurcht an, und Seinen Heiligen erweisen wir wegen des gemeinsamen Gebieters, die ihnen als Seine wahren Diener gebührende Verehrung.

 

Dies ist der Glaube der Apostel, dies ist der Glaube der Väter, dies ist der Glaube der Orthodoxen, dieser Glaube hat die Christenheit gefestigt. Die Prediger der Frömmigkeit verehren wir, brüderlich und liebevoll. Zur Ehre und zum Lob der Frömmigkeit um die sie kämpften preisen wir sie und sprechen: Den Vorkämpfern der Orthodoxie, den frommen Königen, den heiligen Patriarchen, Bischöfen, Kirchenlehrern, Märtyrern und Bekennern ewiges Gedenken. 

 

Lasset uns von den Heiligen erflehen, dass sie uns durch ihr Ringen um Frömmigkeit und ihre Lehren erbauen und in Gott festigen, damit wir treue Nachahmer ihrer Lebensführung werden, und dass die Gnade und das Erbarmen des Größten und Ersten Hohenpriesters, Christus, unseres wahren Gottes uns überschütte, auf die Fürbitten unserer hochgelobten und ruhmreichen Herrin, der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und der gottähnlichen Engel und aller Heiligen. Amen. 

 

„Ich glaube an die Eine, Heilige, Katholische  und Apostolische Kirche“ - Über die vier Erkennungsmerkmale der Kirche Christi

 

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

„Ich glaube...“

 

Ehe ich zu glauben begonnen habe, hat GOTT an mich geglaubt, sonst hätte ER sich nicht am Kreuz im Sohne geopfert, um mich vor Sünde und Verdammnis zu erretten. Gäbe es keine Hoffnung für mich, wäre Sein Kreuzestod sinnlos gewesen. Er hat Seinen Glauben an mich mit Werken bewiesen. Auch ich soll meinen Glauben an IHN mit guten Werken bekräftigen. Ohne Werke ist mein Glaube tot (Jakobus 2: 14-20) , sagt uns unmissverständlich der heilige Apostel Jakobus. Ohne gute Werke ist mein "Glaube" wie eine diabolischen Ideologie, denn auch die Dämonen glauben an Gott, jedoch ohne die guten Werke zu tun, sagt uns der heilige Apostel. Also ist ein Glaube an Christus, der nicht die Frucht der guten Werke hervorbringt tot. Die guten Werke sind unsere notwendige gläubige Antwort auf das gnadenhafte Errettungshandeln Gottes. Gott bietet uns in Seiner grenzenlosen Liebe zu uns Menschen die Erlösung allein aus Seiner unermesslichen Gnade Gnade an. Doch wirkt die Erlösung Gottes nicht magisch an uns. Zu unserer Errettung, zur Vergöttlichung, sind unsere guten Werke der Frömmigkeit, des Gebetes und der Nächstenliebe notwendig, damit unsere Seelen gereinigt und wir mit der ungeschaffenen Gnade Gottes vereinigt werden. Unsere guten Werke sind deshalb der Schlüssel zur Erlangung des Heiles.

 

„...an die Eine...Kirche...“:

 

Die Heilige, Orthodoxe Kirche ist die Eine Kirche Jesu Christi, die ER, der Eingeborene Sohn Gottes, mit Seinem Blut erkauft hat (Apokalypse 5:  9).

 

Sie hat durch die apostolische Nachfolge ihrer Bischöfe (Sukzession) (Matthäus 28: 19, Johannes 17: 18-21; 1. Korinther 3: 10-11; Epheser 2:  20; Apokalypse 21: 14) das von unserem HERRN, ERLÖSER und GOTT JESUS CHRISTUS Selbst verkündete Evangelium durch den Lauf der Zeiten treu und rechtgläubig bewahrt, da Sie die von heiligen Apostel treu überlieferte und durch die Heiligen Väter der Orthodoxen Kirche unverfälscht (=rechtgläubig) bekannte Fülle des Heiligen Evangeliums Christi festgehalten hat (Johannes 14: 26; Apostelgeschichte 2: 42; 1. Timotheus 4: 6; 4, 16; 2. Timotheus 2: 2; 3: 10; 2. Johannes 9).

 

Als orthodoxe Christen glauben wir nicht an ein Buch, sondern an unseren Herr und Erlöser und Gott Jesus Christus, den LOGOS, Der das INKARNIERTE WORT GOTTES ist. Diesem Lebendigen Wort Gottes begegnen wir in Seiner Heiligen Kirche. Das lebendige Wort Gottes, Sein gnadenhaftes Heilshandeln an uns, erfahren wir durch die heiligen Mysterien (Sakramenten) der Orthodoxen Kirche. Wir vernehmen es in der gesamten Heiligen Tradition der Orthodoxen Kirche. Die Heiligen Schriften, die Gebete und Gottesdienste der Kirche und die vom Heiligen Geist geleiteten Auslegungen der Heiligen Väter; alle sind sie gemeinsam die unteilbare Heilige Orthodoxe Tradition. Diese bezeugt uns in ihrer Fülle, geleitet durch das Gnadenwirkungen des Heiligen Geistes, das FLEISCHGEWORDENE WORT GOTTES, JESUS CHRISTUS. Schließlich vermögen wir das Wort Gottes vermittels der Heiligen Ikonen auch mit unseren leiblichen Augen zu schauen und mit unseren geistlichen Augen, den Augen des Glauben erfüllten Geistes (Nous) zu erkennen. Auch der Gesang der Orthodoxen Kirche, das Kerzenlicht und der Weihrauch mit allen feierlichen Vollzügen der orthodoxen Liturgie bezeugen unseren geistlichen und leiblichen Sinnen die Wahre Gegenwart des Fleischgewordenen Wortes Gottes in Seiner Heiligen Kirche.

 

Seit dem Tage des Pfingstwunders in Jerusalem wirkt der Heilige Geist in der Orthodoxen Kirche und leitet sie in alle Wahrheit (Johannes 15: 26; 16: 13; Apostelgeschichte 2).

 

Jesus Christus ist das Haupt der Einen, Heiligen Kirche (Epheser 4: 15; 5, 23; Kolosser 1: 18; 2: 10). Die Heilige Orthodoxe Kirche ist Sein fortdauernder Leib auf Erden, der unteilbar ist (1. Korinther 12 ff; Epheser 1: 22-23; 4: 3-4; Kolosser 2: 18-19) .

 

"...an die...heilige... Kirche...“

 

Gott allein ist heilig (Sprüche 9: 10; Apokalypse 15: 4).

 

Die Heilige Orthodoxe Kirche, Christi im Mysterium (Sakrament) auf Erden fortdauender Leib, wird durch IHN geheiligt, gereinigt, genährt, geheilt und bekleidet (2. Mose 31: 13; 3. Mose 20:  8; Apostelgeschichte 26: 18; Hebräer 2: 11).

 

„Seid geheiligt, denn ICH bin heilig!“ (vgl. 3. Mose 19: 2), spricht unser HERR.

 

Da Gott heilig ist, sollen auch wir, Seine Kinder und Hausgenossen, heilig sein, durch Gottes ungeschaffene Gnade.

 

Christus Selbst ist die Quelle unserer Heiligung und der Tugenden, aus der wir, Seine Schafe, trinken (Johannes 4: 10; Apokalypse 7: 17).

 

„...an die... Katholische... Kirche...“

 

Das Wort „katholisch“ kommt aus dem Griechischen (καθολικός "katholikós") und bedeutet so viel wie „allumfassend“, „das Ganze betreffend“, allumfassend“, „sich überallhin erstreckend“.

 

Wenn wir also sagen, dass unsere Kirche orthodox und katholisch ist, meinen wir, dass unsere Kirche rechtgläubig ist und sich nach überall hin erstreckt.

 

Die Bedeutung von „die Katholische Kirche“ war also ursprünglich „die allgemeine, die allumfassende Kirche“, die von Christus gegründete, heilige Mutter Kirche: Sie ist „katholisch“ also „allgemein“, wegen der „Allgemeingültigkeit der von ihr verkündeten Lehre Christi“, die in ihr verkündet und bewahrt wird (Heiliger Cyrill von Jerusalem) und wegen ihrer Verbundenheit mit Christus, „denn da, wo Jesus Christus ist, ist auch die Katholische Kirche“ (Heiliger Ignatius der Gottesträger von Antiochien).

 

Diese ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Katholischen Kirche" war, daß die Orthodoxe Katholische Kirche auf den gesamten Erdkreis allgemein verbreitet ist und daß ihre Bischöfe in der Koinonia (das griechische Wort κοινωνία bedeutet Gemeinschaft oder Teilhabe) mit allen rechtgläubigen Bischöfe stehen. Deshalb bedeutet der kirchenslawische Ausdruck im Glaubensbekenntnis (Соборную "Sobornuju") ebenfalls gemeinschaftlich oder konziliar. Erst später wurde der Begriff "katholisch" zur Konfessionsbezeichnung der römischen Kirche. Im orthodoxen Glaubensverständnis der orthodoxen Christen, die bis heute nicht konfessionalistisch, sondern von der Gemeinschaft der einen Heiligen, Apostolischen Kirche Christi her denken,  ist die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Katholisch" bis heute erhalten geblieben.

 

Infolge der Abspaltung des römischen Patriarchates von der Orthodoxen Kirche  bekam der Begriff "katholisch" mit der aufkommenden mittelalterlichen abendländischen Scholastik und dann endgültig mit der protestantischen Reformation im 16. Jahrhundert einen neuen konfessionell verengten Bedeutungsinhalt. Nun assoziieren viele Menschen das Wort „katholisch“ automatisch mit dem römisch-katholischen Glaubensbekenntnis und der Kirche der Päpste. Dies ist aber nicht die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes, das wir als Orthodoxe Christen im Glaubensbekenntnis bekennen. Wenn wir Orthodoxe Christen von der Katholischen Kirche reden und diese im Glaubensbekenntnis bekennen, meinen wir die Heilige Kirche als Versammlung aller erretteten Heiligen und Gerechten, angefangen von Abel, Henoch, Jakob, Elias und den anderen Heiligen des alten Bundes, bis hin zu den letzten Bekennern und Blutzeugen Christi, die kurz vor dem Weltende Christus bekennen werden. Die Katholische Kirche des Orthodoxen Glaubensbekenntnisses meint die Orthodoxe Kirche als eucharistische Versammlung all der Gläubigen, die Gott wohlgefällig sind und die Christus deshalb bei sich angenommen hat.

 

Die heutige römisch-katholische Kirche aber auch die evangelischen Glaubensgemeinschaften sind christliche Glaubensgruppierung, die nach ihrer Abspaltung von der Orthodoxen Kirche Sonderlehren eingeführt haben. Deshalb gibt es zwischen der Orthodoxen Kirche und ihnen keine eucharistische Gemeinschaft und die römisch-katholischen Bischöfe und der Papst stehen nicht mehr mit uns in Kirchengemeinschaft. Dennoch ist der Dialog mit unseren katholischen und evangelischen Mitchristen notwendig und und das Gebet für diese Christen wichtig, denn Christus will keine Spaltung unter den Christen und verabscheut jeden Fanatismus (Johannes 16: 2; 17. 11 17: 21-23; Apostelgeschichte 9: 4; 1. Korinther 11: 18).

 

Das Wesen der Kirche Christi ist ein Mysterion (sakramentales Geheimnis). Wir bekennen, das es nur EINE, von Christus Selbst gestiftete, HEILIGE ORTHODOXE KIRCHE gibt, die durch das Wirken des Heiligen Geistes im Rechten Glauben treu bewahrt bleibt. In ihr beschreiten die Orthodoxen Gläubigen durch den Empfang der Heiligen Mysterien, durch das Hören auf die verkündigte Fülle des Heiligen Evangeliums und durch ein kirchlich orientiertes Leben den Weg der Rechtgläubigkeit. Ein Weg der uns zu einer immer inniger werdenden Verbindung mit unserem HERRN JESUS CHRISTUS führt (Theosis).

Nun stellt sich die Frage: Wenn es nur Eine Heilige Orthodoxe Kirche Christi gibt, wie ist es dann um das Heil unserer Mitchristen bestellt, die nicht zur dieser Orthodoxen Kirche gehören?

Die Orthodoxe Kirche antwortet darauf wiederum mit dem Hinweis auf das Mysterion (Glaubensgeheimnis) der Heiligen Kirche. Wir wissen zwar, dass allein die Orthodoxe Kirche die Arche des Heiles ist, das heißt, wir wissen dass dort der beste Platz, sich als gläubiger Christ um die Erlangung des Heiles zu bemühen. Dort begegnen wir der pneumatischen Fülle des durch Christus und in Christus gestifteten und verkündeten Heiles. Insofern gilt der Satz des altlateinischen afrikanischen Theologen Tertullian, dass es außerhalb der Kirche kein Heil geben kann.

Zugleich aber ist das Mysterion der Heiligen Kirche überall dort gegenwärtig, wo der Heilige Geist mit Seinen ungeschaffenen Gnadengaben wirkt. Und dieser wirkt auch - zwar verhüllt, doch nicht minder geheimnisvoll gegenwärtig - an vielen der Christgläubigen, die außerhalb der sichtbaren Glaubensgemeinschaft mit und in der Orthodoxen Kirche stehen. Überall wo Menschen aus tiefstem Herzen an Jesus Christus glauben, wo sie Sein Heiliges Evangelium mit gläubigem Herzen hören und Seinem Göttlichen Willen in einem Leben der Nachfolge ernsthaft zu erfüllen suchen, ist das Mysterion (Sakramentale Glaubensgeheimnis) der Heiligen Kirche durch das Wirken der ungeschaffenen Gnadengaben des Heiligen Geistes gegenwärtig.

Aber es gibt unter den westlichen Christen heute einen weit verbreiteten Irrtum über das Wesen der Heiligen Kirche. Im Gefolge der protestantisch-reformatorischen Ecclesiologie glauben viele, es gebe so etwas wie eine Art "unsichtbare Kirche", eine Art "Baum der Christentümer", aus dem die verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften gleich gleichberechtigten Zweigen im Laufe der Kirchengeschichte heraus gewachsen seien.

Aber entsprechend der Orthodoxen Ecclesiologie gewinnen die von der Heiligen Orthodoxen Kirche getrennten Christen vielmehr in dem Maße Anteil an den ungeschaffenen Gnadengaben des in der Kirche gegenwärtigen Heiligen Geistes, in dem ihr jeweiliger Glaube mit dem der Heiligen Orthodoxen Kirche übereinstimmt oder sich diesem zumindest annähert. Deshalb wissen wir als Orthodoxe Christen zwar wo das Evangelium Christi in Seiner umfassenden Fülle ist, versuchen aber nicht zu sagen, wo das Heil Gottes nicht ist. Zwar weiß die Heilige Orthodoxe Kirche um die Schaar der Heiligen Gottes und dass sie zu den von Gott Geliebten Erlösten gehören, aber sie maßt sich kein Urteil über die Größe der Barmherzigkeit und Menschenliebe Gottes an. Deshalb behauptet sie auch nicht zu wissen, wer nicht zu den Erlösten gehören kann. Für uns alle gilt im Übrigen die Warnung unseres HERRN JESUS CHRISTUS in Seinem Heiligen Evangelium, als ER zu uns über das Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer sprach. Auch der Heilige Apostel Paulus sagt uns unmissverständlich: Und hätte ich allen Glauben, aber mir würde die (Nächsten-)Liebe fehlen, so wäre das Nichts (vgl.: 1. Korinther 13: 1–13).

Die Synaxis der Orthodoxen Kirchen hat auf dem Großen Konzil, das im Jahre 2016 auf Kreta stattgefundenen hat, das, durch die, seit dem 20. Jahrhundert stattfindenden ökumenischen Gespräche und Begegnungen mit den Christen des Westens, inzwischen gewachsene bessere Verständnis und Vertrauen untereinander in einem besonderen Dokument gewürdigt. Dies wird sicherlich in den kommenden Jahren zu einem erneuten, vertieften Nachdenken über das Mysterion der Heiligen Kirche führen.

Die gelungene Wiedervereinigung zwischen der Russischen Auslandskirche und dem Moskauer Patriarchat hat uns allen sicherlich noch einmal deutlich aufgezeigt, dass für die Überwindung eines Schismas in der Kirche zwei Komponenten wichtig sind: In erster Linie und für ein letztendliches Gelingen ist es wichtig, sich stets vor Augen zu halten, dass die Einheit in der Kirche nicht von uns Menschen "gemacht" werden kann. Kein noch so kluges theologisches Papier kann sie produzieren. Und es kann hier auch kein kirchenpolitisches "ökumenistisches" Taktieren, dass die Fülle unseres Heiligen Orthodoxen Glaubens verletzt, geben. Denn letztendlich wird die menschliche kirchenpolitische "Klugheit" uns nicht zum Ziel führen, da das Orthodoxe Glaubensbewusstsein, das in der Synaxis des gesamten Orthodoxen Volkes Gottes ruht, es dann als heterodox zurückweisen wird. Die Wiedererlangung der Einheit mit dem westlichen Teil der Christenheit (evangelische und katholischen Christenheit) und mit dem östlichen Teil der Christenheit (Alt- Orientalische Christenheit) ist und bleibt ein Geschenk des Heiligen Geistes. Sie entspringt Seinen, in der Heiligen Kirche wirkenden, ungeschaffenen Gnadengaben. Gleichzeitig aber, wie im gesamten geistlichen und kirchlichen Leben, setzt es unsere Synergeia, unser Zusammenwirken mit Gottes Willen voraus, der die Trennungen vom Leib Christi, Seiner Heiligen Kirche, nicht will. Insofern ist auch unser aller guter Wille zur Einheit und unser Gebet für die Wiedererlangung der Einheit unverzichtbar. So beten wir in der Anaphora der Liturgie des Heiligen Basilius: "...mache den Spaltungen in der Kirche ein baldiges Ende..."

 

 

„... an die... apostolische... Kirche...“:

 

Das Wort „Apostel“ kommt aus dem Griechischen (ἀπόστολος "apóstolos") und bedeutet „Gesandter“ oder „Sendbote“. Die Heiligen 12 Apostel wurden von Christus auserwählt und mit Seiner Gnade beschenkt und von Ihm ausgesandt, das Heilige Evangelium allen Völkern zu predigen, damit die Menschheit vor Sünden, Leidenschaften und der ewigen Verdammnis errettet werde (Matthäus 10; 28: 19-20; Lukas, 16: 13; Apostelgeschichte 9: 15; Galater 4: 4-5).

 

Noch zu Lebzeiten legten die Heiligen Apostel in den von Ihnen neu gegründeten Kirchen erprobten christlichen Männern die Hände auf und Weihte sie zu Bischöfen. Sie waren zu Lebzeiten der Apostel deren Stellvertreter in den jeweiligen ihre Leitung und Aufsicht unterstellten Gemeinden. Nach dem Tod der Apostel wurden die apostolische Aufgaben der Apostel auf ihre Nachfolger, die von den heiligen Aposteln geweihten Bischöfen, übertragen.

 

Diese Bischöfe übertrugen die Fülle der pneumatischen Gnadengaben und diesen apostolischen Auftrag wiederum auf ihre Nachfolger. Diese Abfolge der kanonisch geweihten Bischöfe nennen wir in der Orthodoxen, aber auch in der katholischen Kirche und den alt-orientalischen Kirchen die apostolische Nachfolge (Sukzession). Sie stellt, gegenüber den Glaubensgemeinschaften der aus der protestantischen Reformation hervorgegangenen Glaubensgemeinschaften bis heute eine besondere Nähe dieser Kirchen zur Orthodoxen Kirche her.

 

Ein weiterer Aspekt der kirchlichen Apostolizität ist die apostolische Lehre. Die ersten Christen verblieben in der Gemeinschaft (der Gläubigen (Die Bedeutung des Griechenwortes κοινωνία = Gemeinschaft und des entsprechenden slawischen Wortes Собо́рность verweisen darauf, dass hier die aus der Feier der Göttlichen Liturgie erwachsende brüderliche Liebesgemeinschaft der Christen gemeint ist, die für den würdigen Empfang der Heiligen Kommunion Voraussetzung ist.)) im Brechen des Brotes (der Heiligen Eucharistie) und in der Lehre der Apostel (Apostelgeschichte 2: 42).

 

Was ist die Lehre der Heiligen Apostel? Es ist die Gesamte Fülle der Heiligen Orthodoxen Tradition, also die gesamten Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes und die apostolischen Anordnungen für das Gebet und den Gottesdienst und das geistige Leben und die Verwaltung der Heiligen Kirche. Aus den Anordnungen der Heiligen Apostel für das Gebet und den Gottesdienst entwickelte sich im Laufe der kommenden Jahrhunderte der heutige orthodoxe Gottesdienst und das orthodoxe Gebetbuch. Jedoch sind sie keine willkürlichen Neuschöpfungen sondern eine Entfaltung des uns durch die heiligen Apostel überlieferten Traditionsgutes. Vieles dabei geht wenn nicht auf die Anordnung Christi Selbst so doch auf Sein Vorbild und Beispiel zurück. So wüßten wir ihne das Zeugnis der Heiligen apostel nichts vom Gebet des Herrn, dem "Vater Unser". Das gleiche gilt für das Bezeichnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und die Gebete der Anaphora. Diese sind in allen apostolischen Liturgie-Gebeten enthalten.

 

Wenn wir das Bekenntnis des Orthodoxen Glaubens (Nicäno-Konstantinopolitanum) bei unseren Gebeten oder der Feier der Göttlichen Liturgie sprechen, bekennen wir uns mit diesen zusammenfassenden Worten zur Fülle des Evangeliums Christi, die uns in der Lehre der Heiligen Apostel durch den Beistand des Heiligen Geist mündlich und schriftlich überliefert wurde.

 

Diese apostolische Lehre nennen wir auch die Heilige Orthodoxe Tradition. Sie wurde durch die Erklärungen der Heiligen Orthodoxen Väter durch den Lauf der Jahrhunderte bis heute treu bewahrt und durch die Heiligen Sieben Ökumenischen Konzile und die lokalen Synoden unserer Orthodoxen Kirche immer mehr präzisierend ausgelegt und damit vor irrtümlichen Sonderlehren (Häresien) abgegrenzt. Die apostolische Nachfolge und Lehre bilden die Grundlage für das apostolische und Evangelistische Wirken der Kirche in der Welt.

 

„... Kirche.“

 

Das Wort Kirche bedeutet im Griechischen (ἐκκλησία  „Ekklesia“) „die Herausgerufene“. In der Antike meinte man damit eine Volksversammlung in der Stadt (Apostelgeschichte 19: 41). Wenn wir von der Kirche, der „Ekklesia“ sprechen, meinen wir die Gemeinschaft der Gläubigen, die durch den Geist Christi aus dieser Welt herausgerufen und die von Gott angenommen sind (Matthäus 16: 18; 1. Korinther 12: 28; Kolosser 1: 18).

 

Die Heilige Kirche ist aber nicht nur eine Versammlung (griechisch Σύναξις "Synaxis"; kirchenslawisch: Собор "Sobor") der Gläubigen, sondern ein gottmenschlicher Organismus, der von Gott geheiligt und ernährt und bewahrt wird.

 

Durch sie wird das Erlösungshandeln fortgesetzt, das uns Christus mit Seinem Opfertod und Seiner Auferstehung schenkte.

 

Der Heilige selige Augustinus spricht deshalb von der Kirche als einem „in die Ewigkeit verlängerte Christus“.