Jahreskreis des Heiles-                             Große Fastenzeit bis Pfingsten-Osterfestkreis

 

Die heilige Photine in Russand auch Svetlana genannt

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Im Johannesevangelium (Johannes 4: 5 ff.) wird uns berichtet, dass eine samaritanische Frau aus Sichem (Sebaste) nach ihrem Gespräch mit Christus viele Samaritaner aus der Stadt Sebaste zum christlichen Glauben führte. In den Predigten der heiligen Väter wird diese, im Evangelium nicht mit Namen genannte Frau, wie auch die heilige Tekla in Syrien, mit dem Beinamen "Apostelgleiche" geehrt.

 

Nach der kirchlichen Überlieferung hieß diese samaritanische Frau Photine (griechisch: Φωτεινή von giriechisch: φως = Licht, deshalb im russischen Swetlana (Светлана). Sie wurde am Pfingstfest in Jerusalem getauft, zusammen mit ihren Schwestern Anatolia, Foto, Photis, Paraskeva, Kyriakia sowie ihren Söhnen Photinos und Joseph. Sie unternahm danach mehrere Missionsreisen und verkündete dabei das heilige Evangelium. Nach der einen Überlieferung wurde sie dann nach dreijähriger Gefangenschaft in Karthago hingerichtet. Nach anderen Überlieferungen reiste sie mit ihren Schwestern und Söhnen sowie Sebastian und Christodoulos von Karthago nach Rom, wo sie furchtlos vor Kaiser Nero die Frohe Botschaft von Christus verkündete und so Domnina, die Tochter Neros, und 100 Angehörige des kaiserlichen Hofes zum christlichen Glauben bekehren konnte, bevor Nero sie alle hinrichten ließ. Das Haupt der heiligen Photine wird heute in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern  (Santa Paolo fuori le mura) in Rom aufbewahrt.

 

Der Seelen-Samstag als Auftakt des Pfingstfestes

 

Der Samstag, der auf den sechsten Sonntag nach Ostern folgt, ist die Vigil des Pfingstfestes. Dieser Samstag hat in der byzantinischen liturgischen Tradition einen doppelten Charakter. Einerseits trägt er den Namen „Samstag der Toten“. Er ist dem Gebet für die Verstorbenen gewidmet. Wir haben schon am Samstag, der auf den Sonntag des verlorenen Sohnes, an der Schwelle der Fastenzeit, folgt, besonders der Gläubigen gedacht, die diese irdische Welt verlassen haben. Am letzten Tag der Osterzeit beten wir erneut für sie, um sie mit der Auferstehung Christi, Ursache und Voraussetzung der Auferstehung allen Fleisches, zu verbinden. 

 

Die Gottesdienste dieses Tages sind identisch mit denen des „Samstags der Toten“ vor der Fastenzeit. Die Epistel (1. Thessalonicher 4:l3-16) der Liturgie ruft uns dazu auf, uns „wegen der Verstorbenen“ nicht zu grämen „wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist,dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit Ihm zur Herrlichkeit führen.“ Das Evangelium (Johannes 5:24-30) lässt uns diese Worte Jesu hören: „Amen, Amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben... Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.“ Hier ist auch an das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus zu denken, das samstags am Vorabend zu Palmsonntag gelesen wird. 

 

Quelle: Ein Mönch der Ostkirche, Das Jahr der Gnade des Herrn, Eine Einführung in das orthodoxe liturgische Jahr übersetzt von Ines Kallis, Theophano Verlag Münster, S. 314

 

 

Radonitza – der Seelensamstag vor dem Pfingstfest

 

Die Orthodoxe Kirche hat kein Dogma formuliert über die Art und Weise, wie die Seelen Verstorbener, die noch nicht zur göttlichen Schau und Freude gelangt sind, gereinigt werden, aber sie lädt uns ein für die Seelen zu beten. Sie zweifelt nicht daran, dass unsere Fürbitte ihnen helfen kann vom Licht zum stärkeren Licht zu gelangen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit der Kirche das Kathisma aus dem Morgengottesdienst des Tages beten:

 

„Gib Erquickung, unser Heiland, in der Gerechten Versammlung Deinen Knechten und lass sie sich lagern in Deinen Höfen, wie geschrieben steht, und vergib ihnen, Guter, ihre Sünden, die freiwilligen und unfreiwilligen und alle, die in Unkenntnis und Kenntnis geschehen, als einzig Menschenliebender“.

 

Das Gebet für die Toten darf uns nicht den anderen Aspekt dieses Samstags vergessen lassen. Die Schriftlesungen in der Göttlichen Liturgie dieses Samstags, die dem Fest eigen sind und nicht dem Gedenken der Toten, haben eine gewisse „Endgültigkeit“ in sich – sie markieren ein Ende, einen Abschluss. Denn statt einer Epistellesung lesen wir das letzte Kapitel der Apostelgeschichte: Nach seinem Schiffbruch vor Malta erreicht der heilige Apostel Paulus Rom, um vom Kaiser gerichtet zu werden. Während er darauf wartet, „verkündete er das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor.“

 

Dies sind die letzten Worte der Apostelgeschichte. Ähnlich wird dann das letzte Kapitel des Johannes-Evangeliums gelesen: Jesus, von den Toten auferstanden, steht am Ufer des Sees und sagt zu Petrus, der Ihn neugierig nach der Zukunft des Johannes fragt: „Was geht das dich an? Du aber folge mir nach!“

 

Diese letzten Worte sind die gleichen Worte, die Jesus damals am Ufer des gleichen Sees an Simon und Andreas gerichtet hatte: „Folge mir nach.“ Zwischen der ersten Aufforderung und dem endgültigen Befehl sind viele Monate vergangen, vieles war geschehen – und was für Ereignisse! Nun weiß Simon, was er am Anfang nicht wusste: Was in Jerusalem in den letzten Wochen geschehen war, hatte ihm die volle Konsequenz des "Folge mir" gezeigt. Für mehrere Heilige waren diese Worte die Anregung, die sie auf den „Weg“ führte ihrem Meister zu folgen. So lange wir leben ist noch Zeit, diese alles entscheidende und wichtige Entscheidung zu treffen und dem Wort zu gehorchen, das uns sagt, wie Simon Petrus, sich nicht darum zu kümmern was Andere tun, sondern uns ganz auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren: „Folge mir nach!“

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, Seite 203ff. Übersetzt aus dem Englischen von G. Wolf. 

 

 

Das orthodoxe Gedenken an die Entschlafenen

 

Für orthodoxen Gläubigen ist das Gedenken an die Verstorbenen wichtig, denn sie sind weiterhin Teil der Gemeinschaft der Kirche, die alle Lebenden und Toten, und auch die unsichtbaren Mächte, die heiligen Engel, umfasst. Die Toten sollen nicht vergessen werden, sondern ihr Andenken wird durch eine Reihe von Gottesdiensten für die Familien der Verstorbenen wie auch für die Gemeinde aufrecht erhalten. Die Seele des Menschen ist als ein Geschenk Gottes unsterblich und wird nach dem Tode durch Seine Gnade wieder mit Ihm vereint. Im Unterschied zu den Menschen, ‚die keine Hoffnung haben’ (1 Thessalonicher 4:13), nehmen gläubige Menschen am Grab nicht Abschied von jemandem, der ins Nichts fällt, sondern in ein anderes, neues Leben hinübergeht, das seine Vollendung am Ende der Zeiten finden wird. 

 

Denn die Leiber der Verstorbenen werden bei der Wiederkunft des Herrn auferstehen. Indem wir für die Toten beten, können wir hoffen, für sie Vergebung zu erlangen. Der heilige Apostel Johannes sagt uns in seinem Buch über die Offenbarung, dass auch umgekehrt die Toten für die Lebenden beten können (Offenbarung 5:8 und 8,3). Er vergleicht sogar die Gebete aller Heiligen vor dem Altar mit dem Weihrauch, der aus einem goldenen Weihrauchgefäß zu Gott aufsteigt. Der Tod zerbricht nicht die Einheit des Leibes Christi: Die Glieder der Kirche, die noch in dieser Welt kämpfen, und diejenigen, die schon ihre Krone in der anderen empfangen haben, sind Teil des gleichen Leibes Christi. Das ist, was wir die Gemeinschaft der Heiligen nennen.

 

 

 

Nach dem Tod eines orthodoxen Gläubigen kommt der Priester zu einem Totengebet ins Haus. Zur Beerdigung findet ein Gottesdienst in der Kirche statt und auf dem Friedhof ein Gebet am Grab. Es gibt zwei allgemeine Gedenktage im Jahr für die Toten, die sog. Gedächtnis- Samstage für die Entschlafenen, die im Russischen Radonitza ( Радоница, "Tag des Jubels" oder "Tag der Freude") genannt werden. Der erste ist der Samstag vor dem dritten Vor- Fastensonntag der Großen Fastenzeit, auch Sonntag des Gerichts oder des Fleischverzichtes genannt, der zweite ist der Samstag vor Pfingsten. Aber auch an allen anderen Samstagen (mit Ausnahme des Lazarus-Samstags) wird der heiligen Märtyrer und der Verstorbenen gedacht.

 

Für den einzelnen Verstorbenen kann ein Totengedenken am dritten, neunten und vierzigsten Tage nach ihrem Tode stattfinden und dann jeweils am Jahrtag seines Entschlafens. Der dritte Tag erinnert an die dreitägige Grabesruhe des Herrn, der neunte erinnert an die neun Chöre der Engel und der vierzigste an die Himmelfahrt Christi am vierzigsten Tag nach Seiner Auferstehung. Für diese Totengedenken, die der Einfachheit halber meist am Sonntag während der Göttlichen Liturgie stattfinden, bringen die Angehörigen eine Prosphore, ein Opferbrot, mit und legen einen sogenannten Gedenkzettel (griechisch Diptychon, russisch Pomjanik) bei. Auf diesem Zettel wird der Name des Verstorbenen, aber auch die Namen mehrerer Verstorbener, derer gedacht werden soll, aufgeschrieben. Beides wird dem Priester oder einem der Altardiener vor der Göttlichen Liturgie übergeben. Der Priester gedenkt dann der aufgeführten Verstorbenen während der Proskomidie, (Bereitung der Heiligen Gaben), nach dem Kleinen Einzug und während der Anaphora, (Darbringung der Heiligen Gaben).

 

Eine weitere Form des Totengedenkens ist die Parastasis/Panychida, welche in der Regel am Samstag gehalten wird. Das griechische Wort Parastasis drückt den Beistand aus, den die Anwesenden beim Gebet den Leidtragenden leisten. Für die Panychida wird eine spezielle Totenspeise, die im Wesentlichen aus gekochten Weizenkörnern besteht, das sog. Koliva, zubereitet und auf einem kleinen Tisch bereitgestellt. In die Koliva wird eine brennende Kerze gesteckt und auch alle Anwesenden halten brennende Kerzen in ihren Händen. Nach dem Ende der Panychida wird die Koliva an die Gläubigen verteilt und verzehrt. Die Bereitung des Koliva ist ein Brauch, der bis in die griechische Antike zurückgeht.

 

Die Gedächtnisgottesdienste für die Entschlafenen, wie auch die Werke der Barmherzigkeit als Totengedächtnis sind Ausdruck der Verbundenheit und der Fürsorge für die Menschen über ihren Tod hinaus. Sie dürfen nicht als genugtuende Leistungen der Lebenden für die Toten missverstanden werden, sondern als Beistand in einer fortdauernden Gemeinschaft, der in der an Gott gerichteten Bitte besteht, sich ihrer zu erbarmen. Die Liebe, die über den Tod hinaus lebt, bewahrt die Entschlafenen in lebendiger Erinnerung, genährt durch die Zuversicht, dass Gott sie in seinem Gedächtnis bewahrt. Deshalb singen wir alle Gemeinsam als letztes Gebet der Panychida das Вѣчнаѧ памѧть“, das „Ewiges Gedenken“. In diesem Bewusstsein schließt die eucharistische Versammlung des Priesters und der Gläubigen während der Feier der Göttlichen Liturgie sie auch nach der Wandlung besonders in ihre Fürbitten ein: „…Gedenke auch aller, die in der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben entschlafen sind. Schenk ihnen die Ruhe dort, wo das Licht Deines Angesichts leuchtet…“ Das Ziel unseres irdischen Lebens ist nach orthodoxem Verständnis das Eingehen der Seele in die Sphäre Gottes. Darum betet der Priester immer wieder während der Panychida für den oder die Verstorbenen, dass ihre Seelen Ruhe finden mögen „…am Orte des Lichtes, am Orte des Ergrünens, am Orte der Erquickung, wo entfliehen aller Schmerz, alle Trauer und Klage ...“ 

 

 

Zum andern muss aber hier angemerkt werden, dass der Sündenfall den Menschen an der Erlangung seines Lebenszieles, das ist seine gnadenhafte Vereinigung mit Gott, hindert. Doch gleichzeitig ist auch die Wende des menschlichen Geschickes durch Christi Tod und Auferstehung zu bedenken. Denn durch diese ist der Tod entmachtet worden. So singen wir auch im Ostertropar:

 

Christus ist erstanden von den Toten, hat zertreten im Tode den Tod, und denen in den Gräbern das Leben (in Gnaden) geschenkt!

 

Dies hat seine ontologischen Konsequenzen für die durch die heilige Taufe in den Leib Christi (die Kirche) Eingegliederten. Der leibliche Tod vermag sie von nun an nicht mehr voneinander zu scheiden. Zwar gibt es für die Lebenden, die mit ihren Sinnen nur die sichtbare Welt wahrnehmen können, noch immer ein Abschiednehmen beim Tode. Aber die zur ewigen Ruhe Eingegangenen sind von ihnen nur scheinbar geschieden. Dies erfahren wir orthodoxe Christen in der Gemeinschaft der heiligen Kirche, wo die Heiligen und mit ihnen alle in der Seligkeit Ruhenden, mit ihrer Fürbitte und ihrem himmlischen Gottesdienst den noch im irdischen Kampf stehenden Gliedern des Leibes Christi im Heiligen Geist verbunden sind.

 

Auf diesem Verständnishintergrund sind die Besonderheiten der orthodoxen Begräbnis- und Totengedenkriten zu sehen: Die Ruhe der Toten ist für orthodoxes Verständnis keine Selbstverständlichkeit, sondern ein göttliches Gnadengeschenk, das erbeten werden muss und das zu erbitten Sache der ganzen kirchlichen Gemeinschaft ist, nicht nur der unmittelbar betroffenen Angehörigen und Freunde. Daher ist die Bitte um Sündenvergebung ein wesentlicher Dienst der Kirche, den sie auch für ihre dahingeschiedenen Glieder übt. So spielen beim Begräbnis von Erwachsenen die Absolutionsgebete eine wesentliche Rolle. Im Totengedenken betet der Priester wiederholt das folgende Gebet:

 

O Gott der Seelen und allen Fleisches, der Du den Tod überwunden, dem Teufel die Macht genommen und Deiner Welt das Leben verliehen hast: Lass ruhen, o Herr, die Seelen Deiner entschlafenen Diener (hier werden ihre Namen genannt) am Orte des Lichtes, der Wonne und der Erquickung, von welchem fliehet aller Schmerz, alle Trübsal und alles Seufzen. Vergib ihnen als der gütige und menschenliebende Gott jede Versündigung, die sie in Wort, im Tun oder auch allein in Gedanken begangen haben. Es gibt keinen Menschen, der je gelebt und nicht auch gesündigt hätte. Du einzig bist frei von jeder Sünde, Deine Gerechtigkeit währet ewiglich und Dein Wort ist Wahrheit. Denn Du bist die Auferstehung und das Leben und die Ruhe Deiner entschlafenen Diener (hier werden ihre Namen erneut genannt), Christus, unser Gott, und Dir senden wir den Lobpreis empor samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen, gütigen und lebensschaffenden Geiste, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Hierauf antwortet der Chor für die anwesenden Gläubigen: Amen. Amen (hebräisch ןֵאָמ āmén, altgriechisch ἀµήν) ist eine Bekräftigungsformel und drückt die Zustimmung der Versammelten zum Gebet oder Segen des Priesters aus.

 

Die Orthodoxe Kirche kennt kein Fegefeuer, in dem die durch sie auferlegten zeitlichen Sündenstrafen (Epitimien) nach dem Tode abgebüßt werden müssten. Vielmehr vergibt die Kirche in der Person des Priesters im Begräbnisritus den Entschlafenen ihre bewusst und unbewusst begangenen Sünden und befreit sie von allen Auflagen und von jeglichem Fluch, der sie zu Recht oder Unrecht getroffen hat.

 

Von besonderer Eindrücklichkeit ist ferner, dass beim Begräbnis die Seligpreisungen mit den eingeschobenen Troparien für den Hingeschiedenen und die, die ihn begraben, gesungen werden. So heißt es in einem dieser Tropare beispielsweise:

 

Christus lasse dich ruhen im Lande der Lebenden, Er öffne dir die Pforten des Paradieses und mache dich zum Bürger Seines Reiches. Er schenke dir Vergebung dessen, was immer du im Leben gesündigt hast, der du Christus liebst.

 

Den Tag vor dem Sonntag des Jüngsten Gerichts (oder der Fleischentsagung) ist in besonderer Weise unserem liebenden und fürbittenden Gedächtnis aller seit Adam Entschlafenen gewidmet.

 

Darüber hinaus sind folgende Tage im Kirchenjahr dem besonderen Gedenken der Entschlafenen gewidmet:

 

  • Der zweite Samstag in der Grossen Fastenzeit
  • Der dritte Samstag in der Grossen Fastenzeit
  • Der vierte Samstag in der Grossen Fastenzeit
  • Der Radonitza genannte zweite Dienstag nach Ostern (Pas´cha)
  • Der Samstag vor Pfingsten. Nach der russischen Tradition lassen die Familien und Freunde der Entschlafenen  Panichidas an den Gräbern singen, die ihren Höhepunkt in der feierlichen Panyhida in der Pfarrkirche am Samstag vor Pfingsten findet.
  • Der Demetrius Samstag (der Samstag vor dem Fest des Heiligen Demetrius am 26. Oktober)

 

Wie oben schon gesagt, bezeichnet ihn die russische kirchliche Tradition diese Gedenktage als Radonitza. Die drei Seelen- Samstage in der Grossen Fastenzeit werden russisch „Samstage der Vorfahren“ (Родительская суббота) genannt. 

 

Mit der jährlichen Großen Fastenzeit und seiner Stellung unmittelbar vor dem Gedenken an das Jüngste Gericht erinnert er uns daran, dass die ganze Menschheit, nicht nur wir und alle Zukünftigen sondern auch die, die uns voraus gegangen sind, seit dem ersten Augenblick der Schöpfung, am Tag des Gerichtes Rechenschaft für unser Tun und Lassen ablegen werden müssen. Da wir wissen, dass wir in einer Welt erfüllt mit den Folgen menschlicher Sünde leben, ist der Seelen-Samstag dem Gebet für alle Mitglieder der großen „Familie“ der Menschen gewidmet, die im Herrn entschlafen sind und doch weiterhin ein wichtiger Teil unserer gemeinsamen Geschichte der Erlösung sind. Die folgenden Texte sind der Hymnograpie des Seelen-Samstags entnommen, wie sie im Triodion stehen.

 

Tropar im 8. Ton:

 

Der Du als Menschenliebender in der Weisheit Tiefe alles regierst und allen zuteilst, was ihnen frommt, Du einziger Schöpfer, gib, Herr, den Seelen Deiner Knechte Erquickung. Denn auf Dich, den Schöpfer und Bildner, Dich, unseren Gott, haben sie ihre Hoffnung gesetzt. 

 

 

Einsegnungsgesänge für die Verstorbenen im 5. Ton:

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Der Chor der Heiligen fand die Quelle des Lebens und die Tür des Paradieses, dass auch ich finde den Weg durch die Buße. Das verlorene Schaf bin ich; rufe mich zurück, Erlöser, und errette mich.

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Ihr habt verkündigt das Lamm Gottes, die ihr selbst wurdet wie Lämmer zur Schlachtbank geführt ihr seid als Heilige hinübergegangen in das nicht alternde, ewige Leben; bittet, ihr Märtyrer, das Lamm, Vergebung der Sünden uns zu schenken.

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Alle, die ihr den schmalen Weg der Trübsal gegangen und das Kreuz als Joch in eurem Leben auf euch genommen habt und Mir im Glauben nachgefolgt seid, kommet und erbet den Preis, die himmlischen Kronen, die euch bereitet sind.

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Das Bild Deiner unaussprechlichen Herrlichkeit bin ich, obgleich der Sünde Wunden ich trage; habe Erbarmen mit Deinem Geschöpfe, o Herr, und reinige es nach Deiner Gnade; schenke mir wieder die ersehnte Heimat, und mache mich zum Bewohner des Paradieses.

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Der Du mich einst aus dem Nichts erschaffen und durch Dein göttliches Abbild geehret hast, aber wegen des Übertretens des Gebotes wieder Staub werden läßest, aus dem ich genommen bin; führe mich wieder zur ersten Ähnlichkeit zurück, dass wieder hergestellt werde meine ursprüngliche Schönheit.

 

Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen!

 

Bringe zur Ruhe, o Gott, Deine Knechte und Mägde und führe sie ins Paradies, wo die Scharen Deiner Heiligen und Gerechten leuchten wie die Sterne. Bringe Deine entschlafenen Knechte und Mägde zur Ruhe und vergib ihnen all ihre Sünden. 

 

Triadikon:

 

Dreifach der Glanz, den die eine Gottheit hat, lasset ihn uns fromm besingen: Heilig bist Du, anfangloser Vater, Du gleich anfangloser Sohn, und Du, göttlicher Geist. Erleuchte uns, die wir fromm Dich beten an und dem ewigen Feuer entreiße uns.

 

Theotokion:

 

Hehre, freue Dich, die Gott im Fleische geboren zu unser aller Erlösung. Durch Dich hat der Menschen Geschlecht nun gefunden die Erlösung. Durch Dich finden wir zum Paradiese, Gottesgebärerin, Gepriesene, Allreine.

 

Doxastikon:

 

Beginn und Wirklichkeit gab mir Dein Schöpferwort. Denn da Du mich aus unsichtbarem und sichtbarem Wesen zusammenfügen wolltest, hast Du meinen Leib aus Erde geformt, gabst mir auch eine Seele durch Deinen göttlichen und lebenbringenden Hauch. Drum gib Erquickung, Retter, Deinen Knechten in der Lebenden Land und im Zelte der Gerechten.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan unter maßgeblicher Verwendung der folgenden Quellen: Kirchhoff: Die Ostkirche betet, Hymnen aus dem Tagzeiten der byzantinischen Kirche, Vorfastenzeit, erste bis dritte Fastenwoche. & Andreasbote Februar 2010 & Gottesdienste für verstorbene orthodoxe Christen. Siehe: http://www.andreas-bote.de/download/Bestattung_dt_gr.pdf

 

 

Der Herrentag der heiligen Pfingstfeier, die Sendung des Heiligen Geistes und die Feier des Dreieinigen Gottes

 

Pfingsten (Троицын день) ist das Geburtsfest der Kirche durch die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die erwählten Jünger. Zugleich ist Pfingsten die Vollendung des Auferstehungsglaubens und der österlichen Gotteserkenntnis durch die abschließende Offenbarung der Dreieinheit Gottes. Mit Pfingsten beginnt die Glaubensverkündigung der Apostel und die Feier des Mysteriums der Erlösung in den Versammlungen der Gläubigen. Erst dadurch wird das Wachsen in der Heiligung, die Theosis (Vergöttlichung), den durch Christi Opfertod und Auferstehung von Sünde und Tod Erlösten ermöglicht.

 

Mit Pfingsten beginnt daher im Kirchenjahr eine neue Phase, in der der datumsgebundene Festkreis des Mondjahres gleichsam die Führung übernimmt: die Heiligengedächtnisse prägen die folgende Sommerzeit und erinnern die Gläubigen an die Notwendigkeit der Theosis, zu der jeder Christ berufen ist und die die Sendung und Erneuerung des Heiligen Geistes zur Voraussetzung hat.

 

Daher wird nun am Abend des Pfingsttages zur Vesper – oder auch in manchen Gemeinden aus praktischen Gründen gleich im Anschluss an die vormittägliche Liturgiefeier – die Gabe des Heiligen Geistes in drei feierlichen „Kniebeugegebeten“ erfleht, bei denen die Gläubigen zum erstenmal seit Ostern wieder knien.

 

Von jetzt ab werden wieder große Metanien gemacht. Die Kirche selbst wird zur Erinnerung an die alttestamentlichen Feste (Ernte- und Laubhüttenfest) mit Blumen und grünen Zweigen geschmückt. Auch die Wohnungen der Gläubigen werden mit Grün und Blumen ausgestattet.

 

 

 

Die Pentekóste (Πεντεκοστί), das ist der griechische Ausdruck für Pfingsten, das Fünfzig-Tage-Fest, ist die griechische Bezeichnung für das jüdische „Wochenfest“. Es wurde sieben Wochen nach der Pas’cha-Feier im Frühsommer als freudiges Dankfest für die Getreideernte begangen. Im Herbst, Anfang Oktober, wurde dann das Laubhüttenfest als Dank für die Traubenernte gefeiert. Beim Wochenfest brachte man zwei Brote aus der neuen Weizenernte im Tempel dar. Nach der Zerstörung des Tempels erhielt das Fest einen neuen Inhalt; es wurde zu einem Dankfest für die Offenbarung und das Geschenk des Gesetzes am Sinai.

 

In der Zahl „fünfzig“ kommt für die mit der Symbolsprache vertrauten Christen der Frühzeit der Kirche die Fülle der Offenbarung und ihre Vollendung zum Ausdruck. Diese Zahl ist die Summe aus 7 x 7 + 1, und der Pfingstsonntag ist der 8. Ostersonntag. Die Zahl „acht“ ist das Ergebnis aus 7 + 1. Sie ist die Zahl der Vollendung. Gott hatte die Welt in sieben Tagen erschaffen. Deshalb ist die „sieben“ die Zahl der Fülle. Am 8. Tag aber, dem 1. Tag der neuen Woche, ist Christus von den Toten auferstanden; die Zahl „acht“ bedeutet also Neuschöpfung und Erfüllung. 

 

Die von Lukas in der Apostelgeschichte geschilderte Geistsendung ist die Erfüllung der Verheißung des Propheten Joel und der Geistzusage des Auferstandenen; zugleich ist sie das erste Erntefest der Kirche, die unter dem Wirken des Heiligen Geistes die Erstlingsfrüchte der Christusverkündigung heimführt. Der Kreis der Anwesenden bei dem Pfingstfest ist nicht näher bestimmt. Nach der Apostelgeschichte (Apg 1:15) waren anfangs hundertzwanzig Personen versammelt; jetzt sind es offensichtlich die zwölf Apostel, an denen sich das Wunder vollzieht. 

 

Das plötzliche und unfassbare Geheimnis der Geistsendung wird in Bildern des Sturmes, des Feuers und der Sprachengabe offenbar, in Zeichen, die schon im Alten Testament Gottesoffenbarungen begleitet haben. 

 

Eine göttliche Kraft, der Geist des verklärten Christus ist es, der die Jünger zu einer neuen Gemeinschaft zusammenführt und zur Missionsarbeit befähigt, so dass nach der Predigt des Petrus „an die dreitausend Seelen“ der Kirche eingegliedert wurden.

 

Erscheinung der allheiligen Dreieinigkeit vor dem Heiligen Alexander Svirsky
Erscheinung der allheiligen Dreieinigkeit vor dem Heiligen Alexander Svirsky

 

Im Sprachenwunder des Pfingstereignisses wurde die babylonische Sprachverwirrung aufgehoben. Alle Menschen, gleich welcher Nationalität und Sprache, verstehen die Botschaft Christi, die sich nicht mehr an das eine Volk der Juden richtet, sondern alle Völker im neuen Gottesvolk der Kirche eint. Hatten einst beim Turmbau zu Babel Geist und Hochmut der Menschen zu ihrer Entzweiung geführt, so dass sie sich nicht mehr verstanden, führt nun der Heilige Geist die unterschiedlichen Sprachen in dem gemeinsamen Bekenntnis zu Christus und zu dem dreieinigen Gott zusammen.

 

Als frühchristliche Überlieferung gibt die Völkerliste der Apostelgeschichte (Apg 2, 9-11), etwa um das Jahr 90 verfasst, zu erkennen, dass das Evangelium von Jerusalem aus bereits das Reich der Parther (Perser) im Osten und das Reich der Römer im Westen, Kappadokien im Norden und Ägypten im Süden erreicht hat.

 

Am Pfingstfest feiert die Kirche die Vollendung der Offenbarung, das Bekenntnis zum dreieinen Gott, wie es im Evangelium geoffenbart ist. Das Fest der Geistsendung ist für uns orthodoxe Christen daher das Fest des dreieinen Gottes, das die Kirchen des Abendlandes als Dreifaltigkeitsfest dann am Sonntag nach Pfingsten begehen. Am Sonntag nach Pfingsten feiert die orthodoxe Kirche das Fest Aller Heiligen, der himmlischen Früchte des Heiligen Geistes. Deshalb geht dem Pfingstfest auch der Seelensamstag voraus, an dem die Kirche der in Hoffnung auf die Vollendung entschlafenen Gläubigen gedenkt.

 

Pfingsten ist nicht ein einmaliges Ereignis in der frühen Kirchengeschichte gewesen, es ist das bleibende Hochfest des neuen Bundesvolkes, dem Christus verheißen hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18, 20). 

 

Quelle: Andreasbote

 

 

 

Troparion im 8. Ton

Gepriesen bist Du, Christus unser Gott, * der Du zu Allweisen die Fischer gemacht hast, * indem Du ihnen sandtest den Heiligen Geist, * und durch sie den Erdkreis eingefangen hast, * Menschenliebender, Ehre sei Dir.

 

Kondakion im  6. Ton

Als Er herabfuhr, * die Sprachen zu verwirren, * schied die Völker der Höchste; * als Er des Feuers Zungen verteilte, * berief Er alle zur Einheit: * Einstimmig verherrlichen wir den Heiligen Geist.

 

 

 

 

Hymnus auf das Heilige Pfingstfest

von Romanos dem Meloden

 

Kontakion 1

 

Einen schnellen und beständigen Trost gewähre uns, Deinen Dienern, Jesus, wenn unser Geist mutlos wird. Trenne Dich nicht von unseren Seelen in Drangsalen, entferne dich nicht von unseren Sinnen in Gefahren, sondern stehe uns immer bei. Sei uns nahe, nahe Dich, der Du überall bist. Wie Du mit Deinen Aposteln immer zusammen warst, so vereine Dich auch mit denen, die Dich ersehnen, Erbarmer, auf dass wir, mit Dir vereint, besingen und lobpreisen den ganz Heiligen Geist.

 

Kontakion 15

 

Als sie aber, die von überallher stammten, sie in allen Sprachen reden gewahrten, da gerieten sie außer sich und riefen: 

 

Was soll dies? Die Apostel sind doch Galiläer!

Wie wurden sie eben, wie wir ja sehen, allen Völkern zu Landsleuten?

Wann erblickte je Petrus, der Kephas, Ägypten?

Wann wohnte Andreas zwischen den Strömen?

Wann sahen des Zebedäus Söhne Pamphylien?

Wie sollen wir dies verstehen, was sagen?

Es geschieht ganz, wie Er will, der Heilige Geist.

 

Die Zungen der Jünger lasset uns besingen, Brüder,

da sie nicht mit eitlem Geschwätz,

sondern mit göttlicher Kraft alle einfingen,

da sie Sein Kreuz erhoben wie ein Schilfrohr,

da sie Worte wie Fischergarn gebrauchten und die Welt einfingen,

da sie das Wort als spitzen Angelhaken hielten,

da gleichsam Lockspeise für sie war des Allherrschers Fleisch,

welches nicht zu Tode jagt, sondern die zum Leben emporzieht,

die verehren und preisen den ganz Heiligen Geist! 

 

Ikone  Aller Heiligen, Russland 1890
Ikone Aller Heiligen, Russland 1890

 

Der Sonntag Aller Heiligen

 

Eine Predigt von Metropolit Anthony von Souroš

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

 

Die Mutter Gottes und die Heiligen, deren Gedächtnis wir heute feiern, die uns bekannt sind, weil Gott sie uns offenbart hat, und weil sie verstanden worden sind und anerkannt, entweder von ihren Zeitgenossen oder Jahre, manchmal sogar Jahrhunderte später, alle diese Heiligen sind die Antwort der Erde auf die Liebe Gottes.

 

Und diese Antwort wird von ihnen gegeben nicht nur in ihrem eigenen Namen, sondern im Namen der ganzen Schöpfung, und so auch in unserem Namen. Denn jeder von uns hat das Anrecht auf einen Namen, den Namen eines dieser Heiligen. Die Heiligen, deren Namen wir tragen, stehen vor Gott und bitten, dass ihr Name nicht unwürdig gemacht wird vor den Augen Gottes. Die Heiligen Gottes umarmen die ganze Schöpfung mit ihrer Liebe, mit ihren Fürbitten, in ihrem Gebet, mit ihrer wirklichen und dauernden Gegenwart.

 

Ist es nicht wunderbar, dass wir zu dieser riesigen Familie von Männern, Frauen und Kindern gehören, die verstanden haben, was der Herr meinte, als Er zu uns kam und unter uns lebte, uns lehrte und für uns starb? Sie dankten Ihm aus ganzen Herzen, sie verstanden Ihn mit ihrem ganzen Sinn, und sie nahmen Seine Botschaft an mit all ihrer Entschlossenheit in sich selbst, alles, was der Grund für die Kreuzigung war, zu überwinden.

 

Denn wenn auch nur einer auf Erden vom rechten Weg abgekommen, von Gott abgefallen wäre, würde Christus gekommen sein ihn auf Kosten Seines Lebens zu retten. Dies ist Sein eigenes Zeugnis zu einem Heiligen aus den ersten Jahrhunderten, der gebetet hatte, dass Sünder verdammt werden sollten. Christus erschien ihm und sagte: „Nie bete auf diese Weise. Wenn auch nur ein Sünder existiert hätte, Ich wäre für ihn gestorben.“ Die Heiligen sind Menschen, die Liebe mit Liebe erwidern, Menschen, denen bewusst ist, dass, wenn jemand für sie sterben kann, ihr einziger Dank ist, so zu werden, dass er nicht vergeblich gestorben wäre. Unser Kreuz auf uns nehmen heißt genau das: sich abwenden von all dem, was Christi Tod und Kreuzigung verursacht hat, von all dem, was Christus mit Hass und Verständnislosigkeit umgeben hat.

 

Wir alle könnten es tun, besser als die, welche in Seiner Zeit lebten, denn sie könnten sich in Ihm getäuscht haben. Aber in unserer Zeit, nach zweitausend Jahren, da wir die Evangelien lesen können, und aus der Schrift die Person Christi hervortreten sehen, da wir Millionen von Zeugen haben, die uns berichten, dass Er wirklich Sein Leben für uns hingab, ist die einzige Antwort, die wir geben können, unser Leben für einander in Seinem Namen hinzugeben – wie können wir da nicht antworten?

 

Deshalb sollten wir uns an diesem Tag neu entschließen: zu lauschen in der gleichen Weise wie sie gelauscht haben, mit ihrem ganzen Herzen, ihrem ganzen Sinn, mit ihrem ganzen Willen, ihrem ganzen Selbst, um zu sehen was geschieht, zu hören was Er sagte, mit Dankbarkeit und Entschlossenheit zu reagieren. Und dann, wenn wir Gott die Kleinigkeit opfern –unsere Dankbarkeit und unseren guten Willen – wird die Kraft, die Stärke um auch in das Format zu wachsen, das Gott gewollt und für uns erwählt hat – die von Gott sein, wie Er sagte: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2. Korinther 12:9).

 

Und der Apostel Paulus, der das wusste, fügte in einem anderen Brief hinzu: Alles vermag ich durch IHN, der mir Kraft gibt“ (Philipper 4:13). Machen wir also einen Neubeginn, damit die Heiligen, deren Namen wir tragen, Freude an uns haben, vor allem die Muttergottes, die ihren Sohn dem Tod übergab, damit wir uns hingeben können, damit wir verstehen können, dass wir gerettet werden können und frohlocken, und dass Christus sehen kann, dass es nicht umsonst war, dass ER gelebt und gelehrt hat und gestoben ist.

 

Wir sollten Seine Verherrlichung sein, ein Licht. Vielleicht nur ein kleines Licht, wie eine kleine Kerze, vielleicht ein strahlendes Licht, wie einer der großen Heiligen – aber lasst uns ein Licht sein, das die Welt erleuchtet und sie weniger dunkel macht. Lasst uns Freude sein, damit andere lernen sich des Herrn zu erfreuen. Amen.

 

Quelle: Predigt vom 25 Juni 1989 (http://www.metropolitanthony.orc.ru/eng/eng_120.htm); Übersetzt aus dem Englischen von G. Wolf.

 

Über die Ausgießung des Heiligen Geistes

 

Heiliger Ephraim der Syrer

 

„Sie begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Oh Obergemach, du bist der Backtrog, in den der Sauerteig geworfen ist, der das ganze Universum zum Gären bringt! Obergemach, du Mutter aller Kirchen; Obergemach, du hast das Wunder des brennenden Dornbuschs erlebt (Ex 3). Obergemach, du hast Jerusalem in Erstaunen versetzt durch ein Wunder, das weit größer ist als das Wunder des glühenden Feuerofens, das die Einwohner von Babylon in Erstaunen versetzt hat (Dan 3). Das Feuer des Ofens verbrannte diejenigen, die außerhalb des Ofens standen, aber verschonte die drei Männer in seiner Mitte; das Feuer des Obergeschoßes führt die zusammen, die von außen kommen und es sehen wollen; es stärkt diejenigen, die es empfangen. O Feuer, dein Erscheinen ist Wort, dein Schweigen ist Licht, du stiftest die Herzen an zur Danksagung! ... Leute, die sich dem Heiligen Geist widersetzten, sagten: „Diese da sind vom süßen Wein betrunken“. Ihr sagt wirklich die Wahrheit, aber es ist nicht so, wie ihr glaubt. Sie haben nicht Wein von den Rebstöcken getrunken. Es ist ein neuer Wein, der vom Himmel herabfließt, ein auf Golgotha frisch gepresster Wein. Die Apostel haben ihn kredenzt und so die ganze Schöpfung trunken gemacht. Es ist Wein, der am Kreuz gepresst worden ist.

 

Der dreieinige Gott und

das Wirken des Heiligen Geistes

 

Heiliger Basilius der Große

 

Willst du von Gott etwas sagen oder hören, dann löse dich von deinem Leib, mache dich frei von den leiblichen Sinnen, verlasse die Erde, verlasse das Meer, lasse den Luftraum unter dir, durcheile die Stunden und der Zeiten Lauf, die Herrlichkeiten der Erde. Schwing dich empor über den Äther, wandle durch die Sternenwelt und betrachte ihre Wunder, ihre Schönheit, ihre Größe, den Nutzen, den sie dem Weltall bringen, ihre Harmonie, Herrlichkeit, Stellung, Bewegung, ihre gegenseitige Bezogenheit und Entfernung! Hast du das alles im Geist durchdacht, so erhebe dich über den Himmel, und hoch über ihm betrachte allein im Geist die dortigen Schönheiten, die himmlischen Heere, die Chöre der Engel, die Ämter der Erzengel, die Herrlichkeit der Herrschaften, den Vorrang der Throne, die Mächte, die Fürstentümer, die Gewalten.

 

Hast du das alles durcheilt und dich in Gedanken über die ganze Schöpfung empor geschwungen und deinen Geist über all das erhoben, dann betrachte die göttliche Natur, die da ist beständig, unwandelbar, unveränderlich, leidlos, einfach, nicht zusammengesetzt, unteilbar, unzugängliches Licht, unaussprechliche Macht, unbegrenzte Größe, strahlende Herrlichkeit, begehrenswerte Güte, unbegreifliche Schönheit, die die verwundete Seele mächtig erfasst, die sie aber nicht angemessen zu schildern vermag.

 

Dort ist der Vater und der Sohn und der Heilige Geist, die unerschaffene Wesenheit, die Herrlichkeit voller Würde, die wesenhafte Güte. Der Vater ist der Ursprung aller Wesen, die Ursache für das Sein der Wesen, die Wurzel alles Lebendigen. Von ihm ist ausgegangen die Quelle des Lebens, die Weisheit, die Macht, das unvergleichliche Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der aus dem Vater geborene Sohn, das lebendige Wort, das Gott ist und bei Gott ist, der Logos, der ist und nicht erst wurde, der vor der Zeit ist und nicht später gemacht wurde: Sohn, nicht Eigentum; Bildner, nicht Gebilde; Schöpfer, nicht Geschöpf; der alles ist, was der Vater ist. ...

 

Wo der Vater und der Sohn ist, dort ist auch der Heilige Geist zu schauen, der gleichen Wesens der Natur nach ist und alles hat, die Güte, die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, das Leben. ... Wie vom Feuer die Wärme und vom Licht das Leuchten nicht zu trennen sind, so können vom Geist nicht die Heiligkeit, das Lebenschaffen, die Güte und die Gerechtigkeit getrennt werden. Dort also ist der Geist, dort in der seligen Wesenheit, nicht der Anzahl nach hinzugezählt, sondern in der Dreiheit geschaut, als Einheit verkündet, nicht als Teil einer Vereinigung. Wie der Vater einer ist und einer der Sohn, so ist auch einer der Heilige Geist. Die dienstbaren Geister dagegen stellen sich uns in jeder Art als eine unzählige Schar dar. Daher suche nicht in der Schöpfung, was über der Schöpfung ist! Stelle den, der heiligt, nicht mit denen gleich, die geheiligt werden! Der Geist erfüllt die Engel, erfüllt die Erzengel, heiligt die Gewalten, belebt das All. Er ist in der ganzen Schöpfung zugegen, teilt sich dem einen auf diese, dem anderen auf eine andere Art mit. ...

 

Sein Geist wirkt in den Propheten, macht die Gesetzgeber weise, weiht die Priester. verleiht den Königen Kraft, führt die Guten zur Vollkommenheit, verleiht den enthaltsam Lebenden Würde, wirkt die Gabe des Heilens, macht Tote lebendig, befreit die Gefesselten, macht die zu Kindern Gottes, die ihm fernstanden. Das alles bewirkt er durch sein himmlisches Schaffen. Findet er einen gläubigen Zöllner, macht er ihn wie Matthäus zum Evangelisten; trifft er einen Fischer, macht er ihn wie Petrus zum Gottesgelehrten; findet er einen reumütigen Verfolger, macht er ihn wie Paulus zum Apostel für die Heiden, zum Verkünder des Glaubens, zum „auserwählten Werkzeug“ (Apostelgeschichte 9: 15). Durch ihn werden die Schwachen stark, die Armen reich, die Wortstümper weiser als die Weisen. ... Nicht wie ein Diener teilt er die Gaben aus, sondern aus eigenem Willen verleiht er die Gnaden. „Einem jeden teilt er", wie Paulus sagt, „seine besonderen Gaben zu, wie er will" ( 1. Korinther 12: 11). Wohl wird er gesandt zu unserem Heil, aber er wirkt in eigener Vollmacht. Lasst uns beten, dass er in unseren Seelen wohne und uns niemals verlasse - durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.

 

 

Aus den Kniebeugungsgebeten in der Vesper am Abend des Pfingstsonntags:

 

Allein makelloser, anfangloser, unsichtbarer, unbegreiflicher, unerforschlicher, unveränderlicher, unüberwindlicher, unermesslicher, langmütiger Herr: Du allein hast Unsterblichkeit und wohnst im unzugänglichen Lichte.Du hast den Himmel geschaffen und die Erde und das Meer und alle Geschöpfe in ihnen. Du gewährst allen die Bitten - noch bevor Du gebeten wirst. Dich bitten wir und Dich rufen wir an, menschenliebender Gebieter, Dich, den Vater unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, Der für uns Menschen und zu unserem Heile von den Himmeln herabgekommen ist und Fleisch angenommen hat vom Heiligen Geiste  und aus der Immerjungfrau und ruhmreichen Gottesgebärerin Maria. Er belehrte uns zuerst durch Worte,  später unterwies Er aber auch durch Taten, als Er das heilbringende Leiden erduldete. Er gab uns ein Vorbild, Deinen Dienern hier unten, obwohl sie sich Deine Gnade nicht verdient haben,  Dir Gebete darzubringen, indem wir Nacken und Knie beugen wegen unserer eigenen Sünden und den unwissentlichen Vergehen allen Volkes. Du selbst, gnadenreicher und menschenliebender Gott, erhöre uns nun  an welchem Tag auch immer wir Dich anrufen,  besonders aber an diesem Tage des Pfingstfestes, an welchem unser Herr Jesus Christus, nachdem Er gen Himmel gefahren war, und sich zu Deiner, des Gottes und Vaters, Rechten gesetzt hatte, den Heiligen Geist auf Seine heiligen Jünger und Aposteln herabgesandt hat; dieser ließ sich auch auf einen jeden von ihnen nieder und sie wurden alle erfüllt mit Seiner unerschöpflichen Gnade und verkündeten in fremden Zungen Deine Großtaten und weissagten. Nun also erhöre uns, die wir Dich bitten, und gedenke unser, die wir ansonsten hier unten hilflos und hoffnungslos sind, und hebe auf die Gefangenschaft unserer Seelen, der Du Milde hast für uns. Nimm uns an, die wir vor Dir niederfallen und rufen: „Wir haben gesündigt“. Zu Dir kommen wir vom Mutterschosse an, denn vom Mutterschosse an bist Du unser Gott. Doch unsere Tage sind verflossen in Nichtigkeiten. Wir haben Deine Hilfe verspielt und jede Rechtfertigung verloren; dennoch rufen wir voll Zuversicht auf Dein Erbarmen: Der Sünden unserer Unreife und unseres Unverstandes gedenke nicht, und reinige uns von unseren verborgenen Sünden; lass uns nicht im Alter verloren sein, wenn unsere Kräfte schwinden, verlasse uns nicht ehe wir in die Erde zurückkehren, mache uns würdig der Umkehr zu Dir, und sei uns geneigt in Huld und Gnade; lege an unsere Sünden den Maßstab Deiner Milde und stelle die Unerschöpflichkeit Deiner Erbarmungen der Menge unserer Sünden gegenüber. Blicke herab, oh Herr, von Deiner heiligen Höhe auf Dein vor Dir stehendes Volk, welches reichliche Gnade von Dir erwartet. Komm zu uns mit Deiner Gnade, reiße uns aus der Gewalt des Teufels; stärke unser Leben durch Deine heiligen und göttlichen Gebote; einem treuen Schutzengel vertraue Dein Volk an; versammle uns alle in Deinem Reich: gewähre Verzeihung denen, die auf Dich hoffen; vergib ihnen und uns die Sünden; reinige uns durch die Wirksamkeit Deines Heiligen Geistes und vernichte die gegen uns gerichteten Ränke des Feindes!