Jahrekreis des Heiles-                               Pfingsten bis Kreuzerhöhung

Die Verklärung unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus

 

6. August

 

Das Fest, Geschichte und Bedeutung

 

Der griechische Urtext der Evangelien spricht eigentlich nicht von einer Verklärung Christi, sondern von der Gestaltverwandlung, Metamorphosis, als Hinweis auf seine Auferstehungsherrlichkeit. Die synoptischen Evangelien geben die Gestaltverwandlung des irdischen Leibes als Offenbarung der verborgenen göttlichen Würde zu erkennen. Die Verklärung ist geprägt von der Auferstehung, und das Ereignis atmet den Geist seiner Erhöhung durch den Vater.

 

Die Verwandlung Christi wird als Licht-Herrlichkeit beschrieben, wobei besonders das Leuchten seines Angesichtes hervorgehoben wird. Auch Moses Gesicht „strahlte Licht aus“; auf ihm lag der Widerschein der Herrlichkeit Gottes, als er nach seiner Begegnung mit Jahwe vom Berg herabstieg und die göttlichen Weisungen dem Volk übergab (Ex 34,29-35). Der Lichtglanz Christi aber stammt aus seiner eigenen, in ihm verborgenen Gottheit. Mögen auch Mose, dem Führer aus ägyptischer Sklaverei und Gesetzgeber, und Elija, dem Erstpropheten und großen Streiter für Jahwes Ehre, die beide auf dem Berg Horeb (Sinai) mit Gott sprechen durften, eine einmalig hervorragende Rolle im Leben des israelitischen Volkes zugefallen sein, der „geliebte Sohn“ ist erhabener als die Diener und seine Autorität erstreckt sich über alle Völker.

 

Die Feier der Metamorphosis erlangte zur Zeit Kaisers Justinian (527- 565) Allgemeingeltung. Das Fest dürfte von der Gedächtniskirche ausgegangen sein, welche im 4. Jahrhundert auf dem ca. 600 m über der galliläischen Ebene sich erhebenden Berg Tabor errichtet worden war. Nach syrischer Überlieferung fand die Verklärung vierzig Tage vor der Kreuzigung statt. Wegen des Bußcharakters der Großen Fastenzeit vor Ostern wurde das Fest in der Orthodoxie auf den 6. August gelegt, vierzig Tage vor dem Fest der Kreuzerhöhung.

 

Die Verlegung in den Hochsommer zeigt, dass Christi Verklärung einen ausgesprochenen kosmischen Charakter trägt. Denn die Verherrlichung gilt dem irdischen Leib des Gottessohnes, der in seiner Menschwerdung die irdische Materie in sich aufgenommen hat und durch sie in Gemeinschaft steht mit allen Menschen und Geschöpfen der Erde. Die erhoffte Verklärung des Kosmos wird von den Gläubigen gefeiert, wenn sie am 6. August die Erstlingsfrüchte, Trauben und Weizenähren, zur Kirche bringen und sie segnen lassen. Aus ihnen werden die Gaben von Brot und Wein gewonnen, die für die Verwandlung in Christi Leib und Blut in der eucharistischen Feier bestimmt sind.

 

Im Abendland, wo das Fest der Verklärung bereits im griechisch geprägten Süditalien gefeiert wurde, erlangte es erst im Jahr 1457 allgemeine Geltung. Damals hat Papst Calixtus III. es zum Gedächtnis und als Dank für den Sieg am 6. August 1456 über den türkischen Sultan Mehmed II. eingeführt, der nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) sich anschickte, Belgrad einzunehmen. 

 

Die Feier und die biblische Botschaft

 

Wie allen Hochfesten kommt dem Fest der Verklärung, der Gestaltverwandlung Christi, eine große Bedeutung zu. Die Feier beginnt schon am Abend zum 5. August mit dem Esperinos; am Ende dieses Abendlobes weist das Apolytikion programmatisch auf Bedeutung und Inhalt der Feier hin: 

 

"Der Verklärung Christi lasst uns entgegeneilen und festlich die Vorfeier begeben, ihr Gläubigen, und lasst uns rufen: Gekommen ist der Tag der in Gott begründeten Freude. Zum Berge Tabor stieg der Herr hinauf, um Seiner Gottheit Schönheit erstrahlen zu lassen."

 

Apolytikion zum 5. August

 

Der Orthros (Morgengottesdienst) am 5. August klingt aus mit einem Hymnus, der Christus in Verbindung bringt mit den großen Führergestalten des Alten Bundes:

 

"Als des Gesetzes und der Propheten Schöpfer und Vollender, Christus, haben Dich bezeugt, da sie Dich bei Deiner Verklärung in der Wolke sahen, Mose, der Gott schaute, und Elija, der Lenker des feurigen Wagens, der, ohne zu verbrennen, gen Himmel fuhr. Mit ihnen würdige auch uns Deiner Erleuchtung, Herr, damit wir Dich mit Liedern preisen in alle Ewigkeit."

 

Troparion am 5. August

 

Im feierlichen Abendlob zum 6. August, im Großen Esperinos und der folgenden Litia, dem Bittgesang, erklingen festliche Hymnen, und alttestamentliche Lesungen weisen mit ihren Vor-Bildern auf das Mysterium der Verklärung Christi hin: Auf dem Berg Sinai darf Mose in der Wolke Gottes Herrlichkeit schauen, die sich „wie verzehrendes Feuer“ offenbart (Ex 24, 12-18). Auf die Bitte des Mose: „Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen!“, antwortete der Herr: „Ich will alle meine Schönheit vor dir vorüberziehen lassen“ (Ex 33, 11-23. 34, 4-6. 8). Der Prophet Elija erlebt auf dem Berg Horeb im leisen Säuseln des Windes Gottes Gegenwart (1 Kön 19, 3-16).

 

Zum Abschluss der abendlichen Feier erklingt das Apolytikion, das als Festtroparion am nächsten Morgen von Neuem gesungen wird:

 

"Du wurdest verklärt auf dem Berge, Christus, Gott,

und zeigtest Deinen Jüngern Deine Herrlichkeit,

soweit sie diese zu ertragen vermochten.

Erstrahlen lass auch auf uns Sünder Dein ewiges Licht,

auf die Fürbitten der Gottesgebärerin,

Spender des Lichts, Ehre sei Dir."

 

 

Im Orthros (Morgengottesdienst) wird, umrahmt von den Hymnen, vor allem den Dichtungen des Kosmas und des Johannes von Damaskus, das Lukas-Evangelium (9, 28-36) von der Verklärung Christi als der Erfüllung der Vorabbilder verkündet.

 

Bei der Göttlichen Liturgie kommt in der Lesung der heilige Apostel Petrus zu Wort, der die Leser im Glauben stärken und vor falschen Lehren bewahren will (2 Petr 1,10-19). Das Evangelium des Matthäus erzählt, dass die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes sich bei der Gestaltverwandlung Christi in Furcht „auf ihr Angesicht niederwarfen“ (Mt 17, 1-8). Diese Bemerkung haben vor allem die russischen Ikonographen eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Nach der Göttlichen Liturgie werden die Erstlingsfrüchte, vor allem die ersten Weintrauben, gesegnet.

 

In Russland, wo wegen der des Klimas keine Weintrauben wuchsen, wurden anstelle der Trauben Äpfel gesegnet. Deshalb heißt das Fest der Verklärung Christi dort auch "Apfel-Christus- Fest" (Яблочный Спас или Преображение Господне).

 

Mit einer Nachfeier am 7. August klingt das Fest der Verklärung aus.

 

Quelle: zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan nach Andreasbote August/ September 2005.

 

Jesu Verklärung

 

hl. Kyrill von Alexandrien

 

Der Herr stieg auf den Berg; drei auserwählte Jünger nahm er mit. Dann wurde er verwandelt in ein außergewöhnliches, gottwürdiges Leuchten, so daß auch sein Gewand durch das darauf fallende Licht zu leuchten schien. Mose und Elija standen neben Jesus und sprachen miteinander über seinen Tod, den er in Jerusalem erfahren sollte, d.h. über das Mysterium des Heilsplanes im Fleisch, über, wie ich meine, das heilbringende Leiden am ehrwürdigen Kreuz. ... Dass Mose und Elija neben Jesus standen und miteinander redeten, gehörte zum Heilsplan; so sollte deutlich werden, daß unser Herr Jesus Christus vom Gesetz und von den Propheten begleitet werde, daß Gesetz und Propheten im voraus auf den Herrn hingewiesen und ihn gemeinsam verkündet haben. Denn die Verkündigung des Gesetzes unterscheidet sich nicht von der der Propheten. Darüber, meine ich, haben der erhabene Mose und Elija, der ehrwürdigste Prophet, miteinander gesprochen.

 

Man muss aber noch etwas anderes bedenken: Da das Volk meinte, Jesus sei Elija oder Jeremia oder ein anderer Prophet (vgl. Mt 16,14), führt Christus die Führer (des jüdischen Volkes) herbei, damit man den Unterschied zwischen den Dienern und dem Herrn erkennt. 

 

Noch eine weitere Überlegung kann man anstellen: Die Juden hatten Jesus dauernd beschuldigt, das Gesetz zu übertreten, und hielten ihn für einen Gotteslästerer, weil er sich die Herrlichkeit des Vaters anmaße, die ihm nicht zustehe; sie sagten: »Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält« (Joh 9,16), und weiter: »Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen der Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott« (Joh 10,33). Der Herr wollte nun zeigen, daß beide Vorwürfe Verleumdungen sind, daß er in jeder Hinsicht unschuldig ist, daß weder sein Wirken ein Vergehen gegen das Gesetz ist, noch daß es eine Anmaßung der Ehre ist, die ihm nicht zustehe, wenn er sich dem Vater als gleich bezeichne. Deshalb führt er jene Männer herbei, die in beiderlei Hinsicht anerkannte Zeugen waren. Mose hatte das Gesetz gegeben, und die Juden konnten nun daraus schließen, daß der Herr das Gesetz nicht verachtet, wie sie meinten. Wäre er ein Übertreter und Feind des Gesetzes gewesen, hätte ihn der Gesetzgeber nicht geehrt. Und Elija war erfüllt vom Eifer für Gottes Ehre. Hätte sich Christus gegen Gott gestellt und behauptet, er sei, ohne es zu sein, dem Vater gleich, hätte er also in Anmaßung gehandelt, wäre Elija nicht an seine Seite getreten und hätte ihm nicht gehorcht. ... 

 

Die seligen Jünger sind darüber irgendwie für kurze Zeit eingeschlafen, als Christus sich dem Gebet hingab; sie stillten dem Heilsplan entsprechend menschliche Bedürfnisse. Als sie dann erwachten, wurden sie Augenzeugen der so ehrwürdigen und wunderbaren Verwandlung. Der herrliche Petrus glaubte schon, die Zeit des Gottesreiches sei bereits angebrochen, und dachte, auf dem Berg bleiben zu dürfen. Drei Hütten, meinte er, sollte man bauen, da er nicht wusste, was er sagte. Doch die Zeit der Vollendung der Welt war noch nicht angebrochen, und auch die Heiligen der jetzigen Zeit können noch nicht teilhaben an der ihnen verheißenen Hoffnung. Denn Paulus sagt: »Christus wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes« (Phil 3,21). Da das Heilswerk noch am Anfang stand und seine Vollendung noch nicht gefunden hatte, wie hätte da Christus, der aus Liebe zur Welt gekommen war und für sie leiden wollte, sie jetzt schon rechtens verlassen können? Er hat die himmlische Daseinsweise verborgen und den Tod im Fleisch auf sich genommen und ihn durch seine Auferstehung von den Toten vernichtet. Petrus wusste also nicht, was er sagte.

 

Außer der wunderbaren und unaussprechlichen Schau der Herrlichkeit Christi ereignete sich noch etwas anderes Nützliches und Notwendiges, damit nicht nur bei Petrus und den Jüngern, sondern auch in uns der Glaube gefestigt werde. Aus der Wolke ertönte von oben die Stimme Gottes des Vaters: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hö- ren.« ... Sieh, in Gegenwart des Mose befiehlt der Vater den heiligen Aposteln, auf Jesus zu hören. Hätte er des Mose Gesetz zu befolgen verlangt, hätte er gesagt: Weil ihr Mose glaubt, haltet das Gesetz. Nun hat aber Gott der Vater dies keineswegs gesagt, obwohl Mose und Elija anwesend waren; er heißt sie vielmehr, auf Jesus zu hören.

 

Quelle: Heiliger Kyrill von Alexandrien; Homilie zur Verklärung des Herrn, 9. Predigt.

 

 

Das Geheimnis der Verklärung und das Mysterium der Rettung

 

Heiliger Justin (Popovic) von Čelije

 

Auf seinem gottmenschlichen Weg in dieser Welt führte der Herr Christus Seine menschliche Natur auch durch die Verklärung als ein notwendiges Ereignis in Seiner göttlichen Heilsökonomie. Indem Sich der Herr auf dem Tabor verklärte, zeigte der Herr, dass die Verklärung der menschlichen Natur durch die Göttliche eine unumgängliche Bedingung für die gottmenschliche Askese der Rettung der Welt von Sünde, Bösem und Tod ist. Denn das Heil ist unmöglich ohne die Verklärung der menschlichen Natur durch Gott aus der sündigen in eine heilige, aus einer schlechten in eine gute, von der sterblichen zur unsterblichen. In der Tat besteht die Rettung in der allumfassenden Verklärung der menschlichen Natur durch Gott. 

 

Christus erscheint dem heiligen Apostel Paulus vor den Toren von Damaskus.
Christus erscheint dem heiligen Apostel Paulus vor den Toren von Damaskus.

 

Wie alles, was dem Heiland gehört, kommt auch Seiner Verklärung allgemein menschliche Bedeutung zu, denn nach den Worten des heiligen Proklos, verklärte Er Sich nicht einfach, sondern er verklärte Sich, um uns die künftige Verklärung der Natur zu zeigen (vgl.: Oratio in Transfigurationem Domini, 2; P. gr., t. 65, col. 768 B). Als neuer Stammvater zeigt der Heiland auf dem Tabor, welche Verklärung die menschliche Natur auf ihrem Weg der Heiligung, Vergöttlichung (Theosis), Rettung durchlaufen muss. Als Neuer Adam umfasst der Gottmensch Christus durch Seine Verklärung in wunderbarer Weise die gesamte Menschheit und vollzieht in Seiner menschlichen Natur grundsätzlich die Verklärung der ganzen menschlichen Natur. Indem die Orthodoxe Kirche im Herrn Christus als ihrem ununterbrochenen und ewigen Leben lebt, fühlt sie mit ihrem ganzen Wesen die unersetzliche Bedeutung der Verklärung des Heilands in den Sache der Rettung der Menschheit und der gesamten Schöpfung. 

 

Auf dem Berg Tabor verklärte Sich der Herr und erleuchtete das ganze All mit Seinem Licht, um die Welt von der Übertretung zu erlösen ( vgl.: am 6. August, Zur Verklärung unseres Herr und Gottes und Retters Jesus Christus, im Großen Abendgottesdienst, bei der Litia: Der Du durch Dein Licht das ganze Weltall erleuchtet, verklärtest Du Dich auf dem hohen Berg, Gütiger, und zeigtest Deinen Schülern Deine Kraft, denn Du erlösest die Welt von der Übertretung). Die Verklärung des Heilands ist „der Urgrund des unzugänglichen Lichtes, des Lichtes, das sich reichlich auf dem Tabor ergoss " (vgl.:  Hl. Johannes Damascenus, Homil. in Transfigurationem Domini, 2; P. gr., t. 96, col. 545 B), und die ganze Schöpfung überflutete, und in erster Linie die Menschheit. Denn nach den Worten des heiligen Anastasios von Antiochien bedeutet die Verklärung der Gewänder des Heilands die Veränderung unserer Körper. Denn wir wurden dem Retter zur Kleidung, als Er unseren Leib anlegte ( vgl.: Sermo in Transfigurationem Domini nostri Jesu Christi, 4; P.gr., t. 89, col. 1386 C).

 

Zwischen der Taufe und der Kreuzigung des Heilands steht die Verklärung, welche Ihn als den Herrn des Alten und Neuen Testaments erwies (vgl.: Hl. Johannes Damascenus Homil. in Transfigurationem Domini, 2; P. gr., t. 96, col. 548 A) und von neuem als Sohn Gottes bezeugte. So wurde nicht lange vor dem Kreuz von Golgatha die Gottheit des Herrn Jesus bezeugt und damit auch die Rettung der Welt, denn nur Gott kann die Welt von der Sünde, dem Bösen und dem Tod retten. Das ganze Leben des Retters auf Erden stellt eine einzige unteilbare asketische Tat der Rettung des Menschengeschlechts dar, eine einzige unteilbare organische Ganzheit. In der Mitte von allem steht die Allheilige Dreiheit, welche die Rettung eben in göttlicher Weise vollbringt. Vor Seinen Leiden am Kreuz vollbrachte der Herr alles, was in der Heilsökonomie notwendig war, und auf dem Tabor zeigte Er geheimnisvoll das Bild der Dreiheit (vgl.: am 6. August zur Verklärung unseres Herr und Gottes und Retters Jesus Christus, im Großen Abendgottesdienst, bei der Litia: Der vor der Sonne Licht war, Christus, lebt leiblich auf der Erde, und vollbrachte vor dem Kreuz in gottschöner Weise die schreckliche Sorge, offenbart heute auf dem Taborberg geheimnisvoll das Abbild der Dreieinigkeit).

 

Das Gottmenschliche ist gleichzeitig auch allgemeinmenschlich, denn als Gottmensch umfasst der Herr Christus, das ganze Menschengeschlecht. Daher kommt Seiner Verklärung allgemeine Bedeutung zu. Das universale Empfinden der Kirche ist voll davon: durch Seine Verklärung auf dem Tabor ließ Er die von der Sünde geschwärzte menschliche Natur wieder aufleuchten, da Er sie in die Herrlichkeit Seiner Gottheit verwandelte (vgl.: am 6. August zur Verklärung unseres Herr und Gottes und Retters Jesus Christus, im Großen Abendgottesdienst, bei der Litia: ...auf diesen Berg (das heißt dem Tabor) bist Du, Erretter, mit Deinen Schülern aufgestiegen und hast die geschwärzte Natur Adams verklärt und wiederum aufleuchten lassen, indem Du sie in die Herrlichkeit und das Licht Seiner Gottheit verwandeltest). Durch Seine Verklärung offenbarte der Herr das von alters her verborgene Geheimnis und offenbarte das Geheimnis und die ewige Herrlichkeit der menschlichen Natur ( vgl.: Hl. Johannes Damascenus, Homil. in Transfigurationem Domini, 2; P. gr. t. 96, col. 572 B). Aufgrund der hypostatischen Einheit des Körpers mit Gott Logos wurde der Körper durch die Herrlichkeit der unsichtbaren Gottheit bereichert, denn ein und dieselbe Herrlichkeit gehört dem Logos und dem Körper. Diese Herrlichkeit war dem sichtbaren Leib des Heilands unsichtbar zu eigen, und im Moment der Verklärung wurde sie den Jüngern offenbart. Der Heiland verklärte Sich, ohne Sich etwas hinzuzufügen, was Er nicht gehabt hätte, sondern er offenbarte das, was Er in Sich hatte. Denn Eine Sonne der Wahrheit ist der Eine Christus in zwei untrennbaren Naturen (vgl.: heiliger Gregor Palamas, Homil. XXIV, In venerabilem Domini et Dei et Salvatoris nostri Jesu Christi Transfigurationem, P. gr. t. 151, col. 432 C).

 

 

Eine riesige göttliche Kraft durchdrang auf wunderbare Weise die menschliche Natur im Moment der Verklärung des Heilands. Die gealterte und in Sünden geschwärzte menschliche Natur fand Eingang in den geheimnisvollen Vorgang der Verklärung und Vergottung, denn sie wurde ganz von dem Tabor-Licht der Gottheit Christi umfangen: da Er Sich in den ganzen Adam kleidete, durchleuchtete Christus die von alters her geschwärzte menschliche Natur, indem Er sie durch die Verklärung Seines Leibes verklärte und vergottete (vgl.: am 7. August, Kanon, Ode 3). Durch Seine wunderbare Menschwerdung und herrliche Verklärung vergottete der Herr die menschliche Natur (vgl.:  am 5. August Vorfest der Verklärung des Herrn, Morgengottesdienst, zu den Aposticha).  Durch Seine Verklärung veränderte der Herr die menschliche Natur, an die einstmals die Worte gewandt waren: Erde bist du und zu Erde wirst du zurückkehren (Gen 3, 19). Am Tag der Verklärung des Heilands verherrlichen wir die Vergottung der menschlichen Natur, ihre Veränderung zum Besseren, ihre natürliche Erhebung und ihren Übergang zum Übernatürlichen. Das vollbrachte der Heiland durch Seine Gottheit (vgl.: Hl. Andreas von Kreta Oratio in Domini nostri transfigurationem; P. gr., t. 97, col. 933 A).

 

Durch Seine Verklärung verklärte der allgütige Herr das Ebenbild Gottes im Menschen, und er leuchtete in seinem ursprünglichen göttlichen Glanz und Schönheit auf. Denn Sinn und Zweck der Verklärung des Gottmenschen ist es – den Menschen und alles Menschliche zum Ebenbild Gottes als der Wesenhaftigkeit des menschlichen Wesens zurückzuführen; den sündigen Staub von der gottebenbildlichen menschlichen Seele zu entfernen; die Gottebenbildlichkeit der menschlichen Natur in ihrer bezaubernden gottebenbildlichen Wesenhaftigkeit und Kraft als dem von Gott verliehenen Ursprung wiederherzustellen, durch den auf verlässlichste Weise die Ewigkeit garantiert wird. Das durch die Verklärung des Retters erneuerte Abbild Gottes im Menschen strahlte auf wie die Sonne, der Körper aber – wie Licht. In ihrer Urwesentlichkeit ist die gottebenbildliche Seele des Menschen ein entfernter Abglanz des göttlichen Lichtes, des Lichtes, welches in seinem vollen Glanz auf dem Tabor durch den allerheiligsten Leib des Gottmenschen Christus aufleuchtete. Durch Seine Verklärung zeigte der Herr, dass Sinn und Wert und die unverwesliche göttliche Schönheit des Körpers, der Materie, darin liegt vom göttlichen Licht erfüllt zu werden, durch es zu strahlen, darin zu leben, denn das Licht ist eine Synonym für das Leben und die Unsterblichkeit (vgl.: Joh 1, 4), wie die Finsternis das Synonym für Tod und Verwesung ist. Das von der Sünde verzerrte und entstellte Ebenbild Gottes im Menschen übergoss der Heiland mit göttlichem Licht bei Seiner Verklärung und stellt seine Schönheit und Güte wieder her ( vgl.: am 9. August zu "Herr ich rufe zu Dir" in der Vesper). Bei der Schöpfung des Menschen aus Erde, sagt der heilige Damaskinos, ehrte ihn der Herr durch Sein eigenes Ebenbild und Abbild, machte ihn zum Bewohner von Eden und zum Freund der Engel. Da wir jedoch das Ebenbild des Göttlichen Abbildes durch den Unrat der Leidenschaften verfinsterten und verdunkelten, ermöglichte uns der barmherzige Herr eine andere Art Seiner Gemeinschaft mit uns, viel wunderbarer und zuverlässiger als die erste. Er verweilte in der Größe Seiner Gottheit und nahm Anteil an dem Niederen, d.h. an der menschlichen Natur, vergottete in Sich die menschliche Natur, vereinigte das Original mit dem Abbild, und offenbarte bei der Verklärung Seine Eigene Schönheit. Und Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, denn der Hypostase nach ist Er mit dem immateriellen Licht vereint, und aus ihm leuchtet die Sonne der Wahrheit (vgl.: Hl. Johannes Damascenus, Homil. in Transfigurat. Domini, 4; P. gr., t. 96, col. 552 C). Gemäß Seiner unermesslichen Menschenliebe nimmt Gott der Schöpfer das Bild des Knechtes an und rettet in Seiner Verklärung dieses Ebenbild aus der alten Verfinsterung, da Er mit dem Antlitz aufleuchtete und das Licht Seiner Gottheit in Seinem Körper zeigte (vgl.: am 9. August, zu "Herr ich rufe zu Dir", Stichiren des Festtags in der Vesper).  Da Er das Licht der Welt ist, wohnt der Herr auf wunderbare Weise stets der Welt durch Sein Licht inne, aber auf dem Tabor zeigte Er im Überfluß dieses Sein Licht, mit welchem Er die Welt von der Sünde rettet (vgl.: am 9. August, zu "Herr ich rufe zu Dir", Stichiren des Festtags in der Vesper). Mit dem Wunsch, die menschliche Natur aus einer schlechten in eine gute, aus einer unheiligen in eine heilige, aus einer verfinsterten in eine lichte zu verwandeln, stieg der Herr Christus auf den Tabor und zeigte Seinen Jüngern Seine Gottheit, durch welche Er auch die menschliche Natur rettet (vgl.: Am 11. August, im Abendgottesdienst, Aposticha). Die Verklärung der Heilands ist der Quell unerschöpflicher verklärender Kraft, welche die gesamte Schöpfung und alle Wesen verklärt, weshalb wir auch dem wunderbaren Retter singen: Offenkundig wird die Schöpfung durch Deine Verklärung, Christus, verklärt (vgl.: am 9. August im Abendgottesdienst zu den Aposticha).

 

Quelle: Andreasbote August/September 2010

 

 

Mariae Entschlafung

(УСПЕНИЕ ПРЕСВЯТОЙ БОГОРОДИЦЫ/ Ἡ ἁγίας Σκέπης τῆς ὑπεραγίας Θεοτόκου)

 

am 15. August

 

Das dritte der großen Feste des Sommers ist das Gedenken an den Tod der Allheiligen Jungfrau Maria, das in der liturgischen Sprache „Entschlafung unserer Herrin“ heißt. Vom theologischen Standpunkt aus ist es das bedeutendste der Jungfrau geweihte Fest. Ihm geht ein 14- tägiges Fasten voraus, das „Gottesmutterfasten“, analog den Fasttagen vor dem Fest der Apostel Petrus und Paulus. Diese Fastenzeit beginnt am 1. August und endet am Abend des 14. August. Das Fest selbst ist am 15. August.

 

Viele Charakteristika des Festes sind anderen der Jungfrau geweihten Festen entnommen. So erzählt das Evangelium im Orthros vom Besuch Marias bei Elisabeth (Lk 1,39-56). Die Epistel (Phil 2,5-11) und das Evangelium (Lk 10,38-42.11,27-28) für die Liturgie werden auch am 8. September gelesen, dem Tag der Geburt Mariae. Man wird bemerken, dass die Schriftstellen, die am 15. August gelesen werden, sich nicht auf den Tod der Allheiligen beziehen. Nur in den Gesängen der Vesper und des Orthros findet man die besondere Bedeutung, die die Kirche dem Fest am 15. August beimisst.

 

Es ist eine zweifache Bedeutung und wird genau wiedergegeben in einem Satz, der zur Vesper gesungen wird: „Die Quelle des Lebens wird in die Gruft gelegt, und eine Leiter zum Himmel wird das Grab!“ Der erste Teil – „Die Quelle des Lebens wird in die Gruft gelegt“ – zeigt, dass wir des Todes der Allheiligen Jungfrau gedenken. Wenn wir jedes Jahr andächtig der Todestage des Vorläufers, der Apostel und Martyrer gedenken, so gibt es noch viel mehr Gründe den Tod der Muttergottes feierlich zu begehen, die ja auch unsere Mutter ist und deren Heiligkeit und Ehre die der Auserwählten weit übertrifft.

 

Aber das Fest am 15. August ist mehr als ein Gedenken des Todes der Maria. Der zweite Teil des Satzes heißt: „und eine Leiter zum Himmel wird das Grab!“ Das Grab eines jeden, der in Christus gestorben ist, ist in gewisser Weise eine Leiter, die zum Himmel führt. Trotzdem ist es im Falle von Maria etwas besonderes. Die gesungenen liturgischen Texte meinen etwas mehr:

 

„Öffnet die Tore weit und empfängt über der Welt die Mutter des ewigstrahlenden Lichtes ... denn heute ist der Himmel geöffnet sie zu empfangen ... Die Engel besingen dein heiliges Entschlafen ... das wir im Glauben feierlich begehen ... lasst alle Erdensöhne im Geiste erzittern ... und freudig die ehrwürdige Himmelfahrt der Gottesmutter begehen.“ 

 

Dies macht klar, dass es um mehr geht als den Empfang der Seele Marias im Himmel. Obwohl im byzantinischen Kalender das Fest vom 15. August nicht den Namen Himmelfahrt trägt (wie in der lateinischen Kirche), drücken doch die Texte den Glauben an die leibliche Aufnahme Marias aus. Nach dieser Vorstellung fiel der Leib Marias nicht dem natürlichen Zerfall nach dem Tode anheim, denn er blieb nicht im Grab. Maria wurde von den Toten erweckt und von Engeln zum Himmel empor getragen (die Aufnahme unterscheidet sich von der Himmelfahrt dadurch, dass Christus aus eigener Kraft zum Himmel auffuhr). Die Aufnahme Marias ist außerhalb – und über – der Geschichte. Der Glaube an die Aufnahme ist durch keine biblische Erzählung belegt oder durch einen historischen Zeugen, der wissenschaftlich akzeptabel wäre. Sie wurde auch nicht dogmatisch definiert. Die Kirche hat bis heute keinem Gläubigen auferlegt, dass er sich zur leiblichen Aufnahme bekennen müsse. Aber auch wenn die Kirche nicht auf einem solchen (innerlichen oder äußerlichen) Bekenntnis besteht, kann man doch sagen, dass das orthodoxe Bewusstsein die Leugnung der Aufnahme Mariae in den Himmel nicht nur als verwegen, sondern auch als Lästerung ansehen würde. Außerdem, wie kann man eine Tatsache leugnen, die historisch gar nicht beweisbar ist? Der Glaube an die Aufnahme ist nicht durch Dokumente belegt. Das orthodoxe kirchliche Bewusstsein, erleuchtet durch den Hl. Geist, wurde allmählich davon überzeugt, dass wenn „der Lohn der Sünde der Tod ist“ (Röm 6,23), Maria einen besonderen Sieg über den Tod errungen hat. In gleicher Weise wie Jesus (auch wenn man hier das richtige Augenmaß behalten muss), wurde auch sie in ihrem Leib verherrlicht. Diese Verherrlichung der allreinen und allheiligen Mutter Gottes in ihrer Seele und in ihrem Leibe – und nicht der eine oder andere materielle Symbolismus oder historische Gegebenheiten – sind Gegenstand des Festes vom 15. August.

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, page 242 ff.

 

 

Der heilige Vorläufer und Täufer Johannes 

 

Fest am 29. August

 

Zweimal während des Sommers gedenken wir des Vorläufers, Johannes des Täufers. Wenn wir die beiden Gedächtnisse zu den ‚kleineren’ Festen gerechnet haben, dann nicht weil wir die ‚größere’ Bedeutung des Vorläufers verkennen: wir vergessen nicht, dass die Kirche ihn selbst über die Apostel stellt. Aber es scheint, dass das große Fest des Täufers das Fest der Theophanie ist: in den Augenblick, da Johannes Jesus tauft, erlebt er den Höhepunkt seines irdischen Lebens und seines Dienstes. Mehr noch, die Kirche weiht den Tag nach Theophanie (7. Januar) dem Gedächtnis des Vorläufers. Die beiden Feste im Sommer sind am 24. Juni, der Geburt des Täufers, und am 29. August, seinem Märtyrertod geweiht. Lesung (Röm 13,11-14,4) und Evangelium (Lk 1,1-15.57-58.76.80) erzeugen eine adventliche Atmosphäre: Das Evangelium beschreibt die Vision des Zacharias im Tempel und die Beschneidung des Johannes. Zacharias, der nicht geglaubt hatte, wurde zeitweise stumm. Ein Priester, der die göttliche Botschaft mit Unglauben oder gewisser Zurückhaltung empfängt kann nicht zu seinem Volk ‚sprechen’ (im tiefsten Sinne des Wortes).

 

Die Bedeutung des Festes am 29. August wird ausgedrückt in den Worten, die zur Vesper gesungen werden: „Enthauptest wurdest du wegen des Gesetzes des Herrn“. Denn dieses Fest feiert nicht so sehr den Mann, der Jesus taufte und Buße predigte, als den, der das moralische Gesetz hochhielt und getötet wurde, weil dieses Gesetz verhasst war. Das Evangelium zur Liturgie (Mk 6,14-30) erzählt dieses Ereignis, in dem Schande mit Grausamkeit sich mischt. Die Tochter der Herodias verlangt, nachdem sie vor Herodes getanzt hatte, von diesem das Haupt des Johannes in einer Schale, denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: „Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.“ Diese Perikope beginnt mit den Worten: „Andere sagten: Er ist Elija.“ Denn der Mut des Elija, der die Verbrechen von Ahab und Isebel anprangerte, lebte weiter in Johannes; und Jesus selbst vergleicht die beiden Propheten miteinander (Mt 17,12 f.). Johannes vor Herodes bleibt ein Vorbild des Protests des Gewissens in Namen des ewigen Gesetzes gegen seine Missachtung durch die herrschende Klasse. Mehrmals hat die Geschichte gezeigt wie tief eine Kirche fallen kann, wenn ihre Führer sich dem Willen eines Tyrannen unterwerfen.

 

Ein paar Ebenen tiefer muss auch unser Gewissen uns manchmal zum Protest anregen gegen unsere unmittelbare Umgebung, gegen unsere Freunde, gegen unsere Familie, gegen eine Institution oder einen Vorgesetzten.

 

Bei der Liturgie lesen wir eine Perikope aus der Apostelgeschichte (Apg 13,25-33), die gewählt wurde, weil sich Paulus zu Beginn seiner Rede in der Synagoge von Antiochien in Pisidien auf Johannes den Täufer bezieht. 

 

Um das Fest zu beschließen – das nur zwei Tage vor den Ende des Kirchenjahres liegt – besinnen wir uns darauf wie das Gedenken an den Vorläufer sich mehrere Male während des Jahres mit dem Kreis des Lebens Jesu mischt und wir können die Worte aus dem Kathisma des Orthros wiederholen, die eine passende Zusammenfassung der Rolle des Johannes sind: „Lasst im Lobpreis uns vereinen, ihr Gläubigen, dessen, der Vermittler war zwischen dem Gesetz und der Gnade“. 

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, page 243 f. 

 

 

 

Die Reliquie des ehrwürdigen Hauptes des heiligen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes 

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Der heilige Johannes war Sohn der heiligen Elisabeth und des heiligen Zacharias. Er wurde etwa ein halbes Jahr vor unserem Herrn und Erlöser Jesus Christ geboren. Der schon alte Priester Zacharias, dessen Ehe lange kinderlos geblieben war, opferte im Tempel und erhielt durch den heiligen Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werden würde. Der heilige Zacharias aber zweifelte und bat um ein Zeichen. Deshalb wurde er vom Engel mit Stummheit geschlagen. Die dann tatsächlich in hohem Alter schwanger gewordene Elisabeth wurde in der Schwangerschaft von der allheiligen Gottesgebärerin Maria besucht, die bei ihr blieb bis zur Geburt des heiligen Johannes. Elisabeth, nach der Geburt über die Namensgebung befragt, wusste aus ihrer Eingebung, dass der Knabe entgegen der Familientradition Johannes heißen sollte. Gleichzeitig schrieb Zacharias den Namen auf eine Wachstafel, erhielt nun seine Sprache zurück und brach in den im Lukasevangelium (1, 67 - 79) überlieferten Lobgesang aus:

 

„Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, denn Er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David, wie Er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, dass Er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, Ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“.

 

 

Der heilige Johannes trat erstmals im Herbst des Jahres 28 öffentlich als Bußprediger auf, darüber berichtet auch der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Er lebte als Asket in der Wüste, wo er mit rauem Kamelhaar bekleidet, von Heuschrecken und wildem Honig ernährt (Markusevangelium 1, 6; Matthäusevangelium 3, 4) geschildert wird, was an den heiligen Propheten Elias erinnert. Er verkündete am Jordan das Kommen des von den Juden ersehnten Messias, vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht und versammelte eine Schar von Anhängern um sich. Dabei wurde er vom Fürsten Herodes bespitzelt, vorbeugend von Soldaten umgeben und von den Pharisäern zur Rede gestellt, ob er der Messias sei (Lukasevangelium 3, 1 - 20). Die christliche Kirche sieht in ihm den letzten großen Propheten des alten Bundes.

 

Der heilige Johannes taufte unseren Herrn Jesus Christus im Jordan, wahrscheinlich an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres. Dabei wurde die besondere Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar: Aus dem Himmel erscholl eine Stimme: „Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe Ich Wohlgefallen gefunden.“ (Lukasevangelium 3, 24)

 

Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Eheverbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, das Haupt des heiligen Johannes zu fordern. Dieser wurde enthauptet und Salome brachte ihrer Mutter das Haupt auf einer Schale (Markusevangelium 6, 14 - 29).

 

Nach den Überlieferungen der syrischen Kirche begruben die heiligen Apostel Andreas und Johannes den Leichnam in Sebaste, einer Stadt in Samarien - dem heutigen Shomron /as-Samarah. Im 4. Jahrhundert wurde dort eine Kirche errichtet, deren Reste 1931 ausgegraben wurden. In Ein Kerem, dem Geburtsort des heiligen Johannes, steht am Platz seiner Geburt die Kirche des heiligen Johannes und am Ort der vorherigen Begegnung zwischen der allheiligen Gottesgebärerin Maria und der heiligen Elisabeth die Kirche der Heimsuchung.

 

In der Legenda Aurea wird Johannes auch als Engel bezeichnet, nach Maleachi 3, 1: „Siehe, ich sende meinen Engel vor mir her“ In der orthodoxen Tradition wird der heilige Johannes deshalb meist mit Flügeln dargestellt. Als unser aller Fürsprecher beim Jüngsten Gericht ist sein Platz traditionell zur Linken Christi. 

 

 

Die erste Auffindung des wahren Hauptes Johannes des Täufers

 

Die kirchlichen Überlieferungen berichten uns, dass Herodias den Kopf zur Bestattung mit dem Körper nicht frei gab, sondern ihn verfluchte und in ihrem Palast an einem unreinen Ort vergrub. Die fromme Ioanna, Ehefrau des Haushofmeisters Husa (Lk 8,3) aber wusste, wo Herodias das Haupt vergraben hatte. So nahm sie das Haupt und begrub es in einem der Landsitze des Herodes auf dem Ölberg.

 

Nach vielen Jahren ging dieser Besitz auf den frommen Innokentius über. Als er dort im Rahmen von Baumaßnahmen Fundamente ausheben ließ, wurde das Gefäß mit dem wahren Haupt des heiligen Johannes des Täufers aufgefunden. Innokentius erfuhr von der Reliquie und es geschahen zahlreiche Wunder. So ließ er dort zur Aufbewahrung der Reliquie ein Heiligtum erbauen. Vor seinem Tod aber befürchtet Innokentius, dass die Reliquie in falsche Hände geraten könnte und er vergrub das Haupt dort, wo er es aufgefunden hatte. Nach seinem Tod verwaiste das Heiligtum und verfiel langsam.

 

So geschah die erste Auffindung des Hauptes des heiligen Johannes des Täufers. 

 

 

Die zweite Auffindung des wahren Hauptes Johannes des Täufers

 

Zu Zeiten des Kaisers Konstantin des Großen, als sich der christliche Glaube immer mehr durchzusetzen begann, entwickelte sich auch die Tradition der Pilgerreisen an die heiligen Stätten in Palästina. Auch zwei Novizen aus den östlichen Provinzen des römischen Reiches pilgerten ins Heilige Land. Während der Reise erschien ihnen zweimal der heilige Johannes der Täufer und offenbarte ihnen den Ort, wo sein heiliges Haupt begraben lag. Tatsächlich fanden die Novizen das Haupt und legten es in einen Beutel aus Kamelleder. Auf dem Weg in ihre Heimat trafen sie mit einem armen Töpfer zusammen, der auf Arbeitssuche war. In ihm fanden sie einen zuverlässigen Wegbegleiter und ließen ihn deshalb den Beutel mit dem Haupt des heiligen Johannes tragen. Unwissend über den Inhalt des Beutels trug der Töpfer diesen den ganzen Weg, bis ihm der heilige Johannes erschien und ihn aufforderte, mit der Reliquie von den faulen Novizen zu fliehen, was er auch tat. Er versteckte sich zu Hause und behütete ehrfürchtig das heilige Haupt. Vor seinem Tod legte er die Reliquie in ein Gefäß zur Wasseraufbewahrung (vermutlich eine Amphore, denn er war ja ein Töpfer) und übergab diese seiner Schwester. Die Reliquie wurde von einem ehrfürchtigen Christen zu anderen weitergegeben, bis sie schließlich in den Besitz des Priesters Ephstatius gelangte, der mit der Häresie des Arianismus anhing. Da er die Richtigkeit seiner häretischen Lehren mit den durch die heilige Reliquie erfolgten Heilungen zu belegen suchte, konnte er viele Leichtgläubige und Schwache verführen. Als er schließlich genötigt war zu fliehen und vergrub das heilige Haupt in einer Höhle mit der Hoffnung, bald zurückkehren zu können, um die arianische Häresie weiter zu verbreiten. Dies jedoch lies Gott nicht zu und in der Höhle siedelten sich ehrfürchtige Novizen an und es entstand ein Kloster an diesem Ort. 452 n. Chr. wurde Marcellus, dem Abt des Klosters, vom heiligen Johannes der Ort gezeigt, wo sein heiliges Haupt lag. Diese Auffindung wird als die zweite Auffindung von der Kirche gefeiert. Die heilige Reliquie wurde zunächst nach Emessos gebracht und von dort dann später nach Konstantinopel.

 

 

Die dritte Auffindung des wahren Hauptes Johannes des Täufers

 

In Konstantinopel verblieb das heilige Haupt dann bis zum Beginn der ikonoklastischen Wirren, als die Verehrung der heiligen Ikonen und Reliquien bekämpft wurde. In dieser Zeiten der Unruhe in Konstantinopel und in Verbindung mit dem Exil des heiligen Johannes Chrysostomos wurde die Reliquie in die Stadt Emesa (Homs) gebracht. Von dort wurde sie nach Comana Pontica in der Landschaft Pontus (Kleinasien) überführt. Als die Angriffe der islamischen Sarazenen immer stärker wurden (ca. 810-820) und das heilige Haupt wieder in der Erde vergraben. Als die Ikonenverehrung wiederhergestellt worden war, wurde dem Patriarchen Ignatios (847-857) in einer Vision während des Nachtgebetes vom heiligen Johannes dem Täufer dieser Ort geoffenbart. Der Patriarch berichtete darüber dem Kaiser, welcher eine Gesandtschaft zum besagten Ort schickte. Diese fand dort zum dritten Mal das heilige Haupt von Johannes dem Täufer (etwa um 850). Später wurde das Haupt nach Konstantinopel überführt und dort in der Hofkirche aufbewahrt. Ein Teil dieser Reliquie befindet sich heute auf dem Berg Athos.

 

In den Heiligenleben des Dimitrij von Rostow ist ein Verweis am Ende des Textes über die Auffindungen des Hauptes wiedergegeben. Darin steht, dass nach 850 ein Teil der Reliquie im Prodromoskloster und ein anderer Teil im Studionkloster in Konstantinopel aufbewahrt wurde. Im Jahre 1204 wurde die Reliquie von Kreuzfahrern nach Amiens in Frankreich gebracht. Neben der Kathedrale von Amiens gibt es noch weitere Orte, die beanspruchen, das Haupt des heiligen Johannes als Reliquie zu besitzen. Zum einen die Kirche San Silvestro in Capite in Rom. Auch die Omayadden-Moschee (in vorislamischer Zeit die Johanniskathedrale) in Damaskus beansprucht, das Haupt des Täufers zu verwahren. 2010 wurde bei Ausgrabungen auf der bulgarischen Schwarzmeerinsel Sweti Iwan im Altar des ehemaligen kaiserlichen Klosters des heiligen Johannes des Täufers ein Reliquiar mit der Inschrift „Johannes der Täufer“ gefunden. In der Urne wurden Zahn, Hand-, Fuß- und Kieferknochen entdeckt. Bulgarische Archäologen wollen die Reliquien, die im 4. Jahrhundert n. Chr. von Konstantinopel nach Sosopol gelangt waren, dem heiligen Johannes dem Täufer zuordnen. 

 

 

Von Konstantinopel nach Amiens

 

1204 beim Sturm Konstantinopels durch die Kreuzritter, wurde die byzantinische Hauptstadt geplündert und verwüstet. Nach westlicher Überlieferung hat der Kanoniker Wallon de Sarton aus Picquigny in den Ruinen ein Etui gefunden, in dem sich eine Silberschale befand. Auf der Schale waren in einem Glasreliquiar die Reste eines menschlichen Kopfes zu sehen. Es fehlte lediglich der Unterkiefer. Über der linken Augenbraue war die Spur eines Schwerthiebes zu erkennen. Die griechische Inschrift bestätigte, dass das Reliquiar das heilige Haupt Johannes des Täufers enthielt. Die Spur über der Braue stimmte mit dem Bericht des heiligen Hieronymus überein. 

 

Wallon de Sarton beschloss die Reliquie in die Picardie im Norden Frankreichs zu bringen. Am 17. Dezember 1206, dem dritten Sonntag der Weihnachtsfastenzeit, hat der Bischof von Amiens Richard de Gerberoy die heilige Reliquie feierlich empfangen in Amiens empfangen. Der Bischof war von der Echtheit der Reliquie überzeugt und so begann die Verehrung der Reliquie in Nordfrankreich. 

 

1220 hat der Bischof von Amiens den Grundstein für den Bau der neuen Kathedrale „Notre-Dame d'Amiens“ gelegt, die nach vielen Erweiterungen zur prunkvollsten gotische Kirche ganz Europas heranwuchs. In diese Kathedrale wurde das Haupt des heiligen Johannes des Täufers gebracht und im Laufe der Zeit wurde Amiens zu einem Wallfahrtsort, der nicht nur für einfache Christen, sondern auch für die Könige, Prinzen und Prinzessinnen Frankreichs anzog. 

 

1604 wollte Papst Klemens VIII. die Basilica di San Giovanni in Laterano bereichern und bat die Kanoniker von Amiens um ein Reliquienstückchen. 

 

Während der französischen Revolution 1789 wurde in ganz Frankreich das Kirchengut vernichtet und konfisziert. Das Reliquiar des heiligen Johannes des Täufers blieb bis 1793 in Amiens. Dann haben Vertretern des Pariser Konvents seine Auslieferung verlangt. Sie rissen alle Edelmetallteile von der Reliquie und befahlen den Kopf auf dem Friedhof zu vergraben. Aber nach ihrer Abreise nahm der Bürgermeister der Stadt Louis Alexandre Lescouve die Gebeine insgeheim an sich und verwahrte sie in seinem Hause. Nach einigen Jahren übergab der ehemalige Bürgermeister die Reliquie an den Abbe Lejeune zur Aufbewahrung. Im Jahre 1816 wurde das Haupt des heiligen Johannes der Kathedrale in Amiens zurückgegeben. 

 

In der Orthodoxen Kirche wird der Reliquien des heiligen Johannes des Täufers an folgenden Feiertagen in besonderer Weise gedacht:

 

 am 7. Januar der Gedenktag der Übertragung der Hand des heiligen Johannes nach Konstantinopel.

 

 am 24. Februar der Gedenktag der ersten Auffindung seines ehrwürdigen Hauptes im 4. Jahrhundert und der zweiten Auffindung dieser Reliqui im Jahr 452.

 

 am 25. Mai der Gedenktag der dritten Auffindung seines ehrwürdigen Hauptes um das Jahr 850.

 

 am 29. August der Gedenktag der Enthauptung. 

 

Das Fest der Erhöhung des heiligen und lebenspendenden Kreuzes

 

am 14. September

 

Jedes Jahr feiert die Orthodoxe Kirche am 14. September das „Fest der Erhöhung des verehrten und lebenspendenden Kreuzes.“ Es ist eines der großen Feste des Kirchenjahres und hat einen wichtigen historischen Hintergrund. Obwohl eine oder zwei Hymnen des Tages sich etwas unklar auf die Vision des Kreuzes am Himmel beziehen, ist das tatsächliche Gedenken nicht der konstantinischen Vision vor der Schlacht gegen Maxentius am 28. Oktober 312 gewidmet. Als er am Ausgang der kommenden Schlacht für Italien zweifelte, sah er die Balken des Kreuzes sich am Himmel ausstrecken und die Worte „In diesem Zeichen siege“. Als er die Schlacht gewonnen hatte, begann er den Christen zu helfen und ließ sich noch kurz vor seinem Tod taufen.

 

Auch bezieht sich das Fest nicht auf die Auffindung des Kreuzes in Jerusalem ungefähr im Jahre 326, nach der Tradition durch die Hl. Helena, die Mutter Konstantins. Es gibt viele Geschichten über dieses Ereignis, und Konstantin hat tatsächlich eine große Kirche über dem Hl. Grab errichtet, in dem das Kreuz in einem Reliquiar aufbewahrt wurde. Drei Jahrhunderte später wurde die Kirche von den Persern während ihrer Kriege gegen das Römische Reich zerstört. Welche Feste auch immer in Jerusalem im Gedenken an die Auffindung des Kreuzes gefeiert wurden, sie wurden durch die Ereignisse während der Regierungszeit von Kaiser Heraklius überschattet, deren man nun im heutigen Fest gedenkt.

 

Als Heraklius nach dem Sturz des unwürdigen Phokas am 5. Oktober 610 zum Kaiser gekrönt worden war, wurden die Provinzen von allen Seiten von Persern, Awaren und Slawen überrannt. Er begann eine Reihe von internen Reformen, wie z.B. die Beendigung der kostenlosen Weizenverteilung, die es ermöglicht hatte, dass in Konstantinopel viele Arbeitsscheue ihre Zeit im Zirkus und bei Spielen verbringen konnten, anstatt etwas Nützliches zu tun, und er versuchte die Finanzen der Regierung zu verbessern. Er begann auch im Laufe der Zeit eine Reihe von Kämpfen, um die Herrschaft von Byzanz über die benachbarten Teile des Reichs wieder herzustellen. Die Perser hatten einige Jahre Syrien und Kleinasien belästigt und griffen im Jahre 613 die Stadt Damaskus an. Im nächsten Jahr nahmen sie Jerusalem ein und ließen dort zur Bewachung eine Garnison Soldaten zurück. Die Bevölkerung rebellierte, kaum dass das Heer der Perser abgezogen war und massakrierte die Garnison. Darauf kehrten die Eroberer um und es wird ihnen nachgesagt, dass sie 90.000 der Einwohner töteten, wobei sie die Juden verschonten, die ihnen bei der Eroberung geholfen hatten. Sie nahmen Patriarch Zacharias und den Behälter mit den Reliquien des Kreuzes mit nach Persien. 

 

Dieser Raub wurde von allen Christen als die größtmögliche Katastrophe angesehen, denn die heiligen Reliquien waren für sie der größte Schatz und Schutz der Stadt. Dazu kam noch die Frechheit des Königs der Perser, Chosroes, der die Christen ob ihrer Religion und ihrem Gott verspottete, der so offensichtlich versagt hatte ihnen zu helfen. Die nächsten acht Jahre war Heraklius mit den Awaren beschäftigt und konnte erst 622 wieder gegen die Perser vorgehen. Er führte zwischen 622 und 627 sechs Kriege und besiegte schließlich Chosroes und seine Generäle entscheidend, aber mit großen Verlusten. Das Reich war in großer Gefahr: 626 waren die Perser in Kleinasien gegenüber der Stadt am anderen Ufer des Bosporus und die barbarischen Verbündeten lagerten im Norden von Thrakien. Aber Heraklius brachte es fertig sie zu vertreiben und das Land wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

 

Er brachte den Patriarchen und die Kreuzreliquien, die unversehrt waren, wieder nach Jerusalem zurück. Die Bevölkerung verlangte die Reliquien zu sehen und zu verehren und deshalb wurden sie feierlich erhoben, damit alle sie sehen und verehren konnten. Der Kaiser nahm einen Teil des heiligen Holzes mit nach Konstantinopel. Seit der Zeit der Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena, waren kleine Stücke des Kreuzes als heiligste Reliquien über die ganze Welt verschickt worden; der verbleibende Teil war groß, aber noch tragbar. 

 

Der teuer errungene Sieg von 626 hatte sowohl Perser wie Byzantiner erschöpft. Da erschien eine neue Gefahr am Horizont: Chosroes und Heraklius erhielten Schreiben von einem Araber namens Mohammed, der sie einlud sich zum Islam, dem gerade neu gegründeten Glauben, zu bekehren. Sie lehnten beide ab, aber sie würden viele und schwierige Begegnung mit den Muslimen haben. Die Angriffe der Araber auf das Reich begannen 629, Damaskus wurde 635 eingenommen und 637 Jerusalem. Heraklius begab sich nach Jerusalem und brachte die heiligen Reliquien nach Konstantinopel in Sicherheit, aber der Patriarch blieb zurück um die neuen Herren zu begrüßen.

 

Die Erhöhung des Kreuzes in der Kirche ist eigentlich eine patriotische Zeremonie mit Gebeten für die Regierenden und ihr Volk, für Kirche und Staat, für ihre Errichtung und Bewahrung. Das drückt sich im Wesentlichen im Festtroparion aus: 

 

Rette, Herr, Dein Volk, und segne Dein Erbe,

den Sieg der Könige über die Barbaren schenke uns,

und Deinen Schutz durch das Gesetz des Kreuzes. 

 

Ihr Reich war für die Byzantiner die zivilisierte Welt, die Ökumene, wo Gesetz und Recht galten; außerhalb der Grenzen waren die Barbaren, Völker, die in anderen, unverständlichen Sprachen redeten und deren Sitten wild und fremd waren. Das Christentum war Teil ihrer byzantinischen Welt, Mittler zu Heil und Kultur. Das ist das Erbe, das vom byzantinischen Kaiserreich über die Zeiten hinweg vermittelt wurde, der Kampf für Kultur gegen die Mächte der Zerstörung. Wenn wir heute dieses Fest feiern, sollten wir daran denken. Es passt, dass das Fest der Kreuzerhöhung ein Fasttag ist. Das ist zwar ungewöhnlich, aber es betont das Verständnis unserer Vorfahren, dass Siege schwer zu erzielen sind und Gutes nur durch Opfer erreicht werden kann.

 

Quelle Andreasbote August/ September 2013

 

 

Maria und Martha Maria und Martha

zum Fest des Schutzes der allheiligen Gottesgebärerin am 01./28. Oktober

 

In der Liturgie dieses Tages lesen wir zwei zusammengezogene Perikopen aus dem Lukas-Evangelium (Lk 10,38-42 und 11,27-28), die die Kirche an allen Marienfesten wiederholt und denen die Wiederholung selbst das Gewicht einer besonders wichtigen Erklärung gibt. Jesus lobt Maria von Bethanien, die zu seinen Füßen sitzt und seinen Worten lauscht, dass sie „das Bessere gewählt habe, das soll ihr nicht genommen werden“, denn „nur eines ist notwendig“. Nicht dass der Herr Martha, die ganz in Anspruch genommen war für ihn zu sorgen, getadelt hätte, aber Martha machte sich „viele Sorgen und Mühen“. Die Kirche bezieht die Anerkennung, die Maria von Bethanien durch Jesus zuteil wurde auf das kontemplative Leben, insoweit es verschieden (wir sagen nicht: gegensätzlich) zum aktiven Leben ist. Die Kirche bezieht diese Anerkennung auch auf Maria, die Mutter des Herrn, die als Vorbild für alles kontemplative Leben betrachtet wird, denn wir lesen an anderer Stelle des Evangeliums nach Lukas: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen ... Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“ Lk 2,19.51). Vergessen wir auch nicht, dass die Jungfrau Maria sich schon vorher, wie Martha und in viel höherem Maße als Martha, dem praktischen Dienst an Jesus geweiht hatte, denn sie hatte den Retter ernährt und aufgezogen.

 

Im zweiten Teil des Evangeliums des Tages lesen wir, dass ein Frau ihre Stimme erhob und zu Jesus sagte: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.“ Worauf er antwortete: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Diese Worte sollten nicht als Geringschätzung des Lobes gesehen werden, das die Frau Maria zubilligt oder als Unterschätzung ihrer Heiligkeit, sie bringen eher die Dinge in das rechte Licht und zeigen wo das wahre Verdienst Marias liegt. Dass Maria die Mutter Christi wurde war ein Geschenk, es war ein Privileg, das sie annahm, aber das seinen Ursprung nicht in ihrem persönlichen Willen hatte. Andererseits war es ihr eigenes Bemühen, dass sie das Wort Gottes hörte und es behielt. Darin liegt die wahre Größe Marias. Gewiss, Maria ist gebenedeit, aber nicht hauptsächlich deshalb, weil sie Jesus getragen und genährt hat; vor allem ist sie in einzigartiger Weise gesegnet, weil sie gehorsam und treu war. Maria ist die Mutter des Herrn; sie ist die Beschützerin der Menschen: aber vor allem und zu allererst ist sie die, die das Wort hörte und es bewahrte. Darin liegt die im heiligen Evangelium Grund gelegte Begründung unserer Marienverehrung.

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, page 32 f.