Orthodoxe Welt-Teil 2

 

Das orthodoxe Erzbistum von Kreta

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Kirche auf Kreta ist apostolischen Ursprungs, denn der christliche Glaube kam seit dem Jahre 64 nach Christus durch den heiligen Apostel Paulus während seiner vierten Missionsreise auf die Insel. Esbildeten sich auf die Predigt des heiligen Apostels hin schnell erste Gemeinden. Der Heilige Apostel Titus wurde der erste orthodoxe Bischof der Insel. Der Apostel Paulus beauftragte ihn hat mit der systematischen Verkündigung der christlichen Heilsbotschaft auf Kreta. Mit der Ausbreitung des Glaubens ging der Aufbau der Organisation der Heiligen Kirche einher. Schon bald gab es eine Metropolitangliederung mit vielen Bischofsitzen, die eine lokale Synode bildeten. Heute trägt das Oberhaupt der kretischen Kirche trug den Titel Erzbischof. Zunächst war Kreta war eine der zwölf Erzbistümer von der Kirchenprovinz Illyrien, die  damals die gesamte Balkanhalbinsel umfaßte.

 

Während der ersten rhomäisch-byzantinischen Periode hatte der Erzbischof der kretischen Kirche seinen Sitz in Gortyna, das seit der Epoche der römischen Herrschaft zugleich das weltliche Verwaltungszentrum der Insel war. Anfang des 8. Jahrhunderts gab es zwölf Bistümer  auf Kreta, so dass sich für die kretische Kirche die Bezeichnung „Dodekathronos“ einbürgerte.

 

 

Bis zu Zeit der ikonoklastischen Wirren unterstand die kretische Kirche, wie die ganze Kirche in Illyricum der Kirchenverwaltung durch das abendländische Patriachat in Rom. Da der Papst aber zur orthodoxen, bilderfreundlichen Partei gehörte, wurde im Jahr 754 die ganze Kirchenprovinz Illyricum der Oberhoheit des damals ikonoklastischen Patriarchen in Konstantinopel unterstellt. Bis heute verläuft im Illyricum die Trennungslinie zwischen der byzantinischen und der lateinischen Welt des Christentums, so dass die Kroaten zur lateinisch geprägten Welt des Katholizismus, die Serben jedoch aber zur byzantinischen geprägten Welt der Heiligen Orthodoxie gehören.

 

Die Periode der arabischen Besetzung (um 824–961 n. Chr.) stellt einen entscheidenden Einschnitt in der politischen und kirchlichen Geschichte Kretas dar, denn unter dieser ersten muslimischen Besetzung der Insel wurde die kirchliche Struktur weitgehend zerschlagen. Nach der Rückeroberung von der Insel durch den rhomäischen Kaiser Nikephoros Phokas im Jahr 961 beginnt die zweite Periode der byzantischen Geschichte Kretas (961–1204). Zunächst mußte aber das orthodoxe kirchliche Leben auf der Insel wieder aufgebaut und konsoldiert werden. Politisches und religiöses Zentrum Kretas wurde nun Chandakas. Auch der Erzbischof der Insel nahm nun dort seinen Sitz.

 

Infolge der Eroberung Konstantinopels durch die lateinischen Kreuzfahrer des 4. Kreuzzugs im Jahre 1204 fiel Kreta unter die Herrschaft der Seehandelsrepublik Venedig. Wie in den übrigen, durch die lateinischen Kreuzfahrer beherrschten Teilen des byzantischen Reiches und des übrigen christlichen Orients vertrieben die Venezianer auf Kreta die orthodoxen Bischöfe von ihren Sitzen und unterstellten die gesamte Kirche der Insel der Jurisdiktion lateinisch-katholischer Hierarchen. Die orthodoxen Priester mußten nun als Vikare lateinischer Priester unter einem lateinisch- römischen Erzbischof und römischen Bischöfe ihr Amt ausüben. Der Orthodoxe Glaube ging jedoch auf Kreta nicht unter, da die zahlreichen Orthodoxen Klöster, mit ihren engagierten Igumenoi und vielen gelehrte Mönchen, aber auch die einfachen Priester in den Dörfern und Städten, das Orthodoxe Glaubensbewußtsein der griechischen Inselbevölkerung unterstützen und stärkten. In die Zeit der venezianischen Herrschaft fällt auch die Blüte der kretisch-italischen Ikonenmalschule, die den überlieferten orthodoxen Darstellungskanon durch Einflüsse aus der italienischen Renaissancemalerei bereicherte und so einen ganz eigene Gattung der griechischen Ikonenmalerei schuf.

 

Beispiel der kretisch-italischen Ikonenmalerei: Die Göttliche Liturgie von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Beispiel der kretisch-italischen Ikonenmalerei: Die Göttliche Liturgie von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Vier Soldatenheilige von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Vier Soldatenheilige von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.

 

Michalis Damaskinos  (Μιχαήλ Δαμασκηνός; * 1530; † 1593) war ein bedeutender Ikonenmaler der griechisch-italischen Schule. Damaskinos wurde in der kretischen Stadt Chania im Jahre 1530 geboren. Auf Kreta wurde zum Ikonenmaler ausgebildet. Später ging er nach Italien, wo er zunächst die Werke italienischer Maler studierte und auch kopierte. Von 1569 bis 1573 lebte und arbeitete er in Messina. Ab 1574 lebte er als Mitglied der griechischen Gemeinde in Venedig. In dieser Zeit erhielt er den Auftrag, die Ikonen der Kirche San Giorgio dei Greci zu schreiben, welche er 1582 vollendete. Kurz vor seinem Tod kehrte er nach Iraklion auf Kreta zurück. Heute sind rund 90 seiner Werke aus den Jahren 1555 bis 1591 sind erhalten.

 

Anbetung der Heiligen Drei Magoi von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Anbetung der Heiligen Drei Magoi von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Synaxis der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Synaxis der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.

 

Der venezianischen Fremdherrschaft folgte die der osmanischen Türken (1645–1898). Eine wichtige kirchliche Veränderung war jedoch, dass die Orthodoxe Hierarchie innerhalb der kretischen Kirche wieder hergestellt werden konnte. Seit dem dem Jahr 1700 trägt der Metropolit von Kreta den Titel „Metropolit von Kreta und ganz Europa“. Diesen offizielle Titel führt der orthodoxe Erzbischof der Insel bis heute. Waren in der Zeit der venezianischen Herrschaft Teile der Bevölkerung zum römischen Katholizismus konvertiert, so traten in den Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft nun Teile der Bevölkerung zum Islam über, so dass es bis zum griechisch-türkischen „Bevölkerungsaustausch“ im Jahre 1923 auf der Insel eine nicht unerhebliche muslimische Minderheit gab, die sowohl in Teilen türkischsprachig, in Teilen aber auch griechischsprachig war. Die Mehrheit der Inselbevölkerung hielt aber trotz der damit verbundenen Benachteiligung auch unter der islamischen Fremdherrschaft unverbrüchlich am angestammten Orthodoxen Glauben fest. Während dieser harten Zeit half das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel der Kirche von Kreta auf vielfältige Weise.

 

Während des griechischen Freiheitskampfes von 1821 verlor die Orthodoxe Kirche von Kreta ihre gesamte Hierarchie denn nach der Schlacht bei  Heraklion am 24. Juni 1821 haben die Osmanen den Metropoliten von Kreta und seine fünf Sufraganbischöfe ermordet. Erst im Jahr 1862 konnten die Bischofsitze auf Kreta wieder besetzt werden. Jedoch wurde das Erzbistum vom Kreta nicht mit der neuentstandenen Kirche von Hellas vereinigt, sondern blieb als autonomes Erzbistum beim Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Der Status der Orthodoxen Kirche Kretas wurde dann im Jahr 1900 Zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und dem griechischen Staat neu geregelt. Das Oberhaupt der kretischen Kirche wird vom Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel und dem Heiligen Synod dort erwählt. Seine  Inthronisation erfolgt dann auf Verordnung des griechischen Staates. Im Jahr 1962 wurden alle Bischöfe Kretas durch einen patriarchalen in den Rang von Metropoliten erhoben. Im Jahr 1967 wurde dann die Orthodoxe Metropolie von Kreta zum Erzbistum erhoben.

 

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria ""Panhaghia tou Melas" (Ikone der Allheiligen Gottesmutter vom Schwarzen Berge) und das Mutter-Gottes Kloster in Soumela im Pontos-Gebirge.

 

Diese Ikone der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria wurde vom Evangelisten Lukas gemalt. Dieser behielt das heilige Bild zunächst bei sich. Nach seinem Tode wurde die Ikone  von zwei Engeln durch die Lüfte in eine Höhle im pontischen Gebirge getragen. Dort verblieb das Heiligtum zunächst im Verborgenen, bis im Jahre 385 zwei junge Männer aus Athen, Barnabas und sein Neffe Sophronios, sich den Eremiten anschlossen, die bereits in den Höhlen rund um jene Höhle im Pontosgebirge wohnten, wo die Ikone der allheiigen Muttergottes verborgen war. Durch die Erscheinung von zwei Engeln veranlaßt, stiegen sie noch weiter in die Berge des Pontos hinauf. Dabei entdeckten sie die heilige Ikone in einer Höhle mitten im Wald in der Nähe von Wasserfällen. Durch dieses Wunder schlossen sich den beiden viele Eremiten an und es entstand das Kloster von Soumela. Die Höhle, wo die beiden Heiligen die Ikone der Gottesmutter aufgefunden haben wurde erweitert, so dass eine Höhlenkirche entstand. In den umliegenden Höhlen entstanden die Kellia der Mönche. Um das Jahr 500 förderte der rhomäische Kaiser Anastasios den Neunau Bau des Klosters. Damals entstanden auch erstmals die Gebäude vor dem Höhlenkomplex. Im Jahre 640 wurde die Klosteranlage durch ein Feuer zerstört. Aber der Mönch Christophoros aus dem Kloster Vazelon baute es wieder auf. Im 12. Jahrhundert wurde das Kloster durch eine Räuberbande niedergebrannt und zerstört. Jedoch gelang es den Angreifern nicht, sich dauerhaft der heiligen Ikone zu bemächtigen. Am Ende wurde die Ikone unversehrt aus dem Fluss geborgen.

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin aus dem Soumela-Kloster ( Παναγία Σουμελά/Панагии Сумела/ ) im Pontos-Gebirge wird heute in einem eigens dafür erbauten Kloster, Neu Soumela in Griechisch-Makedonien, aufbewahrt.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin aus dem Soumela-Kloster ( Παναγία Σουμελά/Панагии Сумела/ ) im Pontos-Gebirge wird heute in einem eigens dafür erbauten Kloster, Neu Soumela in Griechisch-Makedonien, aufbewahrt.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Soumela.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Soumela.

 

Die ältesten heute erhaltenen Gebäude des Klosters stammen aus der Zeit der Komnenenkaiser. Im Kloster Soumela wurden am 21. Mai 1350 auch Alexios III. (1338–1390) und sein Sohn Manuel III (1390–1417) zu Kaisern des Kaiserreiches Trapezunt gekrönt. Dieses war in Folge der Eroberung von Konstantinopel während des vierten Kreuzzzuges (1204) durch die Franko-Lateiner errichtet worden. Das Kaiserreich von Trapezunt blieb bis zu seiner Eroberung durch die osmanischen Türken im Jahr 1461 bestehen. Die Bevölkerung des Pontosgebirges blieb jedoch auch unter islamischer Herrschaft weitgehend dem orthodoxen Glauben treu. Auch sprachen sie eine eigene, sich direkt vom altgriechischen ableitende Form der griechischen Sprache: das pontische Griechisch. Auch unter den osmanischen Sultanen blieb das Kloster bestehen und entwickelte sich zu einem wichtigen Wallfahrtsort der orthodoxen Christen im gesamten osmanischen Reich.

 

Sein heutiges Aussehen erhielten die Kloster jedoch erst im 19. Jahrhundert, als ein Gebäude mit den Kellia für die Mönche als Front vor die eigentliche, in den Felsen gehauene Höhlenkirche erbaut wurde. Bereits in den Jahren vor den ersten Weltkrieg setzte der Genozid an den orientalischen Christen in Kleinasien ein. Seit dem Jahre 1908 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs kamen allein im Pontosgebiet 253.000 griechische orthodoxe Christen ums Leben. Infolge des Vertrages von Lausanne kam dann mit seinen Vertreibungen und Bevölkerungsverschiebungen das Ende für die orthodoxen Griechen an der Schwarzmeerküste. Insgesamt wurden aus Kleinasien rund  1,25 Millionen Griechen aus der Türkei nach Griechenland vertrieben. Kleine Gruppen flohen jedoch auch vor Terror und Gewalt in das benachbarte  Russland, Georgien und Armenien.

 

Im Rahmen des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches mußten dann im Jahre 1926 auch die Mönche das Kloster in Soumela verlassen. Bevor sie das kloster verlassen mußten, konnten  sie noch die heiligen Reliquien und die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin in einer nahen Kapelle verstecken.

 

Blick auf den Klostertrakt aus dem 19. Jahrhundert. Er beherbergt die Kellia für die Mönche und steht vor dem Klosterhof.
Blick auf den Klostertrakt aus dem 19. Jahrhundert. Er beherbergt die Kellia für die Mönche und steht vor dem Klosterhof.
Blick vom Klostertrakt mit den Kellia in den Klosterhof und auf den Eingang der Höhlenkirche.
Blick vom Klostertrakt mit den Kellia in den Klosterhof und auf den Eingang der Höhlenkirche.
Das "Wunder von Soumela" - Am 15. August 2010 wurde dem Ökumenischen Patriarchen erstmals seit der Vertreibung der Mönche im Jahre 1926 von den türkischen Behörden gestattet im Kloster Soumela die Heilige Liturgie zu feiern.
Das "Wunder von Soumela" - Am 15. August 2010 wurde dem Ökumenischen Patriarchen erstmals seit der Vertreibung der Mönche im Jahre 1926 von den türkischen Behörden gestattet im Kloster Soumela die Heilige Liturgie zu feiern.
Blick auf die Fassade der Höhlenkirche.
Blick auf die Fassade der Höhlenkirche.

 

Als sich im Jahre 1930 das griechisch- türkische Verhältnis verbesserte, konnten auf Vermittlung des türkischen Ministerpräsidenten Ismet Inönü die in der Kapelle versteckten Heiligtümer nach Griechenland gebracht werden. Heute befinden sie sich im gleichnamigen Kloster Nea-Soumela bei Kastania in Griechisch-Mazedonien: Dieses im Jahre 1951 neu erbaute Kloster wurde zur Aufnahme der wundertätigen Ikone der Gottesmutter, aber auch des Kreuzpartikels der Kaiser von Trapezunt erbaut.

 

Die alten Klostergebäude bei Trabzon verfielen nach einem verheerenden Brand im Jahre 1930 immer weiter. Seit 1972 wurden sie dann aber von der türkischen Regierung unter Schutz gestellt und steht heute wieder Besuchern offen. Dies nutzen vor allem auch orthodoxe Russen und Ukrainer während eines Urlaubsaufenthaltes in der Türkei zu einer privaten Pilgerreise zur Allheiligen Gottesmutter vom Schwarzen Berg.

 

Die folgenden Bilder zeigen das Kloster Nea-Soumela in Griechisch-Makedonien.
Die folgenden Bilder zeigen das Kloster Nea-Soumela in Griechisch-Makedonien.
Der Heilige Kreuzes-Partikel der Kaiser  von Trapezunt aus dem Kloster Soumela.
Der Heilige Kreuzes-Partikel der Kaiser von Trapezunt aus dem Kloster Soumela.

 

In dem Kloster Kloster von Soumela werden seit Alters her besonders heilige Reliquien aufbewahrt. Außer der Ikone der allheiligen Gottesmutter, die vom Heiligen Apostel und Evangelisten Lukas gemalt worden ist, ist die ein Kreuzpartikel der Kaiser von Trapezunt. Mit dieser heiligen Kreuzreliquie wird monatlich das Wasser aus dem heilbringenden Brunnen geweiht, welches die Pilger in allen erdenklichen Notlagen und Leiden anwenden.

 

 

Prozession mit der Ikone an ihrem Fest (15. August).
Prozession mit der Ikone an ihrem Fest (15. August).