Orthodoxe Welt-Teil 2

Virtuelle Rekonstruktion des vorosmanischen Zustandes der Hagia Sophia in Konstantinopel. Im Hintergrund ist die Irenen-Kirche zu sehen.
Virtuelle Rekonstruktion des vorosmanischen Zustandes der Hagia Sophia in Konstantinopel. Im Hintergrund ist die Irenen-Kirche zu sehen.

 

Die Kirche der Heiligen Weisheit in Konstantinopel

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Kirche der Heiligen Weisheit in Konstantinopel war bis zur Eroberung der Stadt durch die Osmanen die Patriarchalbasilika der Ökumenischen Patriarchen und erste Kirche der orthodoxen Christenheit. Die liturgischen Vollzüge der orthodoxen Liturgie wurden maßgeblich von diesem Kirchenbau beeinflusst. Der Name der Kirche „Hagia Sophia“ (Αγια Σοφια  - „Die Heilige Weisheit“, slawisch: София Премудрость Божия = Göttliche Weisheit) bezieht sich auf die hypostatische Weisheit Gottes, den Logos und Sohn Gottes Jesus Christus, der zu unserem Heile Mensch geworden ist. Insofern ist die Hagia Sophia eine Christus-Erlöser-Kirche. Jesus Christus ist die Weisheit Gottes, die Sophia, über die bereits Buch der Sprüche Salomos geschrieben steht: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, hat ihre sieben Säulen ausgehauen“ (Sprüche Salomos 9:1) Diese Worte Salomos weisen prophetisch auf die kommende Inkarnation des  Sohnes Gottes in Jesus Christus hin, den der heilige Apostel Paulus die „Weisheit Gottes“ nennt (vgl.: 1.Korinther 1:30), während das Wort „Haus“ auf die Allheilige Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria hinweist, aus der Sohn Gottes Fleisch angenommen hat.

 

Ikone der Göttlichen Weisheit.
Ikone der Göttlichen Weisheit.
Russische Ikone des 18. Jahrhunderts -„Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, hat ihre sieben Säulen ausgehauen“ (Sprüche Salomos 9:1).
Russische Ikone des 18. Jahrhunderts -„Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, hat ihre sieben Säulen ausgehauen“ (Sprüche Salomos 9:1).

 

Die erste Sophienkirche in Konstantinopel wurde bereits unter dem heiligen, apostelgleichen Kaiser Konstantin errichtet. Es handelte sich jedoch noch nicht um einen Zentral- oder Kreuz-Kuppel-Bau sondern um eine christlich-antike Kirche im Stil einer Basilika, wie sie sich noch heute in der Kathedrale des heiligen Demetrius in Thessaloniki erhalten hat, also um einen langestreckten Baukörper mit Holzdach. Diese erste Kirche wurde im Jahre 360 fertiggestellt und brannte bereits im Jahre 404 bei einem Aufstand nieder. Der folgende Neubau unter Kaiser Theodosius II. wurde im Jahre 415 eingeweiht und ging während der Herrschaft des Kaisers Justinian im Nika-Aufstand des Jahres 532 erneut in Flammen auf. Kaiser Justinian veranlasste daraufhin den dritten und vorerst letzten Bau der Hagia Sophia. Diese prachtvolle Kirche, die bis zur Errichtung des heutigen Petersdoms in der Renaissancezeit die größte Kirche der Christenheit war, wurde am 26. Dezember des Jahres 537 zur Ehre Gottes geweiht.

 

Rekonstruktion der justianischen Kirche. Blick auf die Forderfront mit Weihebrunnen und Vorhof.
Rekonstruktion der justianischen Kirche. Blick auf die Forderfront mit Weihebrunnen und Vorhof.

 

Bis zum Ende des rhomäisch-byzantinischen Reiches im Jahre 1453 war die Hagia Sophia Kathedrale und Bischofskirche der Ökumenischen Patriarchen und zugleich Hof- und Krönungskirche der oströmischen Kaiser. So war die Hagia Sophia der Ort aller wichtigen Gottesdienste des Kirchenjahres. Wurden bis zur Zeit des Justinian - ähnlich wie in der Stadt Rom - die verschiedenen Festgottesdienste durch den Patriarchen an bestimmten Orts- oder Stationskirchen vollzogen, zu denen Patriarch, Volk und Klerus in feierlicher Prozession schritten, so wurde es nun üblich, so gut wie alle Festgottesdienste des Kirchenjahres in der Hagia Sophia selbst zu zelebrieren. Von der Tradition an Festtagen in einer feierlichen Prozession zum Ort des Gottesdienste zu ziehen künden uns noch heute die Typika- und Antiphonal- Psalmen, die wir am Beginn der Liturgie der Katechumenen singen. Damals wurden sie noch im Wechsel von den Kirchensänger und dem Volk während der Prozession gesungen. Die Feier der Göttlichen Liturgie begann dann damit, dass das heilige Evangelienbuch zum Patriarchen heraus getragen wurde und dieser es durch einen Kuss verehrte. Dann zogen alle, Kleriker und Volk unter dem Gesang des „Kommet, lasset uns anbeten und niederfallen vor Christus…“ in die Kirche ein und die Feier der Göttlichen Liturgie begann erst mit der Lesung des Apostel und des Evangeliums. Eine weitere Erinnerung an die liturgische Prozession ist der Brauch, beim kleinen Einzug das heiligen Evangelienbuch zum Bischof, der bisher inmitten des Volkes auf der Bema gestanden hat, herauszutragen. Der Bischof verehrt dann das Evangelienbuch und mit dem bereits erwähnten Gesang ziehen alle Kleriker in den Altarraum ein und die Lesungen beginnen.

 

Der heilige Johannes Chrysostomos schreibt die Gebete der Heiligen Liturgie unter der Anleitung des heiligen Apostels Paulus.
Der heilige Johannes Chrysostomos schreibt die Gebete der Heiligen Liturgie unter der Anleitung des heiligen Apostels Paulus.

 

Während der lateinischen Besetzung der Kaiserstadt von 1204-1261 wurden alle heiligen Reliquien aus der Hagia Sophia entfernt und von den Franko-Lateinern nach Westeuropa gebracht. Danach wurde das Gotteshaus als römisch-katholische Kirche genutzt. Nachdem die rhomäischen Kaiser, die zwischenzeitlich in Nicäa (1204-1261) und Trapezunt residierten, im Jahre 1261 nach Konstantinopel zurückkehren konnten, wurde das Gotteshaus bis zur Eroberung der Stadt durch die osmanischen Türken im Jahre 1453 erneut als orthodoxe Kathedrale und Hofkirche des Kaisers genutzt.

 

Rekonstruktionsversuche des Innenraums der Hagia Sophia - der Ikonostas.
Rekonstruktionsversuche des Innenraums der Hagia Sophia - der Ikonostas.
Rekonstruktionsversuch der Lichtwirkung im Innenraum der Hagia Sophia - Blick auf Bema und Ikonostas.
Rekonstruktionsversuch der Lichtwirkung im Innenraum der Hagia Sophia - Blick auf Bema und Ikonostas.

 

Als Krönungskirche der byzantinischen Kaiser (seit dem Jahre 641), als Kathedrale des Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel und als Ort wichtiger historischer Geschehnisse ist die Hagia Sophia in besonderer Weise mit der Geschichte der orthodoxen Kirche und der des rhomäisch-byzantinischen Kaisertums verbunden. Zugleich ist die Hagia Sophia ganz bewusst als eine Widerspiegelung, als eine Ikone des von Kommen des Heiles in Jesus Christus ergriffenen Kosmos erbaut worden. Zugleich war sie ideengeschichtliches Abbild der durch den christlichen Glauben ergriffenen Welt, der gesamten christlich-byzantinischen Oikumene, wenn der christlich-römische Kaiser dort umgeben von seinem Hofstaat am christlich-orthodoxen Gottesdienst teilnahm. So ist die Hagia Sophia als ein Ort der christlichen Liturgie zur orthodoxen Modellkirche geworden, was die Sophienkirchen in Kiew (Ukraine), Novgorod (Russland) und Sofia (Bulgarien) unter anderen gleichgestaltigen Kirchenbauten anschaulich belegen.

 

Sophienkirche in Kiew - heutige barocke Ansicht.
Sophienkirche in Kiew - heutige barocke Ansicht.
Modell der Sophienkirche in Kiev vor der Barockisierung.
Modell der Sophienkirche in Kiev vor der Barockisierung.
Sophienkirche in Novgorod.
Sophienkirche in Novgorod.

 

Die Hagia Sophia gehört zu den herausragenden Bauwerken der christlichen Spätantike und ist das bedeutendste Beispiel für den Bautypus der byzantinischen Kreuz-Kuppel-Kirche. Sie wurde von den byzantinischen mathematischen Gelehrten und Architekten Anthemios von Tralles und Isidor von Milet unter der Anwendung der antiken Mathemaik und der Gewölbelehre Herons errrichtet.

 

Das den gesamten Kirchenraum prägende und liturgisch das Himmelsgewölbe und die gesamte von Christus beherrschte himmlische Sphäre symbolisierende Bauelement der Hagia Sophia ist ihre monumentale Kuppel, die den gesamten Innenraum der Kirche beherrscht. Sie ruht auf Pendentifs zwischen vier mächtigen Eckpfeilern, die das Gewicht der Kuppel zum Baugrund hin ableiten. Die besondere bauhistorische Bedeutung der Kuppel liegt nicht in ihrer Größe, sondern darin, dass sie erstmals auf nur vier Pfeilern ruht und so gleichsam über dem darunterliegenden Raum schwebt. Die Ausmaße des dadurch entstandenen Kirchenraumes sind beeindruckend. Die Konstantinopler Sophienkirche steht auf einem Rechteck von rund 80 m Länge und 70 m Breite. Die Spannweite der Kuppel beträgt rund 32 m und der Kircheninnenraum misst vom Fußboden bis zum Scheitelpunkt der Kuppel 55 m.

 

Blick in den Innenraum der Hagia Sophia - heutiger Zustand.
Blick in den Innenraum der Hagia Sophia - heutiger Zustand.

 

Die verwendeten Baumaterialien kamen aus dem gesamten damaligen byzantischen Reich. So wurden Marmorplatten sowohl in den Steinbrüchen Anatoliens gebrochen als auch aus dem gesamten Mittelmeerraum nach Konstantinopel importiert. Für den Bau der Kuppel kamen spezielle Ziegelsteine und Dachpfannen aus Rhodos. Die antiken Säulen stammten aus Griechenland, Kleinasien und Italien, wobei die dazugehörigen Kapitelle meist neu gearbeitet wurden.

 

Im Norden und Süden des rechteckigen Zentralbaus wird ein, durch die mächtige Kuppel  entstehender, Seitenschub von Strebwerken über den deutlich niediger gestalteten Seitenschiffen abgefangen. Im Westen und Osten übernehmen diese Aufgabe Konchen mit Halbkuppeln, deren Widerlager ihrerseits in insgesamt vier kleineren Kuppeln liegt. Über der Eingangshalle zur Kirche, dem Narthex befindet sich auf einer Empore der Ort, an dem der Kaiser dem Gottesdienst beiwohnte. An diesem herausgehobenen Ort hielt sich der Kaiser mit seinem Hofstaat auf, nachdem er durch die mittlere der Eingangstüren die Kirche betreten und vom Patriarchen in der Mitte der Kirche mit dem Kreuz empfangen worden war. 

 

Das mittlere der Eingangstore in den eigenlichen Kirchenraum war allein dem rhomäischen Kaiser vorbehalten. Die rechten und linken Tore konnten von den übrigen Gläubigen genutzt werden.
Das mittlere der Eingangstore in den eigenlichen Kirchenraum war allein dem rhomäischen Kaiser vorbehalten. Die rechten und linken Tore konnten von den übrigen Gläubigen genutzt werden.

 

Auf dieser kaiserlichen Empore hielt sich der Herrscher während des Hauptteils der Katechumenenliturgie auf, trat aber nach der Evangeliumslesung zur Verehrung des Evangeliars heran und empfing auch die Kommunion mit den Priestern zusammen am Altar. Dies ist ein deutlicher Unterschied zum weströmischen Kaiser, der die Kommunion als erster des Volkes empfing. Als Kaiser Theodosios I. in Mailand versuchte, den Altarraum zum Kommunionempfang zu betreten, wurde er vom heiligen Ambrosius abgewiesen. In Konstantinopel empfing der Kaiser jedoch die Heiligen Gaben am Altar. Hierzu zog er über die Bema und durch die "Kaiserlichen Türen" des Ikonostas in den Altarraum ein. Darin fand die besondere Rolle des rhomäischen Kaisers ihren gottesdienstlich-liturgischen Ausdruck. Als „Bischof“ des für die äußeren Angelegenheiten der Kirche oblag dem Kaiser die Aufsicht und Verantwortung für die rechte Ordnung im christlichen Staat, damit sich dort das innere Leben der Kirche - für das wiederum die Bischöfe die Verantwortung trugen - sich so vollständig wie möglich entfalten konnte. Dieses christliche Staatsmodell nennt man in der Orthodoxie die Symphonia. Auch wenn es heute in keinem orthodoxen Land mehr einen Kaiser oder König gibt, so ist dieses Staats-Kirchen-Modell doch bis heute das staatsphilosophische Ideal der Orthodoxie geblieben. Auch andere, nicht-monarchische Formen des Staatsaufbaus haben nach orthodoxem Verständnis immer die Aufgabe, der Verwirklichung eines christlich geprägten Staatswesens zu dienen. Die privilegierte Partnerschaft zwischen dem deutschen Staat und den Kirchen und Glaubensgemeinschaften ermöglich dies weit besser als laizistische Systeme. In der abendländischen Wahrnehmung wurde dieses byzantinische Symphonia-Modell oft als "Cäsaro-Papismus" missdeutet, wobei man immer beachten sollte, dass die heutige Trennung von Staat und Kirche, der weltanschaulich neutrale Staat als Garant der Glaubens und Gewissensfreiheit aller, sich in einem Westeuropa entwickelte, in dem sich die römischen Päste als Bischof der Bischöfe und zugleich auch als König der Könige verstanden. So wurde die dreifache päpstliche Krone, die Tirara, von den mittelalterlichen Päpsten verstanden. Erst in der Neuzeit wurde sie als Symbol für die Einheit des höchsten Lehr-, Priester- und Hirtenamtes in der katholischen Kirche verstanden. Nach oströmisch-byzantinischem Verständnis war der rhomäische Kaiser jedoch nicht Selbstherrscher aus eigener Machtvollkommenheit, sondern immer ein Vikar oder  Gouveneur Christi auf Erden. In dieser Funktion bildete er in gewisser Weise wie eine lebende Ikone in seiner Funktion als Herrscher der Christenheit den eigentlichen Herrscher Christus Pantokrator ab. Deshalb wurde das christlich-orthodoxe Kaisertum auch als ein heiliger Dienst betrachtet, der nicht willkürlich ausgeübt, sondern mit den Werken der Frömmigkeit und Philanthropia einhergehend wahrgenommen werden musste.

 

Das Verständnis des rhomäischen Kaisertums läßt sich an diesem Mosaik über den kaiserlichen Türen zur Hagia Sophia verdeutlichen: Christus Pantokrator delegiert die weltliche Herrschaft an den jeweiligen Kaiser als Vicarius Christi.
Das Verständnis des rhomäischen Kaisertums läßt sich an diesem Mosaik über den kaiserlichen Türen zur Hagia Sophia verdeutlichen: Christus Pantokrator delegiert die weltliche Herrschaft an den jeweiligen Kaiser als Vicarius Christi.

 

An den Seiten der Kirche im jeweils rechten Winkel zur Kaiserempore gab es jeweils eine Galerie für die Frauen (γυναικών = Gynaikeion). Von dort aus nahmen die vornehmen Damen des byzantinischen Adels an der  Feier der Göttlichen Liturgie teil, während die Frauen aus dem einfachen Volk im Kirchenschiff auf der linken Seite standen. Die männlichen Mitglieder des Kaiserhofes umgaben den Herrscher während des Gottesdienstes auf seinem Thron auf der kaiserlichen Empore. Auf der rechten Seite der äußeren Vorhalle der Kirche, Naos genannt, symbolisiert das Omphalion die Mitte der Erde. Ein derartiger  „Nabel der Welt“ wird ebenfalls im Katholikon der Anastasis in Jerusalem gezeigt. Die große symbolische Bedeutung der Hagia Sophia bringt es mit sich, dass diese Kirche bis heute für die orthodoxe Christenheit ein besonders großes Heiligtum ist.

 

Deesis - erhaltenes Mosaik auf dem Zugang zur kaiserlichen Empore der Hagia Sophia.
Deesis - erhaltenes Mosaik auf dem Zugang zur kaiserlichen Empore der Hagia Sophia.

 

Charakteristisch für die ursprüngliche sakrale Raumwirkung war das einfallende Licht, das sich in den weiten Flächen aus Goldgrundmosaiken spiegelte. In ihren zeitgenössischen Berichten heben sowohl Prokop von Caesarea, als auch Paulus Silentiarius die einzigartige Lichtwirkung und die kostbare Ausstattung der Hagia Sophia hervor.

 

Das heute geheimnisvolle Halbdunkel geht auf das fortschreitende Vermauern von Fenstern und den Verlust der Mosaiken in osmanischer Zeit zurück. Denn nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 wurden aller christlichen Gegenstände, die Ikonen, der Altar, der Ikonostas und die Bema  aus der Hagia Sophia entfernt. Sultan Mehmet ließ zum einen die gesamte Bausubstanz des Kirchengebäudes renovieren und den Mihrāb, eine nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische für den muslimischen Vorbeter in den ehemaligen Altarraum einfügen. Die christlichen Mosaiken an den Wänden wurden durch Putz überdeckt und dem Gebäudekomplex vier Minarette an den Ecken des Kirchenbaus, eine Zisterne, eine Medrese und ein Vorhof angliedern. Nachdem die Hagia Sophia auf diese Weise als Hauptmoschee der Osmanen adaptiert worden war, stellten sich die türkischen Sultane im 16. und 17. Jahrhunderts mit ihren Moscheebauten in die architektonische Tradition der Hagia Sophia. Als Beispiele dieser osmanischen Rezeption der byzantinischen Bautradition gelten die Bauwerke des Architekten Sinan (1), die Sultan-Ahmed- oder Blaue Moschee. Mithin geht die heute geläufigen Bauformen der türkischen Moschee als Zentralkuppelbau auf die byzantinische Bautradition der Hagia Sophia zurück. Als es vor allem im 17. bis 19.Jahrhundert erneut möglich wurde, auch christliche Kirchen im osmanischen Reich zu errichten, durften diese nicht mehr im Typus der Kreuz-Kuppel-Kirche errichtet werden, sondern mussten in der Regel als unauffällige Basiliken erbaut werden. Deshalb handelt es sich bei den heutigen christlichen Kirchen in Istanbul in der Regel um Kirchen im Stil einer frühchristlichen Basilika.

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(1) Sinan wuchs als Sohn orthodoxer Christen, die möglicherweise türkisch-sprachig waren, im kappadokischen Dorf Ağırnas bei Kayseri auf und wurde vermutlich auf den Namen Joseph (Yusuf) getauft. In Ağırnas erlernte er den Beruf des Steinmetz. Er kam als junger Mann in der Zeit zwischen 1512 -1514 durch eine ungewöhnlich späte Knabenlese nach Istanbul. Dort musste er, wie üblich, zum Islam konvertieren. Später in seinem Leben stieg er bis zum Chefarchitekten des osmanischen Hofbauamtes auf.

 

Die orthodoxe Kirche der Gottesmutter-Ikone "Lebensspendende Quelle" in Istanbul.
Die orthodoxe Kirche der Gottesmutter-Ikone "Lebensspendende Quelle" in Istanbul.
Die orthodoxe Kirche des heiligen Georg im Phanar (Καθεδρικός ναός του Αγίου Γεωργίου) - heutige Bischofskirche des Ökumenischen Patriarchen (seit dem 17. Jhd.).
Die orthodoxe Kirche des heiligen Georg im Phanar (Καθεδρικός ναός του Αγίου Γεωργίου) - heutige Bischofskirche des Ökumenischen Patriarchen (seit dem 17. Jhd.).
Orthodoxer Gottesdienst in der Patriarchalbasilika des heiligen Georg im Phanar.
Orthodoxer Gottesdienst in der Patriarchalbasilika des heiligen Georg im Phanar.

 

Im Jahre 1934, elf Jahre nach der Gründung der türkischen Republik unter Atatürk, wurde die Hagia Sophia in ein Museum umgewandet Ayasofya Camii Müzesi = "Hagia-Sophia-Moschee-Museum").

 

 

Das orthodoxe Erzbistum von Kreta

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Kirche auf Kreta ist apostolischen Ursprungs, denn der christliche Glaube kam seit dem Jahre 64 nach Christus durch den heiligen Apostel Paulus während seiner vierten Missionsreise auf die Insel. Esbildeten sich auf die Predigt des heiligen Apostels hin schnell erste Gemeinden. Der Heilige Apostel Titus wurde der erste orthodoxe Bischof der Insel. Der Apostel Paulus beauftragte ihn hat mit der systematischen Verkündigung der christlichen Heilsbotschaft auf Kreta. Mit der Ausbreitung des Glaubens ging der Aufbau der Organisation der Heiligen Kirche einher. Schon bald gab es eine Metropolitangliederung mit vielen Bischofsitzen, die eine lokale Synode bildeten. Heute trägt das Oberhaupt der kretischen Kirche trug den Titel Erzbischof. Zunächst war Kreta war eine der zwölf Erzbistümer von der Kirchenprovinz Illyrien, die  damals die gesamte Balkanhalbinsel umfaßte.

 

Während der ersten rhomäisch-byzantinischen Periode hatte der Erzbischof der kretischen Kirche seinen Sitz in Gortyna, das seit der Epoche der römischen Herrschaft zugleich das weltliche Verwaltungszentrum der Insel war. Anfang des 8. Jahrhunderts gab es zwölf Bistümer  auf Kreta, so dass sich für die kretische Kirche die Bezeichnung „Dodekathronos“ einbürgerte.

 

 

Bis zu Zeit der ikonoklastischen Wirren unterstand die kretische Kirche, wie die ganze Kirche in Illyricum der Kirchenverwaltung durch das abendländische Patriachat in Rom. Da der Papst aber zur orthodoxen, bilderfreundlichen Partei gehörte, wurde im Jahr 754 die ganze Kirchenprovinz Illyricum der Oberhoheit des damals ikonoklastischen Patriarchen in Konstantinopel unterstellt. Bis heute verläuft im Illyricum die Trennungslinie zwischen der byzantinischen und der lateinischen Welt des Christentums, so dass die Kroaten zur lateinisch geprägten Welt des Katholizismus, die Serben jedoch aber zur byzantinischen geprägten Welt der Heiligen Orthodoxie gehören.

 

Die Periode der arabischen Besetzung (um 824–961 n. Chr.) stellt einen entscheidenden Einschnitt in der politischen und kirchlichen Geschichte Kretas dar, denn unter dieser ersten muslimischen Besetzung der Insel wurde die kirchliche Struktur weitgehend zerschlagen. Nach der Rückeroberung von der Insel durch den rhomäischen Kaiser Nikephoros Phokas im Jahr 961 beginnt die zweite Periode der byzantischen Geschichte Kretas (961–1204). Zunächst mußte aber das orthodoxe kirchliche Leben auf der Insel wieder aufgebaut und konsoldiert werden. Politisches und religiöses Zentrum Kretas wurde nun Chandakas. Auch der Erzbischof der Insel nahm nun dort seinen Sitz.

 

Infolge der Eroberung Konstantinopels durch die lateinischen Kreuzfahrer des 4. Kreuzzugs im Jahre 1204 fiel Kreta unter die Herrschaft der Seehandelsrepublik Venedig. Wie in den übrigen, durch die lateinischen Kreuzfahrer beherrschten Teilen des byzantischen Reiches und des übrigen christlichen Orients vertrieben die Venezianer auf Kreta die orthodoxen Bischöfe von ihren Sitzen und unterstellten die gesamte Kirche der Insel der Jurisdiktion lateinisch-katholischer Hierarchen. Die orthodoxen Priester mußten nun als Vikare lateinischer Priester unter einem lateinisch- römischen Erzbischof und römischen Bischöfe ihr Amt ausüben. Der Orthodoxe Glaube ging jedoch auf Kreta nicht unter, da die zahlreichen Orthodoxen Klöster, mit ihren engagierten Igumenoi und vielen gelehrte Mönchen, aber auch die einfachen Priester in den Dörfern und Städten, das Orthodoxe Glaubensbewußtsein der griechischen Inselbevölkerung unterstützen und stärkten. In die Zeit der venezianischen Herrschaft fällt auch die Blüte der kretisch-italischen Ikonenmalschule, die den überlieferten orthodoxen Darstellungskanon durch Einflüsse aus der italienischen Renaissancemalerei bereicherte und so einen ganz eigene Gattung der griechischen Ikonenmalerei schuf.

 

Beispiel der kretisch-italischen Ikonenmalerei: Die Göttliche Liturgie von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Beispiel der kretisch-italischen Ikonenmalerei: Die Göttliche Liturgie von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Vier Soldatenheilige von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Vier Soldatenheilige von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.

 

Michalis Damaskinos  (Μιχαήλ Δαμασκηνός; * 1530; † 1593) war ein bedeutender Ikonenmaler der griechisch-italischen Schule. Damaskinos wurde in der kretischen Stadt Chania im Jahre 1530 geboren. Auf Kreta wurde zum Ikonenmaler ausgebildet. Später ging er nach Italien, wo er zunächst die Werke italienischer Maler studierte und auch kopierte. Von 1569 bis 1573 lebte und arbeitete er in Messina. Ab 1574 lebte er als Mitglied der griechischen Gemeinde in Venedig. In dieser Zeit erhielt er den Auftrag, die Ikonen der Kirche San Giorgio dei Greci zu schreiben, welche er 1582 vollendete. Kurz vor seinem Tod kehrte er nach Iraklion auf Kreta zurück. Heute sind rund 90 seiner Werke aus den Jahren 1555 bis 1591 sind erhalten.

 

Anbetung der Heiligen Drei Magoi von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Anbetung der Heiligen Drei Magoi von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Synaxis der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.
Synaxis der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils von Michalis Damaskinos, 16. Jahrhundert.

 

Der venezianischen Fremdherrschaft folgte die der osmanischen Türken (1645–1898). Eine wichtige kirchliche Veränderung war jedoch, dass die Orthodoxe Hierarchie innerhalb der kretischen Kirche wieder hergestellt werden konnte. Seit dem dem Jahr 1700 trägt der Metropolit von Kreta den Titel „Metropolit von Kreta und ganz Europa“. Diesen offizielle Titel führt der orthodoxe Erzbischof der Insel bis heute. Waren in der Zeit der venezianischen Herrschaft Teile der Bevölkerung zum römischen Katholizismus konvertiert, so traten in den Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft nun Teile der Bevölkerung zum Islam über, so dass es bis zum griechisch-türkischen „Bevölkerungsaustausch“ im Jahre 1923 auf der Insel eine nicht unerhebliche muslimische Minderheit gab, die sowohl in Teilen türkischsprachig, in Teilen aber auch griechischsprachig war. Die Mehrheit der Inselbevölkerung hielt aber trotz der damit verbundenen Benachteiligung auch unter der islamischen Fremdherrschaft unverbrüchlich am angestammten Orthodoxen Glauben fest. Während dieser harten Zeit half das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel der Kirche von Kreta auf vielfältige Weise.

 

Während des griechischen Freiheitskampfes von 1821 verlor die Orthodoxe Kirche von Kreta ihre gesamte Hierarchie denn nach der Schlacht bei  Heraklion am 24. Juni 1821 haben die Osmanen den Metropoliten von Kreta und seine fünf Sufraganbischöfe ermordet. Erst im Jahr 1862 konnten die Bischofsitze auf Kreta wieder besetzt werden. Jedoch wurde das Erzbistum vom Kreta nicht mit der neuentstandenen Kirche von Hellas vereinigt, sondern blieb als autonomes Erzbistum beim Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Der Status der Orthodoxen Kirche Kretas wurde dann im Jahr 1900 Zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und dem griechischen Staat neu geregelt. Das Oberhaupt der kretischen Kirche wird vom Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel und dem Heiligen Synod dort erwählt. Seine  Inthronisation erfolgt dann auf Verordnung des griechischen Staates. Im Jahr 1962 wurden alle Bischöfe Kretas durch einen patriarchalen in den Rang von Metropoliten erhoben. Im Jahr 1967 wurde dann die Orthodoxe Metropolie von Kreta zum Erzbistum erhoben.

 

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria ""Panhaghia tou Melas" (Ikone der Allheiligen Gottesmutter vom Schwarzen Berge) und das Mutter-Gottes Kloster in Soumela im Pontos-Gebirge.

 

Diese Ikone der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria wurde vom Evangelisten Lukas gemalt. Dieser behielt das heilige Bild zunächst bei sich. Nach seinem Tode wurde die Ikone  von zwei Engeln durch die Lüfte in eine Höhle im pontischen Gebirge getragen. Dort verblieb das Heiligtum zunächst im Verborgenen, bis im Jahre 385 zwei junge Männer aus Athen, Barnabas und sein Neffe Sophronios, sich den Eremiten anschlossen, die bereits in den Höhlen rund um jene Höhle im Pontosgebirge wohnten, wo die Ikone der allheiigen Muttergottes verborgen war. Durch die Erscheinung von zwei Engeln veranlaßt, stiegen sie noch weiter in die Berge des Pontos hinauf. Dabei entdeckten sie die heilige Ikone in einer Höhle mitten im Wald in der Nähe von Wasserfällen. Durch dieses Wunder schlossen sich den beiden viele Eremiten an und es entstand das Kloster von Soumela. Die Höhle, wo die beiden Heiligen die Ikone der Gottesmutter aufgefunden haben wurde erweitert, so dass eine Höhlenkirche entstand. In den umliegenden Höhlen entstanden die Kellia der Mönche. Um das Jahr 500 förderte der rhomäische Kaiser Anastasios den Neunau Bau des Klosters. Damals entstanden auch erstmals die Gebäude vor dem Höhlenkomplex. Im Jahre 640 wurde die Klosteranlage durch ein Feuer zerstört. Aber der Mönch Christophoros aus dem Kloster Vazelon baute es wieder auf. Im 12. Jahrhundert wurde das Kloster durch eine Räuberbande niedergebrannt und zerstört. Jedoch gelang es den Angreifern nicht, sich dauerhaft der heiligen Ikone zu bemächtigen. Am Ende wurde die Ikone unversehrt aus dem Fluss geborgen.

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin aus dem Soumela-Kloster ( Παναγία Σουμελά/Панагии Сумела/ ) im Pontos-Gebirge wird heute in einem eigens dafür erbauten Kloster, Neu Soumela in Griechisch-Makedonien, aufbewahrt.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin aus dem Soumela-Kloster ( Παναγία Σουμελά/Панагии Сумела/ ) im Pontos-Gebirge wird heute in einem eigens dafür erbauten Kloster, Neu Soumela in Griechisch-Makedonien, aufbewahrt.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Soumela.
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Soumela.

 

Die ältesten heute erhaltenen Gebäude des Klosters stammen aus der Zeit der Komnenenkaiser. Im Kloster Soumela wurden am 21. Mai 1350 auch Alexios III. (1338–1390) und sein Sohn Manuel III (1390–1417) zu Kaisern des Kaiserreiches Trapezunt gekrönt. Dieses war in Folge der Eroberung von Konstantinopel während des vierten Kreuzzzuges (1204) durch die Franko-Lateiner errichtet worden. Das Kaiserreich von Trapezunt blieb bis zu seiner Eroberung durch die osmanischen Türken im Jahr 1461 bestehen. Die Bevölkerung des Pontosgebirges blieb jedoch auch unter islamischer Herrschaft weitgehend dem orthodoxen Glauben treu. Auch sprachen sie eine eigene, sich direkt vom altgriechischen ableitende Form der griechischen Sprache: das pontische Griechisch. Auch unter den osmanischen Sultanen blieb das Kloster bestehen und entwickelte sich zu einem wichtigen Wallfahrtsort der orthodoxen Christen im gesamten osmanischen Reich.

 

Sein heutiges Aussehen erhielten die Kloster jedoch erst im 19. Jahrhundert, als ein Gebäude mit den Kellia für die Mönche als Front vor die eigentliche, in den Felsen gehauene Höhlenkirche erbaut wurde. Bereits in den Jahren vor den ersten Weltkrieg setzte der Genozid an den orientalischen Christen in Kleinasien ein. Seit dem Jahre 1908 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs kamen allein im Pontosgebiet 253.000 griechische orthodoxe Christen ums Leben. Infolge des Vertrages von Lausanne kam dann mit seinen Vertreibungen und Bevölkerungsverschiebungen das Ende für die orthodoxen Griechen an der Schwarzmeerküste. Insgesamt wurden aus Kleinasien rund  1,25 Millionen Griechen aus der Türkei nach Griechenland vertrieben. Kleine Gruppen flohen jedoch auch vor Terror und Gewalt in das benachbarte  Russland, Georgien und Armenien.

 

Im Rahmen des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches mußten dann im Jahre 1926 auch die Mönche das Kloster in Soumela verlassen. Bevor sie das kloster verlassen mußten, konnten  sie noch die heiligen Reliquien und die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin in einer nahen Kapelle verstecken.

 

Blick auf den Klostertrakt aus dem 19. Jahrhundert. Er beherbergt die Kellia für die Mönche und steht vor dem Klosterhof.
Blick auf den Klostertrakt aus dem 19. Jahrhundert. Er beherbergt die Kellia für die Mönche und steht vor dem Klosterhof.
Blick vom Klostertrakt mit den Kellia in den Klosterhof und auf den Eingang der Höhlenkirche.
Blick vom Klostertrakt mit den Kellia in den Klosterhof und auf den Eingang der Höhlenkirche.
Das "Wunder von Soumela" - Am 15. August 2010 wurde dem Ökumenischen Patriarchen erstmals seit der Vertreibung der Mönche im Jahre 1926 von den türkischen Behörden gestattet im Kloster Soumela die Heilige Liturgie zu feiern.
Das "Wunder von Soumela" - Am 15. August 2010 wurde dem Ökumenischen Patriarchen erstmals seit der Vertreibung der Mönche im Jahre 1926 von den türkischen Behörden gestattet im Kloster Soumela die Heilige Liturgie zu feiern.
Blick auf die Fassade der Höhlenkirche.
Blick auf die Fassade der Höhlenkirche.

 

Als sich im Jahre 1930 das griechisch- türkische Verhältnis verbesserte, konnten auf Vermittlung des türkischen Ministerpräsidenten Ismet Inönü die in der Kapelle versteckten Heiligtümer nach Griechenland gebracht werden. Heute befinden sie sich im gleichnamigen Kloster Nea-Soumela bei Kastania in Griechisch-Mazedonien: Dieses im Jahre 1951 neu erbaute Kloster wurde zur Aufnahme der wundertätigen Ikone der Gottesmutter, aber auch des Kreuzpartikels der Kaiser von Trapezunt erbaut.

 

Die alten Klostergebäude bei Trabzon verfielen nach einem verheerenden Brand im Jahre 1930 immer weiter. Seit 1972 wurden sie dann aber von der türkischen Regierung unter Schutz gestellt und steht heute wieder Besuchern offen. Dies nutzen vor allem auch orthodoxe Russen und Ukrainer während eines Urlaubsaufenthaltes in der Türkei zu einer privaten Pilgerreise zur Allheiligen Gottesmutter vom Schwarzen Berg.

 

Die folgenden Bilder zeigen das Kloster Nea-Soumela in Griechisch-Makedonien.
Die folgenden Bilder zeigen das Kloster Nea-Soumela in Griechisch-Makedonien.
Der Heilige Kreuzes-Partikel der Kaiser  von Trapezunt aus dem Kloster Soumela.
Der Heilige Kreuzes-Partikel der Kaiser von Trapezunt aus dem Kloster Soumela.

 

In dem Kloster Kloster von Soumela werden seit Alters her besonders heilige Reliquien aufbewahrt. Außer der Ikone der allheiligen Gottesmutter, die vom Heiligen Apostel und Evangelisten Lukas gemalt worden ist, ist die ein Kreuzpartikel der Kaiser von Trapezunt. Mit dieser heiligen Kreuzreliquie wird monatlich das Wasser aus dem heilbringenden Brunnen geweiht, welches die Pilger in allen erdenklichen Notlagen und Leiden anwenden.

 

 

Prozession mit der Ikone an ihrem Fest (15. August).
Prozession mit der Ikone an ihrem Fest (15. August).

 

Die Orthodoxe Kirche auf Kuba

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Kuba ist der größte Inselstaat in der tropischen Karibik und deswegen heute auch für viele Touristen aus Deutschland ein beliebtes Urlaubsziel. Die Hauptstadt des Landes ist Havanna.

 

Mit der spanischen Kolonisation wurde im 16. Jahrhundert der Katholizismus zur vorherrschen Religion auf Kuba. Für vier Jahrhunderte bis zur Kubanischen Revolution im Jahre 1959 spielte die katholische Kirche eine wesentliche Rolle im Leben des Landes. Zu ihr gehörte die Mehrheit der Bevölkerung. 1959 machten die Katholiken auf Kuba etwa 70 % der Bevölkerung aus. Nachdem Fidel Castro an die Macht gekommen war, fing der kubanische Staat an, antireligiöse Kampagnen durchzuführen. Bis 1979 ging die Zahl der Katholiken etwa um die Hälfte zurück. Nach Angaben der amerikanischen Zeitschrift Newsweek sind etwa 4,7 Millionen der 11 Millionen Kubanern getauft, jedoch besuchen nur 150 000 von ihnen die Gottesdienste. Die allheilige Gottesgebärerin wird von den Kubanern im Wallfahrtsort der Virgen de la Caridad de Cobre (Barmherzige Jungfrau von El Cobre) besonders innig verehrt.

 

Durch eine Verfassungsänderung im Jahre 1992 wurde Kuba von einem atheistischen zu einem säkularen Staat erklärt, wodurch auch Gläubigen die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei (PCC) ermöglicht werden sollte. Nach Massenverfolgungen und Zerschlagung der sozialen Strukturen der Kirchen wird aktive Religiosität auf Kuba heute nicht mehr verfolgt, aber weiterhin vom atheistisch-marxistischen Staat geächtet.

 

 

Neben der katholischen Kirche sind in den letzten Jahren zahlreiche protestantische, vor allem evangelikale Gemeinden entstanden. Auch die Zeugen Jehovas haben zahlreiche Anhänger gewonnen. Außer dem Christentum ist der afro-animistische Voodoo-Kult der Santería, der stark mit aus dem lateinamerikanisch-spanischen Katholizismus entlehnten Elementen durchsetzt ist, unter den Kubanern weit verbreitet.

 

Die ersten orthodoxen Christen kamen im 19. Jahrhundert infolge der russischen Revolution und der Vertreibung der Griechen aus Kleinasien nach Kuba. Sie gründeten die erste orthodoxe Pfarrgemeinde der Heiligen Apostelgleichen Konstantin und Helena in Havana. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen weitere orthodoxe Gläubige aus Osteuropa, insbesondere Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre in Folge des griechischen Bürgerkriegs. Als 1959 Fidel Castro die Macht in Kuba übernahm, war die orthodoxe Gemeinde in Havana antikommunistisch eingestellt und stand der kubanischen Revolution reserviert bis ablehnend gegenüber. Infolge dessen wurde die Kirche der Heiligen Konstantin und Helena in Havanna geschlossen und die Abhaltung der orthodoxen Gottesdienste untersagt. Seit dieser Zeit ist in der ehemaligen Kirche ein Kindertheater untergebracht. Als in den 1980-er Jahren Verbesserungen in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und der kommunistischen Regierung eintraten, verbesserten sich die Verhältnisse auch für die nicht-katholischen Gemeinden auf Kuba. Im November 1996 empfing Papst Johannes Paul II. Fidel Castro im Vatikan und im Januar 1998 machte der Papst eine Pastoralreise nach Kuba. Bei der Papstmesse auf dem Platz der Revolution in Havanna war etwa eine Million Kubaner anwesend. Im Rahmen dieser Reise wurde das Weihnachtsfest wieder als arbeitsfreier Feiertag auf Kuba eingeführt.

 

Eine typische katholische Kirche im spanischen Kolonialstil: Die Kirche des heiligen Franziskus in der Altstadt von Havanna.
Eine typische katholische Kirche im spanischen Kolonialstil: Die Kirche des heiligen Franziskus in der Altstadt von Havanna.

 

Im Jahre 1996 war Erzbischof Athenagoras zum ersten Metropoliten der neugegründeten Metropolie von Panama und Zentralamerika erhoben worden. Die Insel Kuba gehört zu seinem Eparchialkreis seiner Metropolie. Seit dieser Zeit konnte auch der griechische orthodoxe Gottesdienst in Havanna – wenn auch unter strengen Auflagen - wieder aufgenommen werden. Zusammen mit dem griechischen Botschafter auf Kuba, Yorgos Kostoulas, und der Griechischen Orthodoxen Erzdiözese in Nordamerika setzte sich Vladika Athenagoras nun für die Rückgabe der Konstantin-und-Helena-Kirche ein. Zwar blieb die Kirche weiterhin in der Nutzung des Kindertheaters, aber die kubanische Regierung bot an, den Neubau einer orthodoxen Kirche zu erlauben. Übrigens war dies der erste Kirchenneubau in den letzten 43 Jahren. Am 20. Januar 2004, einem Sonntag, konnte Vladika Athenagoras in Gegenwart kubanischer Regierungsvertreter und von Vertretern des diplomatischen Corps den Grundstein der neuen orthodoxen Kirche des heiligen Nikolaus legen. Die kubanische Regierung hatte dafür ein Grundstück im Hafenviertel der seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden kolonialspanischen Altstadt von Havanna zur Verfügung gestellt. Ein knappes Jahr später weihte seine Heiligkeit, Patriarch Bartholomeios, unter Anwesenheit von Fidel Castro die neue griechische orthodoxe Kirche. Heute leben etwa ca. 70 bis 100 Griechen und griechischstämmige Kubaner in Havanna.

 

Die griechische orthodoxe Kirche (Iglesia Orthodoxa Griega) des heiligen Nikolaus in Havanna. Außenansicht.
Die griechische orthodoxe Kirche (Iglesia Orthodoxa Griega) des heiligen Nikolaus in Havanna. Außenansicht.
Die griechische orthodoxe Kirche des heiligen Nikolaus in Havanna. Innenansicht.
Die griechische orthodoxe Kirche des heiligen Nikolaus in Havanna. Innenansicht.

 

Inzwischen hat auch der slawisch-sprachige Zweig der Orthodoxie eine eigene Kirche in Havanna. Im Oktober 2008 weihte der heutige russische Patriarch Kirill in Anwesenheit des neuen Präsidenten von Kuba, Raul Catro, die neue russische orthodoxe Kirche der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Kasan. Nach Angaben des Moskauer Patriarchates leben heute insgesamt ca. 8.000 Orthodoxe aus den GUS-Staaten auf Kuba.

 

Die russische orthodoxe Kirche (Iglesia Orthodoxa Rusa) der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Kasan in Havanna. Außenansicht.
Die russische orthodoxe Kirche (Iglesia Orthodoxa Rusa) der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Kasan in Havanna. Außenansicht.
Die russische orthodoxe Kirche der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Kasan in Havanna. Innenansicht.
Die russische orthodoxe Kirche der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Kasan in Havanna. Innenansicht.

 

Über fast 50 Jahre lang vereinigte der Revolutionsführer Fidel Castro die zentralen politischen Ämter des kubanischen Staates auf seiner Person, bis er, wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung, ab 2006 seine Ämter sukzessive an seinen Bruder Raúl Castro übergab. Eine der Regierung und der kommunistischen Partei gegenüberstehende, organisierte Opposition ist im politischen System Kubas nicht vorgesehen. Nicht regierungskonforme Parteien oder Organisationen der Zivilgesellschaft sind illegal. Viele bürgerliche und politische Rechte, insbesondere die freie Meinungsäußerung, Presse-, Vereinigungs-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit, werden massiv beschnitten. Es gibt keine unabhängige Gerichtsbarkeit. Menschenrechtsvereinigungen sind nicht zugelassen. Zwar versucht die innerkubanische Opposition, die auch von Teilen der katholischen Kirche unterstützt wird, eine Transformation auf Kuba zu erreichen, doch wird das von Fidel Castro etablierte Regierungssystem auch heute noch von der Mehrheit der Kubaner mehr oder weniger mitgetragen, da die soziale Situation für lateinamerikanische Verhältnisse vergleichsweise gut, in Bezug auf Bildung und Gesundheitsversorgung sogar durchaus vorbildlich ist.

 

In dieser Situation beschränken sich die beiden orthodoxen Kirchengemeinden, wie auch der überwiegende Teil der katholischen und protestantischen Gemeinden, eindeutig auf die Belange der Pastoral und enthalten sich jeder kritischen Stellungnahme zu Ereignissen der Tagespolitik in der Öffentlichkeit. Dadurch gewinnen sie deutliche Freiräume für die innere Gestaltung ihres Gemeindelebens.

 

 

Im Februar 2016 kam es auf Kuba zum ersten Treffen eines Patriarchen von Moskau und ganz Russland mit einem Papst von Alt-Rom. Seine Heiligkeit Papst Franziskus und Seine Heiligkeit Patriarch Kyrill haben mit diesem Treffen aber nicht einfach nur ein kirchenpolitisches oder diplomatisches Programm absolviert, sondern im gemeinsamen persönlichen Gespräch versucht, das bisher sehr gespannte Verhältnis zwischen Katholiken und Orthodoxen in der Ukraine und Russland zu verbessern. Dabei werden sich die Probleme nach dem jahrhundertelangem Streit über theologische und jurisdiktionelle Fragen (hier bestehen zwischenkirchliche Spannungen vor allem wegen bisher ungelöster Probleme im Zusammenleben zwischen den unierten ukrainischen Katholiken und Russisch-Orthodoxen in der Westukraine, sowie wegen bisher ungelöster zwischenkirchlicher Fragen durch die Errichtung einer lateinischen römisch-katholischen Metropolitanstruktur in Russland selbst) nicht so einfach von heute auf morgen lösen lassen. Auch unterschiedlich gewachsene kulturelle und politische Prägungen (Trennungs-Modell und Symphonia-Modell im Verhältnis zwischen Staat und Kirche) spielen hier eine wichtige Rolle.

In einer auf Russisch und Italienisch abgefasste Erklärung betonte der Papst und der Patriarch gemeinsam, dass Katholiken und Orthodoxe nicht als Konkurrenten auftreten, sondern im brüderlichem Geiste gemeinsam Zeugen des Evangeliums sein sollen. In Übereinstimmung fordern der Papst und der Patriarch die Achtung der Religionsfreiheit und warnen vor dem Verlust der christlichen Wurzeln Europas. Überdies betonten die beiden Kirchenoberhäupter die Bedeutung der Familie und die gemeinsamen Sorgen angesichts von fortschreitenden Säkularisierung und des mangelnden Schutzes des Lebens. Ein weiterer wichtiger Punkt der Erklärung war die gemeinsam vorgetragene Sorge um die Lage der Christen im Nahen Osten. Bevor er weiter nach Mexiko flog, dankte der Papst darüber hinaus dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro für seinen Beitrag beim Zustandekommen der Begegnung. Patriarch Kyrill besuchte nach seinem Aufenthalt auf Kuba noch die slawisch-stämmigen orthodoxen Christen in Paraguay und Brasilien.