Orthodoxes kirchliches Leben in deutscher Sprache

 

Der erste Ort im deutschen Sprachraum, an dem regelmäßig orthodoxe Gottesdienste gefeiert wurden war das ostpreussische Königsberg. Seit dem Jahre 1655 konnten dort russische Kaufleute ungehindert orthodoxe Gottesdienste feiern. Seit dem Jahre 1718 fanden auch in Berlin orthodoxe Gottesdienste statt, als Zar Peter I. dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. eine Gruppe von 55 russischen Grenadieren für dessen Gardetruppe der Langen Kerls überließ. Nachdem das schlesische Breslau unter preußische Herrschaft gekommen war, erlaubte König Friedrich II. im Jahr 1750 den dortigen orthodoxen  Kaufleuten aus der Ukraine die freie Abhaltung orthodoxer Gottesdienste.

 

In den Beginn des 19. Jahrhunderts fällt dann die Entstehung der ältesten heute noch bestehenden orthodoxen Gemeinde auf deutschem Boden. Als Zar Alexander I. dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. eine Gruppe russischer Soldaten schenkte, die Mitglieder eines Militär-Sänger-Chores waren, errichtete der preußische König im Jahre 1826 eine eigene Siedlung mit Holzhäusern im russischen Stil für sie. So entstand die heutige Kolonie Alexandrowka in Potsdam.

 

Dort wurde auch eine Kirche zu Ehren des heiligen rechtgläubigen Fürsten Alexander Newsky erbaut, die im September 1829 geweiht wurde. Durch die schnelle sprachliche und kulturelle Annäherung der Kolonisten und ihrer Nachkommen an ihre deutsche Umgebung verfügte im Mai 1839 der Heilige Synod der Russischen Orthodoxen Kirche in Sankt Petersburg, dass die orthodoxen Gottesdienste in Potsdam fortan in deutscher Sprache gefeiert werden sollten.

 

Hiermit beginnt vor fast zweihundert Jahren zugleich auch die Geschichte orthodoxer Gottesdienste in deutscher Sprache. Es ist, wie vieles in der Kirchengeschichte, eine wechselvolle Geschichte, die auf das Engste mit dem Heimischwerden orthodoxer Christen in Deutschland verbunden war und bleiben wird. Sie hat, wie die Historie insgesamt, nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine von uns orthodoxen Gläubigen in Deutschland gemeinsam zu gestaltende Zukunft.

 

Die orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Artin von Tours in Balingen
Die orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Artin von Tours in Balingen

 

Die orthodoxe Gemeinde

zu Ehren des Heiligen Sergius von Radonesch in Albstadt

und

die orthodoxe Gemeinde

zu Ehren des Heiligen Martin von Tours in Balingen

 

Die Gemeinde des Heiligen Sergius ist eine orthodoxe Gemeinde, die ihre Gottesdienste hauptsächlich in deutscher Sprache feiert. Sie ist Teil des Erzbistums der Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa und gehört damit zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Die Gemeinde vereinigt orthodoxe Christen unterschiedlicher Herkunft aus der näheren und weiteren Umgebung, sowohl  aus Baden-Würtemberg, als auch darüber hinaus. Als Zeichen dieser pan-orthodoxen Gemeinschaft wird auch im Gottesdienst ebenfalls eine gemeinsame Sprache verwendet, die alle zum Gottesdienst versammelten Gemeindeglieder verstehen können: Die deutsche Sprache. Aber einzelne Teile des Gottesdienstes, wie z. B. das Vater Unser  werden selbstverständlich auch in den Sprachen der Herkunftsländer unserer Gläubigen gebetet und gesungen. Der Gemeindepfarrer ist Erzpriester Michael Buk. Er und seine Frau Matuschka Marina sind Deutsche; andere Mitglieder dieser kleinen Gemeinde sind Russen, Griechen, Deutsche, Moldavier, Ukrainer, Franzosen,  etc. Wir verstehen uns als eine Kirchengemeinde, die eine geistliche Heimat für jeden orthodoxen Christen sein will, der zu dieser Gemeinde gehört.

 

Die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des heiligen Sergius von Radonesch in Albstadt
Die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des heiligen Sergius von Radonesch in Albstadt

 

Die benachbarten orthodoxen Gemeinden in Albstadt und Balingen werden beide von Vater Micheal betreut. Deshalb finden die Gottesdienste jeweils wechselweise in Albstadt und Balingen statt. In Albstadt verfügt die Gemeinde über eine kleine Hauskirche zu Ehren des heiligen Sergius von Rodonesch und in Balingen nutzt sie die im Jahre 1428 erbaute Siechenkapelle als orthodoxe Pfarrkirche. Die dort beheimatete orthodoxe Gemeinde Heiligen Martin von Tours gibt es seit April 2012. Die ehemalige Siechenkapelle wurde der Gemeinde dankenswerter Weise als orthodoxes Gotteshaus von der Stadt Balingen zur Verfügung gestellt und wurde im Mai 2012 von S. E. Erzbischof Gabriel geweiht. Wie in Albstadt wird auch in Balingen der Gottesdienst überwiegend in deutscher Sprache mit einigen wenigen slawischsprachigen Anteilen gefeiert.

 

Auf der Internet-Seite der Gemeinden in Albstadt und Balingen kann der aktuelle Gottesdienstplan eingesehen werden: https://www.orthodoxe-kirche-albstadt.de/

 

 

 

Kontakt:

 

 

Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren des hl. Martin von Tours

 

Tübinger Str. 48

 

72336 Balingen

 

 

 

Postadresse:

 

Postfach 41 27

 

72323 Balingen

 

Telefon: 07432 – 941521 (Erzpriester Michael Buk)

 

Fax: 07432 - 941522

 

Mail: info@orthodoxe-kirche-balingen.de 

 

 

 

Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren des hl. Sergius von Radonesch

 

Schloßstr. 42

 

72461 Albstadt

 

Telefon: 07432 – 941521 (Erzpriester Michael Buk)

 

Fax: 07432 - 941522

 

Mail: info@orthodoxe-kirche-albstadt.de 

 

 

 

Auf der Internet-Seite der Gemeinde kann der aktuelle Gottesdienstplan eingesehen werden: https://www.orthodoxe-kirche-albstadt.de

 

 

 

Die deutschsprachige russisch-orthodoxe Gemeinde

zu Ehren des Heiligen Isidor von Rostov und Brandenburg in Berlin

 

Die Gemeinde des Heiligen Isidor ist eine orthodoxe Gemeinde deutscher Sprache. Sie wurde im  Mai 2002 innerhalb der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchats gegründet. Seit Herbst 2003 nutzt die Gemeinde eine byzantinische Kapelle im ehemaligen römisch-katholischen Kloster der Christkönigschwestern in Berlin-Lankwitz. Hier finden jeweils am 2. Wochenende des Monats am Samstagabend die Feier der Nachtwache oder Vesper und am Sonntagmorgen die Feier der Göttlichen Liturgie statt. Die Gottesdienste der Gemeinde werden ausschließlich in deutscher Sprache zelebriert. Der Gemeindepfarrer ist Erzpriester Michail Rahr. Vater Michail ist ein in Deutschland aufgewachsener russischer Priester, der die Gemeindemitglieder schon seit vielen Jahren geistlich betreut. Außer in Berlin ist Vater Michail zugleich auch russischer orthodoxer Pfarrer in Weimar, wo er einer russischen Gemeinde vorsteht, die aber auch viele Gemeindeglieder aus anderen Nationen umfasst.

 

Kontakt:

 

Gemeindepfarrer Erzpriester Michail Rahr

Mail: pr.mihail.rahr@arcor.de

Tel.: 03643 - 42 60 68

 

Gemeindeältester Hans-Georg Liepelt

Mail: hlg.isidor@web.de

Tel.: 030 - 712 15 05

 

Auf der Internet-Seite der Gemeinde kann der aktuelle Gottesdienstplan eingesehen werden: https://www.heiliger-isidor.de/

 

Der selige Narr in Christo Isidor von Rostov und Brandenburg.
Der selige Narr in Christo Isidor von Rostov und Brandenburg.

 

Aus der Geschichte der deutschsprachigen Orthodoxie in Berlin – Ein Beitrag zu einem fast vergessen Kapitel der orthodoxen Kirchengeschichte in Deutschland

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

In Berlin gibt es seit einigen Jahren eine kleine deutschsprachige orthodoxe Pfarrgemeinde. Diese Gemeinde zu Ehren des heiligen Isidor von Rostov und Brandenburg gehört zur Berliner Diözese des Moskauer Patriarchats. Auch andere orthodoxe Gemeinden in Berlin, wie zum Beispiel die rum-orthodoxe Gemeinde zu Ehren des heiligen Großmärtyrers Georg, zelebrieren Teile des Gottesdienstes inzwischen auch in deutscher Sprache. Das besondere an dieser Gemeinde ist, dass sie ihre Gottesdienste vollständig in deutscher Sprache feiert. Geistlich betreut wird sie von Erzpriester Michail Rahr, der nicht nur Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Berlin, sondern zugleich auch Pfarrer der russischen orthodoxen Gemeinde in Weimar ist. Die Gemeinde wurde im Mai 2002 mit dem Segen von Erzbischof Feofan gegründet.

 

Der selige Narr in Christo Isidor von Rostov und Brandenburg.
Der selige Narr in Christo Isidor von Rostov und Brandenburg.

 

Nach einem zahlenmäßigen Zuwachs der deutschsprachigen Gläubigen der Berliner russischen Gemeinde kam bei diesen deutschsprachigen Orthodoxen der Wunsch auf, die Gottesdienste, die in der russischen Kirche in der Regel in kirchenslawischer Sprache abgehalten werden, auch auf Deutsch zu feiern. Da die russische orthodoxe Kirche viele unterschiedliche Völker und Nationen, die alle den orthodoxen Glauben durch das apostolische Wirken der russischen Kirche empfangen haben, zu einer orthodoxen Gemeinschaft in sich vereint, werden die Gottesdienste in der russischen Kirche heutzutage nicht allein in der altkirchenslawischen Sprache gehalten, sondern auch in vielen weiteren Sprachen. So gibt es zum Beispiel sowohl in Estland als auch in Lettland heute orthodoxe Gemeinden, die ihre Gottesdienste nicht in altkirchenslawisch, sondern in den jeweiligen Landessprachen feiern.

 

Die orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Fürsten Alexander Newsky in Potsdam.
Die orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Fürsten Alexander Newsky in Potsdam.

 

Doch beginnt die Geschichte der deutschsprachigen Orthodoxie in Berlin nicht erst im Jahre 2002 mit der Gründung der Gemeinde zu Ehren des heiligen Isidor, denn bei genauerer Betrachtung der Geschichte der orthodoxen Gemeinden in Berlin und dem Umland besitzen deutschsprachige orthodoxe Gottesdienste in Berlin und Potsdam heute bereits eine schon fast zweihundertjährige Tradition. Begonnen hat dies alles, als in den Jahren zwischen 1813 und 1815, als Angehörige eines russischen Militär-Sänger-Chores in Potsdam angesiedelt wurden. Für diese einundzwanzig russische Soldaten und ihre Nachkommen wurde ab dem Jahre 1826 ein eines kleines russisches Dorfensemble am der preußischen Residenzstadt Potsdam, die Kolonie Alexandrowka errichtet. Zu dieser russischen Kolonie gehörte auch eine kleine orthodoxe Kapelle, die Alexander-Newsky-Kirche. Im Beisein des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wurde am 30. August 1826 der Grundstein für diesen Kirchenbau gelegt. Dieser traditionelle fünfkupplige russische Kirchenbau, der sich aber mit seiner Formensprache des Klassizismus vollkommen in die klassizistische Bautradition des preußischen Spree-Athens einpasst, wurde am 10. Juni des Jahres 1829 geweiht. Durch die schnelle Annäherung der russischen Kolonisten und ihrer Nachkommen an die deutsche Sprachumgebung verfügte dann der Heilige Synod der Russischen Orthodoxen Kirche in Sankt Petersburg am 05. Mai 1839, dass die Gottesdienste in Potsdam fortan in deutscher Sprache zu feiern seien. Hiermit beginnt zugleich die Tradition regelmäßiger deutschsprachiger Gottesdienste in Berlin, die bis in die Gegenwart hinein reicht.

 

Kolonistenhaus in Alexandrowka in Potsdam - heutiger Zustand.
Kolonistenhaus in Alexandrowka in Potsdam - heutiger Zustand.

 

Mit der orthodoxen Seelsorge an den Kolonisten in Potsdam wurde der Klerus der Russischen Botschaftskirche in Berlin betraut. Durch diese Entscheidung des Heiligen Synods in Sankt Petersburg entstand für den russischsprachigen Klerus in Berlin die damals neuartige pastorale Aufgabe, die geistliche Betreuung und Seelsorge jener orthodoxer Christen wahrzunehmen, die mehr und mehr in Deutschland beheimatet waren. Dieser spezifischen seelsorgerlichen Aufgabe müssen sich heute auch alle anderen, inzwischen in Deutschland vertretenen, Jurisdiktionen und ihre hiesigen Bistümer vermehrt stellen, wollen sie auf die Dauer nicht große Teile ihrer dauerhaft in Deutschland lebenden Gläubigen dem kirchlichen Leben und dann in letztendlicher Folge der Orthodoxie entfremden.

 

Bereits zwei Jahrzehnte nach dem Entscheid des Heiligen Synods in Sankt Petersburg erschien in deutscher Sprache ein kleines Gebetbuch: "Auszug aus der Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus für die russische Colonie Alexandrowka bei Potsdam". Neben der deutschen Übersetzung wird in diesem Gottesdienstbüchlein der kirchenslawische Text in lateinischer Umschrift geboten. Bald schon wurde die notwendige Übersetzungsarbeit auch von den Priestern an anderen russischen orthodoxen Kirchen in den einzelnen deutschen Ländern aufgegriffen. Während in Berlin die umfassende Übersetzungstätigkeit einige Jahrzehnte später von Erzpriester A. Malzew fortgeführt wurde, entstanden in der Zwischenzeit schon weitere wichtige Schriften und Arbeiten. In Wien wirkte der hochgebildete Erzpriester Michail Rajewski, der im Jahre 1862 die dreibändige deutschsprachige Übersetzung des Euchologion (orthodoxes Gottesdienstbuch) veröffentlichte. Die besondere sprachliche Einfühlsamkeit seiner Übersetzung setzte bleibende Maßstäbe für jede weitere Tätigkeit auf diesem Gebiet. Verschiedenen orthodoxen Gemeinden, die damals bis auf kleine griechische Kaufmanns- und Studentengemeinden in Leipzig und München alle zur russischen Kirche gehörten, fanden diese ersten Textangebote freudige Aufnahme und man begann durch die notwendige musikalische Bearbeitungen der russisch-slawischen Notenvorlagen erstmals singbares deutschsprachiges Notenmaterial für die Kirchensänger zu erarbeiten.

 

Die Alexander-Newsky-Kirche: Ansicht aus dem Jahre 1838.
Die Alexander-Newsky-Kirche: Ansicht aus dem Jahre 1838.

 

So bemühte sich in Wiesbaden der Erzpriester Ioann Janytschew, den oft monotonen Gesang der zwei Kirchensänger durch den ersten russischen orthodoxen Sängerchor außerhalb Russlands zu ersetzen. Sein Nachfolger als orthodoxer Priester in Wiesbaden, Erzpriester Sergej Protopopow, veröffentlichte auf Basis dieser musikalischen Arbeiten im Jahre 1891 auch erstmals vierstimmige Chorsätze zu den Gesängen der Göttlichen Liturgie in deutscher Sprache. Als Erzpriester Ioann Janytschew im Jahre 1858 an die orthodoxe Botschaftskirche in Berlin kam, brachte er wertvolle, bereits in Wiesbaden erprobte, Erfahrungen mit.

 

Die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des heiligen apostelgleichen Großfürsten Vladimir in der kaiserlich-russischen Botschaft.
Die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des heiligen apostelgleichen Großfürsten Vladimir in der kaiserlich-russischen Botschaft.

 

Die Hauskirche zu Ehren des heiligem apostelgleichen Großfürsten Vladimir wurde im Jahre 1837 eingerichtet. Die Ikonen und der Ikonostas stammten aus den Werkstätten der Dreifaltigkeits-Lawra in Sergeijeskaja Posad.

 

Die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des Heiligen Apostelgleichen Großfürsten Vladimir war damals die einzige orthodoxe Kirche in der preußischen Hauptstadt. Sie war mit der Errichtung der Kaiserlichen Russischen Gesandtschaft im Jahre 1837 eingerichtet worden. Diese Botschaft war in einem zweigeschossiges Rokoko-Palais auf dem Grundstück „Unter den Linden 7“ untergebracht. Nach dem Kauf ließ das russische Kaiserreich das Anwesen durch Eduard Knoblauch bedeutend erweitern und verändern. So wurde das Gebäude in den Jahren 1840 und 1841 auf drei Etagen aufgestockt. Danach wurde auch die Hauskirche zu Ehren des Heiligen Apostelgleichen Großfürsten Vladimir in einem der neu entstanden Säle fest eingebaut. Außer der Hauskirche enthielt das Gebäude Diplomatenwohnungen, Kanzleien, Festsäle sowie eine Wohnung für den Zaren bei seinen Aufenthalten in Berlin. Die Botschaftskirche war mit Ausnahme der Jahre 1914 bis 1918 für alle orthodoxen Beter und Gottesdienstbesucher geöffnet. Auch nach dem ersten Weltkrieg fanden dort erneut orthodoxe Gottesdienste statt, die aber mit der Aufnahme diplomatischen Beziehungen  zwischen der Weimarer Republik und der Sowjetunion im Jahre 1922 eingestellt werden mussten.

 

Bis zur Errichtung der Hauskirche in der russischen kaiserlichen Botschaft hatte es  (seit dem Jahre 1718) nur eine bewegliche orthodoxe Haus- und Reisekirche für den jeweiligen russischen Gesandten am preußischen Königshof gegeben. Diese Reisekirche fand jeweils ihre Aufstellung in verschiedenen Privathäusern, die von der russischen Regierung zur Unterbringung der Gesandtschaft oder den kaiserlich-russischen Gesandten selbst angemietet wurden. Diese Reisekirchen gehörten zur persönlichen Ausstattung des jeweiligen kaiserlich-russischen Gesandten, das heißt, sie wurden bei seiner Versetzung an einen anderen Ort samt seiner gesamten Entourage mitgeführt.

 

Mit der orthodoxe Hauskirche zu Ehren des heiligen apostelgleichen Großfürsten Vladimir entstand in Berlin nun eine orthodoxe Kirche, die zwar in einem einfachen Saal der Botschaft aufgestellt wurde, deren Inneneinrichtung aber dauerhaft bis zum Ende der kaiserlichen Botschaft am Beginn des Ersten Weltkriegs dort zur dauerhaften kirchlichen Nutzung verblieb. Diese orthodoxe Hauskirche konnte aber nicht mehr als 150 Personen fassen, obwohl sie außer vom Botschaftspersonal sowie den Russen in der preußischen Hauptstadt auch von den übrigen orthodoxen Gläubigen in der Hauptstadt, vor allem Bulgaren, Griechen, Serben und Rumänen, besucht wurde. So versammelte sich zu den Gottesdiensten in der orthodoxen Hauskirche eine ethnisch vielgestaltige Gemeinde, die damit zugleich auch hohe sprachlich-pastorale Ansprüche an die hier dienenden Geistlichen stellte.

 

Die orthodoxe Heilige-Elisabeth-Grabkirche auf dem Neronerg in Wiesbaden im Jahr 1853.
Die orthodoxe Heilige-Elisabeth-Grabkirche auf dem Neronerg in Wiesbaden im Jahr 1853.

 

Der Gottesdienst an den meisten russischen Kirchen in Deutschland wurde zur damaligen Zeit nicht von Kirchenchören wie in Russland üblich, sondern von einzelnen Psalmisten und Kirchensängern getragen. Nur der mit orthodoxer Liturgik Vertraute vermag zu ermessen, welch große Bedeutung dann das gesungene und gebetete Wort gegenüber der gewohnten polyphon-musikalischen Klangfülle des russischen  Kirchengesangs gewinnt. Gerade die besonderen Gegebenheiten des priesterlichen Dienstes im Ausland, wo es einerseits nicht selbstverständlich ist, dass in der musikalischen Tradition der russischen Kirchenmusik lebende Chöre und Psalmisten den orthodoxen Gottesdienst mittragen und es anderseits ebenfalls nicht jederzeit als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, dass jeder orthodoxe Gläubige in der Seelsorge mit der russischen Sprache erreicht werden kann, schärft das priesterliche Bewusstsein vieler dieser russischen Seelsorger und erschloss ihnen die dringliche Notwendigkeit einer intensiven Übersetzungstätigkeit.

 

Bereits Vater Ioann Janytschew, der Anfang der  1830-er Jahre für ein Jahr zum Dienst an die orthodoxe Kirche nach Berlin kam, konnte auf einen reichen derartigen Erfahrungsschatz zurückgreifen, welchen er aus Wiesbaden mitbrachte. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen, das Vater Ioann mit vielen seiner Mitbrüder im priesterlichen Amt an den russischen orthodoxen Kirchen in den Residenzstädten und Kurorten Deutschlands teilte, war seine gediegene und umfassende geistliche und profane Bildung. Zur damaligen Zeit wurden nur Teile der besten Kleriker der russischen Kirche zum pastoralen Dienst ins Ausland gesandt. Dies ermöglichte den russischen Priestern in Deutschland mit den nicht-orthodoxen deutschen Pfarrern und Theologen, sowie den übrigen gebildeten Schichten der hiesigen Gesellschaft in einen fruchtbaren und konstruktiven Dialog zu treten. Anderseits besaßen sie auch jenen intellektuellen und wissenschaftlichen Bildungs- und Wissenstand, der es ihnen ermöglichte, die vielfältigen Herausforderungen einer segensreichen Übersetzertätigkeit gut zu bewältigen.

 

Ikone der Gottesmutter von Potschajew über der königlichen Tür in der Christi-Auferstehungs-Kathedralkirche in Berlin.
Ikone der Gottesmutter von Potschajew über der königlichen Tür in der Christi-Auferstehungs-Kathedralkirche in Berlin.

 

Damit war der Boden für die segensreiche Tätigkeit des Erzpriesters Alexej Maltzew bereits von anderen Epigonen mit vorbereitet worden, als er im Jahre 1886 seinen priesterlichen Dienst an der russischen Botschaftskirche in Berlin begann. Vater Alexej wurde am 14. März 1854 als Sohn eines Erzpriesters der Jaroslaver Diözese geboren. Im Jahre 1878 schloss er seine theologischen Studien an der Sankt Petersburger Geistlichen Akademie ab und wurde noch im gleichen Jahr als Lehrer am Petersburger Geistlichen Seminar bestellt. Im Jahre 1879 erhielt er den akademischen Grad eines Magisters (entspricht dem theologischen Doktorat). Im Jahre 1882 wurde er zum Priester geweiht und 1886 zum Dienst an die Gesandtschaftskirche in Berlin gesandt, wobei er in den Rang eines Erzpriesters erhoben wurde.

 

Erzpriester Alexej Maltzew (1854-1915)
Erzpriester Alexej Maltzew (1854-1915)

 

Vater Alexej war ein theologisch hochgebildeter orthodoxer Priester, der sich neben seinen priesterlichen Aufgaben in Berlin und Potsdam der anspruchsvollen Aufgabe stellte, als orthodoxer Theologe an vielen internationalen theologischen Kongressen teilzunehmen. Unermüdlich führte Vater Alexej das theologische Gespräch mit evangelischen und katholischen Geistlichen zu einer Zeit, als selbst westliche Theologen nur sehr vage und oft falsche oder vorurteilsbehafte Vorstellungen über die Orthodoxie hatten. Aus diesem Grunde führte er auch einen umfangreichen Schriftverkehr mit den Vertretern der anderen christlicher Konfessionen. Vater Alexej war so bemüht, der deutschen und westeuropäischen Öffentlichkeit die Orthodoxie bekannter und vertrauter zu machen. Besonders hoffte er, wie viele russische orthodoxe Theologen seiner Zeit, auf eine Annäherung zwischen der orthodoxen Kirche und den christlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession bewahrt hatten.

 

Durch den abrupten Abbruch seines priesterlichen Wirkens in Berlin durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist die besondere Bedeutung von Vater Alexej als einem orthodoxen Glaubensboten der Deutschen nahezu unbekannt geblieben. Denn Vater Alexejs Übersetzertätigkeit war nicht allein als Mittel eines echten ökumenischen Dialogs gedacht, sondern verfolgte immer zugleich auch genuin pastorale Ziele. Dies wird an der priesterlichen Beharrlichkeit deutlich, mit der Vater Alexej die deutschsprachige Seelsorge an den Orthodoxen in Potsdam gegen den vielfachen administrativen und diplomatischen Wiederstand der damaligen preußischen Behörden aufrecht erhielt, die die dortigen inzwischen deutschsprachigen Orthodoxen mit mehr oder weniger sanftem Druck in die deutsche evangelische Kirche einzugliedern gedachten. In dieser Konstellation und im Zeitalter des überbordenden Nationalismus war die beharrliche orthodoxe Seelsorgearbeit von Vater Alexej mehr als unerwünscht, genauso wie die Konversionen einzelner Deutscher zu Orthodoxie durch den Besuch orthodoxer Gottesdienste in der Berliner Botschaftskirche.

 

Zu diesen deutschen geistlichen Kindern, die Vater Alexej in die orthodoxe Kirche aufgenommen und dann dort beheimatet hatte, gehört der spätere orthodoxe Priester Vasilij Göcken. Vater Vasilij war preußischer Offizier im Ruhestand als er zum orthodoxen Glauben übertrat. Als Sohn eines Militärarztes, war er am 24. April des Jahres 1845 in Berlin geboren worden. Vater Vasilij war ursprünglich römischer Katholik gewesen. Am 30. März des Jahres 1890 wurde er vom Vorsteher der Berliner Botschaftskirche Kirche Erzpriester Alexej Maltzew in die orthodoxe Kirche aufgenommen. Auf seinen besonderen Wunsch hin, der orthodoxen Kirche aktiv dienen zu dürfen, weihte ihn Metropolit Isidor von Sankt Petersburg am 23. August 1890 zum Lektor und segnete ihn zum Dienst an der Alexander-Nevsky-Kirche in Potsdam. Dabei erhielt er das Recht, beim Gottesdienst beständig ein Stichar zu tragen und die Verpflichtung, in deutscher Sprache zu predigen und als Religionslehrer an der orthodoxen Gemeindeschule der Heiliger-Vladimirs-Bruderschaft in Potsdam zu wirken. Er wurde von Erzbischof Flavian von Cholm und Warschau (den späteren Metropoliten von Kiew) am 22. Januar des Jahres 1894 in Warschau zum Diakon und am 23. Januar zum Priester geweiht. Durch Metropoliten Palladij von Sankt Petersburg wurde er am 10. Januar des Jahres 1894 zum ersten deutschen Priester der Alexander-Nevsky-Kirche in Potsdam bestimmt. Da die Alexander-Newsky-Kirche kirchenrechtlich eine Filialgemeinde der Berliner Kirche war, wurde Vater Vasilij dem Klerus an der Berliner Gesandtschaftskirche zugezählt. Außer in der Potsdamer Kirche zelebriert Vater Vasilij  ebenfalls in der neuerrichteten Friedhofskirche zu Ehren der heiligen apostelgleichen Konstantin und Helena auf dem neuerrichteten orthodoxen Friedhof in Berlin-Tegel. Bei diesen Gottesdiensten sang seine Frau Matuschka Emmada in kirchenslawischer und deutscher Sprache. Auch Matuschka Emmada (geborene Emma Kohlwey), war ursprünglich evangelisch gewesen und später dann durch Vater Maltzew in die Orthodoxie aufgenommen worden.

 

Tor mit Glockenstuhl am Eingang des orthodoxen Friedhofs in Berlin-Tegel.
Tor mit Glockenstuhl am Eingang des orthodoxen Friedhofs in Berlin-Tegel.
Orthodoxe Friedhofskirche zu Ehren der heiligen apostelgleichen Konstantin und Helena in Berlin-Tegel.
Orthodoxe Friedhofskirche zu Ehren der heiligen apostelgleichen Konstantin und Helena in Berlin-Tegel.

 

Den Weg zur Orthodoxie für deutsche Konvertiten bereitete Vater Alexej  einerseits durch eine intensive persönliche Seelsorge vor, anderseits erschloss er als begnadeter Übersetzer den deutschsprachigen orthodoxen Gläubigen einen unmittelbaren Zugang zum Reichtum der orthodoxen Hymnen und Gebete und damit zu einem echten orthodox geprägten Gebetsleben.

 

Das orthodoxe Prinzip, die Volkssprache im Gottesdienst und in der Verkündigung zu verwenden, ist jedoch keine Neuerung, die erst Vater Alexej und seine Brüder im orthodoxen Priesteramt aus missionarischen Gründen ersannen. Es geht vielmehr direkt auf das Sprachenwunder bei der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten zurück. Im Laufe der Geschichte hat sich die orthodoxe Kirche immer bemüht, die Heilige Schrift und die Göttliche Liturgie in volkssprachlichen Übersetzungen zu allen missionierten Nationen und Volksgruppen zu tragen. So ließ der heilige Johannes Chrysostomus den Goten, die in Konstantinopel eine eigene Gemeinde gründeten, durch Priester, die deren Sprache verstanden, predigen und sprach auch selbst mit Hilfe eines Dolmetschers als ihr Bischof regelmäßig in der gotisch-sprachigen Feier der Göttlichen Liturgie zu ihnen, um den orthodoxen Glauben fest in ihren Herzen und Seelen zu verwurzeln. Bei einem solchen Anlass bezeugt uns der Heilige die alle Sprachschranken durchbrechende Kraft des orthodoxen Glaubens mit den Worten: „Die Lehren der (griechischen) Philosophen wurden nur bei denen verbreitet, die ihre Sprache verstanden. Unser (orthodoxer) Glaube hat auch bei den in anderen Sprachen Redenden seine Kraft bezeugt.“ (8. Homilie des heiligen Johannes Chrysostomus). Die Heiligen Väter erklären die bei den Menschen herrschende Sprachenvielfalt eben nicht, wie die franko-lateinischen Gegner der segensreichen slawischsprachigen Missionsarbeit der heiligen Slavenapostel Kyrill und Method in Mähren, damit, dass Gott nur die Gebete in wenigen „heiligen Sprachen“ akzeptieren würde, sondern sie bringen vielmehr die babylonische Sprachenverwirrung mit dem pfingstlichen Sprachenwunder in pneumatisch bergründeten Einklang, als die Verwirrung eben gerade durch das Gnadenwirken des Heiligen Geistes wieder aufgehoben wurde. Hieraus schlossen die Heiligen Väter, dass die Heilige Kirche, die erfüllt ist von jenem Gnadenwirken des Heiligen Geistes, die Sprachenteilung geistlich schon nichts mehr angeht. Unser Herr Jesus Christus sagte zu Seinen heiligen Aposteln und Jüngern: Geht in alle Welt und verkündet allen Völkern das Heilige Evangelium und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten (= den orthodoxen Glauben), was ich euch gelehrt habe. Und siehe Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt (vgl. Matthäus 28:18-20). Deshalb wird die Welt auf der Pfingstikone auch symbolisch als ein Mann mit den Schriftrollen der verschiedenen Sprachen der Völker im Bausche seines Gewandes dargestellt. Die orthodoxe Kirche nutzt alle Sprachen, um alle Völker in das geistliche Fischernetz des Evangeliums hinein zu ziehen und zu Jüngern Christi zu machen. Die orthodoxe Kirche hat sich immer als eins im rechten Glauben und vielstimmig in den im Gottesdienst und der Verkündigung genutzten Sprachen verstanden, obwohl es immer wieder in ihrer Mitte Menschen gegeben hat und bis heute gibt, die diese wesensmäßige Katholizität der Orthodoxie, den sich darin ausdrückenden Sobornost, nicht verstehen wollen oder können und deshalb vorurteilsbeladen denken, alle Orthodoxen müssten am Besten gleich Griechen oder Russen werden.

 

Ausgabe der Maltzew-Texte.
Ausgabe der Maltzew-Texte.

 

Aus den gerade Gesagten ergibt sich, dass das Übersetzen der Heiligen Schrift und der geheiligten liturgischen Texte keine Belanglosigkeit sondern Wesensmerkmal echter Orthodoxie als ein Charisma, eine besondere Gnadengabe des Heiligen Geistes ist. Wie alle göttlichen Gnadengaben bedürfen sie der menschlichen Mitwirkung, der Synergeia, damit sie fruchtbar werden können. Bei Vater Alexej war diese notwendige Synergeia seine fundierte philologische und theologische Bildung, die sich mit dem Gnadenwirken des Heiligen Geistes verband, so dass seine Übersetzungen der orthodoxen liturgischen Bücher ins Deutsche bis heute zur Grundlage für orthodoxe Gottesdienste in deutscher Sprache werden konnten. In den Jahren 1890 bis 1904 brachte er folgende Übersetzungen heraus: «Die göttlichen Liturgien», «Liturgien der Orthodox-Katholischen Kirche», «Liturgikon», «Die Nachtwache», «Andachtsbuch», «Bitt-, Dank- und weihe-Gottesdienste», «Begräbnis-Ritus und einige spezielle und alterthümliche Gottesdienste», «Die Sacramente», «Fasten- und Blumen-Triodion», «Menologion der Orthodox-Katholischen Kirche», «Oktoechos der Orthodox-Katholischen Kirche des Morgenlandes» und «Der Große Büß-Kanon».

 

Auf dieser apostolischen Arbeit der beiden russischen Erzpriester Michael Rajewski und Alexej Maltzew konnten dann - in einem gewissen übertragenen Sinne als ihre geistlichen Schüler - weitere Übersetzer orthodoxer liturgischer Texte ins Deutsche aufbauen. Hier sind vor allem Erzpriester Sergius Heitz (Düsseldorf und Neuss), aber auch der Erzpriester Peter Plank (Würzburg) zu nennen. Vater Sergius verdanken wir mit seinem zweibändigen Werk «Mysterium der Anbetung» ein vollständiges orthodoxes Gottesdienst- und Sakramentenbuch und Vater Peter hat mit seinem «Chorbuch zur Göttlichen Liturgie» und dem «Vesperbuch», jene deutschsprachigen gottesdienstlichen Bücher für den Kliros, die die liturgischen Texte bereits für den kirchlichen Gesang in deutscher Sprache eingerichtet darbieten geschaffen. Krönender Abschluss seines viel zu früh vollendeten Lebenswerkes sind die «Vesper-Minäen» in vier Bänden. Von gleichwertiger Bedeutung aber sind die deutschsprachigen Gottesdienstbücher, die Vater Dimitrij Graf Ignateff (Frankfurt) herausgegeben hat. Sie bieten alle Gottesdienste der ersten Woche der Großen Fastenzeit und der Karwoche an und ermöglichen so deutschsprachigen Gemeinden die Feier aller Gottesdienste dieser besonders wichtigen Festzeiten. Vater Dimitrij hat ebenfalls begonnen, gleichartige Gottesdienstbücher für die zwölf Hochfeste herauszugeben. Von diesem Projekt liegt bereits der Gottesdienst an Weihnachten vor. Schließlich seinen hier noch die beiden wichtigen Ausgaben des «Orthodoxen Gebetbuches» nach der russischen Tradition genannt: Es handelt sich um ein deutschsprachiges orthodoxes Gebetbuch, das einmal durch den Mönchspriester Benedikt Schneider (Göttingen) und ein anderes mal von der Bruderschaft des orthodoxen Klosters des heiligen Hiob von Potschajev (München) herausgegeben wurde. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von deutschen Übersetzungen orthodoxer liturgischer Texte und darauf aufbauenden Notenbearbeitungen für den Kirchenchor, die leider nur im Eigenverlag oder als verstreute Hektographien vorliegen. Hier ruhen noch viele ungehobene deutschsprachige, sowohl kirchengeschichtliche, als auch liturgische Schätze, die einer fachlichen Edition mehr als wert wären. Schließlich ist hier auch die begonnene Arbeit der Übersetzungskommission der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zu nennen. Alle diese genannt und ungenannt gebliebenen, uneigennützigen Arbeiter im Weinberg des Herrn: sie alle stehen in der Nachfolge jener verdienstvollen Arbeit, die einstmals von den beiden Erzpriestern Michail Rajewski und Alexej Maltzew begonnen wurde.

 

Vater Alexej Maltzew genoss großen Respekt in kirchlichen Kreisen nicht allein in Russland, sondern auch in ganz Westeuropa. Ab dem Jahre 1906 nahm er in Sankt Petersburg an der Arbeit zur Vorbereitung eines Allrussischen Landeskonzils teil. Im Jahre 1907 sollte er dann zum orthodoxen Bischof für Nordamerika ernannt werden. Jedoch lehnte Vater Alexej dieses Angebot ab, um weiterhin in Deutschland wirken zu können. Insbesondere arbeite er daran, nach dem Pariser und Wiener Vorbild, auch in Berlin eine repräsentative orthodoxe Kathedralkirche zu errichten.

 

Die verdienstvolle pastorale Tätigkeit von Vater Alexej und damit auch die Weiterentwicklung der noch jungen deutschsprachigen Orthodoxie fand dann ihr jähes Ende mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten wurde Vater Alexej am 03. August 1914 mit allen russischen Diplomaten aus Deutschland ausgewiesen und kehrte über Skandinavien nach ins russische Kaiserreich zurück.

 

In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1915 verstarb Vater Alexej Maltzew in Kislowodsk im nördlichen Kaukasus infolge einer diabetischen Krise, die man vor der Synthetisierung des Insulin gerade in Krieg- und Mangelzeiten  nur schwer behandeln konnte. Sein Körper wurde nach Petrograd überführt und dort auf dem Heiliger-Nikolaus-Friedhof bei der Lavra des Heiligen Aleksander Newsky beigesetzt. In den Jahren des gottlosen Sowjetregimes verfiel dann sein Grab, bis es im Jahre 2000 auf Initiative und mit der finanziellen Unterstützung des jüngst verewigten Erzbischofs von Berlin und Deutschland Feofan (Galinskij) gesäubert und mit einem neuen Steinkreuz sowie einer kleinen Namenstafel versehen wurde.

 

Erzpriester Alexej Maltzew -Zeitgenössisches Gemälde.
Erzpriester Alexej Maltzew -Zeitgenössisches Gemälde.

 

In Berlin wurde mit der kaiserlichen Botschaft auch die Botschaftskirche geschlossen. Im sich mehr und mehr nationalistisch aufgeladenden Klima der Kriegszeit wurde allein schon die Abhaltung orthodoxer Gottesdienste als subversiv und die Teilnahme an ihm als unpatriotischer, ja geradezu feindlicher Akt betrachtet. Vater Vasilij Göcken konnte jedoch in Tegel und Potsdam bis zu seinem Tode im Jahre 1915 sporadisch orthodoxe Gottesdienste abhalten, jedoch zerstreuten sich die verbliebenen Gläubigen unter dem anhaltenden ideologischen Druck mehr und mehr. Nach dem Tode von Vater Vasilij gab es während der Zeit des Ersten Weltkriegs auf dem gesamten Territorium des Deutschen Reiches orthodoxe Gottesdienste und Seelsorger nur an der, vom griechischen Klerus betreuten, Salvatorkirche (Christi-Verklärungs-Kirche) in München.

 

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war nicht nur eine ganze Epoche und Kultur zu Ende gegangen, sondern auch das orthodoxe kirchliche Leben in Deutschland erwachte unter vollkommen veränderten Vorzeichen. Denn die Revolutionsereignisse im Russland des Jahres 1917 und der daraufhin ausbrechende russische Bürgerkrieg (1918 bis 1922) veranlassten viele russische Christen und Nichtchristen, ihre Heimat zu verlassen. Sie suchten in verschiedenen Nachbarländern Zuflucht. Diese orthodoxen russischen Christen in Berlin reaktivierten das orthodoxe kirchliche Leben auf deutschem Boden. Zunächst nahm auch der Exarch des russischen Patriarchen (heiliger Tichon) für Westeuropa, Erzbischof Evlogij (Georgievsky) seine erste Kathedra in der Emigration in Berlin. Doch bereits kurze Zeit später wurde der Sitz des Exarchen von Berlin nach Paris verlegt, da sich die Mehrheit der russischen Emigranten in Frankreich niedergelassen hatte. Da es im Jahre 1922 infolge des Rapallo-Vertrages zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Weimarer Republik und der jungen Sowjetunion kam, fiel das ehemalige russisch-kaiserliche Botschaftsgebäude an die Sowjetunion und die dortige Hauskirche zu Ehren des Heiligen Apostelgleichen Großfürsten Vladimir wurde für immer geschlossen. Damit standen damals der russischen orthodoxen Gemeinde nur noch die Friedhofskirche in Berlin-Tegel und die Kirche in Potsdam zur Verfügung. Für die russischen Emigranten, die seelisch und geistig ganz und gar mit der Bewältigung eines wirtschaftlich komplizierten Alltags beschäftigt waren und die Aufgrund ihres emotionalen Exilanten-Daseins von aus der Heimat vertriebenen Russen, die auf den Zusammenbruch des Sowjetkommunismus warteten und danach ihre baldige Rückkehr in die Heimat erhofften, war die orthodoxe Kirche vor allem geistiger Anker und emotionale Verbindung zur verlorenen russischen Heimat. Deutschsprachige Gottesdienste lagen deshalb vollkommen außerhalb ihres geistig-seelischen Horizontes, so dass das geistige Erbe von Erzpriester Alexej Maltzew und Priester Vasilij Göcken mit dem Untergang der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg endgültig verschüttet zu sein schien.

 

Die russischen Emigranten suchten nach der Schließung der Botschaftskirche nach einer Möglichkeit, eine repräsentative russische Kirche zu errichten, die den Bedürfnissen der großen Gemeinde gewachsen war. Es gelang ihnen zwischen den Jahren 1923 und 1928 im dritten Stock des Wohnhauses am Hohenzollerndamm 33, an der Einmündung der Ruhrstraße, eine orthodoxe Kirche zu errichten. Diese Form eines orthodoxen Kirchenbaus war einmalig. Nachdem das Gebäude von der nationalsozialistischen Deutsche Arbeitsfront (DAF) gekauft wurde, aber die orthodoxe Gemeinde als Mieter weiterhin im Gebäude verblieb, erschien diese Lösung beiden Parteien als unpassend. So erbaute die preußische Bau- und Finanzdirektion in den Jahren 1936 bis 1938 die russische orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kathedrale als dreischiffige Basilika im russisch-byzantinischen Stil. Sie wurde am 13. Mai 1938 geweiht und ist seit der Nachkriegszeit die Kathedra des Bischofs der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchates.

Die erste russische orthodoxe Kathedralkirche im dritten Stock

des Wohnhauses am Hohenzollerndamm 33.

 

Russische orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kathedrale in Berlin.
Russische orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kathedrale in Berlin.
Innenansicht der russischen orthodoxen Auferstehungs-Kathedrale in Berlin.
Innenansicht der russischen orthodoxen Auferstehungs-Kathedrale in Berlin.

 

Auch im Rahmen dieser auf russische Gläubige orientierten Gemeinde fanden immer wieder deutsche Menschen ihren ganz persönlichen Glaubensweg zur Orthodoxie. Ebenfalls näherten sich die Nachkommen der russischen Emigranten in den folgenden Generationen mehr und mehr sprachlich und kulturell der  deutschen Mehrheitsgesellschaft an. Diese Entwicklung führte dazu, dass Erzbischof  Feofan dem deutschsprachigen Teil der russischen orthodoxen Gemeinde seinen Segen gab, eine eigene deutschsprachige Gemeinde zu bilden. Dies geschah am 27. Mai 2002 und so wurde die Gemeinde des Heiligen Isidor von Rostov und Brandenburg am 14. Juni 2002 von Vladika Feofan kanonisch errichtet. Seit dem Herbst 2003 hat die Gemeinde dankenswerter Weise die Möglichkeit, die byzantinische Kapelle in der Krypta der Kirche im ehemaligen römisch-katholischen Kloster der Christkönigschwestern in Berlin-Lankwitz zu nutzen.

 

Auch in der gewährten ökumenischen Gastfreundschaft der römisch-katholischen Erzdiözese Berlin und nicht nur in der deutschen Gottesdienstsprache spiegelt sich ein geistliches Erbe, das weit über das Jahr 2002 zurückreicht. Gleich einer geistlichen Quelle, einem spirituellen Brunnen, ist dieses Erbe einer deutschsprachigen orthodoxen Gemeinde, die vor rund 120 Jahren durch die apostolische Wirken des ehrwürdigen Erzpriesters Alexej Maltzew und seines unermüdlichen Mitarbeiters Priester Vasilij Göcken grundgelegt wurde, trotz mancher zeitweiser Dürreperioden, bis heute in der Berliner Orthodoxie lebendig geblieben.

 

Die deutschsprachigen Gottesdienste bilden darüber hinaus ein wichtiges christlich-orthodoxes Glaubenszeugnis im inzwischen weitgehend säkularisierten und entchristlichten Berlin. Dabei besitzt die Verwendung der deutschen Sprache in orthodoxen Gottesdienst hierzulande noch eine besondere, nicht zu unterschätzende, aber bisher meist nicht klar genug wahrgenommene Komponente: Der Mentalität der deutscher Menschen ist es gerade im Gegensatz zum Naturell anderer Völker in besonderer Weise eigen, „verstehen“ zu wollen. Diese ist ein bleibendes Erbe der gesamten deutschen Geistesgeschichte, vor allem seiner kirchlich-religiösen Entwicklung. Der russische Exiltheologe Pavel Ekodimov fasst die orthodoxe Erkenntnis, dass einen jeden Volk auch eine ihm jeweils eigene spirituelle Komponente eigen ist in die Worte: „Kein Volk, einmal getauft, verharrt passiv in der Art, sich den Glauben zu assimilieren. Der nationale Genius personalisiert gleichsam die universale Tradition. Das religiöse Leben formt quer durch die Jahrhunderte ein religiöses Ideal, das die Gläubigkeit und Aspirationen eines Volkes synthetisiert“. Während zum Beispiel russische oder griechische Gläubige in ihrem jeweils auf Kirchlichenslawisch[i] oder in byzantinischem Griechisch[ii] gefeierten orthodoxen Gottesdiensten auch nicht alles wörtlich verstehen können, strebt die deutsche Denkungsart genau hiernach. Hierin begründet sich auch das beharrliche Nachfragen deutscher Orthodoxer oder deutscher Menschen, die sich für den orthodoxen Glauben interessieren, nach dem jeweiligen „Sinn“, der besonderen „Bedeutung“ oder der „Sinnhaftigkeit“ bestimmter kirchlicher Bräuche oder rituellen Vollzüge. Erst wenn wir diese besondere deutsche Eigenart deutschen religiösen Empfindens, als dem besonderen deutschen Zugang zur Orthodoxie ernst zu nehmen bereit sind, wird es uns auch gelingen können, jenes verstärkte Interesse für den orthodoxen Glauben bei den in der deutschen Kultur und Mentalität verwurzelten Menschen zu erwecken, das der heilige Altvater Paisios vom heiligen Berg Athos einstmals für die Zukunft prophetisch vorhergesagt hat.



[i] Die kirchenslawische Sprache ist die Sprache des Gottesdienstes in der russischen und den übrigen slawischen orthodoxen Kirchen. Für die meisten russischen orthodoxen Gläubigen stellt sie ein kostbares Erbe dar, das sie durch die kirchliche Tradition von ihren Vorfahren empfangen haben und das es weiter zu bewahren gilt. In einer kirchlichen Broschüre wir dies folgendermaßen ausgedrückt: „Die Kenntnis der Sprache, in welcher der orthodoxe Gottesdienst gefeiert, das Wort Gottes in der Kirche verkündet wird, die täglichen Gebete zu Hause gelesen und Bitt- und Dankgottesdienste gefeiert werden, ist für jeden russisch-orthodoxen Christen unumgänglich. Es ist eine machtvolle, bilderreiche und erhabene Sprache, die für uns heilig ist und niemals im Alltag zum Ausdruck der Nöte des Lebens gebraucht wird. In ihr vollzieht sich nur die geheimnisvolle Verbindung jedes wahrhaft gläubigen orthodoxen Christen mit Gott. Täglich ertönt die Sprache unserer Vorfahren und der heiligen Gerechten des russischen Landes im Munde von Millionen von Menschen, und verbindet damit die lebenden und verstorbenen Mitglieder der Kirche in dem einen Gebet zum Herrn.“ Das heute in der russischen Kirche gebräuchliche Altkirchenslawische ist jedoch nicht direkt jene altslawische Sprachform, die die heiligen Slawenapostel Kyrill und Method in der Mitte des IX. Jahrhunderts entwickelten, um die Heilige Schrift und die orthodoxen Gottesdienstbücher aus dem Griechischen zu übersetzen. Vielmehr ist sie die russische Variante der altkirchenslawischen Sprache, die vor allem in der Lexik im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an die ostslawische Sprachentwicklung angepasst wurde. Deshalb können kirchlich geprägte Russen einen größeren Teil des Gottesdienstes auch verstehen. Insofern kann durchaus gesagt werden, dass das Altkirchenslawisch der russischen Gottesdienst- und Gebetbücher der „kirchliche Dialekt“ der russischen Sprache ist. Jedoch ist es eine wichtige Aufgabe der Katechese in der russischen Kirche, immer wieder die Gebete und Hymnen der altkirchenslawischen Gottesdienste zu besprechen und für das bessere Verständnis durch die Gläubigen zu übersetzen. Dieser Aufgabe widmen sich auch zweisprachige Ausgaben der kirchlichen Bücher, die den Text meist in einer Parallelversion Kirchenslawisch-Russisch anbieten.

 

[ii] In der griechischen Kirche wird für die Gottesdienste nicht die moderne griechische Alltagssprache. Vielmehr verwendet sie das sogenannte Koine-Griechisch, die Sprache des Neuen Testaments, in ihrem byzantinischen Entwicklungsstand aus der Zeit der Kirchenväter als Liturgiesprache.

 

Die Reliquien des heiligen Isidor in Rostov.
Die Reliquien des heiligen Isidor in Rostov.

 

Die Berliner Gemeinde des heiligen Isidor trifft sich zurzeit jeweils am 2. Wochenende eines Monats, um am Samstagabend die Vesper oder die Nachtwache und am Sonntag die Göttliche Liturgie zu feiern.

 

Die Verwendung der deutschen Sprache in einer orthodoxen Gemeinde bedeutet jedoch keineswegs eine unkritische Haltung gegenüber den hedonistischen und säkularisierenden Fehlentwicklungen in den westlichen Gesellschaften, auf die der amtierende russische Oberhirte Seine Heiligkeit Patriarch Kyrill und andere leitende Bischöfe der Kirche, wie zum Beispiel Seine Eminenz Metropolit Ilarion Alfeev, immer wieder deutlich warnend hinweisen. Auch deutschsprachige orthodoxe Christen sind nicht Anhänger einer christlich-orthodox unverantwortbaren zeitgeistigen Libertinität, sondern fest verankert in den überlieferten geistlichen Traditionen der russischen Orthodoxie und damit, wie alle übrigen gläubigen Kinder der russischen Kirche, um eine Lebensführung nach der überlieferten christlich-orthodoxen Spiritualität, das heißt, um ein von den überlieferten kirchlichen Traditionen erfülltes Leben bemüht. Orthodox zu sein bedeutet aber immer ein vollgültiges Glaubenszeugnis mit seiner gesamten Lebenshaltung und -gestaltung zu geben. Zu diesem vollgültigen Glaubenszeugnis sind alle in Deutschland lebenden orthodoxen Christen gemeinsam aufgerufen, ungeachtet der Tatsache, ob sie in ihren Gottesdiensten die deutsche Sprache oder eine andere Sprache verwenden; ob sie sich erstrangig der deutschen Mentalität und Kultur oder der ihrer Herkunftsländer verbunden wissen.

 

Dieses vollgültige Glaubenszeugnis setzt eine notwendige Offenheit gegenüber der hiesigen Kultur und der Mentalität der deutschen Menschen voraus. Diese Offenheit der orthodoxen Christen in Deutschland kann aber nach genuin orthodoxem Verständnis nicht kritiklos-inklusiv sein, sondern sie wird immer ihre legitime Begrenzung in den tradierten Werten und Glaubensvorstellungen der christlichen Orthodoxie finden. Nur wenn wir uns dieser Welt eben gerade nicht gleich machen, wenn (vgl. Matthäus 5:13-16), zu der uns unser Herr Jesus Christus berufen hat, können wir orthodoxen Gläubigen ein genuin christliches Glaubenszeugnis als Bürger dieses Landes und als aktive Mitglieder in seiner Gesellschaft abgeben. Die Gemeinde zu Ehren des Heiligen Narren in Christo Isidor von Rostow und Brandenburg verbindet dieses christlich-orthodoxe Glaubens- und Traditionsbewusstsein mit dem gottesdienstlichen Gebrauch der deutschen Sprache.

 

 

Церковь Вознесения Господня в Ростове Великом

Die Kirche des seligen Isidor, des Narren in Christo in Rostov Velikij.

 

Im Laufe der Kirchengeschichte hat sich das Licht des Einen Heiligen Evangeliums in die verschiedensten Farben der Verwirklichung des Lebens in Christus aufgebrochen. Diese Farben sehen wir besonders klar in den Lebenswegen der einzelnen Heiligen. Die einzelnen Heiligen mit den besonderen geistlichen Charakteristika ihres jeweiligen Lebens sind, wie der russische Exiltheologe Pavel Evdokimov schreibt, lebendige Ikonen der Christusnachfolge, in denen sich jeweils ein ganz besonderer Aspekt der in der Kirche vorhandenen Fülle des geistlichen Lebens ausdrückt. Insofern drückt der Name des Heiligen, den unsere gläubigen Eltern uns für den Empfang der heiligen Taufe als Schutzpatron und geistlichen Begleiter beigegeben haben, etwas darüber aus, was sie uns als geistliches Lebensmotto am Beginn unseres Erdenlebens gewünscht haben. Gleiches gilt im Übrigen auch für eine Gruppe orthodoxer Christen, wenn sie sich bei einer Gemeindegründung für einen bestimmten Heiligen als Schutzpatron ihrer nun wachsenden Gemeinschaft entscheiden.

 

Der orthodoxe Heilige, der Kirchenpatron, zu dessen Ehren die deutschsprachige Gemeinde in Berlin errichtet wurde, ist der Heilige Isidor von Rostov und Brandenburg. Er war ein Narr in Christo und wurde im 15. Jahrhundert in einer sorbischen Familie in Brandenburg geboren. Noch in jungen Jahren ging er nach Russland in die Gegend von Rostov Velikij, das nahe bei Moskau liegt. Dort nahm er den orthodoxen Glauben an und widmete danach sein ganzes Leben der Nachfolge Christi. Deshalb schenkte ihm Christus die Gabe der Prophetie. Auf das Gebet des heiligen Isidors hin ereigneten sich etliche Heilungswunder Sein Gedenktag ist der 14. Mai.

 

Anlässlich einer Pilgerreise der Berliner Gemeinde zur Gemeinde des Heiligen Isidor in Rostov Velikij erfuhren die Berliner Pilger, dass genau zum dem Zeitpunkt (also am 27. Mai 2002 um 10 Uhr), als die erste Göttliche Liturgie in der neugegründeten Berliner Gemeinde gefeiert wurde, auch in Rostov nach der Entweihung der Kirche durch die gottlosen Kommunisten die erste Göttliche Liturgie nach vielen Jahrzehnten des Leerstands der Kirche gefeiert werden konnte.

 

 

Die Orthodoxe Parochie

zu den Heiligen Erzengeln Düsseldorf

 

Die orthodoxe Gemeinde zu den Heiligen Erzengeln in Düsseldorf besteht seit dem Jahr 1955. Sie ist damit die älteste orthodoxe Kirchengemeinde der Stadt. Seit dem Jahr 1958 benutzte die Gemeinde die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse als Gotteshaus.  Schon bald entwickelte die junge Gemeinde schnell einen pan-orthodoxen Charakter, der bis heute die geistliche und zwischenmenschliche Identität dieser Gemeinde prägt. In der Gemeinde sind seit ihrer Gründung vor über 50 Jahren orthodoxe Christen unterschiedlicher Herkunft beheimatet: Griechen, Libanesen, Russen, Rumänen, Serben und Deutsche. Deshalb werden alle Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten. Die Gemeinde wird durch ihren engagierten Pfarrer Erzpriester Peter Sonntag geistlich betreut. Vater Peter ist Deutscher, der in Griechenland orthodoxe Theologie studiert hat und danach im Erzbistum der orthodoxen Gemeinden Russischer Tradition, einem Exarchat des Ökumenischen Patriarchates in Konstantinopel für russische oder ursprünglich russischstämmige orthodoxe Gläubige, heute aber für viele orthodoxe Gläubige aus allen westeuropäischen Nationen, zum Priester geweiht wurde. Seit dem Jahre 1974 gehört auch die orthodoxe Gemeinde zu den Heiligen Erzengeln in Düsseldorf zu diesem in ganz Westeuropa mit seinen Gemeinden vertretenen Bistum im Ökumenischen Patriarchat. Die Gläubigen versammeln sich am Samstagabend zu Vesper und dann am Sonntagmorgen zur Feier der Göttlichen Liturgie. Seit Anfang des Jahres 2008 nutzt die Gemeinde die Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus in Düsseldorf-Wersten als ihr Gotteshaus, so dass die Jan-Wellem-Kapelle in der Fährstrasse von der Düsseldorfer Gemeinde der Georgischen Orthodoxen Kirche für ihre Gottesdienste genutzt werden kann.

 

 

Auf der Internet-Seite der Gemeinde kann der aktuelle Gottesdienstplan eingesehen werden: https://www.orthodoxdus.de/

 

 

Mit ihrer Zeltdachform ist die orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Nikolaus in Düsseldorf-Wersten ein besonderes Denkmal der Kirchenbaugeschichte im ganzen Rheinland.
Mit ihrer Zeltdachform ist die orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Nikolaus in Düsseldorf-Wersten ein besonderes Denkmal der Kirchenbaugeschichte im ganzen Rheinland.

 

Adresse: Orthodoxe Kirchengemeinde zu den Hll. Erzengeln

 

Kirche und Zentrum des Hl.Nikolaus von Myra

 

Werstener Feld 65

 

40591 Düsseldorf

 

Tel.:         0211-73 10 09 17

 

Fax:         02232-20 06 38

 

mobil:    0173-81 82 522

 

Mail: info@orthodoxe-parochie.eu

 

 

Erzpriester Peter Sonntag bei der Großen Wasserweihe am Fest der Theophanie am Rhein.
Erzpriester Peter Sonntag bei der Großen Wasserweihe am Fest der Theophanie am Rhein.

 

Erzpriester Peter Sonntag

 

Römerstrasse 440d

 

50321 Brühl

 

Tel.      02232-20 06 80

 

Fax:     02232-20 06 38

 

mobil:  0173-81 82 522

 

Mail: vater.peter@orthodoxe-parochie.eu

 

Erzpriester Sergius Heitz
Erzpriester Sergius Heitz

 

Erpriester Sergius Heitz war zweifellos eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Orthodoxie im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Verständnis sollte eine Konversion zur Orthodoxie nicht zur Folge haben, dass der Konvertit seine eigene Kultur, Mentalität und Sprache ablegt, wenn er orthodox wird. Dabei ging es Vater Sergius immer um die Unversalität und Katholiuität der orthodoxen Kirche. Als seine Lebensaufgabe betrachtete es Vater Sergius den orthodoxen Glauben im Westen Europas einzuwurzeln. Deshalb hat er sich in seinem gesamten priesterlichen Wirken für die Verwirklichung einer deutschsprachigen Orthodoxie eingesetzt.

 

 

Erzpriester Sergius Heitz

(1908 -  1994)

Zeitliche Tragik und zukunftsweisendes Vermächtnis

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Wie kaum ein Zweiter steht der orthodoxe Erzpriester Vater Sergius Heitz für die Erwartungen und Hoffnungen einer ganzen Generation deutschsprachiger Orthodoxer auf eine schnelle Akkulturation der zugewanderten Orthodoxen und der von ihnen hierzulande gegründeten Kirchengemeinden an die ganz andersartige Kultur und Mentalität der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Trotz seiner intensiven Kontakte, ja persönlichen Freundschaften, zu namhaften orthodoxen Hierarchen und Theologen vor allem Südosteuropas blieb es Vater Sergius scheinbar auf eine seltsame Weise verborgen, was der Pariser russische Exiltheologe Pavel Evdokimov in die erklärenden Worte fasste: „Kein Volk, einmal getauft, verharrt passiv in der Art, sich den Glauben zu assimilieren. Der nationale Genius personalisiert gleichsam die universale Tradition. Das religiöse Leben formt quer durch die Jahrhunderte ein religiöses Ideal, das die Gläubigkeit und Aspirationen eines Volkes synthetisiert“. Diese ganz eigene orthodoxe Symphonia zwischen den zugewanderten süd- und osteuropäischen Menschen, ihrer ethnischen Identität und hieraus in Jahrhunderten der Verchristlichung der jeweiligen orthodoxen Völker gewachsenen, je ganz eigenen Ausdrucksweise des gemeinsamen orthodoxen Glauben, wollte Vater Sergius gleichsam überspringen und so innerhalb kürzester Zeit aus geborenen Orthodoxen und deutschen Konvertiten eine in Deutschland sich schnell einwurzelnde, ja geradezu „deutsche Orthodoxie“ erschaffen. Hierin liegen Tragik und Scheitern von Vater Sergius Heitz, dessen Visionen sich spätestens seit der großen Zuwanderung russischsprachiger und in der dortigen Mentalität und Kultur verwurzelter Orthodoxer in die Gemeinden des Moskauer Patriarchates in Deutschland, die am Ende seines Lebens noch einmal ganz bewusst die von ihm erwählte, also seine eigene Kirche geworden war, sich so nicht mehr verwirklichen, ja nicht einmal im Ansatz weiter aufrecht erhalten ließen. Zugleich bedeutet sie aber, wie jede weitreichende Vision, auch ein Vermächtnis für die Zukunft, nicht nur der russischen, sondern aller orthodoxen Gemeinden in Deutschland, die sich sicherlich nicht genauso und vollständig, jedoch bestimmt in anderer Form und in anderer Gewichtung einmal erfüllen wird. Insofern lohnt es sich für alle orthodoxen Christen hierzulande, das Leben, Werk und Vermächtnis von Vater Sergius näher kennen zu lernen.

 

Der spätere orthodoxe Erzpriester Sergius Heitz wurde am o6. Juni 1908 in Grafenstaden im Elsass geboren. Am 24. Juni des gleichen Jahres empfing er im Straßburger Münster die katholische Taufe und erhielt dabei den Taufnamen Alfons. In den Jahren von 1919 bis 1924 besuchte er dann das Bischöfliche Gymnasium in Straßburg und studierte danach in den Jahren von 1924 bis 1931 an der theologischen Fakultät der Universität Straßburg katholische Theologie. In dieser Straßburger Studienzeit gründen auch seine lebenslangen Bekanntschaften, ja Freundschaften, mit wichtigen orthodoxen Theologen seiner Zeit, wie dem späteren Metropoliten von Neocäsarea Chrysostomos (Koronaios), dem letzten Rektor der orthodoxen theologischen Hochschule in Chalki, dem späteren rumänischen Patriarchen Justin (Moisescu) und dem rumänischen Archimandriten Benedict Ghius. Alle diese orthodoxen Hierarchen und Theologen waren eine Zeit lang Theologiestudenten an  Straßburger  Universität und wurden dabei mit Heitz bekannt oder sogar befreundet.

 

Am 16. Juli 1931 wurde Alois Heitz dann zum katholischen Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Kaplan war er in den Jahren von 1935 bis 1945 Pfarrer in Hartmannsweiler im Oberelsass. Von 1945 bis 1947 war er danach Studentenpfarrer in Paris und in den Jahren von 1946 bis 1948 als stellvertretender Generalvikar mit der Seelsorge aller ausländischen Katholiken in Frankreich betraut. In diesen Jahren war es auch Vizepräsident des Zentrums „Istina“, das sich noch vor dem Zweiten Vaticanum um einen theologischen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen mühte. In jener Zeit machte Pfarrer Heitz auch regelmäßige Besuche bei seinen Studienfreunden in Rumänien. Nach einem längeren theologischen und geistlichen Klärungsprozess konvertierte er dann am 24. Juni 1948 zur orthodoxen Kirche. Unmittelbar danach heiratete er Ilena Gregorian, einer russische Emigrantin aus einer alteingessenen armenischstämmigen Moskauer Familie. Sowohl die Form seines Übertritts als katholischer Priester zur Orthodoxie, als auch seine danach erfolgte Eheschließung (eine katholische Priesterweihe wird in der Russischen Orthodoxen Kirche im Allgemeinen als sakramental gültig angesehen und schließt eine Heirat ohne Versetzung in den Laienstand aus),hat sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Orthodoxie immer wieder für viele Mutmaßungen gesorgt und zu Diskussionen und sogar ofenen Anfeindungen Anlass gegeben. Aus heutiger Sicht lässt sich kaum mehr mit Sicherheit entscheiden, welche der unterschiedlichen Versionen, deren Verbreiter sich alle auf die Erinnerung an mündliche Aussagen von Vater Sergius Heitz als Quelle berufen, wirklich vertrauenswürdig. Die wahrscheinlichste, denn kanonisch praktikable Version dürfte wohl gewesen sein, dass der katholische Priester Alois Heitz sich von Rom hatte bereits laisieren lassen und dann als Laie in die Orthodoxie aufgenommen worden ist. Erst danach hat er geheiratet und später ist er dann durch den Empfang einer vollständigen Cheirotonie zum orthodoxen Priester geweiht worden.

 

Als historisch gesichert kann jedoch gelten, dass Sergius Heitz am 01. März 1949 in Paris zum orthodoxen Priester für die französischsprachigen Gläubigen der Gemeinde des Moskauer Patriarchats geweiht wurde.  In den folgenden Jahren war Vater Sergius zusammen mit russischen Priester Alexandre Troubnikoff Herausgeber der orthodoxen Zeitschrift „Dans l’Esprit et la Verite“ und gleichzeitig Dozent am Institut Orthodoxe Saint-Denis (Patriarchat Moskau), an dem auch der bekannte russische Exiltheologe Vladimir Lossky lehrte.

 

Der heilige Joann Maximovic bei einer Liturgiefeier in San Francisco.
Der heilige Joann Maximovic bei einer Liturgiefeier in San Francisco.
Jean-Nectaire (Kovalevsky) von Saint-Denis war Bischof für jene orthodoxen Christen, die die Göttliche Liturgie nach abendländischem (gallikanischen) Ritus feierten. Hier bei einer Liturgiefeier mit dem heiligen Joann Maximovic in Paris.
Jean-Nectaire (Kovalevsky) von Saint-Denis war Bischof für jene orthodoxen Christen, die die Göttliche Liturgie nach abendländischem (gallikanischen) Ritus feierten. Hier bei einer Liturgiefeier mit dem heiligen Joann Maximovic in Paris.

 

Seinen ersten priesterlichen Dienst übte Vater Sergius allerdings nicht in Paris aus, damit die ökumenischen Beziehungen zu katholischen Kirche nicht dadurch belastet würden, sondern seit Herbst des Jahres 1949 diente er als orthodoxer Hausgeistlicher in Rueschlikon bei  Zürich. Im Mai 1950 erfolgten die Geburt und der frühe Tod seines Sohnes Sergius. Im Herbst 1950 kehrte Vater Sergius mit seiner Familie dann nach Paris zurück, da die Schweiz ihnen keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erteilte. Im Jahr 1952 wurde in Paris dann seine Tochter Olga geboren. Ein fester Dienst als orthodoxer Priester wurde Vater Sergius jedoch von der russischen Kirche aus zwischenkirchlichen Rücksichtnahmen auch nach seiner Rückkehr aus der Schweiz in Paris nicht zugewiesen. Deshalb trat er in den 1950-er Jahren zu rumänischen Exilkirche über und tat danach seinen priesterlichen Dienst an der Kirche der rumänischen Exilgemeinde in der Rue Jean de Beauvais in Paris. Genau wie die genauen Umstände seiner Priesterweihe, die immer wieder Anlass zu theologischen Diskussionen und kirchenpolitischen Mutmaßungen gab, so gaben auch die wiederholten Jurisdiktionswechsel von Vater Sergius bis kurz vor sein Lebensende immer wieder Anlass zu kirchlichen Irritationen und Verdächtigungen. Jedenfalls kann als historisch gesichert gelten, dass Vater Sergius im Jahre 1950, als er nachweislich in jener rumänischen Pariser Kirche die Göttliche Liturgie am Weihnachtsfest gefeiert hat, aus der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchates in die rumänische Exilkirche übergewechselt war. Im Jahre 1956 riet ihm dann offensichtlich der heilige Ioann Maksimovic von Shanghai und San Francisco, der damals der Pariser Bischof der russischen Auslandskirche mit der Kathedra in Versailles war, doch nach Deutschland überzusiedeln. Mit dem Segen von Metropoliten Vissarion (Puiu) von Czernowitz, der damals im Pariser Exil weilte und dessen bischöflicher Jurisdiktion sich Vater Sergius unterstellt hatte, übersiedelte er kurz danach nach Düsseldorf. Die rumänische Exildiözese, die damals von Metropolit Vissarion und danach von Bischof Teofil (Ionescu) geleitet wurde, gehörte zu dieser Zeit als Rumänische Orthodoxe Kirche im Ausland zur Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland. Dass die in liturgischen und kirchenrechtlichen Fragen sehr akribische handelnde Auslandskirche Vater Sergius als orthodoxen Priester akzeptiert hatte, ist ein deutliches Indiz für die Tatsache, dass im Rahmen seiner Konversion, Eheschließung und Priesterweihe die Regeln orthodoxen Kanones beachtet worden sind.

 

Die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse (Frontansicht).
Die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse (Frontansicht).
Die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse diente der orthodoxen Gemeinde zu Ehren der heiligen Erzengel jahrzehtelang als Gotteshaus, ehe sie in die Nikolaus-Kirche in Düsseldorf-Wersten umzog.
Die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse diente der orthodoxen Gemeinde zu Ehren der heiligen Erzengel jahrzehtelang als Gotteshaus, ehe sie in die Nikolaus-Kirche in Düsseldorf-Wersten umzog.
Innenansicht der Kirche zu Ehren der Heiligen Erzengel in der historischen historische Jan-Wellem-Kapelle.
Innenansicht der Kirche zu Ehren der Heiligen Erzengel in der historischen historische Jan-Wellem-Kapelle.
Seine Eminenz Erzbischof Jean von Charioupolis, Exarch des Ökumenischen Patriarchen für die Orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa bei der Liturgiefeier in Düsseldorf (Nov. 2016) .
Seine Eminenz Erzbischof Jean von Charioupolis, Exarch des Ökumenischen Patriarchen für die Orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa bei der Liturgiefeier in Düsseldorf (Nov. 2016) .
Bis heute hat die zum Ökumenischen Patriarchat gehörende Gemeine ihren pan-orthodoxen und deutschsprachigen Charakter bewahrt.
Bis heute hat die zum Ökumenischen Patriarchat gehörende Gemeine ihren pan-orthodoxen und deutschsprachigen Charakter bewahrt.

 

An seinem neuen Wohnsitz in Düsseldorf gründete Vater Sergius, nach einem kürzeren Zwischenaufenthalt in Hagen, eine orthodoxe Gemeinde. Dazu hatte ihm im November des Jahres 1955 Metropolit Vissarion seinen bischöflichen Segen gegeben. Seit dem Jahr 1958 nutzte die junge Gemeinde die historische Jan-Wellem-Kapelle in der Düsseldorfer Fährstrasse als Gotteshaus. War es im Jahre 1955 noch der bischöfliche Auftrag von Metropolit Vissarion gewesen, „sich im Lande Nordrhein-Westfalen niederzulassen und sich um die spirituellen Bedürfnisse der dortigen orthodoxen Rumänen zu kümmern“, so entwickelte junge Gemeinde schnell einen pan-orthodoxen Charakter. In der Düsseldorfer Gemeinde waren bald orthodoxe Christen unterschiedlicher Herkunft beheimatet: Griechen, Libanesen, Russen, Rumänen, Serben und andere, aber auch in zunehmender Zahl deutsche Menschen, die durch die deutschsprachigen Gottesdienste ermutigt worden waren, „in die Fülle der ungeteilten Göttlichen Tradition einzutreten.“  (Zitat Vater Sergius Heitz). So begann Vater Sergius für diese multinationale orthodoxe Gemeinde schnell die Gottesdienste in deutscher Sprache zu zelebrieren.

 

Das Liturgikon "Mysterium der Anbetung" ist die besondere Übersetzungsleistung von Vater Sergius Heitz.
Das Liturgikon "Mysterium der Anbetung" ist die besondere Übersetzungsleistung von Vater Sergius Heitz.

 

Seit dem Jahr 1962 publizierte Vater Sergius über zwei Jahrzehnte lang die Zeitschrift „Orthodoxie aktuell“ sowie den deutschsprachigen „Orthodoxen Kirchenkalender“. Im Jahre 1966 wurde ihm aus Anlass der Herausgabe des Buches “Der Orthodoxe Gottesdienst Band 1: Göttliche Liturgie und Sakramente“ der Rang eines Erzpriesters verliehen. Dieses vollständige Liturgikon enthält in deutscher Übersetzung alle Texte, die für die Zelebration der Göttlichen Liturgie erforderlich sind, sowie die notwendigen Ordnungen zur Spendung der sieben heiligen Sakramente. Diese verdienstvolle Arbeit von Vater Sergius war die erste größere Herausgabe von orthodoxen liturgischen Texten seit den großartigen Übersetzungen des Erzpriesters Alexej Maltzew im Berlin der Jahrhundertwende. Wie alle deutschsprachigen Übersetzungen wurde auch die Arbeit von Vater Sergius zwar mit großem Interesse aufgenommen, andererseits aber auch sofort wegen einiger eigenwilliger Übersetzungsentscheidungen schnell kritisiert. Außer der Zeitschrift „Orthodoxie heute“ publizierte Vater Sergius in diesen Jahren die nicht nur an Mitglieder der Gemeinde, sondern auch an die zahlreiche Freunde und Interessenten an der Orthodoxie versandten „Parochie-Briefe“ bzw. die etwas umfangreicheren „Parochialen Monatsblätter“.

 

Als im Jahre 1970 das Moskauer Patriarchat eine neue Diözese von Düsseldorf und Nordwestdeutschland mit seinem alten Freund Erzbischof Alexej (van der Mensbrughe) als Oberhirten errichtete, wechselte Vater Sergius erneut die bischöfliche Jurisdiktion und trat erneut zum Moskauer Patriarchat über. Im Jahre 1970 konnte er dann auch eine den heiligen apostelgleichen Konstantin und Helena gewidmete Tochtergemeinde in Köln errichten. Als Vertreter der Geistlichkeit der Düsseldorfer Diözese nahm er im Mai 1972 am Landeskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche in Moskau teil, wo ihn der neugewählte Patriarch Pimen mit dem Recht zum Tragen der Mitra auszeichnete. Im Jahre 1973 gründete Erzpriester Sergius nach dem Vorbild der „Fraternité Orthodoxe en Europe Occidentale“ in Frankreich eine „Orthodoxe Fraternität für die deutschsprachigen Gemeinden“. Leider hat diese „Orthodoxe Fraternität“ nie eine vergleichbare pan-orthodoxe Breitenwirkung wie ihre französische Schwester unter den orthodoxen Christen in Deutschland entfaltet, sondern ist immer eine Aufgabe und Interessengebiet für wenige orthodoxe Enthusiasten geblieben. Als sich der Zugriff des Sowjetstaates auf die russisch-orthodoxen Auslandsgemeinden verstärkte und sich dann in einem veränderten Kirchenstatut äußerte, „die die Gemeinden, durch eine drohende Registrierung und namentliche Meldung der Gemeindemitglieder nach Moskau der politischer Willkür preisgegeben,  sowie durch die exklusive Verfügungsgewalt über die Finanzen durch den Erzbischof völlig entmündigen sollten“ (Zitat Vater Sergius Heitz) verließ Vater Sergius erneut die Jurisdiktion des Moskauer Patriarchat und wechselte im Jahre 1974 zum Exarchat des Ökumenischen Patriarchats für die russischen Gemeinden in Westeuropa über. Jedoch nahm ihn der dortige Erzbischof Gerorgij (Tarassov) von Syrakus mitsamt seiner Gemeinde erst nach längerem Zögern unter sein Omophorion. Nach den Aussagen verschiedener Zeitzeugen spielten jedoch auch andere als nur die offiziell genannten Gründe eine entscheidende Rolle. Offensichtlich ging es auch um die Frage nach der eigentlich entscheidenden Persönlichkeit in der noch jungen Diözese, die nur aus zwei Gemeinden bestand, nämlich der von Erzpriester Heitz geleiteten in Düsseldorf und der von ihm gegründeten Kölner Gemeinde. Der Erzbischof Alexej erklärte die eigentlich entscheidungsleitenden Beweggründe von Vater Sergius dahingehend, dass „der Erzpriester alles entscheiden will und mich nur als Galionsfigur gebraucht“. Am Ende folgte die Düsseldorfer Gemeinde ihrem Pfarrer weitgehend, wenn auch nicht vollständig ins Ökumenische Patriarchat, während die Kölner Gemeinde unter der bischöflichen Jurisdiktion des Moskauer Patriarchates verblieb.

 

Erzbischof Georgij (Trasov) von Syracuse bei der Feier der Göttlichen Liturgie in Bad Ems.
Erzbischof Georgij (Trasov) von Syracuse bei der Feier der Göttlichen Liturgie in Bad Ems.

 

In den kommenden Jahren widmete sich Vater Sergius intensiv der publizistischen Tätigkeit. So erschien, zuerst als Supplement der Zeitschrift „Orthodoxie Heute“,  die erste Auflage von „Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit - Orthodoxes Glaubensbuch für erwachsene und heranwachsende Gläubige“, das Sergius Heitz zusammen mit der damals evangelischen Professorin für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal Susanne Hausammann erarbeitete hatte. Dieses, trotz gewisser evangelischer Nähen und Anklänge, ganz hervorragende Beispiel eines orthodoxen katechetischen Arbeitsbuches Für Selbstudium und religiöse Unterweisung wurde dann später auch ins Niederländische, Französische und Bulgarische übersetzt. Im Jahre 1986 erschien eine überarbeitete und neu gegliederte Auflage seines Liturgikons unter dem Namen „Mysterium der Anbetung, Band. 1: Göttliche Liturgie und Stundengebet der Orthodoxen Kirche“ und im Jahre 1988 „Band. III: Die Mysterienhandlungen der Orthodoxen Kirche und das tägliche Gebet der Orthodoxen Gläubigen“. Der geplante zweite Band mit den für den Gottesdienst notwendigen Texten aus dem Oktoich und den Minäen ist allerdings leider niemals erschienen.

 

 

Im August 1992 stellte Erzpriester Sergius Heitz ein Gesuch auf Wiederaufnahme in das Moskauer Patriarchat mit der Begründung, dass einerseits durch die neue politische Situation die damalige Bedrohungslage vorüber sei und dass nach seiner Auffassung die deutschsprachige Orthodoxie im Patriarchat Moskau am besten aufgehoben sei. Diesen erneuten Wechsel der bischöflichen Jurisdiktion versuchte Vater Sergius ohne kanonische Entlassung seitens des Ökumenischen Patriarchates in Konstantinopel durchzuführen. Diesmal verweigerte sich aber die Mehrheit der Düsseldorfer Gemeinde dem kirchenpolitischen Führungsanspruch von Vater Sergius zu folgen. Unter zweite Priester der Düsseldorfer Pfarrei, dem jungen Priester Peter Sonntag, hielt die Mehrheit der Gemeindeglieder dem Erzbistum der russischen Gemeinden in Westeuropa die kirchliche Treue. Vater Sergius und ein kleiner Teil der Gemeindeglieder wurde im Oktober 1992 durch Vermittlung von Erzbischof Longin (Talypin) von Klin erneut ins Patriarchat Moskau aufgenommen. Aber das Kirchengebäude in der Düsseldorfer Fährstrasse verblieb nun bei der Gemeinde des Pariser Exarchates. Diese Gemeinde zu Ehren der heiligen Erzengel in Düsseldorf besteht bis heute unter der aufopfernden und engagierten Seelsorge ihres Pfarrers Erzpriester Peter Sonntag fort. Seit Anfang 2008 hat die Gemeinde die früher durch verschiedene orthodoxe Gemeinden in Düsseldorf genutzte Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus in Düsseldorf-Wersten übernommen. Die Jan-Wellem-Kapelle in der Fährstrasse kann seither von der Georgischen Orthodoxen Kirche und ihrer Düsseldorfer Gemeinde genutzt werden.

 

Trotz seines Alters von 84 Jahren hatte Erzpriester Heitz noch den persönlichen Mut und die Energie, erneut eine Gemeinde, diesmal jenseits des Rheins in Neuss zu gründen. Mit Unterstützung durch den damaligen Diakon (jetzigen: Erzpriester) Stefan Gross, den späteren Diakon Damian Langenscheidt (beide heute Kleriker der bulgarische Metropolie von West- und Mitteleuropa) und den Priester Johannes Nothaas (jetzt Erzpriester der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchates), sowie eines kleineren Teils der Gemeindemitglieder aus Düsseldorf entstand in Neuss eine neue russisch-orthodoxe Gemeinde zu Ehren des heiligen Erzengels Michael und der übrigen heiligen körperlose Mächte. Diese kleine und in den kommenden Jahren dann zunehmend von russischsprachigen Gläubigen besuchte Gemeinde feierte ihre Gottesdienste zunächst in der Korneliuskapelle, später dann in der Kapelle des Alexianer-Krankenhauses.

 

Im Jahr 1994 erschien dann noch zu Lebzeiten von Vater Sergius die verbesserte und erweiterte Neuauflage des Glaubensbuches „Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit“, das jetzt in Cooperation  mit der serbischen orthodoxen Mönchsskite des heiligen Spyridon in Geilnau herausgegeben wurde.

 

Im Oktober des Jahres 1998 verstarb dann Vater Sergius Heitz in Düsseldorf. Er  wurde am 13. Oktober 1998 auf dem Friedhof von Düsseldorf-Wersten beigesetzt. Der Panychida für seine Seelenruhe stand S. E. Erzbischof Feofan (Galinsky) von Berlin und Deutschland vor, mit dem mehrere Priester und Diakone dienten.

 

Wie will man am Ende das Lebenswerk eines Menschen werten? Wie es bis in alle Fassetten hinein gewichten? Wer traut sich an dieser Stelle zu richten, um dann selbst wegen seiner Verständnislosigkeit von Christus gerichtet zu werden? (vgl. Matthäus 7:1) Auch ein Autor der, als Hypodiakon im Pariser Exarchat beheimatet, das kirchliche Handeln von Vater Sergius in bestimmten Punkten ganz anders beurteilen wird, als es ein anderer Autor tun wird, der im Moskauer Patriarchat beheimatet ist, so können beide sicherlich darin übereinstimmen, dass das Lebenswerk des in Gott verewigten ehrwürdigen Erzpriesters Sergius Heitz in eine kirchlich und politisch noch gänzlich anders geprägte Zeit fiel. Die Gemeinden des Moskauer Patriarchates auf deutschen Boden hatten noch nicht jenen bald danach einsetzenden großen Zustrom russischsprachiger Gläubiger erfahren. Entsprechend war der Anteil der deutschsprachigen Konvertiten zahlen- und bedeutungsmäßig viel größer als heutzutage. So bestanden die meisten der russisch-orthodoxen Gemeinden des Patriarchates Moskau auf deutschen Boden fast ausschließlich aus deutschen Konvertiten und waren damals überwiegend deutschsprachig geprägt. Heute machen die orthodoxen Deutschen und Deutschsprachigen unter den rund 150.000 russisch-orthodoxen Gläubigen, die heute in Deutschland von den Gemeinden des Moskauer Patriarchates und der Russischen Auslandskirche seelsorgerlich betreut werden, nur noch einen winzigen Prozentsatz aus. Von den Gemeinden, in denen Erzpriester Sergius am Ende wirkte, haben zwei inzwischen einen ganz überwiegend russischen Charakter angenommen, während die Gemeinde des Pariser Exarchates in Düsseldorf weiterhin erklärtermaßen deutschsprachig geblieben ist.

 

Insofern muss man hier konstatieren, dass die Vision von Erzpriester Sergius Heitz von einer deutschsprachigen, oder gar „deutschen Orthodoxie“ weithin theologischer Wunschtraum geblieben und nicht kirchliche Wirklichkeit geworden ist. Wie viele andere deutsche Konvertiten hat auch er die Bindungskraft der ererbten Identität, die die meisten geborenen Orthodoxen an eine ganz bestimmte Nation oder Volksgruppe und damit auch an eine bestimmte kulturelle und sprachliche Ausformung und eine hiermit verbundene ganz eigen geprägte, orthodoxen Lebensweise nicht genügend verstehen können oder wollen und sie deshalb zugleich in ihrer pastoralen Bedeutung unterschätzt.

 

Trotzdem bleibt im priesterlichen Wirken von Vater Sergius auch ein Samen für die orthodoxe Zukunft in diesem Lande enthalten: Auf die Dauer werden sich die orthodoxen Gläubigen in diesem Lande mit der Kultur und Mentalität seiner deutschen Menschen mehr und mehr verbinden. Das lehrt uns ganz übereinstimmend die bisherige Erfahrung aus allen klassischen Einwanderungsländern. Auch die orthodoxe Diaspora wird auf die Dauer hier vollkommen heimisch werden und sich dann auf genuin orthodoxe Weise hier verwurzeln. Aber erst dann wird das oben zitierte Wort aus dem Munde Pavel Evdokimovs auf die geistliche und mentalitätsmäßige Wirklichkeit der Orthodoxie in Deutschland zutreffen.

 

Es mag zur besonderen persönlichen Tragik eines Vaters Sergius Heitz gehören, dass er diese Entwicklung, die organisch langsam wachsen und heranreifen muss, zu sehr forcieren wollte. Gleichwohl wird die Zukunft der orthodoxen Kirche in Deutschland mehr und mehr von einer hier sprachlich und kulturell beheimaten Ausformung der Orthodoxie bestimmt werden. Viele junge orthodoxe Priester, die in Deutschland ihren pastoralen Dienst tun, sehen dies bereits klar und deutlich. Sie lassen sich und den von ihnen seelsorgerlich betreuten Gemeinden aber zugleich die Zeit, die sie brauchen werden, um diese notwendige Entwicklung nicht nur rational-kognitiv, sondern auch psychisch zu bewältigen. Nicht nur für das tatsächliche Reisen gilt das Wort Johann Wolfgang v. Goethes, dass die Seele nun einmal langsamer fährt als eine Postkutsche.

 

Aber der Zeitpunkt wird bestimmt kommen, an dem sich die Kinder der Orthodoxen Kirche in diesem Lande sich dankbar an das Wirken eines Vaters Sergius Heitz und seiner Vorgänger und Nachfolger erinnern werden.

 

In diesem Sinne gebührt ihnen allen unser „Ewiges Gedenken!“

 

Erzpriester Peter Plank
Erzpriester Peter Plank

 

Der spätere orthodoxe Erzpriester Peter Plank wurde am 22. März 1951 in Neustadt an der Donau (Bayern) in der Familie eines Eisenbahnbeamten geboren. Die Eltern des zukünftigen Priesters gehörten der römisch-katholischen Kirche an. Nach Beendigung des Gymnasiums studierte Peter Plank von 1970 bis 1973 an der katholischen theologischen Fakultät der Regensburger Universität und anschließend von 1973 bis 1975 an der Pontificia Universita Gregoriana in Rom, wo er mit dem Bakalaureat in Theologie abschloss und zum Diakon geweiht wurde. Von 1975 bis 1980 studierte er Ostkirchenkunde und Byzantinistik in Würzburg, wo er seit 1976 als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Ostkirchenkunde tätig war. Im Jahr 1980 schloss er seine Doktorarbeit ab und 1986 im Fach „Kirchengeschichte des Altertums und Patrologie“ seine Habilitationsschrift. Seine vielseitige Tätigkeit in Wissenschaft und Lehre an verschiedenen deutschen Universitäten dauerte dann bis zum Jahre 2008 an. Im Jahre 1989 zum Priester geweiht, trat Vater Peter im Jahre 1992 zur orthodoxen Kirche über und wurde Kleriker in der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchats. Nachdem er für kurze Zeit Vorsteher der Gemeinden  in Stuttgart und Tübingen gewesen war, widmete er sich seit dem Jahre 1993 ganz dem Aufbau der von ihm in Würzburg gegründeten orthodoxen Gemeinde zur Ehren der Verkündigung an die Allheilige Gottesgebärerin, deren Vorsteher Vater Peter bis zu seinem frühen Tod blieb. Die zutiefst geistliche Persönlichkeit von Vater Peter hinterließ unauslöschliche Spur im geistlichen Leben der vielen Menschen, die zu ihm kamen.Mit großer Liebe und Hingabe zelebrierte er die orthodoxen Gottesdienste. In langjähriger Arbeit übersetzte er zahlreiche Hymnent und Gebetstextee aus dem altgriechischen Original ins Deutsche. In tiefgründigen Predigten und langen  Gesprächen mit seinen geistlichen Kindern, im Sakrament der Heiligen Beichte oder im erbetenen Rat führte er viele Menschen zu Christus und zu einem vertieften orthodoxen geistlichen Leben. Für seinen unermüdlichen priesterlichen Dienst wurde Vater Peter der Rang eines Erzpriesters verliehen. Auch in der letzten Zeit seines Lebens, als er bereits durch eine schwere Krankheit ans Bett gefesselt war, diente Vater Peter weiterhin seiner geliebten Kirche, indem er den Gläubigen ein Beispiel der Geduld, Demut und vollständige Ergebenheit in Gottes Willen gab. Vater Peter entschlief im Herrn am 15. April 2009

 

 

Deutschsprachige orthodoxe Gottesdienste

in München

 

In München werden deutschsprachige orthodoxe Gottesdienste sowohl von der griechischen Kirche als auch von der russischen Kirche im Ausland gefeiert.

 

Erzbischof Mark (Arndt), der Vorsteher der auslandsrussischen Kathedralkirche ist ein geborener Deutscher, der während seines Studiums den orthodoxen Glauben angenommen hat. Er ist sowohl in der russischen Sprache, die er besonders liebt und  die er gleich seiner deutschen Muttersprache vollkommen beherrscht, als auch in der russischen Kultur ganz zu Hause. Die Münchner russisch-orthodoxe Kathedralkirche ist eines der wichtigsten orthodoxen  Zentren im oberbayrischen Umland. Das Einzugsgebiet der Kathedralgemeinde reicht bis nach Augsburg, Garmisch-Partenkirchen, Altötting, Pfaffenhofen, und sogar darüber hinaus. An der Kathedralkirche wird an allen Sonn- und Feiertagen der Zyklus der orthodoxen Gottesdienste vollzogen. Zu den sonntäglichen Gottesdiensten versammeln sich ca. 250 Gläubige, die die nationale Symphonia und Vielfalt der russischen Kirche abbilden. Deshalb ist die Hauptsprache der orthodoxen Gottesdienste an der Kathedralkirche das althergebrachte Kirchenslawische geblieben. Auch wird die Predigt in russischer Sprache, jedoch aber auch mit in einer Simulanübersetzung in die deutsche Sprache in einer Ecke der Kirche vorgetragen. Der Apostel und das Evangelium werden jeweils auch in Deutsch gelesen. Jeweils Mittwochs findet eine Vecernja (Abendgottesdienst) in Deutsch statt.

 

An jedem zweiten Sonntag im Monat findet um 8.00 Uhr eine deutschsprachige Feier der Göttlichen Liturgie in der Nikolauskapelle neben der Kathedrale zu Ehren der heiligen Märtyrer und Bekenner Russlands (Lincolnstr. 58, München-Giesing) statt. Dazu singt der deutsche Chor der Kathedrale.

 

Darüber hinaus gibt es eine eigene deutschsprachige Kirchengemeinde zu Ehren des heiligen Apostels Thomas. Sie wird von Priester Thomas Diez (Tel. 0871-932511, 01762-1440760, thomasgerharddiez@gmail.com) geleitet. Die Gottesdienste dieser deutschsprachigen Gemeinde finden in der Kirche zu Ehren des Erzengels Michael (Achatstr. 14, München-Ludwigsfeld) statt. Der Gottesdienstplan kann eingesehen werden unter: www.amichaelskirche.de/de/gottesdienstplan.

 

Deutschsprachige orthodoxe Gottesdienste finden ebenfalls auch in der griechischen Kirchengemeinde zu Ehren der Verklärung Christi (Salvatorkirche) statt. Der zuständige Priester ist Archimandrit Peter Klitsch (Tel: 089-2280 7676;  muenchen.salvator@orthodoxie.net) Die deutschsprachige Feier der Göttlichen Liturgie kann hier nach der heutigen Auslegung der griechischen Tradition sowohl in den Morgen-, wie auch in den Abendstunden stattfinden. Der Gottesdienstplan kann eingesehen werden unter: http://www.salvatorkirche-münchen.de/de/

 

Während die deutschsprachigen orthodoxen Gottesdienste in der russischen Auslandskirche der polyphonen russischen Kirchenmusik folgen, verwendet die griechische Kirche auch bei der Zelebration der deutschsprachigen Gottesdienste die byzantinische Gesangstradition.

 

Auch in der Antiochenischen (Rum-orthodoxen) Gemeinde  in München ist es gute Tradition, dass einige Teile der Göttlichen Liturgie in deutscher Sprache gesungen werden, so dass die Feier der Göttlichen Liturgie dort de facto zweisprachig (arabisch & deutsch) ist.