Orthodoxie in Westeuropa:

Orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Symeon des Gottesträgers in Dresden.
Orthodoxe Kirche zu Ehren des heiligen Symeon des Gottesträgers in Dresden.

 

Die Orthodoxe Kirche in Deutschland

umfasst inzwischen zwei Millionen Gläubige

 

Thomas Zmija v. Gojan 

 

Die Orthodoxe Kirche ist inzwischen mit rund zwei Millionen Gläubigen die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland. Waren es noch vor wenigen Jahren rund 1,2 bis 1,5 Millionen Gläubige, die dauerhaft auf deutschen Boden lebten, so ist ihre Zahl heute infolge der Fluchtbewegungen der Christen aus den Ländern des Nahen Ostens sowie dem andauernden Bürgerkrieg im Osten der Ukraine, aber auch durch neue innereuropäische Arbeitsmigrationsbewegungen aus Griechenland, Rumänien und Bulgarien auf rund zwei Millionen Gläubige angewachsen. Die in Deutschland lebenden orthodoxen Christen gehören heute zu 10 Diözesen, die seit dem 27. Februar 2010 gemeinsam die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland bilden. Da die Gemeinschaft der Orthodoxen in Deutschland aus Emigrations- und Zuwanderungsbewegungen während des 20. Jahrhunderts hervorgegangen ist, gibt es bisher noch keine gemeinsame orthodoxe Landeskirche in Deutschland. Vielmehr gehören die einzelnen orthodoxen Bistümer in Deutschland oder Westeuropa, die ihrerseits Kirchengemeinden auf deutschen Boden betreuen, weiterhin zu den orthodoxen Heimatkirchen der Länder, aus denen ihre Gläubigen ursprünglich stammten. Deshalb sind die jeweiligen Bischöfe - entgegen den kanonischen Gepflogenheiten - nicht für alle orthodoxen Gläubigen in einem bestimmten Gebiet, sondern bundesweit für Gläubige, die mehrheitlich aus einer bestimmten Nation stammen zuständig. Zwar werden hierzulande seit über 200 Jahren auch orthodoxe Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten, jedoch gibt es bisher nur wenige Pfarrgemeinden mit vorwiegend oder ausschließlich deutscher Gottesdienstsprache. Jedoch zeichnet sich heute bereits ein Sprachübergang der jüngeren Generationen in den Gemeinden zur hauptsächlichen Verwendung der deutschen Sprache ab, so dass deutschsprachige Gottesdienste in der Zukunft für den Fortbestand der orthodoxen Glaubensgemeinschaft in Deutschland immer wichtiger sein werden. Dem trägt die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland bereits heute dadurch Rechnung, dass eine Übersetzungskommission eine verbindliche deutschsprachige Fassung der liturgischen Bücher und übrigen Gebetstexte erarbeitet.

 

Die orthodoxe Kirche in Deutschland gliedert sich zur Zeit wie folgt:

 

Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel

 

Griechische Orthodoxe Metropolie von Deutschland (KdöR) (Bischofssitz: Bonn)

Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa (Bischofssitz: Paris)

Ukrainische Orthodoxe Eparchie von Westeuropa (Bischofssitz: London)

 

Patriarchat von Antiochien und dem ganzen Orient

 

Antiochenische Orthodoxe Metropolie von Deutschland (Bischofssitz: Köln)

 

Patriarchat von Moskau

 

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche - Moskauer Patriarchat (KdöR)

(Bischofssitz: Berlin)

 

Russische Orthodoxe Diözese des orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland

(Russische Auslandskirche) (mit Sitz der Diözesanverwaltung in München)

 

Serbische Orthodoxe Kirche 

 

Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland 

 

Rumänische Orthodoxe Kirche

 

Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa (KdöR) (Bischofssitz: Nürnberg)

 

Bulgarische Orthodoxe Kirche

 

Bulgarische Diözese von West- und Mitteleuropa (Bischofssitz: Berlin)

 

Georgische Orthodoxe Kirche

  

Westeuropäische Diözese der Georgischen Orthodoxen Kirche (Bischofssitz: Tiblissi / Georgien)

 

Russische Orthodoxe Kirche zu Ehren der Heiligen Apostelgleichen Magdalena in Weimar.
Russische Orthodoxe Kirche zu Ehren der Heiligen Apostelgleichen Magdalena in Weimar.

 

 

 

Die orthodoxe Kirche in Thüringen

 

Orthodoxe Christen und orthodoxes kirchliches Leben gibt es in Thüringen seit der Mitte des 19.Jahrhunderts. Jedoch ist das einzige orthodoxe Gotteshaus in ganz Thüringen bis heute die  Heilige- Maria- Magdalena- Kirche in Weimar geblieben. Dort hatte die russische Großfürstin Maria Pawlowna, die einen der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach geheiratet hatte, verfügt, dass nach ihrem Tode eine russische orthodoxe Kapelle über ihrem Grab errichtet werden sollte. Diese Grabkirche wurde zwischen 1860 und 1862 nach Plänen des Oberbaudirektors Carl Heinrich Ferdinand Streichhan im Auftrag des Großherzogs Carl Alexander erbaut. Sie befindet sich auf dem historischen Friedhof Weimars, direkt hinter der Fürstengruft, und ist mit dieser unterirdisch verbunden. Die Kirche wurde am 24. November 1862 auf das Patrozinium der Heiligen Apostelgleichen Maria Magdalena geweiht. Diese Grabkapelle dient heute der russischen orthodoxen Gemeinde Weimars als Gotteshaus. Neben orthodoxen Christen, die in den letzten Jahrzehnten aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind, gehören zu den Gemeindemitgliedern in Weimar auch orthodoxe Gläubige aus vielen anderen Gegenden der Welt. So versammelt sich zu den Gottesdiensten eine orthodoxe Gemeinde, die über 50 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, Serben, Griechen, Bulgaren, Syrier, Inder und Deutsche etc. umfasst. Der Priester der Gemeinde ist Erzpriester Michail Rahr. Auch in Jena hat sich inzwischen eine ganz ähnlich multiethnisch zusammengesetzte Gemeinde gebildet. Sie umfasst rund 40 Personen und wird von Priester Artemij Bondarenko aus Coburg betreut. Außer in Weimar und Jena werden orthodoxe Gottesdienste ebenfalls in Erfurt durch Vater Michail Rahr gehalten, der dafür aus Weimar anreist. In Erfurt gibt es ebenfalls eine rumänische orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren des Festes Mariae Schutz und Schirm.

 

 

 

Vater Artemij im Kirchenraum in Jena. Die Gottesdienste finden in einem Raum im Jenaer Tafelhaus in der Werner-Seelenbinder-Straße statt.
Vater Artemij im Kirchenraum in Jena. Die Gottesdienste finden in einem Raum im Jenaer Tafelhaus in der Werner-Seelenbinder-Straße statt.

 

Das christliche Weltbild der Großherzogin Maria Pawlowna und ihr Vermächtnis an die Kirche

der heiligen Maria Magdalena zu Weimar

 

Erzpriester Michail Rahr

 

Großherzogin Maria Pawlowna wurde am 4. (16.) Februar 1786 als Tochter des russischen Zaren Paul I. und dessen Gemahlin Maria Feodorowna, geb. Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg, als sechstes von elf Kindern geboren. Am 22. Juli (3. August) 1804 heiratete sie in Sankt-Petersburg den Erbprinzen von Sachsen-Weimar-Eisenach Carl Friedrich, mit dem sie am 9. November des gleichen Jahres in Weimar einzog. Damit teilte sie das Schicksal ihrer vier Schwestern Alexandra, Helena, Katharina und Anna, die allesamt westeuropäische Monarchen heiraten mussten. Solche arrangierten Ehen zwischen den europäischen Königs- und Fürstenhäusern waren damals die Norm, galten zudem aus russischer Sicht im doppelten Sinne als wünschenswert, und zwar sowohl aus innen-, als auch aus außenpolitischer Perspektive. Denn einerseits wollten die Romanows durch Vermählungen ihrer Prinzessinnen mit ausländischen Herrschern verhindern, dass ambitionierte russische Fürstengeschlechter durch Einheiraten Einfluss am Zarenhof hinzugewinnen konnten, andererseits boten solche dynastischen Eheverbindungen mit westlichen Herrscherhäusern dem Russischen Reich die Möglichkeit, die eigene Machtbasis auf dem gesamten europäischen Kontinent zu konsolidieren. Letzteres wird am Beispiel Maria Pawlownas besonders deutlich, da ihre Heirat mit Carl Friedrich mit dem Aufstieg Napoleons zusammenfiel. Das revolutionäre Frankreich bedrohte nämlich mit seinen Armeen alle übrigen Monarchien in Europa, so dass die Regierungen in Ost und West ein gesteigertes Interesse zeigten, militärisch-politische Bündnisse zu schmieden. So sollte die älteste Schwester Marias, Alexandra Pawlowna, zunächst Königin von Schweden werden, doch als diese Allianz aus konfessionellen Gründen scheiterte (das schwedische Königshaus bestand auf einem Übertritt zum lutherischen Bekenntnis), heiratete sie den Palatin von Ungarn, Großherzog Joseph. Beide damaligen Großmächte – Schweden und Österreich-Ungarn galten ja nicht gerade als beste Freunde Russlands. Das Beispiel der ältesten Schwester von Maria Pawlowna, deren Heirat ja nur der Staatsräson geschuldet war, infolgedessen sie ständigen Anfeindungen seitens des Hofstaats im Habsburger-Reich ausgesetzt war, verdeutlicht, wie weit damals solcherart zustande gekommene Ehen von der romantischen und naiven Idealvorstellung einer „Märchenhochzeit“ entfernt waren.

 

 

Trotz der kühlen, durch geostrategische Zwänge bedingten politischen Kalkulation war die Ehe Maria Pawlownas mit Carl Friedrich jedoch alles andere als ein Albtraum. Auch wenn es ursprünglich keine Liebesheirat war, war diese Beziehung von Anfang an von aufrichtiger Zuneigung und gegenseitigem Respekt geprägt. Hilfreich war dabei die christliche Geisteshaltung beider Jungvermählten – des Lutheraners Carl Friedrich und der Orthodoxen Maria Pawlowna.

 

Für manch einen Außenstehenden mag es wie die Verwirklichung eines Traums anmuten, umgeben von Hofdamen und Dienern in einem prunkvollen Palast zu leben, in einer Prachtkutsche sitzend die Huldigungen der Untertanen entgegenzunehmen und sich praktisch jeden materiellen Wunsch erfüllen zu können. Doch am unfreisten sind in einer Monarchie die Monarchen selbst, denn sie können wohl als einzige nie aus Liebe heiraten, müssen noch dazu in einem goldenen Käfig leben, ständig fremde Menschen um sich ertragen und sich einem starren Hofprotokoll fügen. Nur wer innerlich gefestigt war, vermochte damit fertig zu werden und sein Leben in fremder, oftmals feindseliger Umgebung meistern.

 

Maria Pawlowna fand ihren Halt im christlichen Glauben. Einen Monat nach ihrer Ankunft in Weimar wurde eine orthodoxe Kapelle im Schloss eingerichtet, in der warmen Jahreszeit stand ihr die geräumigere Hauskirche im Haus der Frau von Stein (Ackerwand 25) zur Verfügung. Dies war die Gründung der orthodoxen Gemeinde in Weimar. Erster Pfarrer war der Beichtvater der jungen Erbprinzessin Erzpriester Nikita Jasnowsky.

 

Erzpriester Nikita Jasnowsky.
Erzpriester Nikita Jasnowsky.

 

Allerdings wäre es wohl auch verkehrt, das spirituelle Profil Maria Pawlownas auf pure Schicksalsergebenheit und rein äußerliche Frömmigkeit zu reduzieren. Ihr Familienleben wäre ohne die vererbten Eigenschaften wie Sanftmut, Güte, Zärtlichkeit und  Herzenswärme, sowie angeeignete Tugenden wie Respekt, Fürsorglichkeit, Toleranz und Treue um vieles problematischer gewesen. Doch es gibt darüber hinaus eine Eigenschaft der Großherzogin, die ich bei dieser Gelegenheit ganz besonders hervorheben möchte – auch und gerade, weil es m.E. für unsere Zeit von größter Bedeutung zu sein scheint. Ich meine damit das Einfühlungsvermögen der russischen Zarentochter, die hochgebildet, kultiviert und überdurchschnittlich begabt, die glitzernde Metropole Sankt-Petersburg verließ, um im provinziell-beschaulichen und verarmten Weimar ihre neue Heimat zu finden. Ich denke nämlich schon, dass ihr Gatte, ihre Schwiegereltern und ihre neue Umgebung aufgrund der ihnen eigenen ausgeprägten Wahrnehmungsgabe es sehr wohl gemerkt hätten, wenn die Tochter des russischen Zaren heimlich Ressentiments gegenüber dem Kleinstaat Sachsen-Weimar-Eisenach gehegt hätte.

 

Ich versuche meine These an wenigen konkreten Beispielen festzumachen. Als nun schon seit bald vierzehn Jahren in Weimar tätiger Priester habe ich mir nämlich sehr wohl des öfteren Gedanken darüber gemacht, warum Maria Pawlowna ihren beiden Beichtvätern (und meinen Vorgängern), den Erzpriestern Nikita Jasnowsky und Stefan Sabinin (seit 1837 Beichtvater der Großherzogin Maria Pawlowna) es verboten hatte, Bärte zu tragen und außerhalb des Gottesdienstraumes in priesterlicher Kleidung zu erscheinen, wie es damals in Russland üblich war. War dies eine Verleugnung ihres orthodoxen Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer Kultur? Mitnichten! Für mich steht fest, dass diese Vorgehensweise Ausdruck ihres psychologischen Feingefühls und ein untrügliches Indiz für ihre Hochachtung gegenüber ihrer neuen Heimat, ihrer neuen Familie und ihrer neuen Stellung war. Stellen Sie sich doch einmal vor, sie würde vor aller Welt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Andersartigkeit hervorgehoben und ohne Rücksichtnahme auf die Gefühle der neuen Untertanen ihre vermeintliche Überlegenheit betont haben („In St.-Petersburg machen wir das aber anders“). Hätte sie dann die Zuneigung der Weimarer Herrscherfamilie und die Anerkennung als Landesmutter in den Augen der Thüringer gewinnen können? Sie wäre den Weimarern vielmehr als „die Russin“, als „Zugereiste“ für alle Zeit fremd geblieben. So gelang es ihr aber dank ihrer weiblichen Intuition die Herzen der Menschen aller Gesellschaftsschichten zu erobern und dabei den Spagat zwischen Liebe zum Ursprungsland und Treue zur zweiten Heimat zu vollziehen. Und dieses Vermächtnis bleibt auch über eineinhalb Jahrhunderte nach ihrem Tod bestehen, ist für uns heute womöglich aktueller denn je. Der in Russland und Deutschland gleichermaßen bekannte Politikwissenschaftler Alexander Rahr drückte es einmal in einem Interview sinngemäß wie folgt aus: so wie man gleichzeitig Vater und Mutter liebt, so kann man sich als Migrant auch geistig und emotional zwei Ländern bzw. zwei Kulturen zugehörig fühlen.

 

 

Das Charisma der Großherzogin spielte sicherlich eine mehr als untergeordnete Rolle für ihre Anerkennung am Weimarer Hof. Selbst Goethe soll von ihrem Esprit und ihrer Bildung angetan gewesen sein. Am Beispiel Maria Pawlownas wird deutlich, dass Bescheidenheit und Demut in keinerlei Widerspruch zu einem gesunden Selbstbewusstsein und einer starken Persönlichkeit stehen müssen. Maria Pawlowna verstand sich nach der Thronbesteigung ihres Gemahls Carl Friedrichs (1828) als oberste Dienerin ihres Volkes, wofür sie auch ihr beträchtliches Vermögen aus der elterlichen Mitgift verwandte. Die Gründung der Witwen- und Waisenkasse, die Unterstützung zahlreicher Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen, die Sorge um das nachhaltige Wohl ihrer Untertanen – vor allem der weiblichen; dazu die Förderung der Künste, - all das war Ausdruck dessen, dass sie ihre hervorgehobene Stellung als von Gott zugewiesene Verantwortung für das Wohl ihres Volkes verstand. Damit machte sie sich gleichwohl nicht nur Freunde. Die Hofdamen mussten sich durch die obligatorische Lektüre anspruchsvoller Werke vom Müßiggang vergangener Zeiten verabschieden; eine von ihnen, die nicht standesgemäß geheiratet hatte, durfte fortan im Theater nicht mehr zusammen mit der Großherzogin in einer Loge sitzen, sondern musste mit einem Platz im Parkett für Bürgerliche vorlieb nehmen. Noblesse oblige!

 

In der heutigen Situation, da wir in Thüringen zahlreiche Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion haben, sieht die russische orthodoxe Kirchengemeinde der Heiligen Apostelgleichen Maria Magdalena in ihrer Gründerin ihr leuchtendes Vorbild für eine gelungene Integration in der neuen Heimat. Stärkster und wirksamster Ausdruck der Bindung an das Ursprungsland ist bei uns der orthodoxe Glaube, der freilich nicht nur in der sturen Bewahrung von Riten und Gebräuchen zum Ausdruck kommen muss (zum Beispiel in der alljährlichen Segnung der Osterspeisen), sondern im Festhalten an traditionellen, unwandelbaren Werten seine Bestätigung findet. Und diese Werte sind das, was wir mit großem Selbstbewusstsein und gleichzeitiger Hochachtung gegenüber anderen traditionellen Wertvorstellungen vertreten wollen. Wir sind der Ansicht, dass der Austausch der Kulturen keine Einbahnstraße ist (das hieße nämlich Assimilation statt Integration), sondern sich durch Synergieeffekte für beide Seiten positiv auswirken kann und soll. Kultur ist in unseren Augen nicht bloß Folklore, die es in eigens gegründeten Initiativgruppen als Selbstzweck zu erhalten gilt; Kultur ist untrennbar verbunden mit einer nationalen oder auch über-nationalen Identität, einer entsprechenden, an moralischen Werten ausgerichteten Lebensweise, die es den Einwanderern aber ermöglicht, sich mit diesen geistigen Schätzen in die hier bereits beheimatete Gesellschaft einzubringen. Gewiss, wir sind der felsenfesten Überzeugung, dass gläubige Russen, Ukrainer, Weißrussen, Moldawier und Georgier vom westlichen Wertekanon nur profitieren können; aber für uns gilt auch unumstößlich die Tatsache, dass wir niemandem gegenüber Minderwertigkeitskomplexe zu haben brauchen, dass wir durchaus in der Lage sind, dem Westen eine adäquate Gegenleistung anzubieten. Wir wollen und können uns auch am kulturellen Gewinnungsprozess hierzulande beteiligen, wir wollen und können den geistigen und spirituellen Reichtum dieses Landes vermehren helfen. Es steht doch außer Zweifel, dass Bilingualität ein Kind reicher, nicht ärmer macht. Mehr noch, wenn Migrantenkinder die kulturelle Identität ihrer Eltern und Großeltern bewahren und sich gleichzeitig die Geisteshaltung ihres neuen Heimatlandes aneignen, werden sie niemals der Bigotterie oder Ignoranz anheimfallen. Sie werden alles aus zwei Blickwinkeln betrachten und entweder je nach Situation die eine oder andere Sichtweise für sich auswählen, oder aber bemüht sein, einen Ausgleich zwischen beiden Denkmustern zu schaffen. Sie werden in ihrer frühkindlichen und pubertären Entwicklung dadurch weiter beflügelt, so dass die Verbundenheit zur „alten“ Heimat sich im späteren Berufsleben in bare Münze umwandeln lassen wird. Durch wirklich identitätsstiftende Integration wird Stumpfsinn und Fanatismus der Nährboden entzogen. Hierbei kommt dem christlichen Glauben eine zentrale Rolle zu. Eine dergestalt funktionierende Integration ist aber nur möglich, wenn beide Seiten mitmachen und voneinander zu lernen bereit sind.

 

Erzpriester Michail Rahr vor der orthodoxen Kirche in Weimar.
Erzpriester Michail Rahr vor der orthodoxen Kirche in Weimar.

 

In der heutigen Situation, da wir in Thüringen zahlreiche Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion haben, sieht die russische orthodoxe Kirchengemeinde der Heiligen Apostelgleichen Maria Magdalena in ihrer Gründerin ihr leuchtendes Vorbild für eine gelungene Integration in der neuen Heimat. Stärkster und wirksamster Ausdruck der Bindung an das Ursprungsland ist bei uns der orthodoxe Glaube, der freilich nicht nur in der sturen Bewahrung von Riten und Gebräuchen zum Ausdruck kommen muss (zum Beispiel in der alljährlichen Segnung der Osterspeisen), sondern im Festhalten an traditionellen, unwandelbaren Werten seine Bestätigung findet. Und diese Werte sind das, was wir mit großem Selbstbewusstsein und gleichzeitiger Hochachtung gegenüber anderen traditionellen Wertvorstellungen vertreten wollen. Wir sind der Ansicht, dass der Austausch der Kulturen keine Einbahnstraße ist (das hieße nämlich Assimilation statt Integration), sondern sich durch Synergieeffekte für beide Seiten positiv auswirken kann und soll. Kultur ist in unseren Augen nicht bloß Folklore, die es in eigens gegründeten Initiativgruppen als Selbstzweck zu erhalten gilt; Kultur ist untrennbar verbunden mit einer nationalen oder auch über-nationalen Identität, einer entsprechenden, an moralischen Werten ausgerichteten Lebensweise, die es den Einwanderern aber ermöglicht, sich mit diesen geistigen Schätzen in die hier bereits beheimatete Gesellschaft einzubringen. Gewiss, wir sind der felsenfesten Überzeugung, dass gläubige Russen, Ukrainer, Weißrussen, Moldawier und Georgier vom westlichen Wertekanon nur profitieren können; aber für uns gilt auch unumstößlich die Tatsache, dass wir niemandem gegenüber Minderwertigkeitskomplexe zu haben brauchen, dass wir durchaus in der Lage sind, dem Westen eine adäquate Gegenleistung anzubieten. Wir wollen und können uns auch am kulturellen Gewinnungsprozess hierzulande beteiligen, wir wollen und können den geistigen und spirituellen Reichtum dieses Landes vermehren helfen. Es steht doch außer Zweifel, dass Bilingualität ein Kind reicher, nicht ärmer macht. Mehr noch, wenn Migrantenkinder die kulturelle Identität ihrer Eltern und Großeltern bewahren und sich gleichzeitig die Geisteshaltung ihres neuen Heimatlandes aneignen, werden sie niemals der Bigotterie oder Ignoranz anheimfallen. Sie werden alles aus zwei Blickwinkeln betrachten und entweder je nach Situation die eine oder andere Sichtweise für sich auswählen, oder aber bemüht sein, einen Ausgleich zwischen beiden Denkmustern zu schaffen. Sie werden in ihrer frühkindlichen und pubertären Entwicklung dadurch weiter beflügelt, so dass die Verbundenheit zur „alten“ Heimat sich im späteren Berufsleben in bare Münze umwandeln lassen wird. Durch wirklich identitätsstiftende Integration wird Stumpfsinn und Fanatismus der Nährboden entzogen. Hierbei kommt dem christlichen Glauben eine zentrale Rolle zu. Eine dergestalt funktionierende Integration ist aber nur möglich, wenn beide Seiten mitmachen und voneinander zu lernen bereit sind.

 

Wenn beide Kulturen sich im gegenseitigen Respekt und Vertrauen - wie im Weimarer Mikrokosmos zwischen Carl Friedrich und Maria Pawlownas geschehen, - ergänzen, kann dies zudem – und das lehrt uns die Geschichte unseres Kontinents - nur der Festigung von Frieden und Wohlstand im gemeinsamen Haus Europa dienen. Überheblichkeitsdenken und Ausgrenzung hingegen führen unweigerlich zu Konflikten. Wer seine Augen nicht gänzlich vor den weltpolitischen Tatsachen verschließt, der kann das an der aktuellen geostrategischen Gemengelage nur zu deutlich erkennen.

 

Maria Pawlowna öffnete vor mehr als zweihundert Jahren die Tür, durch welche nach ihr tausende orthodoxe Gläubige den Weg nach Thüringen gefunden haben. Heute zählen ganz selbstverständlich Griechen, Serben, Rumänen, Bulgaren, aber auch orthodoxe Christen aus dem arabischen Raum sowie vorübergehend auch Studenten und Stipendiaten aus Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien zu unserer Kirchengemeinde. Trotz der unvermeidlichen Sprachbarriere kommen sie gerne in die als Grabeskirche für Maria Pawlowna errichtete Kapelle auf dem Historischen Friedhof und fühlen sich bei uns als Teil einer christlichen Familie. Ich sehe das jede Woche an den leuchtenden Augen all dieser Menschen am Ende des Gottesdienstes.

 

Insofern sind wir dankbar, dass wir dank eines unbefristeten Vertrages mit der Klassik Stiftung Weimar die Kirche uneingeschränkt gottesdienstlich nutzen dürfen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich sowohl der Klassik Stiftung als auch der Stadt Weimar für die wirklich offenherzige und vertrauensvolle jahrelange Zusammenarbeit danken. Es hat nicht einen Fall gegeben, dass der Präsident der KSW Herr Seemann bzw. der Oberbürgermeister Herr Wolf nicht ein ein offenes Ohr für die Bedürfnisse unserer Gemeinde gehabt hätten. Vielen herzlichen Dank dafür!

 

Wir verstehen uns aber nicht bloß als Weimarer Kirchengemeinde. Als einziges orthodoxes Gotteshaus in ganz Thüringen würden wir gerne auch ein wenig in den Blickpunkt der thüringischen Landespolitik rücken wollen. Die seit zweihundert Jahren in Thüringen beheimatete orthodoxe Gemeinde nutzt zwar ein prächtiges Gottesdienstgebäude, verfügt aber über keinerlei weitere Räumlichkeiten, die ein normal funktionierendes Gemeindeleben ermöglichen würden. Es gibt weder einen Raum für seelsorgerische Gespräche (diese müssen notgedrungen im Kirchenraum stattfinden, wo man aber nie ungestört sein kann), noch einen Saal für Veranstaltungen jeglicher Art. So hinken wir in Sachen Sozialarbeit (Kinder-, Jugend- und Seniorengruppen) hinterher, können unsere über den rein liturgischen Bereich hinaus gehenden Aufgaben nicht voll umfänglich wahrnehmen.

 

Leider erfahren wir als in Thüringen historisch verankerte religiöse Gemeinschaft im Vergleich zu anderen keinerlei Zuwendungen. Dabei bitte ich gar nicht um permanente finanzielle Unterstützung aus Steuergeldern – die Ressourcen der Gemeinde reichen  gerade aus, um das Gotteshaus in Weimar zu unterhalten und um für den Unterhalt des Priesters aufzukommen - meine inständige Bitte an die Landespolitik richtet sich dahingehend, dass wir bei der Schaffung eines Gemeindezentrums in der Landeshauptstadt auf Hilfe angewiesen sind, z.B. durch Übereignung, Umbau oder Sanierung eines leerstehenden Kindergartens bzw. eines anderen für diesen Zweck geeigneten Gebäudes. Erfurt ist bis dato nämlich die einzige Landeshauptstadt in Deutschland ohne eigene orthodoxe Kirchengemeinde! Nicht zuletzt aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, dass sich auch in Zeiten permanent knapper Kassen eine einmalige Investition in eine orthodoxe Begegnungsstätte für alle Seiten rechnen würde. Hierzu könnten wir zumindest ins Gespräch kommen und bei vorhandenem Wohlwollen sicherlich die Möglichkeiten einer zielführenden Zusammenarbeit prüfen. Wie gesagt, wir wollen nicht am finanziellen Tropf des Freistaats hängen, würden uns aber über etwas mehr Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft von Seiten der politisch Verantwortlichen freuen. Dies wäre, so denke ich, ein wertvoller Beitrag zur Bewahrung des Vermächtnisses der Großherzogin Maria Pawlowna, die seinerzeit Unermessliches für die heutige Blüte Weimars und Thüringens geleistet hat und somit zu einer herausragenden Brückenbauerin zwischen Ost und West wurde.

 

 

Ansprache Seiner Eminenz Bischof Gabriel bei der Feier der Göttlichen Liturgie anläßlich der 150 Jahrfeier der Kathedrale zu Ehren des Heiligen Fürsten Alexander Newsky in Paris

 

12.September 2011 

 

 

Eminenzen, Exzellenzen, verehrte Väter, Damen und Herren, Repräsentanten der Regierung und der lokalen Gemeinden, liebe Brüder und Schwestern!

 

Mit großer Freude heiße ich Sie hier heute willkommen zur Feier dieser Liturgie am 150-sten Jahrestag unserer Kathedrale. Es war tatsächlich an eben diesem Tag vor 150 Jahren , am Fest des Heiligen Fürsten Alexander Newsky, an dem diese Kirche offiziell eingeweiht wurde. Dank der beharrlichen Mühen des Gottesmannes Erzpriester Joseph Vassiliev, dem wir Hochachtung und Anerkennung schulden, wurde dieser Tempel trotz aller möglichen Schwierigkeiten gebaut. Er wurde zum Lobe Gottes und zur Verherrlichung Seines Heiligen Namens gebaut, um die Seelen aller russischen orthodoxen Christen, aber auch anderer Nationalitäten, die sich mühen geistlichen Trost und Versöhnung mit Gott zu finden durch Gebet und durch die Heiligen Sakramente, willkommen zu heißen.

 

Diese Kirche wurde aber auch gebaut, um als Brücke zu dienen zwischen Russland und Frankreich, um Zeugnis des Orthodoxen Glaubens für den Westen zu sein, und allen Menschen guten Willens den Reichtum des liturgischen und spirituellen Lebens der Orthodoxen Kirche zu zeigen, genau so, wie das russische Volk es einst aus Byzanz erhielt.

 

Wie zufällig ist dieses Kindschaftsverhältnis eingemeißelt in der Architektur dieses sehr eigenen Gebäudes, das ein großer französischer Kunstgeschichtler russischer Abkunft qualifizierte als „byzantino-moskowitisch“.

 

Seit der Zeit der Einweihung im Jahre 1861 ist diese Kirche ein Ort des gemeinschaftlichen Lebens der russischen Orthodoxen in Paris. Nach den traurigen Ereignissen in den Jahren 1917 bis 1920 folgten Tausende „Weißrussen“ dem Weg ins Exil bis nach Paris. Die Kirche in der Rue Daru wurde das geistliche Zentrum der russischen Emigration, ein Ort des informellen Treffens an Sonntagen und großen Festen und eine Art geschützter Ort für alle im Exil, die nach den Wirren des Bürgerkrieges ins Unbekannte stürzten. Im Jahre 1922 wurde diese Kirche Sitz des Diözesanbischofs, die Kathedrale zur Mutterkirche und zum Zentrum für alle Gemeinden in Frankreich und vielen Ländern in ganz Westeuropa. Seit dem Jahre 1930 hat sich dieses Gefüge unter den verschiedenen Statuten, die sich entwickelt hatten, Seiner Heiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen angeschlossen.

 

Das Patriarchat von Konstantinopel hat uns seinen Schutz gewährt und respektiert unsere russische Tradition und interne Autonomie. – Ich möchte gegenüber Seiner Heiligkeit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. unseren Dank und Respekt ausdrücken. Er hat uns heute eine besondere Delegation geschickt, bestehend aus den Metropoliten Chrysostomos und Emanuel und Bischof Athenagoras, um unter uns bei der goldenen Jubiläumsfeier unser Kathedrale Seine Heiligkeit zu vertreten.

 

Wir erinnern uns alle noch an den Besuch Seiner Heiligkeit hier im Jahre 1995 und an die wunderbare Liturgie, der Seine Heiligkeit in dieser Kirche vorstand. Wir sind glücklich die Worte der Ermutigung und des Segens zu hören, die heute wieder in seiner Botschaft und seinen Grüßen zu uns gekommen sind. Wir bitten die Delegation des Ökumenischen Thrones unsere besten Wünsche, unseren Dank und unsere Kindesliebe zu übermitteln.

 

Seit dem Tag der Weihe dieser Kirche hat sich nichts verändert, - oder fast nichts. Natürlich ist eine elektrische Beleuchtung vor langer Zeit eingebaut worden und ich predige inzwischen in französischer Sprache. Aber da Wesentliche hat sich nicht verändert. Unsere Kathedrale bewahrt ihre religiöse Bedeutung und Symbolik für alle Orthodoxen in Paris, inbegriffen jener russischer Herkunft, die inzwischen Franzosen geworden sind, jener, die erst kürzlich in dieses Land kame oder die in der Sowietunion geborenen wurden und jetzt in Paris leben.

 

Unsere Kathedrale bleibt ihrer Mission treu: Die liturgischen Gottesdienste werden entsprechend unserer russischen liturgischen Tradition in Kirchenslawisch gefeiert. (Die Gottesdienste in Französisch werden in der Krypta der Kathedrale gefeiert.)

 

Wie alle wahrnehmen können, verschönt der Chor die Feiern meisterhaft mit oft neuem Repertoir. 2 Konzerte werden anlässlich des Jubiläums stattfinden. – Katechesen werden sorgfältig durchgeführt, vor allem für Kinder und Jugendliche, Dank unserer kleinen Gemeinde-Schule, an jedem Mittwoch. Besonders zu erwähnen ist die pastorale Unterstützung und geistlicher Beistand seitens unserer Priester. Dieser oft unsichtbare Dienst - wie Besuche bei Kranken, Familien, Einsamen und alten Leuten wird mit Selbstlosigkeit und Hingabe geleistet. – Kürzlich haben wir in Paris Katechesen in russischer Sprache eingerichtet für neue Immigranten aus der ehemaligen UDSSR, um ihnen die einfachsten Grundlagen über den Glauben und die Kirche zu lehren, ebenso ein Grundwissen für Französisch. Wir helfen ihnen bei behördlichen Angelegenheiten, um ihnen die Integration in die Gesellschaft ihres Gastlandes zu erleichtern und ihnen dabei gleichzeitig zu helfen , die so wichtigen orthodoxen christlichen Wurzeln zu bewahren.

 

Seit ihrer Gründung hat die Kathedrale berühmte religiöse, politische und künstlerische Persönlichkeiten empfangen, Könige, Priester, Patriarchen, Dichter, Maler ebenso wie einfachste, bescheidene Gläubige. - Sie hat Männer und Frauen gesehen, die heiligmäßig sind durch ihr Leben in Gebet und Askese, und auch Sünder auf der Such nach Erlösung. – Wer hat nicht in dieser russischen orthodoxen Gemeinde eine Taufe, Hochzeit oder Beerdigung eines Elternteiles in dieser Kirche gefeiert? Durch diese Feiern, -die alle in unserem Kirchenregister registriert sind - haben Tausende Individuen – Unbekannte oder sehr Bekannte – sowohl Freude sowie auch Sorgen in dieser heiligen und verehrungswürdigen Kirche erfahren. – Diese Kirche ist wahrhaftig -wir im Russischen sagen „namolennaja“, das heißt gefüllt mit Gebeten, die von hier zum Himmel gesandt sind.

 

150 Jahre ist eine lange Zeit für ein Jubiläum: wir müssen alle die ehren, die täglich Leben in die Kathedrale brachten, die sie instand hielten und reparierten gegen dem zeitlichen Verfall. Obwohl ich sie nicht alle nennen kann, beten wir unaufhörlich für sie, für die Lebenden und Verschiedenen.Ich muss jedoch die Bauunternehmer der beiden letzten kompletten Renovierungen erwähnen, die Erste 1969, die zweite 1980 und 1999, Herrn Wladimir Zagarovsky, verstorben, und HerrnVadimTichoniky, hier anwesend. Beide haben so viel Zeit und Mühe wie sie nur konnten in ihre Arbeit getan. Vielen Dank ihnen. – Ich möchte auch verschiedenen bürgerlichen Institutionen und Verwaltungen danken: dem Ministerium für Inneres und religiöse Angelegenheiten, dem Außenministerium und dem für Kultur, der Gemeinde von Paris und dem Gemeinderat des 8. Distrikts, welcher in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Republik aber auch aus Sorge für die ‚Erhaltung und ordentliche Pflege dieses großen, ehrenwerten Denkmals immer in einer oder anderer Weise geholfen hat, damit es als historisches Denkmal klassifiziert ist. Auch muss betont werden, dass ohne die Unterstützung des Denkmalamtes in ‚Frankreich diese Kathedrale nicht so schön wäre, wie sie heute ist. Dank also auch ihnen.

 

Ich habe Ihnen meine Freude ausgedrückt. Aber ich muss auch etwas über meinen Schmerz sagen. „Wenn ein Glied der Kirche leidet, leiden alle Glieder mit“ sagt der hlg.. Apostel Paulus (1.Korinther 12,26). Ich bin traurig, weil nicht alle Glieder meiner geistlichen Herde heute hier sein können. Ich denke besonders an unsere Geistlichen der Kathedrale des Heiligen Nikolaus von Nizza, die ihr Jubiläum nächstes Jahr feiern wird, die 100 Jahrfeier ihrer Gründung. Unsere beiden Kirchen in Paris und Nizza sind durch eine gemeinsame Geschichte verbunden; beide haben den Titel „Kathedrale“ in unserer Diözese. Es ist nicht die Zeit und der Ort auf den Konflikt betreffend der Kathedrale des Heiligen Nikolaus einzugehen, aber ich möchte hier wiederholen, was ich vor 2 Wochen in Nizza sagte: "Der Titel eines Besitzes ist eine Sache die auf bürgerlichem Recht beruht, und ich mische mich da nicht ein, aber die kanonische Jurisdiktion betreffend den Ort des Gottesdienstes ist meine Sache als ein Bischof, als ein religiöser Führer einer kirchlichen Einrichtung zu der diese Kirche und ihre Gemeinde seit 80 Jahren verbunden ist, eine Verbindung, die nie ein Wettstreit war, bis jetzt."

 

 

Ich wiederhole: Unsere Botschaft ist vor allem geistlich, im Geist von Offenheit und Brüderlichkeit: Orthodoxe Christen sind eindeutig eine Minderheit in Frankreich, aber wir wünschen die geistliche Stärke und Schönheit der Orthodoxie zu fördern. Wir hoffen so in Einklang mit den fundamentalen Prinzipien dieses Landes zu handeln, die Religionsfreiheit und religiöse Vereinigungen garantieren. Aber wir wünschen unsere Erzdiözese, diese Kathedrale in Paris und alle unsere Gemeinden in ‚Frankreich und überall, -von allen Beeinträchtigungen oder Einmischungen von außerhalb der Kirche zu bewahren. Die Freiheit der Kirche und die Universalität des orthodoxen Glaubens sind die beiden Schätze, die wir zu bewahren suchen. Und das befähigt uns, uns auf das zu konzentrieren, was in den Augen der Jünger Christi „das einzig Notwendige ist: Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit.“ Der Herr Selbst befiehlt uns das. (Mathäus 6,33)

 

In diesem Geiste und mit dieser Verpflichtung gratuliere ich euch zu diesem wunderbaren und großem Fest des Heiligen Alexander Newsky und seiner Kirche in Paris.

 

 

Bilder aus den vergangenen 150 Jahren:

 

Erinnerungslitographie anlässisch der Grundsteinlegung. Im unteren Medaillion ist Erzpriester Joseph Vassiliev (Иосиф Васильевич Васильев (1820-1881)) abgebildet.
Erinnerungslitographie anlässisch der Grundsteinlegung. Im unteren Medaillion ist Erzpriester Joseph Vassiliev (Иосиф Васильевич Васильев (1820-1881)) abgebildet.
Der Architekt der Kathedrale Roman Kuzmin (Роман Иванович Кузьмин).
Der Architekt der Kathedrale Roman Kuzmin (Роман Иванович Кузьмин).
Bei der Altarweihe der Kathedrale am 11. September 1861 durch S. E. Erzbischof Leontij von Reval, dem späteren Metropoliten von Moskau.
Bei der Altarweihe der Kathedrale am 11. September 1861 durch S. E. Erzbischof Leontij von Reval, dem späteren Metropoliten von Moskau.
S. E. Metropolit Evlogij mit dem Klerus der Kathedrale und Gläubigen nach der sonntäglichen Liturgiefeier.
S. E. Metropolit Evlogij mit dem Klerus der Kathedrale und Gläubigen nach der sonntäglichen Liturgiefeier.
Versammlung der Hierarchen anlässlich der 150-Jahr-Feier der Kathedrale.
Versammlung der Hierarchen anlässlich der 150-Jahr-Feier der Kathedrale.
Die orthodoxen Bischöfe Gorazd, Josif Bitolský a Sergij Pražský nach eine Gottesdienst (25.5.1931).
Die orthodoxen Bischöfe Gorazd, Josif Bitolský a Sergij Pražský nach eine Gottesdienst (25.5.1931).

 

Der heilige Prokop von Sázava

und der orthodoxe Glaube in Tschechien

und der Slovakei

 

Thmoas Zmija v. Gojan

 

Der heilige Prokop steht am Anfang des orthodoxen Christentums in Böhmen und Mähren. Zugleich ist er ein Abbild der wechselvollen Geschichte der Orthodoxie in diesem Lande: Um das Jahr 1004 in Chotaun bei Podiebrad geboren, war der heilige Prokop  verheiratet und  Priester des orthodoxen Ritus. Damals gab es zwar bereits Spannungen zwischen dem römisch-lateinischen Westen und dem byzantinisch-orthodoxen Osten der Christenheit, doch war die kirchliche Einheit noch nicht vollständig zerbrochen. Nach dem Tode seiner Frau trat der heilige Prokop in ein Kloster im Kiewer Reich ein und brachte von dort liturgische Bücher in altslawischer Sprache nach Böhmen.

 

Der heilige Prokop von Sázava.
Der heilige Prokop von Sázava.

 

Schon die heiligen Apostel und Lehrer der Slawen Kyrill und Method hatten die orthodoxe Liturgie   in altkirchenslawischer Sprache gefeiert. Nach dem Tode des heiligen Method wurden seine Schüler Im Jahre 885 aus Böhmen und Mähren vertrieben und fanden im heutigen Makedonien, das damals zum Bulgarische Reich gehörte, Zuflucht. Hier begründeten sie die Schule von Ochrid, wo die altslavischen Texte der Göttlichen Liturgie, aber auch die übrigen kirchlichen Bücher zunächst in  glagolitischer Schrift, die später durch die einfachere altslavisch-kyrillische Schrift ersetzt wurde, bewahrt wurden.

 

 

 

Jedoch auch nach der Vertreibung der byzantinischen Missionare und ihrer Schüler durch die franko-lateinischen Kleriker des Deutschen Reiches blieb die Liturgie des römischen Ritus in altkirchenslawischer Sprache und glagolitischer Schrift zunächst in Teilen von Böhmen und Mähren erhalten. Von dort gelangte sie auch in den Adriaraum zu den Kroaten. Von dort kamen auch die slawischen Mönche des Benediktinerordens, die an dem Ort, wo der heilige Prokop in einer orthodoxen Einsiedelei gelebt hatte, großes Kloster gründeten, und eine romanische Kirche über der Stelle der Einsiedelei errichteten. Diese romanische Kirche wurde später in den Formen der Gotik und des Barock wiederholt umgebaut.

 

 

 

Im Jahre 1096 die slawische Liturgie in Sázava durch die lateinische ersetzt, aber die Erinnerung daran bewahrten die Bewohner Böhmens bis ins 20. Jahrhundert. Noch mehr war in Mähren die Erinnerung das Wirken der heiligen Apostel und Lehrer der Slaven  Kyrill und Method und ihr Wirken für die Volkssprache im Gottesdienst lebendig geblieben. Deshalb wurde in den Ländern der böhmischen Krone immer wieder die Forderung nach der Volkssprache in der Liturgie erhoben. Im Jahre 1348 hatte Kaiser Karl IV. in Prag mit dem Kloster Emmaus wieder ein Kloster mit slawischer Liturgiesprache errichtet. Auch hierher kamen die Mönche wieder von der kroatischen Adriaküste.

 

 

 

Orthodoxe Kirche in Rumburk im Norden Tschechiens.
Orthodoxe Kirche in Rumburk im Norden Tschechiens.

 

Obwohl der heilige Prokop zeit seines Lebens ein Christ gewesen war, der den Glauben und die Traditionen des byzantinisch-orthodoxen Osten der Christenheit treu bewahrte, wurde er von der römisch-katholischen Kirche im Jahre  1204 heiliggesprochen. Seine Reliquien wurden im Jahre 1588 in die  Allerheiligenkirche auf dem Prager Hradschin übertragen.

 

 

 

Das Kloster Sázava wurde von Kaiser Josef II. aufgehoben und diente als Schloss, das im 19. Jahrhundert teilweise umgebaut wurde. Aus dem Chor und der Seitenkapelle der Klosterkirche entstand dann später die heutige katholische Pfarrkirche von Sázava.  Nach Ende der kommunistischen Herrschaft wurde die Kirche in Sázava griechisch-unierte Priestern aus der  Slowakei übergeben, um die slavisch-byzantinische Tradition des heiligen Prokop im Rahmen der katholischen Kirche weiterzuführen.

 

 

 

Der heilige Neomärtyrer Bischof Gorazd bei der Grundsteinlegung einer orthodoxen Kirche in Brünn (06. 07. 1930) .
Der heilige Neomärtyrer Bischof Gorazd bei der Grundsteinlegung einer orthodoxen Kirche in Brünn (06. 07. 1930) .

 

Aber auch die heilige Orthodoxie, der der heilige Prokop Zeit seines Lebens die Treue gehalten hat, blieb nach Gottes Ratschuß nicht für alle Zeit aus Böhmen und Mähren verdrängt. Zwar fielen Böhmen und Mähren  nach dem Schisma von 1054 in die Jurisdiktion der römisch-katholischen Kirche, jedoch besannen sich bereits im 19. Jahrhundert immer wieder einzelne Gläubige darauf, dass der christliche Glaube ursprünglich durch die orthodoxe Kirche nach Böhmen und Mähren gekommen war. So nahmen ab dem 19. Jahrhundert die Konversionen zur Orthodoxie langsam zu. Diese orthodoxen Gläubigen und ihre kleinen Gemeinden unterstellten sich bereits in der Zeit der  Habsburgerherrschaft der serbischen Metropolie in Karlovac.

 

Die Große Wanderung der serbischen Flüchtlinge über Donau und Save.
Die Große Wanderung der serbischen Flüchtlinge über Donau und Save.

 

 

Als 1683 die Türken vor den Toren Wiens von einer europäischen Allianz unter dem polnischen König Jan III Sobieski erfolgreich zurückgeschlagen wurden, schlossen sich die Serben in einer großen Volkserhebung der christlichen Allianz an. Denn das im Jahre 1684 geschlossene Bündnis von Österreich, Polen und Venedig beflügelte die Fortsetzung des Krieges gegen die Türken, so dass die österreichischen Truppen die Türken bis nach Skopje zurückdrängen konnten.

 

In dieser Zeit der österreichischen Erfolge organisierte der serbische Patriarch Arsenije III (Čarnojević) im ganzen serbischen Gebiet eine große Volkserhebung. Doch das Kriegsglück drehte sich bald zu Gunsten des osmanischen Reiches. Die Folge war, dass die österreichischen Truppen in Richtung Noden zur Donau zurückweichen mussten. Aus Furcht vor massive Vergeltungsmaßnahmen flohen große Teile der serbischen Bevölkerung im Jahr 1690 über die Donau und Save auf österreichisch kontrolliertes Gebiet. In der serbischen Erinnerung wird diese Flucht als die „Große Wanderung“ bezeichnet. In der Folge ließen sich viele Serben, angeführt von ihrem Patriarch Arsenije in den südungarischen und kroatischen Komitaten nieder. Als sich jede Hoffnung auf eine baldige Rückkehr der Flüchtlinge durch den Frieden von Karlovac (1699) zerschlug, wurden die Flüchtlinge als Wehrbauern an der österreich-osmanischen Grenze angesiedelt. Zu den Privilegien dieser Militärgrenze gehörte auch die Religions- und Kultusfreiheit für die sich ansiedelnden, so dass außer den Serben auch Deutsche, Ukrainer und Slovaken in diese heute Slavonien, Vojevodina und Batschka genannten Landstriche kamen.

 

Der serbische Patriarch Arsenije III organisierte die so entstehende orthodoxe Kirchenprovinz im Süden des ungarischen Königreiches aufgrund von Privilegien, die Kaiser Leopold I in den Jahren 1690,1691 und 1695 der orthodoxen Bevölkerung an der Militärgrenze gewährt hatte. Die nun entstehende orthodoxe Metropolie hatte ihren Sitz zunächst von 1708-1713 im orthodoxen Kloster Krušedol. Im Jahre 1713 wurde der Bischofssitz jedoch nach Karlovac in Slawonien verlegt. Seit dieser Zeit trugen die orthodoxen Bischöfe den Titel eines Metropoliten von (Syrmisch-) Karlowitz. Die Metropolie gehörte zunächst weiterhin zur Jurisdiktion des serbischen Patriarchen in Peć. Der serbische Patriarch Kalinik I. hat der Metropolie von Karlovci (Karlowitz) dann die Autonomie verliehen. Die orthodoxen Metropoliten von Sremski Karlovci (Karlowitz), die durchwegs Serben waren, waren bis zur Annektion der Bukowina durch Österreich im Jahre 1775 die zuständigen orthodoxen Bischöfe für alle Orthodoxen in der gesamten Habsburger Monarchie. Nach der Aufhebung des serbischen Patriarchates in  Pec (1766) errangen die orthodoxen Metropoliten von Karlovac einen fast autokephalen kirchenrechtlichen Status. Nach dem österreich-ungarischen Ausgleich (1867) waren die orthodoxen Metropoliten von Karlovac für alle Orthodoxen in den Ländern der ungarischen Stephanskrone zuständig, während die orthodoxen Metropoliten von Czernowitz für die österreichischen Länder der Monarchie zuständig waren. So gehörten auch die orthodoxen Ungarn zu dieser Metropolie. Da im aufkommenden Zeitalter des Nationalismus die Metropoliten von Czernowitz als Rumänen außerhalb der Bukowina meist nur sehr wenig Interesse an den überwiegend zum den slavischen Völkern der Monarchie gehörenden Orthodoxen in der österreichschen Reichshälfte zeigten, entschlossen sich die neugegründeten tschechischen Gemeinden Anschluss an die Metropolie von Karlowitz zu suchen.

 

Orthodoxe Kiche im Olmütz.
Orthodoxe Kiche im Olmütz.

 

Die meisten orthodoxen Gläubigen auf dem Gebiet der heutigen Orthodoxen Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei (tschechisch: Pravoslavná církev v Českých zemích a na Slovensku; slowakisch: Pravoslávna cirkev v českých krajinách a na Slovensku) leben jedoch im Osten der Slovakei. Dort unterstanden sie, seitdem der orthodoxe Glaube durch die Schüler der heiligen Apostel und Lehrer der Slawen Kyrill und Method zu ihren Vorfahren gekommen war, den orthodoxen Bischöfen in Mukačevo und Ušgorod (Karpatenukraine). Als die Orthodoxen im Jahre 1646 mehrheitlich zu einer Union mit der römischen Kirche gezwungen wurden, wurden die standhaft gebliebenen Orthodoxen von den serbischen orthodoxen Bistümern im Königreich Ungarn und den dort im 17. Jahrhundert entstanden griechischen Pfarreien  betreut. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde für sie die serbische orthodoxe Eparchie von Mukačevo und Prešov ins Leben gerufen und durch das Wirken aus Russland nach der Oktoberrevolution geflohener orthodoxer Mönche, die im ostslovakischen Ladomirovo ein Kloster gründeten, konnten bereits zu Beginn des 20.Jahrhunderts viele Uniaten zur Orthodoxie zurückgeführt werden.

 

Auch im tschechischen Teil der Kirche formierte sich nach der Staatsgründung der Tschechoslowakei im Jahre 1919 eine kirchliche Bewegung, die im Jahre 1921 zur Gründung einer serbischen orthodoxen Diözese für Böhmen und Mähren führte. Der erste orthodoxe Bischof wurde der heilige Neomärtyrer  Gorazd. Bereits im Jahr 1931 gab es  zwei orthodoxe Eparchien: eine für den tschechischen Teil des Landes und eine für den Slovakischen und karpato-ukrainischen Teil. Insgesamt gab es 145 000 Gläubige.

 

Im Jahre 1942 gewährte der heilige Gorazd den tschechischen Widerstandskämpfern, die dem nationalsozialistischen stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrichs durch ein Attentat getötet hatten, in der Krypta der Prager Kathedral-Kirche zu Ehren der Heiligen Kyrill und Method Zuflucht. Nach der Entdeckung des Verstecks wurde der heilige Neomärtyrer Gorazd von der Gestapo verhaftet, gefoltert und am 4. September 1942 durch ein Exekutionskommando ermordet. Die tschechischen Gemeinden der orthodoxen Kirche wurde verboten, ihr Vermögen vom Deutschen Reich beschlagnahmt, sämtliche Geistlichen zur Zwangsarbeit verschleppt. Nur durch die russischen Exilgemeinden blieb danach bis zum Ende der deutschen Besatzung der orthodoxe Gottesdienst und die Seelsorge noch möglich.

 

Die Prager Kathedral-Kirche zu Ehren der Heiligen Kyrill und Method.
Die Prager Kathedral-Kirche zu Ehren der Heiligen Kyrill und Method.

 

Der Märtyrer-Bischof Gorazd wurde im Jahre 1961 von der Synode der serbischen orthodoxen Kirche unter die heiligen Neomärtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Im Jahre 1987 wurde sein Gedächtnis in den Heiligenkalender der tschechoslowakischen orthodoxen Kirche aufgenommen.

 

Nach dem Krieg stand die orthodoxe Kirche in Tschechoslowakei der praktisch vor einem vollkommenen Neubeginn. Die in der Zwischenkriegszeit zur Tschechoslowakei gehörende Karpatenukraine wurde von der UdSSR annektiert. Damit verlor die Kirche 120 000 ihrer rund 145 000 Gläubigen, die nun der russischen orthodoxen Kirche unterstellt wurden. Die in der Slowakei verbliebenen Gemeinden der Eparchie Prešov-Mukačevo sowie die Gemeinden in Böhmen und Mähren ersuchten nun ebenfalls um Unterstellung unter das Patriarchat von Moskau, die am 14. Januar 1946 vollzogen wurde. Im Jahre 1951 gewährte das Patriarchat von Moskau der damals tschechoslowakischen orthodoxen Kirche auf deren Ersuchen die Autokephalie, die aber gesamtorthodox erst im Jahre 1998 durch die Zustimmung zur Autokephalie durch den Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel anerkannt wurde. Nach der Teilung der Tschechoslowakei in einen tschechischen und slovakischen Staat blieb die orthodoxe Kirche jedoch weiterhin vereint. Die orthodoxe Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei betreut heute etwa 75.000 Gläubige, von denen 23.000 in Tschechien und 51.000 in der Slowakei leben. Sie ist in vier Eparchien gegliedert. Das Kirchenoberhaupt hat den Rang eines Metropoliten und kann seinen Sitz entweder in Prag oder in Prešov haben. Die vier Bischöfe bilden gemeinsam den Heiligen Synod, das höchste kanonische Organ der Kirche. Sie hat 170 Priester in 242 Gemeinden, es gibt acht Klöster und eine orthodoxe Oberschule. Die Priester werden an der orthodoxen theologischen Fakultät von Prešov und an einem Studienzentrum in Olomouc ausgebildet.