Die Heiligen Sieben Ökumenischen Konzilien

 

 

Für den Glauben der Orthodoxen Kirche sind die Entscheidungen von Sieben Ökumenischen Konzilien verbindlich. Die Lehre dieser Konzilien ist in Kürze folgende:

 

 

1. Das Nizänum (325), das den Arianismus verurteilte. Bei diesem Konzil wurde der christliche Glaube bzw. die Lehre der Kirche über die Gottheit des menschgewordenen Sohnes Gottes bekannt und mit dem Begriff „wesensgleich“ (griechisch homooúsios) mit dem Vater zum Ausdruck gebracht. Der Sohn Gottes ist also kein Geschöpf, wie die Anhänger des Presbyters Arius behauptet haben, sondern wie der Vater Gott ist, so ist es auch sein Sohn. Das kanonistische Werk dieses Konzils, d.h. die von diesem Konzil verabschiedeten kirchenrechtlichen Bestimmungen regeln auch heute noch die Grundstrukturen in der Orthodoxen Kirche, wie z.B. das kanonische Territorium der Lokalkirchen, die später Patriarchate genannt wurden, oder für die Wahl der Bischöfe. Deshalb müssen diese kirchenrechtlichen Bestimmungen immer wieder in Erinnerung gebracht werden.

 

 

2. Das 1. Konzil von Konstantinopel (381), das die Gegner des Hl. Geistes, die seine Gottheit abgelehnt haben, bekämpfte. Der Heilige Geist ist genauso Gott wie der Vater und der Sohn. Bei diesem Konzil wurde das bis heute in jeder Göttlichen Liturgie gesungene Orthodoxe Glaubensbekenntnis verabschiedet. Der Kirche von Konstantinopel, des „Neuen Rom“, wurden bei diesem Konzil (Kanon 3) auch die gleichen Ehrenrechte (presbeia) wie der Kirche von Rom und der zweite Platz nach ihr eingeräumt.

 

 

3. Das Konzil von Ephesus (431) stellt gegen Nestorius, den Bischof von Konstantinopel, klar, dass in Christus zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, in einer Person vereint sind, ohne dabei die Verschiedenheit der zwei Naturen zu beseitigen. Deshalb, weil der göttliche Logos (das göttliche Wort) Mensch geworden ist, bezeichnete das Konzil auch Maria als die Gottesgebärerin (griechisch Theotokos). Die Kirche von Zypern wird unabhängig, und seit damals ist diese Kirche autokephal.

 

 

4. Das Konzil von Chalzedon (451) verurteilte die „Monophysiten“, d. h. diejenigen, die nur eine göttliche Natur bei Christus akzeptiert haben. Bei diesem Konzil wurden beide Naturen Christi, die göttliche und die menschliche, anerkannt. Dabei berücksichtigte das Konzil für seine Definition die Meinungen des heiligen Leo des Großen, Papstes von Alt- Rom und vor allem des heiligen Cyrill, Patriarchen von Alexandrien. Nach diesem Konzil kam es in der Kirche zu einer größeren Spaltung zwischen den Orthodoxen und den Kopten, Äthiopiern, Syro-Jakobiten und Armeniern. Heute werden diese Kirchen im Zusammenhang mit dem ökumenischen Dialog als „orientalische orthodoxe Kirchen“ bezeichnet. Zwischen diesen Kirchen und der Gesamtorthodoxie wurde der offizielle ökumenische theologische Dialog positiv abgeschlossen. Das Konzil bestätigte auch die ersten drei Konzilien (325, 381, 431) als ökumenische, wie auch das große Glaubensbekenntnis von Konstantinopel (381). In diesem Konzil wurde die Jurisdiktion der Kirche von Konstantinopel erweitert, ihr zweiter Platz nach der Kirche von Rom bestätigt. Die Kirche von Jerusalem wurde auch unabhängig, womit ein neues Patriarchat geschaffen wurde. Somit wurde bei diesem Konzil die sogenannte „Pentarchie“ für die Struktur der Gesamtkirche des Ostens und des Westens organisiert. Das sind die wichtigsten fünf (griechisch pente) altchristlichen Zentren.

 

 

5. Das 2. Konzil von Konstantinopel (553) versuchte die Einheit der Kirche wiederherzustellen und verurteilte drei Theologen des fünften Jahrhunderts, die des Nestorianismus verdächtigt wurden: Theodor von Mopsuestia, Theodoret von Cyrus und Ibas von Edessa. Das ist der „Dreikapitelstreit“. Papst Vigilius weilte in Konstantinopel, verweigerte aber die Teilnahme wie auch den Vorsitz am Konzil, obwohl er vom Kaiser und von den anderen Patriarchen dreimal dazu aufgefordert wurde. Das Konzil tagte weiter ohne den Papst, den es, weil er seine Teilnahme am Konzil immer wieder abgelehnt hatte, aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen hat, ohne aber die Gemeinschaft mit der Kirche von Rom zu brechen. Nach dem Ende des Konzils akzeptierte der Papst dessen Beschlüsse, womit dann die Kirchengemeinschaft mit ihm wiederhergestellt wurde.

 

 

6. Das 3. Konzil von Konstantinopel (680) verurteilte die Auffassung, dass Christus nur einen Willen hätte (Monotheletismus), nämlich nur den göttlichen. Christus, so stellte das Konzil fest, hat zwei Naturen (die göttliche und die menschliche) und konsequenterweise auch zwei Willen und zwei Tätigkeiten. Für die Definition des Konzils wurde die diesbezügliche Auffassung von Papst Agatho von Alt- Rom zugrunde gelegt. Das Konzil verurteilte die Anhänger des Monotheletismus, Patriarch Sergius von Konstantinopel, Patriarch Kyrus von Alexandrien, Patriarch Makarius von Antiochien und Papst Honorius von Rom. Da dieses Konzil keine disziplinären Probleme behandelte, wurde es im Jahr 691/92 fortgesetzt (Trullanum), wo disziplinäre Kanones verabschiedet wurden. Dabei wird eine deutliche Entfremdung zwischen Osten und Westen festgestellt. So wird z.B. durch Kanon 13 der im Westen sich deutlich abzeichnende Pflichtzölibat der Priester abgelehnt. Die westliche Kirche akzeptierte natürlich diese Kanones nicht. Damals wurde auch bestimmt, dass die Bischöfe nur aus dem zölibatären Klerus kommen dürfen.

 

 

7. Das 2. Konzil von Nizäa (787) befasste sich vornehmlich mit der Bedeutung der heiligen Ikonen in der Kirche, befürwortete und definierte die Ikonenverehrung bzw. die allgemeine Lehre von den Ikonen. Das Konzil bekämpfte dadurch die ikonenfeindliche Politik und Handlung einiger Kaiser zuvor (Ikonoklasmus).

 

 

Spätere in der Orthodoxie als verbindlich geltende Entscheidungen.

 

Auch nach den Sieben Ökumenischen Konzilien haben die Entscheidungen einzelner Synoden, aber auch theologische Dokumente bestimmter Bischöfe, durch ihre allgemeine Rezeption Anerkennung in die gesamten Orthodoxie gefunden. Auch wenn sie nicht von einem der Heiligen Sieben Ökumenischen Konzilen formuliert worden sind, sind sie durch diesen gesamtorthodoxen Konsensus legitimer Ausdruck des Einen Heiligen Orthodoxen Glaubens.

 

  1. Die Enzyklika des Heiligen Patriarchen Photius (867)
  2. Der erste Brief des Patriarchen Michael I. (Cerularios) an den Patriarchen Peter von Antiochien (1054)
  3. Die Entscheidungen der Konstantinopolitanischen Synoden von 1341 und 1351 über die Auseinandersetzungen um den Hesychasmus
  4. Die Enzyklika des Heiligen Mark (Evgenikos) Erzbischof von Ephesus zum Uniatismus (1440-1441).
  5. Das Glaubensbekenntnis des Patriarchen Gennadius von  Konstantinopel (1455-1456)
  6. Die Antwort des Patriarchen Jeremias II (Tranos) von Konstantinopel an die Lutheraner (1573-1581)
  7. Das Glaubensbekenntnis des Patriarchen Metrophanes (Kritopoulos) von  Alexandria (1625)
  8. Das Glaubensbekenntnis des Kiever Metropoliten Pjotr Mogila in seiner revidierten Form, das von der Synode in Jassy im Jahre 1642 als Ausdruck des Orthodoxen Glaubens anerkannt worden ist.
  9. Das Glaubensbekenntnis des Patriarchen Dositheus,  das von der Synode in Jerusalem im Jahre 1672 als Ausdruck des Orthodoxen Glaubens anerkannt worden ist.
  10. Die Antwort der orthodoxen Patriarchen an die anglikanischen Non-Jurors (1718, 1723)
  11. Die Antwort der orthodoxen Patriarchen an Papst Pius IX. (1848)
  12. Die Antwort der orthodoxen Patriarchen an Papst Leo XIII. (1895)
  13. Die Enzyklika des Patriarchats von  Konstantinopel über die christliche Einheit und die Ökumenische Bewegung (1920, 1952) (Dieses Sendschreiben wird in seinem orthodoxen Charakter heute von antiökumenischen Kreisen in verschiedenen Lokalkirchen in Frage gestellt)

 

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija von Gojan 

 

Die Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzil disputieren mit den Anhängern des Arius
Die Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzil disputieren mit den Anhängern des Arius

 

Wie "entscheidet" ein Konzil in der orthodoxen Kirche?

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die orthodoxe Kirche ist eine Gemeinschaft (communio) von administrativ unabhängige oder autokephalen (="sich-selbst-regierenden") Lokalkirchen. Diese Ortskirchen haben untereinander eucharistische Gemeinschaft, da sie in der Glaubenslehre, in den Sakramenten und in der kanonischen Disziplin übereinstimmen. Jede autokephale Kirche besitzt das Recht, ihren Patriarchen, Metropoliten oder Erzbischof und ihre Bischöfe frei zu wählen. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat innerhalb dieser orthodoxen Kirchenfamilie den "Vorsitz der Liebe" inne, das heißt er ist der "Erste unter Gleichen" unter allen orthodoxen Bischöfen. Deshalb besitzt er auch das Privileg auf einem panorthodoxen Konzil des Vorsitz zu führen. Auch hat er das Recht, die Initiative zu ergreifen und ein solches Konzil einzuberufen. Dort versammeln sich dann die Bischöfe als Repräsentanten der einzelnen orthodoxen Lokalkirchen, um unter dem Beistand des Heiligen Geistes die anstehenden Fragen zu beraten und dann einstimmig zu beschließen. Diese Beschlüsse werden dann dem Glaubensbewußtsein der gesamten Heiligen Orthodoxen Kirche vorgelegt. Wenn dann die Fülle ((griechisch: πλήρωμα) der orthodoxen Gläubigen in gläubiger Übereinstimmung mit ihren Bischöfen anerkennt, dass sich in den Beschlüssen die Fülle des Orthodoxen Glaubens ausdrückt, werden die Beschlüsse einer Synode oder eines Konzils als genuin orthodox anerkannt. Nicht alle Synoden und Konzilien, die es im Laufe der Kirchengeschichte gegeben hat, haben diese panorthodoxe Anerkennung gefunden. Dabei handelt es sich auch nicht um einen Prozess weltlich- demokratischer Mehrheitsentscheidungen, sondern um einen kirchlich- geistlichen Prozess des Offenbarwerdens des Wirkens des Heiligen Geistes im Leben der heiligen Kirche. Ein Konzil ist also ein Prozess des Glaubens und nicht der Kirchenpolitik.

 

Panorthodoxes Konzil 2016

Das geplante Panorthodoxe Konzil wird am 19. Juni, dem orthodoxen Pfingstfest beginnen auf der griechischen Insel Kreta beginnen. Seit mehr als 1000 Jahren hat kein solches Konzil mehr stattgefunden. Die Vorbereitungen laufen bereits seit einem halben Jahrhundert. Der erste Anstoß dazu war am Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgt. Im Jahre 1961 fand die erste Panorthodoxe Konferenz zur Vorbereitung eines Allorthodoxen Konzils statt. Im Jahre 2014 konnten sich die fünfzehn Kirchen der Gesamtorthodoxie darauf verständigen, das Konzil für 2016 einzuberufen.

 

Die Insel Kreta untersteht der Jurisdiktion des Seiner Allheiligkeit Patriarch Bartholomäus des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Dort sind die nötigen logistischen Voraussetzungen zur Durchführung dieser großen Synode gegeben. Es gibt Unterkunft für 400 Personen. Kreta ist bisher schon Austragungsort zahlreicher orthodoxer Tagungen und Konferenzen gewesen.

 

 

Im Jahr 2016 soll nach 1229 Jahren wieder ein Panorthodoxes Konzil stattfinden.

Vortrag des Metropoliten Augoustinos von Deutschland "Die Orthodoxe Kirche in Deutschland und die Vorbereitung des Großen und Heiligen Konzils"

Bisher gab es sieben ökumenische Konzile. Das letzte war das zweite Konzil von Nicaea im Jahre 787, mit dem der Bilderstreit vorläufig beendet wurde. Danach fanden keine Konzile mit Beteiligung oder Anerkennung durch die Orthodoxen Kirchen statt.

Warum hat es 1229 Jahre gedauert?

Rechtgläubigkeit ist die deutsche Übersetzung für Orthodoxie. Nicht nur daraus resultiert das Selbstbewusstsein der Orthodoxen Kirchen, sondern auch aus der Tatsache, dass sie deutlich weniger Mitgliederschwund haben als die westlichen Kirchen. Aber auch die Orthodoxen Ostkirchen haben durch Migration ihrer Mitglieder an der Globalisierung teilgenommen und sind in der Diaspora häufig der Motor der Ökumene. Und nebenbei hat sich die Welt in den letzen 1229 Jahren nicht nur globalisiert, sondern vielfache Veränderungen der Lebensbedingungen und der Politik bedürfen einer neuen Betrachtung der Orthodoxie in der Welt. Die aktuelle Fluchtwelle aus vielen Krisengebieten nach Europa und ganz besonderes nach Deutschland ist auch eine Völkerwanderung innerhalb der Orthodoxie.

Damit die Orthodoxe Lehre auch weiterhin die Gläubigen in allen Ländern, allen politischen Sytemen und allen sozialen Bereichen erreicht, gibt es Handlungsbedarf.

Vorbereitung ... 1902 fing es an

Die sieben Ökumenischen Konzile waren teilweise weniger als hundert Jahre von einander entfernt. Die Vorbereitung des achten Konzils dauert jetzt schon 113 Jahre an. 1902 regte der Ökumenische Patriarch Joachim III. erstmals ein solches Konzil an. Danach haben die politischen Umwälzungen durch den ersten und zweiten Weltkrieg sowie den Niedergang des Ostblocks, Rivalitäten zwischen den autokephalen Kirchen und die Migration seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Dringlichkeit eines Konzils verstärkt. 1923, 1930, 1961, 1963, 1964, 1968, 1976 und 2009 tagte die Vorbereitungskommission ohne konkretes Ergebnis. Aber schon 1976 wurden die 10 Punkte des kommenden Großen und Heiligen Konzils definiert. Eine Festlegung auf das Jahr 2016 und den Ort Konstantinopel trafen die Vorsteher der Orthodoxen Kirchen bei der Synaxis im März 2014.

Worum geht es bei dem Großen und Heiligen Konzil 2016?

Die Beziehungen der Orthodoxie (Diaspora, Autokephalie, Autonomie und Diptycha), Orthodoxie und Moderne (Kalender, Eherecht, Fastenvorschriften) und Orthodoxie und die Anderen (Beziehungen der Orthodoxie zur übrigen christlichen Welt und zur ökumenischen Bewegung und schließlich den Beitrag der Orthodoxen Kirche zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit etc.) sollen die drei großen Themenbereiche sein. Die Themenbereiche sind auf zehn einzelne Themen aufgeteilt:

  • Orthodoxe Diaspora
  • Autokephalie und die Art und Weise ihrer Erteilung
  • Autonomie und die Art und Weise ihrer Erteilung
  • Diptycha
  • Die Kalenderfrage
  • Ehehindernisse
  • Anpassung der Fastenvorschriften
  • Beziehungen der Orthodoxie zur übrigen christlichen Welt
  • Orthodoxie und ökumenische Bewegung
  • Der Beitrag der Orthodoxen Kirche zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Brüderlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern sowie zur Beseitigung der Rassen- und anderer Diskriminierungen.

Für uns Orthodoxe Christen in der sogenannten Diaspora sind wohl drei Fragen zum Konzil 2016 besonders wichtig

  • Können bald alle Christen das Osterfest am gleichen Tag feiern?
  • Wird es Fastenvorschriften geben, die regionale, saisonale und ökologische Lebensmittelversorgung der einzelnen Wohnorte berücksichtigt?
  • Wird die Ökumene vorangetrieben, um die Integration von Orthodoxen Gläubigen am Wohnort in der Diaspora zu verbessern?

Details und Hintergründe dazu erläutert uns Metropolit Augoustinos von Deutschland in seinem Vortrag "Die Orthodoxe Kirche in Deutschland und die Vorbereitung des Großen und Heiligen Konzils vom 1. Oktober 2015: http://www.orthodox-bruehl.de/images/downloads/MA_Konzil_2016.pdf

 

Quelle: http://www.orthodox-bruehl.de/index.php/12-nachrichten/40-vorbereitung-konzil-2016

 

Übersicht der Ergebnisse

des panorthodoxen Konzils auf Kreta:

 

Das orthodoxe Konzil auf Kreta hat sechs Dokumente verabschiedet. Alle Vorlagen wurden von allen anwesenden Delegationen der orthodoxen Lokalkirchen gebilligt und unterzeichnet.

Übersicht der Konzilsbeschlüsse:

Verfahren zur Autonomie von Kirchen

Bei der kirchenrechtlichen Regelung über die Gewährung der "Autonomie einer Landeskirche und den Methoden ihrer Erklärung" geht es um die begrenzte Eigenständigkeit einer Kirche innerhalb ihrer Mutterkirche.

So sind etwa die Kirchen von Estland und Finnland "autonome" Kirchen innerhalb des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das Thema der "Autokephalie", also der vollständigen Eigenständigkeit einer Kirche, stand dagegen nicht auf der Tagesordnung des Konzils. Über eine entsprechende Vorlage konnte während der Vorbereitung kein Konsens erzielt werden.

Der Autonomiestatus bedeutet demnach die "relative oder teilweise Unabhängigkeit eines konkreten Kirchengebietes von der kanonischen Jurisdiktion einer autokephalen Kirche", zu der sie gehört. Eine autokephale Kirche kann den autonomen Status nur einer Kirche verleihen, die sich im Bereich ihres geographischen Kirchengebietes befindet. Auf dem Territorium der orthodoxen Diaspora soll dagegen keine autonome Kirche eingerichtet werden, es sei denn durch panorthodoxe Übereinstimmung, vermittelt durch den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel.

Orthodoxe Diaspora

Hier geht es um die von Migranten aus verschiedenen orthodoxen "Mutterkirchen" geprägten Länder vor allem Westeuropas, Nordamerikas und Australiens. Das Dokument schreibt die bereits 2009 von den Vorstehern der 14 orthodoxen Kirchen getroffene Regelung fest, die unter anderem regionale orthodoxe Bischofskonferenzen einrichtete (wie etwa in Deutschland). Die zunächst nur vorläufige Regelung hat sich nach verbreiteter Einschätzung bewährt.

Die weltweite Diaspora wird in dem Dokument in zwölf Regionen eingeteilt, nämlich Nord- und Zentralamerika; Südamerika; Australien, Neuseeland und Ozeanien; Großbritannien und Irland; Frankreich; Belgien, die Niederlande und Luxemburg; Österreich; Italien und Malta; die Schweiz und Liechtenstein; Deutschland; die skandinavischen Länder außer Finnland; Spanien und Portugal. Teil des Beschlusses ist auch eine Muster-Geschäftsordnung für die regionalen Bischofskonferenzen.

Ehe und Ehehindernisse

Einhellig lehnt die orthodoxe Kirche die Ehe von Orthodoxen mit Nichtchristen ab.

Das auch bestehende grundsätzliche Eheverbot zwischen orthodoxen und nicht- orthodoxen Christen wird nicht in allen Kirchen kat´Akribian gehandhabt. Gemischt-konfessionelle Ehen sind vielerorts durchaus üblich geworden, vor allem in Ländern, wo die Orthodoxen nicht die Mehrheitsbevölkerung stellen. Sie sind deshalb einer Regelung gemäß den Prinzipien der Oionomia durch die jeweiligen orthodoxen Lokalkirchen freigestellt.

Der Beschluss schreibt zwar prinzipiell nach wie vor das Eheverbot vor, lässt aber Ausnahmen zu, wenn die Kinder orthodox getauft und großgezogen werden. Wie die Praxis genau aussieht, soll jeder autokephalen Kirche selbst überlassen werden, heißt es in der Vorlage. Ehen zwischen Orthodoxen und Nichtchristen sowie die "Eheähnliche Verbindungen gleichgeschlechlicher Lebensgemeinschaften" bleiben nach wie vor ausnahmslos verboten.

Fastenvorschriften

Die orthodoxe Kirche kennt zahlreiche Fastenzeiten und einzelnen Fasttage. So gibt es allein vier große Fastenzeiten. Seit den 1970 er-Jahren gab es Vorstöße einzelner Landeskirchen, diese Fastenvorschriften aus Rücksichtnahme auf die Gläubigen zu lockern. Der Beschluss sieht vor, dass es letztlich der seelsorglichen Verantwortung der einzelnen lokalen Kirchen vorbehalten bleibt, wie sie die Fastenvorschriften in der Praxis handhaben.

Aufgaben der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt

Das Dokument über die "Aufgaben der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt" ist der umfangreichste der beschlossenen Texte, der eine erste Positionierung der ganzen Orthodoxie zu Fragen der Gegenwart darstellt. Einzelne Kirchen haben bereits Erklärungen zu einzelnen der dabei angerissenen Fragen vorgelegt, etwa die russisch-orthodoxe Kirche zum Thema Menschenrechte. Das Papier geht von der im Schöpfungsglauben grundgelegten Würde des Menschen aus und benennt 15 Themenfelder, wo sich die Kirche aktuellen Herausforderungen stellen muss: Einsatz für Menschenrechte, Frieden oder soziale und ökologische Gerechtigkeit.

Ökumene

Im Ökumene-Papier wird der unbedingte Wille zur Wiederherstellung der Einheit der Kirche betont. Für diese Einheit sei freilich unter anderem die Einheit in den Sakramenten und in der apostolischen Sukzession notwendig. Ökumenistische, interkonfessionelle Kompromisse, die den Glaubensbestand der Heiligen Orthodoxie gefährden, werden eindeutig abgelehnt. Ausdrücklich bekennt sich das Papier zum ökumenischen Dialog mit anderen christlichen Kirchen und Konfessionen auf vielfältige Weise. Jede Form von Proselytismus, also das Abwerben von Christen anderer Kirchen, wird abgelehnt. 

Zum Ökumene-Papier:

 

Auf der Tagesordnung des orthodoxen Konzils auf Kreta stand am Freitag, 24. Juni 2016 das "Ökumene-Papier". Eine offizielle deutsche Übersetzung des Textes durch die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland liegt bis heute noch nicht vor. Eine von den katholischen Gruppierungen verantwortete Version liegt unter dem Titel "Einheit kann nicht zerstört werden" durch die katholische Wochenzeitung Deutsche Tagespost in Würzburg vor.

 

 

 

 

Dokumente des panorthodoxen Konzils auf Kreta in deutscher Sprache:

 

Der Auftrag der Orthodoxen Kirche in der heutigen Welt

 

Der Beitrag der orthodoxen Kirche zum Walten der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Geschwisterlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern und zur Überwindung der Rassendiskriminierungen und anderer Diskriminierungen.

 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Die Kirche lebt „in der Welt“, aber sie „ist nicht von der Welt“ (Joh 17,11 und 14-15).Die Kirche ist als Leib des menschgewordenen Logos Gottes (Johannes Chrysostomus, Rede vor der Verbannung, 2, PG 52,429) die lebendige „Parusie“, das Zeichen und das Abbild des Reiches des dreifaltigen Gottes in der Geschichte und verkündet die „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17), „einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (2 Pet 3,13); sie verkündet  „eine Welt, in der Er alle Tränen von ihren Augen abwischen wird: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ (Offb 21,4-5).

 

Diese Erwartung lebt die Kirche bereits jetzt im Voraus insbesondere dann, wenn sie die heilige Eucharistie feiert und „an einem Ort“(1 Kor 11,20) „die versprengten Kinder Gottes wieder sammelt“ (Joh 11,52) und zu einem Leib zusammenführt – ohne Unterscheidung nach Herkunft, Geschlecht, Alter, sozialem oder anderem Status, wo „es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt“ (Gal 3,28; vgl. Kol 3,11), in einer Welt der Versöhnung, des Friedens und der Liebe.

 

Diesen Vorgeschmack der „neuen Schöpfung“, der gewandelten Welt, erfährt die Kirche auch in der Person ihrer Heiligen, die durch ihre Askese und ihre Tugend bereits in diesem Leben Abbilder des Reiches Gottes geworden sind; sie beweisen und bekräftigen auf diese Weise, dass die Erwartung einer Welt des Friedens,  der Gerechtigkeit und der Liebe keine Utopie ist, sondern „Feststehen in dem, was man erhofft“ (Hebr 11,1), was durch die Gnade Gottes und den geistlichen Kampf des Menschen möglich wird.

 

Ständig getragen von dieser Erwartung und diesem Vorgeschmack des Reiches Gottes ist die Kirche nicht indifferent gegenüber den Problemen der Menschen zu jeder Zeit, sondern nimmt im Gegenteil an seinen Nöten und seinen existenziellen Problemen Anteil; sie heilt wie ihr Herr den Schmerz und die Wunden, welche das Böse in der Welt hervorruft, und gießt wie der gute Samariter Öl und Wein auf seine Wunden (Lk 10,34); sie tut dies durch das Wort der „Geduld und des Trostes“ (Röm 15,4; Hebr 13,22) und die tätige Liebe. Ihr Wort an die Welt zielt nicht primär darauf, diese zu richten oder zu verurteilen (vgl. Joh 3,17 und 12,47), sondern um ihr das Evangelium vom Reich Gottes als Leitfaden darzubieten, sowie die Hoffnung und die Zusicherung, dass das Böse in welcher Form auch immer, nicht das letzte Wort in der Geschichte hat und ihren Lauf nicht  bestimmen darf.

 

Die Verkündigung der Botschaft des Evangeliums entspricht dem letzten Auftrag Christi „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie zu alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe“ (Mt 28,19) und stellt eine zeitübergreifende Aufgabe der Kirche dar. Dies darf nicht agressiv oder durch verschiedene Weisen des Proselytismus geschehen, sondern in Liebe, Demut und Respekt vor der Identität eines jeden Menschen und der kulturellen Besonderheit eines jeden Volkes. Zu diesem missionarischen Auftrag müssen alle orthodoxen Kirchen beitragen.

 

Die Orthodoxe Kirche schöpft aus diesen Prinzipien und aus der gesamten Erfahrung und der Lehre ihrer patristischen, liturgischen und asketischen Tradition und nimmt an den Problemen und dem Leiden des heutigen Menschen teil im Hinblick auf die grundlegenden existentiellen Fragen, welche die heutige Menschheit beschäftigen, um zu ihrer Überwindung beizutragen, damit in der Welt der Friede Gottes „der höher ist als alle Vernunft“ (Phil 4,7), die Versöhnung und Liebe herrschen.

 

I. Der Wert der menschlichen Person

 

1.. Der Wert der menschlichen Person leitet sich ab von der Erschaffung des Menschen „nach dem Bild und zur Ähnlichkeit Gottes“  und von seinem Auftrag innerhalb des Heilsplans Gottes für den Menschen und die Welt war die Inspirationsquelle für all jene Kirchenväter, die sich in das Geheimnis des göttlichen Heilsplans vertieften. Der heilige Gregor der Theologe betont bezeichnenderweise in diesem Zusammenhang, dass der Schöpfer „den Menschen auf die Erde gestellt hat wie eine zweite Welt, groß in seiner Kleinheit, wie einen anderen Engel, wie einen umfassenden Anbeter, einen Wächter über die sichtbare Schöpfung, einen Eingeweihten, einen Herrscher über die Dinge auf Erden, ... wie ein Wesen, das sich hier auf Erden aufhält, jedoch in eine andere Welt hinüberwechselt und - was die Vollendung dieses Geheimnisses ist - durch seine Sehnsucht zu Gott selbst vergöttlicht wird" (Oratio 45, 7: PG 36, 632). Der Zweck der Menschwerdung des Logos Gottes ist die Vergöttlichung des Menschen. Christus hat in sich den alten Adam erneuert (vgl. Eph 2,15) „denn Er vergöttlichte den Menschen, womit er den Beginn unserer Hoffnung setzte (Eusebius von Cäsarea, Demonstratio evangelica 4, 14, PG 22, 289A). Denn wie schon im alten Adam das ganze Menschengeschlecht enthalten war, so ist es auch im neuen Adam angenommen. „Mensch wurde der Einziggeborene, ... um zusammenzuführen und wieder in den alten Zustand zurückzuführen, was gefallen war, nämlich das Menschengeschlecht“ (Kyrill von Alexandrien,  Kommentar zum Johannesevangelium, 9, PG 74,273D-275A). Diese christliche Lehre über die Heiligkeit des Menschengeschlechts ist unerschöpfliche Quelle allen christlichen Bemühens zum Schutz des Wertes und der Würde der menschlichen Person.

 

2.. Es ist unerlässlich, dass die innerchristliche Zusammenarbeit zum Schutz der Würde der menschlichen Person auf dieser Grundlage und in alle Richtungen entwickelt wird. Dies betrifft selbstverständlich auch das Gut des Friedens, damit die Friedensbemühungen aller Christen ohne Ausnahme größeres Gewicht und größere Kraft erhalten.

 

3.. Ausgangspunkt einer weitergehenden Zusammenarbeit auf diesem Gebiet kann die gemeinsame Akzeptanz des höchsten Wertes der menschlichen Person sein. Die einzelnen orthodoxen Kirchen können zur interreligiösen Verständigung und Zusammenarbeit beitragen im Sinne des friedlichen Miteinanders und des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Völker, ohne dass dies  einen wie auch immer gearteten Synkretismus bedeutet.

 

4.. Wir sind der Überzeugung, dass wir als Mitarbeiter Gottes (1 Kor 3,9) in diesem Dienst fortschreiten können gemeinsam mit allen Menschen guten Willens, die den wahren Frieden suchen, zum Wohl der menschlichen Gemeinschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Dieser Dienst ist ein Gebot Gottes (Mt 5,9).

 

II. Freiheit und Verantwortung

 

1.. Eines der größten Geschenke Gottes an den Menschen ist seine Freiheit.  „Der den Menschen im Anfang erschaffen hat, hat ihn frei und selbstbestimmt erschaffen und das einzige Gesetz war Sein Auftrag an ihn“ (Gregor der Theologe, Rede 14., Über die Liebe zu den Armen 25, PG 35, 892A). Die Freiheit versetzt also den Menschen in die Lage, auf die geistliche Vollkommenheit zuzugehen, schließt aber zugleich die Gefahr des Ungehorsams, der autonomen Verselbständigung gegenüber Gott und dadurch die Gefahr des Abfalls von ihm ein; darin liegen die tragischen Folgen des Bösen in der Welt begründet.

 

2.. Folge dieses Bösen sind die im heutigen Leben herrschenden Unvollkommenheiten und Mängel: die Säkularisierung, die Gewalt, der Sittenverfall, die krankhaften Phänomene der Einnahme von Betäubungsmitteln und der Abhängigkeiten insbesondere bei jungen Menschen, der Rassismus, die Aufrüstung, die Kriege und die daraus folgenden sozialen Missstände, die Unterdrückung sozialer Gruppen, religiöser Minderheiten und ganzer Völker, die soziale Ungleichheit, die Einschränkung der Menschenrechte im Bereich der Gewissensfreiheit und insbesondere der Religionsfreiheit, die Desinformation und die Manipulation der öffentlichen Meinung, das wirtschaftliche Elend, die ungleiche Verteilung der lebensnotwendigen Ressourcen oder gar ihr völliges Fehlen, der Hunger von Millionen unterernährter Menschen, die Vertreibungen von Bevölkerungen und der Menschenhandel, das Flüchtlingsproblem, die Zerstörung der Umwelt, die unkontrollierte Anwendung der Biotechnologie und der Biomedizin im Hinblick auf den Beginn, die Dauer und das Ende des menschlichen Lebens. All dies schürt die unermessliche Angst in der heutigen beunruhigten Menschheit.

 

3.. Angesichts dieser Situation, die zu einer geschwächten Betrachtung der menschlichen Person geführt hat, ist es heute die Pflicht der Orthodoxen Kirche in ihrer Verkündigung, ihrer Theologie, ihrem Gottesdienst und ihrem pastoralen Wirken die Wahrheit der Freiheit in Christus zur Geltung zu bringen. „Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen...Warum soll meine Freiheit vom Gewissensurteil eines anderen abhängig sein?“ (1 Kor 10,23-24; 10,29). Freiheit ohne Verantwortung und Liebe führt letzendlich zum Verlust der Freiheit.

 

III.  Friede und Gerechtigkeit

 

1.. Die Orthodoxe Kirche bekennt und verkündet durch alle Zeiten hindurch die zentrale Bedeutung des Friedens und der Gerechtigkeit für das Leben der Menschen. Die Offenbarung in Christus selbst wird als „Evangelium des Friedens“ (Eph 6,15), weil Christus „Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“ (Kol 1,20), „er kam und verkündete den Frieden: den Fernen, und den Nahen“ (Eph 2,17) und wurde zu „unserem Frieden“ (Eph 2,14). Der Friede Gottes „der höher ist als alle Vernunft“  (Phil 4,7), ist, wie der Herr selbst vor seinem Leiden gesagt hat, weitgehender und tiefer als der Frieden, den die Welt verkündet: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Und dies, weil der Friede Christi die reife Frucht der Wiederherstellung aller Dinge in ihm ist, der Nachweis der Würde und der Größe der menschlichen Person als Bildes Gottes, die Proklamation der in ihm vorhandenen Einheit des Menschengeschlechtes und der Welt, sowie der Allgemeingültigkeit der Prinzipien des Friedens, der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit und letzendlich der Ertrag der christlichen Liebe unter den Menschen und den Völkern der Welt. Der wahre Friede ist das Ergebnis des Vorherrschens aller dieser christlichen Werte auf der Erde. Es ist der Friede von oben, um den die Orthodoxe Kirche immer wieder in ihren täglichen Gebeten bittet; sie erbittet ihn von Gott, der allmächtig ist und die Gebete jener erhört, die ihn im Glauben anrufen.

 

2.. Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, dass die Kirche als „Leib Christi“ (1 Kor 12,27) stets für den Frieden der ganzen Welt betet, welcher nach den Worten des Clemens von Alexandrien gleichbedeutend mit der Gerechtigkeit ist. (Stromateis 4,25; PG 8, 1369B-72A). Und Basilius der Große ergänzt: „Ich kann nicht behaupten, dass ich ohne die gegenseitige Liebe und das Friedenschaffen mit allen Menschen, soweit es mir möglich ist, würdig bin, ein Diener Jesu Christi genannt zu werden“ (Brief  203,1 PG 32,737B). Dies ist, wie der hl. Kirchenvater sagt, so selbstverständlich für den Christen dass „nichts  dem Christen eigener ist als das Friedenstiften“ (Brief 114, PG 32,528B).  Der Friede Christi ist die mystische Kraft, die aus der Versöhnung des Menschen mit seinem himmlischen Vater entspringt „entsprechend der Vorsehung Jesu, der alles in allem wirkt, einen unaussprechlichen und von Ewigkeit vorbestimmten Frieden schafft und uns mit sich selbst und in sich mit dem Vater versöhnt.“ (Dionysius Areopagita, Über die göttlichen Namen 11,5, PG 3,953AB).

 

3.. Gleichzeitig müssen wir hervorheben, dass die Gaben des Friedens und der Gerechtigkeit von der Mitarbeit (Synergie) des Menschen abhängen. Der Heilige Geist schenkt geistige Gaben, wenn wir in Buße den Frieden und die Gerechtigkeit Gottes erstreben. Diese Geschenke des Friedens und der Gerechtigkeit treten dort auf, wo die Christen Anstrengungen beim Werk des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung in Jesus Christus, unserem Herrn, unternehmen (1 Thess 1,3).

 

4.. Die Sünde ist eine geistige Krankheit, deren äußerlichen Symptome Konflikte, Streitigkeiten, Verbrechen und Kriege mit ihren tragischen Folgen sind. Die Kirche möchte nicht nur die äußerlichen Symptome dieser Krankheit heilen, sondern auch die Krankheit selbst, also die Sünde.

 

5.. Ebenso betrachtet es die Orthodoxe Kirche als ihre Pflicht, nach dem zu streben, was zum Frieden beiträgt.(Röm 14,19) und bereitet den Weg für Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit, die wahre Freiheit und die gegenseitige Liebe zwischen allen Kindern des einen himmlischen Vaters sowie zwischen allen Völkern, die eine einzige Menschenfamilie bilden. Sie leidet gemeinsam mit allen Menschen, die in verschiedenen Gegenden der Welt die Güter des Friedens und der Gerechtigkeit entbehren müssen.

 

IV. Der Friede und die Abwendung des Krieges

 

1.. Die Kirche Christi verurteilt generell den Krieg, den sie als Folge des Bösen und der Sünde in der Welt betrachtet. „Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern“ (Jak 4,1).

 

Insbesondere bei Kriegen, in denen Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden, sind die Folgen schrecklich, nicht nur weil der Tod eine unermessliche Zahl von Menschen trifft, sondern weil auch für die Überlebenden das Leben unerträglich wird. Es treten unheilbare Krankheiten auf sowie genetische Veränderungen und andere Schrecken mit katastrophalen Folgen für die zukünftigen Generationen.

 

Nicht nur die atomare Bewaffnung, sondern auch chemische, biologische und andere Waffen, die zur Illusion der Übermacht und der Dominanz über die Umwelt führen, sind äußerst gefährlich. Diese Waffen schüren eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens und führen zu einem neuen Wettrüsten.

 

2.. Die Kirche Christi betrachtet prinzipiell den Krieg als Folge des Bösen und der Sünde in der Welt und unterstützt jede Initiative und Anstrengung zu seiner Verhütung und Abwendung durch Dialog und jedes andere geeignete Mittel. Im Fall, dass der Krieg unvermeidbar ist, wirkt die Kirche durch Gebet und Seelsorge für ihre Gläubigen, die in kriegerische Handlungen zur Verteidigung ihres Lebens und ihrer Freiheit verstrickt sind, und unternimmt alles zur schnellstmöglichen Wiederherstellung des Friedens und der Freiheit.

 

3.. Die Orthodoxe Kirche verurteilt entschieden die diversen Konflikte und die Kriege, die aus religiösem Fanatismus entfacht werden. Zutiefst beunruhigend ist das Ansteigen der Unterdrückung und Verfolgung der Christen und anderer Gemeinschaften aus Glaubensgründen im Nahen Osten und an anderen Orten sowie der Versuch der Auslöschung des Christentums an seinen Ursprungsorten. Dadurch werden die vorhandenen interreligiösen und internationalen Beziehungen bedroht und viele Chrusten sind gezwungen ihre Heimatorte zu verlassen. Die orthodoxen Christen auf der ganzen Welt leiden gemeinsam mit ihren christlichen Geschwistern und allen Verfolgten und rufen zur Findung einer gerechten und dauerhaften Lösung für die Probleme dieser Region auf. Auch werden die Kriege verurteilt, die aus Nationalismus entfacht werden und zu ethnischen Säuberungen, zu Grenzveränderungen und zu territorialen Besetzungen führen.

 

V. Die Orthodoxe Kirche wendet sich gegen Diskriminierungen

 

1.. Der Herr lehnt als König der Gerechtigkeit (Hebr 7,2-3) die Gewalt und die Ungerechtigkeit ab (Ps 10,5) und verurteilt den unmenschlichen Umgang mit dem Nächsten (Mk 25,41-46; Jak 2,15-16). In Seinem Reich, das bereits jetzt auf Erden in Seiner Kirche abgebildet wird und präsent ist, gibt es keinen Raum für Hass, Feindschaft und Intoleranz (Jes 11,6; Röm 12,10).

 

2.. Die Position der Orthodoxen Kirche in dieser Frage ist eindeutig. Die Kirche glaubt, dass Gott „aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen hat, damit es die ganze Erde bewohne“ (Apg 17,26) und dass es „nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt; denn alle sind «eins» in Christus Jesus“ (Gal 3,28) Auf die Frage „Und wer ist mein Nächster?“ antwortet Christus mit dem Gleichnis des Guten Samariters (Lk 10,25-37) und lehrt dadurch das Niederreißen jeder Trennwand der Feindschaft und der Vorurteile. Die Orthodoxe Kirche bekennt, dass jeder Mensch unabhängig von Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlecht, Nationalität oder Sprache nach dem Bild und zur Ähnlichkeit Gottes geschaffen wurde und gleiche Rechte in der Gesellschaft genießt. Ihrem Glauben getreu akzeptiert die Orthodoxe Kirche keine Diskriminierungen aus den obigen Gründen, da dies eine unterschiedliche Wertschätzung der einzelnen Menschen bedeuten würde.

 

3.. Die Kirche respektiert die Menschenrechte und die Gleichbehandlung aller Menschen und bewertet die Anwendung dieser Prinzipien im Licht ihrer Lehre über die Sakramente, die Familie, die Stellung der zwei Geschlechter in der Kirche und die allgemeinen Werte der kirchlichen Tradition. Die Kirche hat das  Recht, das Zeugnis ihrer Lehre in der Öffentlichkeit zu verkünden.

 

VI. Die Aufgabe der Orthodoxen Kirche als dienendes Zeugnis der Liebe

 

1.. Die orthodoxe Kirche übt ihren heilsamen Dienst in der Welt aus und sorgt tätig für alle Menschen, die Hilfe benötigen, die Hungernden, die Mittellosen, die Kranken, die Behinderten, die Alten, die Verfolgten, die Verschleppten, die Gefangenen, die Obdachlosen, die Waisen, die Opfer von Katastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen, des Menschenhandels und der heutigen Formen der Sklaverei. Die Anstrengungen, welche die orthodoxe Kirche zur Bekämpfung der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit unternimmt, sind ein Ausdruck ihres Glaubens und ihres Dienstes am Herrn selbst, der sich selbst mit jedem Menschen gleichgesetzt hat, besonders aber mit jenen, die in Not sind: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). In diesem vielfältigen sozialen Dienst kann die Kirche mit diversen sozialen Trägern zusammenarbeiten.

 

2.. Die Konflikte und Feindseligkeiten in der Welt führen zu Ungerechtigkeit und Ungleichheit bei der Teilhabe der Menschen und Völker an den Gaben der Schöpfung Gottes. Sie berauben Millionen Menschen ihrer Lebensgrundlagen und führen zu einer Entwürdigung der menschlichen Existenz, sie rufen massenhafte Migrationsbewegungen hervor und führen zu nationalen, religiösen und sozialen Zusammenstößen, welche den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft bedrohen.

 

3. Die Kirche kann gegenüber den ökonomischen Zuständen, welche negativ die gesamte Menschheit beeinflussen, nicht indifferent bleiben. Sie besteht auf der Notwendigkeit, das die Ökonomie nicht nur auf moralischen Werten beruhen muss, sondern auch in der Praxis dem Menschen dienen muss, gemäß der Lehre des Apostel Paulus „dass man sich abmühen und der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen“ (Apg 20, 35). Basilius der Große schreibt dass „Für einen jeden sei es nun der Zweck seines Wirkens, den Armen zu dienen, nicht aber  der  Eigennutz“ (Ausführliche Regeln 42, PG 31, 1025A).

 

4.. Die Kluft zwischen Reichen und Armen vergrößert sich dramatisch wegen der Wirtschaftskrise, die üblicherweise das Resultat eines grenzenlosen Gewinnstrebens seitens einiger ökonomischer Faktoren, der Anhäufung von Reichtum in den Händen weniger und einer einseitigen ökonomischen Aktivität ist, die, weil sie ohne Gerechtigkeit und Sensibilität für den Menschen handelt, letztendlich nicht die wahren Bedürfnisse der Menschheit befriedigt. Eine lebensfähige Wirtschaft ist jene, welche die Effektivität mit Gerechtigkeit und sozialer Solidarität verbindet.

 

5.. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir die besondere Verantwortung der Kirche im Kampf gegen den Hunger und jede Form von Armut in der Welt verstehen. Ein derartiges Phänomen unserer Zeit, in der die Länder unter dem Regime einer globalisierten Wirtschaft leben,  offenbart eine tiefe Identitätskrise der heutigen Welt, denn der Hunger bedroht nicht nur die göttliche Gabe des Lebens für ganze Völker,  sondern er berührt auch die Größe und Heiligkeit der menschlichen Person und gleichzeitig auch Gott selbst. Denn wenn die Sorge um unsere eigene Nahrung ein materielles Problem ist, so ist die Sorge um die Nahrung unseres Nächsten eine geistliche Angelegenheit (Jak 2, 14-18). Daher ist es für alle orthodoxen Kirchen eine äußerst wichtige Aufgabe, ihre Solidarität mit ihren armen Geschwistern zu bekunden und effektiv Hilfe für sie zu organisieren.

 

6.. Die heilige Kirche Christi umschließt in ihrem weltweiten Leib viele Völker der Erde; sie verkündet deshalb das Prinzip der Solidarität aller Menschen  und unterstützt die engere Zusammenarbeit der Völker und Staaten zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten.

 

7.. Die Orthodoxe Kirche ist beunruhigt von dem zunehmenden Aufzwingen einer konsumorientierten Lebensweise, die über keine christlichen moralischen Werte verfügt. Dieser Konsumismus führt in Verbindung mit der säkularisierten Globalisierung tendenziell die Völker zum Verlust ihrer spirituellen Wurzeln, zu historischem Gedächtnisverlust und zu einem Vergessen der eigenen Tradition.

 

8.. Die Massenmedien stehen nicht selten unter dem Stern einer liberalen Globalisierung und machen sich so zum Sprachrohr der Verbreitung des Konsumismus und der Unmoral. Besondere Beunruhigung rufen Ereignisse hervor, deren Haltung gegenüber den religiösen Werten als respektlos, manchmal sogar als blasphemisch bezeichnet werden kann; so entstehen Spaltungen und Aufstände in der Gesellschaft. Die Kirche warnt ihre Kinder vor der Gefahr einer Beeinflussung des Gewissens durch die Massenmedien und ihre Nutzung nicht zur Annäherung der Menschen und der Völker, sondern zu ihrer Manipulation.

 

9.. Auf ihrem Weg, den die Kirche in Verkündigung und Ausübung ihres Heilsauftrags für die Menschheit beschreitet, begegnet sie immer häufiger dem Auswirkungen der Säkularisierung. Die Kirche Christi ist berufen, ihr prophetisches Zeugnis in der Welt neu zu formulieren und zu offenbaren; sie stützt sich dabei auf die Erfahrung des Glaubens und ruft gleichzeitig ihren eigentlichen Auftrag der Verkündigung des Reiches Gottes und der Pflege eines Bewusstseins der Einheit in ihrer Herde in Erinnerung. So eröffnet sich ein weites Feld für sie, da sie als wesentliches Element ihrer ekklesiologischen Lehre der geteilten Welt die eucharistische Gemeinschaft und Einheit verkündet.

 

10.. Das Streben nach ständigem Wachstum des Wohlstands und der ungezügelte Konsum führen zu einer nicht angemessenen Nutzung und zum Versiegen der natürlichen Ressourcen, Die Schöpfung Gottes, die dem Menschen anvertraut wurde, „damit er sie bebaue und hüte“ (vgl. Gen 2,15) erfährt die Folgen der menschlichen Sünde: „Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8, 20-22).

 

Die ökologische Krise, die mit den klimatischen Veränderungen und der Erderwärmung zusammenhängt, macht die Pflicht der Kirche, mit den ihr zur Verfügung stehenden geistlichen Mitteln zur Bewahrung der Schöpfung Gottes vor den Folgen der menschlichen Unersättlichkeit beizutragen, noch zwingender. Die Gier nach Befriedigung materieller Bedürfnisse führt zu einer geistlichen Verarmung des Menschen und zur Zerstörung der Umwelt. Es darf nicht vergessen werden, dass der natürliche Reichtum der Erde nicht dem Menschen gehört, sondern dem Schöpfer: „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner“ (Ps 23,1). Deshalb betont die Orthodoxe Kirche den Schutz der Schöpfung Gottes, um so die Verantwortung des Menschen für die gottgegebene Schöpfung zu unterstreichen und um die Tugenden der Genügsamkeit und der Enthaltsamkeit ins Gedächtnis zu rufen. Wir müssen daran erinnern, dass nicht nur die heutigen, sondern auch die künftigen Generationen ein Anrecht auf die natürlichen Ressourcen haben, die uns der Schöpfer geschenkt hat.

 

11.. Für die Orthodoxe Kirche ist die Möglichkeit der wissenschaftlichen Erforschung der Welt ein gottgegebenes Geschenk an den Menschen. Gleichzeitig zeigt die Kirche jene Gefahren auf, die sich hinter der Nutzung bestimmter wissenschaftlicher Forschungsresultate verbergen. Sie ist der Auffassung, dass der Wissenschaftler zwar frei ist zu forschen, aber auch dass er seine Forschung abbrechen muss, wenn grundlegende christliche und humanitäre Prinzipien verletzt werden: „Alles ist mir erlaubt - aber nicht alles nützt mir.“ (1 Kor 6,12) und „Das Gute ist nicht gut, wenn es nicht auf gute Weise geschieht“ (Gregor der Theologe, Theologische Rede 1,4, PG 36,16 C). Diese Haltung der Kirche erweist sich häufig auch notwendig, um die Grenzen der Freiheit der Wissenschaft und der Anwendungen ihrer Ergebnisse fast in allen ihren Bereichen, insbesondere der Biologie zu ziehen, wo neue Forschungsergebnisse, aber auch Gefahren zu erwarten sind. Gleichzeitig unterstreichen wir die unumstößliche Heiligkeit des menschlichen Lebens vom Beginn seiner Empfängnis.

 

12.. In den letzten Jahren ist eine sprunghafte Entwicklung der biologischen Wissenschaften und der damit verbundenen Biotechnologie zu verzeichnen; viele ihrer Errungenschaften werden als hilfreich für den Menschen empfunden, andere führen zu ethischen Dilemmas, andere wiederum sind abzulehnen.  Die Orthodoxe Kirche glaubt, dass der Mensch nicht eine einfache Anhäufung von Zellen, Gewebe und Organen ist oder lediglich durch biologische Faktoren definiert ist. Der Mensch  ist „nach dem Bild“ Gottes geschaffen, deshalb muss jede Erwähnung mit dem gehörigen Respekt geschehen. Die Erkenntnis dieses Grundprinzips führt dazu, dass sowohl bei der wissenschaftlichen Forschung als auch bei der praktischen Anwendung der neuen Entdeckungen und Erfindungen das absolute Anrecht eines jeden Menschen  auf Respekt und Ehre zu jedem Zeitpunkt seines Lebens ebenso wie der Wille Gottes, der bei seiner Schöpfung offenbar wurde, gewahrt bleiben muss. Die Forschung muss ethische und spirituelle Prinzipien und die christlichen Vorschriften berücksichtigen. Der nötige Respekt muss auch der gesamten Schöpfung Gottes bezeugt werden, sowohl bei ihrer Nutzung durch den Menschen, als auch bei der Forschung, so wie dem Auftrag Gottes an ihn entspricht (Gen 2,15).

 

13.. In diesen Zeiten der Säkularisierung ist es besonders notwendig, im Angesicht der geistigen Krise, welche die heutige Zivilisation kennzeichnet, die Heiligkeit des Lebens hervorzuheben. Das falsche Verständnis der Freiheit als Libertinismus führt zu einem Anstieg der Kriminalität, zur Zerstörung und Schändung jener Werte, die es zu respektieren gilt, zum Mangel an Respekt vor der Freiheit des Nächsten und der Heiligkeit des Lebens. Die orthodoxe Tradition hat sich aus der tätigen Anwendung der christlichen Wahrheiten entwickelt und ist gekennzeichnet von Spiritualität und asketischem Ethos, welches es besonders in unserer Zeit hervorzuheben und zu verbreiten gilt.

 

14.. Die besondere pastorale Fürsorge der Kirche für die Jugend, um diese zu Christus zu führen, ist  ihr ständiger und unumstößlicher Auftrag. Die Kirche erwartet die Neuschöpfung aller Dinge in dem einen Leib Christi, ruft jedem Menschen ins Gedächtnis, dass Christus wiederkommen wird, „Lebende und Tote zu richten“  (1 Petr 4,5) und dass „seines Reiches kein Ende sein wird“ (LK 1,33). Es versteht sich von selbst, dass die pastorale Verantwortung der Kirche sich auch auf die gottgegebene Institution der Familie erstreckt, die von jeher und unbedingt auf dem heiligen Sakrament der christlichen Ehe als Einheit von Mann und Frau basiert, welche die Einheit von Christus und Seiner Kirche (Eph 5,32) abbildet. Dies ist besonders aktuell, da in einigen Ländern eine rechtliche Anerkennung und in einigen christlichen Gemeinschaften eine theologische Grundlegung von Lebensgemeinschaften zu verzeichnen ist, die der christlichen Tradition und Lehre nicht entsprechen.

 

15.. In der heutigen Zeit und seit jeher richtet sich die prophetische und pastorale Stimme der Kirche, das erlösende Wort vom Kreuz und der Auferstehung, an das Herz des Menschen und ruft diesen gemeinsam mit dem Apostel Paulus auf, bedacht zu sein, auf das „was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist“ (Phil 4,8), Die Kirche verkündet die opfernde Liebe unseres gekreuzigten Herrn als einzigen Weg zu einer Welt des Friedens, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe zwischen den Menschen und den Völkern, deren einziger Maßstab der Herr, der sich für das Leben der Welt geopfert hat (vgl. Offb 5,12); also die unendliche Liebe des Dreifaltigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ihm sei die Ehre und die Herrschaft in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.

 

+ Bartholomaios von Konstntinopel, Vorsitzender

 

+ Theodoros von Alexandrien

 

+ Theofilos von Jerusalem

 

+ Irinej von Serbien

 

+ Daniel von Rumänien

 

+ Chrysostomos von Neu-Justiniana und ganz Zypern

 

+ Hieronymos von Athen und ganz Griechenland

 

+ Sawa von Warschau und ganz Polen

 

+ Anastasios von Tirana und ganz Albanien

 

+ Rostislav von Presov und ganz Tschechien und der Slowakei

 

Quelle: http://www.orthodoxie.net

 

 

In den letzten Wochen wurden Zustandekommen, Verlauf und Ergebnisse des vergangenen Pan-orthodoxe Konzil auf Kreta in den einschlägigen theologischen Fachpublikationen, in der Tagespresse und durch vielfältige Stimmen in diversen orthodoxen und anderen Internetforen kommentiert und diskutiert. Unterschiedliche kirchenpolitische und theologische Vorstellungen, sowie persönliche Vorlieben und Aversionen traten dabei offen zu Tage. Wir bitten um Verständnis, dass wir nach reiflicher Überlegung aus Beweggründen, die darum bemüht sind, die orthodoxe Einheit in kirchlichem Geiste zu bewahren, entschieden haben, hier keine eigene Wertungen zu den Ergebnissen des Konzils zu veröffentlichen. 

 

Stattdessen verweisen wir an dieser Stelle gern auf einen Artikel S. E. Metropolit Arsenios von Austria und Ungarn, der eine detailreiche Darstellung der Vorgeschichte des pan-orthodoxen Konzils, sowie eine ausführliche Würdigung seiner Beschlüsse und Ergebnisse bietet.

 

Publiziert wurde der Artikel auf der Webseite der Orthodoxen Kirche in Österreich:

 

Metropolit Arsenios: Das Große und Heilige Konzil der Orthodoxen Kirche...

 

http://www.orthodoxe-kirche.at/site/inforechts/article/576.html