Predigten und Betrachtungen der heiligen Schrift

 

Menschwerdung und Offenbarung

 

In der theologischen Sprache ist mit »Offenbarung« nicht irgendeine, sondern nur die Offenbarung Gottes gemeint, d. h. der Akt oder Prozess, durch den Gott sich zeigt und ausdrückt. Die klassische Theologie unterscheidet zwei Arten der göttlichen Offenbarung: die natürliche und die übernatürliche. Erstere wird in der Welt, in der Geschichte und im Gewissen der Menschen verwirklicht (vgl. Röm 1,19; 2,14; 1Kor 1,21 u.a.). Sie allein kann dem Menschen die Erlösung und das Heil nicht verschaffen, deshalb muss sie durch die übernatürliche Offenbarung ergänzt werden. Damit meint man den Prozess, durch den sich Gott den Menschen unmittelbar offenbart. 

 

Betrachten wir nun diese Unterscheidung aus einer anderen Perspektive, die dem Geist der Väter der Ostkirche entspricht, bei denen diese Trennung zwischen natürlich und übernatürlich nicht besonders beliebt ist: Nach dem 1. Johannesbrief »ist Gott Liebe«. Das Geheimnis der sog. Perichorese, d.h. die gegenseitige Durchdringung der drei Personen der Dreieinigkeit, ist das Geheimnis der Liebe Gottes. Gott, der weder Anfang noch Ende hat und der die Liebe selbst ist (weil die drei Personen in der Perichorese als Liebe existieren), öffnet sich, drückt seine Liebe aus und schafft freie und vernünftige Wesen nach seinem Bilde, die ihm ähnlich sind, damit sie an seiner Seligkeit teilhaben. Diese gottähnlichen Wesen sind, indem sie in der materiellen Welt leben, sowohl an dieser materiellen als auch an der geistlichen Welt beteiligt. Mit dieser Öffnung nach außen erschafft der dreieinige Gott die Materie und die Zeit. Der Anfang von Materie und Zeit bildet auch den Anfang der Offenbarung Gottes. 

 

Diese Offenbarung Gottes geschah durch sein Wort, seinen Logos. Wenn wir uns den Prozess der Offenbarung als eine Linie vorstellen, so würde sie mit der Schöpfung durch das göttliche Wort beginnen: »Und Gott sprach: Es werde Licht! ... Es werde eine Feste ... Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut ... Es werden Lichter an der Feste des Himmels ... Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier ... « (Gen 1,3.6.11.14.20) oder, wie die Psalmen sagen: »Denn wenn er spricht, so geschieht's, wenn er gebietet, so steht's da« (Ps 33,9) oder »der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht« (Ps 33,6). Das Ende der Linie, die Vollendung und Vervollständigung der Offenbarung bildet die Menschwerdung des Wortes. Es heißt im Prolog des Johannes-Evangeliums: »Im Anfang war das Wort ... alle Dinge sind durch dasselbe gemacht ... und das Wort ward Fleisch ...« (Joh 1,1.3.14). Zwischen beiden Enden stehen die Propheten, durch die »Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern«, bevor er durch den Sohn zu uns spricht (Hebr 1,1.2). Also der Sohn, der »im Anfang bei Gott« war (Joh 1,2) und der »in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt«. Und Gott, den niemand »je gesehen« (Joh 1,18) hat, offenbarte sich den Menschen.

 

Mit dem Sohn erreicht die Offenbarung Gottes ihre Fülle, weil sich Gott den Menschen durch seinen Sohn in der ganzen ihnen zugänglichen Fülle zu eigen gab. Und »von seiner Fülle haben wir alle genommen ..., die Gnade und Wahrheit (der Offenbarung Gottes) ist durch Jesus Christus geworden« (Joh 1,16.17). So ist das Wort als Person der dreieinen Gottheit der einzige Mittler der göttlichen Offenbarung. Die Linie der Offenbarung, von der oben die Rede war, wechselt durch das Wort, durch Christus, die Richtung. Sie geht nach oben in die Dimension des Unendlichen, um den unendlichen Gott zu erreichen, der sich nun am Ende der Zeit und der Materie, der Welt, als Richter offenbart.

 

Der Inhalt der Offenbarung ist Gott, der sich durch seinen Sohn offenbart. Und wenn die Menschwerdung des Sohnes das Ereignis der Fülle der Offenbarung ist, so ist das fleischgewordene Wort, Jesus Christus, ihr Inhalt. In der Menschwerdung offenbarte sich Gott nicht nur indirekt, indem er seinen Willen oder seine Wirkungen kundtat, nahm die Offenbarung selbst konkrete menschliche Gestalt an: »Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden« (Joh 1,17). 

 

Die Menschwerdung des Sohnes Gottes geschah in Jesus Christus. Das eröffnet den Menschen die Möglichkeit, Gottes teilhaftig zu werden. Dies geschieht durch den Heiligen Geist in der Kirche. Haupt der Kirche ist der menschgewordene auferstandene Christus. Ihre Glieder sind Menschen, die an Christus glauben und mit ihm und durch ihn auch miteinander verbunden sind. So ist Christus selbst die Kirche, dem jeder begegnet und mit dem sich jeder vereint, der in die Kirche kommt. 

 

Die Kirche bewahrt die Offenbarung, denn in der Kirche wird den Gläubigen das menschgewordene Wort, durch das sich Gott offenbarte, vermittelt: einmal als Leib und Blut Christi und zum anderen als Verkündigung des Evangeliums. Diese zwei Aspekte des Wortes werden übrigens im orthodoxen Gottesdienst durch den Kleinen und den Großen Einzug angedeutet: im Kleinen wird das Evangelium, im Großen werden Brot und Wein, die für die Eucharistie bestimmt sind, feierlich durch die Kirche zum Altar getragen, so dass auf ihm die beiden Elemente liegen, die die Kirche konstituieren: das Evangelium und die Gaben der Eucharistie. Beide sind das Tor zur Offenbarung. Und dieser Zugang betrifft nicht nur die rein intellektuelle Erkenntnis, die etwa vom Hören des Wortes abhängig ist, sondern vielmehr die ganze Existenz des Menschen. Denn die wahre Erkenntnis Gottes vollzieht sich dadurch, daß Gott den Menschen erkennt: »Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin« (1 Korinther 13:12). 

 

Quelle: Andreasbote

 

Ikone "O Eingeborener Sohn und Wort Gottes".
Ikone "O Eingeborener Sohn und Wort Gottes".

 

Vom Gebet des Herrn

 

Gebet ist ein Aufstieg des Geistes zu Gott oder eine Bitte an Gott um das Nötige. Wie war es also möglich, dass der Herr bei Lazarus und zur Zeit des Leidens betete? Denn Seine heilige Vernunft, die doch ein für allemal existenziell mit Gott dem ­Logos (Wort Gottes) geeint war, bedurfte weder eines Aufstieges zu Gott noch einer Bitte an Gott, Christus ist ja einer. Nein, [Er betete,] weil Er unsere Stelle vertrat, das Unsrige in sich nachbildete, uns ein Vorbild wurde, uns lehrte, Gott zu bitten und uns zu Ihm zu erheben, und durch Seine heilige Vernunft uns den Weg zum Aufstieg zu Gott bahnte. Denn wie Er die Affekte auf sich nahm, um uns den Sieg über sie zu geben, so betete Er auch, wie gesagt, um uns den Weg zum Aufstieg zu Gott zu bahnen und „für uns   alles,   was   recht   ist,   zu   tun“,   wie   er   zu   Johannes   sagte,   und   Seinen   Vater   mit uns zu versöhnen, und diesen als Urgrund und Prinzip zu ehren und zu zeigen, dass er kein Gottesfeind ist.                                 

Heiliger Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens,

3. Buch, 24. Kapitel.

 

Erklärungen zum Vater Unser    

 

...Damit scheint mir Christus sagen zu wollen, man solle die Gebete nicht lang machen, das heißt lang, nicht der Zeit nach, sondern durch die Menge und Länge der Worte. Wir sollen ja auch bei unserem Gebete Beharrlichkeit zeigen. "Im Gebete", heißt es, "verharrend“. Der Herr selbst führt dann jenes Gleichnis mit der Witwe an, die den  unbarmherzigen, grausamen Richter durch beharrliches Bitten umstimmte, sowie das andere Beispiel mit dem Freunde, er zu unzeitiger Nachtstunde daherkommt und den Schläfer von seinem Lager aufscheucht, nicht wegen seiner Freundschaft, sondern durch seine Beharrlichkeit. Mit beiden Gleichnissen wollte er uns aber keine andere Lehre geben, als die, dass wir alle mit Beharrlichkeit uns an ihn wenden sollen. Dagegen   will   er   ganz   und   gar   nicht,   dass   wir   mit   meilenlangen   Gebeten   zu   ihm kommen, sondern dass wir unsere Anliegen mit aller Einfachheit vorbringen. Eben das hat er mit den Worten angedeutet: "Sie glauben, sie würden ob ihrer vielen Worte Erhörung finden".

 

Er weiß ja, wessen wir bedürftig sind 

 

Aber, sagst du, wenn Er schon weiß, wessen wir bedürfen, wozu soll man dann noch beten? Nicht um Gott zu belehren, sondern um Ihn zur Erhörung deiner Bitte geneigt zu machen, um dich an beharrliches Bitten zu gewöhnen, dich zu demütigen, dich an deine Sünden zu erinnern.    "Ihr also" sagt Christus, sollt so beten: "Vater unser, der du bist in dem Himmel." Beachte, wie er zuallererst den Zuhörer aufrichtet, und ihn schon durch das erste Wort an alle erdenklichen Wohltaten erinnert. Wer nämlich Gott den Namen Vater gibt, bekennt durch diese Anrede allein schon auch seinen Glauben an die Verzeihung der Sünde, Nachlass der Strafe, Rechtschaffenheit, Heiligung, Erlösung, Gotteskindschaft, Erbschaft und Bruderschaft mit dem Eingeborenen, sowie die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Es ist ja nicht möglich, Gott den Namen Vater zu geben, ohne all dieser Gnadengaben teilhaft geworden zu sein. Durch ein Zweifaches regt Er also ihre Aufmerksamkeit an: durch die Würde dessen, den Er nennt, und durch die Größe der Gaben, die sie empfangen hatten. Wenn Er aber sagt: in dem Himmel, so tut Er dies, nicht um Gott gleichsam in den Himmel einzuschließen, sondern um den Betenden von der Erde abzuziehen, ihn in die höheren Regionen und zu den himmlischen Dingen zu erheben. Er lehrt uns aber auch, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Er sagt nämlich nicht: Mein Vater, der Du im Himmel bist, sondern: "Unser Vater"; er will damit unsere Gebete zu einer Fürbitte für die gemeinsame Kirche erheben und uns lehren, nie den eigenen Vorteil im Auge zu haben, sondern immer und überall den des Nächsten. Dadurch macht er aber auch die Feindschaften unmöglich, unterdrückt den Stolz, verbannt den Neid und öffnet der Quelle alles Guten, der Liebe, den Zugang, beseitigt die Ungleichheit unter den Menschen und zeigt, dass der König nicht viel höher stehe als der Bettler, da wir ja es, aus niederem Stande zu sein, wenn wir der höheren, geistigen Geburt nach auf gleicher Stufe stehen, und keiner etwas vor dem anderen voraus hat, wenn der Reiche nicht mehr besitzt als der Arme, der Herr nicht mehr ist als sein Sklave, der Herrscher nicht mehr als sein Untertan, der König nicht über einem einfachen Soldaten steht, ein Philosoph nicht über dem Barbaren, ein Gelehrter nicht über dem Ungelehrten. Allen hat ja Gott den gleichen Geburtsadel verliehen, da e sich würdigte, der gemeinsame Vater aller Menschen genannt zu werden. An diesen Adel wollte er uns also erinnern und an die Gabe von oben, an die gleiche Standeswürde aller Brüder, an die Liebe, wollte uns von der Erde abziehen und dem Himmlischen zuwenden. Sehen wir nunmehr, um was Er uns sonst noch bitten heißt. Eigentlich genügt ja dieses Wort "Vater" allein schon, um die Forderung jeglicher Tugend daraus abzuleiten. Wer nämlich Gott einen   Vater nennt, und zwar den gemeinsamen Vater aller, der sollte billigerweise ein solches Leben führen, dass er solch edler Abstammung nicht unwürdig erscheint, und sollte einen dieser Gabe entsprechenden Eifer im Guten an den Tag legen. Indes begnügt sich der Herr damit nicht. Er fügt noch eine andere Bitte hinzu und sagt: "Geheiligt werde Dein Name." Das ist ein Gebet, würdig dessen, der Gott seinen Vater nennt; ein Gebet, in dem man jeder anderen Bitte die Ehre des Vaters voranstellt und alles andere seinem Lobpreis unterordnet. Der Ausdruck: "Es werde geheiligt" hat nämlich den Sinn: Es werde verherrlicht. Gott besitzt zwar schon von sich aus die Fülle aller Herrlichkeit, die Ihm auch immerdar bleibt, gleichwohl befiehlt Er beim Gebete, darum zu bitten, dass Er auch durch unser Leben verherrlicht   werde. So   hat   Er   auch   früher   gesagt:   "Euer   Licht   soll   leuchten   vor   den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater loben, der im Himmel ist". Auch die Seraphim, die Gott verherrlichen wollten, riefen: "Heilig, heilig, heilig" . "Es werde geheiligt"hat also den Sinn von: Es werde verherrlicht. Christus wollte damit sagen: Bitte, dass wir so rein leben, dass unseretwegen alle Dich verherrlichen. Auch das ist wieder eine Frucht vollkommener Lebensweisheit, allen gegenüber ein so tadelloses Leben zu führen, dass ein jeder, der es sieht, Gott dafür lobt und preist. "Dein Reich komme". Gerade so redet wieder ein gutgesinntes Kind Gottes. Es hängt nicht am Sichtbaren, hält die irdischen Dinge nicht für etwas Großes, sondern fühlt sich hingezogen zum Vater und sehnt sich nach den zukünftigen Dingen. Das ist die Wirkung eines guten Gewissens und einer Seele, die von allen irdischen Dingen losgeschält ist...

 

Quelle: Der heilige Johannes Chrysostomus;

Kommentar zum Matthäusevangelium, 19. Predigt.

 

 

Das Gleichnis vom Festmahl 

 

(Lukas 14:15-24)

 

Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot ißt im Reich Gottes! Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, daß keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. 

 

Von Gott inspiriert und geleitet vom Heiligen Geist, haben die Heiligen Väter der Kirche die Lesung des Gleichnisses vom Festmahl in die Zeit des Advents gelegt, zwei Sonntage vor den Fest der Geburt unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Wie ein strahlender Brillant zeigen die Facetten dem Leser viele passende Bilder. 

 

Einer aus dem Gefolge Christi, der durch die ernsten Lehren unseres Herrn gerührt war, sie aber nicht ganz verstanden hatte, meinte es gut als er bemerkte, „selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf“ (Lk 14,15). Darauf beginnt der Herr mit der Erzählung des Gleichnisses. Denn Er hatte gemerkt, dass dieser Jünger und die Pharisäer, die mit ihm waren, gefolgert hatten, dass in das Reich Gottes eingeladen zu werden dasselbe sei, wie im Reich Gottes zu sein. Seine Absicht ist, die Juden zu lehren – und durch sie uns – dass die, die sich brüsten nahe dem Himmelreich zu sein, es nicht erreichen werden, ja sogar ausgeschlossen werden können, wenn sie Gott nicht gehorsam sind. 

 

„Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein“ (Lk 14,16). Wenn man in Palästina früher ein Fest vorbereitete, wurde das lange vorher schon angekündigt. Die Einladungen wurden verschickt und als angenommen bestätigt. War der Tag schließlich herangekommen und alles bereitet, wurden die Diener ausgesandt, die geladenen Gäste zu rufen. Eine Einladung angenommen zu haben und dann nicht hinzugehen, wurde als große Beleidigung empfunden. 

 

Im Gleichnis ist Gott der Gastgeber und die ursprünglich geladenen Gä- ste sind die Juden, die während ihrer ganzen Geschichte auf den Tag gewartet hatten, dass Gott sie rufen würde. Aber als Gott sie rief, weigerten sie sich tragischerweise Seiner Einladung zu folgen. Die Armen, die von den Straßen und Plätzen der Stadt aufgesammelt wurden, die Krüppel, Blinden und Lahmen, sind die Zolleinnehmer und Sünder, die herbeikamen und unseren Herrn auf eine Art willkommen hießen, wie die Juden es nie getan hatten. 

 

Die von den Landstraßen und Zäunen gesammelt wurden sind die Heiden, für die immer noch Platz war beim Festmahl Gottes. Erst als die Juden sich geweigert hatten der Einladung Gottes zu folgen und Seine Festtafel leer gelassen hatten, ging die Einladung an die Heiden. Der Befehl im Gleichnis, der manchmal falsch verstanden wird, „...und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird“, drückt nur die große Liebe aus, die Gott für uns alle hat und dass Er willens ist alles zu tun, um Seine Schöpfung zu retten. Hier müssen wir auch die Worte des Hl. Paulus hinzufügen, „denn die Liebe Christi drängt uns“ (2Kor 5,14). Im Reich Gottes gibt es nur einen Zwang und das ist der Zwang Seiner unaufhörlichen Liebe zu uns. 

 

Das Gleichnis spricht von der Drohung an die Juden, die die Einladung Gottes verweigert hatten, und dass diese den Sündern, den Verlorenen und den Heiden als ein wunderbares Geschenk eine Freude gebracht hat, von der sie nie hätten gewagt zu träumen. Aber es offenbart auch die großen Wahrheiten, die unverändert bleiben und doch immer neu und lebenswichtig für heute sind. Im Gleichnis entschuldigen sich die geladenen Gäste und die Ausreden der Menschheit werden leider bis heute noch auf fast gleiche Weise gemacht. 

 

„Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen“. Der Diener suchte sie einer nach dem anderen auf und erhielt von Jedem die gleiche Antwort. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass sie alle zusammen einen Plan geschmiedet hätten, den Gastgeber zu beleidigen. Aber obwohl nicht abgesprochen, taten sie doch alle dasselbe. Sie waren alle von einer Art und obwohl sie dem Diener einzeln antworteten, antworteten sie alle in ähnlicher Weise. 

 

Als die Armen zum Festmahl geladen wurden, beeilten sie sich zu kommen. Wenn wir zum göttlichen Mahl geladen werden, beginnen wir uns zu entschuldigen. Der Erste sagte, „ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen.“ Der Hl. Gregor der Große schreibt dazu, „mit dem Acker ist die irdische Substanz gemeint. Deshalb geht der hinweg, der um der Sache des Gewinnes willen nur an weltliche Dinge denkt“. Er erlaubt den Ansprüchen des Geschäfts sich die Ansprüche Gottes anzumaßen. Wie viele von uns sind so mit den Dingen dieser Welt befasst, dass sie nur wenig Zeit haben für Gottesdienst oder Gebet. Um der Verehrung des Mammon willen haben wir den Dreieinen Gott vergessen. Wir sind vom schmalen Pfad der Gerechten abgekommen. 

 

Der Zweite sagte, „ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen.“ Der Hl. Augustinus schreibt, „die fünf Ochsengespanne bedeuten die fünf Sinne des Leibes. Durch diese leiblichen Sinne werden die weltlichen Dinge gesucht.“ Er hat den Ansprüchen der Neuheit erlaubt, sich die Ansprüche Gottes anzumaßen. Das ist oft der Fall, wenn wir etwas Neues erwerben. Wir werden dadurch so in Anspruch genommen, dass die Ansprüche Gottes aus unserem Leben verdrängt werden. Wir kaufen vielleicht ein Boot oder eine Hütte an einem abgelegenen Ort. Dann beginnen wir uns zu entschuldigen, „wir würden ja gerne zur Liturgie kommen, aber ...“. Es ist so gefährlich leicht, dass uns ein neues Spiel, ein neues Hobby oder auch eine neue Freundschaft so in Besitz nimmt, dass wir keine Zeit mehr für Gott haben. 

 

Der Dritte sagte mit noch mehr Entschiedenheit als die Anderen, „ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen.“ Eines der gnädigen Gesetze des Alten Testaments stellt fest: „Wenn ein Mann neuvermählt ist, muss er nicht mit dem Heer ausrücken. Man soll auch keine andere Leistung von ihm verlangen. Ein Jahr lang darf er frei von Verpflichtungen zu Hause bleiben und die Frau, die er geheiratet hat, erfreuen“ (Dtn 24,5). 

 

Ohne Zweifel hatte der Mann genau dieses Gesetz im Sinn. Es ist eine der großen Tragödien des Lebens, dass wir den „guten Dingen“ erlauben die Ansprüche Gottes zu verdrängen. Es gibt nichts schöneres als ein Zuhause. Und doch darf es nicht egoistisch ausgenutzt zu werden. Die leben am Besten zusammen, die mit Gott im Herzen leben. Die dienen einander am Besten, die auch ihren Mitmenschen dienen. Die Atmosphäre eines Daheim ist am heiligsten, wenn die darin Lebenden als Glieder der großen Familie Gottes leben. 

 

Unser Herr benutzte Symbole um Seine Worte besser verständlich zu machen, wenn der Sinn für das Volk zu tief war, um verstanden zu werden. Das Symbol des Festmahls zeigt uns zwei unterschiedliche Aspekte. Man kann es verstehen als das Himmlische Festmahl, das auf alle wartet, die gerufen sind und in das Reich Gottes eingelassen werden. Es ist aber auch zu verstehen als das Mystische Abendmahl, das uns in der Heiligen Kommunion angeboten wird. Die Jünger Christi wussten, dass die Ankunft Gottes durch den „Messias“ schon lange vorabgebildet war als „Fest“ für Sein Volk, und dass dann dieses Volk verkünden würde: „Seht, das ist unser Gott, auf Ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, Er wird uns retten. Das ist der Herr, auf Ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über Seine rettende Tat“ (Jes 25,9). 

 

Liebe Freunde, wir sind jetzt mitten in der heiligen Zeit des Advent. Das ist eine Zeit großer Erwartung und Vorbereitung. Es ist die Zeit, da Gott uns die freudige Gelegenheit bietet, erneuert zu werden. Aber es ist auch eine Zeit, in der wir alle nur zu bereit sind Ausreden zu suchen. Unser Herr wird neu geboren in uns und wir werden „gerufen“ dem Stern der Weisen zu folgen, der Jungfrau Maria und dem Christuskind Unterschlupf zu bieten, unseren Platz bei den Hirten und Tieren einzunehmen und an Seinem Mystischen Mahl teilzuhaben. Er wird uns einladen, aber wir müssen die Einladung annehmen. Es darf keine Ausreden geben. Wir können Ihn nicht wirklich verehren, wenn unsere Anbetung nicht in mehr als nur Worten ausgedrückt wird. Es liegt eine tiefe Wahrheit in einer Inschrift an der Wand einer mittelalterlichen Kirche:

 

Gott der Herr spricht zu dir:

 

du nennst mich ewig – aber du suchst mich nicht!

du nennst mich allmächtig – aber du fürchtest mich nicht!

du nennst mich gnädig – aber du ehrst mich nicht!

du nennst mich das Licht – aber du suchst mich nicht!

du nennst mich den Weg – aber du gehst mich nicht!

du nennst mich die Wahrheit – aber du glaubst mir nicht!

du nennst mich das Leben – aber du willst mich nicht!

du nennst mich liebevoll – aber du liebst mich nicht!

du nennst mich Meister – aber du dienst mir nicht!

wenn ich dich verurteile, rüge mich nicht. 

 

Das ist leider nur zu oft wahr – und ist es nicht schrecklich, dass es wahr ist? Warum kann es eine so schrecklich große Kluft geben zwischen den Worten, die so leicht über unsere Lippen kommen und den Taten in unserem Leben? „Bitte, entschuldige mich!“ Wenn wir wahrhaft beten, dann müssen wir dem Ruf zu dienen auch folgen. Sonst werden wir die sorgenvolle Stimme der Verurteilung hören, „Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?“ (Lk 6,46). Erfinden wir keine Ausreden! – Lasst uns alle herbeikommen! „Wer Gott anhangt und Ihn liebt, der komme und erfreue sich an diesem schönen, hellstrahlenden Fest. Wer ein dankbarer Knecht ist, trete mit Freude ein in die Freude des Herrn“ (aus der Katechetischen Rede des Hl. Johannes Chrysostomos). Erfinden wir keine Ausreden!

 

Quelle: Father George C. Massouras in www.goarch.org/en/resources/sermons.

 

 

Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn 

 

Unter den Gleichnissen des Herrn, ist das vom Verlorenen Sohn, das dritte im 15. Kapitel des Lukas-Evangeliums, vielleicht das am besten bekannte. Es ist die Perikope für den zweiten Sonntag der Periode des Triodions, dem Buch für die Gottesdienste der Großen Fastenzeit, und seine Botschaft ist das eine Thema der Fastenzeit: wenn eines von Gottes Kindern Ihn wegen etwas oder wegen einem anderen verlässt, Gott wird es, gleichgültig wie weit es sich verirrt hat, wenn es reuevoll zurückkehrt, mit offenen Armen aufnehmen.

 

Hymnen und Verse meditieren über die Evangeliumslesung vom Sonntag des Verlorenen Sohns und heben Punkte hervor, die sich jeder orthodoxe Christ zu Herzen nehmen muss. In fast jeder Zeile der liturgischen Texte werden die Ausdrücke seines Bewusstseins gesündigt zu haben, seine Entscheidung zum Vater zurückzukehren und die Gesinnung mit der er zurückkehrt, in den Mund des Beters gelegt. Dadurch identifizieren wir uns selbst mit dem Sohn, der irrt, und erkennen an, dass auch wir auf unsere Art unsere Gaben verschleudert und den Schenker zurückgewiesen haben.

 

„Jesus sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.“

 

Der jüngere Sohn glaubt sich der Unabhängigkeit fähig und, wie viele junge Leute, will er sein Heim verlassen und selbstständig leben. Eigenartigerweise sieht er keinen Widerspruch zwischen seinem Wunsch unabhängig von seinem Vater zu sein und der Bitte um sein Erbe. Sogar die neue Art zu leben, die er sich vorstellt, muss er mit Kapital seines Vaters beginnen. Seine Worte verraten seine Egozentrik: „Gib mir das Erbteil, das mir zusteht.“

 

So wie Kindern oft nicht klar ist, wie viel sie ihren Eltern schulden – ihre Geburt, ihre Erziehung, ihre Schulung, ihr Wissen, ihre Gesundheit und viele andere Dinge – so hält auch der Mensch oft nichts von dem, was er Gott schuldet, der ihn durch Seine Vorsehung ins Sein gerufen, ihn mit Ruhm und Ehre gekrönt, mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet hat und ihn erwachsen werden ließ.

 

Der Sohn bittet seinen Vater um das Seinige, ohne zu sehen, dass das Seinige das Geschenk des Vater ist. Menschen nehmen es oft als selbstverständlich an, dass Gott ihnen etwas schuldet. Und, wie der Vater im Gleichnis, der dem Sohn trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit gibt um was er bittet, so gibt auch Gott reichlich denen, die ihn darum bitten, auch wenn der Empfänger das Geschenk missbrauchen könnte.

 

„Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.“

 

Nur an sich selbst und seine Unabhängigkeit denkend, verbringt er die Tage vor seiner Abreise mit den Vorbereitungen für sein neues Leben. Er lässt nichts zurück, er bricht die Gemeinschaft mit seinem Vater ab. Dann reist er nicht zu einem nahegelegenen Ort, sondern weit weg, damit er keine Erinnerung mehr hat an seine Familie oder an die Sorge und Liebe seines Vaters.

 

Der Vater legt ihm nichts in den Weg und zwingt ihn auch nicht seine Dankesschuld anzuerkennen. Er hat ihn alles Notwendige gelehrt und ihm gegeben. Der Sohn ist nun ein Mann und muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Unser himmlischer Vater hat uns gleichermaßen das Wertvollste gegeben, Sein eigenes Abbild und mit ihm den freien Willen. Er zwingt uns nicht Ihn als die Quelle von allem was wir haben anzuerkennen.

 

Ohne dass wir unseren Aufenthaltsort ändern, verlassen wir doch oft Gott in unserem Sinn und Herzen, vergessen Ihn und werden zu undankbaren Kindern. Manche verlassen Seine Kirche, die doch der handfeste Beweis Seiner Sorge ist. Wir entfernen uns, wenn auch nur geistig, von ihr, finden manchmal einen billigen Ersatz, werfen ihre Lehre über Bord und eignen uns einen ganz gottlosen Lebensstil an. Das ist das „ferne Land“ und das „Verschleudern des Vermögens durch ein zügelloses Leben“.

 

„Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.“

 

Der Sohn ist leichtsinnig gewesen; statt seine Gaben zu nutzen, um ein anständiges Leben aufzubauen das seiner Erziehung würdig ist, verschleudert er sie in Genusssucht. Nachdem er alles für eine Illusion des Glücks ausgegeben hat, erwacht er und stellt fest, dass er nichts gewonnen hat. Die „große Hungernot“ beschreibt den Zustand seiner Seele. Geistig und moralisch leer, hat er nicht was ihn erhalten könnte.

 

Er sucht sich eine Art Ersatzvater und dieser „Bürger des Landes“ nimmt ihn tatsächlich auf, aber er schickt ihn auf die Felder zum Schweine hüten, zweifellos eine der kläglichsten Aufgaben auf einem Bauernhof. Wie hart ist der Kontrast dieses Bildes mit der Beziehung, die er mit seinem ihn liebenden Vater hatte! Die Leere und Sinnlosigkeit seines Lebens ergeben sich aus der Erklärung, dass er gerne seinen Bauch mit den Schoten gefüllt hätte, die er den Schweinen verfütterte. Jeder Versuch sein wirkliches Bedürfnis zu stillen, lassen ihn unerfüllt zurück. Niemand kann ersetzen, was er verloren hat.

 

„Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufstehen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann stand er auf und ging zu seinem Vater.“ 

 

 

Als er den Tiefpunkt der Leere erreicht, erkennt der Sohn, dass er nichts außer seinem Vater hat. „Da ging er in sich“: Das ist der Beginn der Reue. Sich von der wahren Heimat und von seines Vaters Liebe zu entfernen war eine Verrücktheit. Er musste die Folgen erleiden, um seine Vernunft wieder zu erlangen. Der verlorene Sohn erlebt von neuem den „Sündenfall“. Unsere ersten Eltern suchten Sinn und Zweck des Lebens ohne Gott und sie gehorchten ihm nicht; das ist seitdem die Sünde der Menschheit gewesen.

 

Der Sohn erinnert sich daran, dass sogar die, die nicht zum Haushalt des Vaters gehören und dort nur ihren Lebensunterhalt verdienen, mehr als er haben. Dass er in solchen Kategorien denkt macht seine Reue nicht kleiner. Das Eingeständnis seiner Schuld, das er sogar vor seiner Rückkehr in seinem Herzen trägt, beweist seine Ernsthaftigkeit. Der Vater weiß natürlich um das Fehlen seines Sohnes, aber er wartet darauf, dass der Sohn es selbst zugibt. Nun also sagt der Sohn: „Ich will aufstehen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.“ Der Hl. Paulus sagt dazu: „Wer ... mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen“ (Röm 10,10). Vielleicht erinnerte sich der Sohn an das Sprichwort, das besagt: „Ein rechter Mann beschuldigt sich selbst zu Beginn seiner Rede“(Sprüche 18,17 LXX). Wir müssen das Eingeständnis des Sohnes zu unserem eigenen machen, denn in unserem Ungehorsam haben wir gegen unseren himmlischen Vater und unsere wahre Heimat, die Kirche, gesündigt. 

 

„Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.“

 

Dies ist der Geist wahrer Demut, die Frucht ernsthafter Reue: die Erkenntnis, dass man keine Vergebung verdient. Um Vergebung zu erlangen ist der Sohn gewillt seine Stellung im Haushalt aufzugeben und zum Knecht zu werden. „Viel lieber will ich der Geringste im Hause meines Gottes sein, als wohnen in den Hütten der Sünder“ (Psalm 83:11 LXX).

 

„Ich will aufstehen“, sagt er. „Dann stand er auf“. Diese beiden Aussagen machen uns klar, dass er auf ein Niveau gesunken war, so tief, dass der erste Schritt in der Ausführung seines Vorhabens war aufzustehen, sich aus dem Sumpf zu erheben, und dem Leben, das ihm nur eine Illusion von Glück und Erfüllung gegeben hatte, den Rücken zu kehren. „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein“ (Epheser 5:14). Dieser Vers des Hl. Paulus beschreibt sowohl die Bekehrung jener, die Gott nicht zum Vater hatten, wie auch die Wiederbekehrung jener, die vom rechten Wege abgewichen waren. Beide waren spirituell schlafend oder tot.

 

"Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.“(20-24).

 

Der Herr, der in die Tiefe unseres Herzens blickt, sieht, dass wir zu Ihm kommen wollen und wartet nicht, sondern eilt uns entgegen. Er bekleidet unsere spirituelle Nacktheit; Er besiegelt unseren ernsten Wunsch sich mit Ihm wieder zu vereinigen mit einem Ring wahrer Sohnschaft; Er bereitet uns darauf vor, in Übereinstimmung mit dem Evangelium zu gehen (Epheser 6:15: und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen); Er gibt uns die Nahrung, die wir brauchen.

 

Der Empfang des Sohnes zeigt die Natur der Gerechtigkeit Gottes auf. Er vergibt die Sünden jener, die bereuen und wirft ihnen ihre Vergangenheit nicht vor. „Denn ich verzeihe ihnen ihre Schuld, und an ihre Sünden denke ich nicht mehr“ (Hebräer 8:12). Das wurde in Beziehung auf Israel gesagt, aber es gilt genau so für uns, die wir das Neue Israel sind.

 

Die Pharisäer dagegen, die ihrer eigenen Gerechtigkeit folgten, dachten, dass die Gunst Gottes von den Leistungen und gerechten Taten nach dem Gesetz abhängt. Der ältere Sohn reagiert auf den Empfang des verlorenen Sohns durch den Vater wie die Pharisäer es, ihrer menschlichen Vorstellung von Gerechtigkeit folgend, vielleicht getan hätten. Er, wie sie, verstanden nicht die Liebe des Vaters.

 

 

Als er erfuhr, was geschehen war, „wurde er zornig und wollte nicht hineingehen“. Und in seiner Antwort an den Vater, zeigt er sich voller Selbstgerechtigkeit: „So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte“ (28-29). Obwohl er bei seinem Vater geblieben war, ist seine Beziehung zu ihm nicht sehr unterschiedlich von der des jüngeren Sohnes.

 

Die Pharisäer missbilligten, dass der Herr reuige Zöllner und Dirnen empfing; das auserwählte Volk, die Hebräer, missbilligten, dass Gott den Bund auf die Heiden ausdehnte. Heutige Christen könnten ähnlicher Sünden schuldig sein. Schauen einige in unserer Kirche missbilligend oder misstrauisch auf Neue oder Konvertiten? Schauen einige ungnädig auf die Aufnahme von Menschen, die nicht ihrem kleinlichen Standard von Rechtschaffenheit oder Ehrbarkeit genügen? Zucken einige zurück bei der Aufnahme von Leuten, die nicht zu unserer sozialen Schicht gehören?

 

Der Hl. Kyrill von Alexandrien schreibt: „Wie Pharisäer und Schriftgelehrte ob der Sanftmut und Menschenliebe Christi aufschrieen: ‚Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?’ (Mt 9,11) und boshaft und ruchlos ihn beschuldigten, dass er Menschen einlade und lehre, deren Lebensführung unrein war, da legte Er ihnen notwendigerweise das jetzige Gleichnis vor, um ihnen klar aufzuzeigen, dass der Gott Aller sogar von dem, der fest und standhaft ist und weiß wie man ein heiliges Leben führt und der höchstes Lob für die Nüchternheit seines Betragens erzielt hat und ernsthaft Seinem Willen folgt, dann, wenn jemand zu Reue und Buße gerufen wird, sogar wenn er sehr tadelnswert ist, verlange eher Freude und nicht Ärger darüber zu empfinden.“ (Homilien über das Lukasevangelium). 

 

Quelle: Archbishop Dmitri, The Parables, Crestwood N.Y. 1996

 

 

Über das Wort Gottes-

Das Gleichnis vom Sämann 

 

Obwohl der Herr schon vorher gleichnishafte Bilder für Seine Lehren verwendet hat, wie jenes am Ende der Bergpredigt (Matthäus 7:24-27), nennt man doch gewöhnlich das Gleichnis vom Sämann Sein Erstes. Es erscheint in allen synoptischen Evangelien (Matthäus 13:3-13; Markus 4:1-20 und Lukas 8:4-15). Die lukanische Version steht im Lektionar als Evangelium für den 4. Lukas-Sonntag. Der Grund, warum der Herr diese bestimmte Art zu Lehren benutzt, findet sich in allen drei Versionen, aber Seine Erklärung bei Matthäus ist detaillierter und erinnert an die Prophezeiung des Jesaias (6:9 f.), daß das auserwählte Volk nicht vorbereitet sei, Seine Lehren zu hören. 

 

Das Gleichnis vom Sämann ist sicher unter den bekanntesten. Hier folgt die Version des heiligen Evangelisten Lukas 8:4-15: 

 

"Als die Leute aus allen Städten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzählte er ihnen dieses Gleichnis: Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen, und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!"

 

Dann erklärt der Herr den Jüngern die Bedeutung Seiner Gleichnisse: 

 

"Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen."

 

 

Und fährt dann mit der Deutung dieses Gleichnisses fort: 

 

"Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeitlang glauben sie, doch in der Zeit der Prüfung werden sie abtrünnig. Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen. "

 

 

Die Erklärung des Herrn ist leicht zu verstehen und es braucht eigentlich keiner weiteren Erklärung. Andererseits ist sie in jeder Generation so weiterentwickelt worden, daß sie direkt auf die jeweiligen Zeitgenossen anwendbar war. Das ist gewiss nicht falsch, denn jede Generation hat seinen eigenen geistigen “Wegrand, Felsen und Dornen”. Jedoch brauchen wir uns gar nicht so sehr auf unsere eigenen Fähigkeiten zur Interpretation verlassen, denn wir haben einen Reichtum an Erklärung und Auslegung bei den heiligen Vätern. Mit ihrer, ihnen von Gott gegebenen Einsicht in den Sinn der Heiligen Schrift haben sie nicht nur viele Fragen, die sich zu den Lehren des Herrn ergeben vorausgeahnt und beantwortet, sondern sie haben uns auch auf die wichtigen Stellen in den Prophezeiungen und in anderen Büchern der Bibel aufmerksam gemacht. 

 

Der Heilige Kyrill von Alexandrien schreibt über die drei Arten von Menschen, die durch die drei Arten von Boden dargestellt werden, auf die der Same des Wortes fiel. Zu der ersten Art sagt er: “Kein heiliges oder göttliches Wort wird einkehren bei denen, die ein hartes und unnachgiebiges Herz haben, denn nur durch die Hilfe eines solche Wortes kann die erfreuliche Frucht der Tugend wachsen. Menschen solcher Art sind wie Wege, die von unreinen Geistern beschritten werden und vom Satan selbst, und sie werden nie heilige Frucht hervorbringen, denn ihre Herzen sind dürr und treulos.” (Kommentar zum Lukas-Evangelium, Homilie 41)

 

Die zweite Art hat “eine Religion ohne Wurzel ...Wenn diese Art Menschen aus der Kirche kommen vergessen sie sofort die heilige Lehre, die sie dort gehört haben. Solange Christen in Frieden gelassen werden, werden sie an ihrem Glauben festhalten, aber sobald eine Verfolgung droht sind sie bereit zu fliehen um Sicherheit zu suchen.”

 

Dieser heilige Vater beschwört uns zum Schluss, die zarten Triebe des Glaubens und Vertrauens, sobald sie aus dem Humus unseres Herzens und Verstandes sprießen, nicht durch die Sorgen der Welt zu ersticken. Wir dürfen uns nicht davon täuschen lassen und meinen, Dornen und neue Triebe könnten friedlich nebeneinander leben. 

 

 

Der Heilige Johannes Chrysostomos verjagt jeden Zweifel, wenn er die drei Grundelemente des Gleichnisses festlegt: “Unter dem Samen versteht Er nämlich Seine Lehren, unter dem Feld aber die Seelen der Menschen; der Sämann ist Er Selbst.” (Zu Matthäus, Homilie 44) 

 

Er beantwortet auch die Frage, warum der göttliche Sämann Seinen Samen auch dort sät, wo er keine Frucht bringt: “Wie nämlich der Sämann keinen Unterschied macht unter dem Saatgrund, sondern einfach unterschiedslos den Samen ausstreut, so macht auch Jesus keinen Unterschied zwischen Reich und Arm, Gebildeten und Ungebildeten, Lauen und Eifrigen, Mannhaften und Feigen, sondern sprach zu allen.”  

 

Obwohl, wie der Herr den Jüngern sagt, es viele geben wird, die Gottes Wort nicht empfangen oder die es wieder verlieren, dürfen sie nicht zögern es allen zu bringen. Für einen gewöhnlichen Bauern wäre solch wahlloses „Säen” wohl sinnlos, denn, um noch einmal mit dem Hl. Johannes Chrysostomos zu reden, “ein Felsen wird ja doch nicht zum Erdreich werden und die Straße muss Stra- ße bleiben, so gut wie die Dornen: Dornen. Auf geistigem Gebiet dagegen ist es nicht so. Da kann ein Felsen umgewandelt und zu fruchtbarem Erdreich gemacht werden, und ein Weg kann dem Gebrauch entzogen werden und nicht mehr jedem Vorübergehenden zugänglich sein und dafür zum fetten Ackerland werden; und die Dornen können beseitigt werden, damit der Same ruhig drauf gedeihe. Wäre das nicht möglich, so würde auch der Herr nicht säen.”

 

In anderen Worten, jeder Mensch kann bekehrt werden. 

 

Und so können wir eine wertvolle Lehre aus dem Gleichnis unseres Herrn ziehen: Es geziemt sich nicht dem, der Bote Gottes sein könnte, selbst zu entscheiden, wem er das Wort Gottes bringt oder vorenthält, wen er als zu hartherzig oder in Sünde verstrickt beurteilt, als zu leichtfertig oder unstet, zu beschäftigt mit anderen Dingen oder zu versunken in Vergnügen und Luxus. Das Evangelium ist für jeden und die Evangelien und die Geschichte des Christentums bieten viele Beispiele der Bekehrung aller drei Arten von Menschen. Es obliegt uns allen, die wir versuchen Christus zu folgen, den Boden unserer Seele zu jäten; denen zu widerstehen, die unseren Glauben verurteilen oder lä- cherlich machen; die Erfahrung der Heiligen Ernst zu nehmen, die uns Vorbild sind in der Vertiefung unseres Glaubens durch Gebet, Fasten und gute Werke; und überzeugt zu sein, daß es unmöglich ist ein Doppelleben im Dienst an Gott und an den Götzen dieser Welt zu führen. Dann können auch wir als Menschen bezeichnet werden, die Frucht bringen. 

 

Quelle: Erzbischof Dmitri (Orthodox Church in Ameica:

The Parables, Biblical, Patristic and Liturgical Interpretation, New York 1996.

 

 

Der Sämann 

 

Das Gleichnis vom Sämann aus der Evangeliumsperikope vom 4. Lukas-Sonntag (Lk 8,5-15), ist wahrscheinlich das bekannteste aus den Evangelien. Aber dieses Gleichnis ist vielleicht besser in seinen negativen Aspekten bekannt (in den Beispielen des Samens, der keine Frucht bringt) als in seinen positiven. Natürlich wissen wir, dass der Same wächst, wenn er auf „guten Boden“ fällt, aber wir sehen wohl nicht so recht die Bedingung für sein Keimen, die im Evangelium genannt werden. 

 

Jesus erklärt seinen Jüngern – Er sprach hier nicht zu einer Volksmenge – dass der Samen das Wort Gottes ist. Der Sä- mann, d.h. Gott oder Gottessohn, sät den Samen. Manchmal fällt der Samen auf den Weg, die Vorübergehenden treten darauf und die Vögel picken ihn auf. Diejenigen, bei denen er auf den Weg gefallen ist, haben das Wort zwar gehört, aber der Teufel kommt und reißt es ihnen wieder aus dem Herzen. Manchmal fällt der Samen auf einen Felsen und weil er dort kein Wasser bekommt, trocknet er aus und verdorrt. Diejenigen, die das Wort zwar freudig aufnehmen, aber keine Wurzeln haben, verlieren was sie empfangen haben, wenn sie in Versuchung kommen. Manchmal fällt das Wort zwischen die Dornen und die Dornen ersticken es. So ersticken auch weltliche Sorgen, Reichtum und Vergnügungen das Wort, das doch schon begonnen hatte Wurzeln zu schlagen. Und manchmal fällt das Wort auf „guten Boden“ und bringt hundertfache Frucht. Das sind diejenigen, „die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören und daran festhalten“

 

Es genügt nicht, dass das Wort „auf guten Boden“ fällt. Die Gründe warum der Samen in den anderen Beispielen keine Frucht bringt, zeigen uns die Bedingungen, die für ein wahrhaft spirituelles Leben nötig sind. Wir dürfen nicht am Weg bei den Vorübergehenden stehen bleiben. Bis zu einem gewissen Maße ist ein Rückzug von der Welt nötig, Stille, innere Einkehr (das Ausmaß ist zwar individuell unterschiedlich, aber in jedem Falle ohne Ausnahme notwendig), die beschützt, was göttlich gesät wurde. Der Boden, auf den der Samen fällt, muss feucht sein, er muss oft und regelmäßig begossen werden; das heißt dass wir dauernd und regelmäßig zum Gebet und zu anderen Quellen der Gnade Zuflucht nehmen müssen, ohne uns auf Gefühlsmomente oder eine ‚Inspiration’ zu verlassen. Wir dürfen uns nicht einfach weigern ein festes Raster in unserem Leben zu haben, wie feste Tagesabläufe oder gewisse Lebensregeln: diese sind vielleicht ein nutzloses Hindernis für den freien Flug des Adlers, aber meistens sind sie ein Hilfe für die Kinder und die Krüppel, die wir sind. Wir dürfen den Dornen, d.h. den Reizen und Zerstreuungen dieser Welt nicht erlauben, das Wort zu ersticken: das sind nicht sträfliche Leidenschaften oder weltliche Reichtümer oder übertriebener Ehrgeiz; oft behindern Vergnügungen, die an sich nicht notwendigerweise schädlich sind (Reisen, Partys, Theater, Romane usw.) eine innige Beziehung zwischen Gott und uns. Der „gute Boden“ ist eine Mischung aus natürlichen Gaben und der Gnade (und die Gnade kann auch natürliche Mängel ausgleichen). Aber, auch wenn „guter Boden“ da ist, ist doch kein geistliches Leben möglich ohne tägliche und geduldige Anstrengung, ohne gewisse Dinge zu unterdrücken, ohne eine gewisse Regelmäßigkeit und Stabilität sowohl im weltlichen wie im geistlichen Leben (die „Wurzeln“), ohne innere Einkehr und Gewissenserforschung (diese Ausdrücke sind zwar modern, aber die Wüstenväter haben das alles schon gemacht). Kurz gesagt, der Same des Wortes kann in uns nicht wachsen und gedeihen ohne eine gewisse Askese. Askese ist nicht in Mode: die Leute reden lieber über Spiritualität. Aber es gibt kein wahrhaft spirituelles Leben ohne ein asketisches Fundament: Das Wort Gottes wird nicht Besitz von unserer Seele ergreifen, wenn wir nicht den Boden bearbeitet und die Dornen zurück geschnitten haben.

 

Unser Herr sagt zu den Jüngern, dass Er in Gleichnissen redet, denn andere „sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen“. Diese Worte sind nicht unbedingt als Zurückweisung oder endgültige Verdammung derer zu verstehen, denen es nicht gegeben ist, „die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen“. Im Gegenteil, unser Herr hat Mitleid mit denen, die noch nicht bereit sind, seine Lehre freudig aufzunehmen. Deshalb lehrt er in Gleichnissen, gleichsam verschleiert. Die Seelen, die bereit sind zu hören – und zu hören wünschen – werden die geheimnisvolle Bedeutung der Gleichnisse verstehen. Die anderen werden sie nur nach dem Buchstaben hören und nicht verstehen. Dass Er diese damit im Dunkeln lässt, erspart ihnen die Sünde der bewussten Zurückweisung der göttlichen Botschaft. Aber sie sind nicht von der Aussage der Botschaft ausgeschlossen. Denn durch ihre eindruckvolle Erzählung, ihre lebhaften Bilder wird das Gleichnis einen bleibenden Eindruck auch auf die machen, die sie nicht verstehen; sie wird in ihrem Gedächtnis haften bleiben und vielleicht kommt der Tag, wenn auch sie bereit sein werden zu verstehen und wenn unter dem Eindruck der Worte, an die sie sich erinnern, ihnen der Geist der Botschaft klar wird. 

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church:

The Year of Grace,

A Spiritual and Liturgical Commentary

on the Calendar of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992.