Orthodoxe Perspektive-                                               Ein Magazin zur Förderung des Glaubenswissens orthodoxer Christen

 

 

 

Predigt zum Hochfest der Himmelfahrt des Herrn

 

(Apostelgeschichte 1:1-12;  Lukas 24: 36-53)

 

 

Erzpriester Michail Rahr, Weimar

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

mit dem gestrigen Tag endete die Zeit der österlichen Freude, da wir letztmals das "Christus ist auferstanden!" sangen. An diesem Tag erinnerten wir uns noch einmal an die Auferstehungsfreude vor vierzig Tagen, verbunden mit dem sehnlichen Wunsch, diese österliche Freude während des ganzen Jahres im Herzen zu bewahren. Aber jetzt ist diese Freude erst einmal vorbei, oder? - Weit gefehlt! So wie die Jünger mit großer Freude vom Ölberg wieder nach Jerusalem zurückkehrten (s. Lk. 24:52), so dürfen auch wir weiter in der Freude fortfahren. Die Auferstehung Christi bedeutete den Sieg über den Tod, die Wiedererlangung des Paradieses für uns Menschen. Da wir aber durch den vom Vater entsandten Gottmenschen Jesus Christus errettet worden sind, und Dieser bei Seiner Himmelfahrt wieder zum Vater, von wo Er gekommen war, emporgehoben wurde, hat sich für alle auf Christus Getauften das Tor zum Himmelreich geöffnet. Die Auffahrt in den Himmel eröffnete somit uns Menschen das himmlische Paradies. Allerdings muss der Mensch gewisse Anforderungen erfüllen, um dessen Wonne als würdig erachtet zu werden.

 

 

Wer darf hinaufsteigen zum Berg des Herrn,

 

und wer darf stehen an Seinem heiligem Ort?

 

Wer schuldlos an Händen und rein im Herzen,

 

wer seine Seele nicht vergeblich empfing

 

und nicht betrügerisch schwor seinem Nächsten.

 

Der wird Segen empfangen vom Herrn

 

und Barmherzigkeit von Gott, seinem Retter.

 

Das ist die Art von denen, die den Herrn suchen,

 

die da suchen das Antlitz des Gottes Jakobs

 

Psalm 23:3-6

 

"Schuldlos an Händen" und "rein im Herzen" - auf wen trifft das zu? - Nur auf unseren Erlöser, Der uns ebenfalls durch Sein Blut gereinigt hat. Ohne die Einswerdung mit Ihm in Seinem Leib hätte jeder von uns "seine Seele vergeblich" empfangen. Welch eine schaurige Vorstellung das doch ist.

 

Und was hat es mit dem "betrügerischen Schwören" auf sich? - Das sollte jeder für sich selbst herausfinden, der "Segen vom Herrn und Barmherzigkeit von Gott, seinem Retter, empfangen" will.

 

Erfüllt der Mensch seinen Teil, "sucht er das Antlitz Gottes", wird auch Gott nicht säumen. Jede himmlische Macht beugt sich Seinem Ratschluss.

 

 

Hebt hoch eure Tore, ihr Herrscher,

 

und hebt euch, ihr ewigen Tore,

 

und einziehen wird der König der Herrlichkeit.

 

Wer ist der König der Herrlichkeit?

 

Der Herr, stark und mächtig,

 

der Herr, mächtig im Kampf.

 

Hebt hoch eure Tore, ihr Herrscher,

 

und hebt euch, ihr ewigen Tore,

 

und einziehen wird der König der Herrlichkeit.

 

Wer ist der König der Herrlichkeit?

 

Der Herr der Mächte, Er ist der König der Herrlichkeit.

 

Psalm 23:7-10

 

Die freudige Botschaft des heutigen Tages lautet: das Tor zum Paradies ist wieder geöffnet. Dieses Paradies ist jetzt sogar ein noch unvergleichlich besseres, "denn so hoch der Himmel ist über der Erde, so mächtig ist das Erbarmen des Herrn über denen, die Ihn fürchten" (Psalm 102:10).

 

Ostern ist zweifelsohne "das Fest der Feste, der Feiertag der Feiertage" (siehe Osterkanon). Aber das macht die anderen Hochfeste nicht zu zweitrangigen Veranstaltungen, denn alles hängt heilsgeschichtlich miteinander zusammen. In der Vecernja sangen wir gestern:

 

Deine Auffahrt auf den heiligen Bergen erblickend, Christe, Du Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, besingen wir die helllichte Erscheinung Deiner Hypostase, verehren wir Deine Leiden und verherrlichen Deine Auferstehung im Lobpreis Deiner Himmelfahrt; erbarme Dich unser.

 

Versgesang zu "Herr, ich rufe zu Dir"

 

Die Himmelfahrt Christi und die Wiedererlangung der göttlichen Gemeinschaft durch uns Menschen wären ohne das Leiden, den Tod und die Auferstehung Christi nicht möglich gewesen. Ferner wäre die Herabsendung des Heiligen Geistes und die Gründung der Kirche ohne die Auffahrt Christi in den Himmel nicht möglich gewesen (siehe Johannes 16:17). Selbst die Auferstehung und alles, was durch sie möglich wurde, hätte nicht ohne die Geburt der Gottesgebärerin, die Menschwerdung Gottes oder die Taufe Christi stattfinden können. Somit ist Ostern in der Tat "das Fest der Feste", da es alle anderen Feste bedingt und alle miteinander in sich beinhaltet. Somit ist auch der heutige Tag ein Freudentag, da er die Erfüllung und Weiterführung der Auferstehung Christi ist:

 

Herr, indem Du das Mysterium der Vorsehung vollendetest, nahmst Du Deine Jünger auf den Ölberg, wurdest entrückt und durchdrangest das Himmelsgewölbe, Der Du Dich um meinetwillen zu meiner Armseligkeit entäußert hattest, und stiegest dorthin empor, von wo Du Dich nie entfernt hattest; so schicke auch Deinen Allheiligen Geist herab, Der unsere Seelen erleuchtet.

 

Versgesang zu "Herr, ich rufe zu Dir"

 

Erstaunlich, was in so kurzen liturgischen Verszeilen alles an heilsgeschichtlichen Wahrheiten ausgedrückt werden kann. Amen.

 

 

Die neue rumänisch-orthodoxe Kirche steht nicht in den Karpaten - sondern im oberbayerischen Traunreut. Das nach alter Tradition komplett aus Eichen- und Fichtenholz errichtete Gotteshaus der rumänisch-orthodoxen Gemeinde ist am Donnerstag eingeweiht worden. Der Metropolit und Erzbischof der rumänisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Österreich, Zentral- und Nordeuropa, Serafim Joantà aus Nürnberg, übergab es seiner Bestimmung...

 

Ein Blick in eine andere Welt

  

Interview mit ein Ikonenmaler aus Donezk, der in Ingolstadt Ikonen für orthodoxe und katholische Christen malt.

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Er trägt einen dunklen Wollpullover. Ein blonder Bart und zu einem Zopf zurückgenommenes Haar umrahmen sein freundliches Gesicht. Ruhig blicken seine grauen Augen zu mit herüber. Wasilij mustert eine kurzen Augenblick lang bestimmt und freundlich seinen Gast. Will sein scheues Lächeln die Traurigkeit in seinem fragenden Blick vor mit verbergen? Vasilij Romanjuk ist zweiundvierzig Jahre alt. Über ein Jahr  ist er schon hier – in Deutschland; im bayrischen Ingolstadt. Seitdem hat er seine Frau und seine zwei kleinen Söhne nicht mehr gesehen. Sie leben noch immer in Donezk, ganz in der Nähe des kleinen Dorfes im Osten der Ukraine, das einmal ihre gemeinsame Heimat gewesen ist.

 

Zwischen März und April 2014 waren sie plötzlich aufgetaucht. Bewaffnete Männer – sogenannte „Freiheitskämpfer“. Die Milizionäre, übernahmen schrittweise, aber konsequent die Macht im ganzen Donbass. Keine der Dorfbewohner, weder die Unterstützer noch die Gegner der Seperatisten hatte eine echte Wahl. Die neuen Machthaber im Donbass wurden massiv aus Russland unterstützt. Von dorther kamen die Waffen der Militionäre und ebenso Soldaten ohne Hoheitsabzeichen. Sie übernahmen das Sagen in diesem Industriegebiet im Südosten der Ukraine; in der selbsternannten„Volksrepublik Donezk und Lugansk“. Mit ihnen zugleich kamen  Gewalt und Krieg in den Südosten der Ukraine. Granaten und Raketen zerstörten danach fast alle Häuser im Dorf. Doch die Menschen hielten weiter im Ort aus, denn der Donbass war doch noch immer ihre Heimat.

 

 

Jetzt kämpfen sie hier, verbissen ineinander in einem Stellungskrieg: die ukrainische Armee gegen die Milizen der Seperatisten. Es geht wie immer im Krieg um ganz hohe Politik: um Selbstbestimmung und Unabhängigkeit auf der Seite der pro-russischen Seperatisten; um die innere und äußere Souveränität des jungen Staates Ukraine und die Verhinderung weiterer Territorialverluste auf der anderen Seite.

 

Im Februar 2014 waren sie bereits überraschend auf der Halbinsel Krim aufgetaucht. Russische bewaffnete Einheiten, ohne Hohheitsabzeichen an ihren offensichtlich russisch geschnittenen  Uniformen. Sie hatten die bis dahin zur Ukraine gehörende Halbinsel militärisch besetzt und Parlament und Regierung der Autonomen Republik am Schwarzen Meer übernommen. Am 17. März 2014 fand dann ein im Westen als fragwürdig qualifiziertes Referendum statt. Eine  Mehrheit der Krimbevölkerung sprach sich dabei für den Anschluss an die Russländische Förderation aus. In wieweit sich hier der Wille der Bevölkerung ausdrückte? Wer weiß es wirklich. Denn Gewalt und Angst sind keine guten Rahmenbedingungen für eine freie Entscheidung.

 

Wenige Tage später wurde die Krim dann mit einem Festakt im Kreml, bei dem Putin seine Sicht der Dinge vortrug, heim nach Mutterchen Russland geholt. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg annektierte damit ein europäischer Staat wieder Territorien, die zu einem Nachbarland gehörten. Es war ein eindeutiger und eklatanter Bruch des Völkerrechts, sowie mehrerer bilateraler und internationaler Abkommen, mit denen auch Russland die territoriale Integrität der Ukraine garantiert hatte. Hierin zeigte sich offen der gewalttätige Freiraum der Mächtigen. Und dann begann es: Tataren und Ukrainer begannen von der Krim zu fliehen. Sie verließen ihre Heimat und gingen zuerst in den Westen des Landes und dann auch nach Westeuropa. Flüchtlinge und Entwurzelte, denen von den Mächtigen die Freiheit zu einem selbstbestimmten Leben genommen wurde. Wer sich auf der Krim nicht zu den neuen Machtverhältnissen bekannte, musste am Ende gehen. Freiraum gab es dort nur noch für die Anhänger der russischen Option.

 

 

Und jetzt waren Gewalt und Zerstörung auch nach Zahoriv, den kleinen Dorf im Donbass gekommen. Granaten und Raketen hatten die Früchte Jahrzehnte langer Arbeit zu grauem Staub zerbomt. werden. Sie hatten die Kastanien und Pappeln entlang der Dorfstrasse zu Splittern zerrissen, die in diesem Früjahr bereits zartes hoffnungsvolles Grün angesetzt hatten. Und unter dem Raketen- und Granatenbeschuss waren auch die weißgetünchten Bauernhäuser des Dorfes zu grauen Staub zermahlen worden. Tagtäglich fiel die Zerstörung nun in das kleine Dorf im Osten der Ukraine ein, während die Menschen in ihren Kellern stoisch auf das Ende des Bombardement harrten. Am Ende war Vasilij dann gegangen, nachdem er seine Frau und Kinder vorher noch aus ihrer zu Lehmstaub gewordenen Heimat zu seinen Schwiegereltern nach Donezk gebracht hatte. „Manchmal ist es auch dort gefährlich“, erklärt mir Wassilij mit erstaunlicher Ruhe in seiner Stimme. Sein Deutsch ist dafür, dass er erst so kurze Zeit bei uns ist, schon recht passabel. Bei den komplizierteren Antworten helfen wir uns beide, indem wir russisch miteinander sprechen: Er, der russischsprachige Ukrainer aus dem Osten der Ukraine und ich der in Deutschland beheimatete, dessen Vater Ukrainer und dessen Mutter Russin ist.

 

Natürlich macht er sich Sorgen. Als er das Foto von seiner Frau mit dem fünf und drei Jahre alten Söhne auf dem Display seines Smartphones zeigt, verstummt kurz sein ruhiger anhaltender Redefluss. Er muss schlucken. Ehe er die Bilder der Familie aus der Datei aufgerufen hatte, habe ich das Hintergrundbild des Displays sehen können: Ees ist eine Ikone der Gottesmutter von Potschaew. Still lächelt die Allheilige hinter den Icons auf dem Display hervor. Vasilij ist orthodoxer Christ; ein Gläubiger mit einer besonderen Gabe, denn Vasilij ist ein orthodoxer Ikonenmaler. Er malt – im orthodoxen Kontext spricht man lieben von „schreiben“ – Ikonen im strengen nordrussischen Stil. Auf seinen Christus- und Mariendarstellungen, aud seinen Heiligenbildern in byzantinischer Formensprache herrschen eher die Erdfarben vor. In Ocker und Braun, in Grün und Rot stellt Vasilij das Antlitz Christi und seiner Heiligen nach dem strengen Regelkanon der orthodoxen Kirche dar.  Gold verwende er nur für den Nimbus, die Heiligenscheine. Sie deuten in der Ikonenmalerei auf die himmlische Sphäre, die Gegenwart Gottes,  hin. Vasilij arbeitet für orthodoxe Christen, Ukrainer wie Russen gleichermaßen, aber auch für Katholiken. „Ich schreibe mit jeder Ikonen einen geistlichen Brief im Auftrag Gottes. Die Arbeit und das Werk sind ein Gebet“, erklärt mir der Ikonenmaler.

 

 

Hinter uns in einer Ecke des Zimmers in der kleinen Einzimmerwohnung in Ingolstadt leuchten golden die orthodoxen Heiligenbilder. Davor glimmt still der Docht im rubinroten Glas einer Ewig-Licht-Ampel. Vasilij fertigt nicht nur die heiligen Ikonen, die die orthodoxen Gläubigen als Fenster zum Himmel verstehen. Auch in seinem Leben ist Gott, die Gottesmutter, die Engel und Heiligen den Menschen durch sie ganz nah, ja fast physisch präsent. Die Ikonen sind gemalte Gebete. Heilige Briefe von Gott an die sie betrachtenden Menschen, deren Absender für den Ikonenmaler Vasilij immer allein Gott selbst ist. Es ist nur seine Hand, die Gott beim Verfassen seiner Botschaft an die Menschen unterstützt. Der Ikonenmaler lächelt und fragt mich dann leise: „Wer bin den ich sündiger Mensch, um entscheiden zu wollen, an wen Gott seine Erlösungsbotschaft richten darf?“

 

Vasilij fasst die theologischen Kerngedanken, die mit den heiligen Ikonen in der orthodoxen Kirche verbunden sind, in einem kleinen Monolog für uns zusammen: „Die Ikonen repräsentieren die christlichen Glaubenswahrheiten und vergegenwärtigen sie. Nicht die heiligen Ikonen an sich werden verehrt, sondern durch die Ikone hindurch wird die so dargestellte und erfahrbare Glaubenswahrheit verehrt. Die eigentliche theologische Begründung hat uns der heilige Johannes von Damaskus gegeben: Sie liegt in der wirklichen Menschwerdung Gottes im Sohn und Logos, der zweiten Person der heiligen Dreieinheit begründet. Durch die Menschenwerdung des Gottessohnes in Jesus Christus ermöglichte Gott selbst die bildliche Darstellung. Das alttestamentliche Bilderverbot wurde also von Gott selbst durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes an Weihnachten durchbrochen. Die Art der Darstellung auf den heiligen Ikonen ist deshalb auch nicht beliebig. Der menschgewordene Gottessohn ist gewissermaßen die Ur-Ikone. Nach dem Glauben der orthodoxen Kirche bildete Christus selbst im Christusbild von Edessa, in der Orthodoxie Mandylion genannt, auf wundersame Weise sein gottmenschliches Antlitz ab. Deshalb bildet das Mandylion den Ausgangspunkt für alle anderen Ikonen-Darstellungen Jesu Christi. Es gilt in der orthodoxen Kirche als das Nicht-von-Menschenhand-gemachtes Bild des Erlösers, das treu wiedergegeben werden muss. So gesehen sind die heiligen Ikonen Vermittler zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den gläubigen Menschen. Die orthodoxen Ikonen sind daher auch keine Kunstwerke, die als Interpretationen der Heilsgeschichte durch einen Künstlers verstanden werden könnten. Der heilige Photios sagt, dass die Kunst der Ikonenmalerei vom Gott inspiriert ist, dass die Hand des Malers vom Himmel her geführt wird und dass alle Wunderwerke, die die Ikonenmaler aller Zeiten erreicht haben, nur eine charismatische Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes sein können. Ihre Themen schöpft die Ikonenmalerei aus dem Alten und Neuen Testament, und dem Leben der Heiligen. Sie wird als ein heiliges Handwerk bezeichnet, weil sie heiligen Personen und heilige Ereignisse darstellt. Deshalb soll die orthodoxe Ikonenmalerei gemäß der kirchlichen Überlieferung die darin enthaltenen Glaubenswahrheit getreu wiedergeben. Die heiligen Ikonen haben im Gegensatz zur abendländischen Sakralkunst keinen illustrativen oder dekorativen Charakter. Sie sind keine katechetische „Biblia Pauperum“. Die tragbaren Ikonen, die Mosaiken, und die Wandmalereien, ja die gesamte Ausstattung einer orthodoxen Kirche, stellen für die orthodoxen Gläubigen viel eher ein gemaltes Evangelienbuch dar. Durch dessen Betrachtung wird der Gläubige geheiligt und so in einen spirituellen Zusammenhang mit der Person des Dargestellten gebracht. Die Ikone ist zwar stumm, aber sie spricht zu den geistlichen Augen des Gläubigen. Der Gläubige kommt in direktem Kontakt mit dem Abgebildeten, er sieht ihn, küsst ihn mit den Lippen, mit den Augen und mit der Seele. So ist die Ikonenmalerei nicht einfach eine Art des künstlerischen Malens. Sie ist und bleibt immer eine heilige und liturgische Kunst. Die Ikonen machen die Heilstaten der Erlösung für die inneren Augen der Gläubigen präsent. Deshalb werden die Ikonen und die in ihnen enthaltenen Glaubenswahrheiten verehrt, indem man sich vor ihnen bekreuzigt, sich verneigt oder sie küsst. Bei aller Verehrung dürfen Ikonen selbst aber nicht angebetet werden, weil die Anbetung nur Gott allein gebührt. In Russland erreichte die Ikonenmalerei ihren geistlichen Höhepunkt in den Arbeiten der Ikonenmaler Theophanes, den Griechen und dem Heiligen Andrej Rubljow im 15. Jahrhundert. Ihrem Vorbild eifere auch ich in aller Bescheidenheit nach.

 

 

Während Vasilij das theologische Denken unserer Kirche mit leiser Stimme für uns entfaltet, untermalen im Hintergrund leise orthodoxe Kirchengesänge von einer CD aus dem Kiewer Höhlenkloster unser Gespräch. Bei Vasilij laufen immer ganz leise als Hintergrundmusik die gesungenen Gebete der orthodoxen Kirche. Nur die menschlichen Stimmen sind dabei zu hören. Die Orgel als Kircheninstrument kennt die orthodoxe Kirche nicht. Vasilij sagt mir, dass die frommen Gesänge seinen Sinn auf das Geistliche orientiert halten. Dies ist notwendig, denn das Schreiben der orthodoxen Ikonen ist kein künstlerischer, sondern ein geistlicher Vorgang. Die Klänge der altslawischen Gesänge, der Kirchensprache in der der russisch-orthodoxen Kirche, klingen leise durch die kleine Wohnung: „Svete Tichij, Svatija Slawij…“ „Mildes Licht heiliger Herrlichkeit…gekommen zum Untergang der Sonne, preisen wir den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, Gott…“. So gemahnen uns die Stimmen von der frommen CD im orthodoxen Abendhymnus.

 

Auf einem niedrigen Hocker unter den Ikonen liegt eine kleine honigfarbene Leinendecke. Darauf liegen ein kleinformatiges Evangelienbüchlein in russischer Sprache und ein orthodoxes Gebetbuch in kirchenslawischer Sprache. Ebenfalls verglimmt auf einem Drahtgestell über einem Teelicht ein großes Körnchen griechischen Kirchenweihrauchs. Der weiße Rauch erhebt sich in sanften Kringeln in die Luft und erfüllt so mit süßem Rosenduft den gesamten kleinen Raum. Wer es bisher noch nicht bemerkt haben sollte: Die Orthodoxie ist eine Religion für alle menschlichen Sinne. Auf der Fensterbank steht ein Bonsai und hinter den geteilten Fensterscheiben erglüht nun rotgolden die bayrische Abendsonne an diesem Frühlingstag, während das rubinrote Leuchten im Glas der Ampel vor den Ikonen in der langsam heraufziehenden Dämmerung  noch deutlicher als bisher schon im dunklerwerdenden Zimmer hervortritt.

 

 

Die wenigen Möbel in der kleinen Einraum-Wohnung sind modern und praktisch. Eine Staffelei und Schraubgläser mit Mineralfarben auf einem kleinen Schreibtisch dominieren den Raum. Eine Auswahl verschiedener Haarpinsel steht in einem dafür umfunktionierten Marmeladenglas. „Die Ikonen werden nicht mit Ölfarben, sondern in Ei-Tempera gemalt. In der russischen Maltradition werden sie mit Wasser verdünnt und in unzähligen Lasurschichten aufgetragen. So entsteht die besondere, sehr sanfte Wirkung der russischen Ikonen. In der griechischen Ikonenmalerei und bei den anderen orthodoxen Balkanvölkern werden weniger Malschichten verwandt und die Wirkung ist deshalb anders: Viel archaischer, asketischer und strenger“, erklärt mir der Ikonenmaler Vasilij.

 

Viel persönliche Habe begleitet Vasilij bisher nicht durch sein Exilantenleben. Aber da sind die Bücher. Sie dominieren den Raum; sie geben ihm einen geistigen Grundton. So erinnert mich Vasilijs kleine Wohnung an das Heim vieler alter nach-revolutionärer russischer Emigranten, die ich in meiner Kindheit und Jugend selbst noch in Deutschland und Frankreich kennenlernen durfte. Um Vasilijs gemalten Lebensmittelpunkt in Form der Ikonen türmen und versammeln sich seine Bücher zu einem lesbaren Kosmos. Meist sind es russische Taschenbuchausgaben; schnell und kostensparend durch simple Leimbindung zusammengehalten. Es gibt bei Vasilij natürlich viele Bücher zu kirchlichen Themen. Orthodoxe Bücher in russischer und ukrainischer Sprache wechseln hier mit Bildbänden und Kleinschriften über verschiedene katholische Wallfahrtsorte in Süddeutschland in deutscher Sprache ab. Auch Ausgaben russischer Schriftsteller, der Klassiker aber auch moderner Autoren, sowie Zeitungen und Zeitschriften füllen die beiden kleinen Kieferholz-Regale des Raums. Darüber hinaus warten weitere Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in im Zimmer locker verteilten Stapeln darauf, gelesen zu werden.

 

 

In zwei kleinen bequemen Sesseln rund um einen niedrigen Couchtisch führen wir unser Gespräch. Auf dem niedrigen Tisch steht wie aus der Zeit gefallen eine mit kunstvollen Intarsien verzierte Holzkiste. „Eine Arbeit der ukrainischen Hozulen. Die wohnen in den waldreichen Karpaten. Deshalb sind sie große Künstler in der Holzverarbeitung. Jede Gegend hat besondere geomentische Muster, mit denen die Holzarbeiten in winterlicher Heimarbeit verziert werden. Das ist genauso wie mit den bestickten Hemden im Westen der Ukraine. Das Kästchen habe ich mal von einer Urlaubsreise dorthin mitgebracht“, erklärt mir Vasilij, als er meinen fragenden Blick in Richtung dieses kleinen hölzernen Schmuckstücks auffängt. In der kleinen Kiste befinden  sich etliche kleine Kärtchen, auf denen kurze Bibelzitate in russischer Sprache gedruckt sind. Außerdem bewahrt Vasilij darin die Photographien seiner bisher von ihm geschriebenen Ikonen auf. „Immer wenn eine meiner geistlichen Kinder in ein neues Zuhause abgeholt wird, bitte ich denjenigen, der sie mitnimmt darum, mir doch eine schöne Photographie zu schicken, auf der ich sehen kann, wie die heilige Ikone nun bei ihrer neuen Familie wohnt“, erklärt mir der Ikonenmaler seine ungewöhnliche kleine Fotosammlung.

 

Neben schönen Holzkistchen liegt einem Stapel orthodoxer kirchlicher Zeitschriften, die im russischen Hiobskloster in München veröffentlich und gedruckt werden. „Die Zeitschrift „Vesnik“ – „Der Bote“ gibt es parallel in einer deutschen und einer russischer Ausgabe“, erklärt mir Vasilij. Je nachdem, welche Sprache seine Besucher verstehen würden, gäbe er ihnen eine deutsche oder russische Ausgabe der Zeitschrift mit auf den Weg. Denn so erklärt er mir mit sanft, aber Nachdruck in seiner Stimme: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“

 

 

Eine schwimmende Chance für den Glauben

 

Entlang der Flüsse Wolga und Don bringen schwimmende Kirchen den Glauben zurück zu dem Menschen

 

Eine Feature von Thomas Zmija v. Gojan

 

Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick, der sich dem Betrachter hier in Wolgograd bietet: Eine goldene Kirchenkuppel mit den russischen Kreuz funkelt im Licht der Sonne und spiegelt sich sanft auf den Fluten von Mütterchen Wolga. Die in das Schiff eingebauten Kirche „Heiliger Apostelgleicher Großfürst Wladimir“ überragt nur knapp das weißgetünchte Führerhaus des eher gedrungenen  Schiffes. Der flache kompakte Bootsrumpf erinnert noch immer daran, dass es einmal als Landungsboot für russische Marineinfanteristen konzipiert worden ist.

 

Nun aber fahren seit ein paar Jahren mit dem ehemaligen Militärfahrzeug orthodoxe Priester und Missionare an den Ufern des russischen Schicksalsstroms entlang. Mit dem Kirchenschiff „Heiliger Wladimir“ kommen sie jetzt zu den Menschen in den entlegenen Dörfern und Städtchen, um Kirche und Glauben zu den Menschen in den Orten entlang des Stroms zurückzubringen.

 

Was der Sowjetkommunismus für den Glauben bedeutete

 

Wie überall in der Sowjetunion endete auch hier entlang der Wolga mit dem kommunistischen Experiment die atheistische Unterdrückung von Glauben und Kirche. Aber in der 70-jährigen Verfolgungszeit ist die christliche Substanz der russischen Kultur fast vollständig vergessen worden. Nicht nur in den Dörfern und Ortschaften entlang der Wolga ist der christliche Glaube zu blossen Privatsache geworden. Der kommunistischen Staatsideologie galt jede Form des religiösen Glaubens als Opium fürs Volk.

 

Die orthodoxe Kirche und ihre Bischöfe, Priester, Mönche und Nonnen, aber ebenso unzählige einfache Gläubige, die ihre Glaubensüberzeugungen nicht opfern wollten, wurden verfolgt. Viele Gläubige sind für ihr Bekenntnis zum orthodoxen Glauben am Ende sogar gestorben. 175.000 orthodoxe Priester wurden während der Sowjetzeit verhaftet. Über 100.000 von ihnen kamen während der Verfolgungen um.

 

Schwimmende Kirchen gab es auf Russlands Flüssen bereits vor der Oktoberrevolution (bild aus der Jahrhundertwende um 1900).
Schwimmende Kirchen gab es auf Russlands Flüssen bereits vor der Oktoberrevolution (bild aus der Jahrhundertwende um 1900).

 

In den 1920-er bis 1930-er Jahren, als sich die atheistische Religionsverfolgungen auf einem ersten Höhepunkt befanden, als der Glaube aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde, die Ikonen aus den Herrgottswinkeln in den Häusern und Wohnungen der Russen herausgerissen wurden, die Jugend sich in den kommunistischen Jugendorganisationen diesseitigen Heilsversprechen zuwandte und sich nur noch die Alten verstohlen zu bekreuzigten wagten, wenn sie an den zu Kinos, Klubs oder Getreidespeichern umgewandelten Kirchen vorübergingen, schien der orthodoxe Glaube an den Ufern der Wolga untergegangen zu sein.

 

Wie überall im Lande wurden auch an der Wolga die Klöster geschlossen.  Zehntausende von Kirchen zunächst zweckentfremdet um dann später zerstört zu werden. Wer am Bekenntnis zur orthodoxen Kirche und an seinem christlichen Glauben festhielt, wurde schließlich in der sowjetischen Gesellschaft marginalisiert und an den Rand gedrängt. Die orthodoxe Kirche, die kein Eigentum besitzen durfte, wurde mit KGB-Mitarbeitern durchsetzt und dadurch in ihrem Ansehen schwer kompromittiert.

 

In den 1970-er Jahren betrachteten sich – staatlichen Umfragen zufolge - nur noch fünf bis zehn Prozent der russischen Bevölkerung als gläubige Christen. Das Experiment des Aufbaus einer kommunistischen Gesellschaft und Wirtschaft ist am Ende - wie die Ereignisse der Jahre von 1985 - 1991 mehr als deutlich machten - zwar vollständig gescheitert, aber die Bekämpfung der orthodoxen Kirche, des Glaubens und der christlichen Lebensführung war in großem Umfang erfolgreich gewesen. Selbst die wenigen verbliebenen Gläubigen, die noch regelmäßig in die Kirche gingen, hatten meist nur eine sehr vage Vorstellung von den Inhalten des christlichen Glaubens und den Traditionen der orthodoxen Kirche. Das Heilige Russland schien, wie die Kirchen der mythischen Stadt Kischi, in den Wassern der Wolga versunken zu sein.

 

Trotzdem aber lebte insgeheim die Glaubensausübung während der gesamten Herrschaftzeit der Kommunisten in Russland fort. Die Kirchen - zumindest die, die nicht zerstört und abgebrannt waren - wurden in Museen oder Lagerhäuser umfunktioniert, während die Ikonen in den Kellern lagerten. Im Untergrund aber, in den Küchen der Wohnungen, feierten die orthodoxen Priester weiterhin Gottesdienste mit den Menschen. Sie tauften dort heimlich die Kinder, trauten die Ehepaare und beteten für die Verstorbenen.

 

Die Bedeutung der russischen Babuschki

 

Vor allem die alten Frauen - die russischen Babuschki - die in der sozialen Hierarchie der Sowjetgesellschaft ganz unten standen und wegen ihres unbeirrt praktizierten christlichen Glaubens weder Prestige, noch Einkommen, oder berufliches Fortkommen verlieren konnten, besaßen die notwendige innere Freiheit, jenen seelischen und geistigen Freiraum des gläubigen Menschen, auch unter den Widrigkeiten der Sowjetdiktatur an ihrem Bekenntnis zu Gott fest zu halten. Sie brachten ihre Enkelkinder heimlich zur Taufe, sie lehrten sie beten, sie begingen unbeirrt die christlichen Feiertage inmitten der sowjetischen Lebensrealität. Sie waren nicht durch den Entzug von kleinen Privilegien zu bedrohen und deshalb war auch ihr innerer Freiraum groß, denn sie hatten nicht zu verlieren außer der Integrität ihrer Glaubensüberzeugungen. Und diese wahrten sie unbeirrbar und unverwirrbar durch die gesamte Sowjetzeit hindurch. Sie trugen Gott in ihrem Herzen und bewahrten damit Glaube und Kirche für bessere Zeiten.

 

 

Wie in anderen Ländern Osteuropas, die von den Katastrophen des 20.Jahrhunderts besonders stark betroffen waren, erlebt auch das postsowjetische Russland heute eine Wiedergeburt kirchlicher, christlicher und religiöser Bewegungen und Strukturen. Ja, im gesamten Land findet geradezu eine Renaissance der Orthodoxie statt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist es vor allem die russisch-orthodoxe Kirche, die für viele Russen zu einem Garanten der kulturellen und nationalen Identität und damit auch des gesellschaftlichen Zusammenhalts geworden ist. Nachdem die Ideologie des Sowjetkommunismus vergangen ist, suchen die Menschen in der Kirche nach Halt und Gewissheit. Deshalb ist den Jahren nach dem Ende der Sowjetunion die Zahl der Russen, die sich wieder zum Christentum bekennen, wieder stark angestiegen.

 

Ich bin Russe, also bin ich orthodox

 

Aber trotz einer beeindruckenden Rückkehr des orthodoxen Christentums in das öffentliche Leben haben 70 Jahre Staatsatheismus starke mentale Spuren in den russischen Menschen hinterlassen. Die Zahl der praktizierenden orthodoxen Christen ist bisher eher gering geblieben. Die orthodoxe Kirche und ihre Gemeinden sind heute im öffentlichen Leben des ganzen Landes wieder deutlich wahrzunehmen. Für viele Russen hat die einfache Formel erneut Gültigkeit: „Ich bin Russe, also bin ich orthodox.“ Jedoch bedeutet dieses Bekenntnis bei vielen noch nicht eine innere Bekehrung zum orthodoxen Glauben. Nur wenige Neugetaufte bringen auch die notwendige Bereitschaft mit, sich um ein ernsthaftes Hineinwachsen in die kirchliche Glaubenspraxis zu bemühen. Damit ist eine innere Rückkehr der russischen Menschen zur Glaubenspraxis die nächste geistliche Herausforderung vor der die orthodoxe Kirche in Russland steht.

 

Deshalb ist das Motto, das hinter dem Projekt des Kirchenschiffs auf der Wolga steht, eigentlich überzeugend einfach: Wenn die Menschen keine Möglichkeit haben, zur Kirche zu kommen, dann kommt eben die Kirche zu ihnen.

 

Außer transportablen Kirchen auf Schiffen gibt es auch Kirchen in Eisenbahnwagggons. Die beiden Bilder zeigen eine Eisenbahn-Reise-Kirche, die auf der Trasse der Transibirischen Eisenbahn reist.
Außer transportablen Kirchen auf Schiffen gibt es auch Kirchen in Eisenbahnwagggons. Die beiden Bilder zeigen eine Eisenbahn-Reise-Kirche, die auf der Trasse der Transibirischen Eisenbahn reist.
Die orthodoxe Kirche erreicht die Menschen, indem sie zu ihnen kommt. Eine Taufe an der Transssib.
Die orthodoxe Kirche erreicht die Menschen, indem sie zu ihnen kommt. Eine Taufe an der Transssib.

 

Eine schwimmende Kirche als Mittel der Orthodoxen Missionarsarbeit entlang der Wolga

 

Das Schiff ist für die Missionarsarbeit entlang der Wolga gedacht“, so erklärt Metropolit German von Wolgograd und Kamyschin. Es soll die vielen Städte und Gemeinden entlang des Flusses abfahren, in denen bislang noch keine Gotteshäuser wieder geöffnet konnten.

 

Tatsächlich gibt es in der Region heute nur verhältnismäßig wenige Kirchen. Was die Bolschewiki in den 1930-er Jahren nicht sprengten, wurde im zweiten Weltkrieg, insbesondere bei der Schlacht um Stalingrad, zerstört. Die Kirchen, die den zweiten Weltkrieg überlebten, verfielen in den folgenden Jahrzehnten durch eine ganz bewusste Vernachlässigung. Alle dortigen Kirchen wieder aufzubauen, übersteigt aber momentan die bescheidenen Mittel der orthodoxen Diözese in Wolgograd.  So bot sich die Idee einer schwimmenden Kirche auf einem Schiff für ein Gebiet, in dem es keine Kirchen mehr gibt und die meisten Orte am Wasser liegen, geradezu an.

 

Dies sah man in Deutschland genau so, so dass die katholische Hilfsorganisation „Kirche in Not“ sich maßgeblich an den Kosten des orthodoxen Kirchenschiffs beteiligte. Gerade im heutigen Russland, wo die Ökumene eher unterentwickelt ist, ist dies ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Kirchen inzwischen aus dem konfessionellen Gegeneinander in die Phase eines christlichen Miteinanders eintreten wollen. Deshalb hat das Hilfswerk den Umbau des Landungsboots „Oljokma“ zur schwimmenden Kirche maßgeblich finanziell unterstützt. Etwa 100.000 Euro sind damals geflossen, ehe Schiff und die integrierte schwimmende Kirche im Jahre 2004 durch Metropolit German geweiht werden konnten.

 

Zwar hatte die Diözese Wolgograd bereits zuvor zwei Kirchenschiffe, doch die schwimmenden Kirchen „Heiliger Nikolaus von Myra“ und „Heiliger Metropolit Innokentij von Moskau“ besitzen im Gegesatz zur„Heiliger Vladimir“ keinen eigenen Schiffsantrieb. Deshalb müssen sie immer durch Schuten bugsiert oder getreidelt werden, was wegen der starken Strömung auf der Wolga besonders schwierig und gefährlich ist.

 

Durch die besondere Rumpfkonstruktion des ehemaligen Landungsbootes kann die drei Mann starke Besatzung der „HeiligerWladimir“ das schimmende Kirchenschiff nicht nur problemlos und sicher manövrieren, sondern praktisch überall entlang der Wolga anlegen, auch wenn die dortigen Anlegestellen besonders flach sind. Deshalb bedeutete die Inbetriebnahme der Schiffskirche zu„Heiliger Wladimir“ganz neue Freiräume für die Seelsorge an den orthodoxen Christen entlang der Wolga.

 

Die Priester fahren jetzt mit der schwimmenden Kirche die Wolga entlang. Wo sie anlegen feiern sie mit den dort bereits wartenden Menschen Gottesdienste, spenden Menschen jeglichen Alters die Taufe, trauen die jungen Ehepaare, feiern Gedenkgottesdienste für die Verstorbenen und Bittandachten für die Anliegen der Menschen. Metropolit German und seine Priester wollen den wiedergewonnenen Freiraum ihrer Kirche bewußt nutzen, um mit dem Kirchenschiff die Rechristianisierung der Menschen in den orten entlang an der Wolga zu bewirken.

 

 

Ein besondere Augenmerk von Metropolit German und seiner Priester liegt auf dem Katechisieren der jungen Menschen

 

Besondere Aufmerksamkeit widmet Metropolit German und seine Priester dem Katechisieren der jungen Menschen. Im heutigen Russland erstmals seit der Oktoberrevolution wieder eine Generation herangewachsen, die erstmals nach dem Fall des Kommunismus ohne den damit verbundenen Atheismus als herrschender Staatsideologie aufwuchs. Für die Weltsicht dieser Jugendlichen gehört die Kirche inzwischen wieder ganz selbstverständlich dazu. Sich als orthodoxer Gläubiger zu bezeichnen, die kirchlichen Feiertage zu begehen, zu heiraten und ihre Kinder zu taufen ist für die Mehrheit der jungen Russen heute wieder normal  geworden. Vieles deutet in Russland heute darauf hin, dass es unter der jungen Generation inzwischen eine Neigung zur Religion gibt, die die früher gängige Orientierung am Atheismus bei weitem überwiegt. Das bedeutet, dass diese Generation junger Russen, die an der Schwelle des 21. Jahrhunderts ins Erwachsenenleben eintritt, heute empfänglicher für den orthodoxen Glauben ist, als in all den sieben Jahrzehnten zuvor. Das hier neu aufbrechende religiöse Interesse der jungen Menschen gezielt zu nutzen, ist ein besonders großes Anliegen von Metropolit German und seiner Priester in der Diözese Wolgograd.

 

 

Die offizielle Bezeichnung „russisch-orthodoxe Kirche“ entspricht streng genommen nicht ganz den Tatsachen: Die russische Kirche umfasst viele unterschiedliche Nationen und Völker. Zu ihr gehören nicht nur Russen, Ukrainer und Weißrussen - also slawische Bevölkerungsgruppen - sondern auch Mordwinen, Tschuwaschen, Moldawier, Esten und viele Angehörige weiterer Nationalitäten, die entweder auf dem kanonischen Territorium der russisch-orthodoxen Kirche leben oder die in der Diaspora diese Kirche kennengelernt und zu ihrer persönlichen kirchlichen Heimat gemacht haben. Viel zutreffender ist es deshalb von der „Orthodoxen Kirche in Russland“ oder dem „Moskauer Patriarchat“ zu sprechen.

 

 

 

Die Erscheinung des Herrn

und die heilige orthodoxe Kirche

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das leere Grab weckt zu allen Zeiten Rat­lo­sig­keit, Ver­wun­de­rung, Bestür­zung. Das war in der Antike bei den Juden der Fall. Dies ist bei den modernen katholischen und noch mehr den protestantischen Neutestamentlern der Fall, die die Erscheinungen des Auferstanden Christus nur als Visionen oder spätere theologische Reflektionen der nachösterlichen Gemeinde verstehen wollen. Im Rahmen der nicht genuin orthodoxen historisch-kritischen Exegese-Methode wird dem Erscheinen des Auferstanden nur noch ein subjektives Erleben von Erscheinungsvisionen durch die heiligen Apostel zugestanden, da das Handeln Gottes im modernen Weltbild der abendländischen Theologen nur noch ein Heilshandeln Gott in und mit den Naturgesetzen für wahr hält. So werden nicht nur das wirkliche Erscheinen des auferstandenen Christus vor Maria Magdalena und den Aposteln, sondern die leibliche Auferstehung des Herrn zu  psychologisch zu interpretierenden Prozessen. In beiden Fällen entzündet sich der Glau­be der Zweifelnden nicht. Die heiligen salböltragenden Frauen, die auf den Zionsberg in Jeru­sa­lem eil­ten, um ihre Entdeckung zu vermel­de­ten, bewirk­ten zwar, daß sich die Apos­tel vom Leer-­sein des Gra­bes über­zeug­ten, aber die Tat­sa­che, dass der Leich­nam ver­schwun­den war, führte sie nicht zu der Über­zeu­gung, dass der Herr leibhaft auf­er­stan­den ist. Also Rat­lo­sigkeit, Ver­wun­de­rung, Bestür­zung sind die menschlichen Reaktionen waren auf das leere Grab. Nicht ein­mal die Bot­schaft des Engels, wel­che die heiligen Frauen den Aposteln und Jün­gern über­mit­tel­ten, bewirkte, dass sie zum Glau­ben an die wirkliche Auf­er­ste­hung Jesu Christi durchdrangen. Wie also wurde der Glaube an die wirkliche Auf­er­ste­hung ihres Herrn in ihnen ent­zün­det? Es geschah allein durch die Erschei­nun­gen des auf­er­stan­de­nen Christus selbst in ihrer Mitte. Durch diese überprüfbar leibhaften Erscheinungen vor den heiligen Aposteln, durch die Er sich in göttlicher Macht als ihr auferstandener Herr und Gott erwies, wie es der heilige Apostel Thomas dann glaubend bekennt, werden sie zu Glaubenden. Vier­zig Tage hin­durch erschien nun der Auf­er­stan­dene, der leben­dig gewor­dene Herr und Gott in der Mitte Seiner Apostel und Jün­ger. Aber der Herr erschien ihnen nicht bloß, denn dann hätte man immer noch behaupten kön­nen, das sei ein Gespenst, eine Vision, eine Ein­bil­dung, ein Wunschbild, damit die Hoffnungen nicht scheitern oder eine Folge über­rei­zter Psyche. Nein, Christus erschien ihnen und sprach zu ihnen. Er hat nicht nur zu ihnen gere­det und ihnen den dabei den gesamten Inhalt der Heiligen Mündlichen Tradition (griechisch παράδοσις) erschlossen sondern Er hat auch mit ihnen geges­sen und getrun­ken. Wenn es ein sicht­bare Zei­chen für ein wahrhaftes Leben­dig-­sein des Christus gibt, dann ist es das Essen und Trin­ken. Der Evan­ge­list Lukas gibt sogar die Spei­sen an: Fisch und Honig­ku­chen. Unser Herr und Heiland Jesus Christus nahm von der Speise und bekundete dadurch eindrücklich sein wahrhaftes Leben­dig­-Sein. Die Auf­er­ste­hung Jesu wird dadurch bezeugt, daß die Jün­ger den Auf­er­stan­de­nen gese­hen haben. Er ist in ihrer Mitte erschie­nen. Sie haben mit Ihm gespro­chen, ja sie haben Ihn betas­tet, und sie haben mit Ihm Speise und Trank ein­ge­nom­men. Deshalb fasst der heilige Apostel und Evangelist Johannes der Theologe das apostolische Bekenntnis in die Worte: „Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens. Und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen ist." (1.Johannes 1-2).

 

Der Unglaube gibt sich damit aber immer noch nicht zufrie­den. Er sagt: Diese Berichte in den Evan­ge­lien sind spät, sehr spät auf­ge­zeich­net wor­den; da haben sich Wahr­heit und Dich­tung, Geschichte und Legende ver­mischt. Es ist schwer, wenn nicht unmög­lich ist den geschicht­li­ch wahren Kern von den psychisch bedingten Erfindungen einer über­reiz­ten Phan­ta­sie oder den Interpretationen der nachösterlichen Gemeindetheologie zu tren­nen. Nach den Deutungsmustern eines hermeneutischen Zirkels, der in den philosophischen und erkenntnistheoretischen Vorannahmen der modernen abendländischen Theologie befangen bleibt habe der spätere Glaube der Evangelisten zum Sehen und nicht das Sehen zum Glauben geführt. Der überlieferte Glaube der Kirche wird  als ein situationsgebundener Glaube, als ein  visionsverursachter Glaube dargestellt, der nicht durch das wirkliche Heilshandeln Gottes, sondern als psychologisch begründet und menschenvermittelt dargestellt wird.

 

Das grundsätzliche orthodoxe Verständnis der Theologie als personalen Gottesgelehrtheit aus der Erfahrung der Heiligkeit, wie es uns in den Schriften der heiligen Väter begegnet, ist ein vollkommen anderer Weg der Gotteserkenntnis, wie der seit der Scholastik im Westen eingeschlagene aus einem rationalen Nachdenken und Schlussfolgern.

 

Der orthodoxe Glaube gründet sich auf die Erfahrung der Anwesenheit Gottes in der Geschichte, besonders auf die Erfahrung des Todes und der Auferstehung Christi. Deswegen hat auch die orthodoxe Theologie kirchlichen Erfahrungscharakter. Das wird durch die ganze Heilige Tradition, die wir in den Schriften der Kirchenväter getreu wiedergeben finden, und die uns einen wirklich verlässlichen Maßstab für die Orthodoxie theologischer Anschauungen, die uns in allen Epochen der Kirchengeschichte auch in Form von mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinbarenden Ansichten und Lehren, den Häresien, begegnen, bestätigt. Alle orthodoxen Gläubigen und nicht nur die Gelehrten nehmen als Glieder der Kirche in dem Maße, wie sie ihren Glauben in Verbindung mit dem geistlichen Leben der heiligen Kirche (er)leben, an der genuin orthodoxen theologischen Erfahrung teil.

 

Neben der Erfahrung nimmt auch die Tradition in der orthodoxen Kirche eine zentrale Rolle ein. In ihrem Mittelpunkt steht uns Herr und Erlöser und Gott Jesus Christus selbst. Der glaubende Mensch tritt in den Strom der Heiligen  Tradition bei seiner sakramentalen Eingliederung in die orthodoxe Kirche ein. Durch die Heilige Tradition bleibt die orthodoxe Kirche in einer vergänglichen Welt mit sich selbst identisch und lebendig. Sie bewirkt in Gestalt von Göttlichen Liturgie und der übrigen orthodoxen Gottesdienste die lebendige geistliche Verbindung zum Ursprung allen Lebens, zu Gott Selbst.

 

In der Orthodoxie wird die Tradition nicht als ein abgeschlossenes Paket mündlicher und schriftlicher Lehrsätze oder als ein Ergebnis rationaler „theologischer“ Reflektionen verstanden, sondern als der Strom des geistlichen kirchlichen Lebens, das von einer Generation der Glaubenden zu nächsten weitergereicht wird. Die wahrhafte Theologie ist nach orthodoxem Verständnis gleichbedeutend mit dem Leben in Christus. Die Orthodoxie lebt aus einer solch geistlich Verstandenen theologischen Tradition. Insbesondere in der Göttlichen Liturgie, der Feier der Feiern, in dem die Kirche die heilige Eucharistie vollzieht, ist der Ort, wo die orthodoxe Kirche ihre ganze Fülle der Heiligen Tradition anbietet.

 

Der entscheidende Hüter und die Garant für die Bewahrung der Heiligen Tradition, der Überlieferung der apostolischen Lehre, ist die apostolische Sukzession. Auch im Bekenntnis des orthodoxen Glaubens wird auf die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche hingewiesen. Der Bischof, der Vorsteher der eucharistischen Gemeinde, die sich um ihn versammelt, muss in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche stehen und von ihr anerkannt und eingesetzt sein. Dieses geschieht in der Form der Handauflegung, der „Cheirotonie“ (Handauflegung, von griech. χειρ –„Hand“ und τονεω – „ich lege auf“). Dieses wird von mindestens zwei oder drei anderen bischöflichen Vorstehern vorgenommen, die als Werkzeuge des Heiligen Geistes im Namen und Auftrag der anderen rechtgläubigen Bischöfe, aller Ortskirchen und des gesamten Gottesvolkes handeln und die ebenfalls durch Handauflegung mit ihrem Amt betraut wurden. So werden die organische Zugehörigkeit zur Kirche und die Überlieferung des rechten Glaubens und Lebens der Kirche selbst von Generation zu Generation gesichert. Dadurch, dass jeder Bischof von mehreren anderen Bischöfen die „Cheirotonie“ empfängt und in sein Amt eingesetzt wird und jeder Bischof während seiner Amtszeit mehrere andere Bischöfe in ihr Amt einsetzen kann, entsteht ein Netz von Handauflegungen, das sich über die ganze Heilige Orthodoxe Kirche ausbreitet und bis auf die heiligen Apostel zurückgeht. Dies sichert und bewahrt die eine heilige wahre orthodoxe Kirche.

 

Die orthodoxe Kirche betrachtet sich nicht als eine der vielen christlichen Konfessionen im Rahmen eines gespaltenen Christenheit. Sie ist die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche Christi. Sie ist die Kirche des wahren christlichen Glaubens. Als die Kirche Christi ist sie unteilbar, da ja die Kirche als Leib Christi unteilbar ist. Die orthodoxe Kirche hat die Ekklesiologie der Urkirche und der heiligen Apostel treu bewahrt, so wie sie im Neuen Testament, der Heiligen Apostolischen Überlieferung und den Schriften der Heiligen Väter zu finden ist. Die orthodoxe Kirche ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments der Eine Heilige Leib des Herrn. Da es nur einen Leib Christi und ein vergöttlichendes eucharistisches Brot gibt, das die vielen zu eins (der Gemeinschaft der heiligen Kirche) macht, bildet auch die Kirche eine Einheit. Orthodoxe Kirchen existieren an vielen Orten, ihre Vielfalt jedoch ist verbunden in der Eigenschaft der orthodoxen Katholizität. Denn jede Ortskirche, die in Gemeinschaft mit den anderen orthodoxen Lokalkirchen steht, ist eine Erscheinung der einen heiligen Kirche Christi. Der griechische Begriff „katholikos“ = „katholisch“ kommt vom griechischen Wort „kathòlon“, das oft nicht ganz treffend mit dem Begriff „allgemein“ wiedergegeben wird. Es muss jedoch eher als „sich überallhin erstreckend“ oder „ganzheitlich“ verstanden werden. In diesem Sinn ist katholisch, die eine, sich überallhin erstreckende und ein Ganzes bildende heilige rechtgläubige und recht-lobpreisende Kirche. Sie  besteht aus den vielen voneinander untrennbaren Ortskirchen, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ein mystischen Leib Christi auf Erden bilden.

 

 

Russische Orthodoxe Jugend Baden-Württemberg

 

 

Die ROJ BW e.V. ist der Dachverband, der die einzelnen Gruppen der Russischen Orthodoxen Jugend in verschiedenen Städten Baden-Württembergs verbindet. Jugendgruppen gibt es in zahlreichen russischen orthodoxen Gemeinden in Baden-Würtemberg,  so in Baden-Baden, Heidelberg, Heilbronn, Kirchheim-Teck, Konstanz, Mannheim, Möckmühl   Pforzheim, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Villingen-Schwenninge.

 

 

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern in Christo,

 

als Vertreter der Russisch-Orthodoxen Jugend in Baden-Württemberg e. V. erlaube ich mir, für unser diesjähriges Jugendleiter-Seminar zu werben.

 

Es handelt sich dabei um den Erwerb der Jugendleiter-Card (Juleica, https://www.juleica.de/). Diese ist eine Auszeichnung für staatlich anerkannte Jugendleiterinnen und Jugendleiter, durchgeführt von unserer Jugend. Die staatliche Anerkennung erfolgt durch ein teils vom Bund vorgegebenen Programm und bringt die Berechtigung für verschiedenste Zuschüsse zur Jugendarbeit mit sich.

 

Das Programm beinhaltet  neben den Einheiten zu Themen wie Gruppenleitung oder Konfliktlösung gemeinsame Übernachtungen, Spiele im Freien, gemeinsame Mahlzeiten, sowie Morgen- und Abendgebete und natürlich sehr viel Spaß in der Gruppe!

 

Der Kurs wird in deutscher Sprache abgehalten.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn die Informationen an alle Jugendlichen der verschiedenen orthodoxen Gemeinden in Deutschland weitergeben würden.


Bei Interesse zu unserer Jugendarbeit besuchen Sie unsere Webseite: https://roj-bw.jimdo.com/

 

Mit den besten Grüßen aus München

 

Andrej Limberger


Kontakt:

 

Andrej Limberger
RoJ Stuttgart
RoJ Baden-Württemberg e.V.
https://roj-bw.jimdo.com/
andrej.limberger@web.de

 

 

 

 

Über die Zeit der heiligen Pentekoste

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Festzeit des heiligen Pas´cha erstreckt sich über die ganze Pentekoste, die fünfzig heiligen und lichten Tage der Osterzeit, die als eine einziges große Fest des heiligen Pas´cha Christi gefeiert werden.

 

Besonders feierlich begehen wir orthodoxen Christen die erste Woche nach dem Ostersonntag, die in der orthodoxen Kirche „Lichte und Heilige Woche“ genannt wird.

 

Ihr folgen die von den österlichen Themen geprägten Sonntage.

 

In der orthodoxe Kirche sind die sieben Wochen der Osterzeit nicht nur ein das Eschaton - die Ewigkeit vorwegnehmendes Pas´cha - sondern zugleich ein sich kontinuierlich entfaltendes Pfingsten.

 

Indem unsere orthodoxe Kirche am Abend des Ostersonntags im Hersperinos, der Vecernija, das Evangelium von der Spendung des Heiligen Geistes (Johannes 20:19-23) liest, stellt sie das Ostermysterion bereits in die Perspektive von Pfingsten: Nur wer die Gaben des Heiligen Geistes empfangen hat und aus der Fülle Seiner Gnadenwirkungen lebt, kann das Osterbekenntnisaus gläubigem Herzen ablegen: „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaft auferstanden!“

 

Die Evangeliumsperikope dieses österlichen Abendgottesdienstes berichtet uns wie der Auferstandene Christus leibhaftig in die Mitte Seiner Jünger trat, sie anhauchte und ihnen den Heiligen Geist und das Mysterion des apostolischen (bischöflichen) Priestertums verlieh. Unser Herr und Erlöser Jesus Christus bildete so durch Seinen Hauch aus den versammelten elf Aposteln und der allheiligen Gottesgebärerin Seine heilige Kirche.

 

Nach dem zweiten Sonntag nach Ostern, dem Anti-Pascha-Sonntag, der dem Gedächtnis an den beseligenden Unglauben des heiligen Apostel Thomas, der angesichts des Zweifels zur Bestärkung des Glaubens des Apostels führte, gewidmet ist, gedenkt die orthodoxe Kirche am dritten Sonntag nach Ostern der myrontragenden (salbentragenden) Fraue. Beide Sonntage führen uns zu Personen hin, die am österlichen Geschehen teil hatten. Sie erinnern uns an ihre Begegnung mit dem auferstandenen Herrn und an ihren wachsenden Glauben an Ihn.

 

Während der folgenden Sonntage wird uns mit den Evangelienlesungen vom Gelähmten, der Samariterin und dem Blindgeborenen die Osterwirklichkeit als ein sich schrittweise enthüllendes Pfingsten verdeutlicht.

 

Die Mitte zwischen dem Fest der Auferstehung und dem Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes bildet das Fest „Mittpfingsten“. Die Texte der Gottesdienste an diesem Feiertag verherrlichen das Fest der Auferstehung, weisen aber bereits schon deutlich auf das kommende Pfingstfest hin und kündigen das damit verbundene, kommende Fest der Himmelfahrt des Herrn an.

 

Das Fest Christi Himmelfahrt erinnert uns an die Auffahrt des Herrn in die Himmel und Sein Sitzen zur Rechten des Vaters. Zugleich steht es in einem engen Zusammenhang mit dem Pfingstfest. Denn Christus nach Seiner glorrreichen Himmelfahrt sendet uns den verheißenen Heiligen Geist, der von Gott, dem Vater, ausgeht.

 

Ursprünglich wurde das Mysterion der Himmelfahrt mit dem Mysterion der Geistsendung an Pfingsten gemeinsam begangen. Erst allmählich bildete sich dann später ein eigenes Fest der Himmelfahrt Christi heraus. Bis heute wird die Zusammengehörigkeit der beiden Feste in vielen unserer gottesdienstlichen Gesänge deutlich.

 

Fünfzig Tage nach dem Pas´chafest, am Pfingsttag - an dem das alttestamentliche Gottesvolk Gott im Wochenfest für die Ernte dankte - kam der von Christus verheißene Heilige Geist auf Seine heiligen Aposteln und der allheiligen Gottesgebärerin herab (vgl. Apostelgeschichte 2:1-11). Das Kommen des Heiligen Geistes macht aus den verzagten und verängstigten Aposteln heilige Geisträger, damit sie so der Welt die Auferstehung Christi und Seine Heiltaten bezeugen können. Pfingsten bedeutet deshalb nach dem Zeugnis des heiligen Irenäus von Lyon das dauerhafte Wirken des Heiligen Geistes in der heiligen Kirche. Deshalb singt und betet die orthodoxe Kirche mit der Feier des Pfingstfestes erneut das Troparion des Heiligen Geistes, das in der Osterzeit durch das Auferstehungs-Troparion ersetzt worden war:

 

 

Himmlischer König, Tröster und Geist der Wahrheit,

 

der Du überall bist und alles erfüllst,

 

Schatzkammer der Güter und Spender des Lebens,

 

komm und nimm Wohnung in uns,

 

mach uns rein von jedem Makel

 

und errette, o Gütiger, unsere Seelen.

 

Der zweite Tag des Pfingstfestes heißt "Tag des Heiligen Geistes". Er ist immer ein Montag. Genau dieser Tag ist der fünfzigste nach Ostern, deshalb heißt dieser Tag auch Pentekoste (griech. “der fünfzigste Tag”). In der Zeit des Alten Bundes hatte dieses Fest eine andere Bedeutung. Das Pfingstfest wurde vor dem Kommen Christi
zur Erinnerung an die auf dem Berg Sinai durch Gott an Mose erfolgte Übergabe der Zehn Gebote gefeiert und Wochenfest genannt. Das das Fest fünfzig Tage nach dem Auszug des alttestamentlichen Gottesvolkes aus Ägypten stattfand, wurde dieses jüdische Fest auch Pentekoste-Pfingsten genannt. Nachdem sich die Israeliten nach der Zeit in Ägypten in Kanaan niedergelassen hatten, verband sich mit dem Festgedächtnis zugleich der Erntedank.

 

Die Christen verbinden mit diesem Fest jedoch ein anderes Festgedächtnis: Die nun beschriebenen Ereignisse sind uns durch den heiligen Evangelisten Lukas in der Apostelgeschichte überliefert worden.

 

Vor Seinem Leiden und Seinem Tod versprach unser Herr Jesus Christus Seinen Aposteln und Jüngern ihnen den Heiligen Geist, den Tröster, den Geist der Wahrheit, zu senden. Vor Seiner glorrreichen Himmelfahrt wiederholte Er Sein Versprechen erneut. Nach der Himmelfahrt des Herrn kehrten Seine Jünger und Apostel nach Jerusalem zurück und gingen in dasselbe Haus auf dem Berg Zion wo der Herr mit ihnen am Großen und Heiligen Donnerstag die erste Göttliche Liturgie gefeiert und mit der Feier des letzten Abendmahls die heilige Kommunion eingesetzt hatte. Dorthin waren auch die Allheilige Gottesgebärerin und die salbentragenden Frauen gekommen. Sie fühlten sich als eine einzige Familie und beteten gemeinsam in Erwartung der Erfüllung der Worte des Herrn und der Herabkunft des Heiligen Geistes. So bereiten sie sich darauf vor die Gnadengaben des Heiligen Geistes zu empfangen.

 

Am zehnten Tag nach der glorrreichen Himmelfahrt des Herrn - genau an dem Tag, an dem das Pfingstfest gefeiert wurde und das Volk, das die Straßen und Plätze der Stadt füllte, zum Tempel ging - war plötzlich um neun Uhr früh (in der dritten Stunde) ein lautes Tosen in der Luft zu hören.

 

Dieses Tosen kam vom Himmel herab und erfüllte langsam in das gesamte Haus wo sich die heiligen Apostel, die allheilige Gottesgebärerin und die salbentragenden Frauen versammelt hatten, und erfüllte alles mit seinem reinen Ton. Es war kein Wind, sondern nur ein Laut, der ihm ähnlich war. In diesem Augenblick erschienen mitten im Haus Zungen von Feuer, sie teilten sich und blieben über dem Haupt jedes Apostels und der Frauen stehen. Das klingende Brausen, das das Haus erfüllt hatte, bereitete die Apostel auf die Ankunft des Heiligen Geistes vor. Die erschienen Zungen von Feuer zeigten an, dassder Göttliche Geist, der Tröster, der Praklet gekommen war. "Der Sohn Gottes kam sichtbar in die Welt, und auch der Heilige Geist musste sichtbar kommen" sagt uns der heilige Gregorios der Theologe. Auch früher, als der Heilige Geist bei der Taufe im Jordan auf Christus herabgekommen war, nahm Er die Form einer Taube an, und blieb nicht unsichtbar.

 

Dies war das erste Wunder, aber danach geschah noch ein Zweites. Die heiligen Apostel und alle, die im Haus auf dem Berg Zion versammelt waren, als der Heilige Geist auf sie herabkam und sie mit seinen Gnadengaben erfüllte, begannen plötzlich in allen damals bekannten Sprachen zu reden. Dies war eine der Gnadengaben des Heiligen Geistes. In allen Sprachen verherrlichten die heiligen Apostel nun die Größe Gottes, Seine wunderbaren Heilstaten, deren Zeugen sie geworden waren und deren geistlichen Sinn sie erst jetzt in ihrer ganzen Fülle begriffen.

 

 

Das in Jerusalem versammelte altttestamentliche Gottesvolk wunderte sich jetzt darüber, dass es den Lobpreis Gottes in verschiedenen Sprachen hörte. Dies war nach der jüdischen Tradition nicht erlaubt: Gebete und das Gotteswort der Heiligen Schriften durften  nur in der heiligen hebräischen Sprachegesprochen werden. So offenbart sich das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche Christi als Erstes darin, dass sich das Wirken Gottes an den Menschen ab jetzt aller Sprachen und Zungen des Erdkreises bedienen wird. So hörten die Menschen die Worte des christlichen Evangheliums aus dem Munde der heiligen Apostel in allen Sprachen der Länder, aus denen sie gekommen waren: Rom und Italien, Nordafrika, Griechenland und Asien.

 

 

Die erste Predigt der Apostel, die sie nach der Herabkunft des Heiligen Geistes hielten, wirkte sehr stark auf ihre Zuhörer. Außerdem sahen alle die wunderbaren Zeichen und hörten die einfachen Galiläer, welche die Gaben des Heiligen Geistes empfangen hatten, in verschiedenen Sprachen reden.

 

Deshalb kamen viele zu ihnen und fragten: “Was sollen wir tun?” Darauf sagte der heilige Apo­stel Petrus einem jedem, er solle seine Sünden bekennen und sich taufen zu lassen und versprach, dass dann ein jeder von ihnen die Gabe des Heiligen Geistes empfangen werde, dessen wunderbares Wirken sie heute gesehen hatten.

 

Viele hörten aufmerksam zu und erbaten von den heiligen Aposteln das Mysterion der heiligen Taufe. An diesem Tag wurden etwa dreitausend Menschen in die Kirche aufgenommen, die bis dahin nicht an Jesus Chri­stus geglaubt hatten.

 

So endete der heilige Pfingsttag, der damit zum Geburtstag der Kirche Christi wurde.

 

 

Troparion, 8. Ton

 

Gesegnet bist Du, Christus, unser Gott, * der Du die Fischer zu Allweisen gemacht hast, * indem Du ihnen den Heiligen Geist gesandt * und durch sie den ganzen Erdkreis eingefangen hast; * Menschenliebender, Ehre sei Dir!

 

Kondakion, 8. Ton

 

Als er herabkam, die Sprachen zu verwirren, * schied der Höchste die Völker; * als er des Feuers Zungen verteilte, * rief Er alle zur Einheit: * und einstimmig verherrlichen wir den Allheiligen Geist.

 

 

Predigt zum dritten Herrentag nach Ostern Heilige myrontragenden Frauen 

 

(Apostelgeschichte 6:1-7;  Markus 15: 43 – 16: 8)

 

 

Erpriester Michail Rahr (Weimar)

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

die freudigste Zeit des Jahres, die fünfzigtägige Spanne zwischen Ostern und Pfingsten, liturgisch die Periode des Blumentriodions oder Pentekostarion genannt, wartet heute mit dem Herrentag der Myronträgerinnen auf. Inmitten der österlichen Freude gilt es nun die zu Ehren, die dem Herrn zu jeder Zeit - auch in der schwersten Stunde - die Treue hielten. Gleichzeitig bietet dieser Tag einen willkommenen Anlass, generell allen christlichen Frauen die ihnen gebührende Anerkennung zu bekunden, da ihr selbstloses Wirken in Vergangenheit und Gegenwart nach Gottes Heilsplan  existenzsichernd für die Kirche war und ist.

 

Männer neigen allgemein eher zu Höchstleistungen, weshalb Großtaten auf Kriegsschauplätzen, in Sport, Kunst und Wissenschaft doch eher dem starken Geschlecht zugeschrieben werden können. Auch kennt die Kirche sehr viel mehr heilige Männer als Frauen, die sich im asketischen Leben befleißigt haben, weil es Frauen nicht so sehr in die Einsamkeit der Wüste mit all den kaum vorstellbaren Entbehrungen zieht (die hl. Maria von Ägypten mal ausgenommen). Wäre dem nicht so, gäbe es bestimmt auch ein weibliches Pendant zum Berg Athos. Doch wenn es darauf ankommt, sind dafür in der Regel die Frauen zur Stelle. Auch heute noch versehen katholische Ordensschwestern unbeirrt ihren Dienst sehr oft da, wo sich männliche Missionare oftmals nicht mehr hintrauen (islamische Welt, Indien, Afrika). Aber auch in den zunehmend kirchenfeindlichen Ländern des Abendlandes gehören Frauen in Ordenstracht hier und da noch zum Straßenbild, während Priester in Soutane unsereinem nur noch aus Schwarz-Weiß-Filmen bekannt sind. Auch was das Kirchenvolk angeht, beobachten wir ein ähnliches Bild: Frauen sind bei Gottesdiensten in den Kirchen in der Mehrheit, in Moscheen dominieren dagegen die Männer. Wie erklärt sich dieser Disproporz bei uns Christen?

 

Man ist geneigt zu sagen, dass Männer eher auf den Intellekt hören, während Frauen eher ihrer Intuition folgen. Beides ist notwendig und richtig, wenn die notwendige Balance gewährleistet ist. Herz, Wille und Verstand sind Wesensmerkmale des Menschen, von Gott gegeben, Anzeichen der Ebenbildlichkeit Gottes. Und doch gibt es bei den heiligen Vätern eine klare Präferenz zugunsten des Herzens, wobei Wille und Verstand freilich nicht ausgeschaltet werden, aber letzlich eine untergeordnete, unterstützende Rolle für das Herz spielen sollen. Unsere Hinwendung zu Gott vollzieht sich ja im Gebet, welches mit dem gesprochenen Wort beginnt, wobei zur Aufrechterhaltung einer gewissen Konstanz die Willenskraft gefordert ist. Das anfänglich gesprochene Gebet ist ohne die Einbeziehung des Verstands bloß Plapperei. Wenn es aber  aufmerksam gesprochen wird, geht es dann ins Herz über. Einmal im Herzen verankert, kann das Gebet ohne große Mühe auch bei der Beschäftigung mit notwendigen Dingen des Alltags weitergeführt werden.  Deshalb empfiehlt sich ein kurzes, intensives, sich ständig wiederholendes Gebet. Hierbei  kommt die höchste menschliche Gabe zum Tragen - der menschliche Geist. Es ist diese Geisteskraft, die den Menschen von der sonstigen Kreatur unterscheidet. Sie befähigt ihn zur Ausrichtung auf Höheres. Deshalb bezeichnen wir das Herzensgebet auch als noetisches Gebet (von griech. nous = Geist).

 

Die heiligen Väter treffen in Sachen Wertigkeit von Verstand und Herz eine eindeutige Unterscheidung. Der Verstand ähnelt demnach dem Mond, der in seinem blassen Schein die Gegenstände nur oberflächlich erhellt, sie aber nicht verändern kann. Das Herz ist dagegen wie die Sonne, die mit ihren Wärmestrahlen die Dinge durchdringt, so dass sie diese zum Wachsen und Reifen bringt und das Wesen der Dinge von Grund auf verändern kann.

 

Leider aber neigen wir Männer eher zur Obeflächlichkeit, während sich Frauen vermehrt in den Glauben vertiefen. Spielt sich der Glaube nur im Intellekt des Menschen ab, ohne dass dabei das Herz angesprochen wird, bleibt er steriles Stückwerk, was aber jederzeit durch eine halbwegs ernste Auseinandersetzung mit dem geistlichen Aspekt des Glaubens abgestellt und in ein demütiges Eingeständnis seiner absoluten Unwürdigkeit vor Gott umgewandelt werden kann. Jede Religion lehrt wohl die absolute Unwürdigkeit der Menschen vor dem Angesicht des Schöpfers, doch ohne eine geistliche Erfahrung, ohne eine anfängliche Antwort Gottes im Herzen der Menschen auf ihr demütiges Streben nach der Gemeinschaft mit dem höchsten Wesen, bleibt das alles Theorie. Liturgische Riten und kirchliche Regeln allein garantieren jedenfalls nicht das Seelenheil. Православие не доказуется, а показуется. Die Orthodoxie kann man nicht beweisen, man sich nur als orthodox erweisen - aus dem Innersten.

 

Frauen finden eher den Zugang zu Gott über das Herz. Auf sein Herz zu hören ist aber nur bedingt gut. Entscheidend ist nämlich, in welchem Zustand sich das Herz befindet. "Ein zerschlagenes und demütiges Herz wird Gott nicht verachten" (Ps. 50:19). Ist das Herz rein, steht der Weg zur Erkenntnis Gottes offen (s. Mt. 5:8). Davon hängt alles Weitere ab, "denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat" (Mt. 12: 34b-35). Wenn das Herz unrein ist, entfernt sich der Mensch von Gott, "denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen" (Mt. 15:19). Deshalb lehrt uns die Kirche, unsere Herzen ständig im Tränenbad der Buße zu reinigen und Gott in Demut zu begegnen: "Ein reines Herz schaffe in mir, o Gott, und den rechten Geist erneuere in meinem Inneren" (Ps. 50:12). Nur so können wir uns unserer Verantwortung vor Gott in dieser Welt stellen. Amen.

 

 

Zum Sonntag des Anti-Pas ´cha

 

(Thomassonntag)

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Der Heilige Thomas war vor seiner Berufung durch Christus zum Apostel Fischer an See Genezareth. Sein Name „Thomas“ leitet sich ab vom aramäischen Wort „Ta'am“(תומא יהודה), was „Zwilling“ bedeutet. Im Neuen Testament wird neben der gräzisierten Form seines aramäischen Namens Θωμάς ( = „Tomas“) deshalb auch der Beiname „Didymos“ (Δίδυμος) verwendet, was ebenfalls „Zwilling“ bedeutet. In der syrischen Tradition wird der Heilige Apostel Thomas „Judas Thomas“ genannt, was ebenfalls darauf hindeutet, dass sein eigentlicher Name Judas (hebräisch יְהוּדָה = Jehuda) war und Thomas nur sein Beiname gewesen ist.

 

 

Das Johannesevangelium hebt die besondere Hingabe hervor, die der Heilige Apostel Thomas für Christus empfand, denn als Jesus nach Judäa zurückkehren wollte, wo Juden ihn hatten steinigen wollen, schloss sich Ihm Thomas mit den Worten an: „Lasst uns mit Ihm gehen, um mit Ihm zu sterben.“ (vgl.: Johannes 11: 5 - 16).

 

Der Apostel Thomas wird in den Apostellisten aller vier Evangelien und in der Apostelgeschichte erwähnt. Im  Johannesevangelium kommt er drei Mal mit dem Beinamen  „Didymus“, der griechischen Übersetzung für den aramäischen Namen „Ta'am“ vor. Insgesamt wird der Apostel im Johannesevangelium siebenmal erwähnt,  so auch im Bericht über die Einsetzung des heiligen Mysterions der Eucharistie  (Johannes 14: 1 - 7), was auf die wichtige Position des Heiligen Thomas im Kreis der 12 Apostel und 70 Jünger des Herrn hinweist.

 

In besonderer Weise ragt die Person des Apostels Thomas durch sein Bekenntnis zur wahrhaftig leibhaften Auferstehung Christi heraus. Denn da Thomas bei der ersten Erscheinung des Auferstandenen vor Seinen Aposteln nicht anwesend gewesen war, glaubte er ihren Berichten zunächst nicht. Vielmehr verlangte er danach, handgreiflich die Tatsache Auferstehung überprüfen zu können. Als dann Christus in seiner Anwesenheit erneut im Kreis der Apostel erschien und ihn dabei aufforderte, seine Wundmale zu berühren, konnte er das Unfassbare schließlich glauben und bekannte: „Mein Herr und mein Gott!“ Damit erkannte er zugleich auch als der erste der Heiligen Apostel die göttliche Natur Christi. (vgl.: Johannes 20: 24 - 29). Denn dass der „Sohn lebendigen Gottes“ (Bekenntnis des Apostels Petrus in Matthäus 16:16), siegreich aus dem Grabe erstand, steht allein in Seinem Vermögen als wahrer Gott. Konnte aber das Bekenntnis des Petrus: „Sohn des lebendigen Gottes“ noch immer innerhalb der theologischen und philosophischen Kategorien der jüdischen und hellenistisch-antiken Messias-Vorstellungen verstanden werden, beginnt mit dem Bekenntnis des Apostels Thomas das genuin christliche Glaubensbekenntnis, dass dieser Jesus aus Nazareth in Galiläa, der Christus, der Sohn Gottes, in zwei vollkommenen ungetrennten und unvermischten Naturen wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Dies zu bekennen ist nur durch die Gabe des Heiligen Geistes möglich, des Geistes der Wahrheit, den Christus für Seine Jünger und Apostel von Gott dem Vater erbeten hat (vgl.: Johannes 14: 16f. 26; 15,26; 16:7-15).  Diesen wird der Vater dann am Pfingstfest auf die heiligen Apostel und Jünger herabzusenden und sie dadurch zu Zeugen Christi, des Eingeborenen Sohnes des Vaters machen - zuerst in Jerusalem, dann in ganz Jüdäa und Samarien und schließlich bis an die Enden der Erde.

 

Dies feiert die orthodoxe Kirche am ersten Sonntag nach Ostern, dem „Sonntag Anti-Pascha“. Denn mit dem Anti-Pas´cha-Sonntag endet nicht nur die Lichte Woche, die freudige Vigilfeier des Osterfestes, in der wir mit den Hymnen und Gesängen der Ostergottesdienste die Auferstehung, den Sieg des menschgewordenen Sohnes Gottes über Sünde und Tod feiern, sondern wir blicken bereits über die kommenden 50 Tage hinweg voraus auf das Offenbarwerden der gesamten geistlichen Fülle des Auferstehungsmysterions im Kommen des Heiligen Geistes (Johannes 14:16).

 

Die orthodoxe Kirche betrachtet deshalb den Unglauben des Heiligen Apostels Thomas, als einen Typos für den geistlichen Prozess des Zum-Glauben-Gelangen eines jeden Gläubigen, als ein Bild für uns alle, für die uns durch den Empfang der Heiligen Mysterien der Taufe und Myronsalbung gegebene außergewöhnliche Chance, den Auferstandenen zu berühren, zum Glauben zu gelangen und ihn zu bekennen. Dies geschieht, wenn wir zum Kelch des Heiles, der Heiligen Kommunion herantreten, um den Wahren Leib und das Kostbare Blut des Auferstandenen Christus Selbst zu empfangen. 

 

So heißt es in den Hymnen der Gottesdienste am ersten Sonntag nach Ostern (Anti- Pas ´cha):

 

O des überraschenden Wunders. An des Wortes Brust lag Johannes. Doch Thomas ward gewürdigt, zu berühren Seine Seite. Jener schöpft schauereregend aus ihr der Gottesgelehrsamkeit Tiefe. Und in die Mysterien der Heilsordnung uns einzuführen, ist dieser gewürdigt. Denn er stellt uns deutlich vor Augen die Beweise für Seine Erweckung, rufend: Mein Herr und mein Gott, Ehre sei Dir!

 

Nicht war es umsonst, daß Thomas zweifelnd nicht zustimmte Deiner Erweckung. Nein, über allen Zweifel eilte er, Christus, sie zu erweisen allen Völkern. So führte er durch Unglauben alle zum Glauben, lehrte sie sprechen: Du bist der Herr. Unser und der Väter erhabener Gott, gepriesen bist Du! 

 

Der heilige ApostelThomas

 

Der heilige ApostelThomas, der vor seiner Ernennung zum Apostel Fischer in Galiläa war, wird in den vier Apostelverzeichnissen des Neuen Testaments erwähnt. Die berühmteste Geschichte ist die vom »ungläubigen Thomas«. Sie beruht auf folgender Begebenheit: Als Jesus am Abend des Auferstehungstages den Jüngern erschien, fehlte Thomas. Als dem Apostel überbracht wurde, dass Christus auferstanden sei, glaubte er dies nicht und verlangte als Beweis, die Wundmale Jesu sehen und berühren zu dürfen. Einige Tage später forderte Jesus bei einer weiteren Erscheinung den ungläubigen Thomas auf, die Wunden zu berühren. Da fiel Thomas auf die Knie und rief:

 

»Mein Herr und mein Gott! «

 

Nachdem die Apostel nach Christi Himmelfahrt auseinandergegangen waren, wirkte Thomas als Missionar. Er kam bis nach Indien, wo er, so erzählt es eine Legende, mit den Heiligen Drei Königen zusammengetroffen sei, sie getauft und zu Bischöfen ernannt habe. In Indien soll Tomas auch einen König namens Gundaphar bekehrt haben. Münzfunde haben inzwischen erwiesen, dass es in Indien zwischen 20 und 50 nach Christus tatsächlich einen König dieses Namens gegeben hat.

 

Im Jahre 72 nach Christy Geburt erlitt Thomas sein Martyrium. Während einer Missionsreise wurde er von einem Heiden erstochen. Als Ort des Martertodes wird allgemein Kalamina genannt. Man vermutet, dass es sich um Mailapur, eine Vorstadt der heutigen Großstadt Madras in Indien handelt. Bei Mailapur gibt es bis heute einen sogenannten »Großen Thomasberg«, auf dem im Jahr 1547 eine Kirche zu Ehren des heiligen Thomas errichtet wurde. Auf dem Altar des Gotteshauses steht das steinerne Thomaskreuz, das 1522 von Portugiesen wiedergefunden wurde. Eine alte Inschrift auf diesem aus dem siebten Jahrhundert strammenden Kreuz erzählt von den Predigten und dem Martyrium des Heiligen. Der großte Teil der Thomas-Reliquien wurde bereits im dritten Jahrhundert an einem 3. Juli, deshalb der Gedenktag -nach Edessa, dem heutigen Urfa in der Türkei, überführt. 1m Jahre 1258 kamen die Gebeine auf die griechische Insel Chios und von dort später dann nach Ortona in Mittelitalien.

 

 

Die Begegnung der myrontragenden Frauen

mit dem Auferstanden

 

Eine Predigt

des Heiligen Johannes Chrysostomus

 

Nach der Auferstehung erschien der Engel. Weshalb kam er und schob den Stein fort? Wegen der Frauen; sie sahen ihn ja am Grab sitzen. Damit sie glaubten, dass der Herr erstanden ist, sollten sie sehen, dass das Grab ohne Leichnam war. Deshalb hatte der Engel den Stein weggewälzt, deshalb war auch das Erdbeben entstanden, damit sie sich aufrafften und munter werden sollten. Sie waren ja aufgebrochen, den Leichnam zu salben; und das geschah in der Nacht, so dass einige vielleicht noch schlaftrunken waren. Weshalb, aus welchem Grund sprach der Engel: »Fürchtet euch nicht!« Er wollte ihnen zunächst die Furcht nehmen und dann die Auferstehung verkündigen. Ihr habt keinen Grund zur Furcht, sagte er, wohl aber jene, die den Herrn gekreuzigt haben. Als er ihnen nun die Furcht genommen hatte durch seine Worte wie auch durch sein Aussehen – er erschien ja in leuchtender Gestalt, da er eine solche Freudenbotschaft zu überbringen hatte – , fuhr er fort: »Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.« Der Engel scheute sich nicht, den Gekreuzigten zu erwähnen; denn er ist ja der Ursprung des Heils. »Er ist auferstanden.« Woraus ist das ersichtlich? »Wie er gesagt hat.« Wollt ihr mir nicht glauben, meinte er, so erinnert euch an seine Worte, und ihr werdet mir den Glauben auch nicht versagen. Dann folgt ein weiterer Beweis: »Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.« Deshalb hatte er doch den Stein entfernt, um ihnen diesen Beweis zu geben. »Und sagt seinen Jüngern: Ihr werdet ihn in Galiläa sehen.« Er forderte sie auf, auch anderen die frohe Kunde zu melden –  ein Umstand, der sie ganz besonders zum Glauben bewegen musste. Passend sagte er: »in Galiläa«, um sie aus Schwierigkeiten und Gefahren zu ziehen, damit die Furcht nicht etwa ihren Glauben beeinträchtige.

 

 

»Und sie verließen das Grab voll Furcht und Freude.« Wieso? Sie hatten etwas Bestürzendes und Unerhörtes erlebt: das leere Grab, wohin Jesus vor ihren Augen gelegt worden war. Deshalb hatte der Engel sie auch zum Schauen eingeladen, damit sie Zeugen beider Ereignisse würden, sowohl des Grabes als auch der Auferstehung. Sie begriffen auch, dass niemand ihn hätte fortschaffen können, da dort so viele Soldaten lagerten; er selbst musste auferstanden sein. Daher waren sie zugleich erfreut und verwundert und empfingen auch den Lohn für ihr Ausharren, da sie als erste sehen und verkünden durften, nicht nur was sie gehört, sondern auch was sie gesehen hatten. Als sie in Freude und Furcht das Grab verließen, »siehe, da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie aber umfassten seine Füße.« Mit überwältigender Freude eilten sie auf ihn zu und empfingen durch die Berührung den Beweis und die volle Gewissheit seiner Auferstehung.  »Und sie warfen sich vor ihm nieder.« Was sagte nun der Herr? »Fürchtet euch nicht!«Auch er nimmt ihnen wieder die Furcht, um dem Glauben den Weg zu bahnen. »Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.« Sieh, wie er selbst durch die Frauen die frohe Kunde überbringen lässt, um, wie ich schon oft erklärt habe, das so verachtete (weibliche) Geschlecht zu Ansehen zu bringen, es zu berechtigter Hoffnung zu führen und das, was sie zu erleiden haben, zu heilen.

 

 

Vielleicht wünscht jemand von euch, bei ihnen gewesen zu sein und Jesu Füße zu umfassen? Wenn ihr wollt, habt ihr auch jetzt die Möglichkeit, nicht nur seine Füße und Hände, sondern auch sein heiliges Haupt zu umarmen, wenn ihr mit reinem Gewissen die ehrfurchtgebietenden Geheimnisse genießt. Doch nicht nur hier, sondern auch an jenem Tag werdet ihr ihn schauen, wenn er in unbeschreiblicher Herrlichkeit in Begleitung der Engel kommt, falls ihr nur Menschenliebe üben wolltet. Ihr werdet dann nicht nur diese Worte: »Seid gegrüßt!« zu hören bekommen, sondern auch die anderen: »Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist« (Matthäus 24:34). Seid also menschenliebend, damit ihr diese Worte zu hören bekommt.

 

Und ihr goldbehangenen Frauen, die ihr die eiligen Schritte dieser Frauen erlebt habt, legt doch einmal, wenn auch spät, die krankmachendeSucht nach dem Gold ab. Wollt ihr diesen Frauen nacheifern, legt den Schmuck ab, den ihr euch umhängt, und behängt euch mit Mildtätigkeit!

 

 

Zum Sonntag der Heiligen Myronträgerinnen

 

  Vr. Andrew Phillips, Großbrittannien

 

Heute erinnern wir uns an alle, die den gekreuzigten und auferstandenen Leib Christi gesehen haben: an die myrontragenden Frauen, an den gerechten Josef von Arimathäa und an den gerechten Nikodemus. 

 

Wir können uns kaum vorstellen wie schwierig es in jener Zeit für sie gewesen sein muss mit Christus verbunden zu sein und Zeuge Seiner Kreuzigung und Aufstehung zu werden:

 

So sprach Nikodemus, einer der Pharisäer, wie uns das Johannes-Evangelium mitteilt, im Schutz der Dunkelheit mit Christus, gab für 100 Pfund Myrrhe und Aloe viel Geld aus, wurde dann aus der Synagoge geworfen und litt für seine Enthüllung des jüdischen Plans, die Wahrheit über die Kreuzigung Christi und die Auferstehung zu verbergen und zu leugnen. 

 

Josef, der Jünger Jesu, der von Pilatus den Leib Christi erbat, spendete Geld für ein Leichentuch, gab sein eigenes Grab, und wurde von den Juden verfolgt, weil er die Wahrheit über Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen verbreitete. 

 

Die Myronträgerinnen, die selbstlos alles für das kostbare Myron opferten, mit der sie den Leib Christi salbten und pflegten, und dann die Auferstehung des Gekreuzigten verkündeten, als andere sich aus Furcht vor den Juden versteckten. 

 

Sie alle sollten Furcht vor den Juden haben. Und doch liebten sie Christus so sehr, dass sie keine Angst hatten, und sie alle offenbarten die Wahrheit Seiner Kreuzigung und Seiner Auferstehung und litten für sie.

 

Dies geht uns alle an, wir alle sind Myronträger. Da die Kirche, nach den Worten des hl. Apostels Paulus, der Leib Christi ist, sind alle Glieder der Kirche auch Glieder des Leibes Christi (1. Korinther 12:12-27). Deshalb kennen wir und bekennen wir die Wahrheit Seiner Kreuzigung und Auferstehung und werden so zu Myronträgern. Wir müssen auch wissen, wie schwierig es ist Myronträger zu sein, sich um den Leib Christi zu kümmern, um die Kirche zu kümmer

 

Die Welt versucht z. B. die Kirche zu tadeln, weil die Werte der Kirche gegensätzlich zu denen der Welt sind, die „im Argen liegt“ (1. Johannes 5:19). Manchmal versucht die Welt den Leib Christi äußerlich zu verletzen. Indem sie dann die Schutzhülle der Kirche durchdringt, schafft sie den einen oder anderen Skandal und entmutigt so die Leute, sodass sie sich von der Kirche abwenden. Die sich abwenden erfüllen so den Willen dieser Welt und des Prinzen dieser Welt, des Satans. 

 

Für die Kirche, für den Leib Christi in dieser Welt etwas zu tun ist schwierig, denn es erfordert Glauben. Und die wenig Glauben haben, haben auch wenig Zeit und Geduld für die Kirche. 

 

Kürzlich kam z. B. eine Frau hierher und sagte: „Du hast Glück so eine schö- ne Kirche zu haben“. Ich war erstaunt von dieser Haltung. Erstens, gibt es so was wie „Glück“ nicht. Zweitens, das wenige, das wir hier besitzen gehört nicht uns sondern Gott. Und drittens, alles was wir hier haben ist nicht im Glück sondern in einer von zwei Ursachen begründet: entweder ist es das Ergebnis von Gottes unverdienter Gnade, die uns gegeben oder genommen werden kann. Oder das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen, Opfern und harter Arbeit, mit anderen Worten – Myrontragen, selbstloses sich kümmern um den Leib Christi. Myrontragen ist nicht nur an den Sakramenten teilzuhaben, das Evangelium zu verkünden und den Glauben zu bekennen, es sind auch tausend andere Dinge zu tun, die so schwierig sind, dass sie unser Opfer verlangen. Denn:

 

die in der Kirche singen sind Myronträger,

die die Kirche putzen sind Myronträger,

die die Blumen für die Gottesdienste herrichten sind Myronträger,

die sich um den Garten kümmern sind Myronträger,

die die Ornate und die Altardecken nähen sind Myronträger,

die den Tee zubereiten und Essen spenden oder abwaschen sind Myronträger,

die Ikonen oder Geld spenden sind Myronträger,

sogar die, die einfach kommen und für das Heil aller beten sind Myronträger. 

 

Alle, die in dieser Welt für den Leib Christi, die Kirche, arbeiten, aber nicht von dieser Welt sind, sind Myronträger, denn sie zeigen, dass auch sie Christus selbstlos lieben. 

 

Welcher Lohn erwartet die Myronträger? 

 

Der Erste zu sein den gekreuzigten Leib des auferstandenen Christus zu erkennen, als Erster die Worte des Engels – strahlend und weißer als Schnee – zu hören: Warum sucht ihr den Lebenden unter den Toten? Er ist auferstanden! 

 

Das ist unsere Freude: nicht nur zu fühlen, sondern auch zu wissen, dass der Leib Christi, die Kirche, auferstanden ist, denn sie ist der Ort der Auferstehung und wir sind die Zeugen von Christi Kreuzigung und Auferstehung. Dazu kommt, wenn wir uns um die Kirche kümmern, kümmert sich auch die Kirche um uns, denn wir sind mit ihr auferstanden. 

 

Mögen wir immer alle dieses innige Wissen um die Wahrheit Christi haben und bewahren und myrontragende Zeugen Seiner Kreuzigung und Auferstehung sein. Amen. 

 

Quelle: Andreasbote Mai 2011

 

 

Predigt zum Sonntag des Gelähmten

 

Erzpriester John Kaloudis

 

Die heutige Evangeliumsperikope erzählt  uns, dass vier Freunde einen Gelähmten zu Jesus Christus brachten, in der Hoffnung,  dass er geheilt werde. Als sie sahen, dass das Haus voller Menschen war, gaben sie nicht verzweifelt auf. Statt dessen stiegen sie auf das (Flach-)Dach, rückten die Balken zur Seite und ließen den Gelähmten auf  der Bahre hinunter. Man muss sich das Erstaunen der Menge im Hause vorstellen, als da plötzlich ein Mensch von der Zimmerdecke kam. Aber auch das Erstaunen Jesu Christi, als Er das und die vier Köpfe sah, die durch das Loch herunterblickten. Das Ergebnis war, dass Er den Gelähmten von seinen körperlichen und geistigen Leiden heilte.

 

 

Erstens sehen wir hier ein drastisches Beispiel für den Glauben. Wir sehen, dass der Glaube nicht nur Berge sondern auch Balken versetzen kann, um in der Gegenwart Gottes in Jesus Christus zu sein. Die Freunde ließen sich nicht vom Stau im Flur abweisen. Warum? Wegen ihres Glaubens. Der Glaube gibt nie auf. Der Glaube ist beharrlich. Glaube ist erfinderisch. Glaube ist fruchtbar. Glaube ist voller Ideen. Glaube verlacht Hürden. Wenn der Weg auf der einen Seite verschlossen ist, schaut der Glaube auf die andere Seite.

 

Zweitens sehen wir, dass diese vier Freunde offen zeigten, dass das Christentum kein Suchen im Dunkeln ist. Das Christentum versucht nicht sich als nettes Wesen darzustellen. Wahres Christentum ist ein entschlossenes und direktes Bemühen mit Jesus Christus in Kontakt zu kommen.

 

 

Wenn dir jemand sagt, dass „er nicht in der Kirche, aber sein Herz mit dir sei“, dann belügt er sich selbst. Wenn sein Herz dort ist, wird auch sein Leib dort sein. Glaube findet immer einen Weg bei Christus zu sein.

 

Sind wir bereit, die Dachbalken zu verrücken, um mit Christus zu sein?

 

Die meisten Menschen würden wohl noch mehr als Dachbalken verrücken um einen guten Geschäftsabschluss zu machen, oder für Karten für ein Fußballspiel, oder für die Oper, einen Film, eine Auslandsreise oder für eine neue Arbeitsstelle.

 

Wie viele von uns würden die Balken verrücken, um in der Gegenwart Christi zu sein?

 

Wohl nicht viele, weil wir ein Leben mit oberflächlichem Glauben führen. Ein Glaube, der nicht lebendig und kraftvoll ist. Wir sind vielleicht sehr religiös, leben ein Leben der äußerlichen Formalitäten, statt dass unser Glaube eine tiefe Bewegung in unserem Herzen wäre. Wahrer Glaube kann auf dem Weg zu Jesus Christus nicht gebremst werden.

 

 

Warum ist das so? Wo ist das Problem? Ich glaube, dass sich das Problem um das, was wir glauben, dass Christus ist, dreht. Christus fragte Seine Jünger, und implizit auch uns: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“

 

Für wen halten wir Christus?

 

Nach unserer orthodoxen Theologie glauben wir, dass Jesus der inkarnierte Gott ist, der Schöpfer von Allem, Retter der Welt und das Alpha und Omega. Die Bibel und die Kirche machen Christus überragend, Herr, Kyrios und Höchste Autorität. Er muss dies alles für uns persönlich werden.

 

Unsere orthodoxe Theologie sollte eine Theologie der Erfahrung sein. Eine Theologie, die sich auf Bücher beschränkt ist nutzlos. In Wirklichkeit ist das, was wir über Christus denken wesentlich, sogar wichtiger als unser Tun. Wenn jetzt hier jemand hereinkäme und sagte: „Ich bin Christus, ich bin Gott“, dann haben wir drei Möglichkeiten: Wir können meinen, er ist verrückt, wir können meinen, dass er ein Lügner ist, oder wir können glauben, dass er ist, was er sagt.

 

 

Was wir über Christus glauben beeinflusst die Menge an Mühe, die wir aufwenden um in Seine Gegenwart zu gelangen. Denkt an die Freunde des Gelähmten. Sie waren zuallererst Gläubige, ihr Glaube führte zu einem Wunder. Vier Leute kamen zu Christus, aber sie kamen nicht allein. Sie dachten zuerst an ihren gelähmten Freund. Viele von uns grübeln, wie sie in die Gegenwart Christi gelingen könnten, was gut ist, aber wir haben auch das Vorrecht, andere in Gottes Gegenwart zu bringen.

 

Das größte Geschenk, das wir einem anderen machen können, ist ihn zu Gott zubringen. Wohl kein Tag vergeht, dass wir mit Leuten in Verbindung kommen, die Christus nicht kennen und keine Christen sind.

 

Ist nicht der ganze Zweck der Kirche, der Priester, Religionslehrer, Kantoren, Jugendarbeiter und Laien, andere zu Christus zu bringen?

 

So oft bringen wir andere zu Baklava, Souvlaki, Dolmadakia, aber vergessen unseren Glauben, vergessen Christus.

 

Von den Wüstenvätern wird eine Geschichte erzählt, dass ein Mönch einen Stein aufhob und sagte: „Wenn dieser Stein Menschen heilen könnte, würdest du den Stein in deine Tasche stecken und versuchen so viele Leute als möglich damit zu berühren?“ Die Antwort ist klar. Der Mönch sagte weiter, dass der Stein Christus symbolisiere und wir so viele als möglich mit der Liebe Christi berühren sollten. Wenn wir Glauben haben, werden uns die Umstände nicht abhalten. Mit dem Glauben an Christus werden wir andere in Seine Gegenwart bringen. Es gibt kein größeres Geschenk als Christus, der die Menschen jetzt und hier zur Fülle des Lebens bringt, und auch das ewige Leben verleiht.

 

 

Gedächtnis unseres heiligen Vaters Germanos

 

Patriarch von Konstantinopel

 

 

12. Mai

 

Der Heilige Germanos war Sohn eines berühmten und mächtigen Patriziers, Nachkomme von Kaiser Justinian. Aus Eifersucht ließ Kaiser Konstantin IV. Pogonatos denselben hinrichten und den jungen Germanos zum Eunuchen machen, damit er nicht in den Senat aufgenommen werden konnte. Danach ordnete er ihn in den Klerus der Großen Kirche ein.

 

Der selige Germanos machte aus der Notwendigkeit eine Tugend und lebte ein engelgleiches Leben fernab vom weltlichen Treiben, indem er sich Tag und Nacht dem Schriftstudium und dem Gottesdienst hingab. So erwarb er eine umfassende theologische Bildung, die es ihm ermöglichen sollte, den wahren Glauben zu verteidigen.

 

Er wurde Metropolit von Kyzikos und kämpfte zuerst gegen die Ausbreitung der monothelitischen Häresie, wofür er von Kaiser Philippikos (711-713), der diese Irrlehre neu beleben wollte, verbannt wurde. Als der Tyrann starb, wurde er auf seinen Sitz zurückgerufen und 715 zur großen Freude aller Orthodoxen zum Patriarchen von Konstantinopel bestimmt.

 

Er schmückte diesen Thron mit seinen Tugenden und seiner Gabe der Prophetie und sagte manches Unheil voraus, das die Kirche treffen sollte. Als 718 eine riesige arabische Armee die Kaiserstadt bedrohte, gab sich das Volk unter seiner Leitung innigen Gebeten hin, und auf ein Wunder der Mutter Gottes in der Balachernenkirche (Mariae-Schutz- Pokrow) hin wurde Konstantinopel damals gerettet.

 

 

Im Jahe 726 begann Kaiser Leon III. der Isaurier seine Verfolgung gegen die Ikonenverehrer. Germanos stellte sich ihm entgegen, indem er ihm seine unbefugte Einmischung in kirchliche Angelegenheiten und die Verletzung von Traditionen vorwarf, die in apostolische Zeiten zurückreichen. Weil der göttliche Logos Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist, um in uns das von der Sünde verzerrte Bild Gottes zu erneuern, ist es möglich, Ihn im Bild darzustellen. Daher lief die Verwerfung der heiligen Ikonen durch den Kaiser auf die Verwerfung des ganzen Mysteriums der Inkarnation Christi hinaus. Der Heilige Germanos erklärte dem Herrscher, er sei bereit zu sterben für das Bild des Herrn, und beschwor ihn, aufzuhören, die Kirche durch seine Eingriffe zu quälen.

 

Da Leon darauf nichts zuentgegnen wusste, schlug er dem Patriarchen ins Gesichts und warf ihn hinaus. Dann ließ er den Leiter der Patriarchatsschule kommen, der ihm bestätigte, dass die Ikonenverehrung eine alte und ehrwürdige Tradition ist. Verärgert und erzürnt ließ der Kaiser daraufhin die Schulräumlichkeiten besetzen durch seine Soldaten, die Tausende von Bänden der Bibliothek verbrannten und ins Meer warfen.

 

Nach dem der Kaiser die Ikone am Chalki-Tor  vergeblich zu schänden versucht hatte, rief Kaiser Leon denPatriarchen vor eine Versammlung von Senatoren und hohen Würdeträgern, um ihn zu zwingen, ein Dekret zu unterzeichnen, das die Zerstörung aller heiligen Bilder im ganzen Reich anordnete. Nach einer glänzenden Verteidigung des wahren Glaubens schloss der Hl. Germanos mit den Worten: „Wenn ich ein neuer Jonas bin, so werft mich ins Meer. Doch wisse, o Kaiser, dass es mir nicht gestattet ist, ohne ein Ökumenisches Konzil Neuerungen vorzunehmen in Angelegenheiten des Glaubens“. Dann ging er in die Hagia Sophia-Kathedrale, legte sein Omophorion auf den Altar und zog sich auf den Familiensitz Platonion zurück, wo er bis zu seiner Entschlafung 730 oder 740 in der Stille und im Gebet lebte.

 

 

Bereits fünf Tage nach Germanos’ Rücktritt ließ der Kaiser den intrigenreichen Anastasios zum neuen Patriarchen weihen, der ihm willfährig war und die Verfolgung des Klerus, der Mönche und aller Christen, die Ikonen verehrten, billigte.

 

 

Quelle: Das Synaxarion, Die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche,

hrsg. vom Kloster des Heiligen Johannes des Vorläufers,

Chania (Kreta) 2005-2006, Bd. II

 

 

Das Fest Christi Himmelfahrt

 

Bischof Sofian von Kronstadt (Brașov), Vikar der rumänisch-orthodoxen Mitropolie von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa.

 

In Herrlichkeit fuhrst du auf, Christus, du unser Gott, währenddem du die Jünger durch die Verheißung des Heiligen Geistes erfreut hast. Denn sie waren durch deinen Segen im Glauben gefestigt, dass du der Sohn Gottes bist, der Erlöser der Welt.

 

Troparion zur Himmelfahrt Christi

 

Das zweite große Fest der Pentekostarionsperiode ist die Himmelfahrt Christi (Вознесения Господня, νάληψις το Κυρίου). Die Herrlichkeit Jesu auf der Erde endete vierzig Tage nach seiner ehrwürdigen Auferstehung, an Christi Himmelfahrt; ein Ereignis, dessen die Kirche feierlich gedenkt. Das Geheimnis der Auferstehung Christi wurde mit seiner Himmelfahrt gekrönt. An diesem Fest betrachten wir das wundervollste Geheimnis des Christentums, das kaum denkbare Paradox und die Quelle seiner größten Freude. Es ist das von Gott realisierte Geheimnis, welches den Heiligen verheißen war, das Geheimnis der Verbindung der göttlichen und der menschlichen Natur in Herrlichkeit, das Geheimnis der Gegenwart des Leibes im Himmel der Dreieinheit.

 

 

Der gedankliche Übergang von der Auferstehung des Herrn zum Fest der Himmelfahrt Christi vollzieht sich am Mittwoch in der sechsten Woche nach Ostern, wo wir das Ende des Paschafestes und gleichzeitig den Vortag von Himmelfahrt feiern. An diesem Tag stellen uns die Gottesdienste Texte vor, welche die beiden Feste verbinden:

 

Die Bücher göttlicher Schriften und die Heroldsrufe der weisen Gottkünder erlangten sichtbar ihre Erfüllung. Denn nach der Erweckung erhebt sich der Herr in Herrlichkeit zu den himmlischen Reichen.

 

 

Utrenija  des 6. Mittwochs nach Ostern, 1.Ode, 2. Stichiron

 

Den Fluch der Menschheit tilgend auferstand Christus, fuhr auf zum himmlischen Reich und auf dem gleichen Thron wie der Vater hat Er die geehrt, die Er liebt.

 

Utrenija, 5. Ode, 1. Stichiron

 

Die eigentliche Himmelfahrtsfeier findet immer an einem Donnerstag statt,nämlich vierzig Tage nach dem Osterfest, und sie wird durch eine Nachfeier verlängert, die am Freitag der siebenten Woche nach Ostern endet. In dieser Zeit halten uns die Gottesdienste in der geistlichen Stimmung, die durch die Ereignisse der Himmelfahrt Christi verursacht wird. Besonders zwei Gedanken durchdringen die Gottesdienste dieses Festes: der Gedanke, dass durch seine Himmelfahrt Christus auch uns erhöht hat:

 

Du stiegst, Christus, Spender des Lebens, zum Vater empor und erhöhtest, Menschenfreund, in Deinem unsagbaren Erbarmen unser Geschlecht.

 

Utrenija am Himmelfahrtsfest, 3. Ode, 1. Kanon, 1. Stichiron

 

 

Und der Gedanke, dass Christus, der zum Vater hinaufgegangen ist, auch uns den Heiligen Geist schicken wird:

 

Du fuhrst in Herrlichkeit auf, König der Engel, uns den Tröster vom Vater zusenden.

 

Utrenija 4. Ode, 1. Kanon, 1. Stichiron

Es bleibt uns also nur folgendes:

 

Kommt, lasst das Irdische auf der Erde zurück, lasst das Vergängliche zu Staub werden, damit wir wach werden, Augen und Geist nach oben ausrichten; damit wir sterbliche Blicke und Sinne zu den himmlischen Pforten erheben, damit wir uns auf dem Ölberg wähnen und den Erretter schauen, der von der Wolke getragen ist. Denn von dort fuhr der Herr zu den Himmeln auf; dort teilte der Freigebige Seinen Aposteln Gaben aus, Er liebkoste und stärkte sie wie ein Vater, Er richtete sie auf wie Söhne und sagte zu ihnen: Ich werde mich von euch nicht trennen. Ich bin bei euch, und niemand ist wider euch.

 

Ikos der Utrenija des Himmelfahrtsfestes

 

Quelle: Vikarbischof Sofian von Brașov

früher Vater Serafim Pâtrunjel:

Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit.

Kommentar zumPentekostarion.

 

 

Das heilige Pfingstfest in der orthoxen Tradition

 

Die orthodoxen Christen schmücken an diesem Tag die Häuser und Kirchen mit grünen Zweigen und Blumen. Dieser Brauch stammt noch aus der Kirche des Alten Testaments, als die Häuser und Synagogen zu Pfingsten mit Grün geschmückt wurden, als Zeichen dafür, wie auf dem Berg Sinai an dem Tag alles grünte und blühte, als Mose die Gesetzestafeln erhielt. Der Saal auf Zion war an dem Tag, als der Heilige Geist auf die Apostel herab­kam, nach allgemeinem Brauch auch mit Zweigen und Blumen geschmückt gewesen.

 

An Pfingsten wird auch der Erscheinung der Dreieinheit bei Abraham in Mamre gedacht, deshalb erinnert die mit Grün geschmückte Kirche auch an jenen Hain.

 

Die blühenden Zweige bedeuten auch, dass die Seelen der Menschen unter der Wirkung der Gnade Gottes in Taten der Tugenden erblühen. Die Gewänder der Geistlichen und des Altares sind grün. An diesem Tag hat der Gottesdienst folgende Besonderheit:

 

Nach der Göttlichen Liturgie beginnt sofort die Große Vesper, bei der nach dem Einzug und dem Großen Prokimenon die Priester spezielle Gebete zum Heiligen Geist lesen. Diese Gebete werden nur am heiligen Pfingstfest gelesen. Deshalb bemühen sich alle Orthodoxen, an diesem Tag unbedingt am Gottesdienst teilzunehmen. Die Geistlichen verrichten alle heiligen Handlungen mit Sträußen aus Birkenzweigen und Blumen in der Hand. Auch die Gläubigen stehen in den Gottesdiensten mit Birkenzweigen und Blumen in der Händen. Diese Sträuße werden vorher mit Weihwasser gesegnet.

 

Aus: Andreij Lorgus, Michail Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch. Eine Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der Russischen Orthodoxen Kirche, Verlag Der Christliche Osten Würzburg 2002.

 

 

Die Ikone der allheiligen

 

Gottesgebarerin und Immerjungfrau

 

Maria von der Passion

  

30. April

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Verehrung der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria verbindet bis heute orthodoxe, altorientalische, katholische sowie den katholisch orientierten Teil der anglikanischen Christen. Die Verehrung der allheiligen Immerjungfrau Maria beruht auf dem eindeutigen Zeugnis der Heiligen Schrift. „Siehe von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter“ (Lukas 1:48). Dieser Satz des Evangeliums bezeugt uns die biblische Grundlage der Verehrung der allheiligen Gottesgebärerin. Die Jungfrau Maria kündet es selbst an, das alle künftigen Generationen der Glaubenden sie seligpreisen werden für das Große, das Gott an ihr durch die Fleischwerdung Seines Eingeborenen Sohnes getan hat.

 

„Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lukask1:42-43), so lobpreist die heilige Elisabeth, die Mutter des heiligen Vorlaufers und Taufers Johannes, die allheilige Immerjungfrau Maria. Mit den Worten „die Mutter meines Herrn“ wird die Rolle der Jungfrau Maria im Heilswerk Gottes klar benannt: Sie ist die Mutter des Herrn, die allheilige Gottesgebärerin, die Mutter Gottes. Zum Glaubensgeheimnis der Inkarnation des Eingeborenen Gottessohnes Jesus Christus aus der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria, das die Heiligen Vater auf dem Dritten Ökumenischen Konzils in Ephesos als rechtglaubig bekannten und im Titel der Theotokos (Θεοτόκος), der Gottesgebärerin; ausdruckten, bekennen sich alle orthodoxen Christen.

 

Im 16. Jahrhundert wurde im westlichen Teil der Christenheit dann durch die Protestanten die Verehrung der Gottesmutter als Fürsprecherin und Vermittlerin der Gläubigen verworfen. Nach der Ansicht Luthers solle man Maria zwar loben, ehren und lieben, soviel man wolle, aber mit der Vermittlung des Heils habe sie angeblich nichts zu tun. So hielt der ehemalige Augustinermönch auch Predigten über Maria und schätzte in seinen Auslegungen - etwa des Magnificats - Maria als ein Vorbild im Glauben und als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit. Damit jedoch haben die Reformatoren und alle Christen, die deren Theologie und Frömmigkeitspraxis gefolgt sind, das gemeinsame altkirchliche Glaubensfundament hinter sich gelassen.

 

Als orthodoxe Christen bekennen und lobpreisen wir die Allheilige Immerjungfrau Maria als die Gottesgebarerin, die erwürdiger als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim ist, wie wir im Hymnus „Axion Estin“, dem „Wahrhaft Würdig“, in jeder Feier der Göttlichen und Heiligen Liturgie singen. Hierin sind wir uns auch mit unseren altorientalischen, katholischen und dem anglokatholischen Teil unserer anglikanischen Bruder und Schwester einig.