Orthodoxe Perspektive

Ein Online-Magazin                                                           für Gemeindekatechese und Erwachsenbildung

 

Botschaft zur Fastenzeit 2017

 

 

Die Fastenzeit, in die wir in diesen Tagen eintreten, ist ein dringlicher Aufruf zu jener bedeutsamen Umkehr des Herzens, die das Leben nach dem Evangelium bedingt. Damit das Leben Christi in uns wachsen kann, heißt es, Stück für Stück alles Hinderliche hinweg zu nehmen, das an das Ich gefesselt ist. Die Askese erscheint hier als das sicherste Mittel im Kampf gegen alle Arten des Todes, die mit unserer Existenz verbunden sind. Sie ist ein in uns wirksamer Widerpart gegen alle Schattenbereiche, die dem Licht der Auferstehung gestattet, unser Sein zu durchfluten, unsere Wunde vernarben zu lassen und uns von all jenen Krankheiten zu heilen, die mit unseren Egoismen zusammenhängen. Die Askese sucht nicht Verdienste oder eine Befolgung von Verhaltensmustern, wie viel zu oft glauben gemacht wird. Nein, denn die die Askese hat nur ein einziges Ziel: zur persönlichen Begegnung mit Christus zu befähigen, den Menschen authentisch teilhaben zu lassen am Leben des Auferstandenen. Die echte christliche Askese findet sich in den Seligpreisungen, die unsere Väter die “Gebote Christi” nennen. Die Askese konfrontiert uns mit den Götzen, den Leidenschaften, die das wahre Leben überdecken. Sie erlaubt uns, die wahre menschliche Natur in Christus aus der Gnade heraus wiederherzustellen.

 

Unsere Natur, geschaffen aus Fleisch und Geist-Seele, ist gleichzeitig menschlich und nicht-menschlich, da erschaffen ‘nach dem Bild Gottes und ihm ähnlich’. Sie ist zugleich das, was wir sind, und das, was wir sein sollten. Die Natur des Menschen ist als Fleisch durchdrungen von Energien seiner Person, die mit dem Urbild verbunden sind. Doch die Natur kann zur “Widernatur” werden, wenn sie sich selbst überlassen bleibt. Ohne die Hilfe jener Energien wird sie sich selbst zum Maß aller Dinge und schlägt den Weg ins Nichts ein. Die Askese erlaubt uns, diese “Autonomie” des Fleisches zu bekämpfen, damit die Energien ihre wahre Bestimmung finden, wenn sie sich entfalten : das ist die Vereinigung mit den göttlichen Energien in der Vereinigung mit Christus, der vollkommenen Ikone der Gottmenschlichkeit, die gedacht ist – wie es der heilige Maximus Confessor sagt – durch “den Großen göttlichen Ratschluss”. Es ist ersichtlich, dass die Askese hier nicht einfach nur ein Kampf des Willens und der moralischen Anstrengung ist, da jedes Gesetz zweitrangig ist. Die Askese, wie sie unsere Väter beschreiben, ist eine Anstrengung des ganzen Wesens, um empfänglich für die Gnade zu werden, die wahre Bestimmung und das wahre Gesetz des Menschen. Das Fleisch und der Geist müssen mit Leben erfüllt werden, um sich mit Licht anfüllen zu können. Die Askese bedeutet daher, sein Leben auszurichten, auf dass es Stück für Stück von diesem Licht durchdrungen wird. Die menschliche Anstrengung wird hierbei von der Gnade getragen und Gott selbst schenkt dem empfänglichen und danach verlangenden Menschen seine Energien.

 

Die Fastenzeit macht uns den körperlichen Aspekt der Askese bewusst. Die wirkliche Erkenntnis Gottes, bildlich ausgedrückt im Brautgesang des Hohenliedes, fordert die Seele und den Leib. Die Askese ist die Verwirklichung dieser Hochzeit in der Demut jener Begegnung vom (göttlichen) Bräutigam und seiner Braut. Unser ganzer fastenzeitlicher Gottesdienst stellt uns das Fasten als Mittel vor Augen, das ungezügelte Verlangen zu meistern, um sich der Beziehung zu Gott bewusster zu werden. Das Fasten erlaubt uns, uns der Materie nicht wie ein Raubtier zu nähern, sondern als eucharistischer Mensch, dessen Leben eine unausgesetzte Danksagung ist. Das erste Abweichen vom Weg, so sagt uns Romanos der Melode, geschah nicht umsonst durch das Essen, durch den Genuss der Welt, ohne Dank zu sagen. Das heißt : man hat für sich selbst genommen und die Gabe eben nicht durch den Dank verwandelt. Das Fasten bedeutet auch die Erwartung des Bräutigams. Wer fastet, kleidet sich in die Demut Christi, um bewusst Christus, den Auferstandenen, anzuziehen, dem er in der Osterfreude begegnen wird und den er in jeder eucharistischen Begegnung sieht. Die Fastenzeit, so sagt uns der heilige Andreas von Kreta, ist ein “strahlendes Festmahl”, denn der Mensch wird satt vor allem “durch jedes Wort, das aus Gottes Mund kommt”. - Das echte Fasten wird unsere vielfältigen Beziehungen zu Gott, zu unserem Nächsten, zur Welt und zu uns selbst verändern. Alles wird in der Vertikalen wahrgenommen, also in seiner Wahrhaftigkeit, in seiner unmittelbaren Beziehung mit den göttlichen Energien, die in allen Dinge durchscheinen, und zwar in dem Maß, wie wir unsere eigene Empfänglichkeit vertieft haben. Der Mensch soll durch das Fasten die göttliche Weisheit hervorsprudeln lassen, die ein jeder Sache eingeschlossen ist.

 

Die Enthaltung von Blut und Fleisch ruft uns unsere wirkliche Berufung in Erinnerung. Sie besteht darin, immer und überall Leben zu schenken und das Leben offenbar werden zu lassen. “Mäste nicht deine Sinnlichkeit, beende diese Morde und Selbstmorde, zu denen die Suche nach sinnlichen Vergnügungen unwiderruflich führt. Reinige und regeneriere deinen eigenen Leib, um dich vorzubereiten auf die Verklärung des allumfänglichen Leibes” schreibt Vladimir Soloviev in den Geistlichen Grundlagen des Lebens. Das bedeutet, dass das Fasten danach strebt, unsere Beziehungen mit dem Äußeren wiederherzustellen und dass es uns ein wirkliches Gleichgewicht des Lebens zurückgeben möchte.

 

Allerdings ist simples Fasten, ein bloßer Verzicht auf Essen, unnütz, denn jenes Fasten muss begleitet sein von dem, was ihm erst seine ganze Kraft verleiht: das geistliche Fasten. Dieses Fasten bedeutet, dass wir all das hinter uns lassen, durch das wir der Schöpfung, dem Mitmenschen und uns selber Schaden zufügen. Wir sollen fasten und ablassen von den Leidenschaften, die in uns wohnen, und von der Sünde, die uns beschränkt. Wir sollen ebenso fasten in der Machtausübung, indem wir den Sinn des Dienens wiederentdecken. Wir sollen fasten von der menschlichen Ehrsucht, indem wir uns in Demut üben. Die Väter sagen uns, dass wir auch unseren Verstand fasten lassen sollen, um uns nicht in jene sinnlosen Spekulationen zu verstricken, die am Ende nur den Hochmut der Erkenntnis sich erheben lassen. 

 

All das fasst das Gebet des heiligen Ephrem zusammen, das für uns der sicherste Wegweiser in dieser Fastenzeit sein wird. Wir sollen es Tag für Tag in unsere Herzen aufnehmen und es in unseren Körper einschreiben durch die Metanien, die es begleiten. Dieses Gebet, das Almosen für den Armen, das Wachen in den Gottesdiensten: all das wird uns gestatten, “den Bräutigam, der um Mitternacht kommt”, zu empfangen, wenn wir es intensiv leben, wie es uns der Tropar am Großen und Heiligen Montag in Erinnerung ruft. Dann werden wir, gleich den klugen Jungfrauen, in das Brautgemach eintreten und am strahlenden Festmahl der Hochzeit des Lammes teilnehmen, wenn wir seine Auferstehung schauen.

 

“Beginnen wir dieses Fasten voller Freude, licht geworden durch die Gebote Christi, unseres Gottes, im Aufstrahlen der Liebe und im Glanz des Gebets, in der Reinheit des Herzens und der Kraft der Starken, um in edelster Verfassung der heiligen Auferstehung am dritten Tag entgegen zu eilen, die über das ganze All ihren unsterblichen Glanz ergießt.”

 

(Morgengottesdienst am Montag der ersten Fastenwoche, 3. Kathisma)

 

Brüder und Schwestern, Euch allen wünsche ich ein gutes und wahrhaftes Großes Fasten, Euch alle bitte ich demütig um Vergebung für all das, was Euch vielleicht in meinem Handeln verletzt hat, und ich bitte einen jeden von Euch um sein inbrünstiges Gebet.

 

† Erzbischof Johannes von Charioupolis,

   Exarch des ökumenischen Patriarchen

   Paris, den 25 Februar 2017

 

 

Alle Texte zur Fasten- und Osterzeit finden Sie in der Zukunft unter "Ikonen und Leben der Heiligen"

 

 

Die Verkündigung an die allheilige Gottesgebärerin

 

Das Fest Mariä Verkündigung (Благовещение Пресвятой Богородицы) wird von der Kirche am 25. März gefeiert.

 

Zwischen Mariä Verkündigung und der Geburt Christi liegen neun Monate – das entspricht der Zeit zum Austragen eines Kindes. Die Bezeichnung des Festes – Mariä Verkündigung – gibt seinen Sinn wieder: der Jungfrau Maria wird die frohe Botschaft über die Empfängnis und die Geburt des Gottessohnes Christus verkündigt. Es geschah so:

 

Als sich die Zeit erfüllt hatte und die Menschheit vom Fluch des Todes durch die Ankunft des Erlösers in der Welt errettet werden sollte, musste eine reine und makellose Jungfrau gefunden werden, die würdig war, der Menschwerdung Gottes zu dienen. Und sie wurde gefunden, die Reinste und Makelloseste, die Frömmste aller Menschen, die Allheilige, die Allreine und über alles gesegnete Jungfrau Maria. Sie stammte aus königlichem und hohepriesterlichem Geschlecht; ihre Eltern waren die gerechten Joachim und Anna. Die Frucht ihrer Gebete, ihres Fastens und ihres ganzen frommen Lebens war Maria. Die Allreine Jungfrau war im Alter von drei Jahren in den Tempel gekommen und lebte dort etwa zwölf Jahre und verbrachte die Zeit mit Gebet und Handarbeit.

 

Als Maria vierzehn Jahre alt geworden war, während des zwölften Jahres ihres Lebens im Tempel, sagten ihr der Hohepriester und die Priester, dass nach dem Brauch des Gesetzes die Zeit gekommen war, nach Hause zurückzukehren und eine Ehe zu gründen. Sie antwortete, dass sie gelobt habe, sich Gott allein zu weihen, und deshalb möchte sie nicht heiraten. Die Priester waren über das ungewöhnliche Gelübde erstaunt, da sie bis dahin noch nie ein derartiges Mädchen getroffen hatten.

 

Sie wollten sie nicht im Tempel lassen, da dies gegen die Sitte war, gleichzeitig wagten sie es aber nicht, sie zur Ehe zu nötigen, da sie sich Gott allein geweiht hatte. Sie waren lange in Verlegenheit und dachten darüber nach, wie sie ihr Leben einrichten könnten, ohne Gott zu erzürnen. Die Priester hielten beides für eine Sünde: sie zur Ehe zu zwingen, da sie sich Gott geweiht hatte, oder sie im Tempel zu belassen.

 

Sie gingen zur Bundeslade, beteten inständig und bekamen von Gott die Antwort: es müsse für die Jungfrau ein ehrfürchtiger Mann gefunden werden, der unter dem Anschein der Ehe ihre Reinheit bewahren würde. Dieser Mann sollte aus dem Hause und Geschlecht Davids sein. Auf wessen Stab Blumen erblühen würden, nachdem man ihn auf den Altar gelegt hatte, dem sollte die Jungfrau Maria anvertraut werden.

 

Zu jener Zeit kam das Weihefest. Aus den umliegenden Dörfern kamen viele Menschen in den Tempel, darunter auch Männer aus dem Geschlecht Davids. Der große Zacharias, der Vater Johannes des Vorläufers und Täufers des Herrn, wählte zwölf Männer aus, die keine Frauen hatten, unter ihnen war auch der heilige Josef, ein gerechter Mann in vorgerücktem Alter. Zacharias nahm ihre zwölf Stäbe, legte sie auf den Altar und betete so: „Herr, Gott, zeige den Mann, der würdig ist, mit der Jungfrau Maria vermählt zu werden!“ Danach gingen alle weg und ließen die Stäbe die Nacht über auf dem Altar liegen. Am Morgen sahen alle, dass der Stab Josefs erblüht war und auf ihm eine Taube saß. Damit verstanden sie, dass Gott Josef für die Jungfrau Maria erwählt hatte. Sie wurden verlobt, aber Josef war nur ihr vermeintlicher Ehemann und hatte die Aufgabe, die Jungfräulichkeit und Reinheit Marias zu bewahren. Nachdem die Allheilige Jungfrau aus dem Tempel in das Haus Josefs gekommen war, veränderte sie ihr Leben nicht. Sie betete wie früher, studierte die Heilige Schrift und beschäftigte sich mit Handarbeiten. Sie lebte hier abgeschieden, sprach nur mit den Hausbewohnern, das heißt nur mit Josef und seinen zwei Töchtern. Denn Josef war Witwer.

 

Schließlich kam die Zeit, die der Allheiligen Jungfrau vorhergesagt war, die Zeit, auf welche die Menschheit seit dem Tag des Sündenfalls der ersten Menschen schon Tausende von Jahren gewartet hatte. Gott sandte den Seinem Thron am nächsten stehenden Erzengel Gabriel mit der Kunde von dem Geheimnis, das mit dem menschlichen Verstand nicht begreifbar ist. Der Erzengel Gabriel sollte der Jungfrau von der wunderbaren Empfängnis des Sohnes Gottes künden, der in die Welt kommen würde, um die Menschen zu erretten.

 

 

Im Evangelium wird davon so gesprochen: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret gesandt.“ Es war der sechste Monat seit der Empfängnis Johannes des Vorläufers und Täufers des Herrn, die seinem Vater Zacharias von demselben Erzengel Gabriel verkündet worden war.

 

Galiläa, wo sich Nazaret befand, war damals ein überwiegend heidnisches Gebiet, seine sündigen und ungläubigen Bewohner wurden von den Juden verachtet. Nazaret galt als eine so unbedeutende Stadt, dass von ihr gesagt wurde: „Kann denn aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Aber der Herr wollte nicht aus dem berühmten Jerusalem stammen, nicht aus dem Land Judäa, sondern aus dem „heidnischen Galiläa“, aus dem armseligen Nazaret, um zu zeigen, dass Er der Sünder wegen in die Welt kam und den irdischen Stolz und Hochmut ablehnte.

 

Der Erzengel Gabriel kam in das Haus, in dem die Jungfrau Maria wohnte, und sprach mit sanfter Stimme zu ihr: „Freue dich, du Begnadete, der Herr ist mit dir! Du bist gesegnet unter den Frauen. Der, der vor dir war, ist jetzt mit dir und wird bald von dir geboren werden. Der, der vor der Ewigkeit war, unterwirft sich jetzt der Zeit.“

 

Als die Jungfrau den Gruß hörte, erschrak sie, obwohl ihr der freundschaftliche Umgang mit Engeln schon seit der Zeit ihres Lebens im Tempel vertraut war.

 

 

Der Engel sagte: „Fürchte dich nicht! Denke an die Jungfrau, die Jesaja vorausgesagt hat, und zweifle nicht: Du bist diese Jungfrau. Du hast die Gnade Gottes gefunden durch dein ganzes Leben, das erfüllt war mit guten Taten, aber zuallererst durch diese drei: erstens durch die Demut, da Gott Seine Gnade den Demütigen gibt; zweitens durch die Reinheit, da der Seinem Wesen nach Allerreinste Gott von einer reinen und allreinen Jungfrau geboren werden will; und schließlich durch deine feurige Liebe zu Ihm, denn der Herr liebt die, welche Ihn lieben, und schenkt denen Seine Gnade, die Ihn suchen.

 

Du wirst einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben, Er wird die ganze Welt erretten und wird ein ruhmvollerer König sein als der Vorvater David und alle früheren Könige. Und Sein Reich wird ewig sein.

 

Die Kraft des Allerhöchsten wird über dich kommen, der Heilige Geist wird in dir dem körperlosen Sohn Gottes menschliche Gestalt geben. Der Herr wird durch dich hindurchgehen, wie ein Sonnenstrahl durch Glas oder Kristall geht, und dich heiligen und erleuchten durch Seine Göttliche Herrlichkeit. Du wirst die Mutter Gottes werden, da du den Sohn gebären sollst, den vollkommenen Gott und vollkommenen Menschen, aber du wirst Jungfrau bleiben vor der Geburt, während der Geburt und nach der Geburt.

 

Und das soll dir ein Zeichen sein, dass Gott dies alles bewirken kann: Deine Verwandte Elisabet, die unfruchtbar war und jetzt schon alt ist, wird bald einen Sohn gebären. Den Menschen schien dies unmöglich, aber Gott gefällt es so: Gemäß Seinem Willen wird eine unfruchtbare alte Frau Mutter. Und auch du, Jungfrau, wirst Mutter werden.“

 

Nachdem die Allreine Jungfrau Maria dies vom Engel gehört hatte, verbeugte sie sich in tiefer Demut vor dem Herrn und sagte: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“

 

Und in diesem Augenblick empfing sie geheimnisvoll vom Heiligen Geist.

 

 

Nachdem der Erzengel Gabriel alles getan hatte, was ihm der Herr aufgetragen hatte, verneigte er sich ehrfürchtig vor der Mutter Gottes und kehrte zum Thron des Allherrschers zurück, wo er mit allen himmlischen Mächten das große Geheimnis der Menschwerdung Gottes verherrlicht.

 

Troparion, 4. Ton:

 

Heute ist der Anfang unserer Erlösung und die Offenbarung des Geheimnisses von Ewigkeit her. Gottes Sohn wird als Sohn der Jungfrau geboren, und Gabriel bringt die frohe Botschaft der Gnade. Deshalb rufen auch wir mit ihm der Gottesgebärerin zu: Freue Dich, Du Gnadenerfüllte, der Herr ist mit Dir!

 

Kontakion, 8. Ton:

 

Dir, der überlegen kämpfenden Heerführerin, bringen wir, Deine vom Bösen befreiten Diener, dankerfüllte Siegeslieder dar, o Gottesmutter! Du, deren Macht unüberwindlich ist, errette uns aus allen Gefahren, damit wir zu Dir rufen: Sei gegrüßt, Du unvermählte Braut!

 

 

Die Hand-Hand-Outs zur Gemeindekatechese in Balingen am 09. April 2017 (Große und Heilige Woche (Karwoche) und das Heilige Ölsakrament finden Sie hier unter der Rubrik "Große und Heilige Woche".

 

 

 

Was ist die Heilige Beichte?

 

Die Große Fastenzeit ist eine Zeit der Vorbereitung. Sie ist eine Reise hin zum Sieges Christi über den Tod, die Sünde und den Teufel. Diese Reise bedarf bestimmter "geistlicher Fahrzeuge":

 

-Bekehrung

- Buße

-Umkehr

-Vergebung

-asketischen Bemühungen

 

Die geistliche Vorbereitung auf das Heilige Osterfest besteht darin, dass wir:

 

-dem Gebet zu Hause mehr Zeit widmet

-vermehrt zu den Gottesdiensten in die Kirche gehen

-die guten Werke der Nächstenliebe und der Frömmigkeit vollzieht

-sich von dem, was uns zur Sünde verführen kann fernhält

-sich verstärkt darum bemüht, die Gebote Gottes zu befolgen

 -sich von den eigenen sündhaften Gewohnheiten abwendet 

-geistliche Literatur lesen

 

Körperlich unterstützen wir unsere geistlichen Bemühungen, indem wir dem geistlichen Rat unserer Kirche folgen und in dieser Zeit soweit es uns möglich ist und unsere Gesundheit und Lebensumstände es zulassen ausschließlich Fastenessen zu uns nehmen.

 

Während der Großen Fastenzeit sollten wir das Sakrament der Heiligen Beichte und auch die Heilige Kommunion empfangen. 

 

Die Beichte (исповедь oder auch покаяние) bestand in der Kirche schon seit Anbeginn. Schon zu den Heiligen Aposteln kamen die Menschen “und bekannten offen, was sie (früher) getan hatten” (Apostelgeschichte 19:6). In der Frühzeit der Kirche waren die Beziehungen der Menschen zur Kirche offen und das Bemühen um Erlösung von den Sünden stark ausgeprägt. Aber heute verstehen viele Menschen nicht (mehr), was die Sünde wirklich ist, oder sie wissen nicht mehr, was die Heilige Beichte eigentlich ist. Wie beichte wir als orthodoxe Christen und wie bereiten wir uns darauf vor?

 

Was ist die Beichte?

 

Sie ist vor allem das menschenfreundliche Mysterium der Liebe Gottes. Sie ist das Mysterium der Katharsis (Reinigung) und der Heilung der Seele.

 

Wie sie wirkt

 

 

Die Beichte bricht mit der Reue auf, die das Bewusstsein unserer Erfolglosigkeit ist. Sie ist die Richtungsänderung des Geistes und die beständige Entscheidung für Änderung. Die Reue wird mit unserer Ankunft im Sakrament der Beichte vollendet, wo der Mensch vor dem Träger der göttlichen Gnade, dem Priester, seine Fehler an Gott selbst bekennt. Das Sakrament findet nicht vor der Ikone, bei Freunden oder Psychologen statt. Diese können uns vielleicht zuhören, aber sie können uns nicht von der schweren Sünder befreien. Sie können uns nicht heilen. Nur die Apostel und ihre Nachfolger, die Priester, erhielten die Macht, die Sünden zu lösen, und zwar nur mit der Beichte an den Priester – was Erniedrigung voraussetzt – wird jemand zur Entwurzelung seiner Leidenschaften, zur Befreiung von der Last, von den Schulden, von der Aufregung und der Betrübnis, die die Früchte der Sünde sind, und zur wahren Heilung geführt....

 

Gespräch über die Beichte

 

von Metropolit Antony (Bloom) von Souroš

 

„Wir werden dann auf Ihn schauen und werden begreifen, dass Er gekreuzigt ist, weil wir gesündigt haben. Er ist gestorben, weil wir den Tod verdient haben, weil wir so leben, dass wir eigentlich von Gott auf Ewigkeit verdammt werden müssten. ... Das Gericht wird dann nicht darin bestehen, dass Er uns richten wird, sondern darin, dass wir Den sehen werden, Den wir mit unseren Sünden getötet haben und trotzdem in all Seiner Liebe vor uns steht... Um eine solche furchtbare Begegnung zu vermeiden, sollten wir jedes Mal so beichten, als wenn unsere Todesstunde herangerückt sei.“

 

Nicht selten werde ich gefragt, wie man beichten soll. Eine Antwort auf eine solche direkte und entschlossene Frage könnte so lauten: Beichte so, als wenn Deine Todesstunde nahe ist, als wenn es dein letztes Mal sei und du hier auf der Erde ein letztes Mal, bevor du in die Ewigkeit eintrittst, für all das, was du hier auf Erden getan hast, deine Reue zeigen kannst. Denn mit ihr wirst du dort in der Ewigkeit vor dem Gericht Gottes stehen. Beichte so, als wenn diese Beichte deine letzte Möglichkeit sei, um die Last eines langen Lebens in Lügen und Sünden von deinen Schultern zu werfen, um so frei in das Reich Gottes eintreten zu können.

 

Wenn wir so unsere Beichte begreifen würden, wenn wir so zu ihr stehen würden, weil wir wissen – und uns nicht nur vage vorstellen, sondern mit aller Sicherheit wissen - dass wir zu jeder beliebigen Stunde, in jeden Augenblick sterben können, würden wir nicht so viele nutzlose Fragen stellen. Unsere Beichte wäre dann schonungslos, aufrichtig und wahrhaftig, sie käme dann gerade heraus und wir würden nicht versuchen, schwerwiegende und uns erniedrigende oder belastende Worte zu umgehen. Wir würden dann mit aller Schärfe die ganze Wahrheit aussprechen. Wir würden dann nicht darüber nachdenken, was wir sagen sollen und was lieber nicht. Wir würden dann alles sagen, was sich uns in unserem Gewissen als Falsch und als Sünde darstellt, alles, was uns unserer Berufung gegenüber, Mensch und Christ zu sein, unwürdig macht. Wir hätten dann in unserem Herzen nicht das Gefühl, dass man das eine oder andere scharfe und schonungslose Worten lieber umgehen sollte, um uns selbst nicht weh zu tun. Wir würden uns dann nicht die Frage stellen, ob man dieses oder jenes sagen sollte, weil wir dann genau wüssten, womit man in die Ewigkeit gehen kann und womit nicht.

 

So sollten wir beichten. Das ist ganz einfach, es ist sogar furchtbar einfach. Aber wir tun dies nicht, weil wir diese schonungslose und einfache Direktheit zwischen uns und Gott und uns und den Menschen fürchten.

 

Wir bereiten uns nun durch die Große Fastenzeit auf das Fest der lichten  Auferstehung christi vor. Vor fast zweitausend Jahren ist Er auf die Erde gekommen. Er hat unter uns gelebt, Er war einer von uns. Er war der Heiland, der gekommen ist, um uns zu suchen, um uns Hoffnung zu machen, damit wir an die Göttliche Liebe glauben und daran, dass alles möglich ist, wenn wir nur auf Ihn und auf uns selbst vertrauen.

 

Jetzt kommt aber auch eine Zeit, in der Er vor uns stehen wird, sei es in unserer Todesstunde, sei es zum Jüngsten Gericht. Dann wird Er als gekreuzigter Christus vor uns stehen: mit von Nägeln durchbohrten Händen und Füßen, mit einer Stirn voller Wunden von der Dornenkrone. Wir werden dann auf Ihn schauen und werden begreifen, dass Er gekreuzigt ist, weil wir gesündigt haben. Er ist gestorben, weil wir den Tod verdient haben, weil wir so leben, dass wir eigentlich von Gott auf Ewigkeit verdammt werden müssten. Er ist zu uns gekommen, ist einer von uns geworden, hat unter uns gelebt und ist für uns gestorben. Was werden wir Ihm dann antworten? Das Gericht wird dann nicht darin bestehen, dass Er uns richten wird, sondern darin, dass wir Den sehen werden, Den wir mit unseren Sünden getötet haben und Der in all Seiner Liebe vor uns steht... Um eine solche furchtbare Begegnung zu vermeiden, sollten wir jedes Mal so beichten, als wenn unsere Todesstunde herangerückt sei, als sei sie unsere letzte Hoffnung vor der furchtbaren Begegnung mit Christus. Amen.

 

 

Die Beichte

 

Priester Johannes Nothhaas (Mainz)

 

Wer kann Sünden vergeben?

 

„Nur Gott kann Sünden vergeben“, dieser Satz ist für Christen eine selbstverständliche Wahrheit. Es ist jedoch ein Irrtum, wenn dazu gesagt wird: „Aber nicht der Priester…“ Diese Ergänzung erhebt Gott in eine so hohe Geistigkeit, dass er von den Menschen und der Welt isoliert wird. Wer so denkt und glaubt widerspricht dem, was Christus zu seinen Jüngern und Aposteln gesagt hat: „Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten!” (Johannes 20:22-23 und Matthäus 16:19; 18:18).

 

Christus hat so viel Vertrauen zu seinen berufenen Dienern, dass er sie an der göttlichen Macht, Sünden zu vergeben, teilhaben lässt, wie er sie auch teilhaben ließ an der Vollmacht, Kranke zu heilen (Matthäus 10:1,8; Markus 6:7,12; Lukas 9:1,6). Wozu hat er die Jünger gesandt und mit dieser Vollmacht versehen, wenn wir meinen, wir können uns selbst bekehren und durch Gebet Vergebung der Sünden beschaffen?

 

Woher kommt das Bekennen von Sünden?

 

Das Bekennen von Sünden begegnet uns im Neuen Testament bei den Menschen, die den Propheten und Vorläufer Johannes den Täufer aufsuchen. Es sind Menschen in einer Zeit großer innerer Not und nationaler Zerrissenheit, die zu Johannes kommen, um ihr Leben auf Gott hin auszurichten. Dass sie diesen Entschluss sehr ernst nehmen, lässt sich daran erkennen, dass sie hinausgehen in die Wüste, wo Johannes lebt. Sie kamen zu ihm, um ihre Sünden zu bekennen (Markus 13:5).

 

Johannes predigt eine Reinigungstaufe zur Vergebung der Sünden. In Israel waren es rituelle Waschungen, die man bei besonderen Verfehlungen zu vollziehen hatte. Das Neue an der Johannestaufe war, dass er zwischen den Sünden keinen Unterschied mehr machte. Alle Menschen sind vor Gott unrein, auch die Frömmsten. In seiner Predigt weist er jedoch die Pilger auf den hin, der nach ihm kommt, der wird sie „mit dem heiligen Geist taufen” (Markus 1:8).

 

Beim Evangelisten Johannes ist diese Buße angedeutet in den Worten Jesu im Gespräch mit dem Schriftgelehrten Nikodemus, der ihn bei Nacht besuchte (Johannes 3:3): „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.” Das „Von-neuem-geboren-werden” meint eine neue Haltung, eine neue Gesinnung: Abkehr von der alten Lebensweise und geistlicher Neuanfang. Anschließend wird die Taufe erwähnt (Johannes 3:5): „Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.”

 

Hier geschieht etwas. Während im Vers 3 gesagt wird, dass der Mensch „das Reich Gottes sehen kann“, spricht der Vers 5 davon, dass der Mensch „in das Reich Gottes kommen kann.“ Der ganze Mensch mit Seele, Geist und Leib „kommt ins Reich Gottes“. In diesem Nachtgespräch des Herrn mit Nikodemus ist die Situation des Ungläubigen angesprochen, der sich Christus anschließen will. Das Bekennen der Sünden mit der anschließenden Sündenvergebung durch den berufenen Diener Gottes führt hin zum Mysterium der Taufe. Aber auch der Christ ist auf Sündenvergebung angewiesen, da er im Leben nach der Taufe nicht frei ist von Sünden. Der Lossprechung von den Sünden durch den geistlichen Vater geht voraus das Bekennen der Sünden und der Vorsatz, Gottes Gebote zu halten. Beides geschieht in der Beichte.

 

Was ist die Beichte?

 

Die Beichte besteht aus drei Teilen:

 

1. Teil: Das Sündenbekenntnis

 

Da sind die Sünden beim Namen zu nennen, ohne andere zu beschuldigen.

 

2. Teil: Die Reue und der Vorsatz, sich von den begangenen Sünden abzuwenden

 

3. Teil: Der Lossprechung von den Sünden

 

 

Zur Lossprechung durch den Geistlichen gehören von Seiten des Gläubigen der Glaube, dass die Sünden vor Gott wirklich vergeben sind, so, als hätte Gott selbst gesprochen.

 

Wie bekenne ich meine Sünden?

 

Als Orientierung für das Beichten der eigenen Sünden kann eine Einteilung in drei Arten dienen. In ihnen spiegeln sich die 10 Gebote, die Gott Moses in zwei Tafeln auf dem Sinai mitteilte:

 

1. Tafel: Sünden gegen Gott

 

1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

 

Gibt es etwas, was mir wichtiger ist als Gott (Menschen, Dinge, Ideen)?

 

2.Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.

 

Habe ich den Namen Gottes missbraucht, geflucht, geschworen, ihn ausgesprochen, ohne zu Gott zu beten?

 

Seinen Namen sollen wir nur in den Mund nehmen um ihm zu danken, ihn um seine Hilfe anzurufen, um Fürbitte für andere Menschen zu tun, oder ihn zu bekennen, von ihm zu erzählen.

 

3. Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.

 

Habe ich vergessen, den Feiertag zu heiligen durch Teilnahme an der Göttlichen Liturgie? Halte ich regelmäßig meine Gebete (morgens, abends vor dem Schlafen, vor und nach dem Essen)?

 

2. Tafel: Sünden gegen den Nächsten

 

Ehren von Eltern, Lehrern, Vorgesetzten unterlassen (4. Gebot);

 

Töten von Menschen, Tieren, Pflanzen (5.Gebot);

 

Ehebruch, Unkeuschheit begangen (6. Gebot);

 

Jemanden belogen, falsche Urkunden verwendet (7. Gebot);

 

Jemandem etwas entwendet, was ihm gehört (8. Gebot);

 

Alle Unwahrhaftigkeit, alle Gier nach fremdem Besitz, Hass, Neid und Intrigen (9. und 10. Gebot).

 

Sünden gegen sich selbst

 

Alle Schäden, die man seinem eigenen Körper zufügt.

 

Anhängen an schlechte Gedanken, zu wenig Ruhe, Überlastung durch Arbeit oder Sport, Drogen, wie Alkohol und Rauchen, zu viel Essen, Nichteinhalten der Fasten.

 

Diese Aufzählung als Anhalt und Hilfsmittel dienen, nicht als Vorschrift.

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin des Kaisers Androkios (Андроникова икона Божией Матери)
Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin des Kaisers Androkios (Андроникова икона Божией Матери)

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin des Kaisers Androkios

 

Das Urbild dieser heiligen Ikone wurde durch den Heiligen Apostel und Evangelisten Lukas gemalt. Es war dann später die besondere Schutz-Ikone des rhomäischen Kaisers Andronikos III. Palaiologos (1297-1341). Dieser ließ die heilige Ikone in der Hauskapelle der byzantinischen Kaiserpalastes aufstellen.

 

Bei dieser Ikone handelt es sich um eine der verhältnismäßig seltenen Kopfbilddarstellungen der Gottesmutter, die in der Regel entweder als Fürbitterin wie in der Deesis, jedoch weitaus häufiger zusammen mit ihren Göttlichen Sohn abgebildet wird.

 

Nach dem Tode des Kaisers Andronikos III. wurde die Ikone im Jahre 1347 dann dem Kloster Monemvasia in der Morea geschenkt, wo sie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts verblieb. Als nach dem griechischen Aufstand des Jahres 1821 türkische Truppen diesen Teil Griechenlands verwüsteten, brachte der damalige Vorsteher des Klosters, der Bischof Agapios, von allen Schätzen des Konventes nur diese eine Ikone in Sicherheit und floh mit ihr in die Stadt Patras. Vor seinem Tode vermachte er dann die Ikone einem Verwandten, dem russischen Generalkonsul Nikolaos Vlasopoulos. Dessen Sohn Alexander sandte die heilige Ikone dann im Jahre 1839 mit einem Schiff vom Heiligen Berg Athos aus nach Odessa. Von dort aus wurde die Ikone dann entsprechend den Wünschen des Absenders zu Kaiser Nikolaj I. gebracht.

 

Dieser ließ die heilige Ikone zunächst in der Hauskirche Winterpalast aufgestellen. Dort verblieb sie von 1868 bis zum Jahre 1877. Dann wurde das Heiligtum in die Dreieinigkeitskirche auf der Petersburger Seite der Neva übertragen. Später kam die Ikone dann in das Kazaner Frauenkloster bei Vysnij Volocek im Gouvernement Tver’. Hier verblieb sie am Anfang der kommunistische Zeit in der Hauptkirche in einem speziell dafür angefertigten Schrein auf der linken Chorseite des Ikonostas. Nach der Schließung des Klosters in den 1920-er Jahren verliert sich die Spur der Original-Ikone. Vermutlich sind die kostbaren Edelmetallbeschläge abgenommen und eingeschmolzen und die Ikone selbst ist dann zerstört worden.

 

Am unteren Rand der Orginal-Ikone befand sich auch eine Inschrift, die in relativ schlichten und zierlosen  griechischen Majuskelbuchstaben (mit einigen Abkürzungen) bekundete, dass dies „DIE HERRIN DES ANDRONIKOS, DES SELBSTHERRSCHERS VON KONSTANTINOPEL, DES PALAIOLOGEN“ sei. Diese Inschrift dürfte allerdings eine jüngere Hinzufügung gewesen sein, denn in byzantinischer wie früher nachbyzantinischer Zeit wäre der Kaiser niemals als Herrscher „von Konstantinopel“, sondern „der Römer“ bezeichnet worden. Die Formulierung der Inschrift deutet somit eher auf das 18. oder 19. Jahrhundert hin.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Dokumentarfilme über das orthodoxe Christentum

 

Im orthodoxen Medienkanal wurde eine Reihe von Dokumentarfilmen, die in den Glauben und das kirchliche Leben der orthodoxen Kirche einführen. Dabei werde alle wichtigen Aspekte des kirchlichen Lebens vorgestellt, über die sowohl die Gläubigen, die schon mit dem kirchlichen Leben vertraut sind, als auch am orthodoxen Glauben frisch Interessierten, die Neugetauften oder die Konvertiten bescheidwissen sollten.

 

Den Anfang macht ein Film mit dem Titel "Einführung in die Kirche".

 

Was ist die Kirche und wie ist sie aufgebaut? Was versinnbildlicht ihr Äußeres, ihre Ausstattung sowie ihre Architektur? Wie betritt man die Kirche richtig, wo werden die Kerzen aufgestellt? Um all das und viele Aspekte des kirchlich-orthodoxen Lebens geht es in diesem Film.

 

Der Autor S. E. Metropolit Hilarion (Alfeev) ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Theologen der russischen orthodoxen Kirche. Von ihm ist in deutscher Sprache auch ein hervorragendes kleines Bändchen über das Gebet erschienen:

 

 

Vom Gebet. Traditionen in der Orthodoxen Kirche

Taschenbuch: 110 Seiten

Verlag: Vier Türme Verlag; Auflage: 1. Auflage (15. Januar 2013)

ISBN-13: 978-3896805867

 

 

Wer etwas über den geistlichen Lebensweg dieses jungen, engagierten orthodoxen Bischofs erfahren möchte, kann hier das Interview mit Vladika Hilarion (Alfeyev): "Alles in meinem Leben verdanke ich der Kirche " lesen.

 

 

ZUR ORTHODOXEN KATECHESE

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Es ist eine traurige Tatsache, dass viele orthodoxe Gläubige die Glaubenswahrheiten unserer Kirche nicht (mehr) kennen. Der Mangel an religiöser Kenntnis ist nicht normal, obwohl viele glauben, dass religiöses und theologisches Wissen allein eine Sache der "Spezialisten" sei.

 

Wer sich ernsthaft darum bemüht, ein orthodox geprägtes Leben zu führen, wer als praktizierender orthodoxer Christ sein Leben mit und in der orthodoxen Kirche führen will, muss zwar in erster Linie regelmäßig an den Gottesdiensten der Kirche teilnehmen, dort die heiligen Mysterien (Sakramente) ehrfürchtig empfangen, das persönliche Gebetsleben pflegen und sich im geistlichen Leben um ein, den eigenen Lebensvollzügen angemessenes, Maß der Askese bemühen.

 

An zweiter Stelle steht aber, dass wir uns als orthodoxe Christen ernsthaft darum bemühen sollten, ein umfassendes orthodoxen Glaubenswissen zu erwerben. Dies trifft nicht nur auf die Minderheiten in der orthodoxen Diaspora zu, wo schulischer Religionsunterricht bis heute eher eine Ausnahme darstellt und deshalb die Katechese im Erwachsenenalter unverzichtbar für den Aufbau eines gründlichen Wissens um die Inhalte des orthodoxen Glaubens ist, sondern zunehmend auch auf die bisher traditionell orthodox geprägten Länder Südost- und Osteuropas. Auch hier geht mit der Übernahme einer individualistischen Lebensauffassung und konsumorientierten Alltagskultur gleichzeitig ein Rückgang der traditionell gemeinschaftlich erlebten und von Generation zu Generation weitergegebenen orthodoxen, kirchlich orientierten Volkskultur einher. Wo aber nicht mehr die gemeinsam weitergegebenen orthodoxen Glaubens- und Lebensvollzüge, sondern in zunehmendem Maße persönliche Auswahloptionen das religiöse wie auch alltägliche Leben bestimmen, ist ein umfassendes orthodoxen Glaubenswissens für den einzelnen Gläubigen mehr den je unverzichtbar.

 

Um sich dieses orthodoxe Glaubenswissen anzueignen, ist es ganz entscheidend, dass wir regelmäßig und aufmerksam die liturgischen Texte in unseren orthodoxen Gottesdiensten mitbetend hören. Den in diesen liturgischen Texten wird die Heilige Schrift für uns zitiert, paraphrasiert und ausgelegt. So führen uns die liturgischen Texte hin zum rechten Hören auf die Worte der Heiligen Schrift, die wir Orthodoxe im Sinne der Heiligen Apostolischen Tradition, wie sie sich rechtgläubig in der Lehre unserer orthodoxen Kirche ausdrückt, verstehen. Um zu wissen, was die Lehre unserer orthodoxen Kirche ist und was uns die Heilige Orthodoxe Tradition sagt, brauchen wir alle - gebildete und einfache Menschen - eine beständige Praxis des frommen Mitbetens und andauernden Hinhörens auf die Worte unserer orthodoxen Gottesdienste, aber auch eine lebenslange, religiöse Weiterbildung (Katechese) im Rahmen unserer Kirchengemeinden und Familien. An erster Stelle erweist sich für uns dabei das regelmäßige Gespräch mit unserem geistlichen Vater und das fortlaufende Lesen in den Schriften der heiligen Väter als besonders hilfreich. Darüber hinaus helfen uns heute eine Vielzahl katechetischer orthodoxer Texte weiter, wenn wir unser Glaubenswissen vertiefen und erweitern wollen.

 

Um diesem frommen Bemühen unserer Gläubigen zu dienen, veröffentlichen wir kurze, klare und einfache Texte, die das notwendige Wissen über unseren orthodoxen Glauben fördern sollen. So versteht sich unser Online- Magazin Orthodoxe Perspektive mit all seinen Inhalten als ein gemeinde- und erwachsenenkatechetischer Beitrag zur Förderung und Unterstützung des Glaubenswissens orthodoxer Christen in deutscher Sprache.

 

Herzlich gern stellen wir das Material auf dieser Webseite allen orthodoxen Christen und Kirchengemeinden zur Verfügung. Wir bitten aber um Ihr Verständnis, dass wir erwarten, dass die Texte und Abbildungen nur nach Rücksprache mit der Schriftleitung anderweitig genutzt, verbreitet, beziehungsweise an anderer Stelle veröffentlicht werden.

 

 

Hirtenwort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zum Religionsunterricht

 

„Lasst die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen!“ (Mt 19,14) 

 

Liebe Väter, Brüder und Schwestern!

 

In einer Angelegenheit, die uns sehr am Herzen liegt und für die Zukunft unserer Kirche in diesem Land von eminenter Bedeutung ist, wenden wir orthodoxen Bischöfe Deutschlands uns heute in einem gemeinsamen Hirtenwort an Sie, liebe orthodoxe Christen und Christinnen in Deutschland.

 

Zu den Sorgen, die uns als Oberhirten der Orthodoxen Kirche in Deutschland aufgetragen sind, gehört jene um die Weitergabe unseres heiligen Glaubens an die kommenden Generationen: Die religiöse Erziehung der Kinder und Jugendlichen stellt gerade in der Diaspora-Situation unserer Gemeinden ein Feld von besonderer Wichtigkeit dar, allerdings oft auch ein steiniges Feld. 

 

Wir sehen mit Besorgnis, wie etliche jüngere Glieder der Kirche ohne die notwendige religiöse Unterweisung aufwachsen, die ihnen hilft, den Glauben ihrer Väter und Mütter zu bewahren und ihn später einmal auch an ihre Kinder weiterzugeben. 

 

Für uns Bischöfe ist es sehr beunruhigend, dass der schulische orthodoxe Religionsunterricht bislang nur einen relativ geringen Teil der orthodoxen Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreicht. 

 

Wir sind Mitbürger in diesem Land geworden, und wir sind es gerne: Als solche tragen wir gemeinsam mit den staatlichen Institutionen Deutschlands die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und heranwachsenden Jugendlichen in die hiesige Gesellschaft integriert werden und zugleich ihre eigene orthodoxe religiöse Identität nicht verlieren; dies ist eine wichtige Aufgabe des staatlichen Religionsunterrichtes, der in qualitativer und quantitativer Hinsicht dem der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften entspricht. 

 

Dabei dürfen wir mit Freude feststellen, dass von Seiten der zuständigen staatlichen Stellen unser Anliegen in der letzten Zeit eine positive Würdigung erfährt. So haben bislang bereits vier Bundesländer den orthodoxen Religionsunterricht an allgemeinbildenden staatlichen Schulen offiziell eingerichtet, nämlich Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Hessen, also die Bundesländer mit dem größten Anteil orthodoxer Gemeinden und Gläubigen in Deutschland. Auch die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, mit denen wir in Verhandlung stehen, zeigen sich prinzipiell bereit, den orthodoxen Religionsunterricht einzuführen. 

 

Inzwischen können wir auch mit Freude feststellen, dass sich Möglichkeiten zur Ausbildung von Religionslehrern aus allen orthodoxen Nationen, die in Deutschland leben, bieten, und zwar von solchen Lehrerinnen und Lehrern, die in diesem Lande ausgebildet werden, die die Situation der Orthodoxen Kirche in Deutschland verstehen und auch die Lebenswirklichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler gut kennen. Solche Möglichkeiten gibt es an der Universität München wie auch an der Universität Münster. 

 

Doch auch in den genannten Bundesländern sind wir noch weit entfernt von einem flächendeckenden Angebot orthodoxen schulischen Religionsunterrichtes, vor allem, weil eine entsprechende positive Resonanz aus den Gemeinden fehlt und an zu wenigen Orten die Einrichtung des Unterrichtes eingefordert wird. Dies gilt umso mehr, als in einigen Bundesländern staatlicherseits die notwendigen statistischen Grundlagen bislang noch nicht vorhanden sind.

 

Wir dürfen hier nicht nur auf den Staat verweisen und allein von ihm Lösungen erwarten: Im Blick auf die religiöse Bildung unserer Kinder sind der volle Einsatz und das Engagement aller orthodoxen Christen in Deutschland gefordert. 

 

Es ist hohe Zeit, hier zu handeln, sonst besteht die Gefahr, dass eine Generation von jungen orthodoxen Christen heranwächst, die ihrem Glauben bzw. dem der Eltern immer mehr entfremdet wird. Es ist unbestritten, dass neben der Gemeindekatechese dem Religionsunterricht im deutschen Schulsystem eine wesentliche Funktion zur Wertevermittlung zukommt. Wir können auf den schulischen orthodoxen Religionsunterricht nicht verzichten, wenn wir erreichen wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen der Kirche und dem Glauben nicht verloren gehen bzw. sie auf eine folkloristische Besonderheit ihrer nationalen Herkunft reduzieren. 

 

Bei dieser Aufgabe sind wir wesentlich auf die Mitarbeit der Pfarrer und Eltern, also auf Ihre Unterstützung angewiesen: 

 

Nutzen wir die Möglichkeit, dass unsere Kinder durch den schulischen orthodoxen Religionsunterricht den orthodoxen Glauben, den Glauben ihrer Väter und Mütter, besser kennen lernen und weiter in ihn hineinwachsen!

 

• Bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind orthodoxen Religionsunterricht in seiner Schule erhält!

 

• Informieren Sie andere orthodoxe Eltern darüber, dass diese Möglichkeit besteht und unbedingt genutzt werden sollte!

 

• Seien Sie bereit, bei der Organisation des Unterrichtes mitzuhelfen und Ihre Kinder dann auch zu diesem Unterricht zu bringen! 

 

Nur wenn es uns gelingt, der heranwachsenden orthodoxen Generation in Deutschland aus dem gelebten orthodoxen Glauben und der genuinen orthodoxen Tradition heraus das notwendige Rüstzeug mitzugeben, das ihr einerseits die Integration in die Gesellschaft dieses Landes und ein tatkräftiges Mitgestalten ermöglicht, sie andererseits aber vor einer Assimilierung an eine immer mehr dem christlichen Glauben sich entfremdende Umgebung bewahrt, können wir hoffnungsvoll in die Zukunft der Orthodoxen Kirche in Deutschland blicken zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! 

 

Berlin, 12. November 2011

 

Für die Gr.-Orth. Metropolie von Deutschland, Exarchat von Zentraleuropa (K.d.ö.R.)

 

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa

 

Bischof Evmenios von Lefka, Bischof Bartholomaios von Arianz mit allen Mitgliedern der OBKD.

 

Quelle: http://www.obkd.de/Texte/

 

Hier kann das Anmeldungsformular für den orthodoxen Religionsunterricht in Baden-Würtemberg heruntergeladen werden