Orthodoxe Perspektive

Ein Online-Magazin                                                           für Gemeindekatechese und Erwachsenbildung

 

Kinder- und  Jugendlager
In der Jugendbegegnungsstätte
St. Franziskus in Königsheim
10. August bis 20. August 2017
Uchtstraße 28
78598 Königsheim

 

 

Das Jugendlager wird für orthodoxe Kinder und Jugendliche
von 7-15 Jahren organisiert.
Anmeldeschluss ist der 30.06.2017
Gebühren: 200,00 € ohne Fahrtkosten
für das zweite Kind einer Familie 180,00 €,
für das dritte Kind 100,00 €,
ab dem vierten Kind im Lager wird kein Beitrag erhoben.
Finanzielle Probleme sollten kein Hindernis sein! Bei Bedarf wenden Sie sich bitte an uns. Bitte möglichst schnell anmelden, da wir nur für 34 Kinder Schlafmöglichkeiten haben.
Wir bitten bei der Anmeldung den Teilnahmebetrag auf folgendes Konto zu überweisen:
Orthodoxe Kirchengemeinde
bei der Sparkasse Zollernalb
IBAN: DE71 6535 1260 0025 0870 46
BIC: SOLADES1BAL
Auch hier gilt: letzter Termin ist der 30.06.2017
Anmeldung sowie Kostenermäßigungsanträge:
Orthodoxe Kirchengemeinde
Schloßstr. 42
72461 Albstadt
Erzpriester Michael Buk
Telefonisch: 0 74 32/94 15 21
Fax: 0 74 32/94 15 22
Mail: info@orthodoxe-kirche-balingen.de
2 – 3 Wochen vor dem Lager schicken wir Ihnen noch genauere Informationen, z. B. was die Kinder mitbringen sollen, zu. Um es Kindern, die aus finanziellen Gründen sonst nicht teilnehmen könnten, zu ermöglichen, das Sommerlager zu besuchen, freuen wir uns natürlich über Spenden!  

 

OJB-Jugendtag in Stuttgart

 

Am 23.09.2017 wird der zweite Jugendtag in Stuttgart stattfinden.

 

 „Leben in Christus“

 

Das Leben des Christen ist nicht in erster Linie moralisch und ethisch als Nachfolge Christi zu verstehen. Vielmehr ist der Christ in den mystischen Leib Christi eingegliedert und hat durch die Sakramente Anteil am göttlichen Leben und der Gemeinschaft mit Christus. Seine persönliche Aufgabe ist es, dieses göttliche Leben zu bewahren und zu vertiefen, um es schließlich in der ewigen Gemeinschaft mit Christus aufgehen zu lassen. Wir gehen aus von den drei grundlegenden Sakramenten der Taufe, der Myronsalbung (Firmung), der Eucharistie und wir wollen gemeinsam erarbeiten, wie das in diesen heiligen Mysterien empfangene Leben bewahrt und entfaltet werden kann.

Teilnehmen können Jugendliche und junge Erwachsene ab 17 Jahren. Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme an diesem Jugendtag, wo ihr nicht nur die Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit eurem Glauben haben werdet, sondern auch zum persönlichen Gespräch, zum gegenseitigen Kennenlernen und zum gemütlichen Beisammensein. Aus planungstechnischen Gründen müssen wir vorab wissen, wie viele Personen an dem Jugendtag teilnehmen werden, wir bitten euch daher um eure Anmeldung bis spätestens 11.09.2017

 

Anmeldung:
Erzpriester Michael Buk
Orthodoxe Kirchengemeinde
Schloßstr. 42
72461 Albstadt
Telefonisch: 0 74 32/94 15 21
Fax: 0 74 32/94 15 22

 

Mail: info@orthodoxe-kirche-balingen.de

 

Der Jugendtag wird wieder in der rumänischen orthodoxen Kirchengemeinde Christi Geburt, Stammheimerstr. 104 in 70439 Stuttgart-Zuffenhausen stattfinden.

 

 

Die wundertätige Muttergottesikone Znamenie” (Знамение) von der Wurzel in Kursk

besucht Deutschland

 

In diesem Wochen besucht die wundertätige Muttergottesikone von Kursk wieder einmal die orthodoxen Christen in Deutschland. Auskunft darüber, wo Sie die heilige Ikone in ihrer Nähe verehren können, erteilt Ihr Gemeindepriester oder die Diözesanverwaltung der Russischen Auslandskirche in München.

 

Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jesaja 7,14)  .
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jesaja 7,14) .

 

Ikone der allheiligen

Gottesgebärerin vom Zeichen

 

Das Fest der Ikone vom Zeichen von der Wurzel aus Kursk wird zweimal im Jahr begangen, und zwar am 08. März und am 08. September. Das Fest der Novgoroder Gottesmutter-Ikone "Vom Zeichen" wird jedoch am 27. November begangen.

 

Auf der Ikone der Gottesmutter vom Zeichen ist die allheilige Gottesgebärerin mit zum Gebet erhobenen Händen abgebildet. In einer Mandarla, einer kreisförmigen Aureole, die die göttliche Sphäre symbolisiert, wird der segnende Christus Emmanuel abgebildet.

 

Jesaja 7,14: Darum wird der HERR euch selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird SEINEN Namen Immanuel nennen.
Jesaja 7,14: Darum wird der HERR euch selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird SEINEN Namen Immanuel nennen.

 

Die Darstellung der Allheligen Gottesgebärerin vom Zeichen gehört zu den ältesten Ikonenbildern.

 

„Vom Zeichen“, russisch: „Znamenie” (Знамение) heißt die Ikone nach einem Wunder, das im Jahre 1170 durch ein in der Stadt Nowgorod aufbewahrtes Bildnis dieser Ikone geschah. In diesem Jahr beschlossen die Herrscher der russischen Teilfürstentümer, nachdem sie sich zu einer Koalition vereinigt hatten, sich die reiche und große Handelstadt Nowgorod zu unterwerfen. So belagertem sie die Stadt mit einem großen Heer. Die Nowgoroder jedoch hofften auf die Hilfe Gottes und beteten Tag und Nacht ohne Unterlaß. Der Erzbischof von Nowgorod aber betete seit dem Beginn der Belagerung ununterbrochen in der Sophienkathedrale vor der Ikone des Erlösers. In der dritten Nacht hörte er  plötzlich eine Stimme, die ihm befahl, die Ikone der allheiligen Gottesgebärerin zu nehmen und ring um die Stadt Nowgorod auf den Stadtmauern zu tragen.

 

 

Als man die Ikone auf die Stadtmauer brachte und sie mit dem Gesicht zu den Belagerern aufgestellt hatte, schossen diese sogleich eine Menge Pfeile auf die Stelle, wo die heilige Ikone stand. Einer der Pfeile traf das heilige Antlitz der Allheiligen. Und da geschah das Wunder – die Ikone drehte sich selbst von den Belagerern weg und wandte sich mit dem Gesicht zur Stadt und aus den Augen der Gottesmutter flossen Tränen. Durch dieses Tränenwunder ermutigt, konnten die Nowgoroder das große Heer der Angreifer abwehren und schließlich auch besiegen.

 

Damals wurde zum Gedächtnis an das wunderbare Eingreifen der Allheiligen am 10. Dezember (27. November nach altem Kalender) auch das Fest ihrer Ikone eingeführt, die nun allgemein „Gottesmutter vom Zeichen“ genannt wurde.

 

Auch danach geschahen durch diese Ikone noch zahlreiche weitere Zeichen und Wunder. Auch andere Ikonen der allheiligen Gottesgebärerin vom Zeichen wurden als wundertätig bekannt, so die Ikonen von Kursk, vom Abalackij- Kloster bei Tobolsk, vom Serafimo-Ponetaevskij- Kloster und viele andere.

 

Das Fest der Ikone “Znamenie” von Kursk wird zweimal im Jahr begangen, und zwar am 21. (08. alter Kalender) März und am 21. (08. alter Kalender) September.

 

Die Kursker Muttergottesikone "Vom Zeichen" - "Знамение" Курская-Коренная икона Божией Матери.
Die Kursker Muttergottesikone "Vom Zeichen" - "Знамение" Курская-Коренная икона Божией Матери.

 

Die "Ikone der allheiligen Gottesgebärerin Muttergottes des Zeichen aus Kursk, die zwischen den Wuzeln gefunden wurde" (Икона Знамение Курская Коренная Богородице) ist eine Ikone des Typs der Gottesmutter vom Zeichen. Das Bild der Allheiligen wird heute von neun kleinen Bildern alttestamentlicher Propheten eingerahmt und ist von einer Darstellung Gottvaters als Herrn Sabaoth gekrönt. Nach dem Malstil zu urteilen, wurde die Ikone im 13. Jahrhundert geschrieben. Im 12. Jahrhundert erlitt das Gebiet von Kursk, wie beinahe das gesamte damalige Russland schreckliche Verwüstungen durch den Einfall der Tataren. Die Stadt Kursk wurde dabei vollständig zerstört und entvölkert. Die Gegend verwandelte sich in eine unwirtliche, von einem Urwald überwucherte und von wilden Tieren bewohnte Einöde. Die Einwohner der etwa 160 km von Kursk entfernten Stadt Rylsk, die durch einen glücklichen Zufall von den Überfällen der Tataren verschont geblieben waren, pflegten dort auf Jagd zu gehen. Laut der Überlieferung fanden  am 08. September  1295 Jäger in einem Waldstück unweit der ehemaligen Stadt Kursk eine kleine Ikone, die auf der Wurzel eines Baumes mit der Malseite nach unten lag. Sobald man sie aufhob, sprudelte unter der Wurzel eine Quelle hervor.

 

Die Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin "Vom Zeichen von der Wurzel" aus Kursk. Diese wundertätige Muttergottesikone ist seit den Tagen der russischen Emigration infolge der Oktoberrevolution das wichtigste Heiligtum der Russischen Auslandskirche.
Die Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin "Vom Zeichen von der Wurzel" aus Kursk. Diese wundertätige Muttergottesikone ist seit den Tagen der russischen Emigration infolge der Oktoberrevolution das wichtigste Heiligtum der Russischen Auslandskirche.

 

Etwas später wurde an dem Fundort eine Kapelle errichtet, wo die heilige Ikone dann aufbewahrt wurde. Viele der Pilger, die bald darauf kamen, um vor der Ikone der Gottesmutter zu beten, erzählten über Wunder, die sich während ihres Gebetes ereignet hatten. Ein Jahrhundert später wurde das Gebiet von Kursk erneut von den Tataren verwüstet. Sie versuchten auch die Kapelle und die Ikone zu verbrennen, aber die hölzerne Kapelle geriet nicht in Brand. So schlugen die Tataren die Ikone entzwei. Aber das Heiligenbild wuchs auf wundersame Weise in den Händen des Priesters wieder zusammen. Erst unter Zar Feodor loannovic  wurde die Stadt Kursk seit dem Jahre 1557 wieder aufgebaut. Damals wurde die Ikone nach Moskau gebracht, wo der Zar vor ihr betete und sie in einen Rahmen einfassen ließ, der oben mit einer Darstellung Gottvaters als Herrn Sabaoth und an den Seiten mit Bildern der neun Propheten, die über die allheilige Gottesgebärerin geweissagt hatten, geschmückt war. Nachdem die Ikone mit einer reichen Verkleidung geschmückt worden war, wurde sie wieder in ihre Kapelle zurückgebracht. Im selben Jahr wurde anstelle der Kapelle eine Kirche zu Ehren der Geburt der allheiligen Gottesgebärerin errichtet und ein Kloster, die Kursker Einsiedelei von der Wurzel, in Erinnerung an die Erscheinung der Ikone an einer Baumwurzel, gegründet. Außerdem wurde über der Quelle am Erscheinungsort der Ikone eine weitere, der "Lebensspendenden  Quelle" geweihte Kirche erbaut. Das neue Kloster wurde "Korennaja Pustyn'" (Wurzel-Einsiedelei) genannt, in Erinnerung an die Erscheinung der Ikone an einer Baumwurzel. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Kloster beständig und zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete der berühmte russische Kirchenbaumeister Konstantin Thon, der auch den Orginalbau der Christus- Erlöser- Kathedrale in Moskau errichtete, die Klosterkathedrale. Alljährlich wurde die heilige Ikone in einer großen Prozession, an der Tausende von Pilgern teilnahmen, vom Kursker Kloster in die Stadt gebracht.

 

Im Jahre 1920, nach der Machtergreifung durch die Bolschewiken, wurde die Ikone von den Truppen der Weißen Armee mit außer Lande genommen. Mit den Wanderbewegungen der russischen Emigranten gelangte die heilige Ikone zunächst nach Serbien, am Ende des Zweiten Weltkriegs dann nach Deutschland und von dort aus in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort wurde in Mahopak im Staate New York die Neue- Wurzel- Einsiedelei mit einer Kirche erbaut, in der die Ikone viele Jahre lang aufbewahrt wurde. Später wurde sie zum Schutz in die Kathedrale der russischen Auslandskirche in New York gebracht, wo sie seit 1957 bis heute aufbewahrt wird. Nach dem das jahrzehntelange Schisma zwischen der Russischen Auslandskirche und dem Moskauer Patriarchat geheilt werden konnte, reiste die Ikone nach 90 Jahren erstmals wieder nach Russland. Doch geht es in der heute geeinten russischen Kirche nicht mehr um eine endgültige Rückführung der Ikone in ihr Kloster. Denn dass die Ikone heute das wichtigste Heiligtum in der Russischen Auslandskirche darstellt, wird in Russland nicht mehr in Frage gestellt. Aber als im Jahre 2009 die Rekonstruktion der Kathedrale zu Ehren der Geburt der Allheiligen Gottesgebärerin im Kursker Kloster, die in der Zeit des Staatsatheismus von den Bolschewiken zerstört worden war, abgeschlossen wurde, sollte die Ikone dorthin gebracht werden, um die alte Tradition der Prozession vom Kloster bis zur Kathedrale der Stadt Kursk wieder zu beleben. Diese Prozession soll wieder, wie früher am 21. (08. alten Kalenders) September, dem Tag der Auffindung der Ikone stattfinden.

 

Die Kursker Ikone der allheiligen Gottesgebärerin reist von Zeit zu Zeit nicht nur nach Russland, sondern auch an die Orte, an denen orthodoxe Gläubige heute in der Diaspora leben. So kommt sie auch zur Verehrung in die verschiedenen orthodoxen Gemeinden Deutschlands, die zum Erzbistum der russischen Auslandskirche in Deutschland gehören. Dorthin pilgern dann auch viele Orthodoxe aus den anderen orthodoxen Bistümern Deutschlands, um sich im gemeinsamen Gebet vor dieser heiligen Ikone zu verneigen.

 

 

Tropar der Kursker Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin im Ton 4:

 

Als eine unüberwindliche Mauer / und Quelle der Wunder, / haben wir Dich erworben, Gottesgebärerin Allreinste, / deshalb besiegen wir die Heerscharen der Widersacher, / indem wir Dich bitten, / unserem Vaterland Frieden zu schenken // und unseren Seelen große Gnade.

 

Kondak der Kursker Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin im Ton 4:

 

 

Kommt, ihr Gläubigen, / laßt uns die wunderbare Erscheinung des allehrwürdigen Bildes der Gottesmutter lichterfüllt feiern, / und Gnadengaben von ihm schöpfend / laßt uns in Rührung rufen zu Der, / die dieser Ikone Urbild ist:/ freue Dich, Maria Gottesgebärerin, // Mutter Gottes, Gesegnete.

 

 

Der Hymnus „Reine Jungfrau“

 

Heiliger Nektarios von Aegina, Metropolit von Pentapolis

 

Der Hymnus „ Reine Jungfrau“ auf griechisch: „Agni Parthene“ (griechisch: Ἁγνὴ Παρθένε) ist ein in nahezu bei allen Orthodoxen bekanntes Preislied auf die Allheilige Gottesgebärerin  und Immerjungfrau Maria. Der Hymnus wurde vom Heiligen Nektarios von Aegina, dem Metropoliten von Pentapolis im 19. Jahrhundert verfasst. Der griechische Originaltext wurde im Büchlein „Theotokarion mikron“ (Kleine Buch der Gottesmutter-Hymnen), einer Sammlung von Marienliedern aus der Feder des Heiligen Nektarios abgedruckt. Der Hymnus wurde im laufe der Zeit in zahlreiche weitere Sprachen übertragen und wird von den Orthodoxen gern zur Ehre der Allheiligen Mutter Gottes gesungen.

 

 

1 .  S t r o p h e

 

O reinste Jungfrau, Herrscherin,

Gebärerin von Gott Sohnes,

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

O Jungfrau, Mutter, Königin,

Du Zierde Seines Thrones,  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Schwebst über Himmel hoch empor,

strahlst heller als die Sonne.  

 

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Erfreust der heil’gen Jungfrauen Chor,

erhöhst der Engel Wonne. 

 

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Sich Deinem Glanz der Himmel neigt,

Licht bleicht vor Deiner Reinheit. 

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Du übertriffst an Heiligkeit

all’ der Himmelsheere Einheit.

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

2 .  S t r o p h e

 

Maria, Jungfrau allzeit rein

und Herrin aller Welt,  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

ohn’ Makel, ohne Sündenkeim,

des Gnadenstromes Delta.

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Maria, Braut und Herrscherin

und unserer Freude Quelle,  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Hochheil’ge Mutter, Königin

und Frau an Evas Stelle,  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Bist mehr geehrt als Cherubim,

bist größer als die Throne.  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Gar weicht der Ruhm der Seraphim

der Würde Deiner Krone.  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

3 .  S t r o p h e

 

O freu Dich, Lied der Cherubim!

Der Engelsklänge Entzücken!

 

  Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

O freu Dich, Sang der Seraphim,

der Erzengel Entzücken!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

O Friede, Freude, freue Dich heut’,

o freu Dich, Heilands Pforte,  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Gewand der Unvergänglichkeit,

Gemach geweiht dem Worte!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Bist Paradies, so schön allzeit,

bist Lebensbaum in Eden.

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Und Dir entsprießt Unsterblichkeit,

entduftet ew’ges Leben.

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

4.  S t r o p h e

 

Dass ich, sieh’s nach, o hehre Braut,

Dich jetzt zu bitten wage!

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Die Augenlider senke traut!

Ich will nur Deine Gnade!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Woll’st, Hoheit hold und huldreich stets,

woll’st, Mutter, auf mich blicken!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

O Tempel edlen Hochgebets,

o Herrin, hör mein Flehen!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Und hilf mir, komme, schütze mich

vor Feindes Wut und Werben!  

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Und lass – erbitt’s mir, bitt’ ich Dich! –

mich ew’ges Leben erben!

 

Freu Dich, unvermählte Braut! 

 

Die Bekehrung des Saulus zum Apostel Christi Paulus
Die Bekehrung des Saulus zum Apostel Christi Paulus

 

Was es bedeutet ein Christ zu sein

 

Protodiakon Andrei Kuraev

 

 

Das Christentum ist nicht verloren gegangen, und man kann auch im 21. Jahrhundert ein Christ sein. Aber was es bedeutet das: ein Christ zu sein?

 

 

Ich werde versuchen, einige Antworten auf diese Frage zu geben, und jede Folgende wird die Vorhergehende einschließen.


Die erste Antwort ist so offensichtlich und einfach, dass es sogar irgendwie unbequem ist, den gebildeten Gesprächspartnern, die sich an die komplizierten intellektuellen Spiele gewöhnt haben, dies anzubieten. Aber die Wahrheit ist nicht verpflichtet, kompliziert, “dialektisch” oder “anatomisch” zu sein. Also: der Christ ist, wer Christus mit den Augen der Apostel sieht. Es ist alles. Weiter kann man sagen, dass dieser Christ geistig oder geistig anspruchslos ist, tiefer oder oberflächlicher, aber die notwendige, minimale Bedingung dem, um ein Christ zu sein, gerade darin besteht: Christus mit den Augen der Apostel zu sehen.

 

 

Es handelt sich darum, dass man auf Christus unterschiedlich schauen kann. Man kann Ihn mit den Augen des Apostels Johannes sehen und es ist möglich - mit den Augen Judas.



Also, man kann mit sehr unterschiedlichen Augen auf Christus blicken. Es gibt den Blick des Judas auf Christus, und es gibt den Blick des Pontius Pilatus Dieser Blick des Pontius Pilatus auf Christus wird uns im Roman von Michail Bulgakow “Der Meister und Margaret” vor Augen geführt: Es ist nicht ein Blick des Hasses, sondern ein Blick der kalten Gleichgültigkeit. Es gibt eine Frage im Evangelium, auf die Christus nicht geantwortet hat, obwohl er alles wusste. Wobei es keine private Frage war; es war die wichtigste Frage: 
“Was ist die Wahrheit?” Warum hat der Erlöser, auf diese Frage nicht geantwortet? Nicht, weil Er es nicht wusste, dass es die Wahrheit gibt. Er war die Wahrheit selbst (“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben”). Aber sehr vieles hängt von der Absicht ab, mit der eine solche Frage gestellt wird.

 

wird fortgesetzt.....

 

 

Über das Gottesgeschenk des Kirchgangs

 

von einem orthodoxen Priester aus den USA

 

 

Leider sehen viele von uns den Gang zur Kirche mehr als lästige Verpflichtung denn als Geschenk. Wir müssen uns aber dabei immer wieder vor Augen führen, dass wir in einer Gesellschaft mit vielen Verführungen und zahllosen sich widersprechenden Botschaften leben und es dringend erforderlich ist, dass wir uns gegenseitig helfen, charkterfeste und glaubensstarke Christen zu werden und zu bleiben. Nur wenn wir uns gegenseitig unterstützen können wir Verirrungen vermeiden, beständig bleiben und die wahre Wertigkeit unserer Wünsche und Bedürfnisse - unsere Prioritäten, die wir in unserem Leben setzen - in die richtige Reihenfolge bringen. So schreibt der Heilige Paulus „Laßt uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, sondern ermuntert einander umso mehr“ (Hebräer 10: 25).

 

Wenn ich als Priester die Menschen besuche, bin ich immer wieder erstaunt, dass die, die wegen einer körperlichen Behinderung die Kirche nicht mehr besuchen können, dieses Gottesgeschenk mehr als alle anderen zu schätzen wissen. Bemerkenswerterweise lässt ihr Glaube oder ihre Begeisterung nicht nach wegen ihrer Behinderung. Sie warten sehnsüchtig darauf, dass ihnen die Sakramente der Kirche gebracht werden und viele bitten um die Tonaufnahmen der sonntäglichen Katechesen, der Sonntagspredigten und der täglichen Betrachtungen, die wir ihnen zu Verfügung stellen, damit sie sie mithören zu können. Ihre unfreiwillige Einschränkung bedeutet keine Verminderung ihres Glaubens, sondern sogar eine Vertiefung ihres geistlichen Lebens.

 

 

Ihr Beispiel sollte auch für uns eine Lehre sein:

 

Für diejenigen, die in die Kirche gehen, sind sie eine beständige Mahnung, dass unsere Anwesenheit beim Gottesdienst keine Erfüllung einer (lästigen) Pflicht ist, sondern der Empfang eines Gottesgeschenks und die Gelegenheit zur Erneuerung unseres leiblichen und geistlichen Menschseins, das zur liebenden Gemeinschaft mit Gott erschaffen wurde.

 

Für diejenigen von uns, die unter verschiedenen, oberflächlichen Ausreden den Gottesdienst versäumen, sollten diese tief gläubigen Menschen ein Vorbild sein, damit wir uns nicht selbstvergessen im Trubel und den Versuchungen dieser Welt verlieren und es aus leichtsinniger Gleichgültigkeit zulassen, dass unser Glaube geschwächt und untergraben wird.

 

Wer wegen seiner schlechten Gesundheit, seinem hohen Alter und der damit verbundenen körperlichen Gebrechlichkeit, einer besonders verantwortungsvollen Aufgabe oder anderer wichtigen, nicht aufschiebbaren Verpflichtung am Besuch der Gottesdienste gehindert ist, sollte sich jedoch unbedingt an den Sonn- und Feiertagen feste Zeiten für das Gebet reservieren, in denen er sich mit Herz, Seele und Geist  mit den Gottesdiensten der Kirche verbinden kann. 

 

Vor allen aber sollten die Kranken und Gebrechlichen unter uns den Priester regelmäßig um seinen Besuch bitten, damit sie dem Brot der Engel und dem Kelch des Heiles nicht auf lange Zeit fernbleiben müssen und ihr geistliches Leben deshalb zu vertrocknen droht. 

 

Für die Menschen, die in der Krankenpflege, bei Polizei oder Feuerwehr, in der Gastronomie oder Hotellerie berufstätig sind gilt: Überprüfe, ob es für dich - trotz deiner zeitlich angespannten Lebenssituation - nicht doch noch Möglichkeiten zum Besuch des Gottesdienstes gibt. Sprich mit deinem Priester über deine Lebenssituation, damit ihr gemeinsam Möglichkeiten zur Teilnahme am kirchlichen Leben und für den Empfang der heiligen Mysterien finden könnt.

 

 

Denn wir alle sind Teil der Kirche, auch wenn wir sie wegen besonderer Umstände nicht besuchen. Wir können, wie die Menschen, die nicht mehr so beweglich sind, für die Kirche, für die Geistlichkeit, für ihre Nöte und ihre Menschen beten.

 

Gleichzeitig müssen aber diejenigen von uns, die nicht so eingeschränkt sind, die Kirche zu jenen bringen, die sie nicht besuchen können. Deshalb sollten wir sie regelmäßig besuchen, ihnen das Antidoron bringen und Gottes Gegenwart in ihrem Leben sein. Für die Ausübung diesen Dienstes bedarf es im Übrigen nicht der Priesterweihe. Auch müssen wir nicht im Mönchstand leben, um den Aufruf Christi zu den Werken der Barmherzigkeit vernehmen zu können. Jeder von uns: Männer und Frauen, Jugendliche und Rentner sind  zu diesem Dienst für Christus berufen. Denn der HERR spricht zu uns durch den Mund des heiligen Apostels Paulus: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gebot Christi erfüllen“ (Galater 6: 2).

 

 

Betrachtungen über die Göttliche Liturgie

 

Vater Sergej Bulgakov

 

In der Liturgie wird das Opfer Christi am Kreuz dargebracht: „Tut dies zu Meinem Gedächtnis“. Es handelt sich nicht nur um das menschliche Gedenken daran, sondern es setzt sich selbst geheimnisvoll bei der Darbringung durch die Hände des Priesters fort, der darin selbst „einen Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedek“ sieht, eben unseren Herrn Jesus Christus. Der Herr ist der „Darbringende und der Dargebrachte“ – wie es in einem stillen Gebet während des Cherubim-Gesangs heißt.

 

Die Liebe Gottes zur Welt und dem Menschen, die sich in der Inkarnation offenbart, zeigt sich der Welt auch jetzt noch in diesem universalen für alle Menschen und das ganze menschliche Sein dargebrachten Opfer. Es ist zugleich ein Opfer Seiner Liebe an den Vater im ewigen Leben der heiligen Dreieinheit, als auch ein Opfer des Menschensohnes im Angesicht der Menschheit und aller Kreatur. In diesem Sinne bringen wir es mit Christus in Seinem Gott-Mensch-Sein Gott dar. Wir haben die Fülle dieser Wahrheit in unser schwaches und begrenztes Bewußtsein zu fassen.

 

Können wir denn von der universalen Kraft dieses Opfers reden, wenn es, nach Zeit und Raum begrenzt, von den Gliedern der Kirche erlebt wird, die ja nur einen kleinen Teil der ganzen Menschheit darstellen? Gehört denn Christus dieser ganze andere Teil, oder bleibt Er ihm fremd, der nichts von Ihm weiß oder Ihn ablehnt? Rein äußerlich könnte es auch so scheinen, dass diese Menschheit nicht Christi eigen ist, sondern sich selbst ge- hören will und sich damit in die innerlich zwar ausgehöhlte, aber doch noch fortwirkende Macht des Fürsten dieser Welt begibt. Doch trotz diesem falschen Anschein bleibt sie in ihrem Wesen und Schicksal eins. Sie ist unauflöslich von Christus in Seinem Gott-Menschtum aufgenommen. Für uns ist es noch verborgen und bis ins Letzte hinein verhüllt, wie und wann diese Einheit des Menschengeschlechtes offenbart und sich realisieren wird, das Opfer wird jetzt nur von Christen innerhalb der Kirche dargebracht. Seine Kraft und Wirksamkeit erstreckt sich jedoch auf die ganze Menschheit, die in ihrer vielgestaltigen Einheit im Jüngsten Gericht auftreten wird. Und wie sie sich in der Erbschuld Adams ganz eint, so wird ihr in der Inkarnation die Erlösung zuteil, und zwar in ihrer ganzen Vielfalt. Das ist die frohe Zuversicht und Hoffnung unseres Glaubens.

 

 

Daneben gibt es noch eine andere lichte Seite. Gemeinsam mit Christus nehmen auch wir an diesem Opfer teil. Mit Ihm bringen wir es dar als einen „geistigen und unblutigen Dienst“. Zugleich drückt sich darin betend unsere Liebe zu Gott und zu dem Menschen aus. Es ist Lob und Dank an Gott, vereint mit dem Opfer für unser menschliches Leben. Gewiss übersteigt das Gebet für die Welt und die ganze Menschheit, wie es Christus in der Dunkelheit des Gartens von Gethsemane gesprochen hat, unsere Kräfte. Unser Herz ist begrenzt wie unser Bewusstsein. Es fasst kaum das fürbittende Gedenken für jene wenigen, die unserer fürbittenden Liebe und Fürsorge empfohlen sind. Für sie beten wir mit Gebet und Flehen und werden dabei nicht nur unserer Beschränktheit, sondern auch der ganzen Einmaligkeit in ihrer Bedeutung bewusst. Wir bringen es Christus selbst dar, Der es uns in Seinen heiligen Gaben reicht. Und dieses Gebet ist, wie wir es aus Erfahrung wissen, ein besonderes Feuer, das Christus auf die Erde gebracht und in unseren Herzen entzündet hat. Das Bedürfnis nach Versiegelung unserer Liebe im Gebet bekundet sich äußerlich in der namentlichen Nennung der Lebenden wie Toten, der ein besonderer Platz in der Proskomedie eingeräumt wird. Auf diese Weise verbindet sich in der bebenden Erinnerung des betenden Herzens unser ganzes Leben in aller Vielfalt seiner Bedürfnisse und Ereignisse zu einer gewissen Einheit. Natürlich müssen wir dabei unterscheiden, worum zu beten angebracht und würdig ist, um nicht den Heiden zu gleichen, die viele Worte machen (vgl. Matthäus 6: 7). Durch unser Gebet geben wir unserer Liebe Nahrung. Betet für die Nahen und die Fernen, für die Liebenden und Streitenden, denn also wird das geheimnisvolle Gewebe gegenseitiger Liebe vor dem Angesicht des Herrn gewirkt. Unsere Liebe mündet in die Liebe unseres Herrn zu uns, Der um unseretwillen, den Menschen zu gute, vom Himmel kam und Sich durch den Heiligen Geist inkarniert hat. Amen.

 

 

Gebet als Ausdruck des inneren Lebens der Kirche

 

Erzpriester Michail Pomazanskij

 

Das Gebet ist die Verwirklichung des inneren Lebens der Kirche und die geistliche Verbindung mit Gott in der Heiligen Dreiheit und wechselseitig mit allen anderen. Es ist vom Glauben so sehr unabtrennbar, dass man es als die Atmosphäre der Kirche oder der Atem der Kirche nennen könnte. Gebete sind die Fäden des lebendigen Gewebes des kirchlichen Organismus’, und sie gehen in alle Richtungen. Das Band des Gebetes durchdringt den ganzen Leib der Kirche und führt jeden Teil davon in das gemeinsame Leben des Leibes, belebt jeden Teil, spendet ihm Nahrung, gewährt ihm die Reinigung und andere Formen der gegenseitigen Hilfe (Epheser 4: 16). Es vereinigt jedes Glied der Kirche mit dem himmlischen Vater, die Mitglieder der irdischen Kirche mit den Mitgliedern der himmlischen Kirche. Es verschwindet nicht, sondern es verstärkt sich noch im Himmlischen Königreich und wird dort erhöht.

 

Durch die ganze Heilige Schrift des Neuen Testaments geht das Gebot des un- ablässigen Gebetes: Betet ohne Unterlass (1. Thessalonicher 5: 17); betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist (Epheser 6: 18); Jesus aber sagte ihnen ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten (Lukas 18: 1).

 

Das vollkommene Vorbild des persönlichen Gebetes ist uns vom Herrn Jesus Christus Selbst gegeben worden. Er hinterließ uns als ein Beispiel das Gebet „Vater unser“ – das Gebet des Herrn.

 

 

Gebet ist:

 

a) die Form des kirchlichen Lebens,

b) ein Werkzeug seiner Aktivität, und

c) seine Kraft der Überwindung.

 

Gebet ist von zweierlei Art: öffentlich und privat. Es gibt Gebet, das aus Worten besteht, und insbesondere gesungen wird, und es gibt geistiges Gebet, das heißt inneres Gebet, oder das Gebet des Geistes im Herzen.

 

Der Inhalt des Gebetes ist:

 

a) Lobpreis oder Verherrlichung;

b) Danksagung;

c) Reue;

d) inständige Bitte um das Erbarmen Gottes, um die Vergebung der Sünden, um die Gabe guter Dinge der Seele und des Leibes, sowohl im Himmlischen als auch im Irdischen.

 

Die Reue vor Gott hat manchmal die Form eines Gespräches mit der eigenen Seele – so, wie dies oft in den Oden der Kanones geschieht.

 

 

Das Gebet kann für einen selbst oder für andere geschehen. Das Gebet füreinander bringt die gegenseitige Liebe zwischen den Mitgliedern der Kirche zum Ausdruck. Da nach dem Wort des Apostels die Liebe niemals aufhört (1. Korinther 13: 8), beten die irdischen Mitglieder der Kirche nicht nur füreinander, sondern sie beten auch, entsprechend dem Gesetz der christlichen Liebe, für alle Verstorbenen (für die himmlischen Mitglieder); und die himmlischen Glieder beten gleichermaßen für jene auf der Erde, genauso wie für die Ruhe der Seelen ihrer Brüder, die Hilfe im Gebet nötig haben. Schließlich wenden wir uns mit der flehentlichen Bitte an jene im Himmel, für uns und unsere Brüder zu beten. Auf dieser Verbindung des Himmlischen mit dem Irdischen sind auch die Anteilnahme der Engel an uns und unsere Gebete an sie gegründet.

 

Die Kraft des Gebetes für andere wird vielfach vom Wort Gottes bestätigt. Der Erlöser sagt zum Apostel Petrus: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt (Lukas 22: 32). Der heilige Apostel Paulus bittet oft Christen, für ihn zu beten: Denn ich hoffe, dass ich euch durch eure Gebete wiedergegeben werde (Philemon 22). Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch (2. Thessalonicher 3: 1). Als er weit entfernt war, war der Apostel mit seinen geistli- chen Brüdern im gemeinsamen Gebet verbunden: Ich bitte euch, meine Brüder, im Na- men Jesu Christi, unseres Herrn, und bei der Liebe des Geistes, dass ihr mir beisteht und für mich zu Gott betet (Römer 15: 30). Der Apostel Jakobus lehrt: Betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; denn das inständige Gebet eines Gerechten vermag viel (Jakobus 5: 16). Der Heilige Johannes der Theologe sah in der Offenbarung vierundzwanzig Älteste vor dem Thron Gottes stehen und niederfallen vor dem Lamm, und jeder hatte Harfen und Gefäße, gefüllt mit Weihrauch, welches sind die Gebete der Heiligen (Apokalypse 5 : 8); das bedeutet, sie erhoben und trugen die Gebete der Heiligen auf der Erde zum Himmlischen Thron.

 

 

Gebet ist: den Geist und das Herz Gott darzubringen. Solange wir jedoch im Körper auf der Erde leben, kommt unser Gebet auf natürliche Weise in verschiedenen äußeren Formen zum Ausdruck: in Verbeugungen und im Sich-zur-Erde-Niederwerfen, im Zeichen des Kreuzes, im Emporheben der Hände, in der Verwendung verschiedener Gegenstände in den Gottesdiensten, und in all den äußeren Handlungen in den öffentlichen Gottesdiensten orthodoxer Christen.

 

Die christliche Verehrung Gottes ist auf ihrer höchsten Stufe Anbetung im Geist und in der Wahrheit (Johannes 4: 23-24). Die christlichen Gottesdienste sind unvergleichlich erhabener als die des AT. Obgleich die alttestamentarischen Gottesdienste gemäß dem Gebot Gottes eingerichtet worden waren (Exodus 25: 40), dienten sie nur als ein Beispiel und ein Schatten der himmlischen Dinge (Hebräer 8: 5). Sie wurden dann als „veraltet und überlebt“ beiseite getan – sie waren „dem Untergang nahe“ (Hebräer 8: 13) – mit der Einsetzung des Neuen Bundes, der durch das Heilige Blut des Herrn Jesus Christus geheiligt wurde. Der Gottesdienst des Neuen Testaments besteht nicht in fortwährenden Opferungen von Kälbern und Böcken, sondern im Gebet des Lobpreises, der Danksagung, der Fürbitte, im Darbringen des Unblutigen Opfers des Leibes und Blutes Christi, und in der Austeilung von Gnade in den Heiligen Mysterien.

 

Das christliche Gebet umfasst jedoch auch verschiedene äußere Handlungen. Der Herr Jesus Christus vermied nicht die äußeren Erscheinungsweisen des Gebetes und heiliger Handlungen: Er beugte die Knie, fiel nieder auf sein Angesicht und betete; Er erhob Seine Hände und segnete; Er hauchte Seine Jünger an und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch. Er verwendete auch äußere Handlungen bei seinen Heilungen; Er besuchte den Tempel in Jerusalem und nannte ihn „das Haus meines Vaters“: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes heißen (Matthäus 21: 13). Die Apostel handelten genauso.

 

Die geistliche Anbetung muss von körperlichem Gottesdienst begleitet sein, und zwar als ein Ergebnis der nahen Verbindung und gegenseitigen Beeinflussung von Seele und Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn um ei- nen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leibe (1. Korinther 6: 19-20).

 

Ein Christ ist aufgerufen, Gott nicht nur mit seiner Seele und in seinem Leib zu ver- herrlichen, sondern auch alles in seiner Umgebung muss auf die Verherrlichung des Herrn ausgerichtet sein. Ob ihr also esst oder trinkt oder etwas anderes tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes (1. Korinther 10: 31). Man muss sich durch das Gebet nicht nur selbst heiligen, sondern auch das, wovon wir Gebrauch machen: Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes das und Gebet (1Tim 4,4-5). Der Christ ist aufgerufen, dem, was ihn umgibt, gewissenhaft beizustehen, und in seinem Bewusstsein soll der Aufruf des Psalms verwirklicht werden: Alles, was atmet, und jedes Geschöpf preise den Herrn. Dies geschieht durch die orthodoxen christlichen Gottesdienste, wenn man sie in ihrer Ganzheit nimmt.

  

 

Das heilige Sakrament der Beichte oder der Buße

 

Die Buße (russisch: таинство покаяния исповедь ist das Sakrament (griechisch: μυστήριον = "Mysterion"), in dem der Mensch, der seine Sünden aufrichtig bekennt, von Gott selbst die Verzeihung dieser Sünden erlangt. Der Priester vertritt, wie bei der Spendung aller anderen Sakramenten, nur den eigentlichen Hohen Priester in der Kirche: Christus Selbst. Er ist durch die sakramentale Priesterweihe einerseits die Hand und der Mund Christi während der Gottesdienste und vor allem bei der Spendung der Sakrtamente, andererseits ist er vom Bischof und damit von der Kirche beauftragt, in dieser Kirche und an diesem Altar diese Gottesdienste und die heiligen Sakramente zu feiern und dem gläubigen Volk zu spernden. Die Vollmacht dazu erhielten die heiligen Apostel vor der Himmelfahrt des Herrn direkt von Christus, denn Er blies sie an und sprach zu ihnen: "Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten (vgl.: Johannes 20, 22-23). Die heiligen Apostel übergaben diese Vollmacht an ihre Stellvertreter und Nachfolger die Bischöfe und diese wiederum an ihre Vertreter in den einzelnen Gemeinden, die Priester. So spricht der Priester, nicht aus eigener menschlicher Vollmacht, sondern durch das sakramentale Charisma, das er in seiner Priesterweihe empfangen hat, den Beichtenden sichtbar von seinen Sünden los.

 

Die Buße ist für jeden Christen erforderlich, wenn er ein echtes Glied der Heiligen Kirche sein will, denn die Sünden trennen den Menschen von Gott, dem Quell alles Guten, und entfremden ihn Christus, der das Haupt der Kirche ist. Sogar die Heiligen haben ihre Sünden bekannt, denn je näher ein Mensch Gott ist, desto klarer sieht er seine Unwürdigkeit vor Ihm. Nur Gott ist ohne Sünde, wir Menschen aber fallen, seltener oder häufiger, aber ausnahmslos, in kleinere oder größere Sünden. Die Sünde ist ein furchtbares Übel, aber die heilige Kirche lehrt uns, dass nicht die Sünde an sich das Furchtbarste ist, sondern wenn der Mensch sein Herz verhärtet und sich verstockt und sich dann nicht mehr zur Reue und Beichte bereit findet.

 

 

Unser Herr Jesus Christus hat die Sünden der Menschen der ganzen Welt am Kreuz gesühnt, und jetzt kann auch der größte Sünder, wenn er von Herzen bereut, auf Erlösung hoffen. Erinnern wir uns, dass auf Golgotha neben dem Kreuz Christi auch zwei andere Kreuze gestanden haben, an denen die beiden Schächer hingen. Und jener Schächer, der am Kreuz seine Sünden bereute und Christus bat “Gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst”, ging als Erster in das Himmelreich ein. Ohne Reue ist Erlösung unmöglich, deshalb wird es verständlich, welch große Bedeutung dieses Sakrament in der Kirche hat.

 

“Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Er treu und gerecht; Er vergibt uns die Sünden und reinigtuns von allem Unrecht.” (1. Johannes 1: 8)

 

Die Beichte bestand in der Kirche schon seit Anbeginn. Schon zu den Aposteln kamen Menschen “und bekannten offen, was sie (früher) getan hatten”. In jener Zeit war die Beziehung der Menschen zur Kirche so offen und das Bemühen um die Erlösung von den Sünden so stark, dass überall die allgemeine Beichte verbreitet war: der Sünder beichtete offen vor allen. Die Bussdisziplin war sehr streng. Für große Sünden wurden strenge Strafen auferlegt, bis hin zum Ausschluss aus der Kirche für lange Zeit, manchmal sogar bis zur Todesstunde. Für die Wiedereingliederung in die Kirche musste man nach einer schweren Sünde Werke der Buße vollbringen, nicht nur in Worten Reue zeigen, sondern auch in Taten und die Sünden durch einen reinen und untadeligen Lebenswandel wieder gutmachen. Der Sinn der Buße liegt nicht im Bekenntnis, dass man Sünder ist - dies wäre zu einfach, sondern in der Veränderung der Lebensweise, die zur Sünde führt. Sonst könnte man bei der Beichte sagen: “Verzeih mir, o Herr!” und zur nächsten Beichte mit den gleichen Sünden kommen. Deshalb überprüften die Christen in früheren Zeiten die Aufrichtigkeit der Buße, bevor die Absolution erteilt wurde.

 

Die Büßer wurden früher in vier Kategorien eingeteilt. Die „Weindenden“ wagten das Kirchengebäude, wo die Gottesdienste gefeiert wurden, nicht zu betreten und baten bloß die Vorbeigehenden, für sie zu beten. Die „Hörenden“ standen im Vorraum und hörten die Worte des Gottesdienstes. Es war ihnen erlaubt, den Segen zu erbitten, aber genauso wie die Katechumenen durften sie an der Liturgie der Gläubigen nicht teilnehmen und verließen die Kirche unter Tränen bei den Worten: ”Ihr Katechumenen, gehet hinaus!” Die „ Zu Boden Fallenden“ standen schon in der Kirche selbst, wenn auch nur in ihrem hinteren Teil, und durften ebenfalls an der Liturgie der Gläubigen nicht teilnehmen, nur die „In der Gemeinschaft Stehenden“ blieben die ganze Zeit beim Gottesdienst. Sie durften aber nicht kommunizieren. Da aber früher alle Gläubigen kommunizierten, die bei der Liturgie anwesend waren, erlebten die Büßenden ihren Ausschluss von den Heiligen Gaben als besonders schwer. So streng behandelte die Kirche die Menschen, die sich freiwillig durch ihre Sünden von Christus trennten. Mit Beginn des 9. Jahrhunderts wurde die private Beichte überall eingeführt, und die Kategorien der Büßer wurden abgeschafft, aber auch damals wurde man für schwere Sünden auf Jahre exkommuniziert.

 

 

Die Vorbereitung auf die heilige Beichte

 

Obwohl die Buße ein eigenständiges Sakrament ist und bei Bedarf unabhängig von anderen Sakramenten empfangen werden kann, sogar außerhalb eines Gottesdienstes, ist sie doch der Tradition und dem Sinn nach mit der Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Gaben Christi verbunden. Das Gefäß der Seele muss gereinigt sein, bevor es die Heiligen Geheimnisse des Leibes und Blutes Christi aufnehmen kann. Damit die Beichte nicht zu einer bloßen Formalität vor dem Kommunionempfang wird, ist es notwendig, sich auf die Beichte entsprechend vorzubereiten. Bei den meisten orthodoxen Christen ist es üblich, vor der Beichte und Kommunion Kanon-und Buß-Akathistos-Hymnen zu lesen sowie besondere Gebete, welche die Seele in die entsprechende Stimmung versetzen. Die großen Heiligen der Kirche, die Verfasser dieser Gebete, waren gleichzeitig auch Meister der Reue, deshalb sind alle ihre Gebete vom Geist der Buße durchdrungen. Die Regeln für das Lesen der Kanon-, Akathistos-Hymnen und Gebete vor der Beichte und Kommunion finden Sie im Orthodoxen Gebetbuch im Kapitel “Vorbereitung auf die heilige Kommunion”.

 

 

Der Ritus des heiligen Sakramentes der Beichte oder Buße

 

Der Priester steht vor den heiligen Ikonen und dem Pult, auf dem ein Evangelienbuch und ein Kreuz liegen, und liest hörbar die Gebete für die Beichtenden. Nach dem Ende dieser Gebete wendet sich der Priester den Anwesenden zu und spricht folgende Ermahnung: “Mein Kind: Christus steht unsichtbar hier und nimmt deine Beichte an. Schäme dich nicht, fürchte dich nicht, verheimliche nichts vor mir, sondern sage alles, was du gesündigt hast, sei nicht verlegen, um die Vergebung (der Sünden) von unserem Herrn Jesus Christus zu erlangen. Hier ist Sein Bild vor uns: ich bin nur der Zeuge, um vor Ihm alles zu bezeugen, was du mir sagen wirst. Wenn du mir etwas verheimlichen wirst, so wirst du die doppelte Sünde haben. Verstehe, dass du zu einer Heilstätte gekommen bist, so sollst du nicht ungeheilt von hier fortgehen.” Danach nennt der Priester gewöhnlich die Sünden, die Beichtende begangen haben könnten, und ruft zur aufrichtigen Reue auf. Dann beginnt die eigentliche Beichte. Die Beichtenden gehen einer nach dem anderen zum Priester, der mit dem Epitrachelion (einer Stola die die priesterliche Amtsgnade versinnbildlicht) bekleidet vor dem Pult mit dem Kreuz und dem Evangeliar steht und jeden Herantretenden anhört. Furcht oder Scham sind hier eigentlich völlig fehl am Platz, obwohl sie eine normale erste menschliche Regung darstellen.

 

. Der Ort der Beichte ist eine geistliche Heilstätte, denn die orthodoxe Kirche versteht die Sünde nicht in erster Linie als eine Gesetzesverletzung

 

. Man soll sich vor dem Priester überhaupt nicht schämen. Er hört so viele Beichten, dass er sich daran gewöhnt hat, den Sünder nicht zu verurteilen, sondern sich über seine Reue zu freuen. Viele Beichtväter sagen, dass sie diejenigen Menschen mehr lieben, die aufrichtig ihre Sünden bekennen, und nicht versuchen, sich zu rechtfertigen, oder von ihren Sünden undeutlich sprechen und sie nicht direkt benennen. Nach dem Sündenbekenntnis legt der Priester sein Epitrachelion (Stola) auf das Haupt des Beichtenden, spricht das Absolutionsgebet und segnet ihn während der letzten Worte. Manchmal gibt der Priester vor dem Gebet noch nützliche Ratschläge, wie man die Sünde überwinden kann oder verhängt eine kirchliche Buße (Epitimie). Epitimie ist ein griechisches Wort und bedeutet “auferlegte Strafe”. Heute ist diese “Strafe”meist nicht mehr der Ausschluss von der Kommunion für eine bestimmte Zeit, sondern der Auftrag, bestimmte Gebete zu verrichten, zu fasten, oder Werke der Wohltätigkeit zu üben. Wenn die in der Beichte bekannten Sünden gegen einen anderen Menschen gerichtet waren, kann und muss der Priester fordern, sich mit diesem Menschen zu versöhnen und ihn um Verzeihung zu bitten. Unversöhntheit ist nämlich ein Haupthindernis für den Empfang der heiligen Kommunion. Nach dem Absolutionsgebet bekreuzigt sich der Beichtende und küsst das Kreuz und das Evangeliar auf dem Pult.

 

 

Die Auferweckung des Mädchens -

ein Hinweis auf die Auferstehung aller Menschen

 

Eine Predigt des Heiligen Johannes Chrysostomus

(Johannes Chrysostomos, 31. Homilie zum Matthäus-Evangelium, 2-4)

 

Nachdem Christus in die Welt gekommen ist, ist der Tod nur noch ein Schlaf. Gleichwohl verlachte man ihn; er aber wurde nicht ärgerlich, als man ihm keinen Glauben schenkte in der Angelegenheit, in der er kurz darauf ein Wunder wirken wollte. Auch für das Lachen tadelte er niemanden, damit er selbst, die Spieler der Flöten und Zimbeln und alles andere zum Zeugnis für den tatsächlichen Tod des Mädchens wurden. ... Als er die Zimbeln und das Volk sah, schickte er sie alle hinaus und wirkte das Wunder in Gegenwart der Eltern; sonst ließ er keine Seele herein. Allein die, die wirklich fortgegangen war, führte er wieder herbei und weckte sie wie aus einem Schlaf auf. Er fasste das Mädchen bei der Hand und vollbrachte das Wunder vor den Augen der Zeugen, um sie durch das Geschaute auf den Glauben an die Auferstehung vorzubereiten. Der Vater hatte gebeten: »Leg ihr die Hand auf« (Matthäus 9: 18). Jesus aber tut mehr. Er legt sie dem Mädchen nicht nur auf, er fasst es bei der Hand und lässt es aufstehen; damit zeigt er, dass ihm alles untertan ist. Ja er lässt es nicht nur auferstehen, er heißt es auch, Speise zu sich zu nehmen, damit niemand das Geschehen für eine Täuschung halte....

 

Du aber bedenke nicht nur die Auferstehung, sondern auch die Tatsache, dass der Herr befahl, niemand davon zu erzählen. Das vor allem lerne daraus, demütig und bescheiden zu sein! Außerdem beachte, dass er die Klageleute aus dem Haus wies und sie einer solchen Gottesschau für unwürdig erklärte. Du aber geh nicht mit den Flötenspielern hinaus, sondern bleibe mit Petrus, Johannes und Jakobus drinnen. Wenn der Herr damals schon solche Leute fortschickte, dann erst recht heute. Damals war es ja noch nicht offenbart, dass der Tod ein Schlaf ist; jetzt aber ist dies klarer als die Sonne. - Doch dein Töchterchen hat er nicht auferweckt? - Er wird es ganz gewiss auferwecken in noch hellerem Glanz. jenes Mädchen ist zwar auferstanden, aber es starb dann wieder. Wenn dein Kind aufersteht, bleibt es künftig am Leben, da es unsterblich ist. Niemand soll in Zukunft mehr klagen und weinen und das Heilswirken Christi in Verruf bringen! Er hat ja den Tod besiegt. Was trauerst du über die Maßen? Zum Schlaf ist ja der Tod geworden. Was jammerst du und heulst du? Als das die Heiden taten, muss es schon lächerlich gewesen sein. Wenn sich aber in dieser Angelegenheit ein gläubiger Christ ungebührlich benimmt, welche Entschuldigung hat er dann? ... Die Heiden wissen nichts von der Auferstehung; gleichwohl finden sie Trostworte und sagen: Trage es tapfer; das Geschehen ist nicht zu ändern und durch Wehklagen nicht wieder gut zu machen. Du aber hast doch weisere und bessere Gründe zu hören bekommen als sie und schämst dich nicht, dich ungebührlicher zu benehmen als sie? Wir sagen nicht: Trage es tapfer, weil das Geschehen nicht zu ändern ist, sondern: Trage es tapfer, weil der Verstorbene ganz sicher auferstehen wird; dein Kind schläft nur, es ist nicht tot; es ruht und ist nicht verloren. Die Auferstehung wird ihm zuteil und das ewige Leben, die Unsterblichkeit und das Leben der Engel. ... Wenn jemand trauern muss, dann muss der Teufel trauern. Er soll jammern, er soll klagen, weil wir besseren Gütern entgegengehen. Seiner Bosheit ist dieses Klagegeschrei angemessen, nicht aber dir, da du gekrönt werden und Ruhe finden sollst....

 

 

Bedenke, dass auch der Sohn Gottes gestorben ist. Er starb um deinetwillen, du aber stirbst um deinetwegen. Er sprach zwar: »Wenn es möglich ist, gehe der Kelch an mir vorüber« (Matthäus 26: 39), er war betrübt und litt Todesangst; gleichwohl ist er dem Tod nicht aus dem Weg gegangen, sondern hat ihn mit großem Ernst durchgestanden. Er hat nicht einfach nur einen Tod auf sich genommen, sondern den schimpflichsten. Und vor dem Sterben wurde er gegeißelt, und vor der Geißelung ertrug er Hohn und Spott und Schmähung. Dir gab er damit die Lehre, alle Leiden tapfer zu ertragen. Obgleich er starb und den Leib ablegte, hat er ihn doch wieder mit größerer Herrlichkeit angenommen; auch dir hat er damit die Erfüllung einer großartigen Hoffnung in Aussicht gestellt. Wenn das keine Fabel ist, trauere nicht; wenn du das für glaubwürdig hältst, weine nicht! Wenn du aber weinst, wie kannst du einen Heiden überzeugen, dass du gläubig bist?

 

Quelle: Andreasbote November 2003

 

 

Das Fest der heiligen Apostelkoryphäen

Petrus und Paulus

 

von Philip Kariatlis

 

Am 29. Juni jeden Jahres feiert unsere Orthodoxe Kirche das Fest der Heiligen Petrus und Paulus. So wichtig ist diese Feier in der Orthodoxen Kirche, dass sie sogar durch eine vorbereitende Fastenzeit – das sog. Apostelfasten – gekennzeichnet wird, das vom Pfingstmontag bis zum Abend vor dem Fest der beiden Heiligen dauert.

 

Da wir der Praxis der frühen Kirche folgen, in der die ersten Christen der verstorbenen Heiligen mit der Feier der Heiligen Eucharistie auf deren Gräbern gedachten, so feiern auch wir, zweitausend Jahre später, die Feste der Heiligen, indem wir die Göttliche Liturgie auf dem Altar der dem bestimmten Heiligen geweihten Kirche zelebrieren. Der Grund dafür ist, dass der Altar einer jeden Kirche als Symbol für die Heiligengräber gilt, da jede geweihte Kirche Heiligenreliquien in ihrem Altar bewahrt.

 

Man kann sich durchaus fragen, warum gerade diese beiden Heiligen am gleichen Tag gefeiert werden. Petrus war einer der Zwölf, Paulus aber nicht. Aus dem Zeugnis der Bibel wissen wir, dass sich die Ansichten Petri über den Dienst in der Kirche sehr von denen des Paulus unterschieden. Beim Konzil in Jerusalem (48 a.D.) gab es große Probleme in der Kirche durch den großen Zustrom von Konvertiten aus dem Heidentum und diese Heiligen hatten sehr unterschiedlichen Ansichten wie die Neuen aufzunehmen wären. Und doch sehen wir, dass sie nicht nur am selben Tag gefeiert werden, sondern dass die Ikonen der Heiligen Petrus und Paulus sie zeigen, wie sie einander umarmen.

 

Der historische Grund, warum die Kirche die Gedenktage der beiden Apostel zusammengelegt hat, ist, dass sie beide ihr Martyrium am gleichen Tag in Rom erlitten haben. Es gibt eine alte Tradition, nach der beide während der neronischen Verfolgung ungefähr im Jahr 68 nach Christus getötet wurden. Deshalb wurde etwa ab dem 4. Jahrhundert in Rom das Fest der beiden Apostel am 29. Juni, an dem sie gemartert worden waren, gefeiert. Im Gegensatz dazu wurde in Konstantinopel dieses Fest einige Tage nach Weihnachten am 28. Dezember gefeiert. Aber schließlich hat sich dann der römische Brauch behauptet, aber wir wissen nicht genau wann das zu Stande kam. 

 

 

Aus theologischer Sicht ist der Grund für die Zusammenlegung der Festtage der beiden Apostel zu zeigen, dass ihre Ansichten über den Dienst in der Kirche zwar keineswegs übereinstimmten, sie doch beide notwendig waren und einander ergänzten. Obwohl Apostel Paulus keiner der Zwölf war, behauptete er doch, dass sein Amt als gleichwertig anzusehen sei, wenn nicht sogar höherwertig als das Amt der Jünger, die von Christus während Seines irdischen Lebens auserwählt wurden, denn er habe so viel für Christus gelitten. Während ihrer Lebenszeit waren sich die beiden großen Apostel keineswegs einig, wie neue Mitglieder in den noch jungen christlichen Glauben aufgenommen werden sollten. Vom Hl. Paulus wird gesagt, er habe den Heiligen Petrus in diesem Falle der Doppelzüngigkeit bezichtigt. Im Galaterbrief 2: 11 schreibt Paulus über einen Streit, den er mit Petrus hatte: „Als Kephas aber nach Antiochia gekommen war, bin ich ihm offen entgegengetreten, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte“.

 

Petrus glaubte, dass neue Mitglieder zuerst das jüdische Gesetz der Beschneidung erfüllen müssten, bevor sie Christen werden könnten, Paulus aber war völlig dagegen. Daraus können wir lernen, dass Spannungen dieser Art überwunden werden können, wenn die Kirche vom Heiligen Geist geleitet wird.

 

Nachdem wir uns die historischen und theologischen Gründe angesehen haben, warum die beiden Apostel am gleichen Tag gefeiert werden, wenden wir uns der Beschreibung einiger Fakten aus ihrem Leben und ihrer Zeit zu. Petrus, ursprünglich Simon genannt (Apostelgeschichte 15: 14) wurde in der überwiegend heidnischen Stadt Betsaida (Johannes 1: 44) geboren, hatte aber ein Haus in Kafarnaum (Markus 1: 21 ff.). Beide Städte lagen an einem See und das war für Petrus die Gelegenheit als Fischer zu arbeiten. Paulus war sehr belesen im jüdischen Gesetz, Petrus aber keineswegs. Dieser war verheiratet (Markus 1: 30) und seine Frau begleitete ihn auf seinen Missionsreisen (1. Korinther 9: 5). Nach dem Pfingstfest wurde Petrus der Sprecher der Apostel (Apostelgeschichte 4: 8 ff.), Hauptprediger (2: 14 ff.) und setzte sich für Rechtschaffenheit in der noch jungen Gemeinde ein.

 

Petrus wird als der mutige Apostel beschrieben, lebendig, spontan und dynamisch. Dreimal verleugnete er Christus und weinte bitterlich darüber, aber bekannte Ihn als den Messias, den Sohn des Lebendigen Gottes. Ihn fragte Christus, ob er Ihn liebe, und doch nannte Er ihn auch Satan. Doch war das, was den Apostel Petrus am besten beschreibt, ist seine Ernsthaftigkeit öffentlich und ohne sich zu schämen zu verkünden, dass er unwürdig sei, dass Christus für ihn Wunder vollbringe. Im Lukas-Evangelium lesen wir, dass Petrus, als er Christus auf sich zukommen sah, nachdem Christus auf wunderbare Weise seine Netzes mit einer Überfülle von Fischen gefüllt hatte, zu Ihm sagte: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder!“. Wer sonst hätte es gewagt ein Bekenntnis dieser Art abzulegen! Wer hätte gedacht der Geringste zu sein und unwürdig einer solchen Menge Fische, da doch viele andere Fischer unter ähnlicher Mühsal litten. All zu oft versuchen doch auch wir herauszubringen, welche Vorteile sie uns verschaffen könnten, wenn wir einflussreiche Leute kennen lernen, ohne zu bedenken, dass es um uns auch andere geben könnte, die das nötiger hätten. Dieses Bild des Petrus, voll der Demut, muss in der Kirche wiederbelebt werden.

 

Andererseits hören wir, dass Paulus in der Stadt Tarsus geboren wurde (Apostelgeschichte 9: 11), eine überwiegend griechische Stadt in Kleinasien, und römischer Bürger war (22: 29). Vor allem war Paulus ein Jude aus dem Stamme Benjamin und Pharisäer (Philipper 3: 5), aber auch ein harter Verfolger der christlichen Kirche. Er hatte sogar den offiziellen Auftrag eine Kampagne gegen die Christen zu führen. Aus seinen Briefen und der Apostelgeschichte erfahren wir von einem dramatischen Offenbarungserlebnis auf der Straße nach Damaskus, das Paulus dazu berief Christus als Apostel zu folgen. Nachdem er erst einmal drei Jahre als Christ in Arabien verbracht hatte, ging er nach Jerusalem, besuchte die Gemeinschaft der Apostel und sprach mit Petrus und Jakobus. Erst 14 Jahr später kam er ein zweites Mal nach Jerusalem zum Konzil der Apostel im Jahre 48 nach Christus.

 

Ungefähr im Jahre 46 nach Christus wurde er von der Kirche in Antiochien beauftragt eine Missionsreise nach Zypern und Galatien zu unternehmen. Paulus wurde durch seine ausgedehnten Reisen bekannt, da er vier lange Missionsreisen durch Kleinasien, Griechenland (über Makedonien, Thessaloniki, Athen, Korinth), Rom und möglicherweise bis nach Spanien mit einem Kreis von Mitarbeitern für die Mission machte. Während dieser Zeit schrieb er seine berühmten Briefe an die Römer, Korinther, Epheser, Philipper, Kolosser und an Philemon. Fälschlicherweise der Nichtachtung von Tempelriten angeklagt, wurde er unter dem Statthalter Felix gefangen genommen und zwei Jahre eingesperrt. Er wurde aber als römischer Bürger wieder entlassen, denn er hatte kein staatliches Gesetz missachtet, ging nach Rom und wurde unter Kaiser Nero zum Tode verurteilt.

 

 

Der vielleicht interessanteste Aspekt der Persönlichkeit Pauli ist ihre Vielzahl der Dimensionen. Er schrieb selbst über sich: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“ (1Kor 9,22). Es ist Pauli vielseitige Natur, welche die schnelle Ausbreitung des christlichen Evangeliums förderte. Wir können daraus schließen, dass die wahre Größe des Hl. Paulus nicht nur in seiner vielseitigen Natur liegt, sondern auch in den Briefen, die er uns hinterlassen hat und mit denen er die Christenheit mehr als jeder andere, mit Ausnahme von Jesus Selbst, beeinflusst hat.

 

Wenn wir ihr Fest begehen, verherrlichen wir Ihn, der sie verherrlicht hat, und freuen wir uns zusammen mit den Heiligen Petrus und Paulus.

 

 

Das Fest der heiligen Koryphäen unter den

Aposteln Petrus und Paulus

 

29. Juni

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Am 29. Juni feiert die Kirche das Fest der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus. Dieses Fest wird in der Kirche ebenso hochgeschätzt wie die Feste des Herrn, obwohl es nicht zu den zwölf Hauptfesten gehört.

 

Die heiligen Apostel Petrus und Paulus, mit deren Fest das sogenannte Petrus- oder Apostelfasten endet, setzten gemeinsam das Werk des Herrn fort. Aber sie waren sehr verschieden. Petrus war verheiratet, Paulus jedoch nicht. Petrus begleitete Christus seit Beginn Seines Wirkens, Paulus hat Ihn nicht einmal gesehen. Petrus hat unter den Juden gepredigt, Paulus ging zu den Heiden (abgeleitet vom griechischen Wort ἔθνος (éthnos) = die (nichtjüdischen) Völker). Unter den Schriften des Neuen Testamentes finden wir nur zwei Petrusbriefe. Paulinische Briefe sind uns vierzehn überliefert.

 

Gemeinsam ist diesen beiden großen Menschen der Märtyrertod für Christus, der ihre Liebe zum Erlöser voll und ganz bestätigt. 

 

Der heilige Apostel Paulus (sein jüdischer Name war Saulus nach dem jüdischen König aus den alten Testament) hielt sich, wie bekannt ist, für den geringsten der Apostel; unwürdig, zum Kreis der heiligen Aposteln zu gehören. Aber gerade er wurde vom Herrn selbst ausgewählt und berufen, als er nach Damaskus zog, um dort die Christen zu verfolgen. Durch seine Missionsreisen verbreitete sich die Kirche bis an die Grenzen der römisch- griechischen Welt und durch seine Nachfolger dann auch bis zu den barbarischen Völkern (mit dem griechischen Wort βάρβαρος, bárbaros, Plural βάρβαροι, bárbaroi wurden im antiken Griechenland alle Menschen bezeichnet, die nicht (oder nur schlecht) griechisch sprachen. In der griechisch- römischen Antike verstand man unter dem Begriff „Barbaren“ die Menschen, die nicht zum antiken römischgriechischen Kulturkreis gehörten). Die Briefe des heiligen Apostels Paulus sind für uns Christen ein sehr bedeutender Teil der Heiligen Schrift.

 

Der heilige Apostel Petrus war der Sprecher der Jünger Christi, die Ihn während Seines irdischen Lebens begleiteten. Deshalb wurde der heilige Petrus, genau wie Paulus, von der Kirche mit dem Ehrentitel Koryphäe oder Fürst der Apostel ausgezeichnet. Während der Zeit des irdischen Wirkens Christi nahm der heilige Petrus Seine göttliche Lehre auf und hörte die heiligen Worte seines Evangeliums, das erfüllt war von Liebe zu allen Menschen. So bekannte er dann auch im Namen aller Jünger: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes”, wofür ihn der Herr selig gepriesen hat. Wir erinnern uns an die dreimalige Verleugnung Christi durch Petrus, aber auch an das dreimalige Bekenntnis seiner Liebe zu Christus. Aus den Evangelien wissen wir, dass der Herr gerade ihn mit den heiligen Aposteln Jakobus und Johannes mit auf den Berg Tabor genommen hat und sie dort gewürdigt hat, das nicht geschaffene Licht Seiner göttlichen Herrlichkeit zu sehen. Der heilige Apostel Petrus, den uns die heiligen Evangelien schildern, war eine höchst tempramentsvolle und manchmal auch widersprüchlichere Persönlichkeit. Aber in der Lebendigkeit und Tiefe seiner Christusnachfolge ist er bis heute ein stets gültiges Vorbild für ein gelingendes Christenleben.

 

 

Das Martyrium  der  heiligen Apostel Petrus und Paulus in Rom

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Der christliche Glaube verbreitete sich in Rom schon vor der Ankunft der Apostel Petrus und Paulus (vgl.: Apostelgeschichte 28: 15). Als die beiden Apostel auf getrennt und auf jeweils unterschiedlichen Wegen die Stadt erreichten, fanden sie hier bereits eine christliche Gemeinde vor.

 

Aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Galater (Galater 2: 11) wissen wir, dass  der heilige Apostel Petrus nach dem Apostelkonzil nach Antiocheia ging und der dortigen Gemeinde eine Zeit lang als "Bischof" vorstand. Dies könnte etwa um das Jahr 45 nach Christus gewesen sein. 

 

Cathedra Petri in der Petrusgrotte in Antakya, dem antiken Antiochia.
Cathedra Petri in der Petrusgrotte in Antakya, dem antiken Antiochia.
Die heutige orthodoxe Kirche im Stadtteil Hatay  von Antakya
Die heutige orthodoxe Kirche im Stadtteil Hatay von Antakya

 

Die Überlieferung der römischen Kirche berichtet uns, dass der heilige Apostel Petrus bei Santa Maria di Leuca italienischen Boden betreten hat. So erreichte der Apostel die italische Halbinsel an ihrem südöstlichsten Punkt.  Von dort aus kam  Petrus dann nach Rom, wo er wiederum, wie bereits in Antiochia, einige Zeit der dortigen Gemeinde vorstand. Nach der römischen Überlieferung war er dann 25 Jahre ,Bischof der Stadt Rom‘ gewesen.

 

In seiner Zeit in Rom verfasste der Heilige Apostel Petrus dann auch die beiden Petrusbriefe, die sich wie die übrigen „katholischen“ Apostelbriefe nicht an eine einzige Lokalkirche, sondern an die über die gesamte antike Oikumene ausgebreitete katholische (= umfassende) christliche orthodoxe Kirche wandten. Am Schluss des ersten Petrusbriefes heißt es: „Es grüßt euch die mit euch auserwählte Kirche von Babylon und Markus, mein Sohn“ (5: 13).

 

Hieraus erfahren wir, dass der Apostel Petrus vom jungen Markus begleitet wurde, der dem nur mangelhaft griechisch Sprechenden dabei half, die von ihm in aramäischer Rede vor der versammelten römischen Gemeinde vorgetragene Verkündigung dann in die griechische Sprache zu übersetzen. Insofern finden wir die Evangeliumspredigt des heiligen Apostel Petrus im Evangelium des Heiligen Apostel und Evangelisten Markus später verschriftlicht wieder. Auch weisen viele Ähnlichkeiten zwischen dem römischen und alexandinischen Ritus darauf hin, dass der heilige Apostel und Evangelist Markus, der nach dem Märtyrertod des heiligen Apostels Petrus den christlichen Glauben in Alexandria und Unterägypten verkündete, das Evangelium und Heilige Tradition in Rom aus dem Munde des Apostel Petrus vernommen und dann in Alexandrien an die dortigen Gläubigen weitergegeben hat.

 

Inneres der griechischen orthodoxen Patriarchial-Basilika in Alexandrien.
Inneres der griechischen orthodoxen Patriarchial-Basilika in Alexandrien.

 

Nach den Zeugnis der Apostelgeschichte (Apg. 22: 3) stammte der heilige Apostel Paulus aus einer Familie von Pharisäern aus der kilikischen Stadt Tarsus. Diese Hafenstadt im Grenzgebiet der heutigen Südtürkei zu Syrien war damals ein bedeutendes Handelszentrum mit einer größeren jüdischen Diasporagemeinde, wie es sie in vielen Küstenstädten des Mittelmeerraums gab. Der lateinische Kirchenschriftsteller Hieronymus berichtet uns, dass die Eltern des Paulus aus Gischala in Galiläa stammten und, als die ganze Provinz von den Römern verwüstet wurde, in die Stadt Tarsus in Kilikien gelangten. Die Apostelgeschichte berichtet uns, dass Paulus das Bürgerrecht der Stadt Tarsus (Apostelgeschichte 21: 39) und damit ebenfalls von Geburt an das römische Bürgerrecht besaß (Apostelgeschichte 16: 37 & 22:28). Damit waren gewisse rechtliche Privilegien verbunden, die der heilige Apostel Paulus später in Konflikten um seine Mission erfolgreich zu nutzen wusste, so zum Beispiel bei seiner Gefangennahme im Tempel in Jerusalem (Apostelgeschichte 21,37-40 & 22: 23-30). Der heilige Apostel und Evangelist Lukas überliefert uns seinen jüdischen Namen: Saulus (Apostelgeschichte 7: 58 & 8: 1.3). Ob sich sein Name Paulus (griechisch: παΰλος, lateinisch: paulus oder paullus = „klein“, der Name Paulus bedeutet also wörtlich „der Kleine“) aus einer Eigenbezeichung des Apostels infolge seines Bekehrungserlebnisses vor Damaskus, oder aus der Verbindung seines Vaters beim Erwerb des tarsischen Bürgerrechtes zu einem Patronus ableitet, kann bisher nicht abschließend geklärt werden. Im Gegensatz seinem jüdisch- hebräischen Namen Saul ( שָׁאוּל), der sich vom ersten König Israel ableitet und ihm wegen der gleichen Abstammung seine Familie aus dem Stamme Benjamin gegeben wurde, ist Paulus ein Name aus dem Kontext der hellenistisch-römischen Welt. Die antiken Juden wählten im fremden Lebensumfeld in der Diaspora häufig einen zweiten Namen, der für Außenstehende sogleich verständlich war und möglichst ähnlich wie ihr ursprünglicher Name klang. Dass der heilige Apostel Paulus diesen Brauch übernahm, kann vielleicht als Hinweis darauf gesehen werden, dass er sich als römischer Bürger sicher zu bewegen wusste und dadurch seine Möglichkeiten in der Verkündigung des Evangeliums (vgl. 1. Korinther 15: 1-4) zu erweitern wusste.

 

Der heilige Apostel Paulus verkündet das Evangelium in Veria (Βέροια) in Makedonien
Der heilige Apostel Paulus verkündet das Evangelium in Veria (Βέροια) in Makedonien

 

Auf mehreren ausgedehnten Missionsreisen durchzog er vor allem die römischen Provinzen im heutigen Kleinasien, trug aber das Evangelium auch ins heutige Griechenland nach Makedonien und nach Korinth.

 

Während seiner  dritten und letzten Missionsreise (53 bis 57 nach Christus) kam der heilige Apostel Paulus nach Galatien und Phrygien (Apostelgeschichte 18,23–21,16). Am Ende dieser Missionsreise ließ er sich für zwei bis drei Jahre in Ephesus nieder (Apostelgeschichte 19: 10; 20: 31). Von dort aus missionierten der heilige Apostel mit seinen Begleitern die umliegenden Gebieter in Kleinasien, wo sie verschiedene Gemeinden gründeten. Von Ephesus aus reiste der heilige Apostel Paulus dann weiter nach Makedonien,. Von Makedonien aus ging er dann nach Griechenland, um dort den Winter zu verbringen. Von dort aus ging er wieder nach Makedonien und besuchte  Philippi, Troas und Assos. Von hier aus fuhr er mit dem schließlich per Schiff nach Caesarea Maritima, der bedeutenden Hafenstadt, die zugleich Regierungs- und Verwaltungssitz des römischen Palästina war. 

 

Das antike Caesarea Maritimawar in gegensatz zum Rest der Provinz nicht jüdisch, sondern heidnisch-hellenistisch geprägt. Hier und nicht in Jerusalem residierte der römische Stadthalter.
Das antike Caesarea Maritimawar in gegensatz zum Rest der Provinz nicht jüdisch, sondern heidnisch-hellenistisch geprägt. Hier und nicht in Jerusalem residierte der römische Stadthalter.

 

Ziel der Missionsreisen des Apostels Paulus war die Verkündigung des heiligen Evangeliums und, damit verbunden, der Aufbau christlicher Gemeinden. Sobald diese Kirchen in der Lage waren, selbständig entsprechend der apostolischen Anordnungen das geistliche und liturgische Leben zu vollziehen, reiste der heilige Apostel Paulus weiter in die nächstliegende Stadt, nachdem er vorher Presbyter (Priester) und Bischöfe (Episkopen) geweiht und in den neugegründeten Kirchen eingesetzt hatte. Diese christlichen Kirchen in den städtischen Zentren wurden dann zum Ausgangspunkt der weiteren christlichen Mission im Hinterland und der Gründung weiterer dortiger Gemeinden. Der heilige Apostel Paulus hielt jedoch auch danach weiter engen Briefkontakt mit diesen ,von ihm gegründeten, neuen Kirchen, in denen er die christliche Glaubenslehre vertiefte, die Presbyter und Episkopen instruierte und auf Probleme und aktuelle Fragen in den noch jungen Lokalkirchen einging.

 

Immer wieder im Laufe seiner Missionsreisen kam der heilige Apostel Paulus nach Jerusalem, um die kirchliche Einheit mit der Jerusalemer Kirche und dem dortigen Apostelkonvent zu bewahren und zu vertiefen. Im Gegensatz zur Meinung gewisser  heutiger westlicher Theologen waren die einzelnen altchristlichen Lokalkirchen niemals nach pentekostal- prebyteranischem Muster verfasst. Die über die Grenzen der jeweiligen Ortskirche hinausreichende Gemeinschaft der Einen, Heiligen, Apostolischen Kirche fand ihren lebendigen Ausdruck in ihrer gelebten Katholizität. Denn bereits in apostolischer Zeit waren die einzelnen noch jungen Kirchen untereinander eng durch das Band der gegenseitigen Liebe und des gemeinsamen, apostolischen Glaubensgutes verbunden. Ein Ausdruck dieser innigen kirchlichen Gemeinschaft war und ist bis heute, dass Besucher aus den übrigen apostolischen Kirchen zur gemeinsamen Feier der Göttlichen Liturgie und zum Empfang der Heiligen Kommunion zugelassen waren.

 

Ein weiterer Ausdruck des christlichen Liebesbandes war die gegenseitige Fürsorge der Christen füreinander, die sich weit über den eigenen Gemeindekreis hinaus ausdehnte. So berichtet uns der heilige Apostel Paulus im Römerbrief, in dem er sich vor seinem persönlichen Kommen schon einmal der römischen Gemeinde vorstellt, von seinen Reiseplänen nach Jerusalem, um dabei dorthin eine Kollekte der anderen orientalischen Kirchen zu überbringen. Diese Kollekten waren im Übrigen ein Ergebnis des Apostelkonzils gewesen, damit dadurch die apostolische Einheit zwischen den neugegründeten Kirchen und der Urgemeinde in Jerusalem gestärkt werde.

 

Synaxis der Heiligen Apostel
Synaxis der Heiligen Apostel

 

Offenbar wollte der heilige Apostel Paulus für die Vollendung seines Lebenswerks - die lange geplante Missionsreise in den Westen des römischen Reichs - die persönliche Zustimmung der dort Anwesenden einzuholen. Denn die übrigen Apostel, genau wie der heilige Apostel Paulus, hatten damals die Gewohnheit, zwischen  ihrer einzelnen Missionsreisen immer wieder nach Jerusalem zurück zu kehren. Deshalb war die Kirche von Jerusalem, vor der Zerstörung der Stadt im Jahre 70 nach Christus und der damit verbundenen Auswanderung der Jerusalemer Kirche nach Pella am östlichen Ufer des Jordanflusses, das geistlich-geistige Zentrum der gesamten apostolischen Christenheit.

 

Der heilige Apostel Paulus wählte am Ende seiner dritten und letzten Missionsreise mit seinen Begleitern den Landweg über Makedonien und bestieg erst in Kleinasien ein Schiff nach Palästina, um so einem geplanten Anschlag durch jüdische Gegner zu entgehen (Apostelgeschichte 20: 14). Denn der heilige Apostel Paulus hatte während seiner Missionsreisen die Verkündigung des Evangelium zwar immer in der örtlichen Synagogengemeinde begonnen und dabei dort meist auch die Gottesfürchigen und Proselyten griechischer Herkunft gewinnen können, um die sich dann die neue Ortskirche formierte; doch verkündete der Heilige Apostel Paulus den christlichen Glauben ohne jede kultische Rückbindung an das jüdische Speise- und Zermonialgesetz. Seine Missionstätigkeit wandte sich konsequent immer sowohl an die Juden und die sich zur Synagoge haltenden griechischstämmigen Gottesfürchigen und Proselyten, als auch an die übrige, noch heidnische Stadtbevölkerung.

 

Die Bekehrung des späteren Apostels Paulus vor Damaskus.
Die Bekehrung des späteren Apostels Paulus vor Damaskus.

 

Beides, seine tiefe Verwurzelung im alttestamentlichen Gottesvolk und seine sowohl jüdische wie auch hellenistische Bildung befähigen den heiligen Apostel Paulus zum Apostel der Völker (έθνη = deutsch: „Heiden“) zu werden. Zugleich zog er sich durch seine, für alle Menschen guten Willens offene, Missionstätigkeit den Widerspruch, ja von einigen auch den Hass von weiten Teilen des hellenistischen Diasporajudentums zu.

 

Die Befürchtungen des Apostels in Hinblick auf seine Situation bestätigten sich auch kurz nach seiner Ankunft in Jerusalem. Dort wurde der Apostel wurde von Diasporajuden angeklagt, er habe einen Nichtjuden mit in den Tempel gebracht. Hierauf stand nach der geltenden jüdischen Gesetzesauslegung die Todesstrafe, die die Römer bei solchen religiösen Vergehen, um Unruhen zu vermeiden, zuließen. Anlass dieser Beschuldigung war eine jüdische Zeremonie im Jerusalemer Tempel nach der Erfüllung eines Gelübdes, die Paulus nach jüdischer Sitte bezahlen wollte, um den Juden seine Treue zum Gott der Väter zu demonstrieren. Als es im Tempel zu einem Tumult kam, griff dort die römische Wache ein, um den heiligen Apostel Paulus vor jüdischer Lynchjustiz zu schützen (Apostelgeschichte 21: 27–36).

 

Nach einer mehrjährigen rechtlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Paulus vor verschiedenen römischen Statthaltern den christlichen Glauben verkündete, appellierte der Apostel am Ende als römischer Bürger an den Kaiser im Rom (Apostelgeschichte 25: 9 ff.). Der heilige Apostel Paulus wurde daraufhin gefangen nach Rom gebracht, um seinen Rechtsanspruch in einem  Prozess vor dem kaiserlichen Gerichtshof vertreten zu können.

 

 

Nach einer beschwerlichen Reise, in dem der Apostel vor Malta Schiffbruch erlitt, erreichte der Heilige Paulus schließlich die Stadt Rom. Hier wurde ihm gestattet, sich unter der Bewachung eines römischen Soldaten eine eigene Wohnung zu mieten und seinen Fall hier vor den römischen Gerichten zu vertreten. So verbrachte der heilige Apostel  Paulus daraufhin rund zwei Jahre in der Stadt. In dieser Zeit konnte er sich relativ frei bewegen, Besucher empfangen und auch einen regen Kontakt zur römischen Gemeinde zu pflegen. (Apostelgeschichte 28: 11 ff.)

 

 

So hielten sich dann sowohl der heilige Apostel Petrus, als auch der Heilige Apostel Paulus eine Zeitlang gemeinsam in Rom auf und sie konnten beide hier zum Wohle der Römischen Kirche wirken. Dies änderte sich jedoch schlagartig nach dem schweren, mehrere Tage andauernden Brand der Stadt Rom. Da der Kaiser Nero die Schuld für den Ausbruch des Brandes den Christen anlastete, begann unmittelbar nach dem Brand eine schwere Verfolgung der Christen zunächst in der Stadt Rom selbst, dann aber auch im gesamten römischen Imperium. Im Rahmen dieser Verfolgungsmaßnahmen wurden neben unzähligen einfachen Christen auch die heiligen Apostel Petrus und Paulus gefangen genommen und ins Gefängnis geworfen.

 

Waren die beiden Apostel anfangs noch unbehelligt geblieben, so wurden sie dann im Rahmen der zweiten Verfolgungswelle in den Kerker geworfen. Nach neun Monaten schwerer Kerkerhaft wurden die beiden heiligen Apostel dann durch die römischen Gerichte zum Tode verurteilt. 

 

Während der ersten Verfolgungswelle fürchteten die Christen der römischen Gemeinde sehr, dass der heilige Apostel Petrus im nun stattfindenden Gewaltexzess   zu Tode kommen könnte. Deshalb bedrängten sie ihn aus der Stadt zu fliehen und sich im Umland zu verbergen. Schließlich gab der heilige Apostel Petrus ihrem Drängen nach und wollte die Stadt verlassen. So begab sich der heilige Apostel mit einem jugendlichen Begleiter auf den Weg aus der Stadt. Dabei erschien ihm auf der Via Appia Christus selbst. Beim Anblick der Erscheinung ließ der heilige Apostel Petrus  seinen Reisestab fallen. Er hielt seine Augen auf die Erscheinung gerichtet und rief dabei:  „Christus! Christus!“ Nun neigte der alte Mann seinen Kopf zur Erde, als ob er jemandem die Füße küsse. Darauf trat eine Zeit der Stille ein bis der heilige Apostel Petrus in lateinischer Sprache ausrief: „Quo vadis, Domine?“ (= Wohin gehst Du, Herr?) Der junge Begleiter des Petrus berichte den Christen in der römischen Gemeinde später: „Und die Ohren des Petrus vernahmen eine traurige und zugleich zärtliche Stimme: „Du verlässt mein Volk, ich aber gehe nach Rom, um mit ihnen erneut gekreuzigt zu werden.“ Der Apostel lag, das Gesicht voller Staub, auf dem Boden, ohne sich zu bewegen. Ich, sein jungendlicher Begleiter hatte Angst, dass er in Ohnmacht gefallen oder gar gestorben war. Jedoch endlich stand Petrus wieder auf. Mit den zitternden Händen nahm er seinen Pilgerstab vom Boden auf und ohne ein Wort zu sagen, drehte er sich um zu den sieben Hügeln der Stadt Rom. Nun wiederholte ich die Worte, die ich aus dem Munde des Apostels vernommen hatte: „Quo vadis, Domine?“ „Nach Rom“, antwortete mir der Apostel leise.“ 

 

Heute steht an der Stelle, an der der aus der Stadt Rom flüchtende Petrus dem HERRN begegnete die kleine Kirche "„Quo vadis, Domine?“
Heute steht an der Stelle, an der der aus der Stadt Rom flüchtende Petrus dem HERRN begegnete die kleine Kirche "„Quo vadis, Domine?“
Innerhalb der Kirche ist noch heute ein Pflasterstein der Via Appia zu sehen, auf dem sich bei der Erscheinug Christi Seine allheiligen Füße einen sichtbaren Abdruck hinterlassen haben.
Innerhalb der Kirche ist noch heute ein Pflasterstein der Via Appia zu sehen, auf dem sich bei der Erscheinug Christi Seine allheiligen Füße einen sichtbaren Abdruck hinterlassen haben.

 

So blieb der heilige Apostel Petrus in Rom, wurde am Ende gefangen genommen und zusammen mit dem heiligen Apostel Paulus im Mamertinischen Kerker, dem Gefängnis für zu Tode verurteilte Staatsverbrecher, eingekerkert. Von hier aus traten die beiden heiligen Apostel dann zusammen ihren letzten Weg an.

 

Der heilige Apostel Petrus, weil er nicht römischer Bürger war, wurde vor seinem Weg zur Hinrichtung gegeißelt und dann mit seinem Leidensgenossen dem Heiligen Apostel Paulus am 29. Juni des Jahres 67 durch das Ostiensische Tor zur Richtstätte geführt.

 

Als sie an den Ort kamen, wo sich heute die Kapelle Santa Trinità (San Pietro e Paolo separati) steht, wurden sie durch die römischen Wachsoldaten voneinander getrennt. Sie tauschten nach der Sitte der ersten Christen zum letztenmal den dreimaligen Bruderkuss aus und nahmen so Abschied voneinander.

 

Als römischer Bürger erlitt der heilige Apostel Paulus das Martyrium durch Enthauptung mit dem Schwert.
Als römischer Bürger erlitt der heilige Apostel Paulus das Martyrium durch Enthauptung mit dem Schwert.

 

Der heilige Apostel Paulus wurde drei Meilensteine, das ist eine Wegstunde, bis zu dem Ort „ad aquas Salvias“ geführt. Auf dem Wege dahin bekehrte er noch die drei Soldaten Acestus, Megistus und Longinus zum christlichen Glauben. Denn sie fragten ihn, wer denn jener König sei, den er so sehr liebe, dass er mit solcher Freudigkeit für ihn sterbe? Darauf lehrte er sie Jesus Christus kennen und gewann sie so für den christlichen Glauben.

 

Auf diesem Wege zu seiner Hinrichtungssstätte trat ihm auch seine Schülerin Plautilla entgegen, die sich am Wegesrand weinend seines Gebetes empfahl. Er bat sie um ihren Schleier, den sie auf dem Haupte trug, um sich bei der Hinrichtung damit die Augen verbinden zu lassen, und versprach ihr, denselben nach seinem Tode an sie wieder zurückzugeben. Und wirklich: Der heilige Apostel erschien ihr nach seinem Tode und brachte ihr den Schleier zurück, der mit seinem Blute bespritzt war.

 

Schließlich, am Orte seiner Hinrichtung angekommen, mußte der heilige Apostel Paulus noch einige Zeit warten, bis das Urteil an ihm vollstreckt wurde. Noch heute zeigt man jenen engen Raum unter der zweiten der drei Kirchen, welche hier stehen, wo er auf seine Hinrichtung gewartet hat. Am Ende wurde er dort an eine Marmorsäule gebunden und enthauptet. Seine letzten Worte waren: "Herr Jesus in Deine Hände empfehle ich meinen Geist." Da, wo sein heiliges Haupt hinfiel, entsprangen daraufhin drei Quellen, über welche die heutige Kirche „Alle tre Fontane“ erbaut wurde. Hier wird auch heute noch jene Säule gezeigt, an die angebunden der heilige Apostel enthauptet wurde.

 

Der heilige Apostel Paulus erlitt das Martyrium durch Kreuzigung. Auf eigene Bitte wurde er Kopfüber ans Kreuz geschlagen.
Der heilige Apostel Paulus erlitt das Martyrium durch Kreuzigung. Auf eigene Bitte wurde er Kopfüber ans Kreuz geschlagen.

 

Der heilige Apostel Petrus wurde, nachdem er vom heiligen Apostel Paulus Abschied genommen hatte, über den Fluss Tiber geführt und auf die Höhe des Hügels Janiculus geschleppt. Ehe er den Ort seiner Kreuzigung erreichte, verlor er von seinem Fuße eine Binde, welche die Wunde verband, die ihm die schweren Ketten verursacht hatten. Zum Andenken daran bauten die ersten Christen hier eine Kapelle, über deren Ort sich heute die kleine Kirche „Della Fasciola“ erhebt.

 

Als der heilige Apostel Petrus auf dem Janiculus-Hügel angelangt war, wurde für ihn das Kreuz vorbereitet, an dem er wie sein göttlicher Herr und Meister sterben sollte. Der heilige Apostel Petrus aber hielt sich für unwürdig, in derselben Stellung am Kreuze zu sterben, wie es unser HERR Jesus Christus getan hatte und bat deshalb, mit zur Erde gesenktem Haupte gekreuzigt zu werden. So gab er sein Leben im Martyrium hin, Gott lobend und preisend und von den Soldaten und frommen christlichen Frauen umgeben, die ihm auf dem Weg zu seiner Hinrichtung gefolgt waren. Dabei wollten die heilige Anastasia und Asilissa, zwei christliche römische Matronen, das Blut des heiligen Apostels mit Tüchern auffangen. Daraufhin wurden auch sie von den Wachsoldaten ergriffen mit Fackeln versengt und anschließend enthauptet.

 

An der Stelle der Kreuzigung steht heute die Kirche „S. Pietro in Montorio“. Den ersten Kirchenbau an dieser Stelle führte bereits der erste christliche römische Herrscher, der heilige, apostelgleiche Kaiser Konstantin aus. Im Hofe des anstoßenden Klosters der Franziskaner-Mönche steht heute eine schöne Rundkapelle über der Stelle, an der der heilige Apostel Petrus das Martyrium erlitt. Im untern Raum der Kapelle bezeichnet noch heute eine Öffnung im Boden den Ort, wo das Kreuz des heiligen Apostel Petrus aufgerichtet worden war.

 

Den Leib des heiligen Apostels Paulus bestattete die christliche Patrizierin Lucina auf ihrem Landgute an der ostiensischen Straße. Lucina war eine Schülerin der heiligen Apostel und suchte mit ihrem Vermögen die römische Kirche in ihren materiellen Bedürfnissen zu unterstützen. Vor allem aber besuchte und tröstete die fromme Christin die christlichen Gefangenen und sorgte für die würdevollen Beisetzung der Reliquien der heiligen Märtyrer.

 

Über dem Grabe des heiligen Apostels Paulus wurde von ihr eine Kapelle erbaut, unter deren Altar während der dreihundertjährigen Verfolgungszeit die Reliquien des heiligen Apostels Grabkammer in einem Sarg von Marmor ruhten. Im Laufe der Verfolgungszeit wurden rings um die Grabstätte des Apostels eine große Menge von heiligen Märtyrern und anderen römischen Christen beerdigt. So entstand dort im Laufe der Zeit der Fiedhof „S. Pauli Apostoli in praedio Lucinae“.

 

Nachdem die Kirche mit der Alleinherrschaft des heiligen Apostelgleichen Kaisers Konstantin endlich von den Verfolgungen befreit wurde, ließ der erste christliche Kaiser auf die Bitte des damaligen römischen Bischofs, des heiligen Sylvesters eine prachtvolle Basilika über dem Grab des heiligen Apostels Paulus erbauen. Gemäß der altchristlichen Tradition war unter dem Altar der Basilika die „Confessio“, eine kleine Grabkammer, in der sich in einem Sarg aus Stein oder Marmor die Reliquien des Heiligen befanden. Aus der apostolischen Sitte in den ersten Christengemeinden, die Feier der Göttlichen Liturgie über den Reliquien der heiligen Apostel und Märtyrer zu vollziehen, entwickelte sich der heutige orthodoxe Brauch, sowohl unter dem Altar Reliquien aufzubewahren, als auch auf den Märtyrerreliquien im Antimension die Mysterien der heiligen Eucharistie zu vollziehen.

 

Als nach dem Ende der Christenverfolgungen unter dem heiligen Kaiser Konstantin die Paulusbasilika erbaut wurde, legte der heilige römische Bischof Sylvester im Jahre 319 auch Teile aus den Reliquien des heiligen Apostels Paulus zu denen des heiligen Petrus, als der heilige Kaiser Konstantin über dessen Grab auf dem Vatikanhügel die prachtvolle Basilika Sankt Peter errichten ließ.

 

Nachdem der heilige Petrus am Kreuze verschieden war, nahm der heilige Marcellus, einer seiner Schüler, den Leichnam des Apostel vom Kreuze herab. Der Leib des heiligen Apostels Petrus wurde daraufhin vom Blute gereinigt, gewaschen, mit Spezereien gesalbt, in ein neues weißes kostbares Gewand gehüllt und bei Fackelschein und Psalmengesang der begleitenden Christen zu Grabe getragen. Der heilige Marcellus besaß an der Cornelischen Straße, am Abhang des vatikanischen Hügels, da, wo schon eine Menge Martyrer aus der früheren Neronischen Verfolgungswelle begraben worden waren, eine Familiengruft. Bei derselben angekommen, wurde der Leichnam des heiligen Apostels Petrus in einen hölzernen Sarg gelegt, mit diesem in einen steinernen Sarkophag eingeschlossen und anschließend in der Gruft des heiligen Marcellus beigesetzt.

 

Als im Jahre 68 die Gewaltherrschaft des Tyrannen Nero durch Selbstmord endete, begann auch für die römische Kirche eine kurze Zeit der Ruhe. Diese Zeit der Ruhe nutzte der heilige Bischof Anakletus, welchen der heilige Apostel Petrus Petrus selbst zum Priester geweiht hatte, und der jetzt den römischen Bischofstuhl einnahm, um über dem Grab des Apostelfürsten eine Memoria zu errichten. Angelehnt an den vatikanischen Hügel, von einem Garten mit Blumen und Bäumen umfriedet, erhob sich die Vorderseite des Monumentes. Daneben lag eine kleine Kapelle für die Versammlung der Gläubigen. Aus dem Vorhof trat man in das Innere, in eine Grabkammer aus Steinen gemauert ein, deren Wände und Decke mit Marmor bekleidet und mit Gemälden geschmückt waren. Hier stand der steinerne Sarkophag mit der einfachen Inschrift "SIMON, GENANNT PETRUS" (in griechischen Buchstaben und griechische Sprache).

 

In einer Nische an der Wand brannte eine mit Nardenöl gefüllte Lampe. An diese Grabkammer oder Gruft des heiligen Apostels stieß die Ruhestätte seiner Nachfolger, der heiligen römischen Bischöfe Linus, Cletus, Anacletus, Evaristus, Pius, Anicetus, Soter, Eleutherius und Viktor an. Während der heilige Bischof  Anacletus die Memoria des heiligen Apostels Petrus erbaute, ließ er die Reliquien desselben erheben und einstweilen an einem andern Ort „ad catacumbas“ genannt, beisetzen und so vor dem Zugriff der Heioden bewahren. Hier blieben sie ein Jahr und sieben Monate lang, bis die Memoria fertiggestellt war, in welche man ihre heiligen Reliquien dann wieder beisetzt wurden. Nachdem das Werk dann vollendet war, wurde der Leib des heiligen Petrus mit einigen Reliquien des heiligen Paulus zusammen feierlich unter Lobgesängen dahin gebracht und dort beigesetzt. Der übrige Leib des heiligen Apostel  Paulus aber wurde in der Grabkammer der Lucina an der ostiensischen Straße erneut bestattet.

 

Das Grab des heiligen Apostels Paulus in der Basilika "Sankt Paul vor den Mauern".
Das Grab des heiligen Apostels Paulus in der Basilika "Sankt Paul vor den Mauern".
Das Grab des heiligen Apostels Petrus in der Basilika "Sankt Peter im Vatikan"
Das Grab des heiligen Apostels Petrus in der Basilika "Sankt Peter im Vatikan"

 

Die Leiber der beiden heiligen Apostelfürsten blieben jetzt unbehelligt, hochverehrt von den Gläubigen, die zu Zeiten des Friedens in Scharen kamen, um hier zu beten, die Heilige Eucharistie zu feiern und ihre Liebesmahle (Agape) zu halten. Später ließ der heilige Kaiser Konstantin die bescheidenen Oratorium in zwei prächtige Kirchen umwandeln, welche den Namen Basilika Sankt Peter im Vatikan und Sankt Paul vor den Mauern erhielten. Leider wurde die christlich-antike Basilika (Alt-)Sankt Peter im 16. Jahrhundert abgebrochen und durch die heutige Kirche in den Formen der Spätrenaissance  und des Barock ersetzt. Das Grab des heiligen Apostels Petrus blieb dabei aber erhalten.

 

 

Fest der Niederlegung

des kostbaren Gewandes der Allheiligen Gottesgebärein und Immerjungfrau Maria

(Βλαχέρναις καταθέσεως τῆς Τιμίας Ἐσθῆτος τῆς Θεοτόκου)

 

am 2. Juli 

 

Zur Zeit des byzantinischen Kaisers Leon I. des Großen (457-474) und seiner Gattin Verina unternahmen zwei junge Adlige aus Byzanz, Galbios und Kandidos, Brüder dem Fleische nach, eine Pilgerreise ins Heilige Land. In Galiläa angekommen, machten sie Rast in einem Pilgerhaus, das einer frommen Greisin jüdischen Ursprungs namens Anna gehörte. Im innersten Teil des Hauses war ein Raum, wo die Christen Kerzen anzündeten und Weihrauch darbrachten, und wo viele Kranke und Gebrechliche die Nacht zu verbringen pflegten. Die beiden jungen Edelleute fragten ihre Gastgeberin, was es mit diesem Raum für eine Bewandtnis habe. Die Greisin bezeugte, dass hier dank der Gnade Gottes viele Wunder geschahen, antwortete aber hinsichtlich des Grundes zunächst ausweichend. Auf Drängen der beiden enthüllte sie schließlich, dass in jenem Raum das Gewand der Gottesmutter aufbewahrt wurde, das die Allheilige kurz vor ihrer Entschlafung einer ihrer beiden jüdischen Dienerinnen vermacht hatte und das seither von Generation zu Generation weitergegeben worden war, stets unter der geheimen Obhut einer Jungfrau. Zu Tränen bewegt baten Galbios und Kandidos, die Nacht im Gebet in diesem Raum verbringen zu dürfen. Während die anwesenden Kranken schliefen, nahmen sie die Maße des Holzkästchens, in welchem die kostbare Reliquie aufbewahrt wurde, und zogen anderntags weiter nach Jerusalem, wobei sie ihrer Gastgeberin versprachen, auf der Rückreise wieder vorbei zu kommen. Nachdem sie die Heiligen Stätten verehrt hatten, ließen sie ein Kästchen anfertigen, das demjenigen in Annas Haus völlig ähnlich war. Dann kehrten sie dorthin zurück, nahmen durch eine List das Kästchen mit dem heiligen Gewand an sich und stellten an seiner Statt das leere Kästchen hin, das sie mit einem prächtigen goldbestickten Tuch bedeckten. 

 

473 nach Konstantinopel zurückgekehrt, hinterlegten sie den Schatz in Blachérne im äußersten Norden der Stadt, außerhalb der Mauern, nahe dem Ufer des Goldenen Horns, wo sie neben dem Muttergottes-Heiligtum eine Kirche zu Ehren der heiligen Apostel Petrus und Markus erbauen ließen, um die Sache zu vertuschen. Doch da an dem Ort viele Wunder zu geschehen begannen, konnten sie das Geheimnis nicht lange bewahren. Sie enthüllten Kaiser Leon die Wahrheit, und dieser ließ voller Freude über den großen Segen, welcher der Stadt zuteil geworden war, der Muttergotteskirche eine neue Kirche anbauen, in der das Holzkästchen mit dem heilige Gewand (griechisch: Ἐσθὴς) und dem Schleier (griechisch: Ὠμοφόριον) der Gottesmutter niedergelegt wurde. Später ersetzte man das Kästchen durch einen mit Edelsteinen besetzten Schrein aus Gold und Silber (griechisch: Ἅγια Σορός, wörtl. „Hl. Sarg“). Das Heilige Gewand war, so heißt es, in einem Stück aus feinster Wolle gleicher Farbe gewoben, und während der königliche Purpur, mit dem man die heilige Reliquie umhüllt hatte, nach einiger Zeit zerfiel, blieb das Gewand über die Jahrhunderte unversehrt, als deutlicher Ausdruck des Wunders der ewigen Jungfräulichkeit der Gottesmutter.

 

Quelle: Das Synaxarion - die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche, Zweiter Band - März bis August, Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania (Kreta) 2006.

 

 

Die Muttergottes-Kirche in Blachérne wurde 450-453 von Kaiserin Pulcheria erbaut. Als das Gewand der Gottesmutter 473 aus Palästina gebracht wurde, fügte Kaiser Leon I. dieser Kirche zur Aufnahme der hl. Reliquie ein Parekklísion (Nebenkirche) in Rundform an. Außerdem vervollständigte und verschönerte er den gesamten Kirchenbau. Die Panagia-Kirche von Blachérne blieb die ganze Byzantinische Zeit hindurch eines der bedeutendsten Heiligtümer der „Stadt der Städte“ und war Schauplatz mancher wichtiger historischer Ereignisse. Dank der Hilfe der Panagia Blachernítissa wurden im Jahr 626 die angreifenden Avaren zurückgeworfen (dieses Wunders gedenken wir am Samstag des Akathistos), 717 die Araber und 822 die Aufständischen unter General Thomas. Beim Angriff der Waräger von 860 begab sich der hl. Patriarch Photios (6.2.) mit dem Hl. Schleier ans Ufer des Goldenen Horns; kurz darauf wurde die Flotte aus der Rus durch einen heftigen Sturm vernichtet. Unzählige wunderbare Geschehnisse trugen sich zu in diesem Heiligtum, insbesondere das „normale“ Wunder, das sich fast jeden Freitag ereignete: Zur Zeit des Vesper-Gottesdienstes hob sich der Seidenschleier, der die Muttergottes-Ikone bedeckte, von selbst und ließ das Bild sichtbar werden bis Samstagabend zur gleichen Zeit, wenn er sich von selbst wieder senkte. Jeden Freitagabend zelebrierte man eine Nachtwache, gefolgt von einer feierlichen Prozession nach Chalkopratia, dem anderen großen Muttergottes-Heiligtum von Konstantinopel, wo der hl. Gürtel der Allheiligen (siehe 31.8.) aufbewahrt wurde. Die Blachernen-Kirche brannte 1070 ab, wurde aber wieder aufgebaut. 1434, wenige Jahre vor dem Fall von Konstantinopel, fiel sie endgültig den Flammen eines durch Unvorsicht ausgelösten Brandes zum Opfer.

 

 

Das Gleichnis von den bösen Winzern 

 

Erzbischof Dimitri (Royster) Exarch von Mexiko (OCA)

 

 

Das letzte der Gleichnisse, die im Matthäus-Evangelium im 21. Kapitel aufgeschrieben sind, handelt vom Weinberg oder ‚den bösen Winzern’. Im gleichen Kapitel haben wir zuvor gehört, dass der Herr nach Seinem triumphalen Einzug in die Heilige Stadt (Matthäus 21: 1- 11) nach Bethanien (Matthäus 21: 17) ging, um dort die Nacht zu verbringen. Bei Seiner Rückkehr am nächsten Morgen, bei Seiner Begegnung mit den Hohenpriestern und Ältesten (Matthäus 21: 23), klagte Er sie der Falschheit, der Scheinheiligkeit und der Verführung des Volkes an. Er vergleicht sie mit dem unfruchtbaren Feigenbaum, der durch Seinen Fluch verdorrte (Matthäus 21: 19). Dann beschreibt Er ihren Ungehorsam im ‚Gleichnis von den ungleichen Söhnen’ (Matthäus 21: 28-32). Wie der Sohn, der nur versprach in seines Vaters Weinberg zu arbeiten, erfüllen sie nicht den Willen ihres Vaters. Schließlich erzählt Er ihnen das ‚Gleichnis von den bösen Winzern’, die Perikope für den 13. Matthäus-Sonntag (Matthäus 21: 33-41; siehe auch Markus 12: 1-11 und Lukas 20: 9-18). Damit bringt Er Seine Anklage auf den Punkt, auf dass sie gewahr würden, wie sehr sie doch Gottes Heilsplan entstellt hatten.  

 

„Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.“ (Matthäus 21: 33) 

 

Gott hatte das hebräische Volk auserwählt und einen Bund mit ihm geschlossen. Er sorgte für sie, Er versorgte sie, Er verlieh ihnen den Sieg über ihre Feinde. Das Volk war der Weinberg Gottes und in ihm erhielten sie alles was nötig war; sie hatten Land, seine Grenzen waren gesichert, Gesetze und Ordnungen waren von Gott gegeben. Nach dem Heiligen Ambrosius sind die angeführten Einzelheiten als Symbole zu verstehen: der Zaun ist der Schild göttlicher Macht; die Kelter ist der Schauplatz geistiger Anstrengung um die Früchte der guten Werke hervorzubringen; der Turm ist Obdach oder Leuchtturm des Gesetzes, der sie zur Gerechtigkeit führt . 

 

Könige und Priester waren die Verwalter des Weinbergs Gottes und ihre Pflicht war es, das Volk so zu führen, dass es imstande war geistige Frucht zu bringen und treu zum Bund mit Gott zu stehen. Sie schuldeten Gott Treue und Gehorsam. Die Abreise des Gutsbesitzers in ein anderes Land zeigt, erstens, das Vertrauen, das Gott in Sein Volk hatte und, zweitens, Seine Geduld mit ihren Fehlern. Er gab ihnen jede Gelegenheit, das was Er ihnen anvertraut hatte, weiter zu pflegen, auch wenn sie immer wieder versagt hatten. Aber sie hatten immer die Zeit, zu Ihm in Gehorsam zurückzukehren und die Frucht der Heiligkeit zu erbringen. 

 

 

„Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erstemal; mit ihnen machten sie es genauso.“ (Matthäus 21: 34-36) 

 

Das dritte Buch der Könige (auch erstes Buch genannt) enthält viele Erzählungen der Verfolgung und Ermordung der Propheten (1. Könige 18:4; 19:10; 24- 27). Gott hatte die Propheten gesandt, den Hebräern Seinen Willen zu verkünden und sie von ihrer Sündhaftigkeit und ihrem Götzendienst zurückzurufen, und sie zu ermahnen den Bund mit Ihm zu halten, einen Bund, die sie oft gebrochen hatten. Der Gutsbesitzer im Gleichnisse Jesu schickt seine Knechte wiederholt in Seinen Weinberg, wo sie erschlagen werden. Damit erinnert Er an die schändlichen Ereignisse in der Geschichte des Volkes Gottes. Jeder Jude, der das hörte, würde erkannt haben, was der Herr damit meinte. 

 

„Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.“ (Matthäus 21: 37-39) 

 

So groß war die Sorge um Seinen Weinberg, das Haus Israel, dass Er Seinen eigenen Sohn sandte, um zurückzugewinnen was Sein war. Seine Geduld war noch nicht erschöpft, obwohl sie Seine Boten, die Propheten, verstoßen hatten. Vielleicht dachten die Winzer, der Herr würde nie mehr zurückkommen und sie zur Rechenschaft ziehen für die schlechte Bearbeitung Seines Weinbergs. Vielleicht verstanden die Könige und Hohenpriester die Botschaft der Propheten nicht. Jedenfalls beachteten sie diese Botschaft nicht. Sie hatten den Weinberg Gottes in Besitz genommen und benahmen sich, als hätten sie keinen Herrn, dem sie Rechenschaft ablegen müssten. 

 

Allen, die das Gleichnis hörten, war klar, dass Jesus sich nicht nur auf die Zurückweisung und Ermordung der Propheten durch Israel bezog, sondern auch auf Sich als den Sohn, der gekommen war, von den „Winzern“, das heißt von den Hohenpriestern und Ältesten Rechenschaft zu fordern. Er sagte Seinen eigenen Tod voraus, den die religiösen Führer verlangen würden. (Dass die Winzer den Sohn aus dem Weinberg hinauswarfen, erinnert uns daran, dass Christus zu Seiner Kreuzigung aus der Stadt hinaus geführt wurde.) Die Führer mussten Ihn eigentlich als den Erben erkennen, aber sie dachten nicht daran, dass Gott Selbst eingreifen würde, denn Er hatte sie auch nicht für die Misshandlung Seiner Propheten bestraft. Vielleicht betrachteten sie Jesus nur als einen weiteren Propheten, den man ungestraft misshandeln konnte.

 

 

Jedenfalls, so wie die Winzer sich an die Abwesenheit des Gutsbesitzers gewöhnt hatten, so hatten sich auch die Hohenpriester und Ältesten daran gewöhnt zu leben und zu regieren als ob Gott der Herr nicht mehr da wäre. Obwohl sie sicher bereits beschlossen hatten genau das zu tun, was der Herr in Seinem Gleichnis voraussagte, wagten sie es noch nicht Hand an Ihn zu legen, aus Furcht vor der Menge, die ihn für einen Propheten hielt. Der Weinberg als Symbol für das Volk Gottes wird im Alten Testament häufig benutzt. Die Tempelbeamten kannten die Schrift und haben unzweifelhaft die Absicht im Gleichnis des Herrn erkannt. Der Prophet Jesaia hatte genau dieses Gleichnis vorausgesagt, als er Israel seine Verderbtheit vorwarf und seine Verwüstung prophezeite. 

 

„Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren? Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt. Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden. Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel, und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit – doch siehe da: Der Rechtlose schreit.“ (Jesaja 5,4-7) 

 

Der Herr beendet Sein Gleichnis mit einer Frage an die Hohenpriester und Ältesten: „Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“ (Matthäus 21: 40-41) Als sie Seine Frage beantworten, verurteilen sie sich selbst für das, was sie und ihre Vorgänger getan hatten. Gottes gerechtes Urteil kam nicht nur aus ihrem eigenen Munde, denn der Herr sagt ihnen auch, dass sie als Winzer im Weinberg Gottes ersetzt würden. „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwartete Frucht bringt.“ (Mt 21,43) Das neue Volk ist die Kirche Christi, die gebildet wird aus den treuen Jüngern aus jeder Nation und Rasse der Erde. 

 

Allerdings wurde uns dieses Gleichnis nicht geschenkt, damit wir schadenfroh über das Versagen der Juden sind oder die heutigen Juden verachten. Das Gleichnis gibt uns keine Rechtfertigung für Antisemitismus. Das Gleichnis erinnert Christen daran, dass auch sie einen Bund zu halten haben und dass ihre Untreue und ihr Ungehorsam unter den gleichen Fluch fällt. Es gibt keine Propheten mehr, die Gottes Willen verkünden und das Volk richten, dem der Weinberg anvertraut ist. Der letzte und größte Prophet ist gekommen und hat Gott und Seinen Heilsplan für die Menschheit offenbart. Er ist der Sohn Gottes, der wahre Erbe, und „wir sind Kinder Gottes. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi“ (Römer 8: 16-17). Christus hat in der Kirche ein dauerhaftes Zeugnis Seiner Verkündigung hinterlassen, durch die Seine Lehre von Generation zu Generation tradiert wurde. Die an Ihn glaubten und Mitglieder Seiner Kirche wurden, haben einen Bund mit Ihm geschlossen und sind auch dafür verantwortlich, dass er gehalten wird. Er hat uns auch gesagt, dass Rechenschaft gefordert wird, das Gericht, und „Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen“ (Römer 2: 6; Matthäus 16: 27).

 

 

Viele Christen leben als gäbe es keine Rechenschaft, keinen Tag des Gerichts, wenn der Gutsbesitzer zurückkommt, um von Seinen Knechten die Abrechnung zu verlangen. Sie benehmen sich, als hätte der Herr, nachdem Er das Neue Israel aufgerichtet hatte, es verlassen und würde Seine Knechte und Diener nicht mehr zur Rechenschaft ziehen. Hier unterscheiden sie sich kaum von den Winzern des Gleichnisses. Die Heilige Schrift, sogar die ganze Tradition der Kirche, lehrt das genaue Gegenteil. Der Herr liebt die Kirche, Seinen Rebstock, denn Er hat Sich für sie hingegeben, aber das Werk der Kirche, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, muss auf Seine Weise getan werden. 

 

„Haben wir, die Seine Knechte sind, selbstlos im Weinberg des Vaters gearbeitet? Haben wir nicht alle allzu oft die wiederholten Botschaften und Rufe des Herrn des Weinbergs, Seines Wortes Selbst, den Dienst der Engel und das Vorbild der Heiligen verachtet? Teilen wir nicht bei jeder Sünde die Schuld der Juden am Tod des Sohnes? Haben wir nicht verdient, von Gott von Seinem Heil und Seinem Himmelreich ausgeschlossen zu werden?“ (A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord) 

 

Quelle: Andreasbote September 2009

 

 

Predigt über den christlichen Bekennermut

 

zum 4. Matthäus-Sonntag

 

von Erzpriester Michael Rahr 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

in der heutigen Evangeliumslesung (Matthäus 8: 5-13) begegnet unser Herr Jesus Christus in Kafarnaum einem römischen Hauptmann, der Ihn um Hilfe für seinen schwer leidenden Diener bittet. Als der Herr daraufhin in das Haus des Hauptmanns gehen will, um den Diener zu heilen, spricht der Hauptmann einmalige, bemerkenswerte Worte: „Herr, ich bin es nicht wert, dass Du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund“ (8,8). Daraufhin erntet er Lob für seinen Glauben und wird somit zum Vorboten der Bekehrung der Heiden: „Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen“ (8,11).

 

Aus zweierlei Gründen ist dieser Zenturio, in meinen Augen, Beispiel für uns:

 

1) Wie oft kommt es vor, dass wir uns nur dann an Gott wenden, wenn wir selbst in Not geraten?! Und wie inbrünstig können Gebete von gläubigen oder plötzlich bekehrten Menschen sein, wenn es um ihr eigenes Wohl oder das ihrer nächsten Angehörigen geht (siehe Markus 10: 48; Markus 9: 24). Hier aber bittet der Mann für einen Sklaven, für jemanden, dem juristisch keine Menschenwürde zusteht, dessen einzige Daseinsberechtigung darin besteht, seinem Herrn und Eigentümer zu dienen – und dieser „Eigentümer“ lässt sich (aus römischer Sicht) dazu herab, einen jüdischen Wanderprediger demütig um die Genesung seines Sklaven zu bitten.

 

2) Wir haben es hier mit einem Mann zu tun, der selbst keine Synagoge besuchte und somit, bedingt durch seine Herkunft, nur die heidnische Sicht auf die Welt hatte. Zudem war er durch das Soldatenleben in eiserner Disziplin getrimmt, wodurch für ihn eigenständiges Denken tabu war und Mitleid gegenüber Schwächeren als krankhafte Verhaltensstörung galt. Trotzdem macht sich dieser Mann die Denkweise seiner eigenen Umgebung, seiner Kultur zu eigen, um selbst zum Glauben an den wahren Gott zu kommen (siehe 8: 9). Ein Glauben, wohlgemerkt, der, so scheint es, in der Liebe zum Menschen seinen Ursprung hat oder zumindest unauflösbar mit ihr verbunden ist. So schreibt der heilige Apostel Paulus im Römerbrief: „Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigten damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich – an jenem Tag, an dem Gott, wie ich es in meinem Evangelium verkündige, das, was im Menschen verborgen ist, durch Jesus Christus richten wird.“ (Römer 2: 14-16).

 

Es sind also zwei Punkte: Glaube und Liebe. Und gerade auf diese beiden kommt es an, wenn wir die Kindschaft Gottes erlangen wollen (siehe Matthäus 5: 44). In allen anderen Aspekten kann man vertretbare Kompromisse schließen: bei gegebenem Anlass können Gottesdienste modifiziert, Gebetsregeln verkürzt, das Fasten gemildert, Kanones nicht in ihrer ganzen Strenge angewandt werden – vieles ist denkbar, sofern es dem Heil der Menschen dienlich sein sollte. Doch in zwei Punkten gibt es keine Abstriche: in der Liebe und im Glauben. „Liebt eure Feinde“ (Matthäus 5: 44) – kompromissloser, als in der Bergpredigt, kann man das Gebot der Gebote nicht auf den Punkt bringen.

 

Aber der Herr lobt im vorliegenden Fall vor allem den Glauben des Hauptmanns: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden“ (8: 10). Noch vor den beiden römischen Martyrern Longinus und Kornelius ist dieser römische Offizier ein Vorläufer des Bekennertums der neutestamentlichen Ära. Martyrer und Bekenner nennt man Glaubens- bzw. Blutzeugen, denn durch ihre Standhaftigkeit bezeugen sie die Wahrheit des Evangeliums (denn wer würde schon für eine Lüge leiden oder sogar sterben?).

 

Womöglich gibt es solche unter uns Christen, die Bekennertum und Martyrium mit Fanatismus gleichsetzen. Doch das Evangelium ist eindeutig: „Wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation Meiner und Meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn Er mit den heiligen Engeln in der Hoheit Seines Vaters kommt“ (Markus 8: 38; siehe Lukas 9: 26). Wie gesagt, in Bezug auf den Glauben ist das Evangelium maximalistisch. Und wie könnte es auch anders sein? Wenn jemand nicht bereit ist, sein zeitliches Leben für das ewige Leben zu opfern, dann kann das nur eines bedeuten: er glaubt nicht an das ewige Leben. Und somit glaubt er auch den Worten unseres Erlösers nicht, wenn er deren Wahrheit nicht vor dieser treulosen und sündigen Generation bekennen will.

 

Der heilige Maximos der Confessor bekannte und verteidigte den christlich-orhodoxen Glauben gegen Kaiser Konstans.
Der heilige Maximos der Confessor bekannte und verteidigte den christlich-orhodoxen Glauben gegen Kaiser Konstans.

 

Der heilige Maximos Confessor entstammte einer wohlhabender oströmischen Adelsfamilie und wurde um 580 in Konstantinopel geboren. Ab 610 war er Sekretär des Kaisers Herakleios. Im Jahre 614 zog er sich als Abt in das benachbarte Kloster Chrysopolis bei Chalcedon zurück. Der heilige Maximos der Bekenner bekämpfte zu seiner Zeit die Häresien des Monophysitismus, und des Monotheletismus. Für den damals regierenden Kaiser Konstans II. waren theologische Fragen unbedeutend. Im ging es nur um Machterhalt und Politik, dem sich auch die Kirche und die Reinheit des orthodoxen Glaubens unterordnen sollte. Für Konstans war Maximos nur ein Mönch, der den geschuldeten Gehorsam verweigerte. Seine Sorge um den Glauben war ihm vollkommen gleichgültig. Der heilige Maximus wurde deshalb im Jahre 653 in Konstantinopel vor Gericht gestellt, bis 655 eingekerkert und anschließend nach Thrakien verbannt. Als er sich weiterhin weigerte, der monotheletischen Häresie zu zustimmen, wurde der Heilige  im Jahr 662 schwer gefoltert: Wenn man ihn nicht zur Apostasie (Glaubensabfall) bewegen konnte, mußte man ihn eben zum Verstummen bringen. Dem Heiligen Maximos wurde die Zunge herausgeschnitten und die rechte Hand abgehackt. Wenig später wurde er nach Lazika im heutigen Georgien verbannt, wo er im Kastell Schemarion am Schwarzen Meer am 13. August 662 an seinen Verletzungen verstarb.

 

Der Heilige Maximos der Bekenner
Der Heilige Maximos der Bekenner

 

Ich kriege oft zu hören: „Ach, wissen Sie, in der DDR bzw. UdSSR durfte man nicht in die Kirche gehen, deshalb konnten wir unsere Kinder nicht im Glauben erziehen“... Wenn man mal großzügig darüber hinweg sieht, dass besagte politische Gebilde seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr existieren, und die Kirche in der Folge dank einer unendlich scheinenden Medienvielfalt inzwischen ungestört die Frohe Botschaft verkünden kann, ist diese Aussage (bzw. Ausrede?) auch faktisch nicht korrekt. In besagten Systemen war das Recht auf Gewissensfreiheit von der Verfassung garantiert; gleichwohl verlangte die Glaubensausübung einen gewissen Bekennermut. Doch wer ihn damals nicht aufbringen wollte, der tut es heute auch nicht. Nur mangelt es heute am „Bekennermut“ gegenüber dem eigenen Ego, gegenüber der eigenen Bequemlichkeit, gegenüber den liebgewonnenen Wochenendvergnügungen, den Familienangehörigen, Freunden, Kollegen etc. Solche nominellen Christen begreifen nicht, dass der Glaube dergestalt auf seine Kompromisslosigkeit auf die Probe gestellt werden muss: „Wer nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben um Meinetwillen verachtet, der kann nicht Mein Jünger sein“ (Markus 14: 26). 

 

Aber dieser Gedanke lässt sich beliebig weiterführen. Junge Christen, die meinen, vor der Ehe schon alles „ausprobieren“ zu dürfen, handeln in eben derselben Art und Weise. Es läuft doch immer wieder auf ein und dieselbe Weigerung hinaus, die Worte Christi vor der Welt zu bekennen. Ja, als Moral und Anstand noch gesetzlich geschützt bzw. die Missachtung derselben gesellschaftlich geächtet wurde, da passte man sich dem Mainstream an und meinte, so auch innerlich nach Gottes Geboten zu leben. Heute erfordert das Leben nach dem Evangelium aber schon rein äußerlich einen gewissen Bekennermut. Wer als Teenager seiner Clique gegenüber erklärt, er werde nicht mit in die Disco gehen, weil heute ein kirchlicher Feiertag ist, wer als junger Erwachsener seine Familienplanung von Anfang an auf dem Fundament beiderseitiger Keuschheit vor der Eheschließung gründet, wer als Vater oder Mutter beim Elternabend deutlich seinen christlichen Standpunkt zu neuesten „Errungenschaften“ der Sexualerziehung kundtut, wer im Kollegenkreis mal darauf verweist, dass die viel beschworene Toleranz auch gegenüber solchen Menschen Bestand haben sollte, die gewisse „alternative Lebensformen“ zwar aus innerer Überzeugung ablehnen, dabei jedoch niemanden verurteilen und die staatlichen Gesetze respektieren, – der zeigt damit, dass er nach seiner christlichen Überzeugung handelt und nach seinem christlichen Glauben lebt.

 

Vergessen wir eines nicht: bei unserer Taufe wurden wir zu „neuerwählten Kriegern Christi“. Wir müssen kämpfen, denn wir gehören in dieser Welt zur „kämpfenden Kirche“. Diakon Andrej Kuraev hat es mal so ausgedrückt: "ein Kadaver schwimmt immer mit der Strömung. Nur wenn jemand gegen den Strom schwimmt, kann man erkennen, dass er lebendig ist." Der Hauptmann von Kafarnaum hat sich dank seines Glaubens an Gott und dank seiner Liebe zum Mitmenschen über geltende Konventionen, über die vorherrschenden Mentalität, über das ihm von Jugend auf eingetrichterte Weltbild hinweggesetzt. Er wurde so, trotz widrigster äußerer Voraussetzungen, zum „Hauptmann des Himmlischen Königs“.

 

Unser Glaube an den von den Toten Auferstandenen ist ein lebendiger Glaube. Es gibt nichts Wichtigeres für uns, als das ewige Leben mit Gott in Seinem Reich. Und das bezeugen wir allwöchentlich durch unsere Teilnahme an der Auferstehungsfeier Christi. Amen. 

 

 

Exarchat der orthodoxen Gemeinden

russischer Tradition in Westeuropa 

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa (Erzbistum der orthodoxen russischen Gemeinden in Westeuropa (Архиепископия Православных Русских Церквей в Западной Европе / Archevêché des Églises Orthodoxes Russes en Europe Occidentale) umfaßt heute rund 200 orthodoxe Gemeinden in fast allen Ländern Westeuropas und betreut dabei zwischen mindestens 25.000 bis 30.000 und höchstens 75.000 bis 80.000 Gläubigen (Diese Angabe basiert auf einer Einschätzung des Verfassers, der Zahlen, die S. E. Erzbischof Sergej (Konovaloff) im Jahre 2003 genannt hat, zugrunde liegen). Es untersteht der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel. Der amtierende Erzbischof ist Monsigneur Archevêque Jean von Charioupolis. Der Bischofsitz befindet sich an der Alexander-Newsky-Kathedrale in Paris. Das Erzbistum gliedert sich derzeit in mehrere Dekanate in Frankreich. Außerdem gibt es Dekanate für Belgien, die Niederlande, Italien, Deutschland, Spanien, Skandinavien sowie Großbritannien und Irland. 

 

Das Exarchat ist aus der im Jahr 1921 gegründeten westeuropäischen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche hervorgegangen. Infolge der politischen und kirchlichen Schwierigkeiten, die sich aus der kommunistisch-atheistischen Kirchenverfolgung in Russland ergaben, untersteht die Diözese seit dem Jahre 1931 der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen.

 

 Monsigneur Erzbischof Johannes von Charioupolis.
Monsigneur Erzbischof Johannes von Charioupolis.

 

Die meisten Gemeinden des Exarchates befinden sich in Frankreich. In Deutschland gibt es Gemeinden in Düsseldorf (Orthodoxe Kirchengemeinde zu den Heiligen Erzengeln), in Stuttgart (Orthodoxe Kirchengemeinde Heiliger Alexander Newsky (Pragfriedhof), in Albstadt (Orthodoxe Kirchengemeinde Heiliger Sergei von Radonesch) und in Balingen (Orthodoxe Kirchengemeinde Heiliger Martin von Tours).

 

Außenansicht orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Martin von Tours in Balingen.
Außenansicht orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Martin von Tours in Balingen.
Innenansicht orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Martin von Tours in Balingen.
Innenansicht orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Martin von Tours in Balingen.
Innenansicht der Kirche zu den Heiligen Erzengeln in Düsseldorf.
Innenansicht der Kirche zu den Heiligen Erzengeln in Düsseldorf.
Außenansicht Kirche Heiliger Alexander Newsy in Stuttgart.
Außenansicht Kirche Heiliger Alexander Newsy in Stuttgart.

 

Die Gemeinden des Exarchates sind in der russischen Tradition der orthodoxen Kirche beheimatet, verstehen sich aber nicht erstrangig als russische Auslandsgemeinden, sondern als Heimat für alle orthodoxen Christen, die sich zu den jeweiligen Parrgemeinden (Paroisse) und eucharistischen Kommunitäten (Communauté eucharistique) zugehörig fühlen. Infolgedessen ist auch der Anteil von Gläubigen westlicher Herkunft in den Gemeinden des Exarchats vergleichsweise groß. Damit alle Gläubigen in der Gemeinde gleichermaßen mit ins Gebet hinein genommen werden können, stellt der Gottesdienst in der jeweiligen westeuropäischen Landessprache nicht eine Ausnahme, sondern die gewünschte Normalität dar, wobei gleichzeitig auch selbstverständlich immer Teile der Gottesdienste in den jeweiligen Heimatsprachen der anwesenden Gläubigen gebetet und gesungen werden können. Jedoch werden den Gläubigen im Exarchat außer den Vorschriften, die im christlich-orthodoxen Glauben und den daraus folgenden Regeln für das orthodoxe kirchliche Leben begründet sind, grundsätzlich keine weiteren Verhaltensnormen als verbindliche Leitkultur auferlegt. Jede Gläubige kann und darf sein sprachliche, nationale und kulturelle Identität selbst bestimmen und ihr jeweils einen eigenen Ausdruck verleihen. Unter Erzbischof Georgy (Tarassov, 1960-1988) wurde für das Exarchat die bis heute gültige Regelung beschlossen, dass jede Einzelgemeinde für sich und nach ihren pragmatischen Bedürfnissen entscheiden darf, in welcher Sprache sie ihr gottesdienstliches leben gestalten möchte. Dabei haben sich heute zwei Grundvarianten herausgebildet: Es bis heute im Exarchat neben vielen Gemeinden mit mehrheitlich landessprachlichem Gottesdienst und neuem (neujulianischem) Kalender genauso selbstverständlich auch Gemeinden mit vorwiegend kirchenslawischer Gottesdienstsprache und altem (julianischem) Kalender. Dabei versuchen die einzelnen Gemeinden in der jeweils zu ihnen passenden Art und Weise das russisch-kirchenslawische Vätererbe zu bewahren und die berechtigten Interessen der jungen Generation und der sich neu in der Orthodoxie beheimatenden Konvertiten nach einem vorwiegend landessprachlich geprägten Gottesdienst in gerechten Einklang zu bringen. Denn so wenig wie sich die heutige kirchliche Wirklichkeit im Exarchat einfach mit dem Begriff "russisch-orthodox" klassifizieren läßt, genau so verkürzend und der komplexen Fülle der gelebten Realitäten in den Gemeinden des Exarchates nicht gerecht werdend wäre es, beim Exarchat einfach von einer "Orthodoxie westeuropäischer Prägung, mit einer abendländischen Identität oder Mentalität" sprechen zu wollen. 

 

Eglise Saint Serge de Radonege am Institut de Théologie Orthodoxe Saint Serge. Neben den meist französischsprachigen Gottesdiensten des Instituts dient die Kirche auch einer bis heute russischsprachigen Gemeinde als Gotteshaus.
Eglise Saint Serge de Radonege am Institut de Théologie Orthodoxe Saint Serge. Neben den meist französischsprachigen Gottesdiensten des Instituts dient die Kirche auch einer bis heute russischsprachigen Gemeinde als Gotteshaus.
Blick auf den Innenhof des Institut de Théologie Orthodoxe Saint Serge in Paris.
Blick auf den Innenhof des Institut de Théologie Orthodoxe Saint Serge in Paris.

 

Ferner gehört zum Exarchat das Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris, das die älteste und traditionsreichste orthodoxe theologische Bildungseinrichtung in Westeuropa ist. Vor allem in Frankreich unterstehen verschiedene orthodoxe Klöster und Skiten der Jurisdiktion des Exarchats, so zum Beispiel das Nonnenkloster Mariae Schutz in Bussy-en-Othe und das Kloster Sainte Silouane in Saint Mars de Locquenay.

 

Igumen Archimandrit Syméon im Monastère Orthodoxe  Saint Silouane.
Igumen Archimandrit Syméon im Monastère Orthodoxe Saint Silouane.
Krypta im Monastère Orthodoxe Saint Silouane.
Krypta im Monastère Orthodoxe Saint Silouane.
Klosterkirche Verklärung Christi im Kloster Mariae-Schutz in Bussy-en-Othe.
Klosterkirche Verklärung Christi im Kloster Mariae-Schutz in Bussy-en-Othe.

 

Hier können Sie die aktuelle Online-Ausgabe der Kirchenzeitung des Exarchates in deutscher Sprache lesen:

 

ZUR ORTHODOXEN KATECHESE

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Es ist eine traurige Tatsache, dass viele orthodoxe Gläubige die Glaubenswahrheiten unserer Kirche nicht (mehr) kennen. Der Mangel an religiöser Kenntnis ist nicht normal, obwohl viele glauben, dass religiöses und theologisches Wissen allein eine Sache der "Spezialisten" sei.

 

Wer sich ernsthaft darum bemüht, ein orthodox geprägtes Leben zu führen, wer als praktizierender orthodoxer Christ sein Leben mit und in der orthodoxen Kirche führen will, muss zwar in erster Linie regelmäßig an den Gottesdiensten der Kirche teilnehmen, dort die heiligen Mysterien (Sakramente) ehrfürchtig empfangen, das persönliche Gebetsleben pflegen und sich im geistlichen Leben um ein, den eigenen Lebensvollzügen angemessenes, Maß der Askese bemühen.

 

An zweiter Stelle steht aber, dass wir uns als orthodoxe Christen ernsthaft darum bemühen sollten, ein umfassendes orthodoxen Glaubenswissen zu erwerben. Dies trifft nicht nur auf die Minderheiten in der orthodoxen Diaspora zu, wo schulischer Religionsunterricht bis heute eher eine Ausnahme darstellt und deshalb die Katechese im Erwachsenenalter unverzichtbar für den Aufbau eines gründlichen Wissens um die Inhalte des orthodoxen Glaubens ist, sondern zunehmend auch auf die bisher traditionell orthodox geprägten Länder Südost- und Osteuropas. Auch hier geht mit der Übernahme einer individualistischen Lebensauffassung und konsumorientierten Alltagskultur gleichzeitig ein Rückgang der traditionell gemeinschaftlich erlebten und von Generation zu Generation weitergegebenen orthodoxen, kirchlich orientierten Volkskultur einher. Wo aber nicht mehr die gemeinsam weitergegebenen orthodoxen Glaubens- und Lebensvollzüge, sondern in zunehmendem Maße persönliche Auswahloptionen das religiöse wie auch alltägliche Leben bestimmen, ist ein umfassendes orthodoxen Glaubenswissens für den einzelnen Gläubigen mehr den je unverzichtbar.

 

Um sich dieses orthodoxe Glaubenswissen anzueignen, ist es ganz entscheidend, dass wir regelmäßig und aufmerksam die liturgischen Texte in unseren orthodoxen Gottesdiensten mitbetend hören. Den in diesen liturgischen Texten wird die Heilige Schrift für uns zitiert, paraphrasiert und ausgelegt. So führen uns die liturgischen Texte hin zum rechten Hören auf die Worte der Heiligen Schrift, die wir Orthodoxe im Sinne der Heiligen Apostolischen Tradition, wie sie sich rechtgläubig in der Lehre unserer orthodoxen Kirche ausdrückt, verstehen. Um zu wissen, was die Lehre unserer orthodoxen Kirche ist und was uns die Heilige Orthodoxe Tradition sagt, brauchen wir alle - gebildete und einfache Menschen - eine beständige Praxis des frommen Mitbetens und andauernden Hinhörens auf die Worte unserer orthodoxen Gottesdienste, aber auch eine lebenslange, religiöse Weiterbildung (Katechese) im Rahmen unserer Kirchengemeinden und Familien. An erster Stelle erweist sich für uns dabei das regelmäßige Gespräch mit unserem geistlichen Vater und das fortlaufende Lesen in den Schriften der heiligen Väter als besonders hilfreich. Darüber hinaus helfen uns heute eine Vielzahl katechetischer orthodoxer Texte weiter, wenn wir unser Glaubenswissen vertiefen und erweitern wollen.

 

Um diesem frommen Bemühen unserer Gläubigen zu dienen, veröffentlichen wir kurze, klare und einfache Texte, die das notwendige Wissen über unseren orthodoxen Glauben fördern sollen. So versteht sich unser Online- Magazin Orthodoxe Perspektive mit all seinen Inhalten als ein gemeinde- und erwachsenenkatechetischer Beitrag zur Förderung und Unterstützung des Glaubenswissens orthodoxer Christen in deutscher Sprache.

 

Herzlich gern stellen wir das Material auf dieser Webseite allen orthodoxen Christen und Kirchengemeinden zur Verfügung. Wir bitten aber um Ihr Verständnis, dass wir erwarten, dass die Texte und Abbildungen nur nach Rücksprache mit der Schriftleitung anderweitig genutzt, verbreitet, beziehungsweise an anderer Stelle veröffentlicht werden.

 

 

Hirtenwort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zum Religionsunterricht

 

„Lasst die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen!“ (Mt 19,14) 

 

Liebe Väter, Brüder und Schwestern!

 

In einer Angelegenheit, die uns sehr am Herzen liegt und für die Zukunft unserer Kirche in diesem Land von eminenter Bedeutung ist, wenden wir orthodoxen Bischöfe Deutschlands uns heute in einem gemeinsamen Hirtenwort an Sie, liebe orthodoxe Christen und Christinnen in Deutschland.

 

Zu den Sorgen, die uns als Oberhirten der Orthodoxen Kirche in Deutschland aufgetragen sind, gehört jene um die Weitergabe unseres heiligen Glaubens an die kommenden Generationen: Die religiöse Erziehung der Kinder und Jugendlichen stellt gerade in der Diaspora-Situation unserer Gemeinden ein Feld von besonderer Wichtigkeit dar, allerdings oft auch ein steiniges Feld. 

 

Wir sehen mit Besorgnis, wie etliche jüngere Glieder der Kirche ohne die notwendige religiöse Unterweisung aufwachsen, die ihnen hilft, den Glauben ihrer Väter und Mütter zu bewahren und ihn später einmal auch an ihre Kinder weiterzugeben. 

 

Für uns Bischöfe ist es sehr beunruhigend, dass der schulische orthodoxe Religionsunterricht bislang nur einen relativ geringen Teil der orthodoxen Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreicht. 

 

Wir sind Mitbürger in diesem Land geworden, und wir sind es gerne: Als solche tragen wir gemeinsam mit den staatlichen Institutionen Deutschlands die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und heranwachsenden Jugendlichen in die hiesige Gesellschaft integriert werden und zugleich ihre eigene orthodoxe religiöse Identität nicht verlieren; dies ist eine wichtige Aufgabe des staatlichen Religionsunterrichtes, der in qualitativer und quantitativer Hinsicht dem der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften entspricht. 

 

Dabei dürfen wir mit Freude feststellen, dass von Seiten der zuständigen staatlichen Stellen unser Anliegen in der letzten Zeit eine positive Würdigung erfährt. So haben bislang bereits vier Bundesländer den orthodoxen Religionsunterricht an allgemeinbildenden staatlichen Schulen offiziell eingerichtet, nämlich Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Hessen, also die Bundesländer mit dem größten Anteil orthodoxer Gemeinden und Gläubigen in Deutschland. Auch die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, mit denen wir in Verhandlung stehen, zeigen sich prinzipiell bereit, den orthodoxen Religionsunterricht einzuführen. 

 

Inzwischen können wir auch mit Freude feststellen, dass sich Möglichkeiten zur Ausbildung von Religionslehrern aus allen orthodoxen Nationen, die in Deutschland leben, bieten, und zwar von solchen Lehrerinnen und Lehrern, die in diesem Lande ausgebildet werden, die die Situation der Orthodoxen Kirche in Deutschland verstehen und auch die Lebenswirklichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler gut kennen. Solche Möglichkeiten gibt es an der Universität München wie auch an der Universität Münster. 

 

Doch auch in den genannten Bundesländern sind wir noch weit entfernt von einem flächendeckenden Angebot orthodoxen schulischen Religionsunterrichtes, vor allem, weil eine entsprechende positive Resonanz aus den Gemeinden fehlt und an zu wenigen Orten die Einrichtung des Unterrichtes eingefordert wird. Dies gilt umso mehr, als in einigen Bundesländern staatlicherseits die notwendigen statistischen Grundlagen bislang noch nicht vorhanden sind.

 

Wir dürfen hier nicht nur auf den Staat verweisen und allein von ihm Lösungen erwarten: Im Blick auf die religiöse Bildung unserer Kinder sind der volle Einsatz und das Engagement aller orthodoxen Christen in Deutschland gefordert. 

 

Es ist hohe Zeit, hier zu handeln, sonst besteht die Gefahr, dass eine Generation von jungen orthodoxen Christen heranwächst, die ihrem Glauben bzw. dem der Eltern immer mehr entfremdet wird. Es ist unbestritten, dass neben der Gemeindekatechese dem Religionsunterricht im deutschen Schulsystem eine wesentliche Funktion zur Wertevermittlung zukommt. Wir können auf den schulischen orthodoxen Religionsunterricht nicht verzichten, wenn wir erreichen wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen der Kirche und dem Glauben nicht verloren gehen bzw. sie auf eine folkloristische Besonderheit ihrer nationalen Herkunft reduzieren. 

 

Bei dieser Aufgabe sind wir wesentlich auf die Mitarbeit der Pfarrer und Eltern, also auf Ihre Unterstützung angewiesen: 

 

Nutzen wir die Möglichkeit, dass unsere Kinder durch den schulischen orthodoxen Religionsunterricht den orthodoxen Glauben, den Glauben ihrer Väter und Mütter, besser kennen lernen und weiter in ihn hineinwachsen!

 

• Bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind orthodoxen Religionsunterricht in seiner Schule erhält!

 

• Informieren Sie andere orthodoxe Eltern darüber, dass diese Möglichkeit besteht und unbedingt genutzt werden sollte!

 

• Seien Sie bereit, bei der Organisation des Unterrichtes mitzuhelfen und Ihre Kinder dann auch zu diesem Unterricht zu bringen! 

 

Nur wenn es uns gelingt, der heranwachsenden orthodoxen Generation in Deutschland aus dem gelebten orthodoxen Glauben und der genuinen orthodoxen Tradition heraus das notwendige Rüstzeug mitzugeben, das ihr einerseits die Integration in die Gesellschaft dieses Landes und ein tatkräftiges Mitgestalten ermöglicht, sie andererseits aber vor einer Assimilierung an eine immer mehr dem christlichen Glauben sich entfremdende Umgebung bewahrt, können wir hoffnungsvoll in die Zukunft der Orthodoxen Kirche in Deutschland blicken zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! 

 

Berlin, 12. November 2011

 

Für die Gr.-Orth. Metropolie von Deutschland, Exarchat von Zentraleuropa (K.d.ö.R.)

 

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa

 

Bischof Evmenios von Lefka, Bischof Bartholomaios von Arianz mit allen Mitgliedern der OBKD.

 

Quelle: http://www.obkd.de/Texte/

 

Hier kann das Anmeldungsformular für den orthodoxen Religionsunterricht in Baden-Würtemberg heruntergeladen werden

 

 

Bericht OJB-Camp 2016

 

vom 09. – 18.08.2016 in Königsheim

 

von Theodora Steiner, Wien 

 

 

Einmal jährlich wird dem kleinen Ort Königsheim Leben eingehaucht, wenn Kinder und Jugendliche aus allen erdenklichen Orten des deutschsprachigen Raumes eintrudeln, um am fünften Orthodoxen Jugendcamp teilzunehmen. Eine Teilnehmerin ist sogar aus Paris angereist. Dies findet inzwischen zum vierten Mal in der Jugendbegegnungsstätte St. Franziskus in Königsheim statt. Hier werden die Kinder und Jugendliche eineinhalb Wochen spielend, singend und betend miteinander verbringen...